April 2008

Tiere im Wald
| Wald, wie
betreuend verhüllst du die Tiere in deinem unendlichen Rauschen und Schweigen. Fern den Menschen sind sie am schönsten. Geheim im Blau. |
Selten, dass
dir ein Reh am Waldrand scheulos begegnet. Den runden Tierblick in deine Menschenaugen taucht. - Und ward es dir nicht wie ein geisterhaftes Berühren, Wink aus dem Zwischenreich, deine Sehnsucht schmerzend -? |
Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis.
Francisca Stoecklin
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April
Das ist die Drossel, die da schlägt.
Der Frühling, der mein Herz bewegt:
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
Theodor Storm (1817-1888)
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Distel
Die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zum Schutz gefährdeter Pflanzen hat die Nickende Distel zur Blume des Jahres 2008 ernannt. Die Nickende Distel gehört zur dörflichen Unkrautflora, einer Pflanzengesellschaft, die es in Deutschland mehrere tausend Jahre gegeben habe, die aber inzwischen so gut wie verschwunden sei, wurde diese Wahl begründet. Während in der Vergangenheit der ländliche Raum mit einer Vielzahl von unversiegelten Teillebensräumen und Strukturen zwischen Hof- und Gebäudebereich geprägt war, hat heute die sogenannte Verstädterung auch das Dorf verändert und insbesondere versiegelte Flächen hinterlassen. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen stehe die Nickende Distel bereits auf der Liste der gefährdeten Arten, in anderen Bundesländern ist sie regional gefährdet.
Analysen über den Rückgang der dörflichen Biotope stellen nicht nur Einbuße bei der Vegetation, sondern immer auch bei der zugehörenden Fauna fest, heißt es weiter. Die Nickende Distel ist eine Pflanze der ausdauernden Ruderalfluren, welche insbesondere Insekten und Vögeln wichtige Lebensgrundlagen bieten. Die Nickende Distel ist Nahrungshabitat für Schmetterlingsraupen und andere Insektenlarven sowie für körnerfressende Vögel wie den Stieglitz. Sie ist Bienen- und Hummelweide sowie Futterpflanze für zahlreiche Falterarten, darunter Feuriger und Großer Perlmuttfalter, Graubindiger Mohrenfalter und Mattscheckiger Braundickkopffalter.
Die Nickende Distel gehört zur großen Familie der Korbblütler und ist zweijährig. Im ersten Lebensjahr entwickelt sie also lediglich eine Blattrosette und erst im zweiten Jahr wächst dann ein 50 bis 100 Zentimeter langer Spross empor. Der im Hochsommer erscheinende, leicht überhängende Blütenstand – daher der Name – hat einen Durchmesser von drei bis sechs Zentimetern und besteht aus rund hundert purpurnen Einzelblüten. Ihnen entströmt ein süßlicher, leicht moschusartiger Geruch. Früher wurde die Pflanze auch Bisam-Distel genannt. Die Nickende Distel kommt in nahezu ganz Europa vor, Verbreitungsschwerpunkte sind West- und Zentraleuropa. Die Pflanze ist wärmeliebend. Sie fühlt sich auf stickstoff- und kalkhaltigen Böden wohl und trifft an Wegerändern, Böschungen, Hecken und Mauern sowie auf mageren Viehweiden auf.
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An die Spröde
Gertrude, weiße Blume,
was bist du so stolz;
Es wächst kein grünes Blättlein
am trockenen Holz.
| Die
Nachtigall singt nicht in Schnee und in Eis; Die Liebe schmeckt am schönsten, wenn niemand es weiß. Gertrude, weiße Blume, |
Sie singet
von Liebe, sie singet von Glück; Die Zeit, die verpasst ist, die kommet nicht zurück. Gertrude, weiße Blume, |
Herman Löns (1866-1914)
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Die Sage von der schönen Lau
Eduard Mörike
Der Blautopf ist der große runde Kessel eines wundersamen Quells bei einer Felsenwand gleich hinter einem Kloster. Gen Morgen sendet er ein Flüsschen aus, die Blau, welche der Donau zufällt. Dieser Teich ist einwärts wie ein tiefer Trichter, sein Wasser ist von Farbe ganz blau, sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber schöpft, sieht es ganz hell in dem Gefäß.
Zuunterst auf dem Grund saß ehemals eine Wasserfrau mit langen, fließenden Haaren. Ihr Leib war allenthalben wie eines schönen, natürlichen Weibes, dies eine ausgenommen, dass sie zwischen den Fingern und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blühweiß und zarter als ein Blatt von Mohn. Im Städtlein ist noch heutzutage ein alter Bau, vormals ein Frauenkloster, hernach zu einer großen Wirtschaft eingerichtet und hieß darum der Nonnenhof. Dort hing vor sechzig Jahren noch ein Bildnis von dem Wasserweib, trotz Rauch und Alter noch wohl kenntlich in den Farben. Da hatte sie die Hände kreuzweis über die Brust gelegt, ihr Angesicht weißlich, das Haupthaar schwarz, die Augen aber, die sehr groß waren, blau. Beim Folk hieß sie die arge Lau im Topf, auch wohl die schöne Lau. Gegen die Menschen erzeigte sie sich bald böse, bald gut. Zuzeiten, wenn sie in Unmut den Gumpen übergehen ließ, kam Stadt und Kloster in Gefahr. Dann brachten ihr die Bürger in einem feierlichen Aufzug oft Geschenke, sie zu begütigen, als: Gold- und Silbergeschirr, Becher, Schalen, kleine Messer und andere Dinge, dawider zwar, als einen heidnischen Gebrauch und Götzendienst, die Mönche redlich eiferte, bis dieser auch endlich ganz abgestellt worden. So feind darum die Wasserfrau dem Kloster war, geschah es doch nicht selten, wenn Pater Emmeran die Orgel drüben schlug und kein Mensch in der Nähe war, dass sie am lichten Tag mit halbem Leib heraufkam und zuhorchte. Dabei trug sie zuweilen einen Kranz von breiten Blättern um den Kopf und dergleichen um den Hals.
Ein frecher Hirtenjunge belauschte sie einmal in dem Gebüsch und rief: „Hei, Laubfrosch! Git’s guat Wetter?“ Geschwinder als ein Blitz und giftiger als eine Otter fuhr sie heran, ergriff den Knaben beim Schopf und riss ihn mit hinunter in eine ihrer nassen Kammern, wo sie den ohnmächtig Gewordenen jämmerlich verschmachten und verfaulen lassen wollte.
Bald aber kam er wieder zu sich, fand eine Tür und kam über Stufen und Gänge durch viele Gemächer in einen schönen Saal. Hier war es lieblich mitten im Winter. In einer Ecke brannte, indem die Lau und ihre Dienerschaft schon schlief, auf einem hohen Leuchter mit goldenen Vogelfüßen als Nachtlicht eine Ampel. Es stand viel köstlicher Hausrat herum an den Wänden, und diese waren samt dem Estrich ganz mit Teppichen bedeckt, Bildweberei in allen Farben. Der Knabe nahm hurtig das Licht herunter von dem Stock, sah sich in Eile um, was er noch sonst erwischen möchte, und griff aus einem Schrank etwas heraus, das stak in einem Beutel und war mächtig schwer, deswegen er vermeinte, es sei Gold. Er lief dann und kam vor ein erzenes Pförtlein, das mochte in der Dicke gut zwei Fäuste sein, schob die Riegel zurück und stieg eine steinerne Treppe hinauf in unterschiedlichen Absätzen, bald links, bald wieder rechts, gewiss vierhundert Stufen, bis sie zuletzt ausgingen und er auf ungeräumte Klüfte stieß. Da musste er das Licht dahinten lassen und kletterte so mit Gefahr seines Lebens noch eine Stunde lang im Finsteren hin und her; dann aber brachte er den Kopf auf einmal aus der Erde. Es war tiefe Nacht und dicker Wald um ihn. Als er nach vielem Irregehen endlich mit der ersten Morgenhelle auf gängige Pfade kam und von dem Felsen aus das Städtlein unten erblickte, verlangte ihn, am Tage zu sehen, was in dem Beutel wäre. Da war es weiter nichts als ein Stück Blei, ein schwerer Kegel, spannenlang, mit einem Öhr an seinem oberen Ende, weiß vor Alter. Im Zorn warf er den Plunder weg, ins Tal hinab, und sagte nachher weiter niemandem von dem Raub, weil er sich dessen schämte. Doch kam von ihm die erste Kunde von der Wohnung der Wasserfrau unter die Leute.
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Am fließenden Wasser
Hell im Silberlichte flimmernd
zieht und singt des Baches Welle,
goldengrün und tiefblau schimmernd
küsst sie flüchtig die Libelle;
Und ein drittes kommt dazu,
eine Blüte hergeschwommen:
Alle haben drauf im Nu
heitern Abschied schon genommen.
Und die Esche beugt sich drüber,
schaut in Ruh das holde Treiben,
denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber,
ich will grünen hier und bleiben!
Und ich unterm Eschenbaum:
Was soll denn mit mir geschehen
in dem reizend leichten Traum?
Soll ich bleiben? Soll ich gehen?
Gottfried Keller
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Wie wahr, wie wahr …
Eines Tages entschloss sich der Wahnsinn seine Freunde zu einer Party einzuladen.Als sie alle beisammen waren schlug die Lust vor, Verstecken zu spielen.
"Verstecken? Was ist das?" fragte die Unwissenheit.
"Verstecken ist ein Spiel: einer zählt bis 100, der Rest versteckt sich und wird dann gesucht", erklärte die Schlauheit.
Alle willigten ein bis auf die Furcht und die Faulheit.
Der Wahnsinn war wahnsinnig begeistert und erklärte sich bereit zu zählen.
Das Durcheinander begann, denn jeder lief durch den Garten auf der Suche nach einem guten Versteck.
Die Sicherheit lief ins Nachbarhaus auf den Dachboden, man weiß ja nie.
Die Sorglosigkeit wählte das Erdbeerbeet.
Die Traurigkeit weinte einfach so drauf los.
Die Verzweiflung auch, denn sie wusste nicht, ob es besser war sich hinter oder vor der Mauer zu verstecken.
"... 98, 99, 100!", zählte der Wahnsinn. "Ich komme euch jetzt suchen!"
Die erste, die gefunden wurde, war die Neugier, denn sie wollte wissen, wer als erster geschnappt wird und lehnte sich zu weit heraus aus ihrem Versteck.
Auch die Freude wurde schnell gefunden, denn man konnte ihr Kichern nicht überhören.
Mit der Zeit fand der Wahnsinn all seine Freunde und selbst die Sicherheit war wieder da.
Doch dann fragte die Skepsis: "Wo ist denn die Liebe?"
Alle zuckten mit der Schulter, denn keiner hatte sie gesehen.
Also gingen sie suchen. Sie schauten unter Steinen, hinterm Regenbogen und auf den Bäumen.
Der Wahnsinn suchte in einem dornigen Gebüsch mit Hilfe eines Stöckchens.
Und plötzlich gab es einen Schrei! Es war die Liebe.
Der Wahnsinn hatte ihr aus Versehen das Auge rausgepiekst.
Er bat um Vergebung, flehte um Verzeihung und bot der Liebe an, sie für immer zu begleiten und ihre Sehkraft zu werden.
Die Liebe akzeptierte diese Entschuldigung natürlich.
Seitdem ist die Liebe blind und wird vom Wahnsinn begleitet ...
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Liebeslied (aus dem schönsten Liebeslied der Weltliteratur, dem Hohenlied der Liebe – Altes Testament)
Aus: die Catholische Straßburger Bibel oder Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments 1734
6. Setze mich wie ein Siegel auf dein
Hertz,
und wie ein Siegel auf deinen Arm:
dann die Lieb ist starck,
wie der Todt und der Eyffer ist hart wie die Höll:
ihre Ampeln seynd feurige und flammende Ampeln.
7. Viel Wasser haben die Lieb nicht
auslöschen können,
und die Ström werden sie nicht dämpffen:
wann der Mensch alles, was er in seinem Hauß hat,
für die Lieb geben würde,
so wird er’s doch für nichts achten.
Das Alte Testament – Einheitsübersetzung der Heiligen
Schrift – 1979
6. Leg mich wie ein Siegel auf dein
Herz,
wie ein Siegel an deinen Arm!
Stark wie der Tod ist die Liebe,
die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt.
Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen.
7. Auch mächtige Wasser
können die Liebe nicht löschen;
auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses,
nur verachten würde man ihn.
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Das Kind unter den Wölfen
Auf einem Riesengebirge lebte einmal eine alte Frau, die hatte ein kleines Kind und auch eine große Herde. Die Herde gehörte aber nicht der Frau, sondern sie hütete sie nur.
Und da saß sie einmal mit ihrem Kinde an dem Walde und gab dem Kinde Brei aus dem Napfe, und die Kühe weideten unterdessen auf dem Grase. In dem Walde waren aber böse Wölfe. Und als die Kühe von dem Grase in den Wald gingen, wo es kühl war und auch viel Gras wuchs, dachte die Frau, der Wolf könnte kommen und die Kühe fressen. Da gab sie dem Kinde einen Napf mit Brei und einen hölzernen Löffel dazu und sagte: „Da, Kindchen, nimm und iss! Nimm aber den Löffel nicht zu voll!“ Und nun stand sie auf und ging in den Wald und wollte die Kühe heraus treiben.
Und wie nun das Kind so allein da saß und aß, kam eine große, große Wölfin aus dem Walde herausgesprungen gerade auf das Kind los, fasste es mit den Zähnen hinten an der Jacke und trug es in den Wald. Und als die Mutter wieder kam, war kein Kind mehr da. Der Napf lag auf der Erde, aber der Löffel lag nicht dabei; denn den hatte das Kind in der Hand festgehalten. Wie die Mutter das sah, dachte sie gleich: „Das hat kein anderer getan als der Wolf“, lief in das Dorf uns schrie entsetzlich, dass die Leute herauskämen.
Inzwischen kam ein Bote durch den Wald gegangen; der hatte sich verirrt und wusste nicht, wo er war. Und wie er so durch die Büsche geht und den Weg sucht, hört er etwas sprechen und denkt: Da müssen wohl Leute sein. Und es sagte immer: „Geh, oder ich geb dir was!“ Und wie er nun die Büsche voneinander macht und sehen will, was es ist, sitzt ein Kind auf der Erde und sechs Wölfe sind drum herum, die fahren immer auf das Kind zu und schnappen ihm nach den Händen. Aber die Wölfin war nicht dabei; die war wieder in den Wald gelaufen. Und wenn dem Kinde nun die Wölfchen nach den Händen schnappen, schlägt es sie mit dem hölzernen Löffel auf die Nase und sagt immer dazu: „Geh, oder ich geb dir was!“
Der Bote wunderte sich, lief aber geschwind hin und schlug mit dem Stocke unter die kleinen Wölfe, dass sie alle davon liefen. Und das Kind nahm er geschwind von der Erde in die Höhe und lief und lief; denn er dachte, die alte Wölfin könnte wiederkommen.
Und es währte gar nicht lange, da kamen auch die Bauern aus dem Dorfe mit Heugabeln und Dreschflegeln. Und die Mutter war auch dabei. Als sie aber sah, dass der Wolf das Kind nicht gefressen hatte, war sie so vergnügt und dankte dem guten Mann tausend Mal und noch mehr dem lieben Gott, dass er ihr Kind behütet hatte.Friedrich Jacobs
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Sprich noch nicht vom Frühling, es
ist zu früh!
So lockend die Sonne vom Himmel hitzt,
so lockend alles glänzt und glitzt …
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Es werden Tage wieder kommen
bevor erblüht, wovon du träumst,
da alles wie vorher trostlos und weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voller Traurigkeit, Tage voll Müh …
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Und doch und dennoch: mit jubelndem
Liede
grüße dies frohe befreiende Blau
über all dem farblosen Grau,
freu dich der flimmernden Mittagsstunden,
sonne das Herz dir zu keimender Kraft,
dass es dem müde machenden Winter
und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!
Nur warte, nur wart noch! Es wird
sich erfüllen,
es wird sich erfüllen, was du ersehnst:
Glutig auflodern wird es am Himmel,
über die Berg her wird es wehn
und wie donnernde Osterglocken
wird es durch die Lande gehen …
nur warte, nur wart noch und hab Geduld!
So schön und so köstlich dies
blitzende Blau
mit seinem süßen stillen Locken,
es kommen Tage noch und Wochen
farblos grau,
da alles wie vorher trostlos weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh …
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Cäsar Flaischlen (1864-1920)
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Der Kuckuck
Er ist der Klassiker unter den Naturobjekten des Jahres. Der Vogel des Jahres, der jährlich vom Naturschutzbund Deutschland bestimmt wird. Diesmal ist es einer, dessen Ruf jedes Kind kennt – der Kuckuck.
Mit rund 35 Zentimetern Körperlänge ist der Kuckuck etwa so groß wie der Turmfalke. Der Kuckuck hat im Flug eine falkenähnliche Gestalt, fliegt aber mit wesentlich flacheren Flügelschlägen. Das Männchen ist überwiegend schiefergrau. Seine weiße Unterseite mit dunklen Querbändern erinnert an einen Sperber. Das Weibchen ist leicht rostfarben getönt. Kuckucke sitzen gerne weithin sichtbar auf einem Busch oder Zaunpfahl. Der markante Ruf des Kuckuck-Männchens gibt ihm seinen gleichlautenden Namen und mit dem weit zu hörenden Ruf markiert das Männchen sein Revier. Der Kuckuck ist vornehmlich Insektenfresser. Zu seiner Lieblingsspeise zählen Schmetterlingsraupen, aber auch Heuschrecken, Käfer und Libellen.
Einzigartig ist sein sogenannter Brutparasitismus, denn das Weibchen verteilt gezielt sekundenschnell jeweils ein Ei auf die Nester anderer Vögel. Diese sogenannten Wirtsvögel sind viel kleiner als der Kuckuck. Nach der Ablage des Kuckuckseis im fremden Nest ist die Brut des Wirtsvogels verloren, denn nach dem Schlüpfen schiebt der erst wenige Stunden alte Jungkuckuck nacheinander sämtliche Eier und die bereits geschlüpften Stiefgeschwister über den Nestrand. Er lässt sich nur alleine von den Gasteltern „bewirten“. Auch bei uns gibt es den Kuckuck. Am weitesten verbreitet in Deutschland ist er in Niedersachsen. Bei uns ist der Kuckuck hauptsächlich in lichten Mischwäldern anzutreffen. Somit legt er seine Eier hauptsächlich in Nester, der dort häufig vorkommenden Vogelarten.
Kuckucke sind typische Zugvögel und überwintern südlich des Äquators. Sie nehmen hin und zurück zwischen 8 000 bis 12 000 Kilometer Flugstrecke auf sich. Die Vögel verlassen Deutschland im Juli bis September. Die Ankunft des Kuckucks im Frühjahr erfolgt im April/Mai.
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Der Kuckuck und der
Esel,
die hatten einen Streit,
wer wohl am besten sänge,
wer wohl am besten sänge,
zur schönen Maienzeit,
zur schönen Maienzeit.
Der Kuckuck sprach: „Das kann ich!“
Und hub gleich an zu schrein.
„Ich aber kann es besser!“
fiel gleich der Esel ein.
Fiel gleich der Esel ein.
Das klang so schön und lieblich,
so schön von fern und nah.
Sie sangen alle beide …
Kuckuck, Kuckuck! Ia!
Kuckuck, Kuckuck! Ia
Text Heinrich Hoffmann von
Fallersleben
Melodie: Karl Friedrich Zelter
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Der Turban
Nach dem Haare waschen tragen viele Frauen Turban, auch wenn er wenig mit den traditionellen Kopfbedeckungen der indischen Sikh, der nordafrikanischen Tuareg oder anderer Moslems zu tun hat. Frauen legen sich ein Handtuch um den vorgebeugten Kopf, wickeln es zu einem Strang und stecken die Enden im Nacken unter die Stoffkante. Fertig ist die Tracht der Badezimmer-Diva. In Wäscheabteilungen sind passend zum Hauskleid sogar fertige Frottee-Turbane zu finden. Auch so manche Bademütze betagter Damen erinnert an die Glamour der Hollywood-Diven orientalische Kopfbedeckung, die ihre Wurzeln vermutlich in Persien hat.
Turbane wurden in verschiedenen Kulturen schon immer sowohl von Männern als auch von Frauen getragen.
Tatsächlich hat der Turban längst Modegeschichte geschrieben. So trat die für ihre drapierten Kopfbedeckungen berühmte Madame Gres meist selbst mit Turban an die Öffentlichkeit. Ihr folgten die Hollywood-Diven der vierziger Jahre, etwa Marlene Dietrich und Rita Hayworth. Jahrzehnte später setzte der in Algerien aufgewachsene Modeschöpfer Yves Saint Laurent wiederholt auf Turbane. In der aktuellen Mode bekennen sich Marc Jacobs, Antonio Marras und Ralph Lauren zum gewickelten Kopfschmuck.
Doch nicht alle sind begeistert von der Alternative zum Hut. So verweigert der "Observer" dem Turban seine Zustimmung.
Allerdings hatte der Turban schon mächtigere Gegner: So verabschiedete der türkische Atatürk bevorzugte Hüte und verbot den Turban
Staatsgründer und Reformer Atatürk im November 1925 ein Hutgesetz, mit dem er das Tragen von Turban und Fes verbot, weil er das gegenüber dem westlichen Hut für kulturell rückständig hielt. Allerdings ist der mit einer Krempe versehene Hut für gläubige Moslems geradezu hinderlich. Schließlich berühren sie beim Gebet gen Mekka mit der Stirn den Boden. Zudem dient der Turban nicht nur als Kopfbedeckung, sondern lässt sich bei Bedarf auch in ein Seil verwandeln oder fungiert als Stauraum für kleine Gegenstände.
Ob aus einem selbst um den Kopf gebundenen Tuch oder gekauft: Ein Turban umrahmt und betont das Gesicht zugleich. Das ist bei großflächigen, ungeschminkten Gesichtern nicht immer schmeichelhaft. Die Ohren gehören unter den Turban, was das Hören behindern und im Sommer zum Problem werden kann. Von Vorteil ist, dass man eine schlecht sitzende Frisur unter dem Stoff verschwinden lassen kann. Wer einen Turban tragen will, sollte ihn auf die restliche Garderobe abstimmen.
Hören sie zu Schwester,
wissen sie wie ich mich fühle?Erlebnisse einer 26 jährigen Patientin im Krankenhaus,
bei der Multiple Sklerose diagnostiziert wurde.Es ist ein Schock, als ich an meinem Geburtstag akut ins Krankenhaus muss,
mir geht es sehr schlecht und ich habe Angst, ich bin doch noch so jung.Die medizinische Maschinerie läuft an, ich werde auf den Kopf gestellt.
Viele Fragen quälen mein Gehirn, was habe ich nur?Lumbalpunktion, MRT und Infusionen muss ich über mich ergehen lassen.
Psychisch fühle ich mich ganz unten.Die Nebenwirkungen der Medikamente machen mir schwer zu schaffen.
Tag und Nacht quälende Gedanken, was wird werden?Schwestern gehen in meinem Zimmer ein und aus,
einige freundlich und zugewandt, stellen sich vor.Andere kommen grußlos und stumm herein, ich weiß nicht, wie sie heißen.
Sie nehmen mich kaum war, ich habe das Gefühl, ihnen lästig zu sein.Ich werde von ihnen zu Untersuchungen quer durch das Krankenhaus geschickt,
ohne Begleitung, ohne die Frage, wie es mir geht.Wissen sie Schwester, wie ich mich fühle?
Ich könnte schreien und fühle mich ohnmächtig.Bin ich für sie nur eine Nummer, ein lästiges Übel?
Denken Sie nur einmal, an meinen seelischen Zustand?Haben sie ihren Beruf gewählt, um Menschen zu helfen, oder ist es nur ein Job?
Haben sie nicht gelernt, dass ein Mensch nicht nur aus seinem Körper besteht?Die Seele eines Patienten ist genau so wichtig.
Nur seelische Zuwendung kann einen Menschen gesund machen.Dann kommt die Diagnose, ich habe eine unheilbare Krankheit.
Von einer Minute zur anderen ist mein junges Leben auf den Kopf gestellt.Wissen sie Schwester, wie ich mich fühle?
Ich könnte schreien, jetzt brauche ich ihren Beistand.Besinnen sie sich auf ihren Beruf und fragen sich,
warum bin ich Krankenschwester geworden?
von
Detlef Wolfgang Scholz
Apelnstedt
April 2008mehr unter: http://home.feierabend.com/bubbelpety/
Marie Prinzessin von Württemberg
„Onser gueter Keenich“, Wilhelm II., der letzte König aus dem Hause Württemberg, wollte eine Ehe nur „auf Grund einer wahren und aufrichtigen Herzensneigung“ eingehen.
Da begegnete ihm am Sedanstag 1876 am Bodensee die Richtige. Er schwärmt: „Mit den herrlichsten Eigenschaften des Körpers, des Geistes und des Gemüts ausgestattet, voll unwiderstehlicher Anmut, empfänglich für das Gute und Schöne, rein, wahr und edel im Denken, Wollen und Tun.“
Sechs Wochen später wird Verlobung gefeiert und Mitte Februar 1877 fährt er seine ihm frisch angetraute Prinzessin Marie aus dem Hause Waldeck-Pyrmont heim nach Stuttgart ins Kronprinzenpalais.
Mit ihren Hochzeitsgeschenken gründen sie ein Heim für behinderte und kranke Mädchen, das „Maria-Martha-Stift“ in Ludwigsburg.
Am 23. Mai 1857 war die Braut zur Welt gekommen und das Glück der beiden sollte gerade mal fünf Jahre dauern. Bald kam das erste Kind zur Welt, „Keenichs Päule“, die spätere Fürstin Pauline zu Wied.
Im Sommer 1880 kommt zur Freude des ganzen Königreichs der Stammhalter Ulrich zur Welt. Fünf Monate später, am „Tag der unschuldigen Kindlein“, stirbt dieses Büble unter rätselhaften Umständen, obwohl die Eltern beim Besuch des Maria-Martha-Stifts, das Kind putzmunter zurück gelassen hatten.
Am 27.4.1882 bringt Maria ein totes Mädchen zur Welt und stirbt drei Tage später an den Folgen der Geburt.
Es hieß damals“ Jedermann weinte, als wäre allen eine gute Mutter gestorben.An ihrem Grab predigt der Oberhofprediger und Dichter Karl Gerok:
Das fürstliche Haus in dieser Stadt, unter dessen bescheidenem Dach Liebe und Friede, stilles Glück und einfache Sitte so herzerfreulich wohnten, es ist zum Trauerhaus geworden, darin, statt froher Wiegenlieder, wie wir hofften, die schmerzliche Totenklage ertönt, darin sie nicht mehr wandelt und waltet, die des Hauses Seele war. Niedergeschmettert im Innersten blickt ihr zärtlicher Gemahl auf die Trümmer seines häuslichen Glücks; verwaist steht das holde Töchterlein, dem das treue Mutterauge so früh sich schloss; und von unserem Württemberger Land, in welchem die Entschlafene von ihrem ersten Eintritt an sich alle Herzen gewonnen hat, hallt die Totenklage fernhin in das Heimatland ihrer Jugend, wo sie unvergessen in tausend Herzen lebt.
J e d e n Abend
Jeden Abend sollst du deinen Tag
prüfen, ob er GOTT gefallen mag,
ob er freudig war in Tat und Treue,
ob er mutlos lag in Angst und Reue;
Sollst die Namen deiner Lieben nennen,
Hass und Unrecht still vor dir bekennen,
sollst dich alles Schlechten innig schämen,
keinen Schatten mit ins Bette nehmen,
alle Sorgen von der Seele tun,
dass sie fern und kindlich möge ruhn.Dann getrost in dem geklärten Innern
sollst du deines Liebsten dich erinnern,
seiner Mutter, deiner Kinderzeit;
Sieh, dann bist du rein und bist bereit,
aus dem kühlen Schlafborn tief zu trinken,
wo die goldnen Träume tröstend winken,
und den neuen Tag mit klaren Sinnen
als ein Held und Sieger zu beginnen.~~ Hermann Hesse ~~
Innehalten
Ich las von einem Mann, der bei der Beerdigung seiner Frau eine Rede hielt.
Er verwies auf die Daten, die auf dem Grabstein standen, von ihrem Anfang . . . bis zu ihrem Ende.
Er begann, indem er als erstes ihr Geburtsdatum nannte.
Und das folgende Datum, das Datum ihres Todes, ihres viel zu frühen Todes, nannte er unter Tränen.
Er sagte, was ihn am meisten bewegte, war die Zeit, die zwischen diesen Daten lagen.
Und er klagte sich an, nicht mehr auf sie geachtet zu haben, und dass er die Anzeichen ihrer Krankheit und ihr stiller werden nicht verstanden hatte.
Die Zeit, die sie auf Erden verbracht hatte, diese ach so kurze Zeit ….
Und nur die Menschen, die sie geliebt hatten wissen, was diese kleine Zeitspanne wert war.
Und er klagte und weinte, und fragte nach dem Warum . . .
Am Schlimmsten war ihm, dass es für alle guten Vorsätze jetzt zu spät war, und es für ihn keinen Trost gab.
Zu spät und unabänderlich . . .
Es ist vollkommen bedeutungslos, wie viel wir besitzen.
Die Autos . . . das Haus . . . das Bargeld . . . einfach alles, das mit materiellen Werten gemessen werden kann.
Es ist nichts, absolut nichts gegen den Wert eines geliebten Menschen.
Er ist unwiederbringlich . . .
Was bedeutet es schon, wie wir leben und was wir lieben . . . und wie wir unsere Zeit verbringen?
Denke nach, lange und intensiv:
Gibt es da Dinge in deinem Leben, die du gerne verändern möchtest?
Dann tue es!
Tue es jetzt !
Du weißt nicht, wie viel Zeit dir noch bleibt!Wenn wir nur ein bisschen langsamer machen könnten, damit wir mehr Zeit hätten, darüber nachzudenken, was wahr und real ist, und was wirklich wichtig ist!
Wir sollten versuchen zu ergründen und zu verstehen, was und wie andere Menschen fühlen.
Sei nicht so schnell ärgerlich und ungeduldig, und zeige mehr Dankbarkeit.
Achte und respektiere - und vor allem – liebe die Menschen in deinem Leben, die deinen Weg kreuzen, auch und gerade, wenn es nur für kurze Zeit ist.Liebe die Menschen so, wie du niemals zuvor deine Liebe verschenkt hast.
Ohne Vorbehalt, ohne Eigennutz.
Wenn wir alle Menschen mit Respekt behandeln, und viel öfter mal lächeln würden, das wäre schon mal ein Anfang.
Und wenn diese positiven Gedanken
wenigstens eine kleine Weile anhielten . . . Wir wären alle schon einen großen Schritt weiter.
Stell dir mal vor, eines Tages würde eine Rede über dein Leben gehalten, über Dinge, die du getan und gesagt hast.
Was du bewirkt hast, in deinem Leben.
Und was du alles versäumt hast . . .
Könntest du stolz sein über das, was von dir gesagt wird?
Über die Art und Weise, wie du dein Leben verbracht hast?
Es gehört nicht sehr viel dazu, ein besserer Mensch zu sein.
Wichtig ist nicht der Einzelne, bist nicht du . . . wichtig sind die Menschen.
Alle Menschen . . .Von einer Freundin bekommen
Der Schneck
Ach wie langsam, ach wie langsam
Kommt der Schneck von seinem Fleck!
Sieben volle Tage braucht er
Von dem Eck zum andern Eck.Ach wie langsam, ach wie langsam
Schleicht der Schneck durchs Gras daher!
Potz, da wollt ich anders laufen,
wenn ich solch ein Schnecklein wär.!Altes Kinderlied
Mäuseöhrchen
Mäuseöhrchen – auf diesen niedlichen Namen hört das Weichtier des Jahres, eine kleine Schnecke der küstennahen Salzwiesen. Damit soll auf diesen gefährdeten Lebensraum mit seinen extremen Umweltbedingungen aufmerksam gemacht werden. Die Salzwiesen der deutschen Nord- und Ostseeküsten sind weltweit einzigartig und deshalb sowohl nach nationalem wie auch europäischem Recht streng geschützt. Typisch für diese Familie ist, dass die Augen an der Fühlerbasis sitzen, während sich bei den meisten anderen Land-Lungenschnecken die Augen oben am Ende der Fühler befinden. Das durchgehend braune, zugespitzt-eiförmige Gehäuse des Mäuseöhrchen ist fünf bis elf Millimeter hoch und bis zu fünf Millimeter breit. Der Mündungsrand ist nach innen als Lippe verdickt und nach außen krempenartig erweitert.
Mäuseöhrchen laben im Gras der Salzwiesen direkt an der Küste. Sie bewohnen den Schlammboden zwischen den Pflanzen, sitzen unter Treibholz, unter Steinen oder an angespültem Tang. Beliebte Lebensräume sind die Ränder kleiner Gewässer in der Salzwiese, wo die Tiere unter überhängenden Grasbüscheln leben. Mäuseöhrchen bevorzugen wenig bewirtschaftete Flächen mit höherer Salzwiesenvegetation wie Strand-Aster, Strand-Beifuß oder Strandflieder. Zum Erhalt dieser Pflanzen und damit der Mäuseöhrchenvorkommen darf die Beweidung nur sehr schonend erfolgen.
Hinsichtlich des Salzgehalts sind Mäuseöhrchen recht tolerant. In den Überschwemmungsbereichen treten oft Konzentrationen auf, die viel höher sind als der Salzgehalt des umgebenden Wassers. Mäuseöhrchen erträgt über längere Zeit Werte zwischen 0,9 und 9,9 Prozent. Zum Vergleich: Nordseewasser enthält rund 3,5 Prozent Salz.
Die Schnecke ernährt sich von Kieselalgen, sowie organischen Resten auf und im Schlick. Ihren Kalkbedarf zum Gehäuseaufbau decken die Tiere durch Benagen von leeren Krebspanzern, Schneckengehäusen und Kalkgehäusen von Einzellern.
In Europa leben Mäuseöhrchen von Großbritannien und Dänemark bis ins Mittelmeer und Schwarze Meer. Die Art wurde außerdem nach Nordamerika und Jamaika verschleppt. Die Tiere werden drei bis vier Jahre alt. Sie sind Zwitter, jedes Tier hat also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Bei der meist im April/Mai und August/September stattfindenden Paarung fungiert normalerweise ein Tier als Weibchen, nimmt also Spermien auf, und eines als Männchen, das Spermien abgibt. Es wurden auch Paarungen beobachtet, bei denen noch ein drittes Tier beteiligt war, sodass das mittlere der Tiere sowohl als Weibchen als auch als Männchen agierte.
Die Eier werden in Paketen zu 25 bis 30, in Extremfällen auch bis zu 80 Stück auf feuchten Stellen am Boden oder in kleinen Erdspalten abgelegt.
Die Entwicklung der Embryonen im Ei dauert je nach Umgebungstemperatur drei bis sieben Wochen. Unter optimalen Laborbedingungen werden Mäuseöhrchen schon acht Wochen nach dem Schlüpfen geschlechtsreif.
Nachtgefühl
Wenn ich mich abends entkleide
Gemachsam, Stück für Stück,
so tragen die müden Gedanken
mich vorwärts oder zurück.Ich denke der alten Tage,
da zog die Mutter mich aus:
sie legte mich still in die Wiege,
die Winde brausten ums Haus.Ich denke der letzten Stunde,
da werden’s die Nachbarn tun;
sie senken mich still in die Erde,
dann wird ich lange ruhn.Schließt nun der Schlaf mein Auge,
wie träum’ ich oftmals das:
es wäre eins von beidem,
nur wüsst’ ich selber nicht, was.Friedrich Hebbel
(1813-1863)
Morgenwonne
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.Joachim Ringelnatz
Was das Röschen zu verschenken hatte
Ganz am Ende des Dorfes stand ein kleines Häuschen. Es sah ein bisschen wackelig aus; es lehnte nur so an einer Mauer, auf der Gras und allerlei Unkraut wuchs. Dem Röschen machte das aber keinen Kummer; das lebte ganz vergnügt und zufrieden in den Tag hinein und besann sich gar nicht´, ob es am Ende Kinder gebe, die besseres Essen und schönere Kleider haben und ein schöneres Haus, um darin zu wohnen. Das Röschen war das einzige Kind im Hause. Der Vater saß den ganzen Tag auf seinem Stühlchen und flickte Schuhe und Stiefel, wenn er welche hatte, und die Mutter kochte und wusch und besorgte die Geiß und das Äckerlein.
Jetzt stand das Röschen unter der Haustür und besann sich, ob es lieber zuerst in den Stall wolle und nach der Geiß sehen oder gleich auf ein Schemelchen steigen und der Mutter ein wenig am Waschzuber helfen. Das war beides sehr vergnüglich. Dann entschloss es sich, ganz zuerst sein Stück Brot zu essen, das es in der Hand hielt; denn es hatte seine Milch nur leer ausgetrunken.
Da schlürfte ein alter Mann an das Häuschen heran, der steckte in einem ganz zerrissenen Kittel, und zu den Schuhen guckten die Zehen heraus.
„Gutes Morgen, Kind“, sagte er, „ist die Mutter daheim? So geh und frag sie einmal, ob sie einem armen Mann ein bisschen was zu essen habe! Ich komme schon weit her heute und habe noch nichts gehabt.“
„Hab nichts zu verschenken, hab gar nichts zu verschenken“, rief die Mutter aus dem Häuschen. „Ich wär selber froh, wenn mir einer etwas schenkte. Jawohl, die Mauer will einfallen, und d3er Gartenzaun ist kaputt, und alle Hemden haben Löcher, und nirgends ist ein Geld zu neuen. Gibt reiche Leut genug, geht zu denen; wir sind selber arm.“
Der alte Mann wollte traurig weitergehen, da legte ihm Röschen schnell sein Brot in die Hand und sprang ins Häuschen zurück, eh er sich noch bedanken konnte.
Die Mutter hatte es aber gerade noch bemerkt und zankte nun auch mit dem Röschen.
„Du darfst kein Brot verschenken“, sagte sie, „ich hab kein Geld zu so viel Brot! Sei froh, wenn du selber hast!“
Das Röschen war ein wenig rot geworden. „Ich habe keinen so argen Hunger“, sagte es, „es ist gleich, wenn ich jetzt kein Brot bekomme.“
Draußen auf der Straße wackelte der kleine dicke Philipp daher, Röschen ganz guter Kamerad und Schützling, das Büblein des reichen Schafbauern. Der Philipp lachte über sein ganzes rundes Gesicht, als er sein Röschen sah. Er strebte, wo er nur konnte, zu ihm hin; denn das Röschen konnte so nett mit ihm spielen und sogar Geschichten erzählen, vom ‚Wolf und den sieben Geißlein’ und ‚Hänsel und Gretel’ und noch anderes.
Heute kam der Philipp in einem besonderen Aufzug. An einem Fuß hatte er einen flammroten Strumpf und sonst nichts, der andere steckte in einem mächtig großen Pantoffel, der offenbar seiner Mutter gehörte. Den zweiten Strumpf trug er in der Hand und dann noch etwas Glitzerndes. Als Röschen näher hinsah, war es eine silberne Taschenuhr, die der kleine Schelm jedenfalls heimlich mitgeschleppt hatte.
„Tiktak machen“, sagte er ganz fröhlich. Dass der Philipp von daheim durchgegangen sei, sah Röschen wohl, und dass man ihn sogleich wieder heim befördern musste, wusste es auch. Aber der kleine Ausreißer war nicht gesonnen, sich heimführen zu lassen. Und die Uhr, die das verständige Röschen gerne tragen wollte, mochte er auch nicht aus den Händen lassen. Und doch musste es sein.
Röschen wusste aber einen Rat. Entschlossen griff sie in ihre Tasche und holte da ein Bildchen heraus, schön farbig, mit Schäfchen auf der Weide und Kindern mit Blumenkränzchen auf dem Kopf dabei.
„Da Philipple, komm, gib mir das Tiktak, so kriegst du das Bildchen dafür. Aber dann musst du ganz brav mit heimgehen.“
Das wirkte Wunder. Das widerspenstige Geschrei hörte auf, und die beiden trotteten Hand in Hand des Schafbauern Haus zu.
Es hatte dem Röschen zuerst ein wenig leid getan, das Bildchen in die Hand des kleinen Buben zu stecken. Es war in einem Zichorienpäckchen gewesen, und Röschen hatte es eigentlich morgen der Mutter schenken wollen. Denn da war der Geburtstag der Mutter, und diese hatte erst noch neulich, als man im Pfarrhaus den Geburtstag der Frau Pfarrerin gefeiert hatte, gesagt: „Jetzt so ein Lebtag, wie das ist in dem Haus! Jawohl, mein Geburtstag ist auch bald und mir schenkt niemand etwas.“
Seither hatte Röschen das Bildchen als Schatz gehütet und oft gedacht: „Ja, ja, du wirst dann schon sehen, dass wir auch jemand was schenkt, Mutter.“
Die Schafbäuerin stand schon unter der Haustür und schaute nach ihrem Kleinen aus, als die zwei ankamen.
Sie hatte schon das ganze Haus nach dem Philipp ausgesucht und war jetzt nur froh, dass er wieder da war.
Eben kam auch der Bauer unter die Tür. „Wo kann nur auch meine Uhr sein?“, fragte er; „ich suche sie schon allenthalten.“
Da streckte das Röschen die Uhr hin, die sie sorglich im Schürzchen getragen hatte, und erzählte den Hergang.
„Du bist brav, Rösle“, lobte der Bauer, „so ist’s recht. Komm aber, komm, du musst auch ein paar schöne Äpfel haben, weil du so gut aufgepasst hast.“
Und das Röschen ließ sich vergnügt sein Schürzchen füllen mit so schönen roten und gelben Äpfeln, wie es noch gar nie gehabt hatte. Dann zog es schnell wieder ab, denn es war ein neuer Gedanke in ihm aufgestiegen.
Die Äpfel konnte man heute gut verstecken und am Morgen der Mutter auf einen Teller legen. Das war noch ganz anders als ein Bildchen.
Vergnügt kam es an seinem Häuschen an, ging aber nicht vorne zur Haustür hinein, sondern schlüpfte durch ein Loch in den Zaun, um die Äpfel hinten an der Mauer zu verstecken. Auf einmal hörte es ein Geräusch hinter sich. Da stand ein fremder Herr mit einer Brille und einem Rucksack; der hatte ganz merkwürdige Blumen in der Hand. Keine schönen, dachte das Röschen, und überall sind noch die Wurzeln dran und noch Erde.
Der Herr sagte ganz freundlich: „Guten Tag“ zu Röschen und fragte dann gleich: „Hör, Kleine, da drüben auf der Mauer wächst eine Pflanze, sieh, die mit den haarigen Blättern und der kleinen gelben Blüte! Die muss ich habe, die fehlt mir in meiner Sammlung. Kann ich sie mir holen?“
Das Röschen war ganz erstaunt, dass der Herr die Blume wollte, die doch gar nicht schön aussah, und sagte ganz bereitwillig: „Du kannst auch eine schönere haben, vornen am Haus sind auch Astern, blaue und rote.“
„Astern brauche ich nicht“, sagte der Herr, „gerade die möchte ich haben. Willst du sie mir geben?“
„Ja, freilich“, lachte Röschen; „Blumen darf ich schon herschenken, da zankt die Mutter nicht, nur Brot nicht und nichts, was man um Geld kaufen muss, weil man keins hat.“
Und damit stieg sie auch schon an der verwitterten Mauer in die Höhe; man konnte das gut, es stand da und dort ein Stein weit hervor.
„Nicht abreißen, hörst du?“, rief ihr der Herr nach. „Mit der Wurzel ausziehen, ganz sachte, so!“
Voller Freude brachte das Röschen die ganze Pflanze in der Hand daher, ihr Gesicht strahlte.
„Was freut dich denn so, Kleine?“, sagte der Herr wohlgefällig; es gefiel ihm, dass das Röschen so bereitwillig war.
„Alles freut mich“, erklärte Röschen, „dass ich morgen der Mutter die Äpfel geben kann, und dass dem Philipp mein schönes Bildle so gefallen hat und dir die Blume – und alles.“
In dem Gesicht des fremden Herrn hatte es ein paar Mal gezuckt, so, als ob er sich das Lachen verbeißen müsste. Aber dann wurde er wieder ganz ernsthaft; denn es fiel ihm ein, dass daheim seine Buben und Mädchen viel schönere und bessere Sachen hatten als Röschen.
So legte er jetzt väterlich seine Hand auf den Kopf des kleinen Mädchens und sagte: „So ist’s recht, Röschen, so ist’s recht. Aber weißt du, mich freut’s auch, wenn ich etwas herschenken kann. Sieh, das nagelneue Fünfzigpfennigstück, das schenke ich dir, da kannst du dir selber etwas drum kaufen, das dir Freude macht.“
Das Röschen war ganz rot geworden vor Freude. „Was ich nur will und muss niemand fragen?“, sagte es und streckte die Hand aus nach dem Schatz.
Das war am andern Morgen ein Verwundern in dem Häuschen! Die Mutter war aufgestanden und zuerst in den Stall gegangen wie gewöhnlich. Aber als sie wieder in die Stube kam, lag auf dem Tisch eine riesige Brezel, von einem Kranz von Äpfeln umgeben. Und von der Hängelampe herunter baumelte, an einem roten Schnürchen angebunden, eine leine Wurst! Und das Röschen stand daneben und lachte.
„Das ist dein Geburtstag, Mutter!“, rief es und klatschte in die Hände. „Jetzt hast du’s auch wie die Frau Pfarrer, jetzt ist auch ein Lebtag bei uns.“
Die Mutter musste sich setzen, so sehr hatte sie die Bescherung angegriffen. Und der Vater kam mit der Schuhbürste in der Hand heran und hätte gern die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn er sie frei gehabt hätte.
„Ja, woher denn und wieso das alles?“, wollten beide Eltern jetzt wissen. „Uns schenkt doch niemand etwas.“
Aber das Röschen wusste es besser. Und wir wissen’s auch. Denn wer etwas zu verschenken hat, bekommt allemal wieder etwas und wenn’s nur ein fröhliches Herz ist.
Aus meinem Lesebuch von 1945 - Anna Schieber (gekürzt)
Ich wünsche dir,
dass sich nicht alles was du denkst
und was du tust,
in der Schnelllebigkeit
des Alltags verflüchtigt,
sondern dass etwas von all dem bleibt,
und weiterwirkt,
über die Grenzen deines Lebens hinaus.Spilling-Nöker
Georgitag - Der heilige Georg
In vielen Gegenden gilt heute noch der 23./24. April als Frühlingsanfang, denn in den Alpen wird jetzt das Vieh „ausgeklöckelt”, das seit Martini (11. 11.) im Stall stand.
Im Innviertel steckt man Zweige an die Fenster, und die Burschen ziehen kurzärmelig und in kurzen Hosen mit Schellen behängt von Hof zu Hof. Man nimmt sie gerne auf. Wohin die „Grasausläuter” kommen, bewirtet man sie aufs beste, denn dann wächst das Gras gut und das Getreide bringt gute Frucht.
In Bayern schneidet man am Georgitag das Gras mit der blanken Sichel, bestreut es mit geweihtem Salz und gibt es dem Vieh zu fressen. Das Rind soll dann besonders gut gedeihen.
Frühling
Wenn der Frühling auf die Berge steigt
und am Baum das erste Grün sich zeigt,
wenn vorbei im Tal nun mit einem Mal
alle Winterszeit und Sorgenqual
schallt es von den Höhen weit und breit
o wie wunderschön ist doch die Frühlingszeit!Friedrich von Bodenstedt
Die Würze des Lebens
Auf der Suche nach dem Glück sollte man nicht unglücklich werdenDas Wort der Wörter hat gerade mal fünf Buchstaben, und seine Bedeutung ist für jeden eine andere - trotzdem suchen alle danach. Dabei kann man dem Glück derzeit kaum aus dem Weg gehen. Selbst an Tankstellen versprechen Plakate eine glückliche Zukunft. Eine Glückshysterie greift um sich.
Nun könnte man annehmen, dass Menschen zu allen Zeiten vor allem glücklich sein wollten.
Die Geschichte zeigt aber, dass die Suche nach dem Glück lange Zeit keine große Rolle spielte, da es ums Überleben ging.
Der Blick zurück macht vor allem eines deutlich: Das Bedürfnis nach Glück wallt in der Geschichte sporadisch auf und bricht sich Bahn im Diskurs - aus Gründen, die nicht sofort erkennbar sind.
Man sollte sich beim Streben nach Glück nicht unglücklich machen. Die Menschen denken, Glück ist ein Wohlgefühl, und es liegt nahe, sich immer wohlfühlen zu wollen.
Aber was ist eigentlich Glück? Und warum verlaufen sich viele auf der Suche danach?
Viele Menschen denken ja, das sei eine Form von Urzustand des Menschen. Bringt man statt romantischer Vorstellungen die naturwissenschaftliche Perspektive ins Spiel: Gute Gefühle sind ein Nebenprodukt der Evolution.
Die Definition von Glück klingt ernüchternd. Es gibt Hormone im Blut, die mit guten Gefühlen einhergehen, wie die Endorphine. Zudem verändern Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin die Signalweiterleitung im Hirn.
Viele stellen sich ihr Hirn wie fest verdrahtet vor, in Wirklichkeit sei es aber "eher vergleichbar mit einem Kopfsalat, durchtränkt mit Soße". So wie die Soße den Geschmack bestimmt, bestimmen die Botenstoffe die Stimmung. Glücksgefühle sind die Würze des Lebens, die den Menschen belohnen, wenn er etwas für die Arterhaltung geleistet hat.
Deshalb machen Sex und Essen Spaß.
Aber warum darf dieses Glück nicht von Dauer sein?
Die Evolution hat uns trainiert, Gefahren deutlicher wahrzunehmen als Positives.
Unter unseren Vorfahren im Neandertal hat es sicher Menschen gegeben, die sich nach einem Orgasmus oder einer Mammutkeule beseelt an der Blume am Wegesrand freuten. Die mögen glücklich gewesen sein, aber von denen stammen wir nicht ab. Die hat der Säbelzahntiger gefressen. Unsere Vorfahren sind die Miesepeter, die in der Höhle geblieben sind und gesagt haben: Lass die Glücklichen auf der Wiese spielen, bis der Tiger satt ist.
Wir sind auf Pessimismus dressiert, um zu überleben.
Früher war das Leben kurz und gefährlich, heute ist es lang und komfortabel. Es ist also höchste Zeit, unsere mentale Software upzudaten. Das ist nach der Theorie möglich, denn Glücklichsein lasse sich üben. Wenn etwas besser ist als erwartet, gibt es eine Art kleinen Kick. Kurz darauf aber ist der neue Zustand schon Gewohnheit. Das erkläre, warum Lottogewinner und Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden, sich nach zwei Jahren in ihrer Zufriedenheit kaum unterscheiden. Dieses Belohnungssystem hat den Sinn, dass wir uns an Neues heranwagen und uns an Lebenssituationen anpassen können.
Glück ist also eigentlich kein dauerhafter Zustand, den alle erreichen sollten? Der Arzt kennt oft das Gegenteil: Hypochonder, die ihr Leid auch ganz gut leiden können. „Der Frontallappen plant, der Seitenlappen vernetzt, und wir Deutschen haben noch ein zusätzliches Hirnteil: den Jammerlappen."
Der Fachmann empfiehlt Entspannungsverfahren und Meditation. Außerdem helfe es, alternative Denkstrategien zu erlernen.Es gibt ein fundiertes Trainingsprogramm zum Glücklichsein.
Erstens: Die Wachsamkeit für glückliche Momente trainieren und dazu ein Glückstagebuch führen. Das heißt, jeden Abend fünf Dinge aufzuschreiben, die an diesem Tag gut waren.
Zweitens: Dankbarkeit ausdrücken und Freundschaften stärken. Anderen etwas Gutes zu tun tut einem selbst gut.
Drittens: Nicht in Dinge, sondern in Erlebnisse investieren. Materielle Güter haben schnell einen Sättigungseffekt.
Viertens ist Bildung ein Schlüssel zum Glück: Von Wissen können wir nie genug kriegen. Eigentlich ist unser Glückssystem ein Lernsystem.
Sportmuffel müssen jetzt stark sein, denn Trainingseinheit fünf heißt Bewegung. Es gibt kaum etwas, was unserer Stimmung unmittelbarer einen positiven Impuls gibt, als den inneren Schweinehund zu überwinden und Sport zu machen."
Ein wichtiger Faktor ist nach Ansicht der meisten Glücksforscher auch, dass man das Gefühl hat, zu etwas Sinnvollem beitragen zu können und gebraucht zu werden. Die Mühe lohnt sich: Glückliche Menschen sind seltener krank. Glücklichsein ist also gar nicht so schwer, doch es wird nie zum Dauerzustand. Wir müssen akzeptieren, dass es Teil des Lebens ist, krank zu werden und zu sterben. Reflektiertes Glück ist eines, das die negativen Aspekte des Schicksals nicht ausblendet. Und das Gegenteil von Glück ist übrigens nicht Unglück, sondern Langeweile.
Was ist Glück?
Vom Himmel ein Stück!
Freunde zu haben,
an guten und schlechten Tagen.
Sich an der Natur erfreuen,
sie zu erhalten, sich nicht scheuen.
Ohren und Augen,
um zu sehen und zu hören,
an Gottes Herrlichkeit zu glauben
und dann in sich zu kehren.
Die Welt ist nicht schlecht,
nur manche Menschen sind böse,
sie missachten das Recht,
handeln im eigenen Interesse.
In unserer kalten Welt,
die Achtung fehlt,
in dem doch so kurzen Leben,
herrscht nur Macht-Streben.
Klopft einmal die Liebe an,
keiner sie dann brauchen kann.
Jeder zu beschäftigt ist,
in Arbeitsgier sich auffrisst.
Was wird nur aus der Menschheit
in der nächsten Zeit?
Die Frage zu stellen, hab ich mir vorgenommen,
aber keine Antwort darauf bekommen.Heidi Gotti
Glücklich verheiratet
Jeden Dienstag um halb Acht, darf klein Fränzchen in den Chat.
Denn Hildchen seine Frau, die Gute, besucht dann ihre Tochter Ute.
Endlich kann das Fränzchen dann auch mal sein ein echter Mann.
Smalltalk heißt nun die Devise, im Chat da wartet schon die Liese.
Da lauert das große Abenteuer, rein virtuell und gar nicht teuer.
Ohne Stress und frei von Hildchen, sendet Fränzchen bunte Bildchen.
Das ist die große weite Welt, Fränzchen fühlt sich wie ein Held.Doch plötzlich, ach du heil`ger Graus, ist Hildchen wieder da – im Haus!!!
Er hat sie gar nicht kommen hören, wollte doch gerade Lieschen betören.
Hildchen zieht den Franz am Schopf. „Was machst du da du eitler Tropf,
kaum lass ich dich mal hier allein, fällt die wohl gar nichts Bess`res ein,
als da im Cyber rumzupfuschen.“
Und Fränzchen denkt: `jetzt muss ich kuschen`.
Das Nudelholz ist nicht mehr fern und das hat Fränzchen gar nicht gern.
„Ich hab doch nur hier recherchiert, und gar nichts ist dabei passiert“
Doch Hildchen lässt sich nicht erweichen, mit voller Wucht und großem Kreischen
schwingt sie das Nudelholz umher, und Fränzchen greint: „Ich kann nicht mehr“.
„Verzieh dich ja in deine Kammer, ich hab genug von dem Gejammer“
brüllt Hildchen dann mit Zornesblick. „Du bist ein richtig mieses Stück“.
Und Fränzchen denkt: Ich hab gewonnen, bin nochmal gnädig davongekommen.Des Sonntags aber, bei Glockengeläut, da stehen sie dann diese Eheleut`
brav mit den anderen Schafen – dumm – und frömmelnd in der Kirche herum.
Der Pfarrer predigt von Treu und Liebe; Fränzchen denkt an die vielen Hiebe.
Die Hauptsache aber – und das finden sie fein:
Ist IMMER ZU WAHREN DEN FALSCHEN SCHEIN.
Im Haus, da wird gefetzt und gelitten, doch draußen herrschen andere Sitten.
„GLÜCKLICH VERHEIRATET“ sagt Franz zu jedem, „ich habe ein erfülltes Leben.“
Und Hildchen krallt sich ihren Franz, so selbstzufrieden und gediegen.
Fränzchen aber, der kleine Wicht, kann nie vergessen sein Lieschen nicht.
Lieschen jedoch, die Frau mit Herz, hat längst verwunden diesen Schmerz.
Die großen, mächtigen Liebeswogen: Sie waren eh doch nur gelogen.
Drum hütet euch, ihr Cyberfrauen, je einem Mann wie Franz zu trauen.
Bleibt schön bei eurem eigenen Franz und wisst:
Die Liebe gibt`s im Cyber nicht.
Chatabend
Die graue Schrift ist müde,
die gelbe ist zu prüde,
die rote Schrift ist heiter,
die schwarze weiß nicht weiter.
Die grüne Schrift für alles offen
Blaue hat wieder viel gesoffen
Lila wartet auf große Liebe,
der rosa Schrift genügen Triebe.Für alle ist es noch zu früh,
was sollen sie im Bett?
So landen sie im Chat.Da kam die Frage wie war der Tag?
Der Grauen schwer auf Schultern lag,
Der Gelben gab er den Beweis ,
dass sie von allen besser weiß,
der Roten verlief er wie im Nu,
die Schwarze wusste nicht ,
was ist zu tun.
Die Grüne hat heute viel erfahren
Blaue musste mit Taxi fahren,
Lila: Ob ich noch warten kann?
Die Rosa: Bist Frau oder Mann?So redeten sie alle,
jeder in seiner Falle.
Aus dem entferntestenn Orte,
kamen Zeichen und Worte,
Worte und Zeichen in Farbenpracht
und jeder hat dabei gedacht.
Das Leben ist so und anders nicht.
Wie gut das man mit anderen spricht.
Und wenn mein PC zu mir spricht,
muss ich denn wissen,
wer die Schriften sind?
Ob eine ehrlich,
und andere spinnt.
Und wenn auch manchmal
zuviel bla, bla, bla.
Die Schriften sind trotzdem
für mich alle da,
Ich kann mit denen reden oder lachen,
was würd´ ich sonst, hier alleine machen,
und daher finde ich, es ist super, nett,
die Schriften treffen online und im Chat.
Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, -
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!
Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift -
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.Christian Morgenstern 1871 - 1914
Walpurgisnacht
Am Ende des ersten Drittels der Styr-Zeit, also in der Vornacht zum ersten Mai, ist die Walpurgisnacht oder der „Hexensabbat”.
In dieser geheimnisvollen Nacht toben sich noch einmal alle Hexen, Laren und Dämonen, mit einem Wort, alle Trabanten des Winter-Drachens aus, ehe sie endgültig verschwinden müssen. In wildem Zorne verfolgen sie die weißgekleidete, keusche, heilige Walpurga die ganze Nacht durch Wiesen und Täler. Es ist nicht schwer in dieser „weißgekleideten” Jungfrau das neue, reine, pflanzliche Leben zu erkennen. In germanischer Vorzeit wurde diese Jungfrau am nächsten Morgen als "Maien- Königin" jubelnd vom Volk im blumengeschmückten Wagen durch die Straßen geführt.