Dezember 2007

Die junge Rose

Schön prangert im Silberton die junge Rose
den ihr der Morgentau in den Busen rollte.
Sie blüht, als ob sie verblühen wollte,
sie ahnet nichts vom letzten Blumenlose.

Eduard Mörike (1804-1875)

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1

1. Advent    2

3 4 5 6 7 8 2. Advent    9
10 11 12 13 14 15 3. Advent    16
17 18 19 20 21 Winteranfang 22 4. Advent 23
Heiligabend 24 1.Weihnachtstag 25 2.Weihnachtstag 26 27 28 29 30
Silvester 31            

Wie die Monate zuvor, ist auch der Juni den Rosen gewidmet und die Königin der Blumen wird uns das ganze Jahr hindurch begleiten.

1. Dezember

O trübe diese Tage nicht,
sie sind der letzte Sonnenschein,
wie lange und es löscht das Licht
und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
dass so die Stunde wiederkehrt.

Theodor Fontane

2. Dezember

Erster Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Macht dem Herrn den Weg bereit!

 

Handschuhe

Kleine Kulturgeschichte

Bei morgendlichem Raureif werden Handschuhe Pflicht. Sinkt die Temperatur der Hände um nur ein Grad, erhöht sich das Erkältungsrisiko um zehn Prozent, so eine Studie der Harvard-Universität. Während Handschuhe in der Berufswelt als Schutz vor Schmutz oder Verletzungen dienen, haben sie in der Mode auch eine symbolische Bedeutung.

Im Mittelalter steckte in Männerhandschuhen Macht. Als Rechts- und Herrschaftssymbol der deutschen Könige und Kaiser wurde mit der Übergabe eines Handschuhs ein Vertrag besiegelt. Zur Not konnte sich der König durch einen Handschuh vertreten lassen. Auch vornehme Damen legten auf die Bekleidung ihrer Hände Wert und schlüpften in wahre Kostbarkeiten – mit Spitze und Perlen besetzt, mit Bändern verziert. Darüber zogen sie Ringe. Bei Hofe galt der Handschuh als Pfand der Liebe, das ein Ritter von seiner Dame erbat und beim Turnier am Helm trug. Bekannter noch ist die Symbolik des Fehdehandschuhs. Warf man ihn zu Boden, forderte man damit seinen Gegner zum Kampf heraus.
Mit der spanischen Mode in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hielt der Handschuh Einzug in die Welt der Galanterie. Damen- Und Herrenhandschuhe unterschieden sich damals kaum und setzten sich bald auch bei den Bürgern in den Städten durch. Handschuhmacher gehörten zur Führungsschicht. Sie wurden im 18. Jahrhundert zu Handschuh-Parfümeuren, nachdem Katharina von Medici dazu übergegangen war, nur noch beduftete Handschuhe zu tragen. Auf diese Weise wollte sie den Geruch der Öle überdecken, die das Leder weich machten.
Im 17. Jahrhundert war Frankreich zur führenden Nation in Sachen Mode aufgestiegen. Glacéhandschuhe aus dünner Lamm- oder Ziegenhaut kamen auf. Adlige Damen trugen bis zum Ellenbogen reichende Handschuhe, Tag und Nacht, und dokumentierten damit, dass sie keiner körperlichen Arbeit nachzugehen brauchten. Die unteren Stände mussten sich mit gestrickten Wollhandschuhen zufrieden geben. Als vornehm galt, wer mehrmals am Tag die Handschuhe wechselte. Gerne griff man auch zu fingerlosen Exemplaren.
Zu ärmelfreien Empirekleidern waren Handschuhe unverzichtbar. Napoleon I. verbrauchte jedes Jahr 230 Paar graugelbe und 42 pelzgefütterte Exemplare.
Nur wenige Jahrzehnte später wurden Handschuhe für den Herrn von Welt endgültig zum Muss.

Beau Brummel, Leitfigur aller Dandys, ließ die Umhüllung seiner Daumen extra von einem Spezialisten anfertigen. Apart auch die Empfehlung des französischen Dandys Alfred d’Orsay, den Tag mit sechs Paar zu bestreiten. Die Damen des Biedermeiers trugen Halbhandschuhe sogar beim Essen oder Klavierspielen.
Das 20. Jahrhundert brachte außer synthetischen Fasern kaum Neuerungen, sieht man von den Sporthandschuhen, die in den zwanziger Jahren Furore machten, ab. Ob für Reiter, Autofahrer, Golfer oder Skifahrer – Handschuhe gab es nun in den verschiedensten Formen und Materialien: als gestrickte Wollhandschuhe mit Norwegermuster, Fäustlinge aus Leder oder Segeltuch, wildlederne Fingerhandschuhe mit Löchern über dem Handrücken und den Fingergelenken.
Bis in die fünfziger Jahre hinein bewiesen Herren mit Handschuhen Stilsicherheit. Noch mehr Wert legten modebewusste Damen auf dieses auf Hut, Handtasche und Schirm abgestimmte Accessoire. Die Gelegenheit bestimmte die Form: Für die Matinee trug die Dame Handschuhe, die bis zum Handgelenk reichten, für die Oper ellbogenlange. In den sechziger Jahren verschwand der Handschuh aus der Alltagsgarderobe, um als Sporthandschuh in den Achtzigern wieder Boden gutzumachen.
In diesen Wintern sind Damenhandschuhe aus feinem Leder wieder en vogue, am Abend dürfen sie auch aus Satin sein. Halblange oder lange Variationen passen nicht nur zum Abendkleid, sondern auch am Unterarm zusammengeschoben zu Mänteln mit Dreiviertelärmeln. In Rot oder Grün können sie als Farbtupfer einer sonst dezenten Garderobe dienen. Halbhandschuhe sorgen für Wärme und lassen den Fingern Bewegungsfreiheit. Feine Lederhandschuhe sollten so eng wie möglich gekauft werden, da sie sich durch die Körperwärme und das Tragen weiten. Sie sitzen richtig, wenn sie auf dem Handrücken keine Falten werfen.

3. Dezember

Weihnachtstreiberei

Hyazinthen, die für die Weihnachtstreiberei aufgesetzt wurden, holen wir jEnde November, spätestens Anfang Dezember, wieder ins Warme, damit sie rechtzeitig zum Fest blühen. Das gelingt aber nur, wenn die Zwiebeln in der Zwischenzeit ein kräftiges und gesundes Wurzelwerk gebildet haben. Man kann das gut überprüfen: die weißen Wurzeln müssen um diese Zeit das Innere des Glases durchwachsen haben. Ist das der Fall, können wir die Zwiebeln allmählich in einen geheizten Raum holen. Die Hütchen bleiben jedoch noch so lange auf den Hyazinthen, bis sie von der nun austreibenden Knospe von selbst gehoben werden. Entfernen wir sie zu früh, dann bleibt die Knospe stecken. Das passiert auch, wenn wir die Zwiebeln zu früh ins Warme bringen, d. h., bevor sie ein ausreichend kräftiges Wurzelwerk gebildet haben.
Immer wieder sieht man schon im November die zum Treiben aufgesetzten Blumenzwiebeln an den Fenstern geheizter Räume stehen. Das muss zwangsläufig zu Misserfolgen führen, denn Hyazinthen bilden, wie alle anderen Blumenzwiebeln, die sich für die Treiberei eignen, ihre Wurzeln nur in kühler Umgebung. Wir müssen ihnen also gewissermaßen einen "Winter" vorspielen. Deshalb hat man früher die Treibblumenzwiebeln in Töpfe gesetzt und diese im Garten eingegraben.
Man kann Hyazinthen sowohl im Wasser als auch in Erde ziehen. Wer sie im Garten einpflanzen möchte, setzt die Zwiebeln im Herbst in den Boden, dann erscheint die Blüte im Frühling von März bis Mai.

4. Dezember

Nach alter Tradition stellt man heute, an St. Barbara, Obstzweige in die Vase, damit sie Weihnachten blühen. Apfel- oder Kirschzweige, auch Mandelbäume und Forsythien sind geeignet. In lauwarmes Wasser gestellt werden die Knospen zum Fest erblühen.
Früher erhielt jedes Familienmitglied einen eigenen Zweig, und wessen als erster blühte, hatte Glück zu erwarten.
Man muss rücklings auf die zu schneidenden Zweige zuschreiten, und zwar nur mit einem Hemd bekleidet.

Zweige schneiden zu Sankt Barbara, Blüten sind bis Weihnacht da."
Diese Bauernregel kennt fast jeder, und wer möchte nicht im Winter ein paar Blüten im Zimmer haben? Also geht man in den Garten und schneidet, traditionell ab dem 4. Dezember Gehölzzweige, die bereits Knospen angesetzt haben. Nach einigen Tagen in der Vase bei uns im warmen Zimmer entwickeln sich die Blüten. Doch wer war eigentlich diese Barbara, zu deren Gedenken wir die Zweige ins Haus holen?
Barbara lebte im dritten Jahrhundert nach Christus, offenbar zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius. Sie soll eine sehr schöne, junge Frau gewesen sein, die von ihrem Vater eifersüchtig bewacht wurde.
Eine der vielen Legenden um sie erzählt, der Vater habe sie in einem Turm gefangen gehalten. Eines Tages kam er von einer Reise zurück und sah, dass in dem Turm drei statt wie bisher zwei Fenster waren. Er stellte seine Tochter zur Rede und erfuhr, dass sie sich zum Christentum bekannt hat und das dritte Fenster habe machen lassen, um an die heilige Dreifaltigkeit zu erinnern. Der Vater war entsetzt und wütend und versuchte, sie vom Christentum loszureißen. Das gelang ihm aber nicht, und so zeigte er selbst sie an. Sie wurde schrecklich gefoltert und starb schließlich am 4. Dezember.
Den Vater traf nach ihrem Tod der Blitz und er verbrannte.
Die kalten, verdorrten Blüten auf ihrem Grab sollen dann am 24. Dezember voll erblüht sein. Barbara ist eine der 14 Nothelfer der christlichen Kirche.

5. Dezember

Barbarazweige

Am Barbaratage holt’ ich
drei Zweiglein vom Kirschenbaum,
die setzt’ ich in eine Schale,
drei Wünsche sprach ich im Traum.

Der erste, dass einer mich werbe,
der zweite, dass er noch jung,
der dritte, dass er auch habe
des Geldes wohl genung.

Weihnachten vor der Mette
Zwei Stöcklein nur blühen zur Frist:
Ich weiß einen armen Gesellen,
den nähm’ ich, wie er ist.

Martin Greif

6. Dezember

Pelzmärtel

Am Fenster rauscht die schwarze Nacht,
was poltert draußen am Gartentor?
Ihr Buben und Mädchen, lauschet sacht:
Der Pelzmärtel steht davor.
Er schlappert mit den Füßen,
er klappert mit den Nüssen,
wer wird wohl mit ihm müssen?
Klingling! Jetzt reißt er an der Glock’,
Bumbum! Jetzt klopft er mit dem Stock.
Herein! Da steht er wie ein Russ’
Im Pelz von Kopfe bis zum Fuß.
“Wo sind die Kinder? Sind sie brav?
Und brauchen sie nicht Schelt’ und Straf’?
Ist einer bös’, nur mit ihm her,
mein Sack ist groß, mein Sack ist leer.
Da hilft kein Schlegeln und kein Schrein,
der böse Bub’, er muss hinein.
Doch wo die Kinder folgen gern,
da bring ich Nüss’ und Mandelkern.“
Nun rüttelt und schüttelt er seinen Sack,
da rumpelt und pumpelt herunter ein Pack.
Es purzeln und kugeln die Äpfel und Nüsse
Den staunenden Kindern durch Finger und Füße
Und eh’ noch die Kinder kommen zu Wort,
der zottige Märtel ist schon lange fort.
Von Haus zu Haus noch muss er gehen
Und nach gar vielen Kindern sehn. –
Nun seid recht brav und legt euch nieder,
dann kommt er alle Winter wieder.

Friedrich Güll

7. Dezember

Mantel

Der Mantel ist aus der Wintermode nicht wegzudenken

Bei wenigen Kleidungsstücken zeigen sich die Modetrends so dezent wie bei Mänteln und Jacken. Sie werden mehrere Saisons getragen. Daher gibt es immer Klassiker, die über Jahre hinweg aktuell sind. Dennoch fristet Wärmendes kein modisches Schattendasein. Es kommt auf die Details an.
Der Trend der fünfziger und sechziger Jahre: Es gibt die A-Linie. Mäntel sind mit großen Knöpfen ausgestattet und aus weichen fließenden Stoffen hergestellt. Die Silhouette ist weit schwingend. Das passt im Winter prima zu schmalen Hosen und Röcken.
Wenn man zurückblickt , gab es gleich mehrere historische Themen, darunter St. Petersburg im Jahr 1900 mit Uniformen aus der Zarenzeit. Oder die Mäntel im Pilotenstil.
Designer spielen auch stark mit Kragenformen, Beispiel stehenden, die an Zarenuniformen erinnern. Außerdem wurde Napoleons Feldkleidung in der Mode beobachtet. So blieben Orden und auch Schulterklappen der Wintermode erhalten, auch bei ansonsten schlichten Mänteln. Aufgesetzte Taschen, Riegel, Gurte und Blenden setzen ebenfalls Akzente. Lederapplikationen, Filzbesatz und Schließen.
Oft wird die Weiblichkeit betont, entweder durch weit schwingende Prinzessinnenmäntel oder durch schmal geschnittene Stücke, die oft sehr puristisch und mit verdeckter Knopfleiste daherkommen. Gürtel oder nicht, ist die Entscheidung der Frau. Stark taillierte Modelle und eine Ausnahme bildeten die Capes, die in verschiedenen Formen zu haben sind. Manche kommen in feinem Stoff daher, andere sind britisch oder schottisch mit roten oder grünen Karos gemustert. Ansonsten sind die Farben gedeckt.
Nicht immer schwarz, viele Jacken und Mäntel sind in Braun- und Beigetönen, in Grau- und Grüntönen gehalten, außerdem spielen gedämpftes Rot sowie Messing und Gold eine Rolle.
Insgesamt werden die Mäntel kürzer, doch auch Maximäntel reichen fast bis zum Boden.
Daneben Trench- und Dufflecoat, sowie die Daunenjacke, die es in allen möglichen Längen, Ausführungen und Steppungen gibt.

8. Dezember

Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
warm und einsam, still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
an dem knisternden Kamin,
kochend summt der Wasserkessel
längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
wärmt die Pfötchen an der Glut;
und die Flammen schweben, weben,
wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manch längst vergessne Zeit,
wie mit bunten Maskenzügen
und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Fraun, mit kluger Miene,
winken süßgeheimnisvoll,
und dazwischen Harlekine
springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
schattenhastig übereilt –
Ach! Da kocht der Kessel über,
und das nasse Kätzchen heult.

Heinrich Heine

9. Dezember

Zweiter Advent

Wir sagen Euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt!
So nehmet euch eins um das andere an,
wie auch der Herr an uns getan.

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Hainbuche 02.12. bis 11.12.

Die Hainbuche ist ein Haselgewächs, das das härteste europäische Nutzholz liefert. Sie ist fähig, die größten Verstümmelungen auszuhalten und doch wieder neu auszutreiben. Eng nebeneinander gesetzte Hainbuchen verwachsen zu einem beinahe undurchdringlichen Dickicht, weshalb sie in früheren Zeiten oft als "lebende Zäune" dienten.

An den Tagen der Hainbuche geborene Menschen sollen außerordentlich stark um Loyalität bemüht sein. Sie sind zäh und widerstandsfähig und kämpfen energisch für Gerechtigkeit. Sehr diszipliniert legen sie sich ganz klar fest und setzen sich hohe, aber erreichbare Ziele. Vom vielen Gerede halten sie nicht viel. - Sie handeln lieber.

Die im Baumzeichen der Hainbuche Geborenen sind die Zuversicht in Person. Unbeirrbar halten Sie an ihren Vorhaben fest und bringen sie durch ihre bewundernswerte Beharrlichkeit sicher zum Erfolg. Unbezwingbar ist ihr Siegeswille, wenn sie für ein lohnenswertes Ziel kämpfen. Ihre feste Überzeugung in die eigene Kraft und Unverwüstlichkeit lässt sie immer wieder neu erwachsen. Geduldig ertragen sie Unabänderliches und nehmen dabei allergrößte Belastungen auf sich. So manche Verletzung ihrer Seele ertragen sie geduldig und erstrahlen auch in diesen Situationen in einem Licht der absoluten Unverwundbarkeit. Ihr bewahrendes Wesen wird ihnen durch eine besondere innere Haltung der Gewissheit des Vergänglichen verliehen. Sie stehen über den Dingen und erhellen dadurch auch das Leben ihrer Mitmenschen.

10. Dezember

Lied im Advent
von Matthias Claudius

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

11. Dezember

Nun wollen wir singen das Abendlied
und beten, dass Gott uns behüt.

Es weinen viel Augen wohl jegliche Nacht,
bis morgens die Sonne erwacht.

Es wandern viel Sterne am Himmelsrund,
wer sagt ihnen Fahrweg und Stund?

Dass Gott uns behüt, bis die Nacht vergeht,
kommt, singet das Abendgebet!

Aus dem Odenwald

12. Dezember

Die Digitalbilder vom Winter 07 sind auf der HP

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Der Feigenbaum 12.12. – 21.12.

Die Früchte des Feigenbaumes dienten den Menschen schon früh als wichtiges Nahrungsmittel. Selbst den Toten gab man im alten Ägypten als Wegzehrung für den Gang ins Jenseits Feigen mit. Doch nicht nur den Körper nährt der Feigenbaum. -
Unter einem Feigenbaum war es auch, wo Buddha Erleuchtung fand.

Menschen, die im Baumzeichen des Feigenbaums geboren wurden, verbreiten eine Atmosphäre der Harmonie und Eintracht. Sie sind im Einklang mit der Natur und ihren Mitmenschen. Sie finden dort auch die Zufriedenheit ihres Seelenlebens. Für sie ist Erfüllung in der Partnerschaft ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Sie sind der ruhende Pol in der Familie und verbreiten eine beruhigende Gelassenheit. Diese Ruhe strahlt Sicherheit auf alle Menschen in ihrer Umgebung aus. Man fühlt sich in ihrer Nähe geborgen und weiß, es ist aus den Schätzen der Natur für alles gesorgt und es wird gerecht geteilt. Sie haben das Glück durch beständigen Fleiß für sich dauerhaft gebucht. Reichtum und Erfüllung sind bei ihnen Zuhause und bieten eine gute Basis für ein zufriedenes und erfülltes Leben.

13. Dezember

Weihnachtsgewürze

Weihnachten steht vor der Tür und überall erfüllt der vertraute und lieb gewonnene Duft von Lebkuchen, Spekulatius und anderem Weihnachtsgebäck die Luft. Die Leckereien versüßen die dunklen Wintertage und tun der Seele gut, denn Kohlenhydrate haben eine positive Wirkung auf unser Wohlbefinden. Der Genuss von zuckersüßen Weihnachtsnaschereien fördert im Gehirn die Freisetzung des Botenstoffes Serotonin, der für gute Laune sorgt.
Gewürze wie Zimt, Piment und Kardamom verleihen Plätzchen, Kuchen und Gebäck ihren unvergleichlichen Geruch und Geschmack. Jedes der Gewürze hat in der Weihnachtsbackstube besondere Eigenschaften. Es lohnt sich also, einmal auf eine Entdeckungsreise zu gehen und „Zimt & Co.“ etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Morgen geht es weiter.

14. Dezember

Zimt

Ist seit mehr als 4500 Jahren bekannt. Der hoch aromatische, feine und etwas süßliche Geschmack des Zimtes ist aus Leckereien wie Lebkuchen, Früchtebrot, Bratäpfeln und natürlich Zimtsternen nicht wegzudenken. Er ergänzt sich perfekt mit der Süße des Zuckers. In der Weihnachtsbäckerei wird meist gemahlener Zimt verwendet. Man kann aber auch Zimtstangen mit einem Mörser zerstoßen und zum Würzen verwenden.

Schon im Alten Testament wird Zimt erwähnt, und auch das Hohelied Salomos zählt ihn zu den kostbaren Gewürzen und auserlesenen Gerüchen der damaligen Zeit. Selbst in alten chinesischen Werken kommt er vor: So soll der Zimt bereits 2700 Jahre vor Christus von dem chinesischen Kaiser Shen-Nung genannt worden sein. Damit gehört er zu den ältesten Gewürzen, die wir überhaupt kennen. Der Zimt war Anlass genug, um Rivalitäten zwischen den Seemächten jener Zeit auszulösen und sogar den damaligen Handel zu beeinflussen.
So verdanken die damaligen Völker Europas ihre Versorgung mit dem köstlichen Gewürz dem berühmten Seefahrer Vasco da Gama. Durch ihn wurde Ceylon, die Heimat des Zimtbaumes entdeckt und von den Portugiesen besetzt. So war es möglich, dass schon 1498 Zimt in großem Umfang von der Insel eingeführt und frühzeitig in Europa verbreitet wurde.
Der Zimtbaum gehört zur Familie der Lorbeergewächse.

15. Dezember

Ingwer

Weihnachtsnaschereien ohne Ingwer? Undenkbar“ Das typische Weihnachtsgewürz ist durch sein mildes, leicht zitroniges und trotzdem würziges Aroma Zutat für köstliche Honig- und Apfelkuchen sowie Makronen. Aber auch als kandiertes Konfekt oder mit Schokolade überzogen versüßt Ingwer die lange Wartezeit auf das Fest der Feste. Die Ingwer-Wurzel ist im Geschmack frisch gerieben am intensivsten, das Pulver hingegen ist deutlich milder.

Arabische Kaufleute priesen im antiken Griechenland die aromatisch duftenden und süßlich-scharf schmeckenden Wurzelknollen des Ingwers an. Sie verrieten indes nicht, woher sie ihn hatten; Aus Indien. Dort spielt Ingwer seit Jahrtausenden eine große Rolle in der Küche und als Heilpflanze. Die Wurzelknollen enthalten neben Stärke ein ätherisches Öl sowie ein Harz. Der botanische Name Hingiber stammt aus dem Sanskrit: Sringaveram. Der Ingwer bildet eine eigene Familie, die Ingwergewächse. Er wird noch heute im großen Stil in tropischen Gebieten angebaut.

16. Dezember

Dritter Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die dritte Kerze brennt!
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
Weit in die dunkle Welt hinein.

Anis

Entwickelte sich im Mittelalter zu einem der beliebtesten Gewürze und ist bis heute eine unverzichtbare Zutat für Weihnachtsbrot, Gewürzkuchen und Springerle. Anis schmeckt süßlich und leicht nach Lakritz. Für die Weihnachtsbäckerei verwendet man am besten ganze Samen oder zerdrückt sie im Mörser.
Der würzige Anissamen wurde schon im Altertum von den Völkern des östlichen Mittelmeerraumes genutzt. Er soll bei Erkältungen, Katarrh und Magenverstimmungen heilende Wirkung haben. Anis aus der Familie der Doldenblütler hat eine dicke, fleischige und manchmal bis zu 60 Zentimeter lange Wurzel. Die Anispflanze wird je nach Sorte bis zu 70 Zentimeter hoch.

Nur in sehr warmen Sommern werden Anissamen, die wertvolle ätherische Öle enthalten, richtig reif. Der Samen bildet sich dann sehr rasch nach der Blüte der weißen Schirmdolden im Juli oder August. Die Blüte dauert etwa zwei Wochen. Zur Zeit der Reife fallen die lanzettförmigen, braunschwarzen Samen leicht aus. Deshalb sollten die Pflanzen morgens und abends bei Tau geerntet, gebündelt und zum Trocknen unters Dach gehängt werden.
Den Samen kann man später leicht in einem feinen Netz, das vorher um die Pflanzen gebunden wurde, sammeln.

Ein altes Anis-Rezept:
Bei Erkältungen gibt man einen Esslöffel Samenkörner - am besten etwas gemahlen, da hierdurch die ätherischen Öle am schnellsten wirken – in einen halben Liter kochende Milch. Nach zehn Minuten auf kleiner Flamme wird sie anschließend durch ein Sieb gegossen, um als Anismilch getrunken zu werden. Man kann die gemahlenen Samenkörner auch in einem Baumwoll- oder Leinensäckchen in die Milch hängen.

17. Dezember

Muskatnuss

In einer kleinen, harten Nuss, der Muskatnuss, steckt besonders viel Gewürzpower. Sie kam im 10. Jahrhundert aus dem Osten Indonesiens nach Europa. Mit ihrem leicht bitteren Aroma verleiht sie Lebkuchen, Christstollen und Pfeffernüssen ihren typischen Geschmack. Besonders würzig schmecken die Weihnachtsgebäcke, wenn das Gewürz frisch gemahlen verarbeitet wird. Gerieben sollte das Gewürz nur in kleinen Mengen gekauft und rasch aufgebraucht werden, denn es verliert schnell an Aroma. Ganze Nüsse können mehrere Jahre gelagert werden.

Schon im 12. Jahrhundert wurden Muskatnüsse in den Mittelmeerländern gehandelt. Vier Jahrhunderte später hatten sich portugiesische Kaufleute das Muskatnuss-Monopol gesichert, verloren es aber später an die Holländer. Die wollten sogar verhindern, dass irgendjemand außer ihnen Muskatbäume zog: Sie vernichteten die Bäume auf den Inseln ringsum ihrer Domäne, den Banda-Inseln.
Jedoch: Die Muskatsamen wurden von Tauben verschlungen, die sie unverdaut wieder ausschieden: Muskatbäume sprossen auf den Südsee-Inseln weiter in den Himmel. Der Muskatnussbaum aus der gleichnamigen Familie wird heute in vielen tropischen Gebieten angebaut, vor allem auf den Westindischen Inseln. In botanischen Gärten findet man ihn auch bei uns. Als Topfpflanze würde er kümmern.
In den Blattachseln der eingeschlechtigen Bäume stehen Blüten, die etwa an Maiglöckchen erinnern. Die pfirsichähnliche, fleischige Frucht wird etwa vier bis sieben Zentimeter groß, ist von rötlicher oder gelber Farbe und öffnet sich in zwei Hälften. Der darin enthaltene Samen ist die Muskatnuss. Ihr hoher Gehalt an ätherischem Öl verleiht ihr den aromatischen Geruch, der sie als edles Küchengewürz bekannt gemacht hat.
In größeren Mengen genossen wirkt Muskat als narkotisches Gift.
Wirkstoffe des Samens finden sich in manchen Einreibemitteln gegen den Tropenrheumatismus.

18. Dezember

Nelken

Was wären Lebkuchen, Früchtebrot und die gespickte Orange ohne den Geschmack von Nelken? Wegen seines feurigscharfen und leicht brennenden Aromas wird das Gewürz gemahlen oder im Ganzen schon seit Jahrhunderten in der Weihnachtsbäckerei verwendet.
Das Nelkengewürz sollte man nie allein aufwachsen lassen. Zwar ist die Halbrosettenstaude mit immergrünen Blättern sehr zäh und widerstandsfähig, jedoch fallen bei allen Arten leicht die Blumen ab. In großer Gesellschaft dagegen bietet die Nelkenwurz mit ihren meist doldentraubigen, anemonenartigen Blüten stets ein herrliches Farbenspiel zwischen Gelb, Orange und Glutrot.
Etwa 56 Arten mit vielen Sorten und Formen umfasst die Gattung aus der Familie der Rosengewächse. Sie sind in der gemäßigten Zone der nördlichen Halbkugel beheimatet.

19. Dezember

Piment

Ist ein typisches Lebkuchengewürz. Da es nach einer Mischung aus Nelken, Muskat und Zimt schmeckt, wird es auch „Allesgewürz“ genannt, entfaltet sein interessantes Aroma aber vor allem im Zusammenspiel mit Schokolade. Erstmals wurde Piment bei den Indianerstämmen Mittelamerikas erwähnt. Schon damals nutzten die Azteken das Gewürz, um Schokoladengetränke damit zu verfeinern.

Um das Jahr 1600 kam erstmals ein Gewürz nach Europa, das gleichermaßen die aromatischen Geschmacks- und Duftnoten der Gewürznelke sowie die von Zimt und Muskat harmonisch in sich vereinigte. Es handelte sich um das getrocknete Fruchtfleisch des Pimentbaumes, der zur Familie der Myrtengewäsche gehört. Das holzige Myrtengewächs ist in Mittelamerika, Westindien und auf den Antillen beheimatet.

Als Gewürz verwendet werden die unreifen, getrockneten Beeren des Pimentbaumes. Sie sind etwa sieben Millimeter groß, dunkelbraun und bergen in der dünnen, rauen Schale zwei schwarzbraune Samen. Diese enthalten zwischen drei und fünf Prozent ätherisches Öl, hauptsächlich Eugenol. Bei uns ist das Gewürz unter sehr vielen Namen bekannt. Am häufigsten werden wohl die Bezeichnungen Piment, Nelkenpfeffer, Jamaikapfeffer oder Englisches Gewürz gebraucht.

20. Dezember

Kardamom

Von den Indern liebevoll „Königin der Gewürze“ genannt, gehört Kardamom zu den ältesten und wertvollsten Gewürzen der Welt. Der süßlich-scharfe und leicht bittere Geschmack der Samenkapsel verleiht traditionellem Weihnachtsgebäck wie Stollen, Spekulatius, Lebkuchen und anderen Gewürzkuchen seinen typischen Geschmack.
Für die süße Weihnachtsbäckerei werden nur die Samen genutzt. Dazu werden die Kapseln vorsichtig geöffnet, die Samen herausgelöst und mit einem Mörser oder Messer zerdrückt.
Mit Weihnachtsgewürzen wird das Plätzchenbacken zum Genuss für Gaumen und Nase.

21. Dezember

Legt in die Hand das Schicksal
dir ein Glück,
musst du ein andres wieder
fallen lassen:
Schmerz und Gewinn erhältst
du Stück um Stück,
und Tiefersehntes wirst du
bitter hassen.

Des Menschen Hand ist eine
Kinderhand
Sie greift nur zu, um achtlos
zu zerstören;
Mit Trümmern überstreuet sie
das Land,
und was sie hält, wird ihr doch
nie gehören.

Des Menschen Hand ist eine
Kinderhand,
sein Herz ein Kinderherz im
heftgen Trachten.
Greif zu und halt!
Da liegt der bunte Tand.
Und klagen müsssen nun,
die eben lachten.

Legt in die Hand das Schicksal
dir den Kranz,
so musst die schönste Pracht
du selbst zerpflücken;
Zerstören wirst du selbst des
Lebens Glanz
und weinen über den zerbrochnen
Stücken.

Wilhelm Raabe (1831 - 1910)

22. Dezember

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Buche - 22.12

Buchen sind die vorherrschenden Bäume der nördlichen Breiten. Ohne menschliches Eingreifen wäre ganz Deutschland von Buchenwäldern bedeckt.
Wir haben die Buchstaben von diesem Baum: Unsere Vorfahren ritzten Runen in die Rinde eines in mehrere Teile zerbrochenen Buchenstabes, warfen diese in die Höhe und erhielten so Botschaften der Götter.

Buche-Geborenen gelten als "Siegertypen". Sie haben klare Vorstellungen im Leben, denen sie zielstrebig, sachlich und nüchtern nachgehen. Die an diesen Tagen geborenen Menschen werden kaum eine Herausforderung scheuen.

Die im Zeichen der Buche Geborenen umgibt immer etwas Geheimnisvolles. In ihrer Gegenwart erhält die Zeit etwas unergründlich Rätselhaftes und Unendliches. Sie vollbringen scheinbar Unmögliches mit bewundernswerter Leichtigkeit und mit Hilfe günstiger unerklärbarer Zufälle. Sie bewirken Begebenheiten, die günstigen Einfluss auf das Schicksal ihrer Mitmenschen haben. Meist haben sie eine überraschende Erklärung für unbegreifbare Situationen. Intuitiv ergreifen sie die sich bietenden Chancen und handeln entschlossen und verantwortungsbewusst. Sie strahlen ein tiefes Vertrauen auf ihre Umwelt aus. In ihrer Nähe fühlt man sich inspiriert und geborgen. Sie vertrauen in ihre verborgenen Kräfte, die sich erst nach einer längeren Zeit zu erkennen geben.

23. Dezember

Vierter Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die vierte Kerze brennt!
Gott selber wird kommen, Er zögert nicht.
Auf, auf, ihr Herzen und werdet licht!
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr!

Ab heute kann man hier die Weihnachtspredigt von unserem lieben Freund Wolfgang lesen:

Herr, lass uns fragen, wer Weihnachten gemacht hat, wir oder Du. Lass uns wissen, wer wir sind, wohin wir gehören.
Du sagst uns in dieser Weihnachtsbotschaft, dass wir Deine Kinder sind, bei Dir ein Zuhause haben und von Dir angenommen sind. Was wollen wir eigentlich mehr, in einer gottlosen Gesellschaft, in einer hektischen Welt, in unserer Angst um die Zukunft. Wir haben in Deiner Nähe alles, was uns glücklich macht und unserem Wohl dient.
Herr, schenke uns, den Nahen und den Fernen, den Kleinen und Großen, den Kranken und Gesunden, den Schwachen und Starken Dein göttliches Erbarmen in dieser Weihnachtszeit.
Amen.

Hier geht es zu Wolfgangs Webseite: http://home.feierabend.com/bubbelpety/

24. Dezember

Heiliger Abend

Heilige Nacht

So ward der Herr Jesus geboren
Im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
Den Reichen war's warm gemacht.
 
Sein Vater ist Schreiner gewesen,
Die Mutter war eine Magd.
Sie haben kein Geld nicht besessen,
Sie haben sich wohl geplagt.
Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;
Sie waren von Herzen froh,
Dass sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.
 
Die Engel, die haben gesungen,
Dass wohl ein Wunder geschehn.
Da kamen die Hirten gesprungen
Und haben es angesehn.

Die Hirten, die will es erbarmen,
Wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G'schicht' für die Armen,
Kein Reicher war nicht dabei.
 
Ludwig Thoma (1867-1921)

25. Dezember

1. Weihnachtstag

Aus meinem alten und vergilbten Schul-Lesebuch:

Weihnachten in Sibirien
Aus einem Kriegstagebuch

"Nein, das ist nichts ...", sagte Max Ernemann und erhob sich missgelaunt von der Ofenbank. "Eine Weihnacht ohne Kinder, ohne ,0 du fröhliche’ und ohne Punsch, das halte ich nicht aus! Verstehst du, das geht über meine Kräfte! - Es klingt vielleicht lächerlich, vielleicht sogar weibisch, aber mir ist's einerlei! Ich für meine Person fahre rüber!" -
Ich wusste, wohin er wollte. Vierzig Werst östlich von unserem Dorf lag eine deutsche Kolonie mit einem deutschen Pfarrhof. Dort hoffte Max, mitfeiern zu dürfen.
Ich sah nach der Uhr. Es war halb fünf. Vierzig Werst konnte man auf Skiern in vier bis fünf Stunden zurücklegen. Wenn alles gut ging, war man um neun an Ort und Stelle.
"Wenn der Urjadnik es merkt, fliegen wir ins Loch", wagte ich einzuwenden.
"Der Urjadnik?" - Max sah mich mitleidig an. - "Beruhige dich. Der Urjadnik merkt nichts. Schon vor zwei Stunden haben sie ihn völlig betrunken von einem Totenschmaus nach Haus gebracht. Er stank zehn Werst gegen den Wind nach Wodka. Bis morgen Mittag haben wir also auf alle Fälle ,Urlaub'!"
Max und ich waren nämlich die "preußischen Gefangenen" von Uschansk. Von der Gefangenschaft als solcher merkten wir allerdings nicht viel. Wir hatten unsere eigene Isba, unseren eigenen Garten und durften uns sogar das zum Lebensunterhalt notwendige Wild selbst in den nahen Wäldern schießen. Nur des Nachts mussten wir zu Hause sein. Das war strenger Polizeibefehl. Und den wollten wir nun übertreten. Ich sah, wie Max - der übrigens im Privatleben ein friedlicher Drogist in Berlin-Schöneberg war und dem gewiss niemand an der Wiege gesungen hatte, dass er dermaleinst in den sibirischen Urwäldern werde Trapper spielen müssen - seine lammfellgefütterten Filzstiefel anzog. Das war ein Zeichen, dass er Ernst machte.
"Beeile dich nicht so, ich komme mit", sagte ich daher. Er schaute erfreut auf.
"Das ist nett von dir!" antwortete er zufrieden. "Im übrigen habe ich es gewusst, dass du mich nicht allein laufen lässt." -
Wir machten uns fertig. Max holte die japanischen Karabiner aus dem Spind und lud sie mit Sprengmunition. Dann zogen wir die Skier vom Dachboden, löschten die Petroleumlampe und schlüpften hinaus.
Es war eine wunderbar klare Mondnacht. Der Schnee flimmerte und blitzte in roten, gelben und bläulichen Funken. Bei jedem Schritt knisterte und knirschte seine gefrorene Decke. "Kennst du den Weg?" fragte ich halblaut. Max nickte. Er war zweimal heimlich drüben gewesen. "Am Waldrande entlang und die dritte Schneise links immer geradeaus. Sie läuft gerade auf Naryschkewo zu."
Wir schnallten die Skier an und prüften das Riemenzeug. Alles war in Ordnung. "Los!" sagte Max. Wir liefen. Eine ganze Weile schwiegen wir beide. Unsere Gedanken flatterten über die endlose Schneefläche Sibiriens und Russlands hinweg nach dem fernen deutschen Vaterlande, in dem nun unsere Angehörigen die Weihnachtsbäume schmücken mochten. Ein trauriges Weihnachtsfest!
Plötzlich weckte mich Max aus meinen Träumen. "Du", sagte er. "Weißt du, dass die alte Natalie Popenzewa von Wölfen gefressen ist?"
"Von Wölfen?! Keine Ahnung! Wann ist es geschehen?" –
"Gestern, gerade gestern!"
Ich wollte Näheres hierüber hören, als Max unvermutet bremste und regungslos stehenblieb. Gleichzeitig hob er den Arm zum Zeichen, auch ich solle halten.
Ich lauschte angestrengt. Vorderhand hörte ich nichts als das Knacken der Äste, denen der messerscharfe, fünfunddreißiggrädige Frost allzusehr zusetzte, und das Pochen meines vom eiligen Lauf heißgewordenen Herzens. Dann aber quoll ein Laut auf aus der Tiefe des Waldes, der mir das Blut in den Adern erstarren ließ. Ein Laut, dumpf und drohend, immer stärker anschwellend und schließlich in heiseres, grauenhaftes Bellen ausklingend, das ein vielstimmiges Echo fand. Leise glitt ich an Maxens Seite. "Nette Geschichte!" schimpfte er halblaut. "Die Biester scheinen uns gewittert zu haben. Auf alle Fälle müssen wir die Beine unter den Arm nehmen, sonst könnte dies womöglich das letzte Weihnachtsfest für uns werden!"
Mit mächtigem Schwung legte er los. Ich lief in seinen Spuren und hatte es dadurch bequemer. Das Geheul verstummte für eine Weile, sodass ich hoffte, die Bestien hätten uns aus dem Winde verloren. Aber dann kam es wieder. Und immer näher und näher.
Man kann das nicht beschreiben. Es ist der schauerlichste, blutgierigste Laut, den ein lebendiges Wesen aus Hunger auszustoßen vermag. Selbst das Gelächter afrikanischer Schakale kann sich nicht damit messen.
Ich bin von Natur nicht furchtsam, und auch Max war es nicht, dafür hatten wir gelegentlich unserer Jagden genügend Beweise erbracht; aber als dieser Lauf um das Leben zu Ende war, mussten wir uns doch eingestehen, dass wir es beide recht kräftig mit der Angst gehabt hatten. " Wenn wir die Berglehne hinter uns haben, sind wir gerettet!", schrie mir Max zu. "Die Berglehne?" - Ich wusste, dass der Wald von Norden nach Süden von einem Hügelzug durchschnitten wurde, der nach Osten steil abfiel. Dort konnten wir ein Tempo anschlagen, mit dem selbst die Wölfe nicht Schritt zu halten vermochten. Aber erst mussten wir hinauf!
Nach einiger Zeit begann das Gelände langsam anzusteigen. Ich merkte es daran, dass es mir immer schwerer wurde, mit derselben Schnelligkeit weiterzulaufen. Auch Max, der Stärkere von uns beiden, ließ merklich nach. Plötzlich sah ich, wie er das Gewehr abnahm, entsicherte und unter den Arm klemmte. Ich tat das gleiche. Wir liefen nun nebeneinander. "Erst schießen, wenn die Wölfe ganz nahe sind!", zischte ich keuchend.
Das Geheul hörte auf. Dafür wurde ein eiliges Knacken und Trappeln vernehmlich, das uns unsichtbar rechts und links im Schutze des Gestrüpps folgte und aus dem zuweilen jener Laut aufgellte, den hetzende Jagdhunde auf der Spur des Wildes ausstoßen.
Ich fühlte, wie ich immer müder wurde. Das Herz klopfte zum Zerspringen, die Füße schmerzten, und das Haar klebte an der feuchten Stirn. Die schwere Pelzkappe hatte ich zurückgestoßen, um besser hören zu können, und sie hüpfte nun bei jeder Bewegung an einem Band auf meinem Rücken.
In diesem Augenblick stutzte Max, hob blitzschnell das Gewehr und feuerte.
Dicht vor uns waren zwei Wölfe aus dem Dickicht gebrochen und stoben auf uns zu. Auch ich schoss. Ich musste gut getroffen haben, denn das Tier kullerte den Hang hinab, bis es an einem Tannenbäumchen regungslos liegenblieb. Maxens Wolf humpelte knurrend in den Wald zurück. Ein vielfältiges Echo folgte unseren Schüssen. Es klang, als brächen riesige Felswände krachend zusammen. Aber wir hatten keine Zeit, diesem Naturspiel zu lauschen. Wir mussten den Augenblick benutzen und weiterkommen.
Durch das Stehenbleiben waren wir noch schlapper geworden. Wir mussten unsere ganze Kraft zusammenreißen, um wieder in Takt zu kommen. Aber was kann man nicht alles, wenn es gilt, sein bisschen elendes Leben in Sicherheit zu bringen! Nichts ist dann unmöglich. Und so kamen wir auch auf den Berg! Unten, ganz in der Ferne, sahen wir ein paar freundliche Lichter blinken. Am liebsten hätten wir gejubelt vor Freude. Aber wir konnten keinen Ton herausbekommen. Stumm schüttelten wir uns die Hände.
Fast gleichzeitig mit uns waren auch die Wölfe oben angekommen. Mehrere Male mussten wir noch feuern, bevor wir den Lauf ins Tal beginnen konnten. Allenthalben glimmten die gelbgrünen hungrigen Augen aus dem schwarzen Dickicht. Auch das Geheul hatte wieder eingesetzt. Schauriger und heiserer als vorher. Die Gier hatte ihren Höhepunkt erreicht. Aber ehe die Bestien zum großen Angriff ansetzten, sausten wir los. Ein ohnmächtiges, wutfauchendes Gebell folgte uns eine Weile. Dann wurde es stiller und stiller. Wir waren gerettet!
Erst um halb elf Uhr gelangten wir nach Naryschkewo und dadurch an unser Ziel, wo wir mit jener unvergleichlichen Gastfreiheit aufgenommen wurden, die es eben nur in den deutschen Pfarrhäusern gibt. Max kam jedenfalls völlig auf seine Kosten, denn es gab Kinderjubel, Weihnachtslieder und ausgezeichneten Punsch, und als ihn der Pfarrer am Morgen vor unserem Aufbruch fragte, ob er zum nächsten Weihnachtsfest seinen Besuch unter gleichen Umständen wiederholen wolle, erklärte er: "Und wenn es dann doppelt soviel Wölfe gibt, ich für meine Person komme!" -
Im Vertrauen gesagt, glaube ich aber doch, wir hätten es uns beide überlegt!

26. Dezember

2. Weihnachtstag

In Weihnachtszeiten
reis' ich gern
und bin dem Kinderjubel fern
und geh' in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
trifft meine gute Stunde ein.
Dass ich von allem, was da war,
auf einen Augenblick gesunde
und irgendwo im Wald für eine Stunde
der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
und wieder Knabe bin..........

-- Hermann Hesse –

27. Dezember

Winter im Hochgebirge
Adalbert Stifter

Gegen die Mitte des Januars, zu welcher Zeit gewöhnlich das Wetter am ausdauerndsten zu sein pflegt, stellten sich die Zeichen ein, dass längere Zeit schöne Tage sein werden. Ein etwas weicher Luftzug der vorigen Tage hatte sich verloren, die graue Decke am Himmel war verschwunden, und den verwaschenen Federwolken war eine tiefe Bläue gefolgt. Die Luft zog aus Osten, die Kälte mehrte sich, der Schnee flimmerte, und abends zeigte sich der feine, bläuliche Duft in den Gründen, der heitere Morgen und immer größere Kälte versprach. Meine Werkzeuge gaben starken Luftdruck und große Trockenheit an.
Ich sagte dem alten Kaspar, dass wir nunmehr aufbrechen würden. Wir nahmen an Alpenstöcken, Steigeisen, Stricken, Schneereifen, Decken, Kleidern, was wir nötig erachteten, eine Schaufel, eine Axt, Kochgeschirr und Lebensmittel auf mehrere Tage. So bepackt gingen wir zu dem See. Dort teilten wir unsere Dinge in zwei bequeme Lasten, dass jeder mit der seinigen so leicht als möglich gehen könne, und erwarteten den nächsten Morgen.
Beim Grauen des Lichtes machten wir uns auf den Weg und stiegen mit unseren hohen Stiefeln in den tiefen Schnee der Wege, die zu den Höhen führten, die aber jetzt keine Spur zeigten, und die wir nur fanden, weil wir der Gegend sehr kundig waren. Wir gingen mehrere Stunden in diesem tiefen Schnee; dann kamen Wälder, in denen er niederer lag und durch die das Fortkommen leichter war. Viele Gerölle und schiefliegende Wände, die nun folgten, zeigten ebenfalls weniger Schnee als die Tiefe. Als wir die ersten Vorberge überwunden hatten und auf die Hochebene der Echern gekommen waren, machten wir ein wenig halt.
Am oberen Ende der Hochebene, wo wieder die größeren Felsenbildungen beginnen und das Verirren weit weniger möglich ist, steht im Bereiche großer Kalksteinblöcke eine Sennhütte, die Ziegenalpe genannt, die das Ziel unserer heutigen Wanderung war. Es liegt da ein großer Stein, der beinahe ganz schwarz ist. Er ist nicht nur der Farbe willen an sich merkwürdig, sondern besonders darum, weil er durch seine Größe und seine seltsame Gestalt von weitem gesehen werden kann und denen, die von der Ziegenalpe durch die Hochebene abwärts kommen, zum Zeichen und, wenn sie bei ihm angelangt sind, zur Beruhigung des richtig zurückgelegten Weges dient. Auch ist die gegen Sonnenaufgang überhängende Gestalt des Felsens geeignet, vor Regen und heftigen Westwinden zu schützen.
Als wir bei ihm angelangt waren, sahen wir freilich keine Spur eines Menschen rings um ihn, denn unberührter Schnee lag bis zu seinen Wänden hinzu, und er stand noch einmal so schwarz aus dieser Umgebung hervor. Wir fanden aber auf kleineren Steinen, die unter seinem Überdache lagen und auf die der Schnee nicht hereingefallen war, Raum zum Sitzen und folgten dieser Einladung willig, da sich 'schon Ermüdung eingestellt hatte. Kaspar schnallte die Umhüllungen der Decken auseinander und holte zwei leichte Pelze und andere Pelzsachen hervor, die ich dazu bestimmt hatte, unsere Körper und Füße, die im Wandern sich erwärmt hatten, in der Ruhe vor Erkältung zu schützen. Als wir diese Pelzdinge umgetan hatten, schritten wir dazu, uns durch Speise und Trank zu erquicken. Etwas Wein und Brot reichte zu dem Zwecke hin. Ich betrachtete, nachdem unser Mahl vollendet war, den Wärmemesser, den ich gleich nach unserer Ankunft an einer freien Stelle auf meinen Alpenstock aufgehängt hatte, und zeigte meinem Begleiter Kaspar, dass die Wärme hier oben größer sei, als wir sie gestern zu gleicher Tageszeit unten in der Ebene des Sees gehabt hatten. Die Sonne schien sehr kräftig auf den Schnee, es wehte kein Lüftchen, an dem grünlich-bläulichen Himmel lagerten nur ein paar dünne weißliche Streifen. Ich schaute noch auf den Feuchtigkeitsmesser und den des Luftdruckes; dann packte Kaspar unsere Decken und Pelze, ich meine Geräte ein, und wir gingen unseres Weges weiter.
Mit großer Vorsicht suchten wir die Richtung, die uns nottat, zu bestimmen.
Ich zog zum Überflusse auch noch die Magnetnadel zu Rate. In den Niederungen und Mulden zwischen einzelnen Höhen mussten wir uns der Schneereifen bedienen. Gegen den späteren Nachmittag stiegen uns die höheren und dunkleren Zacken der Echern aus dem Schnee entgegen. Als die Sonne fast nur mehr um ihre eigene Breite von dem Rande des Gesichtskreises entfernt war, kamen wir in der Ziegenalpe an. Hier hatten wir einen eigentümlichen Anblick. Es ist da eine Stelle, von der aus man nicht mehr zu dem See oder seiner Umgebung zurücksehen kann; dafür öffnet sich gegen Sonnenuntergang ein weiter Blick in die Lichtung des Lautertales, besonders aber in das Echertal. In diese Ferne wollte ich noch einen Blick tun, ehe wir in die Hütte gingen. Aber ich konnte die Täler nicht sehen. Die Wirkung, die sich aus dem Aneinandergrenzen der oberen wärmeren Luft und der unteren kälteren ergab, war noch stärker geworden, und ein einfaches, waagrechtes, weißlichgraues Nebelmeer war zu meinen Füßen ausgespannt. Es schien riesig groß zu sein und ich über ihm in der Luft zu schweben. Einzelne schwarze Knollen von Felsen ragten über den Nebel empor, dann dehnte es sich weithin; ein trübblauer Strich entfernter Gebirge zog an seinem Rande, und dann war der gesättigte, goldgelbe, ganz reine Himmel, an dem eine grelle, fast strahlenlose Sonne stand, zu ihrem Untergange bereit. Das Bild war von unbeschreiblicher Größe.
Wir blieben stehen, bis die Sonne untergegangen war. Die Farbe des Himmels wurde für einen Augenblick noch höher und flammender, dann begann alles nach und nach zu erbleichen und schmolz zuletzt in ein farbloses Ganzes zusammen. Nur die gewaltigen Erhebungen, die gegen Süden standen und die das Eis, das wir besuchen wollten, enthielten, glommen noch von einem unsichern Lichte, während mancher Stern über ihnen erschien. Wir gingen nun in dem beinahe finster gewordenen und ziemlich unwegsamen Raume zur Hütte, um in dieser unsere Vorbereitungen zum Übernachten zu treffen. Die Hütte war, wie es im Winter immer ist, wo sie leer steht, nicht gesperrt. Ein Holzriegel, der sehr leicht zu beseitigen war, schloss die Tür. Wir traten ein, steckten eine Kerze in unsern Handleuchter und machten Licht. Wir suchten das Gemach der Sennerinnen und ließen uns dort nieder. In den Schlafstellen war etwas Heu, ein grober Brettertisch stand in der Mitte des Gemaches, eine Bank lief an der Wand hin und eine bewegliche stand an dem Tische. Wir hatten vor, hier erst unser eigentliches warmes Tagesmahl zu bereiten. Aber worauf wir kaum gefasst waren: es zeigte sich nirgends auch nur der geringste Vorrat von Holz. Ich hatte für den Fall Weingeist bei mir, um einige Schnitten Braten in einer flachen Pfanne rösten zu können; aber wir zogen es vorzüglich wegen der Erwärmung des Körpers vor, ein Stück Bank zu verbrennen und dem Eigentümer Ersatz zu leisten. Kaspar machte sich mit der Axt an die Arbeit, und bald loderte ein lustiges Feuer auf dem Herde. Ein Abendessen wurde bereitet, wie wir es oft bei unseren Gebirgsarbeiten bereitet hatten; aus dem Heu der Schlafstellen, den Decken und den Pelzen wurden Betten zurechtgemacht, und nachdem ich noch meine Messwerkzeuge, die im Freien vor der Hütte aufgehängt waren, betrachtet hatte, begaben wir uns zur Ruhe. Auch jetzt, am späten Abend, war bei ganz heiterem, sternenvollem Himmel eine viel mindere Kälte in dieser Höhe, als ich vermutet hatte.
Ehe der Tag graute, standen wir auf, machten Licht, kleideten uns vollständig an, richteten all unsere Dinge zurecht, bereiteten ein Frühmahl, verzehrten es und traten unsern Weg an. Die Echernspitze stand fast schwarz im Süden; wir konnten sie deutlich in die blasse Luft über dem Haustein, der uns noch unsere Eisfelder deckte, emporragen sehen. Der Tag war wieder ganz heiter. Obgleich es noch nicht licht war, durften wir eine Verirrung nicht fürchten, denn wir mussten geraume Zeit zwischen Felsen empor gehen, die unsere Richtung von beiden Seiten begrenzten und uns nicht abweichen ließen. Wir legten, weil der Schnee in diesen Rinnen sich angehäuft hatte, unsere Schneereifen an und gingen in der ungewissen Dämmerung vorwärts. Nach etwas mehr als einer Stunde Wanderung kamen wir auf die Höhe hinaus, wo die Gegend sich wieder öffnet und gegen Osten weite Felder hinziehen. Diese biegen, nachdem sie sich ziemlich hoch erhoben, gegen Süden um einen Fels herum und lassen dann den Eisstock erblicken, zu dem wir wollten.
Auf den erklommenen Feldern war es schon ganz licht; allein die Berge, die wir an ihrem östlichen Rande unter uns und weit draußen erblicken sollten, waren nicht zu sehen, sondern am Rande der mit Schnee bedeckten Felder setzte sich eine Farbe, die nur ein klein wenig von der Schneefarbe verschieden war, fast ins Unermessliche fort, die des Nebels. Er hatte seit gestern noch mehr überhandgenommen und begrenzte unsere Höhe als Insel. Kaspar wollte erschrecken. Ich aber machte ihn aufmerksam, dass der Himmel über uns ganz heiter sei, dass dieser Nebel von jenem sehr verschieden sei, der bei dem Beginne des Regen- oder Schneewetters zuerst die Spitzen der Berge in Gestalt von Wolken einhüllt, sich dann immer tiefer, oft bis zur Hälfte in die Berge hinabzieht und den Wanderern so fürchterlich ist; unser Nebel sei kein Hochnebel, sondern ein Tiefnebel, der die Bergspitzen, auf denen das Verirren so schrecklich sei, freilasse und der beim Höhersteigen der Sonne verschwinden werde. Im schlimmsten Falle, wenn er auch bliebe, sei er nur eine waagrechte Schicht, die nicht höher stehe, als wo der schwarze Stein liege. Von dort hinab aber sei uns der Weg bekannt, wir müssten unsere eigenen Fußstapfen finden und könnten an ihnen abwärtsgehen. Kaspar, der mit dem Gebirgsleben sehr vertraut war, sah meine Gründe ein und war beruhigt.
Während wir standen und sprachen, fing sich an einer Stelle der Nebel im Osten zu lichten an, die Schneefelder verfärbten sich zu einer schöneren und anmutigeren Farbe, als das Bleigrau war, mit dem sie bisher bedeckt gewesen waren, und in der lichten Stelle des Nebels begann ein Punkt zu glühen, der immer größer wurde und endlich in der Größe eines Tellers schweben blieb, zwar trübrot, aber so innig glimmend wie der feurigste Rubin. Die Sonne war es, die die niederen Berge überwunden hatte und den Nebel durchbrannte. Immer rötlicher wurde der Schnee, immer deutlicher, fast grünlich seine Schatten; die hohen Felsen zu unserer Rechten, die im Westen standen, spürten auch die sich nähernde Leuchte und röteten sich. Sonst war nichts zu sehen als der ungeheure dunkle, ganz heitere Himmel über uns, und in der einfachen, großen Fläche, die die Natur hierhergelegt hatte, standen nur die zwei Menschen, die da winzig genug sein mussten. Der Nebel fing endlich an seiner äußersten Grenze zu leuchten an wie geschmolzenes Metall, der Himmel lichtete sich, und die Sonne quoll wie blitzendes Erz aus ihrer Umhüllung empor. Die Lichter schossen plötzlich über den Schnee zu unsern Füßen und fingen sich an den Felsen. Der freudige Tag war da.
Wir banden uns die Stricke um den Leib und ließen ein ziemlich langes Stück von der Leibbinde des einen zu der des andern gehen, damit, wenn einer, da wir jetzt über eine sehr schiefe Flädle zu gehen hatten, gleiten sollte, er durch den andern gehalten würde. Ohne Hilfe der Schneereifen, die hier nur gefährlich werden konnten, gelangten wir mit angewandter Vorsicht glücklich hinüber, lösten die Stricke, bogen nach einer darauf erfolgten mehrstündigen Wanderung um die Felsen und standen an dem Gletscher und auf dem ewigen Schnee.
Auf dem Eise zeigte sich gegenüber dem Sommer so gut wie gar keine Veränderung. Da auch im Sommer fast jeder Regen des Tales die Höhen entweder gar nicht trifft oder auf ihnen Schnee ist, so war es jetzt auf dem Gletscher wie im Sommer, und wir schritten auf bekannten Gebieten vorwärts. Wir verweilten einige Zeit auf dem Eise und nahmen dort auch unser Mittagsmahl, aus Wein und Brot bestehend, ein. Unter uns hatte sich aber indessen eine Veränderung vorbereitet. Der Nebel war nach und nach geschwunden, ein Teil der fernen oder der näheren Berge war nach dem andern sichtbar geworden, und endlich stand alles im Sonnenglanze ohne ein Flöckchen Nebel, der wie ausgetilgt war, in sanfter Bläue oder wie in goldigem Schimmer oder wie im fernen matten Silberglanze in tiefem Schweigen und unbeweglich da. Die Sonne strahlte einsam ohne eine gesellige Wolke an dem Himmel.
Nachdem wir uns eine geraume Weile auf dem Eise aufgehalten hatten, traten wir den Rückweg an. Wir gelangten leicht an den gewöhnlichen Ausgang des Gletschers, von wo aus man das Hinabgehen über die Berge einleitet. Wir fanden unsere Fußstapfen, die in der ungetrübten Oberfläche des Schnees sehr deutlich erkennbar waren, und gingen nach ihnen fort. Wir kamen glücklich über die schiefe Fläche und langten gegen Abend in der Ziegenalpe an. Wir hielten in der Hütte wieder unser warm zubereitetes Abendmahl, wärmten uns am Reste der Bank und erquickten uns durch Schlaf. Der nächste Morgen war abermals klar, in den Tälern war wieder der Nebel. Wir kamen früher, als wir gedacht hatten, an dem schwarzen Steine an. Dort hielten wir wieder unser Mittagsmahl und gingen dann unter dem sich immer mehr und mehr lichtenden Nebel die steile Senkung der Berge hinunter. Der an ihrem Fuße beobachtete Wärmemesser zeigte wirklich eine größere Kälte, als wir auf den Bergen gehabt hatten.
Am Nachmittage waren wir wieder in dem Seewirtshause.
Am andern Tage gingen wir in das Ahornhaus im Lautertale. Alles umringte uns und wollte unsere Erlebnisse wissen. Sie wunderten sich, dass die Unternehmung so einfach gewesen sei, besonders aber, dass die Kälte, die schon im Sommer gegen die Wärme der Täler so abstehe, im Winter nicht ganz fürchterlich solle gewesen sein.

28. Dezember

Will sehen, was ich weiß,
vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer
Noch kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
Und spricht so zu sich leis:
„Ich will es einmal wagen;
das Eis, es muss doch tragen!“
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket
Mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket,
und krach! schon bricht’s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
Als wie ein Krebs und zappelt
Mit Schrein:

„O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muss ertrinken
Im tiefen, tiefen See!“
Wär nicht ein Mann gekommen,
der sich ein Herz genommen –
o weh!

Der packt es bei dem Schopfe
Und zieht es dann heraus,
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet;
Der Vater hat’s geklopfet
Zu Haus.

Friedrich Güll

29. Dezember

Es waren einmal drei alte Weiber, welche gern Pfannkuchen essen wollten.Da gab die erste ein Ei dazu, die zweite Milch und die dritte Fett und Mehl.
Als der dicke fette Pfannekuchen fertig war, richtete er sich in der Pfanne in die Höhe und lief den alten Weibern weg und lief immerzu kantapper, kantapper in den Wald hinein.
Da begegnete ihm ein Häschen, das rief: "Dicker fetter Pfannekuchen, bleib stehen, ich will dich fressen!"
Der Pfannekuchen antwortete: "Ich bin drei alten Weibern weggelaufen und soll Dir Häschen Wippschwanz nicht entwischen?" und lief kantapper, kantapper in den Wald hinein.
Da kam ein Wolf angelaufen ... eine Kuh herbeigerannt ...eine Sau dahergefegt ... und noch viele andere, aber immer lief der Pfannkuchen weg, bis drei Kinder des Wegs kamen, die hatten keine Mutter und keinen Vater mehr und sprachen: "Lieber Pfannkuchen bleib stehen, wir haben noch nichts gegessen den ganzen Tag!"
Da sprang der dicke fette Pfannekuchen den Kindern in den Korb und ließ sich von ihnen essen.

30. Dezember

Der Schnee

Der Schnee fällt nicht hinauf
Sondern nimmt seinen Lauf
Hinab und bleibt hier liegen,
noch nie ist er gestiegen.

Er ist in jeder Weise
In seinem Wesen leise,
von Lautheit nicht die kleinste Spur,
glichest doch du ihm nur.

Das Ruhen und das Warten
Sind seiner üb’raus zarten
Eigenheit eigen,
er lebt im Sichhinunterneigen.

Nie kehrt er dorthin je zurück,
von wo er niederfiel,
er geht nicht, hat kein Ziel,
das Stillsein ist sein Glück.

Robert Walser

31. Dezember

Menschen im Wechsel der Jahre

von
Detlef Wolfgang Scholz
Apelnstedt

http://home.feierabend.com/bubbelpety/

Das alte Jahr sich dem Ende nähert,
die Menschen haben nichts dazu gelernt.
Nach wie vor machen sich Krieg und Streit,
auf der ganze Erde weiter breit.

Die Hoffnung auf Frieden sinkt immer mehr,
viele tragen lieber ein Gewehr.
Es wird geschossen und gemordet jeden Tag,
bald man die Nachrichten nicht mehr sehen mag.

Die Macht des Geldes dominiert in dieser Welt,
Arme werden immer mehr gequält.
Der Hochmut der Reichen breitet sich aus,
vor dem Angesicht derer, die haben kein zu Haus.

Gequälte Kinderaugen schauen uns an,
sieht der Nachbar sie nicht, der wohnt nebenan?
Wir verschließen unsere Augen vor der Menschen Not,
die manchmal haben nicht einmal das tägliche Brot.

Im neuen Jahr muss dieses anders werden,
das Gewissen aller Menschen auf Erden.
In die Herzen muss die Liebe einkehren,
Achtung und Respekt muss wieder werden.

Egoismus und Hartherzigkeit müssen weichen,
der Mensch darf nicht mehr gehen über Leichen.
Nur so kann es wieder Frieden geben,
in unserem so kurzen menschlichen Leben.

Darum lasst uns alle geben acht,
was das Neue Jahr mit uns nun macht.
Gott schenke uns auf allen unseren Wegen,
Barmherzigkeit und seinen väterlichen Segen.

Dezember 2007

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