Dezember 2009

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1. Dezember

Die Weihnachtsseite ist aktiv und auch der Adventskalender, dieses Mal spannend - mit Rätseln.

Amaryllis

Eigentlich sollte man sie als Ritterstern bezeichnen - einer Gattung von Zwiebelpflanzen mit etwa 80 Arten - beheimatet in Mittel- und Südamerika.

Die echte Amaryllis gehört aber zu einer anderen Gattung von Zwiebelpflanzen und stammt aus Südafrika, obwohl sie ihm Aussehen dem Ritterstern ähnelt.

Der botanische Name des Rittersterns – Hippeastrum – setzt sich aus dem griechischen Wort hippos (Pferd) und dem lateinischen astrum (Stern) zusammen. Treffend wird mit dieser Bezeichnung das Aussehen beschrieben: Die ungeöffnete Knospe der Stammform hat Ähnlichkeit mit einem nickenden Pferdekopf und entfaltet sich letztendlich zur perfekten Sternform.

Die Zuchtsorten, die im Handel erhältlich sind, sind meistens Hybriden, mit zum Teil derart prächtigen Blüten mit breiten Petalen (Kronenblatt), dass man die Sternform nur noch erahnen kann.
Die frostempfindlichen Pflanzen haben lange, riemenförmige, etwas fleischige Blätter. Auf kräftigen, aufrechten Stängeln tragen sie meist mehrere Blüten, die sich entweder gleichzeitig oder kurz hintereinander öffnen.

2. Dezember

Noch ist der Herbst nicht ganz entfloh'n,
aber als Knecht Ruprecht schon
kommt der Winter hergeschritten.
Und alsbald aus Schnee’es Mitten
klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
bunt auf uns hernieder sah.
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
und das Jahr geht zur Neige,
und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
heute bist du uns noch fern,
aber Tannen, Engel, Fahnen
lassen uns den Tag schon ahnen,
und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane

3. Dezember

Das Schnupfenmännchen

Wen man auch fragt, gesehen haben ihn die wenigsten, diesen kleinen und heimtückischen Kobold. Er ärgert die Menschen, gleich ob sie jung oder alt sind, alljährlich in den nassen und kalten Monaten. Ein paar alte Frauen wollen das Schnupfenmännchen gesehen haben. Sie beschreiben es als einen kleinen hässlichen Gnom, der einen grauen Lodenmantel mit Kapuze trägt, aus dem nur eine rote Nase herausleuchtet. Die Augen sollen ganz klein und verschmitzt sein, die Lippen ganz weiß. Wenn das Schnupfenmännchen kichert oder lacht, so klingt es blechern und schadenfroh.
Besonders gern hält sich der hinterhältige Gnom an offenen Fenstern, Türen und auf nassen Straßen auf. Dort wartet das Schnupfenmännchen auf unvorsichtige Buben und Mädchen, denen es heimlich folgt, um ihnen in die Nase zu zwicken.
Das ist gar nicht lustig, wenn es auch zuerst nicht weh tut. Aber am nächsten Tag haben die gezwickten Kinder einen richtigen Schnupfen. Es kribbelt ihnen in der Nase, die dauernd geputzt werden muss und nachher vor Entzündung ganz rot ist. Wenn es noch schlimmer wird, muss das gezwickte Kind ins Bett, darf nicht in die Schule, nicht auf der Straße spielen, keinen Krankenbesuch empfangen und muss viel heißen Tee trinken. Aber wie kann man sich vor dem Schnupfenmännchen schützen? Wenn man es nicht sehen und hören kann, weiß man doch nicht, wann es kommt.
Doch, das weiß man: immer dann, wenn man an nassen oder kalten Tagen nicht dem Rat der Mutter folgt und unvorsichtig ist. Wer leichtsinnig in Pfützen patscht, in zugigen Hausfluren spielt, sich nicht warm genug anzieht oder erhitzt ans offene Fenster oder vor die Tür geht.
Wenn ihr einmal beim Spielen nasse und kalte Füße bekommt, dann ist das Schnupfenmännchen nicht mehr weit. Dann hilft nur noch eins: Ihr müsst tüchtig laufen und springen, bis die Füße wieder warm sind und das Schnupfenmännchen euch mit seinen kurzen Beinchen nicht erreichen kann.
Wer das nicht tut, den wird es zwicken und dazu zwingen, dauernd "hatschi!“ zu rufen; dem wird es eine rote Nase anhängen und ihn vielleicht sogar ins Bett stecken lassen.

H.G.

Nun hoffen wir, dass uns Erwachsene diesen Winter das Schnupfenmännchen nicht erwischt.

4. Dezember

Die Nas!

Die Nas, von der ich jetzt bericht,
die trägt man mitten im Gesicht.
Und das Gesicht wird durch die Nas
erst ein Gesicht so viel ich waas.
Weil: zwei Backen und ein Loch allein
das könnte auch was andres sein.

Nun gibt es Nasen aller Form
Kolben, Zinken, ganz enorm,
Gurken, Zacken aller Art,
Rüssel, nackig und behaart,
kleine Knuppel, dicke Kurze,
vorne dran herum verdickte,
Boxernasen, eingedrückte,
Himmelfahrts- und Hängeriecher
und 1000 andere Nasenviecher.

Doch lasst euch bitte täuschen nicht:
Net jede Nas hält, was sie verspricht.
Ein Näschen, ist es noch so fein
kann außerdem ne Rotznas sein.

Betrachtet die Nas man anatomisch,
dann ist sie originell und komisch.
Denn unten ist die Nasenspitz,
die Wurzel oben, was ein Witz!
Vorne hat die Nas ihrn Rücken
und innen kann man Haar erblicken.
Die Nas hat auch ein Flügelpaar,
zwei Nasenflügel, das ist klar.
Doch weiter sich der Unsinn häuft!
Die Nas, die fliegt nicht, nein: sie läuft!
Was kann die laufen, jesses nein
und das mit einem einigen Bein!

Die Nas ist ähnlich wie die Ohren,
man kann mit Fingern darin bohren.
Tief in die Nasenlöcher unten,
was da gesucht wird und gefunden,
und wie die Leut das all verwenden
das gäb ein Vortrag ohne Ende.

Man trägt die Nas nicht nur zum Schmuck,
sie dient auch andren Zwecken. Guck!
Zum Beispiel kann man mit ihr riechen,
was zwar nicht immer ein Vergnügen.
Bei Wohlgerüchen Gott sei Dank!
Dagegen gar nicht bei Gestank.

Man kann auch schnaufen durch die Nase
und Rauch durch ihre Löcher blasen.
Sie dient als Lager für die Brille.
Man kann sie pudern, wenn man will.

Die Eskimos tun wie wir wissen,
sogar sich mit der Nase küssen.
Man kann sie vielerlei benutzen,
man braucht sie auch zum Nase putzen.
Ein jeder putzt sie auf seine Weise,
die eine laut, der andere leise.

Man kann ein Nasenloch verschließen,
mit Luftdruck aus dem anderen schießen,
oder aus beiden Löchern sprühen,
oder sie übern Ärmel ziehen.
Man kann als Aufzug sie missbrauchen
… (hochziehen) …
Wer diese Möglichkeit doch scheut,
für den gibt’s Taschentücher heut.

Die Nase enthält in großer Fülle,
alle möglichen Bazillen.
Sind sie zuviel, so kann man diese
anderen auf den Anzug niesen.
Und gleich darauf kriegt man seinen Dank
Die Nas hat Schnupfen, sie wird krank.
Dabei gewinnt die Nas an Feuchte,
wird rot und dick, fängt an zu leuchten.
Der Nas ihr Näss ist nicht zu stopfen
Es fallen bald die ersten Tropfen.
Arzneien haben wenig Sinn,
weil die dem Schnupfen schnuppe sind.

Jetzt gäbs der Sprüch noch jede Menge,
doch zieh die Nas ich in die Länge,
dann hab ich bald die Nase voll
weil das doch endlich enden soll.
So tut mir bitte einen Gefallen,
fasst an die eigne Nas euch alle
und steckt sie nicht in andre Leut
ihren Kram – weil diese dies nicht freut.
Das ist, weil alles enden muss
der Nasenweisheit letzter Schluss!

???

5. Dezember

Am Nikolausabend

Am dunklen Himmel glitzern die Sterne. Sie strahlen in das Kämmerlein hinein. Da liegen die Kleinen still mit offenen Augen in ihren Bettchen.
„Weshalb schlaft ihr denn noch nicht?“, fragen die Sterne ganz erstaunt. „Es ist doch stockdunkle Nacht?“
„Schlafen?“, fragt der Bub und wundert sich. „Schlafen? Wo heute der Nikolaus kommt?“
„Wir haben doch unsere Schuhe ins Fenster gestellt“, sagt die kleine Rosi. „Er soll doch etwas Schönes hineinlegen.“
„Wenn euch der Nikolaus nun aber eine Rute in die Schuhe legt? Man kann doch nie wissen?“
„Ach nein“, sagt Hansi kleinlaut, man kann nie wissen –
Wird es etwas Schönes sein, das er bringt?
Etwas, das nach Weihnachten duftet?
Äpfel, Nüsse, Marzipan?
Oder - - eine Rute?
Wie die Herzen pochen!
Ach nein, man kann wirklich nie wissen.
„Leise, Rosi, leise, ich glaube, er kommt –
Rasch, rasch unter die Decke!“
Sie halten den Atem an und warten.

Der Nikolaus ist schon lange auf der Reise, aber er kommt nur langsam vorwärts, denn er hat schwer zu schleppen. Überall in den Häusern warten die Kindlein mit klopfenden Herzen. Überall stehen Kinderschuhe in den Fenstern und warten auch –
Und überall öffnen die Englein die Fenster, dass der Nikolaus die vielen großen und kleinen Kinderschuhe füllen kann.
Deshalb kommt der Nikolaus nur langsam weiter.

Die Kinder aber werden müde vom Warten. Die Augen fallen ihnen zu.
Die Bäckchen glühen im Schlafe.
Da öffnet der gute Nikolaus sein Säckchen. Und die Kinder lächeln im Traum.

Sophie Reinheimer

6. Dezember

Der Wald

Es rauscht der Wind im Winterwalde
durch die kühle graue Flur
und jeder hofft,- schon balde
findet er Nilolauses Spur.

Ach wann wird er endlich kommen,
dieser heiß ersehnte Gast?
Kinder blicken teils benommen
von Baum zu Baum, von Ast zu Ast.

In den Blicken heißes Sehnen,
Fragen, was wird dann gescheh'n?
Und mancher tut schon mal erwähnen,
"Ich hab den Nikolaus geseh'n."

Langsam neigt der Tag sich nieder,
die Winternacht, sie steigt herauf,
als ein leises Raunen wieder,
stoppt der Kinder frommen Lauf.

Da aus dunstigem Gefilde,
steigt wie eine Nebelnacht,
ein stilles schattiges Gebilde
und die Dämmerung ist erwacht,

Kinderblicke werden helle
die Gesichter sind verzückt,
als Niklaus an der Tagesschwelle,
tritt in ihren Sehnsuchtsblick.

Du guter alter Nikolaus,
du Freund der Kinder nah und fern,
leer deinen Sack heut bei uns aus,
wir alle haben dich so gern.

Dichter unbekannt

7. Dezember

Entspannungsübungen

Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Tai Chi, Qi Gong oder Hatha-Yoga – es gibt mittlerweile viele Entspannungsarten. Sie eignen sich als Anti-Stress-Programm für Jung und Alt und sind am besten durch einen Einführungskurs erlernbar. Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung kann man sich mithilfe von CDs und Büchern sogar selbst beibringen.

Mit jeder dieser fünf Techniken kann man auf Dauer mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man lernt, sich zu entspannen, die eigene Stresstoleranz wird langfristig erhöht, leichte psychosomatische Störungen können abgebaut werden, man bleibt in Bewegung und stärkt durch den Sport im Freien - wie beim Tai Chi – obendrein sein Immunsystem.

Autogenes Training: Autogenes - Training ist eine Art der Selbsthypnose, die es ermöglicht, sich zu entspannen. Dabei helfen Leitsätze, die zum Beispiel Ruhe, Schwere und - Wärme suggerieren. Mithilfe kurzer formelhafter Vorstellungen, die man sich wiederholt und konzentriert im Geiste vorsagt, kann man seinen Körper in einen Ruhezustand versetzen. Konzentriert man sich zum Beispiel darauf, dass der Arm warm ist, kann ich es mit einiger Übung tatsächlich schaffen, die Durchblutung in den Armen zu fördern und sich dadurch auch körperlich entspannen.

Progressive Muskelentspannung: funktioniert anders: Hier wird Entspannung durch Anspannung erreicht. Bei vielen Muskeln - etwa denen im Nacken - wissen wir weder, wie sie sich in Aktion, noch, wie sie sich im Ruhezustand anfühlen. Die Progressive Muskelentspannung hilft, diese vergessenen Muskeln wieder bewusst zu spüren. Man lernt, sie gezielt zu lockern, und kann auf diese Weise Zeichen körperlicher Unruhe oder Erregung reduzieren. Die Methode ist leicht erlernbar und fördert das körperlich-seelische Wohlbefinden.

Sowohl Autogenes Training als auch Progressive Muskelentspannung sind nicht nur ideal, um nach Feierabend auf Ruhe umzuschalten. Sie entspannen - nach einiger Übung auch quasi auf Knopfdruck. Wenn es sein muss auch kurz vor einem nervenaufreibenden Meeting oder kurz vor einer Präsentation.

Tai Chi: Man kennt das aus Parks: Menschen in legerer Kleidung, die ihren Körper fließend und in Zeitlupe bewegen. Was anfangs noch befremdlich wirkte, ist mittlerweile ein alltägliches Bild und Bestandteil der Kurspläne von Fitnessstudios, Volkshochschulen und Krankenkassen.
Das Tai Chi ist einer altchinesischen Kampfkunst nachempfunden und in seinem Ursprungsland Volkssport Nummer eins. Ziel des auch als Schattenboxen bekannten Sportes ist es, körpereigene Energien freizusetzen und dem hektischen Alltag mehr Ruhe entgegenzusetzen. Tai Chi entspannt nicht nur, es soll auch leistungsfähig und kreativ machen und das Körpergefühl sowie die Konzentration verbessern.

Qi Gong: Auch Qi Gong hat seinen Ursprung in China, wenn auch nicht in der Kampfkunst, sondern in der traditionellen chinesischen Medizin. Ähnlich wie beim Tai Chi geht es um das Zusammenspiel von Atmung, Bewegung und Konzentration.

Beide Entspannungsformen sind besonders für all jene geeignet, die Entspannung mit Bewegung verbinden möchten.

Hatha-Yoga: Wer nicht nur Ruhe tanken, sondern auch beweglicher werden möchte, ist bei Hatha-Yoga richtig aufgehoben. Diese traditionelle indische Bewegungskunst basiert auf Körper- und Atemübungen und trainiert sowohl Konzentration als auch Entspannung. Ziel ist, das Körperbewusstsein zu verbessern. Hatha-Yoga ist allerdings nicht für jedermann geeignet: Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten darauf achten, nicht zu extreme Yoga-Stellungen zu praktizieren und vorher am besten Rücksprache mit einem Arzt halten.

8. Dezember

Dein Leben
wird nicht
ohne Beschwernis sein,
aber ich wünsche dir,
dass deine Lasten
tragbar sind.

Dein Leben
wird nicht frei
von Angst sein,
aber ich wünsche dir,
dass das Erschreckende nicht
überhand nimmt.

Antje Sabine Naegeli

9. Dezember

Ich weiß nicht mehr, von wem ich diese Geschichte geschickt bekam, auch nicht, wer sie verfasst hat oder ob sie der Wahrheit entspricht. Beim Einsetzen hab ich geweint und weiß nicht einmal warum. War es aus Mitgefühl, Traurigkeit oder Freude?

Bei einem Wohltätigkeitsessen zugunsten von Schülern mit Lernschwierigkeiten hielt der Vater eines der Kinder eine Rede, die so schnell keiner der Anwesenden vergessen wird. 
  
  
Er erzählte folgende Geschichte: 
  
Shay, mein Sohn und ich waren einmal an einem Park vorbeigekommen, in dem einige Jungen, die Shay kannte, Baseball spielten. 
Shay fragte: "Glaubst du, sie lassen mich mitspielen?"

Ich wusste, dass die meisten der Jungen jemanden wie Shay nicht in ihrer Mannschaft haben wollten, aber als Vater war mir auch Folgendes klar: 
Wenn mein Sohn mitspielen durfte, dann würde ihm dies ein Dazugehörigkeitsgefühl geben, nach dem er sich so sehr sehnte, und auch die Zuversicht, trotz seiner  Behinderung von anderen akzeptiert zu werden. 
  
Ich ging also zu einem der Jungen auf dem Spielfeld und fragte, ohne allzu viel zu erwarten, ob Shay mitspielen könne. 
Der Junge schaute sich hilfesuchend um und sagte: "Wir haben schon sechs Runden verloren und das Spiel ist gerade beim achten Inning. Ich glaube schon, dass er mitspielen kann. Wir werden versuchen, ihn dann beim neunten Inning an den Schläger kommen zu lassen." 

   
Shay kämpfte sich nach drüben zur Bank der Mannschaft und zog sich mit einem breiten Grinsen ein Trikot des Teams an. 
Ich schaute mit Tränen in den Augen und Wärme im Herzen zu. 
Die Jungen sahen, wie ich mich freute, weil mein Sohn mitspielen durfte. 
Am Ende des achten Innings hatte Shays Team ein paar Runden gewonnen, 
lag aber immer noch um drei im Rückstand.

Mitten im neunten Inning zog sich Shay den Handschuh an und spielte im rechten Feld mit.  Auch wenn 
keine Schläge in seine Richtung gelangten, war er doch begeistert, dass er mit dabei sein durfte, und grinste bis zu beiden Ohren, als ich ihm von der Tribüne aus zuwinkte. 

  
Am Ende des neunten Innings holte Shays Mannschaft noch einen Punkt. In 
der jetzigen Ausgangslage war der nächste Run ein potenzieller Siegesrun und Shay kam als Nächster an die Reihe.
 
  
Würden sie in diesem Moment Shay den Schläger überlassen und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen, aufs Spiel setzen? 
  
Überraschenderweise bekam Shay den Schläger. Jeder wusste, dass ein Treffer so gut wie unmöglich war, denn Shay wusste nicht einmal, wie er den Schläger richtig halten sollte, geschweige denn, wie er den Ball schlagen sollte.

Als Shay allerdings an den Abschlagpunkt trat, merkte der Pitcher, dass die gegnerische Mannschaft in diesem Moment nicht gerade auf den Sieg aus zu sein schien und warf den Ball so vorsichtig, dass Shay ihn wenigstens treffen konnte. 
  
Beim ersten Pitch schwankte Shay etwas unbeholfen zur Seite und schlug vorbei.

Der Pitcher ging wieder ein paar Schritte nach vorn und warf den Ball vorsichtig in Shays Richtung. Als der Pitch hereinkam, hechtete Shay zum Ball und schlug ihn tief nach unten gezogen zurück zum Pitcher. Das Spiel wäre nun gleich zu Ende. 
  
Der Pitcher nahm den tiefen Ball auf und hätte ihn ohne Anstrengung zum ersten Baseman werfen können. Shay wäre dann rausgeflogen, und das Spiel wäre beendet gewesen. Aber stattdessen warf der Pitcher den Ball über den Kopf des ersten Basemans und außer Reichweite der anderen Spieler. 
   
Von der Tribüne und von beiden Teams schallte es: "Shay lauf los! Lauf los!" 
  
Noch nie im Leben war Shay so weit gelaufen, aber er schaffte es bis zum First Base. 
  
Mit weit aufgerissenen Augen und etwas verwundert hetzte er die Grundlinie entlang. 
  
Alle schrien: "Lauf weiter, lauf weiter!" 
Shay holte tief Atem und lief unbeholfen, aber voller Stolz weiter, um ans Ziel zu gelangen. Als Shay um die Ecke zur zweiten Basis bog, hatte der rechte Feldspieler den Ball, er war der kleinste Junge im Team, der jetzt seine erste Chance hatte, zum Held seines Teams zu werden. 

  
Er hätte den Ball dem zweiten Baseman zuwerfen können, aber er hatte verstanden, was der Pitcher vorhatte, und so warf er den Ball absichtlich ganz hoch und weit über den Kopf des dritten Basemans.

Also rannte Shay wie im Delirium zur dritten Basis, während die Läufer vor ihm die Stationen bis nach Hause umrundeten. 
  
Alle schrien nun: "Shay, Shay, Shay, lauf weiter, lauf weiter!"
Shay erreichte die dritte Basis, weil der gegnerische Shortstop ihm zur Hilfe 
gelaufen kam und ihn in die richtige Richtung der dritten Basis gedreht und gerufen hatte: "Lauf zur dritten! Shay, lauf zur dritten!" 

  
Als Shay die dritte Basis geschafft hatte, waren alle Spieler beider Teams und die Zuschauer auf den Beinen und riefen: "Shay, lauf nach Hause! Lauf nach Hause!" 

Shay lief nach Hause, trat auf die Platte und wurde als Held des Tages gefeiert, der den Grand Slam erreicht und den Sieg für seine Mannschaft davongetragen hatte. 
  
"An diesem Tag", so sagte der Vater, während ihm die Tränen übers Gesicht liefen, "brachten die Spieler von beiden Mannschaften ein Stück wahrer Liebe und Menschlichkeit in Shays Welt." 
  
Shay erlebte keinen weiteren Sommer mehr. Er starb im folgenden Winter und hatte nie vergessen, wie es war, ein Held zu sein und mich so glücklich gemacht zu haben und zu sehen, wie die Mutter ihren kleinen Helden unter Tränen umarmte, als er nach Hause kam!"  

10. Dezember

Die Mutter bei der Wiege

Schlaf, süßer Knabe, süß und mild!
Du deines Vaters Ebenbild!
Das bist du; zwar dein Vater spricht,
du habest seine Nase nicht.

Nur eben itzo war er hier
und sah dir ins Gesicht
und sprach: Viel hat er zwar von mir,
doch meine Nase nicht.

Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,
doch muss es seine Nase sein;
denn wenn’s nicht seine Nase wär’,
wo hättest du denn die Nase her?

Schlaf, Knabe; was dein Vater spricht,
spricht er wohl nur im Scherz;
hab immer seine Nase nicht,
und habe nur sein Herz!

Matthias Claudius

11. Dezember

Kinderliebe

Ich habe nichts so lieb, so lieb
wie dich, mein Mütterlein!
Es müsste denn der liebe Gott
im Himmel droben sein.
Den lieb ich, weil er dich mir gab
und weil er mir erhält
das allerbeste Mütterlein
auf weiter, weiter Welt.

Aus einem alten Büchlein

12. Dezember

Ein Kind im Kriege
Christoph v. Grimmelshausen

Kaum hatte ich mich in dem hohlen Baume zum Schlafe bequemt, da hörte ich eine Stimme: ,,0 große Liebe gegen uns undankbare Menschen! Ach, mein einziger Trost, meine Hoffnung, - mein Gott!" Diese Worte hörte ich und noch mehr, doch habe ich nicht alles merken und verstehen können.
Dies waren wohl Worte, die einen Christenmenschen in meinem Zustande hätten aufmuntern und erfreuen sollen. Aber, o Einfalt und Unwissenheit! Es war mir alles eine ganz unverständliche Sprache, aus der ich nichts fassen konnte und vor deren Seltsamkeit ich mich entsetzte. Da ich aber hörte, dass dem, der diese Sprache redete, Hunger und Durst gestillt werde, so trieb mich mein unerträglicher Hunger aus meinem hohlen Baume heraus, und ich fasste mir ein Herz, mich der gehörten Stimme zu nähern.
Da wurde ich eines großen Mannes gewahr mit langen, schwarzgrauen Haaren, die ihm ganz verworren auf den Achseln herumlagen. Er hatte einen wilden Bart, sein Angesicht war zwar bleichgelb und mager, aber doch ziemlich lieblich, und sein langer Rock war von allerhand Tuch überflickt und auf einander gesetzt. Um Hals und Leib hatte er eine schwere eiserne Kette gewunden, und er sah in meinen Augen so scheußlich und fürchterlich aus, dass ich anfing zu zittern wie ein nasser Hund. Was aber meine Angst noch mehrte, war, dass er ein gewaltiges Kruzifix an seine Brust drückte. Weil ich ihn nicht kannte, konnte ich mir nichts anderes ersinnen, als dass dieser Greis der Wolf wäre, von dem mir mein Knän kurz vorher gesprochen hatte. In solcher Angst wischte ich mit meiner Sackpfeife hervor, die ich als meinen einzigen und wertesten Schatz noch vor den Reitern gerettet hatte; ich blies zu und ließ mich gewaltig hören, um diesen gräulichen Wolf zu vertreiben. Über diese jähe und ungewöhnliche Musik an einem so wilden Orte stutzte der Einsiedel anfangs nicht wenig; ohne Zweifel meinte er, es sei ein teuflisches Gespenst gekommen, um ihn zu ängstigen und seine Andacht zu stören. Sobald er sich aber wieder erholt hatte, spottete er über mich in meinem hohlen Baume, in den ich mich wieder geflüchtet hatte. Er meinte, den Teufel vor sich zu haben und ging doch getrost gegen mich los, um diesen Feind des Menschengeschlechts zu höhnen. "Ha!" sagte er, "du bist eben ein Gesell dazu, die Heiligen ohne göttliches Verhängnis ... ", mehr habe ich nicht verstanden, denn seine Annäherung erregte in mir solches Grausen und solchen Schrecken, dass ich meiner Sinne beraubt ward und in Ohnmacht niedersank.
Wie mir wieder zu mir selbst geholfen worden, weiß ich nicht, aber das ist mir wohl bekannt, dass ich mich außerhalb des hohlen Baumes befand, als ich mich wieder erholte. Mein Kopf lag in dem Schoße des Alten, der vorn meine Joppe geöffnet hatte. Da ich den Einsiedel so nahe bei mir sah, fing ich ein solch grausames Geschrei an, als ob er mir in demselben Augenblicke das Herz aus dem Leibe hätte reißen wollen. Er aber sagte: "Mein Sohn, schweig, ich tue dir nichts, sei zufrieden!"
Je mehr er mich aber tröstete und liebkoste, desto mehr schrie ich: "Oh, du frisst mich! Oh, du frisst mich! Du bist der Wolf und willst mich fressen!"
"Ei, mein Sohn", sagte er, "sei zufrieden, ich fress' dich nicht."
Dieses erschreckliche Geheule führte ich sehr lange, bis ich mich endlich weisen ließ, mit ihm in seine Hütte zu gehen. In dieser war die Armut selbst Hofmeisterin, der Hunger Koch und der Mangel Küchenmeister. Da wurde mein Magen mit einem Gemüse und einem Trunk Wasser gelabt und mein Gemüt, das ganz verwirrt war, durch des Alten tröstliche Freundlichkeit wiederaufgerichtet und zurechtgebracht. Daher ließ ich mich leicht betören, dem Reiz des süßen Schlafes nachzugeben. Der Einsiedel merkte meine Notdurft und ließ mir darum den Platz allein in seiner Hütte, weil nur einer darin liegen konnte. Ungefähr um Mitternacht erwachte ich wieder und hörte ihn folgendes Lied singen, das ich hernach auch gelernt habe:

Komm, Trost der Nacht, 0 Nachtigall! Lass deine Stimm' mit Freudenschall aufs lieblichste erklingen;
komm, komm und lob den Schöpfer dein, weil andre Vögel schlafen sein und nicht mehr mögen singen.
Lass dein Stimmlein laut erschallen, denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Obschon ist hin der Sonnenschein und wir im Finstern müssen sein, so können wir doch singen
von Gottes Güt' und seiner Macht, weil uns kann hindern keine Macht, sein Lob zu vollenbringen.
Drum dein Stimmlein lass erschallen, denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Die Sterne so am Himmel stehn, sich lassen zum Lob Gottes sehn und Ehre ihm beweisen.
Die Eul' auch, die nicht singen kann, zeigt doch mit ihrem Heulen an, dass sie Gott auch tut preisen.
Drum dein Stimmlein lass erschallen, denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Nur her, mein liebstes Vögelein, wir wollen nicht die Faulsten sein und schlafend liegenbleiben:
vielmehr bis dass die Morgenröt' erfreuet diese Wälder öd', in Gottes Lob vertreiben.
Lass dein Stimmlein laut erschallen, denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Während dieses Gesanges dünkte mich wahrhaftig, als ob die Nachtigall sowohl wie die Eule und das Echo mit eingestimmt hätten, so lieblich erklang diese Harmonie. Ich entschlief in die Nacht und wohl in den Tag hinein, bis der Einsiedel vor mir stand und sagte: "Auf, Kleiner, ich will dir Essen geben und dir alsdann den Weg durch den Wald weisen, damit du wieder zu Leuten und noch vor Nacht in das nächste Dorf kommst."
Ich fragte ihn: " Was sind das für Dinger, Leute und Dorf?"
Er sagte: "Bist du denn niemals in einem Dorfe gewesen, und weißt du auch nicht, was Leute oder Menschen sind?" "Nein", sagte ich, "nirgends als hier bin ich gewesen; aber sage mir doch, was sind Leute, Menschen und Dorf?" "Behüte Gott", klagte der Einsiedel, "bist du närrisch oder gescheit?"
"Nein", sagte ich, "meiner Meuder und meines Knäns Bub bin ich, und nicht der Närrisch oder der Gescheit." "Wüsste ich nur, wo deine Eltern wohnten, so wollte ich dich gern wieder hinbringen und sie zugleich lehren, wie sie Kinder erziehen sollen."
Da sagte ich: "Ich weiß nicht, wohin ich soll. Unser Haus ist verbrannt und meine Meuder hinweggelaufen."
"Wer hat denn das Haus verbrannt?", fragte der EinsiedeI.
"Ha, es sind so eiserne Männer gekommen, die sind so auf Dingern gesessen, groß wie Ochsen, haben aber keine Hörner; diese Männer haben Schafe und Kühe und Säue gestochen, und da bin ich auch weggelaufen, und da ist danach das Haus verbrannt gewesen."
"Wohinaus willst du aber jetzt?", fragte der Einsiedel.
"Ich weiß wahrlich nicht", sagte ich, "ich will bei dir hier bleiben."
Der Einsiedel verwunderte sich und schaute mich mit tiefstem Seufzen an: ,,Wohl, liebes Kind. Ich bin gehalten, dich um Gottes Willen besser zu unterrichten."
Als ich das erste Mal den Einsiedel in der Bibel lesen sah, konnte ich mir nicht denken, mit wem er doch solch ein heimliches und, wie mir schien, sehr ernstes Gespräch haben könnte. Ich sah wohl die Bewegung seiner Lippen, hörte auch das Gebrummel, hingegen aber sah und hörte ich niemanden, der mit ihm redete, und ob ich zwar nichts vom Lesen und Schreiben gewusst, so merkte ich doch an seinen Augen, dass er es mit etwas in diesem Buche zu tun hatte. Ich gab Achtung auf das Buch, und nachdem er es beiseite gelegt, machte ich mich dahinter, schlug es auf und bekam im ersten Griff das erste Kapitel des Hiob mit der davorstehenden Figur in die Augen. Dies war ein feiner Holzschnitt und schön ausgeführt. Ich fragte diese Bilder nach seltsamen und ganz ungereimten Sachen; weil mir aber keine Antwort widerfahren wollte, wurde ich ungeduldig und sagte eben, als der Einsiedel sich hinter mich schlich, zu den Figuren im Buch: "Ihr kleinen Hudler, habt ihr denn keine Mäuler mehr? Habt ihr nicht vorerst mit meinem Vater - denn also musste ich den Einsiedel nennen - lange genug schwatzen können? Ich sehe wohl, dass ihr auch dem armen Knän seine Schafe heimtreibt und das Haus angezündet habt. Halt, halt! Ich will das Feuer löschen, dass es nicht weiter Schaden tue."
Damit stand ich auf, um Wasser zu holen. "Wohin, Simplicius?", fragte der Einsiedel, den ich nicht hinter mir wusste.
"Ei, Vater", sagte ich, "da sind auch Krieger, die haben Schafe und wollen sie wegtreiben. Sie haben's dem armen Manne genommen, mit dem du erst geredet hast. So brennt sein Haus schon lichterlohe, wenn ich nicht bald lösche." Bei diesen Worten zeigte ich ihm mit dem Finger, was ich sah.
"Bleib nur", sprach der Einsiedel, "es ist noch keine Gefahr vorhanden."
Ich antwortete meiner Höflichkeit nach: "Bist du denn blind? Wehre du, dass sie die Schafe nicht forttreiben, so will ich Wasser holen!"
„Ei", sagte der Einsiedel, "diese Bilder leben nicht, sie sind nur gemacht, um uns längst geschehene Dinge vor Augen zu stellen."
Ich antwortete: "Du hast ja erst mit ihnen geredet, warum sollten sie denn nicht leben?"
Der Einsiedel musste wider seinen Willen und seine Gewohnheit über diese meine kindische Einfalt und einfältige Kindheit lachen und sagte: "Liebes Kind, diese Bilder können nicht reden; was aber ihr Tun und Wesen sei, kann ich aus diesen schwarzen Linien sehen, was man lesen nennt; und wenn ich dergestalt lese, so hältst du dafür, ich rede mit den Bildern, was aber nicht der Fall ist."

Ich antwortete: "Wenn ich ein Mensch bin wie du, so müsste ich auch an den schwarzen Zeilen sehen können, was du kannst. Lieber Vater! Berichte mir doch, wie ich die Sache verstehen soll!"
Darauf sagte er: "Nun wohlan, mein Sohn! Ich will dich lehren, dass du so wohl wie ich mit diesen Bildern wirst reden, und was sie bedeuten, wirst verstehen können; allein es wird Zeit brauchen, in der ich gewiss Geduld und du Fleiß anzulegen hast."
Demnach schrieb er mir ein Alphabet auf birkene Rinden, nach dem Druck gebildet, und als ich die Buchstaben kannte, lernte ich buchstabieren, geläufig lesen und endlich besser schreiben, als es der Einsiedel selbst konnte, weil ich alles dem Druck nachmalte.

13. Dezember

zweiter Advent

14. Dezember

Passend zur kalten Jahreszeit – liebe Kindheitserinnerungen:

das Bratapfelessen.

 

Für mich verband sich mit dem Duft gebratener Äpfel die Vorweihnachtszeit.
Damals legten wir die Früchte auf unseren gusseisernen „Kanonenofen“, heute werden sie gerne mit Marzipan und Rosinen gefüllt und dann in den Backofen geschoben.


Man braucht:
Pro Person 1 großen Boskop-Apfel, Marzipan, Rosinen, (Kandis)-Zucker, Zimt, Vanillesoße

Zubereitung:
Das Kerngehäuse sticht man am besten mit einem Apfelausstecher sorgfältig aus.
Jeder Apfel wird dann einzeln auf ein Stück Alufolie gesetzt. Dieses muss groß genug sein, um den Apfel später darin einwickeln zu können.
Die Äpfel jetzt mit etwas Marzipan, Rosinen, (Kandis)-Zucker und etwas Zimt, befüllen. Anschließend müssen die gefüllten Äpfel, gut in Alufolie verpackt, auf ein Backblech gesetzt und bei 180 bis 200°C circa 20 bis 30 Minuten gebacken werden.
Sind die Äpfel gar, befreit man sie aus der Folie und lässt sie vor dem Servieren kurz abkühlen. Je nach Geschmack kann man noch Vanillesoße darüber gießen.

15. Dezember

Der Rabe

Was ist das für ein Bettelmann?
Er hat ein kohlschwarz Röcklein an
und läuft in dieser Winterszeit
vor alle Türen weit und breit,
ruft mit betrübtem Ton: Rab! Rab!
gebt mir doch einen Knochen ab.

Wilhelm Hey

16. Dezember

Der Rabe von Merseburg

Vor etwa vierhundert Jahren lebte zu Merseburg an der Saale ein Bischof namens Thilo von Trotha. Der war ein gar jähzorniger Herr. Einstmals war er auf der Jagd den ganzen Tag durch Sumpf und Moor gesprengt, ohne auch nur ein einziges Wild erlegt zu haben. Darüber war er in großen Zorn geraten. Missmutig zog er heim auf sein Schloss, warf die Jagdkleider ab und ging in sein Gemach, wo der alte Kammerdiener Johannes, ein weißhaariger Greis, seiner harrte.
Nun besaß der Bischof einen goldenen Siegelring, der ihm als Geschenk eines Freundes besonders wert und teuer war. Er pflegte ihn in einem Kästchen aufzubewahren. Am Morgen hatte er es mit dem Kleinod unverschlossen am offenen Fenster stehenlassen. Als er bei der Heimkehr danach griff, fehlte der Ring. Zornesröte überzog das Gesicht des Bischofs. Der Diener aber erbleichte. Das schien dem Bischof verdächtig, und in seinem Jähzorn vergaß er die jahrzehntelange Treue des alten Dieners. Er beschuldigte ihn des Diebstahls. Doch Johannes, im Bewusstsein seiner Unschuld, widersprach mit kühnen Worten. Der wütende Herr ließ ihn in den Turm werfen.
Immer wieder beteuerte der Greis seine Unschuld. Erst unter den Qualen der Folter gestand er ein, wovon er nichts wusste. Das strenge Gesetz der damaligen Zeit verurteilte ihn zum Tode. Als er aber auf dem Schafott stand, erhob er seine Hände gen Himmel und erklärte erneut, dass er unschuldig sei. Der strenge Spruch aber wurde vollzogen.
Jahre vergingen, da geschah es, dass in einer Gewitternacht der Sturm die Dachbekleidung eines der sieben Schlosstürme herunterfegte. Als an dem Tag der Dachdecker den Turm bestieg, fand er zu seinem Erstaunen im Nest eines Raben, hoch oben im Gemäuer, den Siegelring des Bischofs. Der diebische Rabe, ein Freund glänzender Sachen, hatte ihn einst aus dem Kästchen entwendet. Des treuen Dieners Unschuld war somit erwiesen. Das betrübte den Bischof tief. Er entsagte aller Weltlust und lebte in strenger Buße. An den Mauern des Schlosses und Domes ließ er zur ständigen Erinnerung an sein Verbrechen den Raben mit dem Ring im Schnabel und darüber zwei gen Himmel erhobene Hände als Wappen anbringen; und zum Gedächtnis der schlimmen Tat verordnete er in seinem Vermächtnis, dass fortan und auf ewige Zeiten auf dem Schlosshof zu Merseburg ein lebendiger Rabe gehalten werden solle.

Sage aus dem Harz

17. Dezember

Weihnachtsmarkt

Vom Weihnachtsmarkt schweben durch die Lüfte,
uns allen sehr bekannte Düfte.

Sie ziehen die Menschen magisch an,
egal, ob Kind, ob Frau und Mann.

Der Duft von Glühwein, Bratwurst oder Süßigkeiten,
will uns auf Essen und Trinken vorbereiten.

Aber noch was anderes bewirken sie,
wecken in unseren Erinnerungen ein Hauch von Nostalgie.

Die Bilder in unserem Kopf sehen wir ganz klar,
die Erinnerung, als ich ein Kind noch war.

Das Herz wird uns jetzt weit,
die Gedanken an eine schöne Zeit.

Beschert besinnliche Freude auf das kommende Fest,
leider gibt heute Hektik und Eile uns den Rest.

Der Weihnachtsmarkt kann es aber auch anders tun,
er lässt uns in unserer Erinnerung ruhen.

Wir dürfen den Sinn von Weihnachten nicht vergessen,
trotz schöner Leckereien und gutem Essen.

Dann wird der Weihnachtmarkt uns Gutes schenken,
unsere Gedanken auf ein gesegnetes Weihnachten lenken.

von
Detlef Wolfgang Scholz
Apelnstedt

Weihnachten 2009

Mehr Gedichte von Wolfgang unter: http://www.gottiswelt.de/freunde/wolfgang.htm

18. Dezember

Kokosnuss

Sie lässt sich vielseitig verwenden.
Kokosnussmakronen sind zur Weihnachtszeit sehr beliebt. Doch aus der tropischen Steinfrucht lässt sich viel mehr zubereiten – süße und salzige Speisen, genauso wie Getränke. Wertvolle Mineralien gibt es als Extra dazu.

Je frischer die Kokosnuss, desto mehr Flüssigkeit enthält sie. Daher die Frucht vor dem Kauf schütteln, um zu hören, ob sie noch Kokoswasser enthält. Es ist klar und dient als Durstlöscher. Die Augen der Nuss sollten schimmelfrei sein.
Ich erinnere mich noch daran, dass mein Vati das auch immer tat, wenn wir uns mal eine solche Nuss gönnen konnten. Begeistert war er von der Milch im Inneren und es war jedes Mal eine richtige Prozedur, bis wir da ran kamen. Die Kokosnusshälften wurden zum Basteln verwendet.

Das Fruchtfleisch der Kokosnuss hat einen Fettanteil von 70 Prozent und ist nicht gerade kalorienarm. Beim Kokosfett handelt es sich um gesättigte Fettsäuren, die allerdings cholesterinfrei sind. Kokosfett wird zur Herstellung von Margarine, aber auch von Seifen und anderen Kosmetika verwendet. Die Kokosnuss liefert aber auch viele Ballast- und Mineralstoffe. Neben entwässerndem Kalium stecken Kupfer, Eisen, Zink und Phosphor in der Frucht, außerdem das Spurenelement Selen, das der Krebsprävention dient.

Kokosmilch wird durch das Pressen des geriebenen Kokosfleisches gewonnen und ist bei uns in guter Qualität in Dosen erhältlich. Man kann sie auch aus getrockneten Raspeln selbst herstellen. Dazu 150 Gramm ungesüßte Raspeln in einem Viertelliter Wasser oder Milch zugedeckt 30 Minuten kochen lassen. Anschließend durch ein feines Tuch abgießen, dabei die Raspeln durch Drehen des Tuchs gut auspressen.

Aus der südostasiatischen Küche ist Kokosmilch nicht wegzudenken. Sie macht die Verwendung von Fetten überflüssig, mildert die Schärfe der Gewürze und bildet die Grundlage für aromatische, sämige Soßen. Kokosmilch lässt sich wie Sahne zum Kochen verwenden, enthält mit 24 Kilokalorien pro 100 Milliliter aber deutlich weniger Kalorien. Ob Linsen, Kichererbsen, Auberginen, Frühlingszwiebeln, Lauch oder sogar Grünkohl – mit Kokosmilch lassen sich ganz neue Gemüsegerichte zaubern.

Nachtisch: Wird Rundreis oder Grieß in Kokosmilch gekocht, erhält man ein cremiges Dessert, das bestens mit frischer Ananas, Mango und anderen exotischen Früchten schmeckt.

19. Dezember

Ungefähr seit 1735 wurden die Nussknackerfiguren im Erzgebirge in Heimarbeit hergestellt.
Bekannt ist das Märchen „Nussknacker und Mäusekönig" von E.T.A. Hoffmann und das wunderschöne Weihnachtsballett „Der Nussknacker" von Tschaikowski.

König Nussknacker, so heiß ich.
Harte Nüsse, die zerbeiß` ich.
Süße Kerne schluck` ich fleißig;
doch die Schalen, ei! Die schmeiß` ich
lieber Andern hin,
weil ich König bin.

Aber seid nicht bang!
Zwar mein Bart ist lang,
und mein Kopf ist dick
und gar wild der Blick;
Doch was tut denn das?
Tu` keinem Menschen was;
Bin im Herzensgrund,
trotz dem großen Mund,
Ganz ein guter Jung`.

Lieb` Veränderung;
Amüsier` mich gern
wie die großen Herrn;
Arbeit wird mir schwer
und dann mag ich sehr
frommen Kindersinn,
weil ich König bin.

Hoffmann von Fallersleben

        

20. Dezember

Christkindbriefe

 

Im Advent, da fliegen Engel
sie fliegen hin und her
sie sammeln Christkindbriefe
und Wunschzettel noch mehr.

So kommt so mancher Engel
vom Himmel dürr daher
fliegt mit Briefen vollgeplustert
zurück wie'n fetter Teddybär.

Nur schad', wenn mancher Engel
so'n Christkindbrief verliert
weil's drin im Engelskleide
den Wünschen zu eng wird.

Solcher Wunschbrief flattert
zurück auf unsere Welt
und's Christkind ist verdattert
weil's keinen Wunsch erhält.

So schweben dann vom Himmel
Wunschbriefe von oben her
es ist gar ein Gewimmel
als ob es Schneefall wär'.

Auch's Christkind sieht die Briefe
die fallen erdenwärt's
doch's Christkind liest auch Wünsche
aus jedem Kinderherz!

Josef Albert Stöckl

21. Dezember

Der Weihnachtsbaum

Ein schön geschmückter Tannenbaum gehört zu Weihnachten. Dieser schöne Brauch ist noch gar nicht so alt und seine Wurzeln stammen aus vorchristlicher Zeit. Beim altgermanischen Julfest am 21. Dezember, der Wintersonnenwende, holte man einige Zweige von der Tanne und anderen Immergrünen als Symbol für die Unsterblichkeit in die Häuser und schmückte sie mit Äpfeln und Nüssen, die als Fruchtbarkeitszeichen galten.
Die katholische Kirche bekämpfte jedoch viele Jahrhunderte lang alle Weihnachtsbräuche, weil sie an die alte heidnische Religion erinnerten. Es war aber vergebens - das Volk hielt eisern an seinen geliebten Ritualen fest.
Die erste Erwähnung eines Christbaums stammt aus dem Jahr 1419. Die Freiburger Bäckerschaft hatte einen Baum mit allerhand Naschwerk und Früchten geschmückt.
Aber erst ab dem 16. Jahrhundert hielt der Christbaum nach und nach Einzug in die Häuser der Zünfte, wo man ihn mit Süßigkeiten und Äpfeln behängte. Die Äpfel wandelten sich später zu Christbaumkugeln. Um 1830 wurden die ersten Exemplare aus Glas geblasen.
Die Herzogin Dorothea von Schlesien soll um 1611 die Erste gewesen sein, die ihren Weihnachtsbaum mit Kerzen geschmückt hat.
Der hell erleuchtete Weihnachtsbaum, wie wir ihn heute kennen, setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland durch. Erst die Erfindung von Paraffin und Stearin machte Kerzen auch für einfache Bürger in größerer Stückzahl erschwinglich.

22. Dezember

Das neue Bilderbuch

Ei, Büblein, glaub’s schon,    dass es schmeckt,
so auf die Bank zu klettern
und da, behaglich ausgestreckt,
im Bilderbuch zu blättern!

Gefällt dir jede Seite, gelt?
Sind lauter schöne Sachen!
Wer solchen Schatz im Arme hält,
der kann wahrhaftig lachen.

Da weiß man nichts von Einsamkeit
und nichts von Langeweile.
Erst schaut man’s an und mit der Zeit
liest man auch manche Zeile. –

Und bringt das liebe Christkind heut
dies Buch für eins der Kleinen,
so wünsch’ ich, dass sich’s dran erfreut,
wie’s Büblein hier am seinen!

Hermann Kaulbach

23. Dezember

Weihnachtsmarkt
(Bild verlinkt)

Vom Weihnachtsmarkt schweben durch die Lüfte,
uns allen sehr bekannte Düfte.

Sie ziehen die Menschen magisch an,
egal, ob Kind, ob Frau und Mann.

Der Duft von Glühwein, Bratwurst oder Süßigkeiten,
will uns auf Essen und Trinken vorbereiten.

Aber noch was anderes bewirken sie,
wecken in unseren Erinnerungen ein Hauch von Nostalgie.

Die Bilder in unserem Kopf sehen wir ganz klar,
die Erinnerung, als ich ein Kind noch war.

Das Herz wird uns jetzt weit,
die Gedanken an eine schöne Zeit.

Beschert besinnliche Freude auf das kommende Fest,
leider gibt heute Hektik und Eile uns den Rest.

Der Weihnachtsmarkt kann es aber auch anders tun,
er lässt uns in unserer Erinnerung ruh'n.

Wir dürfen den Sinn von Weihnachten nicht vergessen,
trotz schöner Leckereien und gutem Essen.

Dann wird der Weihnachtmarkt uns Gutes schenken,
unsere Gedanken auf ein gesegnetes Weihnachten lenken.

von
Detlef Wolfgang Scholz
Apelnstedt

Weihnachten 2009

Hier noch weitere Gedichte von Wolfgang: http://www.gottiswelt.de/freunde/wolfgang.htm

24. Dezember

*** Frohe Weihnachten ***

Dein König kommt in niedern Hüllen,
sanftmütig auf der Es’lin Füllen;
empfang ihn froh, Jerusalem!
Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
bestreu den Pfad mit grünen Halmen,
so ist’s dem Herren angenehm!

O mächt’ger Herrscher ohne Heere,
gewalt’ger Kämpfer ohne Speere,
o Friedensfürst von großer Macht,
es wollen dir der Erde Herren
den Weg zu deinem Throne sperren;
doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

Friedrich Rückert

25. Dezember

Santa Kathrin stopft Socken

Junggesellen mögen gewisse Vorzüge genießen, ja, es kann zuzeiten angebracht sein, ihre Ungebundenheit zu preisen, zu Weihnachten aber sind sie ziemlich überflüssig. Es sei denn, sie lassen sich als Onkel verbrauchen, indem sie die Schätze der Süßigkeiten - und Buchläden in vielen kleinen tannenreisgeschmückten Paketen verstreuen oder gar den Weihnachtsmann mimen, wozu natürlich die nötige Gelegenheit und einiges Geld und, den Weihnachtsmann betreffend, Begabung gehört.
Möck war Bootsmann auf der Brigg "Kathrin", die gerade Heiligabend im Hamburger Hafen lag. Sie hatte ihr Finnlandholz gelöscht und hoffte, gleich nach den Feiertagen einen Schubs Koks überzunehmen und damit ihren Heimatort Geestemünde anzutun. Bis auf Bootsmann Möck hatte sich die Besatzung samt Kapitän an Land vernebelt, zieht doch jedermann vor, den Festesglanz von einem warmen Sofa und womöglich im Familienschoß zu begrüßen, umgeben von Annehmlichkeiten, die an Bord nicht vorhanden sind. Zumal die "Kathrin" von der ganz alten aussterbenden hölzernen Sorte war und noch das geschnitzte Abbild ihrer Namenspatin als Galionsfigur unterm Bugspriet trug, und war sie auch gemütlicher als mancher moderne Eisenkasten, so war sie doch auch eng, verbraucht und verwanzt.
Krischan Möck liebte sie trotzdem, und gern blieb er als Hafenwache an Bord. Im Hamburger Hafen gibt es allerdings nicht viel zu wachen, denn es herrschen dort gesittete Zustände, so dass Möck ohne Gewissensbisse den Mittag sich von einem Jollenführer ans Johannisbollwerk hatte setzen lassen, um sich ein bisschen fürs Abendbrot zu besorgen. Er war fast so alt schon wie das Schiff, mit dem er vor mehr als fünfzig Jahren seine erste Reise gemacht hatte und dem er mit kurzen Unterbrechungen treu geblieben war. Gewiss, die Examina waren ihm entgangen, aber er wusste von den Dingen der See soviel wie irgendein durch Patent Erhöhter, ohne dass es seiner Beflissenheit und Tüchtigkeit vorm Mast Abbruch tat.
Diesen Abend hatte Krischan Möck den Logisofen gut in Schwung und hielt die Kaffeekanne darauf warm. Schmunzelnd und schmatzend goss er den zichoriengewürzten Inhalt in eine längst des Henkels entbehrende bauchige Tasse und verwandelte ihn schnuppernd jeweils mit einem Schuss Rum in den gehörigen Festpunsch. Auch gönnte er sich heute ein Stück Räucheraal zum Schiffsbrot, dazu ein Viertel Sülze und auch drei Stangen Laufkäse, die er, ohne dass sein Appetit litt, knurrend als Leichenfinger bezeichnete, wie er denn überhaupt den von hohlen Schlafkojen eingerahmten einsamen Raum der Back mit Gerassel und Geräusper und lautem und leisem Geschnack geräuschvoll erfüllte. Als er genügend in sich hatte, entfachte er den Schägbrösel, qualmte eine Weile gedankenvoll vor sich hin, genießerisch an seinen braunen Zahnstummeln nachschmeckend, was er Gutes gehabt, gedachte mancher Mahlzeit an mancher Küste und mancher schmalen Tage auf See, erhob sich vom Hängetisch, schrob den Docht der pendelnden Petroleumlampe ein wenig höher, vermeinte Glocken zu vernehmen, ging mit steifen, winkligen Knien, die schon sachte sich der ewigen Heimat zuneigten, an die Logistür. Jawohl, da läuteten
sie schon, die vom Michel und die von St. Nikolai und ebenfalls die von der Kathrin. Der Hafen lag diesig. Von Lichtern und von Schifffahrt war nicht viel spürbar. Nun, er hatte seine Ankerlaterne in Ordnung. Ein paar Möwen strichen meckernd umher. Möck holte die fettige Aalhaut, die blank gesogene Aalgräte und die Sülzenschwarte und warf sie ihnen an die Schnäbel, damit sie auch ahnen sollten, dass Weihnachtsabend sei. Es war eine schudderige Luft, und es zog ihn bald ins Logis zurück, wo er dann ein wenig auf und ab ging, wie ein Wachthabender es auf der Brücke tut. Nun er so wandelte, war seine gemächliche Seele voller Vorstellung von allerlei Tannenbaum und Kerzenschimmer nebst Karpfenessen und Gänsebraten, wie es zu dieser Stunde sein mochte in Stadt und Hafen, Häusern und Schiffen bis auf die See hin und über die Meere hinaus, soweit es mit der Nacht gelegen ist und es Christenmenschen gibt. Er hörte auch vielerlei Stimmen, große und kleine, lebendige und tote, war er doch alt und besinnlich genug dazu, gähnte hin und wieder den Spuk mit kröchelndem knatterndem Tonfall an und fühlte mit Behagen sich die Lust andämmern, allmählich zur Koje zu muscheln und einen gesegneten Schnarch zu tun.
Zuvor jedoch versäumte er nicht, feiertagshalber schon ein bisschen frische Wäsche bereitzulegen, um den Morgen gleich hineinflutschen zu können, ein graugelbes Normalhemd, eine kleinfingerdicke, himbeerfarbene Unterhose aus Flanell, ein mildblauweißkariertes Leinenoberhemd und die schwarzwollenen Pulswärmer, die noch von seiner Mutter selig stammten, und ein Paar graue Socken. Alles erwies sich als heil und richtig bis auf die Socken. Der alte Möck hatte manchen Sturm überdauert und so auch dieses Paar, das mit betretenem Grinsen aus zwei klaffenden Hackenlöchern zu ihm auf jappte. Er durchforschte seine Seekiste nach einem besseren, aber es fand sich keins. Somit nahm er mummelnd und grummelnd Nadel und Knäuel und begann das schwierige Werk, einen fusseligen Wolltampen einzufädeln, indem er ihn mehrmals zwischen Daumen und Zeigefinger aus dem Born des bartlosen Mundes befeuchtete und so zu bändigen trachtete und das Öhr mit ausgestrecktem Arme dicht vor den Lampenzylinder hielt. Aber so spitz und scharf auch seine hellen seegrauen Augen zwischen Brauengebüsch und Zwinkerfalten hervorstachen, es wollte nicht gelingen, sei es, dass die Länge der Arme seiner Weitsichtigkeit nicht mehr gewachsen war, sei es, dass der Kaffeepunsch dem ehrsam häuslichen Bestreben im Wege stand, und so brach er sein Vorhaben ab.
Auf einmal wurde es ihm erst richtig weihnachtlich zumute, indes er die Lampe auspustete und sich schnaufend und ächzend in die Koje rollte. Lieder kamen ihm in den Sinn, die der Stimmung noch gemäßer waren, und gelinde Kindheitsbilder aus Stube, Straßen und Kirchenschiffen dieser Stadt, darin er arm geboren war und in deren Hafen er nun kaum wohlhabender vor Anker lag. Wie er nun in seines Herzens Einfalt über die Zeitläufe nachdachte, ward er brummig gestimmt, bis ihm eine helle Erinnerung kam, nämlich an die letzte Instandsetzung und Überholung der "Kathrin" im Sommer, wo auch der Galionsfigur eine Auffrischung zugesprochen war, der dazu beorderte Matrose es aber ihm, der die Aufsicht führte, nicht zupass trieb, worauf er denn selber die hölzerne Segelfrau unterm Bugspriet in drei Farben angepinselt hatte.
Zufrieden ließ Möck den Sinn wieder ins Naheliegende sinken, wo im Grunde der Seele die ärgerlichen Socken grinsten. Ein Glück, seine Ausgehstiefeletten reichten hoch genug, um die Ungebührlichkeit nicht in den Festtag ragen zu lassen. Er hatte auch nichts Gewaltigeres auf den nackigen Fersen vor als einen Gang zum Steinshöft und zum Seefahreraltenheim, woselbst ein alter Freund von ihm, Segelmacher Poggels, den Rest des Daseins in Beschaulichkeit verdöste und wo die Mission und die Wohlfahrt den Insassen zu Weihnacht reichlich zu spenden pflegten, braune Kuchen und Zahnpasta und Zigarren, und es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht unter den milden Gaben für Poggels sich auch ein Paar vernünftige Socken anfinden würden, die man ihm abschnacken könnte, wo er doch nur Fußlappen trug.
Möck sann noch ein paar Atemzüge lang der bezüglichen diplomatischen Rede und Gegenrede nach, bis es ihn ermüdete, und, wie oft in solchem Zustand, blieb ein kleiner Jammer nicht aus. Er fühlte sich plötzlich fürchterlich verlassen in der Welt, auch gedachte er voll Bitternis seiner einstigen Braut, der einzigen seines Lebens, und es war vierzig Jahre her, da sie ihm während einer Australienreise ein anderer weggeschnappt hatte. Seufzend und stöhnend wälzte sich Möck auf die andere Seite, wo ihn der Schlaf alsbald umfing und seine Betrübnis löste.
Da deuchte ihm auf einmal, es brenne wieder Licht im Logis, und dann saß da jemand Weibliches am Hängetisch und hatte seine Socken vor, nahm die Maschen zierlich auf und webte das gute Gitter sachgemäßen Stopfens über die elenden Hackenmäuler. Möck tat nicht erstaunt. Wird wohl eine von der Mission sein, dachte er etwas misstrauisch. Doch als er länger hinsah, kamen ihm das faltenreiche Gewand der Dame und die Farben Rosa, Gold und Himmelblau merkwürdig bekannt vor; auch entdeckte er eine kleine Goldkrone in ihrem dicken Haar. Kein Zweifel, es war die Galionsfigur vom Bugspriet, die Santa Kathrin höchstselber. "Hallo!" äußerte er sich schließlich, schon aus Höflichkeit. Die Santa Kathrin blieb eine Antwort nicht schuldig, oho, man merkte ihr nichts Hölzernes an, und sie sagte, es sei wegen der sommerlichen Gefälligkeit, die Möck ihr erwiesen, darum wolle sie ihm zu Weihnachten auch eine erweisen. Was Wunder, dass Krischan Möcks Herz weit wurde und er, als sie mit den Socken fertig zu sein schien, eine blumige Bemerkung fallen ließ bezüglich der kalten Nacht außerhalb und einer gewissen warmen Koje innerhalb, was ihm die Heilige aber nicht übelnahm, sondern ihm bloß holdselig lächelnd mit der Stopfnadel drohte, worauf sie verschwand.
Er erwachte den andern Morgen außergewöhnlich munter. Seine Socken entdeckte er allerdings genau so ungestopft, wie er sie verlassen hatte. Die Wäsche auf dem Schemel hingegen, darauf er die Dame hatte sitzen sehen, schien ihm einen unzweifelhaften Eindruck aufzuzeigen, womit bewiesen wäre, dass auch Erscheinungen ihr Gewicht haben können. Das Gute blieb aber dennoch nicht aus. Denn der Bericht des sonderbaren Traumes ließ den Segelmacher Poggels so irre werden an Möcks Geisteszustand, dass er ihm, halb ängstlich, halb mitleidig, nicht nur die tatsächlich eingetroffenen Mildegabensocken, sondern obendrein eine Tüte Pfeffernüsse, eine Bartbürste, eine Rolle Priem, einen Band "Herzblättchens Zeitvertreib" und einen kaum gebrauchten Spazierstock schenkte. Wohl bekomm's!

Hans Leip

26. Dezember

Die lustige Weihnacht

Heute tanzen alle Sterne,
und der Mond ist blank geputzt.
Petrus in der Himmelsferne
hat sich seinen Bart gestutzt.

Überall erklingt Geläute,
Fröhlich schmückt sich groß und klein,
und die Heiligen tragen heute
ihren Sonntags-Heiligenschein.

Es ertönen tausend Flöten,
tausend Kerzen geben Glanz.
und die würdigen Kometen
wedeln lustig mit dem Schwanz.

Hinterm Zaun im Paradiese,
gar nicht weit vom Himmelstor.
musiziert auf einer Wiese
auch der Engelskinderchor.

Ihre roten Tröpfelnasen
putzen sich die Kleinen schnell.
und dann singen sie und blasen
auf Fanfaren, silberhell.

Jedes Jahr um diese Stunde
singen sie nach altem Brauch.
Alle Sterne in der Runde
lauschen - und die Menschen auch.

Manchmal aber, leise. leise.
wird der Chor der Engel stumm,
und im ganzen Erdenkreise
geht ein sanftes Flüstern um.

Dann erscheinen sieben Schimmel,
zärtlich ruft es Hüh und Hott.
Und gemächlich durch den Himmel
fährt daher der liebe Gott.

Da verstummen alle Lieder
und die Engel machen fix
mit gefaltetem Gefieder
vor dem Herrgott einen Knicks.

Alle goldnen Sternenherden
dreh’n sich still dazu im Tanz
und im Himmel wie auf Erden leuchtet
Weihnachtskerzenglanz.

James Krüss

27. Dezember

Kalorienregeln über Feste und Feiertage oder auch allgemein ...
                                  
Wäre nicht schlecht, sie am Kühlschrank anzubringen

1. Wenn du etwas isst und keiner sieht es, dann hat es keine Kalorien.

2. Wenn du eine Light-Limonade trinkst und dazu eine Tafel Schokolade isst, dann werden die Kalorien in der Schokolade von der Light-Limonade vernichtet.

3. Wenn du mit anderen zusammen isst, zählen nur die Kalorien, die du mehr isst als die anderen.

4. Essen, welches zu medizinischen Zwecken eingenommen wird, z.B. heiße Schokolade, Rotwein, Cognac, zählt NIE.

5. Je mehr du diejenigen mästest, die täglich rund um dich sind, desto schlanker wirkst du selbst!

6. Essen, welches als ein Teil von Unterhaltung verzehrt wird (Popcorn, Erdnüsse, Limonade, Schokolade oder Zuckerln), z.B. beim Videoschauen oder beim Musikhören, enthält keine Kalorien, da es ja nicht als Nahrung aufgenommen wird, sondern nur als Teil der Unterhaltung.

7. Kuchenstücke oder Gebäck enthalten keine Kalorien, wenn sie gebrochen und Stück für Stück verzehrt werden, weil das Fett verdampft, wenn es aufgebrochen wird.

8. Alles, was von Messern, aus Töpfen oder von Löffeln geleckt wird, während man Essen zubereitet, enthält keine Kalorien, weil es ja Teil der Essenszubereitung ist.

9. Essen mit der gleichen Farbe hat auch den gleichen Kaloriengehalt (z.B. Tomaten und Erdbeermarmelade, Pilze und weiße Schokolade).

10. Speisen, die eingefroren sind, enthalten keine Kalorien, da Kalorien eine Wärmeeinheit sind.
 
Wenn man sich nun an diese Ratschläge/Empfehlungen hält, kann man unbegrenzt an Festessen herangehen, ohne irgendwelche Gewissensbisse befürchten zu müssen.       

Bekam ich von einem Freund aus Schweden geschickt

28. Dezember

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.

Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.

Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
und dass die Sonne täglich neu aufgeht.

Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht seh’n.
Man kann nicht alles mit dem Kopf versteh’n!

Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.

An solchem Tag erklettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
- Weil er sich selber liebt - den Nächsten lieben.

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich ... dass ich mich freu.

Mascha Kaléko

29. Dezember

Achtsamkeit

Wie oft ist man von einer Fernsehsendung fasziniert, wird abgelenkt und tut mehrere Dinge gleichzeitig, u. a. Chips naschen, ohne richtig bei der Sache zu sein – einfach automatisch.
Dabei belegen immer mehr wissenschaftliche Studien, dass Achtsamkeit ein Mittel ist, um Stress abzubauen. Wer es schafft, mehr Bewusstsein in seinen Alltag einzubringen, steigert seine Lebensqualität und Gesundheit.
An der Universität Kentucky wiesen Mediziner nach, dass regelmäßig durchgeführte Meditationen Bluthochdruck und Herzgefäßrisiken verringern.
Auch stellten Psychologen von der Uni Nevada heraus, dass Achtsamkeitstechniken dazu beitragen, dass Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel besser unter Kontrolle haben und mit Ängsten infolge der Zuckerkrankheit leichter umgehen können.
Auch an den Universitäten in Basel, Wien und Freiburg förderte eine Untersuchung ähnliche positive Ergebnisse zutage.

Wird man den ganzen Tag vom Radio voll gedudelt, schaltet das Gehirn irgendwann ab. Deshalb sollte man nur Musikstücke wählen, die einem gefallen und diese bewusst anhören. Oder versuchen, aus einem Klassikstück die Instrumente herauszuhören.

Beim Essen sollte man sich hinsetzen und jeden Bissen genießen. Hastig oder nebenbei zu essen, sollte man vermeiden. Isst man bewusst, isst man weniger und die Mahlzeiten werden verträglicher.

Bei Gesprächen sollte man sich seinem Gesprächspartner voll und ganz widmen, auf Mimik und Gestik des Gegenübers achten oder (am Telefon) auf die Stimme, das verbessert die Kommunikation.

Unterwegs sollte man mit offenen Augen durch die Natur gehen, Farben der Pflanzen und Bäume wahrnehmen und die frische Luft bewusst ein- und ausatmen. Solch ein Weg wird zum Erlebnis.

An der Harvard-Universität hat schon vor dreißig Jahren auf Basis des Yoga eine leicht erlernbare Meditation entwickelt:
Man soll ein Wort (etwa die Zahl eins) wählen, einen Begriff oder einen Spruch, auf den man seinen geistigen Fokus lenken kann. Man setzt sich bequem hin, schließt die Augen und richtet die Aufmerksamkeit auf die Atmung. Geatmet wird durch die Nase ein und aus. Sobald man entspannt ist, bei jedem Ausatmen das gewählte Wort wiederholen, dabei auf die körperlichen Empfindungen, Geräusche und Gedanken achten. Diese jedoch vorüberziehen lassen, ohne sie zu bewerten. Möglichst jeden Tag 10 bis 20 Minuten diese Meditation machen.

30. Dezember

Achte gut auf diesen Tag,
Denn er ist das Leben
Das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf
Liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
Die Wonne des Wachsens,
Die Größe der Tat,
Die Herrlichkeit der Kraft.
Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
Und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch - recht gelebt
Macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück
Und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.
Drum achte gut auf diesen Tag!

(Sanskrit)

31. Dezember

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