August 2007

Meine Rosen

Ja! Mein Glück - es will beglücken -
alles Glück will ja beglücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Müsst euch bücken und verstecken
zwischen Fels und Dornenhecken,
oft die Fingerchen euch lecken!

Denn mein Glück - es liebt das Necken!
Denn mein Glück - es liebt die Tücken! -
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Friedrich Nietzsche  (1844-1900)

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Wie die Monate zuvor, ist auch der Juni den Rosen gewidmet und die Königin der Blumen wird uns das ganze Jahr hindurch begleiten.

1.August

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm' ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb' es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!
 
Uhland, Ludwig (1787-1847)

2. August

Ehrenpreis – 2007

Der Bund deutscher Staudengärtner hat den Ehrenpreis zur Staude des Jahres 2007 gewählt. Zur Begründung heißt es, der Ehrenpreis sei „eine vielseitige Staudengattung, deren Arten und Sorten fast das ganze Jahr hindurch in unterschiedlichen Gartenbereichen blühen“. Mit seinen Blütenkerzen, so die Staudengärtner weiter, „leuchtet der Ehrenpreis je nach Art und Sorte sowohl in Staudenrabatten als auch in Steingärten, im Kübel oder in Teichnähe“. Seine hochwachsenden Arten eigneten sich hervorragend als Schnittblumen für die Vase. Den Ehrenpreis an sich gibt es gar nicht. Denn es handelt sich um eine Gattung von mehr als 250 krautigen Arten, die wild vor allem in den außertropischen Breiten Asiens, Nordafrikas und Europas wachsen. Ehrenpreise – wissenschaftlich Veronica – blühen überwiegend blau, gelegentlich auch weiß und rosa. Die Blüten sind meist in mehr oder minder großen dichten Ähren angeordnet. Die Einzelblüten bestehen jeweils aus vier Kronblättern und zwei Staubblättern. Die Bestäubung übernehmen Bienen und Schwebfliegen.

In Deutschland kommen rund 30 Ehrenpreis-Arten vor. Flächendeckend vertreten sind vor allem kleinwüchsige und unscheinbare Arten, wie Efeu-Ehrenpreis, Feld-Ehrenpreis oder der aus Südwestasien stammende, erst um das Jahr 1800 über Botanische Gärten nach Europa eingeschleppte Persische Ehrenpreis. Auf Äckern, an Wegrändern, Brachen und Schuttplätzen findet man sie heute über das natürliche Verbreitungsgebiet hinaus weltweit. Ausgesprochen häufig sind bei uns auch der an Waldwegen wachsende Berg-Ehrenpreis und der an Heckensäumen und auf Wiesen wachsende Gamander-Ehrenpreis. Die Gattung Veronica gehört zur Familie der Braunwurzgewächse, ist also mit so scheinbar unterschiedlichen Gattungen wie Augentrost, Königskerze, Löwenmäulchen, Klappertopf und Finge4rhut nahe verwandt. Zahlreiche der zur Verwendung im Garten angebotenen Sorten basieren auf heimischen Arten. Wer will, kann in seinem Naturgarten auch gleich die Wildarten verwenden. Einige vor allem als Unkraut wahrgenommene Arten werden von ganz alleine kommen. Dabei blühen etwa Efeu-Ehrenpreis oder Persischer Ehrenpreis nahezu ganzjährig.
Schon etwas größer beraten ist die Bachbunge die mit ihren leicht fleischigen Blättern an den Ufern langsam fließender Gewässer und Teiche wächst.
Ganz andere Ansprüche stellen polsterbildende Arten wie der Niederliegende Ehrenpreis oder der Gestielte Ehrenpreis. Sie stammen aus recht warmen Regionen und fühlen sich deshalb im trockenen Steingarten mit viel Sonne besonders wohl. An die etwas tiefgründigeren Stellen des Steingartens und in sonnige Staudenrabatten passen der Große Ehrenpreis und der Österreichische Ehrenpreis, beides heimische Arten mit rund 50 Zentimeter hohen Blütenstängeln. Für den Hoch- und Spätsommer schließlich bieten sich mit dem Ährigen Ehrenpreis und dem Langblättrigen Ehrenpreis zwei Sonnenliebhaber an, die es in zahlreichen Sorten und Blühvarianten gibt. Besonders schön wirken Kombinationen der schmal und hoch aufschießenden blauen Ehrenpreise mit eher runden Blütenformen wie weißen Margariten oder gelben Sonnenhüten und Astern.

3. August

Mein Gärtchen

Ich hab ein Gärtlein fein,
ist's auch noch so klein!
Jeden Tag ich mich aufs Neu
am Wachsen und Blühen dort erfreu.
Voll Glück und Lebenslust,
atmet durch meine Brust.
Hummeln und Bienen
sich bedienen,
Schmetterlinge gaukeln
auf den Blüten schaukeln.
Über mir die Sonne lacht,
blauer Himmel, welche Pracht!
Ruh und Kraft kann ich hier tanken
und beim Herrgott mich bedanken!

Heidi Gotti

4. August

Folklore Mode

Wer kennt sie nicht, die handbemalten russischen Holzpuppen mit ihren immer kleiner werdenden Innenpuppen in bauchiger Schale?
Die Matrjoschka oder Babuschka genannten Souvenirs aus der Gegend um Moskau symbolisieren Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit. Sie dienten der Mode schon als Vorbild. Sogar das in der westlichen Mode unpopuläre Kopftuch der Matrjoschka-Figuren kam zu unerwarteten Ehren. Am besten schön groß, mit üppigen Blüten verziert und mit gefransten Kanten.
Ob durch Kombination satter Farben oder durch aufgestickte Blumenmotive – die russische Folklore zieht sich wie ein roter Faden durch die teilweise von Models mit geflochtenen Zöpfen vorgestellten verschiedenen Kollektionen. Die Stoffe und Muster beziehen sich auf alte zentralasiatische Kulturen, vor allem von den Nomadenvölkern entlang der ehemaligen Seidenstraße, also aus dem Iran, Usbekistan, Armenien, Turkmenistan, Kiregisistan und Kasachstan. Orientalische Einflüsse zeigen sich durch ornamentale, kalligrafische, teilweise an Schattenrisse erinnernde Muster.
Kennzeichen des Folklore-Looks sind rauschhafte Farben, Muster und Stoffe. Die Schnitte glockenförmig, oder gebauscht mit viel Einblick auf nackte Haut. Maschinell hergestellte Stickereien, Webe-, Knüpf- und Patchwork-Techniken der asiatischen Völker.
Russische oder orientalische Akzente setzen: Ein farbenfrohes Wolltuch, um Schultern oder Hüfte. Eine bestickte Schärpe oder gemusterter Pulswärmer
Mantel, Jacken mit bunt bestickten Borten, farbenfrohe Capes, Stolas oder Hose mit weitschwingendem Rock.
 

5. August

Weltanschauung

Der Sommer färbt die Äpfel rot,
die Trauben und die Beeren.
Der Mohn in Flammenfarben loht,
sein Leuchten zu entzünden droht
die strahlend gelben Ähren.

Nur Farbenpracht, wohin man schaut,
wohin man hört, ein Klingen.
Der weite Sommerhimmel blaut,
in lichten Höhen jubelnd laut
die kleinen Lerchen singen.

Der Maulwurf in der Erde gräbt,
weiß nichts von diesen Dingen.
Er hat das Schöne nie erlebt.
Der Finsterling nach unten strebt
Und wühlt nach Engerlingen.

Es findet jeder, wie er kann,
auf seine Art Erbauung.
Schaut man die Welt von oben an –
von unten – so hat jedermann
Die beste Weltanschauung.

Fred Endrikat

6. August

Weisheiten

Das schönste an der Vergänglichkeit ist ,
Dass der Augenblick nicht zurückkehrt –
Die Erinnerung daran jedoch unsterblich ist

Leben ist miteinander zu reden,
Leben ist aufeinander zu bauen,
Leben ist füreinander zu kämpfen,
Leben ist Hoffnung, Mut und vertrauen.

Freundschaft fängt mit einer Begegnung an -
Irgendwo, irgendwie, irgendwann,
Und meist ahnt man nicht,
dass dies einer der wichtigsten Menschen werden kann.

Seifenblasen sind wie Träume ,
Sie bringen unsere Herzen und Augen zum Leuchten
und wenn sie platzen werden wir von der Realität eingeholt.

Wenn es überhaupt Antworten und Wahrheit gibt
Dann werden wir sie wohl dort finden,
Wo sie wir am wenigsten gesucht haben:
in uns selbst

Freundschaft ist ein schönes Wort.
Freundschaft wechselt oft den Ort.
Freundschaft finden das ist schwer.
Freundschaft halten noch viel mehr!!

Wer den Schmerz erlebt hat,
Wird das Schöne und Gute umso bewusster genießen
und Kraft und Energie daraus schöpfen.

Man verliert vieles im Leben,
Doch verliere nie die Hoffnung,
Denn ohne Hoffnung verlierst du dein Leben.

Suche nicht nach Schönheit, denn sie ist trügerisch
Suche nicht nach Reichtum, denn er ist vergänglich.
Finde denjenigen, der dein Herz zum Lächeln bringt.

7. August

Nimm Dir Zeit ... 

Nimm Dir Zeit zum LIEBEN und GELIEBT zu werden,
es ist ein gottgegebener Vorzug.

Nimm Dir Zeit zum FREUNDLICHSEIN,
es ist der Weg, um glücklich zu werden.

Nimm Dir Zeit zum LACHEN,
es ist die Musik der Seele.

Nimm Dir Zeit zum GEBEN,
der Tag ist zu kurz, um egoistisch zu sein.

Nimm Dir Zeit zur ARBEIT,
sie ist der Beginn des Erfolgs.

Nimm Dir Zeit GUTES ZU TUN,
denn dies ist der Schlüssel zum Himmel.

8. August

Für diejenigen, die sagen wir mal schon über 30 sind:

Vor kurzem stellte mein Arzt die Diagnose:
D.S.G.A.A.
Defizitäre Störung des Gedächtnisses ausgelöst durch das Alter ! ! !

So befällt es einen:

Ich beschließe das Auto zu waschen. Als ich zur Tür gehe, sehe ich, dass die Post auf dem Tisch liegt.

Na gut, ich werde das Auto waschen. Aber zuerst werde ich gucken, wer mir was geschrieben hat.

Ich lasse die Schlüssel auf dem Schreibtisch liegen, schmeiße die Post weg, die mich nicht interessiert und stelle fest, dass der Mülleimer voll ist.

Ich werde die Rechnungen und Kontoauszüge im Schreibtisch verstauen und den Mülleimer ausleeren, aber wo die Schublade des Schreibtisches schon mal offen ist, könnte ich doch eigentlich gleich die Schecks ausstellen, um die Rechnungen zu bezahlen.

Wo ist mein Scheckheft?
Auweia!!!
Es ist nur noch ein Scheck drin.
Mein Vorrat an Schecks ist in der zweiten Schublade des Schreibtisches.

Ah, da auf dem Schreibtisch ist ja das Glas mit dem Saft, den ich gerade trinken wollte. Ich werde die anderen Schecks suchen. Aber zuerst muss ich das Glas wegstellen, das steht zu nah am Computer. Ach, dann kann ich den Saft ja auch gleich wieder in den Kühlschrank stellen, er ist schon ganz lauwarm.

Ich gehe in Richtung Küche und sehe, dass die Pflanzen Wasser brauchen. Ich stell das Glas Saft auf das Tischchen und Juhu! Da ist sie ja, die Brille! Die habe ich den ganz Morgen gesucht! Die sollte ich besser sofort verstauen. Ich fülle eine Kanne mit Wasser und nähere mich meinen durstigen Pflanzen.

Jemand hat die Fernbedienung in der Küche gelassen. Und ich habe mich halb tot gesucht, als ich Fernsehen gucken wollte. Am besten bringe ich sie gleich dahin zurück, wo sie hin gehört. Ich gieße meine Pflanzen ein wenig (ein bisschen gieße ich auch den Boden, den werde ich aber bestimmt gleich saubermachen), … werfe die Fernbedienung auf den Sessel und gehe auf die Haustür zu, die ganze Zeit mit dem Gedanken beschäftigt, was es denn noch mal war, was ich eigentlich machen wollte !!!

Am Ende des Tages:
Das Auto ist nach wie vor schmutzig, die Rechnungen sind unbezahlt, das Glas Saft steht auf dem Tischchen in der Küche, meine Pflanzen haben nicht genug Wasser, um überleben zu können. Im Scheckheft ist nach wie vor nur ein Scheck und die Autoschlüssel kann ich beim besten Willen nicht finden.

Als mir klar wird, dass ich den ganzen Tag überhaupt nichts zu Ende gebracht habe, bin ich überrascht, denn eigentlich war ich DEN GANZEN TAG BESCHÄFTIGT!

Ich muss feststellen dass
D.S.G.A.A. eine sehr ernste und schwerwiegende Krankheit ist.

Am besten versuche ich mal was über das Internet raus zu finden.

Aber erst mal gucken ob mir irgend jemand eine E-Mail geschrieben hat …und der Teufelskreis beginnt erneut …

9. August

Die Gesänge

Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.

Wenn der Becher mit dem Traubenblute
unter Rosen unsre Stunden kürzt,
und die Weisheit unsre Freuden würzt,
macht ein Lied den Wein zum Göttergute.

Wenn die Sprache stirbt von meinem Munde
und der Schauer mein Gebein durchläuft,
und mit Eisenarm der Tod mich greift,
singt ein Lied zu meiner schönen Stunde!

Johann Gottfried Seume - 1804

10. August

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Pappel 05. - 13.08.

Pappeln gehören zu den am schnellsten wachsenden europäischen Bäumen. Schon beim leisesten Windhauch fangen ihre Blätter an zu zittern und zu tanzen, weil sie so lange Stiele haben.

Pappel-Geborenen gelten als vielseitig interessiert und kontaktfreudig. Sie verfügen über einen sehr regen Geist und sind äußerst lernfähig. Ihr großer Ehrgeiz, der hinzukommt, beschert ihnen schnelle Erfolge.

Im Zeichen der Pappel Geborene sind sehr sensibel. Sie nehmen die feinsten menschlichen Gefühle mit ihren sehr sensiblen Antennen in ihren leisesten Ebenen wahr. Keine noch so kleine Unstimmigkeit bleibt ihnen verborgen. Sie empfinden die bewegenden Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen wie das kaum wahrnehmbare Wachsen der Bäume und Pflanzen. Sie kennen alle Nuancen der Emotionen und sind daher auch ein sehr verständnisvoller und gefühlsbetonter Partner. Sie sind stets auf der Suche nach sich selbst und auf dem Weg der Selbsterkenntnis. In ihrer Gegenwart scheint jeder Augenblick ein stiller und heiliger Moment der Besinnlichkeit zu sein. Unbewusst wird man durch sie von einer unerklärbaren Freude und tiefen Dankbarkeit für das Leben ergriffen. Sie sind vor allem von der Natur und ihren überwältigenden Schauspielen begeistert.

11. August

Ebenengewitter

So löst sich denn die Spannung schwer.
Erfüllt ist, was wir baten:
Vom Himmel rauscht ein breites Meer
Auf durstig-dürre Saaten.

Und herrlich stürzt ein Donnerkeil
Sein Siegel auf all den Segen.
O Frucht, nun reifst du wieder heil
Dem hohen Herbst entgegen.

Christian Morgenstern

12. August

Das Lachen

Höre oh Freund und Bruder:

Wenn Du ein Kamel hast,
so habe acht, es langsam zu führen, denn du musst an seine weichen Füße denken, denen die harten Bergwege Schmerz bereiten, da sie an den weichen Wüstensand gewohnt sind.

Wenn du ein Pferd hast,
lasse dich leicht sein auf seinem Rücken, dass es dich wie eine Wolke fühle und daher fliege gleich dem Wind.

Wenn du einen Gedanken hast,
oh Freund und Bruder,
so lasse ihn leise schreiten, mit des Kamels weichen Füssen, lasse ihn daherbrausen mit des edlen Pferdes heißer Hast und bleibe du selbst verborgen wie in einer Wolke.

Wenn du aber in deinem Geiste eine wunderbare Lüge birgst,
so mache aus ihr ein Gedicht oder ein Lachen oder beides,
und reite schnell, sehr schnell –
denn wer ein Lachen bringt mit dem Atem einer Lüge, bringt ein Geschenk.

Elsa Sophia von Kamphoevener

13. August

Der undankbare Fuchs

Einst hatte einer, den wir Li nennen wollen, einen verletzten Fuchs im Wald gefunden. Er nahm ihn bei sich auf, baute ihm einen großen Käfig, setzte eine Hütte hinein, polsterte diese mit Stroh aus und gab ihm zu fressen, was immer auch dem kleinen Fuchs schmecken mochte. Und trotzdem war der kleine Fuchs melancholisch und lief in seinem Käfig auf und ab und überlegte sich, wie er seine Freiheit wieder gewinnen könnte.

Das erschien Li sehr undankbar zu sein. Und so trat er eines Tages an das Gitter und sprach: „Hör mir zu, mein Füchslein, warum machst du mir mein Herz so schwer. Einst habe ich dich vor dem elenden Tod errettet, ich gab dir ein Heim und zu essen – hast du denn nicht alles, was dein Herz nur begehren kann? Hier drohen dir weder Hunger noch Gefahr für dein Leib und Leben. Ich sorge für dich, als wärest du mein Sohn. Doch anstatt mir die Hand zu lecken, bleckst du die Zähne, sobald du mich siehst und denkst den ganzen Tag darüber nach, wie du mir entkommen kannst!"
„Nun mein Bester“, antwortete da der Fuchs, „drehen wir das ganze Spielchen doch einmal um. Ich werde einen weiten Zaun bauen, dir darin eine Hütte setzen und dir Tag für Tag Speis und Trank bringen, so viel du nur willst. Und wann immer ich will, komme ich mit Frau Fuchs und den Kindern, Vettern und Cousinen zu dir an den Zaun. Dann zeige ich dich vor, wie einen dressierten Hund, der gefälligst Männchen machen soll, wann immer ich es will. Nun, wie würde dir das gefallen.“ – „Das“, rief Li erregt, „ist doch etwas ganz anderes. Schließlich bin ich ein Mensch – und du nur ein Tier!“
„Ja“, antwortete ernst der Fuchs, „freilich – ich bin nur ein Tier. Aber glaubst du deshalb, daß ich kein Herz in meiner Brust trage? Wenn du wissen willst, wie es wirklich um mich steht, brauchst du nur einmal in Gedanken in meine Haut zu schlüpfen. Doch dazu bist du, wie alle Menschen, viel zu bequem und hochmütig. Ihr alle meint, der große Mann dort oben habe euch zum Beherrscher aller Dinge hier auf Erden eingesetzt. Und so schlachtet ihr uns ab, wann immer ihr wollt – oder bringt uns kleine Kunststückchen bei, nur zu eurem Amüsement. Meint ihr denn, wir fühlen keinen Schmerz, wenn man uns schlägt? Glaubt ihr denn, wir kennen nicht die Todesangst, wenn ihr uns töten wollt? Und sei nur sicher, auch wir tragen in uns einen Freiheitswillen, der nicht geringer ist als der eure. Und nun überlege wohl, was du mit mir tust. Lass mich frei – oder wenigstens in Ruhe. Aber spiele dich nicht als ein Freund auf, der du mir nie sein kannst. Du willst nur eines, wie alle Menschen: einen, der dich knechtisch liebt. Doch so jemanden wirst du in mir nie finden. Denn eines, eines unterscheidet uns Tiere am letzten Ende doch von euch Menschen: „Wir heucheln nicht!“
Das war nun für einen Fuchs eine gute Rede. Und dennoch lächelte der Mann überheblich und sprach: „Und wenn ich dir nun die Freiheit schenke, Freund Fuchs. Wie wirst du’s dann mit den Gänsen halten? Wirst du dich dann auch an ihre Stelle versetzen und sie verschonen? Sei ehrlich, alter Freund!“
„Nun“, entgegnete der Fuchs, „ich mache dir einen Vorschlag, Menschentier. Wir beide wollen sie verschonen, die Gänse – und ebenso die Schweine und Kühe – in deinem Stall. Du wirst sie nicht ausbeuten und an den hohen Festtagen schlachten und fressen – und ich will sie im Gegenzug bei meinen Streifzügen verschonen. Lass uns beide Gras fressen und dem großen Mann da oben ein Wohlgefallen sein.“
Darauf wusste Li nichts mehr zu erwidern – und brummend ging er ins Haus zurück. In der selben Nacht aber grub sich der Fuchs unter dem Zaun durch und kehrte in seine Heimat, den Wald zurück. Und hütete sich in Zukunft, einem Menschen in die Hände zu fallen ....

14. August

Fuchs, du hast die Gans gestohlen

Fuchs, du hast die Gans gestohlen,
gib sie wieder her,
gib sie wieder her,
sonst wird dich der Jäger holen
mit dem Schießgewehr,
sonst wird dich der Jäger holen
mit dem Schießgewehr.

Seine große lange Flinte
schießt auf dich den Schrot,
schießt auf dich den Schrot,
dass dich färbt die rote Tinte,
und dann bist du tot.
Liebes Füchslein, lass dir raten,
sei doch nur kein Dieb,
sei doch nur kein Dieb,
nimm, du brauchst nicht Gänsebraten,
mit der Maus vorlieb.

Text von dem Leipziger Musiklehrer und Organisten Ernst Anschütz zu einer alten Volksweise.

15. August

Granatapfel – symbolträchtige Frucht

Die Klinge des Messers hat Mühe, die harte Schale zu durchdringen. Rubinrot läuft der Saft über die Schnittkante der Rinde. Was für ein Aroma! Zitrusfrisch, beerensüß. Beim Öffnen reiben die verwinkelt das Innere durchziehenden Trennwände wie Pergament aneinander. Die fruchtig umhüllten Kerne glänzen verlockend. Sie lassen sich leichter mit den Fingern herausbrechen als mit einem Löffel lösen. Das Öffnen eines Granatapfels ist ein archaisch sinnliches Vergnügen, dessen Genuss paradiesisch.

Viel steckt drin, in dieser wilden Strauch und kultivierten Baumfrucht. Nicht nur süßsaure Kerne (das Judentum setzt entsprechend der Gesetze in der Thora auf 613 an der Zahl), auch Mythen, eine facettenreiche Symbolik, medizinischer Nutzen und ein militärisch verwertbares Streuprinzip, Als biblische Frucht ist der exotische Apfel aus Zentralasien fest in der abendländischen Kultur verankert. So gehört der Granatapfel dazu wie Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen.
Auch wenn der Granatapfel im Neuen Testament keine Rolle spielt, das Christentum hat ihn sich einverleibt. Im Mittelalter ist er Teil des Marienkults. Ob Grünewalds "Stuppacher Madonna" bei Bad Mergentheim oder Botticellis "Madonna mit dem Granatapfel" in den Florentiner Uffizien - die Ikonografie ist vielschichtig und reicht von geweihter Fruchtbarkeit, über das Weltherrschaftssymbol des Reichsapfels und der Versinnbildlichung der vielen Tugenden Mariens durch die Kerne bis zur Einheit der Kirche.

Punica granatum - so lautet der botanische Name des Granatapfels. Die Römer nannten ihn nach seiner nordafrikanischen Exportregion - der phönizischen Kolonie Karthago - Punischen Apfel oder gekörnten Apfel. Wegen seines samenreichen Innenlebens galt der Granatapfel schon im alten Ägypten und in der Antike als Fruchtbarkeitssymbol und wurde sowohl der Liebesgöttin Aphrodite - von Paris mit dieser Frucht zur Schönsten gekürt -, der Zeus-Gattin Hera und Persephone, Tochter der Demeter, zugesprochen. In diesen Mythen zeigt der Granatapfel auch seine dunkle Seite: So folgte auf das Urteil des Paris ein blutiger Krieg, und weil Persephone zwar keine echte Mahlzeit, immerhin jedoch vier Granatapfelkerne in der Unterwelt verspeist hatte, wurde ihr die Rückkehr aus der Welt des Hades nur für acht Monate gestattet. Die restlichen vier hatte sie in der Unterwelt zu verbringen - eine Erklärung für die unfruchtbaren Wintermonate auf Erden.
Verdammnis, Unglück, Tod. Geöffnet erinnert der Granatapfel an eine klaffende Wunde. Tatsächlich zum Fürchten ist aber nur die von Menschenhand gebaute Granate. Sie beruht auf dem Streuprinzip eines reifen Granatapfels, dessen Kerne beim Zerplatzen der Schale in alle Richtungen verteilt werden. Handgranaten, mit einer Sprengladung gefüllte Hohlgeschosse, gehören zu den ersten explosiven Waffen und wurden schon im Mittelalter gegen den Feind geschleudert. Die Grenadiere der französischen Infanterie können die Pomegranate als Pate anführen; sie waren im Umgang mit Handgranaten geschult.
Auch für die andalusische Provinz und Stadt Granada fungiert der Granatapfel als Namensgeber, wie die Frucht auf dem Wappen bezeugt. Dass die Region jahrhundertelang unter maurischer Herrschaft stand, offenbart die südspanische Küche bis heute. Nicht nur Desserts werden dort mit Granatapfelkernen zubereitet, auch Bratensaucen erhalten durch sie süßsaure Noten. Ob als aparte Salatzutat oder in Form des Grenadine-Sirups in Cocktails - die Spitzengastronomie hat den Granatapfel ebenso entdeckt und macht mit Verweis auf seine aphrodisierende Wirkung ihren Gasten den Mund wässrig. Nicht zu Unrecht. Immerhin gelang es den deutschen Forschern Adolf
Butenandt und Heinrich Jacobi 1933, weibliche Sexualhormone aus dem Granatapfel zu isolieren. Die Frucht enthält Östrogen-Substanzen in hoher Konzentration. Aus Wachs und den zerstoßenen Kernen von Granatäpfeln sollen die Ägypterinnen Scheidenzäpfchen zur Empfängnisverhütung geformt haben. Dank des pflanzlichen Ostrogens soll dadurch der Eisprung verhindert worden sein. Ausgerechnet das Symbol der Fruchtbarkeit diente auf diese Weise als frühe Anti-Baby-Pille.
Auch in der modernen Medizin kommt der Granatapfel zum Einsatz. Am erfolgreichsten gegen Prostatakrebs. So belegt eine US-amerikanische Studie, dass Betroffene den als Indikator für den Krankheitsverlauf geltenden PSA-Wert durch ein Glas Granatapfelsaft täglich stabil halten können. Auch Frauen profitieren von den pflanzlichen Hormonen in den Wechseljahren und bei Brustkrebs. Heilsam soll der Punische Apfel auch bei Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck und Entzündungen sein.

16. August

August

Nun hebt das Jahr die Sense hoch 
und mäht die Sommertage wie ein Bauer. 
Wer sät, muss mähen. 
Und wer mäht, muss säen. 
Nichts bleibt, mein Herz. 
Und alles ist von Dauer.
 
Stockrosen stehen hinterm Zaun 
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun, 
mit Schleiern vorm Gesicht, schau’n aus wie Frau'n, 
die eine Reise in die Hauptstadt machen.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum. 
Stets leuchten sie golden am Stakete. 
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum? 
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum 
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?
            
In Büchern liest man groß und breit, 
selbst das Unendliche sei nicht unendlich. 
Man dreht und wendet Raum und Zeit, 
man ist gescheiter als gescheit, -  
das Unverständliche bleibt unverständlich.
 
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld. 
Im Garten riecht's nach Minze und Kamille. 
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille. 
Wie klein ist heut die ganze Welt! 
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle...
 
Nichts bleibt mein Herz. 
Bald sagt der Tag Gutnacht. 
Sternschnuppen fallen dann,  
silbern und sacht, 
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer. 
Dann wünsch deinen Wunsch, 
doch gib gut acht! 
Nichts bleibt, mein Herz.  
Und alles ist von Dauer.     
 
-  Erich Kästner -

17. August

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Zeder 09.02. - 18.02.

Was der Löwe in der Tierwelt, ist die Zeder unter den Bäumen. Zedern wirken ausgesprochen majestätisch und kraftvoll. Sie sind immergrün, können bis zu 75 m hoch werden und ein Alter von 2000 Jahren erreichen.

Der Zeder zugehörige Menschen sollen oft sehr imponierende Persönlichkeiten sein. Sie verfügen über viel Optimismus und ein überdurchschnittliches Selbstvertrauen, handeln kämpferisch, offen und frontal. Stets klar Stellung beziehend sind sie die geborenen Führungskräfte.

Menschen, die sich mit der Zeder verbunden fühlen, zeichnen sich durch unendliche Geduld und Ausdauer aus. Sie umgibt immer etwas Mystisches, denn ihre schon als Kunst zu bezeichnende Fähigkeit der beständigen Veränderung und Anpassungsfähigkeit scheint nicht von dieser Welt zu sein. Dadurch nehmen ihre faszinierenden, mitreißenden Visionen sicher Gestalt und Form an. Sie halten sich nicht lange mit Vergangenem auf, denn sie haben die seltene Fähigkeit, aus gewonnenen Erkenntnissen neue Möglichkeiten zu erschaffen. Sie schauen weit voraus und dies macht es ihnen möglich, scheinbar utopische Vorhaben in die Tat umzusetzen. Mit traumwandlerischer Beständigkeit entwickeln sie atemberaubende Strategien, die sie ihrer Idee immer näher bringen. Hierfür binden sie auch die Fähigkeiten und Kenntnisse ihrer Mitmenschen ein.

18. August

Das Göttliche

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!
Denn das allein Unterscheidet ihn
Von allen Wesen, die wir kennen.

Heil den unbekannten höhern Wesen,
die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch,
sein Beispiel lehr’ uns jene glauben.

Denn unfühlend ist die Natur;
Es leuchtet die Sonne über Bös’ und Gute,
und dem Verbrecher
glänzen, wie dem Besten der Mond und die Sterne.

Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche;
Er unterscheidet, wählet und richtet;
er kann dem Augenblick Dauer verleihen.

Der edle Mensch sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff’ er das Nützliche, Rechte,
sei uns ein Vorbild jener geahnten Wesen!

Johann Wolfgang Goethe

19. August

Das Festessen

Frau Doktor Redlich ist eine sehr bekannte und gelehrte Rechtanwältin, die sich wie kaum eine Juristin in den schwierigen Gesetzen auskennt. Meistens gelingt es ihr, nur geringe Strafen für ihre Mandanten, also für die Leute, die sie vor Gericht vertritt, auszuhandeln. Deshalb ist sie natürlich bei diesen Menschen besonders beliebt. Nur hat sie vor lauter Gelehrsamkeit und mit den vielen Paragraphen im Kopf etwas anderes völlig vergessen und verlernt.
Zum Beispiel, wie man im praktischen Alltag ein gutes Gericht zusammenstellen und kochen kann. Sie selbst isst meistens in der Gerichtskantine oder holt sich ein Fertiggericht für ihren Mikrowellenherd.
Nun erwartet sie aber in wenigen Tage eine große Anzahl von Freunden und Verwandten zu ihrem vierzigsten Geburtstag. Deswegen soll es ein ganz besonderes Festessen geben. Sie überlegt hin und her, kann aber zu keinem Ergebnis kommen und setzt sich verzweifelt in die Kantine.
„Ein Witz ist das“, denkt sie, „diese Namensgleichheit. Ich bin beim Gericht, aber ein Gericht für ein Festessen will mir nicht einfallen.“
Als sie lustlos in ihrem Essen herumstochert, kommt die Küchenhelferin Emma zu ihr und fragt sie mitleidig: „ Frau Doktor, sind Sie krank, oder schmeckt´s Ihnen nicht?“
„Weder noch. Ich weiß nur nicht weiter“, sagt sie.
Und dann schildert Frau Doktor Redlich der guten Emma ihr Problem.
„Das ist nichts Neues“, meint Emma. „Die gelehrten Herrschaften haben manchmal im praktischen Leben zwei linke Hände. Ich kann Ihnen helfen, warten Sie bitte einen Moment, Frau Doktor.“
Die Helferin verschwindet in der Küche und kommt kurz darauf mit einer Handvoll köstlicher Kochrezepte zurück.
„So“, sagt sie, „jetzt wollen wir mal ein besonders festlichen Menü zusammenstellen“, und macht einige Vorschläge, dass Frau Doktor Redlich das Wasser im Munde zusammenläuft.
„Meine Güte, wer soll das denn alles vorbereiten und kochen“, seufzt die Juristin.
„Ich selbst, natürlich“, sagt Emma, „zum Dank dafür, dass Sie bei meinem Prozess dafür gesorgt haben, dass ich meine Wohnung behalten kann.“
Da fällt der Frau Doktor Redlich ein Stein vom Herzen.
Sie bedankt sich herzlich bei Emma und freut sich, dass es noch Menschen gibt, die noch so richtig gut kochen können.

Aus einem Kalender vom 25.07.2001

20. August

Ursprung der Rose

Den Rosenzweig benagt ein Lämmchen auf der Weide,
es tut’s nur sich zur Lust, es tut’s nicht ihm zuleide.
Dafür hat Rosendorn dem Lämmchen abgezwackt
ein Flöckchen Wolle nur; es ward davon nicht nackt.
Das Flöckchen hielt der Dorn in scharfen Fingern fest;
Da kam die Nachtigall und wollte bau’n ihr Nest.
Sie sprach: „Tu auf die Hand und gib das Flöckchen mir,
und ist mein Nest gebaut, sing ich zum Danke dir.“
Er gab, sie nahm und baut, und als sie nun gesungen,
da ist am Rosendorn vor Lust die Ros entsprungen!

Friedrich Rückert (1788-1866)

21. August

Die eigene Symbolik der Pflanzen

Ein Strauß roter Rosen - für die Dame des Herzens ein nicht misszuverstehendes Symbol der Liebe, für manche zweifelnd Schmachtende auch einfach nur Drachenfutter, mit der ein Tunichtgut Abbitte für seine Sünden leisten will.
Einen Strauß gelber Rosen schenkt ein eifersüchtiger Liebhaber, der die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat, und die "Weiße Rose" wurde zum Symbol des Widerstands gegen die Gewaltherrschaft der braunen Brut.
Wir alle wissen: Blumen sagen mehr als tausend Worte.
Doch ist die Sprache der Blumen nicht nur ein leidenschaftlicher oder eifersüchtiger Gruß, ein simples Beschwichtigen oder ein mutiges Zeichen des Aufbegehrens. Sie ist subtil, elegant und nicht zuletzt ein Schlüssel zum Herzen. Seit Jahrtausenden bedienen sich Liebende und Begehrende der Symbolik der botanischen Schätze. Blumen und Früchte gehören zu den ältesten Werbegeschenken, mit denen in der Steinzeit schon Gunst und Liebe erbeten wurden. Die meisten Grundbedeutungen haben sich früh herausgebildet und nur in Nuancen verändert.
Gefühle wie Wohlwollen, Zuneigung und Liebe, Hass, Verachtung und Neid wurden in der Antike mit bestimmten Pflanzen in Verbindung gebracht. Was wir heute als mediterrane Terrassendekoration schätzen – also Lorbeer- und Olivenbäumchen oder Granatapfel - symbolisierte Verehrung oder Triumph, Frieden oder Fruchtbarkeit. An der Bedeutung dieser Klassiker hat sich bis heute wenig geändert. Weil aber nicht immer die Zeit für ganz große Emotionen ist und auch die vielen kleinen Gefühle ausgedrückt werden müssen, kamen zahlreiche andere Symbolpflanzen hinzu.
So stehen das Gänseblümchen für Mutterliebe, der Enzian für Treue und der Rosmarin für Unsterblichkeit. Weiße Lilien und Chrysanthemen sind in unserem Kulturkreis die klassischen Totenblumen.
Oft wird die Sprache der Blumen ergänzt und erweitert durch die Farbsymbolik. Rot als leidenschaftlichste, feurigste und Blau als kälteste und fernste Farbe haben eine unmissverständliche Bedeutung, die sich automatisch auf die betreffende Pflanze überträgt. Die Blaue Blume der Romantik steht nicht umsonst für eine unerfüllbare Sehnsucht. Gelbe Blüten sind ambivalent, können Neid, Eifersucht und Missgunst ausdrücken, sie spiegeln aber auch das Licht der Sonne und den noblen Glanz des Goldes wider. Allein schwarze Blüten sind eindeutig negativ besetzte Symbole, da sie Tod und Trauer versinnbildlichen. Die meisten der als schwarz bezeichneten Blüten sind in Wirklichkeit jedoch dunkelblauviolett oder tiefrot, stellen also keine echte Gefahr für die emotionale Ausgeglichenheit des Beschenkten dar.
- Morgen geht es weiter -

22. August

Die eigene Symbolik der Pflanzen - Fortsetzung

Eigentlich kennt jede Epoche ihre eigenen Favoriten in Sachen Pflanzensymbolik. Zwar verbannten die christlichen Sittenwächter in den ersten Jahrhunderten alle Blumen aus ihrem Kult. Doch bereits im ausgehenden Mittelalter gab es kaum ein Gewächs, das nicht in irgendeiner Weise als Attribut oder Sinnbild mit der Heiligen Jungfrau, mit Christus oder der n Dreifaltigkeit in Verbindung gebracht wurde.
Auf den Altarbildern von Matthias Grünewald bis Hans Baldung Grien sprießt die symbolträchtige Botanik. Da ist Klee ein Zeichen für die Dreifaltigkeit, Narzissen stehen für den Sieg Christi über den Tod, und der Löwenzahn versinnbildlicht die christliche Lehre und ihre Ausbreitung. Madonnenlilien und Maiglöckchen bedeuten die Jungfräulichkeit Marias, das Veilchen deutet auf Demut, und die Primel verheißt die Öffnung des Himmels; dies hat dem Frühlingsboten den volkstümlichen Namen Himmelschlüssel eingetragen. Außerdem wuchern auf den Altarbildern zwischen ehrwürdigen Heiligen unzählige Pflanzen, die für die jeweilige Gestalt als Attribut oder als Symbol ihrer Tugend galten.
Man kann davon ausgehen, dass dort kaum etwas rein zufällig wächst. Obwohl viele der damals geläufigen Symbole heute vergessen sind, waren die Sinnbilder einst wichtige Botschafter des Glaubens, mit denen auch Analphabeten die heilige Welt anschaulich vor Augen geführt werden konnte. Berührungsängste mit der profanen Welt hatte man damals kaum. Ganz pragmatisch deutete man Pflanzen mit heidnischem Kontext in christliche Attribute und Marienblumen um. Die sinnliche Feige, ein Symbol der Sexualität und Fruchtbarkeit, wurde zum Attribut des mystischen Lammes Gottes, und die Erdbeere, einst lüsternes Accessoire fast aller vorchristlicher Liebesgöttinnen, sollte später zum Sinnbild für Marias Jungfräulichkeit werden.
Besondere Bedeutung kam der Sprache der Blumen immer dann zu, wenn Liebende sich im Verborgenen ihre Gefühle zeigen mussten. Das Veilchen, das in der Antike die Liebesgöttin Aphrodite schmückte und später von der Kirche zum Marienstängel geläutert wurde, verwandelte sich in der Zeit der Aufklärung zurück zur Liebesbotin. Goethe besang es, Rousseau verehrte es, und Josephine trug ein Veilchen am Busen, als sie Napoleon das erste Mal begegnete, weshalb der Kaiser der Franzosen seiner Herzensdame fortan zu jedem Hochzeitstag einen Veilchenstrauß verehrte.
Mitte des 19. Jahrhunderts, als die romantische Liebe ihre Blütezeit erlebte, gab es eine regelrechte Blumengrammatik, die sich mit den verschiedensten Blüten ausdrückte. Ein Bukett musste stets von links nach rechts gelesen werden. Die Bedeutung einer Blume verminderte oder verstärkte sich je nach Nachbarschaft, was natürlich wegen der Fülle der Möglichkeiten zu Irritationen führen konnte. In Frankreich gab es deshalb Spezialisten der Blumensprache, und in England spielte man heitere Spiele, bei denen die Beteiligten mit verbundenen Augen Blüten aus einem Strauß zogen, die dann für allerlei Liebesorakel herhalten mussten.
Mit der fortschreitenden Technisierung und Automatisierung verlor sich die Lust an der Pflanzensymbolik. Geblieben ist davon nur ein rudimentäres Wissen über die vielen Bedeutungen. Mancher mag das bedauern, andere sind jedoch froh, wenn sie beim Floristen einfach und ganz ohne Hintergedanken einen bunten Strauß kaufen können. Nur bei ganz wenigen Blumen wie weißen Lilien oder Chrysanthemen sollte man zweimal nachdenken, bevor man sie verschenkt. 

23. August

Der Löwe und die Maus

Bei eines Löwen grauser Mörderpfote
kroch eine Maus, nicht ahnend die Gefahr,
ans Tageslicht, bedeckt mit Schlamm und Kothe.
Erstaunt, dass eine Maus die Erde nur gebar,
fragt sie der Löw': "Sollt' ich zum Mittagsmahl dich speisen?
Nein, armes Tier! Zu mager und zu klein
bist du; kaum würdest du dem Magen fühlbar sein.
Das Leben schenk ich dir. Frei magst du weiter reisen!
Die Katze nur führt mit den Mäusen Krieg;
zu niedrig ist dem Löwen so ein Sieg."

Die Maus geht weg, von Dankbarkeit durchdrungen.
Verloren, wie ein weises Sprichwort spricht,
ist oft schon hier die kleinste Wohltat nicht.
Sie zu erwidern war auch uns'rer Maus gelungen.
"Was sagst du, Dichter?" fällt mir hier ein Leser ein;
"Kann eine Maus wohl auch dem Löwen nützlich sein?“
Was unwahrscheinlich ist, sind doch nicht immer Lügen;
Der Wahrheit Lichtglanz strahlt oft aus der Fabel Zügen;

Beweis davon soll dieser Vorfall sein.
Der Löw' verirrte sich in einen düstern Hain,
Und plötzlich war er in ein Garn, mit Laub bedeckt, gefallen.
Von seinem Klaggebrüll ließ er die Flur erschallen;
Die Maus war in der Näh und eilt auf das Geschrei,
Der Wohltat eingedenk, gleich zu dem Netz herbei.
Gefangen sieht sie da der Tiere König liegen;
den Waldbewohnern macht sein tiefer Fall Vergnügen.
Was tat die kleine Maus? Sie fängt mit scharfem Zahn
die Stricke wacker zu benagen an.
Ein Knoten reißt entzwei; der Löw' mit Kopf und Pfote
dringt durch, entflieht dem Tod, der in der Näh ihm drohte.
Verachte Niemand, er sei noch so schwach und klein;
Im Notfall kann er einst als Freund dir nützlich sein.

W.Busch

24. August

Elch

Mit dem Elch wählte die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWI) nach dem Wolf und dem Braunbären abermals eine Art zum Wildtier des Jahres, die auf natürlichem Wege nach Deutschland zurückkehrt.
Skandinavien-Urlauber sind ihm vielleicht schon das eine oder andere Mal begegnet. Nachdem der Elch seit Kriegsende aus den hiesigen Wäldern verschwunden war, ist er nun wieder in Einzelfällen in Brandenburg und manchmal auch in Bayern anzutreffen.
Mit einer Kopfrumpflänge von bis zu drei Metern und einer Schulterhöhe von etwa zwei Metern ist der Elch der größte Vertreter seiner Familie. Sein imposantes Geweih kann gute zwei Meter ausladen. Weibliche Tiere sind geweihlos und bis zu einem Fünftel kleiner als ihre männlichen Verwandten. Ein besonderes, Merkmal ist die große Oberlippe (Muffel), die dem Elch hilfreich beim Äsen ist. Meist lebt der Elch als Einzelgänger in lichten Wäldern mit Freiflächen, wo er sich als Wiederkäuer von Wasserpflanzen, Rinde und Blättern, im Winter auch von Zweigen, Sträuchern und dem Grün der Nadelbäume ernährt. In der kalten Jahreszeit bilden Elche gelegentlich lose Gruppen, die sich jedoch bald wieder auflösen.
Nach der Paarung im Herbst ist die Elchkuh neun Monate trächtig, bevor sie ein bis zwei Junge gebärt. Erst vor einer neuen Geburt vertreibt das Weibchen ihr Kalb. In der freien Natur erreichen Elche oft ein Alter von bis zu 15 Jahren.

25.August

Die Kellermaus

Es wollte eine kleine Maus
- im Keller wohnhaft - hoch hinaus;
und eines Nachts, auf leisen Hufen,
erklomm sie achtundneunzig Stufen
und landete mit Weh und Ach
ganz oben dicht unter dem Dach.
Dort wartete bereits auf sie
die Katze, namens Doremi. - - -
Kaum, daß das Mäuslein nicht mehr lebte,
geschah's, daß eine Fledermaus
ein paarmal um die Katze schwebte,
zur Luke flog und dann hinaus.
Da faltete die Katz, die dreiste,
die Pfoten und sprach: "Ist das süß!
Da fliegt die Maus, die ich verspeiste,
als Engelein ins Paradies!"

Heinz Erhardt

26. August

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Kiefer 19.02. - 28.02.

Kiefern gehören zu den Ur-Bäumen, die schon vor Jahrtausenden unsere Erde bewaldeten. Wegen ihrer Stärke sind sie Symbole der Langlebigkeit und der Ausdauer.

Kiefer-Menschen, sagt man, sind ausgesprochene Praktiker und stehen stets mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen. Sie sind handeln überlegt, sind gewissenhaft und verfügen über ein hervorragendes Organisationstalent. Ihr Denken ist ausgesprochen zweckorientiert, dabei zeigen sie aber ebensoviel Interesse für andere wie für sich selbst.

Menschen, die im Baumzeichen der Kiefer geboren wurden, sind sehr genügsam. In ihren Bedürfnissen können sie sehr bescheiden sein und stellen keine übertrieben große Erwartungen. Ihre Anspruchslosigkeit ist beispielhaft und verleiht ihnen die Wurzel zu Reichtum jeder Art. Wenn es die Zeit erfordert, geben sie sich auch mit dem Geringsten zufrieden. Ihre bescheidene, gutmütige Art weckt Vertrauen und ermutigt ihre Mitmenschen zu neuen Taten.

27. August

*Ich schenke dir einen Stern*

Oft vergessen wir es einfach weil wir selber genug Sorgen haben
aber manchmal …
Ja, manchmal … da sollte man es einfach tun

da sollte man seinen Mitmenschen zeigen:

Dass da jemand ist …

Wenn man mal wieder mutlos ist und da ist einer der sagt:
DU schaffst das!

Wenn man einen Fehler macht und da ist einer der sagt:
Versuch es doch noch mal!

Wenn man traurig ist und da ist einer der sagt:
Ich halte dich!

Wenn man sich überfordert fühlt und da ist einer der sagt:
Ich helfe dir!

Selbst wenn man glücklich und zufrieden ist und da ist einer der sagt:
Ich freu mich für dich!

All diese kleinen Gesten sind doch Sterne
Sterne - die nicht nur am Himmel leuchten sondern auch dann …
in den Herzen der Menschen!!!

???

28. August

Der Rittersporn – erzählt:

"Die alten Griechen glaubten, in meiner Knospenform die Konturen eines Delphins zu sehen. Daher tauften mich die Botaniker Delphinium Cultivarus und reihten mich in die Familie der Hahnenfußgewächse ein.
Im 16. Jahrhundert kam ich aus Kleinasien nach Europa.
Ich gehöre mit einer Wuchshöhe von 1,50 m bis 2 m zu den bekanntesten höheren Blütenstauden, deren Robustheit und Winterhärte unübertroffen ist.
Meine Hauptfarbe ist blau, doch gibt es mich mittlerweile in vielen Farbschattierungen.
Als Riesenblume stehe ich gern einzeln oder im Hintergrund und besonders wirkungsvoll vor Gehölzen. Als Solitärpflanze brauche ich jedoch etwas Halt. Im Halbschatten komme ich zwar zurecht, doch liebe ich freie, sonnige Lagen mit gutem Boden. Vom Juni bis August dauert mein Flor, der bei rechtzeitigem Schnitt euch oft nochmals im Herbst erfreuen wird.
Ich werde im April/Mai oder im September direkt ins Saatbeet ausgesät und kann acht Jahre an einer Stelle stehen.“

29. August

Wenn von lindem Traum
umfangen
stille liegt die ganze
Welt,
wenn der Mond schon
aufgegangen
droben auf dem
Himmelszelt;

wenn der Englein
Götterhände
schon die Sternlein
zünden an,
sitz ich oft ganz
stumm und wende
meine Blicke himmelan.
Blicke selig zu
den Sternen auf,
wie ein beglücktes Kind,
denn ich fühls,
dass jene Fernen
meine erste Heimat
sind.

*** R.M. Rilke ***

30. August

Sonnenblumen

sind der Stolz vieler Gärtner und der Spaß vieler Kinder. Sie können gar nicht hoch und groß genug werden - und da sie schnell wachsen, ist das Erfolgserlebnis schnell da. Solche gärtnerischen Glanzleistungen werden dann selbstverständlich gern im Bild festgehalten, wobei man hier nicht nur ans Foto, sondern auch an das kleine, private Gartenvideo denkt. Viele Fotos dieser Art kann man im Sommer schießen, und oft sieht man dann ganz erstaunliche Sonnenblumen, die da herangewachsen sind. Nur zu gut kann man den Stolz auf eine solche Pflanze verstehen und freut sich natürlich.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es nicht nur die großblumigen, hohen Sorten sind, die uns Gärtner begeistern, sondern auch viele andere. Man kann ungezählt verschiedene Sonnenblumensorten ausprobieren. Mit Spannung warten sicher gerade die Kinder auf die große Sonnenblume "King Kong", die bis zu 4,50 m erreichen kann. Gut 1,50 m wird die klassische Sonnenblume. Für Abwechslung sorgt eine Mischung verschiedener Sonnenrosensorten, die bis zu 3 m Höhe erreichen und viele Farben zeigen. Kompaktere Sorten haben naturgemäß einen besseren Halt im Boden als die sehr hohen. Außerdem kann man sie viel mehr bewundern, da sie bis auf Augenhöhe heranwachsen.
Es gibt auch eine zitronengelbe und filigran wirkende Blume und eine, die durch warme Rottöne besticht.

31. August

Und all das Geld und all das Gut
Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
Kann’s aber doch nicht machen.

Gott gebe mir nur jeden Tag,
so viel ich darf zum Leben.
Er gibt’s dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt’ er’s mir nicht geben.

Matthias Claudius

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