Januar 2007

Ode an die Rose
Rose, Wunder aller Blumen, die blühen,  jedes Blatt ein Zeuge der Liebe im Frühling.
Selbst die himmlischen Mächte erfreuen sich ihrer.
Sie ist die junge Leidenschaft der Aphrodite, sie ist der Liebling der Cythere,
die Schläfe mit Blumenblättern umkränzt
und mit ihrem süßen Parfüm macht sie ihre Herren trunken
Anakreon (580-495 v. Chr.)

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Zum Neuen Jahr

Ein neues Jahr nimmt seinen Lauf.
Die junge Sonne steigt herauf.
Bald schmilzt der Schnee, bald taut das Eis.
Bald schwillt die Knospe schon am Reis'.
Bald werden die Wiesen voll Blumen sein,
die Äcker voll Korn, die Hügel voll Wein.
Und Gott, der ewig mit uns war,
behüt' uns auch im neuen Jahr.
Und wenn wir auch nicht bis morgen schaun,
Wir wollen hoffen und vertraun.

Volksmund

 

Neujahr

Altes und Neues Jahr

Wenn die Glocken hell erklingen,
in der kalten Silvesternacht,
sollst du dich dran erinnern,
was dir das alte Jahr gebracht.

Es waren viele gute Tage,
die dir das Jahr beschert,
aber auch dunkle Stunden
haben deinen Weg beschwert.

Jetzt richte deinen Blick nach vorn,
in die neue, kommende Zeit,
warte geduldig auf das neue Jahr
und sieh, was Gott für dich bereit.

Unter seinem Schutz da sollst du stehen,
nimm ihn an die Hand, damit er dich geleit,
auf krummen oder geraden Wegen,
hält er seinen Segen für dich bereit.

Das wünsche ich dir für das neue Jahr,
was auch kommen mag an jedem Tag,
dein Trost, Gott ist immer für dich da,
Tag und Nacht, zu jeder Zeit.

von
  Wolfgang Scholz
Apelnstedt

http://home.feierabend.com/bubbelpety

2. Januar

Die Rose – Königin der Blumen –

Ihr habe ich meinen diesjährigen Kalender gewidmet und werde Monat für Monat immer wieder mit Märchen, Geschichten und Gedichten auf diese „Kostbarkeiten“ eingehen.

In meinem Pflanzenbuch steht …
Rosen:
Meist stachelbewehrte Blütengehölze mit aufrechtem, kletterndem oder auch niederliegendem Wuchs.
Standort: Sonnig bis halbschattig in möglichst lehmdurchsetzter, nahrhafter Erde.
Höhe: 30 Zentimeter bis etwa 6 Meter.
Blütezeit: Mai bis Oktober in allen Farben, außer reinem Blau.

Die Rosen sind ein uraltes Pflanzengeschlecht – umwoben von Märchen und Sagen. Will man zeitgenössischen Bildern glauben, dann war es die Schottische Zaunrose, die das Märchenschloss von Dornröschen umspann.
Eine griechische Sage erzählt, die Rosen seien übrig geblieben vom ersten Morgenrot auf Erden, während Anakreon, einer der bedeutendsten griechischen Lyriker, schildert, wie die Rose zusammen mit Aphrodite aus Meeresschaum geboren wurde.
Ursprünglich sollen alle Rosen weiß gewesen sein, und erst ein Blutstropfen aus dem Finger der Venus habe ihnen die rote Farbe verliehen.
Unendlich viele Gedichte und Lieder besingen die Rose.
Ein Gedicht von Rilke (der 24-teilige-Rosenzyklus Rilkes) berichtet über ihre Entwicklung vom Altertum bis zur Blüte in unseren Gärten.

II. Gedicht aus dem Rosen-Zyklus

Ich sehe dich, Rose, halbgeöffnetes Buch,
es enthält Seiten genug,
das Glück zu beschreiben,
und niemand wird sie entziffern. Zauber-Buch
öffnet sich dem Wind und dem, der es versucht
mit geschlossenen Augen zu lesen ...
und Schmetterlingen, die verwirrt entgleiten,
weil sie schon Gedanken mit ihm teilten

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

3. Januar

Nachts

Ich stehe in Waldesschatten
wie an des Lebens Rand,
die länger wie dämmernde Matten,
der Strom wie ein silbern Band.

Von fern nur schlagen die Glocken
über die Wälder herein,
ein Reh hebt den Kopf erschrocken
und schlummert gleich wieder ein.

Der Wald aber rühret die Wipfel
im Traum von der Felsenwand.
Denn der Herr geht über die Gipfel
und segnet das stille Land.

Joseph Freiherr von Eichendorff

4. Januar

Amazonas - Legenden

Er wechselt seine Farbe, seinen Namen und gilt als der längste Fluss der Welt: der Amazonas.

An manchen Abenden purzelt die Sonne ohne Vorwarnung in Tupas Reich herab. Wie eine reife Orange fällt sie vom Himmel, streift die stolzen Baumriesen Amazoniens und versinkt im Dickicht des Regenwalds. Eine Zeit lang treiben die Wolken noch dunkelviolett im Widerschein, bis das Schwarz der Nacht schließlich auch diese letzte Farbe schluckt. Nun herrscht Tupa, der Gott des Waldes, über die Wesen der Finsternis. Rot leuchten die Augen der Kaimane, die reglos an den Ufern der Flüsse und Seen verharren. Fledermäuse gleiten durch die schwüle Luft, die selbst um Mitternacht nicht abkühlen mag. Tief im Inneren des Waldes streift ein Jaguar umher.

Es geschah zu dieser Stunde, dass im Herzen eines kleinen Indianermädchens die Sehnsucht erwachte. Nacht für Nacht stahl es sich aus der Hütte, deren Dach aus den weißen Blättern des Balha Branca im Mondlicht schimmerte, und starrte in den Himmel. Nichts wünschte sich das Mädchen mehr, als einmal im Leben den Mond zu berühren. Eines Nachts nun lief das Mädchen von zu Hause fort und kam an einen See. Als es den Mond erblickte, der sich auf der glatten Oberfläche spiegelte, beugte es sich voller Entzücken vor, fiel ins Wasser und ertrank. Darüber war der Waldgott Tupa so traurig, dass er zum Andenken an das Mädchen, die Vitória-Régia schuf, die größte Blume der Welt. Die Blätter dieser Seerose liegen mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter fünfzig wie kleine Schiffe fest vertäut im Wasser und können kleinere Tiere oder Kinder problemlos tragen, so erzählt es die Legende.

Amazonien ist reich an Legenden. Und egal, ob es um die Entstehung der augenähnlichen Guaraná-Frucht oder um den Vogel Uirapuru geht, der so schön singt und den kaum jemand zu Gesicht bekommen hat, der Waldgott Tupa spielt fast immer die Hauptrolle.
Sein Herrschaftsbereich ist der größte tropische Regenwald der Erde.

5. Januar

Ist das Leben nicht wie ein riesiger Strom - mit vielen Windungen, Steinen im Flussbett und weiteren Hindernissen?
Versucht dieses Wasser nicht einem Ziel entgegenzustreben, genau wie wir Menschen?

Das   L e b e n

Das LEBEN ist eine Chance, nutze sie.
Das LEBEN ist Schönheit, bewundere sie.
Das LEBEN ist Seligkeit, genieße sie.
Das LEBEN ist ein Traum, mach daraus Wirklichkeit.
Das LEBEN ist eine Herausforderung, stelle dich ihr.
Das LEBEN ist eine Pflicht, erfülle sie.
Das LEBEN ist ein Spiel, spiele es.
Das LEBEN ist kostbar, geh sorgfältig damit um.
Das LEBEN ist Reichtum, bewahre ihn.
Das LEBEN ist Liebe, erfreue dich an ihr.
Das LEBEN ist ein Rätsel, durchdringe es.
Das LEBEN ist Versprechen, erfülle es.
Das LEBEN ist Traurigkeit, überwinde sie.
Das LEBEN ist eine Hymne, singe sie.
Das LEBEN ist ein Kampf, akzeptiere ihn.
Das LEBEN ist eine Tragödie, ringe mit ihr.
Das LEBEN ist ein Abenteuer, wage es.
Das LEBEN ist Glück, verdiene es.
Das LEBEN ist das Leben, verteidige es.

MUTTER THERESA

6. Januar

*** Dreikönigstag ***

Das Gedicht zum heutigen 6. Januar

Wisst ihr noch, wie es geschehen?
Immer werden wir`s erzählen:
Wie wir einst den Stern gesehen
mitten in der dunklen Nacht.

Stille war um die Herde.
Und auf einmal war ein Leuchten
und ein Singen ob der Erde,
dass das Kind geboren sei!

Eilte jeder, dass er sähe
arm in einer Krippe liegen.
Und wir fühlten Gottes Nähe.
Und wir beteten es an.

Könige aus Morgenlanden
kamen reich und hoch geritten,
dass sie auch das Kindlein fanden.
Und sie beteten es an.

Und es sang aus Himmelshallen:
Ehr sei Gott! Auf Erden Frieden!
Allen Menschen Wohlgefallen,
welche guten Willens sind!

Immer werden wir`s erzählen,
wie das Wunder einst geschehen
und wie wir den Stern gesehen
mitten in der dunklen Nacht.

( Hermann Claudius)

7. Januar

Munter ins neue Jahr ... Kleine Vorsätze – große Wirkung

Neues Jahr, neue Ambitionen – gesünder zu essen zum Beispiel, sich mehr zu bewegen oder die Ärgernisse des Alltags gelassener zu sehen. Doch meistens ist man schnell wieder drin in der Tretmühle. Dabei helfen manchmal schon kleine Maßnahmen beim Schritt zu mehr Wohlbefinden und die lassen sich dann auch leichter einhalten:

Zwei bis drei Gläser Wasser am Morgen auf nüchternen Magen getrunken bringen den Kreislauf in Schwung und regen – wenn das Wasser warm getrunken wird – die Verdauung an. Der über Nacht entstandene Flüssigkeitsmangel wird ausgeglichen, die Organe können optimal arbeiten.

Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag sind eine sinnvolle Vorgabe, um sich vitaminreich und ausgewogen zu ernähren. Wer den Morgen mit knackigem Obst oder einem frisch gepressten Fruchtsaft beginnt, das Mittagessen mit Salat und etwas Gemüse bereichert, zwischendurch einen Apfel oder ein paar Mandarinen zu sich nimmt und abends noch einmal Gemüse in seine Mahlzeit integriert, tut seinem Körper Gutes und wird auf gesunde Weise satt.

Empfindet man seine Mitmenschen oft als mürrisch und schlecht gelaunt? Einfach den Anfang machen, indem man lächelt, auch wenn einem nicht danach zu Mute ist. Wer sich vornimmt aufgeschlossen und freundlich zu sein, strahlt positiv auf seine Umgebung aus und wird umso eher auf positive Resonanz stoßen. Kleiner Trick, damit das leichter gelingt: Sich bemühen, andere und sich selbst wahrzunehmen, ohne eine Bewertung anzustellen. Das entlastet das Gemüt.

Wer im Alltag die vielen Möglichkeiten nutzt, sich Bewegung zu verschaffen, tut ganz nebenbei etwas für seine Fitness. Treppen nutzen statt Aufzüge, so oft wie möglich zu Fuß gehen, oder mit dem Fahrrad fahren, statt mit dem Auto. Den Fernseher öfters ausgeschaltet lassen und die gewonnene Zeit aktiv nutzen – ob durch einen Spaziergang oder das Ausmisten des Kellers.

Hinter dem Begriff fünf Tibeter verbergen sich fünf Bewegungsfolgen, die in jedem Alter leicht zu erlernen sind und deren Ausführung nur wenig Zeit erfordert. Die Yoga-Übungen für Geist und Körper gehören zu den ältesten fernöstlichen Methoden, um entspannt und fit zu werden. Sie sollten den Energiefluss günstig beeinflussen, halten beweglich und kräftigen die Muskulatur, sofern sie täglich und mit der richtigen Atemtechnik ausgeführt werden.

8. Januar

Schornsteinfeger

Herrjeh, wer kommt denn da hervor?
Der ist ja schwärzer als ein Mohr!
Trägt seinen Besen wohlgemut
und oben den Zylinderhut.

Das ist das Schornsteinfegerlein;
Der macht die Essen alle rein,
kehrt den Kamin in jedem Haus
und guckt zum Schornstein oben raus.

Dort oben so wunderschön.
Er kann die ganze Stadt besehn,
sieht jedes Haus und jeden Strauch,
und unsere Schule sieht er auch.

Ach, liebe Mutter, sei so gut
und kauf mir den Zylinderhut
und einen Besen, nicht zu klein,
ich möchte Schornsteinfeger sein!

Adolf Holst

9. Januar

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Tanne 02.01. - 11.01.

Die Tanne gehört zu den größten Bäumen Mitteleuropas und kann bis zu 60 m hoch werden. Im alten Griechenland war die Tanne Artemis, der vielbrüstigen Göttin der Fruchtbarkeit und der Jagd geweiht. Ihr belebender Duft und ihre majestätische Kraft haben Menschen schon vor vielen Jahrhunderten die Heilkräfte diesen Baumes entdecken lassen.

Den der Tanne zugehörigen Menschen sagt man nach, sie seien sehr klug, wirkten aber stets etwas verschlossen, in sich gekehrt, so dass man sie gut kennen müsse, um um ihr sensibles Inneres zu wissen. Ihrer gelegentlichen Unnahbarkeit zum Trotz können die Tanne-Geborenen aber sehr spontan sein und scheuen kein Abenteuer.

Tanne Geborene zeichnen sich durch ihre besondere Weitsicht aus. Sehr bedächtig und besonnen treffen sie ihre Entscheidungen. Diese werden gründlich überlegt und auf ihre langfristige Tauglichkeit hin geprüft. Hierbei spielt die nötige Übersicht und eine gewisse Distanz zur Sache eine wichtige Rolle. Haben sie sich einmal entschlossen, sind sie von ihren Vorhaben nur schwerlich abzubringen. Damit ihr Entschluss dann endlich auch zum Erfolg führt, setzen sie ihre ganze Autorität ein. Ihr Selbstvertrauen wurzelt in ihrer durch viel Erfahrung angeeigneten Kompetenz und einem sicheren Gespür für die wichtigen Dinge im Leben. Ihr Verantwortungsbewusstsein ist besonders ausgeprägt. Sie sind daher für ihre Mitmenschen ein selbstbewusster und verlässlicher Partner.

10. Januar

Ist's nicht schön, auf der Welt zu sein,
bei diesem herrlichen Sonnenschein?
Die Luft so klar, der Himmel blau,
überwältigt ich es schau.
Wenn's auch morgen regnen soll,
ist mein Herz doch übervoll.
Dieses Glück, ich will es teilen,
wird von Haus zu Haus nun eilen.
Klopft es bei Dir an die Tür,
bitte öffne, es kommt von mir!
Heidi Gotti

11. Januar

Blumenzwiebeln im Winter

Mitten im Winter, schon lange vor dem offiziellen Frühlingsbeginn, sind Tulpen, Narzissen und viele andere Zwiebelblumen als blühende Topfpflanzen erhältlich. Der kurze Blick auf die schwarzen Kunststoffgefäße, in denen die Pflanzen wachsen, lässt kaum erahnen, welche außergewöhnlichen Gestaltungsmöglichkeiten Zwiebelblumen bieten: Mit etwas Vorsicht kann die Erde von den Wurzeln entfernt werden und das filigrane Wurzelwerk der Zwiebelblumen wird sichtbar. In Glasgefäßen arrangiert, entstehen auf diese Weise besondere Schmuckstücke fürs Wohnzimmer.
Für diese Dekorationsidee braucht man nichts weiter als einige vorgetriebene Zwiebelblumen, schöne Glasgefäße mit ausreichend großen Öffnungen und kleine Steine. Sehr effektvoll sind weiße Kieselsteine und auch Muscheln lassen sich als „Fundament“ für die Zwiebeln verwenden. Am einfachsten ist es wohl, die an den Wurzeln haftende Erde unter fließendem Wasser zu entfernen. Dann können die Zwiebelblumen in die mit einem Teil der Kieselsteine gefüllten Glasgefäße „gepflanzt“ werden. Wichtig ist dabei, dass die Zwiebeln oberhalb der Wurzeln platziert werden, denn später dürfen sich nur die Wurzeln, nicht aber die Zwiebeln im Wasser befinden. Falls die Standfestigkeit der Pflanzen nicht ausreicht, können die Zwiebeln an den Seiten zusätzlich mit den restlichen Kieseln stabilisiert werden. Zum Schluss wird Wasser eingefüllt, bis es die Wurzeln erreicht hat.

12. Januar

Mein Gärtchen

Ich hab ein Gärtlein fein,
ist's auch noch so klein!
Jeden Tag ich mich aufs Neu
am Wachsen und Blühen dort erfreu.
Voll Glück und Lebenslust,
atmet durch meine Brust.
Hummeln und Bienen
sich bedienen,
Schmetterlinge gaukeln
auf den Blüten schaukeln.
Über mir die Sonne lacht,
blauer Himmel, welche Pracht!
Ruh und Kraft kann ich hier tanken
und beim Herrgott mich bedanken!

Heidi Gotti

13. Januar

Pflanzenwahrnehmungen

Wir haben Pflanzen immer unterschätzt - und tun es heute noch. Neueste Forschungsergebnisse deuten immar mehr darauf hin, dass sie mit einer erstaunlichen Wahrnehmungsfähigkeit ausgestattet sind, die sie gezielt reagieren lassen. Und das müssen sie auch, um zu überleben. Denn gerade weil sie nicht einfach davonlaufen können, wenn es gefährlich wird, müssen sie viel genauer als Tiere darüber im Bilde sein, was um sie herum geschieht.
Sie besitzen zwar weder ein Gehirn noch ein Nervensystem, doch in jeder Pflanzenzelle verbirgt sich ein winziger biochemischer "Computer", der der Pflanze die nötigen Informationen gibt. Sie "sieht" z.B. durch die Zusammensetzung des einfallenden Sonnenlichtes konkurrierende Gewächse in ihrer nächsten Umgebung. So scheinen manche Pflanzen "vorauszuahnen", dass Nachbarn sie
zu überwachsen und vom Sonnenlicht abzuschneiden drohen. In dichten Beständen wachsen sie dann schneller hoch als auf dünn besiedeltem Land. Stehen Konkurrenten seitlich, wachsen sie in die Gegenrichtung.
Selbst Ähnlichkeiten zum "Geschmackssinn" fanden Forscher heraus. Wurzeln nehmen den Gehalt und die räumliche Verteilung von Nährstoffen im Boden wahr und passen ihr weiteres Wachstum daran an.
Den empfindlichen Tastsinn z.B. der Zaunrübe kann man ganz einfach selbst beobachten: streicht man minutenlang mit einem Bambusstab über eine Ranke, hält sie sich daran fest!

14. Januar

Ach, was sind wir dumme Leute -
wir genießen nie das Heute.
Unser ganzes Menschenleben
ist ein Hasten, ist ein Streben,
ist ein Bangen, ist ein Sorgen -
heute denkt man schon an Morgen,
Morgen an die spät're Zeit -
und kein Mensch genießt das Heut' -.
Auf des Lebens Stufenleiter
eilt man weiter, immer weiter.

Nutz den Frühling deines Lebens,
leb im Sommer nicht vergebens,
denn gar bald stehest du im Herbste,
bis der Winter naht, dann sterbste.
Und die Welt geht trotzdem heiter
immer weiter, immer weiter...

Otto Reutter

15. Januar

Kännchenvoll

Es war einmal eine arme Witwe, die hatte ihren letzten Groschen ausgegeben. Sie hatte sich dafür zu essen gekauft, und als sie das verzehrt hatte, da machte sie ihre Küche blank, wusch das einzige Kännchen, das sie noch hatte, und setzte es draußen vor die Tür zum Trocknen. Dann schloss sie die Untertür und danach auch die Obertür und dachte: Was soll nun aus mir werden?
Aber während sie so saß und sann, fing das Kännchen an zu rollen und rollte so lange fort, bis es zu einem Schlächter kam. Da stand gerade eine Frau, die hatte Suppenfleisch gekauft und hatte nichts mitgebracht, wo sie es hineintun konnte. Sie sah das leere Kännchen und sagte: "Das kommt ja. wie gerufen für mein Fleisch." Aber sowie das Kännchen merkte, dass es war gefüllt, da rollte es weg. Und ehe man es fassen konnte, war es den Leuten schon aus den Augen und rollte nach Haus zurück. Da bumste es an die Tür.
Die Frau rief: "Wer ist da?'"
Das Kännchen antwortete: "Kännchenvoll; fühl nur mal in mein Hollebolle-Bäuchlein!"
Die Frau tat die Tür auf und da fand sie das herrlichste Suppenfleisch. Den anderen Tag ging das ebenso. Als die Frau ihre Suppe gegessen und das Kännchen ausgewaschen hatte, setzte sie es wieder draußen vor die Tür zum Trocknen und tat die Tür zu, und das Kännchen fing nun wieder an zu rollen und rollte fort, bis es zu einem Krämer kam. Da war jemand, der Kaffee und Kandiszucker kaufte, und der Krämer tat es aus Versehen in das Kännchen. Das Kännchen rollte weg und machte schnell, dass es wieder nach Hause kam, und bumste gegen die Tür.
"Wer ist da?"
"Kännchenvoll; fühl nur mal in mein Hollebolle-Bäuchlein.!"
Und wahrhaftig, da fand die Frau Kaffee und gleich den Zucker dazu! Den dritten Tag ging das Kännchen nach dem Gemüsemarkt, und es dauerte nicht lange, da fühlte es wieder, dass es voll war. Da rollte es nach Hause und stieß gegen die Tür.
"Wer ist da?" rief die Frau.
"Kännchenvoll; fühl nur mal in mein Hollebolle-Bäuchlein!"
Und da fand die Frau das Kännchen voll köstlicher grüner Bohnen.

Das war natürlich ganz herrlich für die arme Frau und konnte ihr wohl gefallen, und sie setzte den folgenden Tag das Kännchen wieder vor die Tür zum Trocknen. Und jawohl, es fing wieder an zu rollen und rollte nach dem Kuhmarkt. Da war gerade ein Bauer; der hatte seine Kuh verkauft und wusste nicht recht, wohin er das Geld tun sollte. Wie er das Kännchen sah, dachte er: Halt, da kann ich es fein hinein tun und tat es auch. Aber da rollte das Kännchen weg, wieder nach Hause und bums! gegen die Tür.
"Wer ist da'" rief das Frauchen wieder.
"Kännchenvoll; fühl nur mal in mein Hollebolle-Bäuchlein!" Die Frau tat es, und wirklich, das Kännchen war voll Geld.
Na, da hättet ihr mal die Freude der armen Frau sehen sollen.

Aber dann dachte sie bei sich: Warum soll ich eigentlich bis morgen damit warten, das Kännchen auszuschicken, sicher will es noch eine Tracht holen, und setzte es wieder hinaus. Und wahrhaftig, das Kännchen fing wieder an zu rollen und wieder nach dem Markt. Da blieb es stehen und wartete, und der Zufall wollte es, dass gerade eine Kuh eine große Botschaft verrichtete über dem Kännchen. Kaum merkte dies das Kännchen, da rollte es nach Hause.
"Wer ist da?" rief die Frau.
"Kännchenvoll; fühl nur mal in mein Hollebolle-Bäuchlein!"
Die Frau dachte: Was mag es nur diesmal sein und steckte gierig ihre Hand in das Kännchen. Wie sie aber merkte, was es war, wurde sie so giftig, dass sie das Kännchen auf die Straße warf, und da sprang es entzwei. So war sie ihr Kännchen los; aber sie hatte nun Geld genug zum Leben, und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie heute noch.

Paul Zaunert

16. Januar

Der  Winter

Die Pelzkappe voll mit schneeigen Tupfen,

behäng` ich die Bäume mit hellem Kristall.

Ich bringe die Weihnacht und bringe den Schnupfen,

Silvester und Halsweh und Karneval.

Ich komme mit Schlitten aus Nord und Nord-Ost.

„Gestatten Sie: Winter.
Mit Vornamen: Frost.“

Mascha Kaleko

17. Januar

Wenn wir auch dieses Jahr keinen richtigen Winter haben, finde ich es doch sehr interessant, dass es Blüten gibt, die der Kälte trotzen und uns somit erfreuen.

Winterblühende Pflanzen erfreuen uns in dieser Zeit, da die Gärten oft recht trostlos und trist aussehen. Pflanzen, die den grauen Winter fröhlicher machen, gibt es wirklich, sowohl bei den Gehölzen, als auch bei den Stauden und Blumenzwiebeln.
Die orangegelben oder kräftig roten Blüten der Zaubernuss sind ein prächtiger Schmuck für den winterlichen Garten. Aber auch der Winterjasmin oder der Winterschneeball, die häufig schon im November blühen, lassen uns vom Frühling träumen. Die Kornelkirsche und der Perlschweif gehören in die Gruppe der winterblühenden Gehölze. Bei den Stauden erfreuen uns natürlich die Schneeheide in vielerlei Farben, die Christrose und das bezaubernde Adonisröschen. Ganz intensiv leuchten im winterlichen Garten die früh blühenden Blumenzwiebeln, wenn sie in Gruppen gepflanzt wurden. Besonders freut man sich in dieser Zeit über die schon im Schnee blühenden Winterlinge und Schneeglöckchen, aber auch das Alpenveilchen und der Goldkrokus zeigen schon früh ihre leuchtenden Blüten. Die meisten Winterblüher kommen in Gruppen gepflanzt besser zur Geltung als einzeln im Garten verteilt. Man pflanzt sie so, dass man sich auch bei einem Blick durchs Fenster an ihnen erfreuen kann.

18. Januar

Auf die kalte Winterszeit

Der Winter hat sich angefangen,
Der Schnee bedeckt das ganze Land,
Der Sommer ist hinweggegangen,
Der Wald hat sich in Reif verwandt.

Die Wiesen sind von Frost versehret,
Die Felder glänzen wie Metall,
Die Blumen sind in Eis verkehret,
Die Flüsse stehn wie harter Stahl.

Wohlan, wir wollen von uns jagen
Durch's Feu'r das kalte Winterleid,
Kommt, lasst uns Holz zum Herde tragen
Und Kohlen dran, jetzt ist es Zeit.

Lasst uns den Fürnewein hergeben
Dort unten aus dem großen Fass,
Das ist das rechte Winterleben:
Ein heiße Stub und kühles Glas.

Wohlan, wir wollen musizieren
Bei warmer Luft und kühlem Wein,
Ein ander mag sein Klagen führen,
Den Mammon nie lässt fröhlich sein.

Wir wollen spielen, scherzen, essen,
Solang uns noch kein Geld gebricht,
Doch auch der Schönsten nicht vergessen,
Denn wer nicht liebt, der lebet nicht.

Wir haben dennoch g'nug zu sorgen,
Wann nun das Alter kommt heran,
Es weiß doch keiner, was ihm morgen
Noch vor ein Glück begegnen kann.

Drum will ich ohne Sorge leben,
Mit meinen Brüdern fröhlich sein,
Nach Ehr und Tugend tu ich streben,
Den Rest befehl ich Gott allein.

Johann Rist - 1607-1667

19. Januar

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Ulme 12.01. – 24.01.

In Südfrankreich gilt die Ulme als "Baum der Gerechtigkeit". In ihrem Schatten wurde dort früher Gericht gehalten und Gottes Wort verkündet.

Menschen, die der Ulme zugehörig sind, sollen große Lebensfreude empfinden und über einen ausgeprägten Optimismus verfügen. Toleranz und Gerechtigkeit sind ihnen Leitworte im Leben. Diese Eigenschaften bringen sie anderen entgegen, fordern sie aber auch für sich selbst; ihre Selbstständigkeit ist ihnen sehr wichtig.

Bei Michael Vescoli kann man lesen, dass außergewöhnlich viele Dichter an Tagen der Ulme geboren wurden, was er als Zeichen für die schöpferische Sensibilität der Ulme-Geborenen wertet.

Die im Baumzeichen der Ulme Geborenen sind Realisten. Sie sind stets hellwach. Keine Situation kann sie wirklich überraschen. Sie scheinen jederzeit vor allen Unannehmlichkeiten gewappnet zu sein. Vor ihnen haben beschönigende Worte oder Handlungen keinen Bestand. Ihr Streben ist es, jeder Sache auf den Grund zu gehen, um anhand von Fakten die Ursachen zu ergründen. Mit fester Entschlossenheit suchen sie nach Klarheit und Wahrheit. Ihre Mitmenschen bewundern sie wegen ihrer Geradlinigkeit und ihres beeindruckenden Sachverstands. Bei ihnen kann man sicher sein, dass sie es so meinen, wie sie es sagen. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und ihren Mitmenschen ist ihre wertvollste Tugend. Daher fällt es ihnen leicht, sich fest entschlossen für ihre eigenen Interessen und die ihrer Mitmenschen einzusetzen.

20. Januar

Der Mensch

Empfangen und genähret
vom Weibe wunderbar,
kommt er und sieht und höret
und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret
und bringt sein Tränlein dar;
verachtet und verehret,
hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
hält nichts und alles wahr;
erbauet und zerstöret
und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret;
trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
und kommt nimmer wieder.

Matthias Claudius

21. Januar

Die Farbe Lila im Wandel der Zeit

Violett gilt als extravagant – Unterschiedlichste Gruppen schmücken sich damit
Wer denkt nicht zuerst an die berüchtigten Latzhosen der Frauenbewegung, wenn es um die Farbe Lila geht? Nun, Priester vielleicht. Ihnen dürfte die Fastenzeit einfallen. Schließlich symbolisiert Violett in der christlichen Liturgie Reue, Buße und eine Phase der Verwandlung. Ein Inder wird Violett als Farbe der Erleuchtung sehen, traditionell wird es dem höchsten Chakra zugeordnet, das für Geist und Bewusstsein steht. Im europäischen Mittelalter wiederum war es Brauch, Unverheiratete mit Veilchen zu schmücken. Daher steht der Farbton auch in dem Ruf, von alten Jungfern auf der Suche nach einem Partner getragen zu werden. Auch die homosexuelle Szene favorisiert die Mischfarbe aus dem weiblichen Rot und dem männlichen Blau.
Auch wenn Lila in der Natur durchaus vorkommt – vom Flieder übers Veilchen bis hin zur äußeren Spektralfarbe des Regenbogens – konnte der Farbton erst spät für Stoffe verwendet werden, da es lange Zeit keinen entsprechenden Farbstoff gab. Erst 1856 stellte der britische Chemiker William Henry Perkin per Zufall das synthetische Mauvein her, auch Perkin-Violett genannt. Diese Entdeckung des ersten künstlichen Farbstoffs revolutionierte die Mode. Bald trugen die Damen bevorzugt mauvefarbene Kleider, so auch die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England und in den USA für das Frauenwahlrecht auf die Straße gingen.
Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pethick-Lawrence soll drei Farben als Kennzeichen der Suffragetten bestimmt haben: Lila als herrschaftliches und würdevolles Signal, Weiß als Zeichen der Ehrenhaftigkeit und Grün als Symbol der Hoffnung. Bei ihren Demonstrationen schmückten sich die Frauenrechtlerinnen der ersten Stunde mit Ripsbändern in diesen Farben.
Vermutlich geht die Festlegung von Lila als Farbe der Emanzipation auf die Suffragetten zurück.
Um eine gesellschaftspolitische oder religiöse Proklamation dürfte es den Designern aber nicht gegangen sein, als sie Lila für die aktuellen Herbst- und Winter-Kollektionen wieder entdeckten. Schließlich hatte die Farbe in den vergangenen Jahrzehnten mit einem etwas freudlosen und nicht gerade modischen Image zu kämpfen, bestimmt von lila Latzhosen und lila Hängegewändern aus der alternativen Szene.
Nun sind Flieder, Violett und Purpurrot wieder in Mode – bei der Kleidung genauso wie beim Make-up, bei den Accessoires und sogar bei der Herrengarderobe, wie violette Schals, Hemden und Krawatten belegen. Lässt man alle Symbolik bei Seite, kommt man dem gegenwärtigen Hang zu Lila eher auf die Spur. So wird Lila farbpsychologisch als besonders extravagant, unkonventionell und eitel angesehen. Vor allem Individualisten, Künstlern und Exzentrikern wird nachgesagt, die Mischtöne aus Blau und Rot zu bevorzugen. Bei Purpur, das einen höheren Rotanteil hat, dominiert das feierlich Sakrale – man denke nur an Kardinalsgewänder – während blaustichigen Lilatönen etwas Magisches anhaftet.
Lila ist nicht gleich Lila. Wer blasse Haut hat, sollte blaustichige Nuancen meiden und auf Purpurtöne setzen, die auch Braun- und Schwarzhaarigen schmeicheln. Dunkles Pflaumenblau bringt goldblondes Haar zur Geltung. Aschblonde Menschen mit gelblichem Teint lässt Blauviolett krank erscheinen, ihnen steht sanftes Mauve. Spektralviolett wirkt bei sparsamer Verwendung edler, für den Komplett-Look ist die Farbe zu kräftig. Vorsicht ist bei blaustichigen Lippenstiftfarben geboten: Die Zähne wirken gelblich.

22. Januar

Der    R o s e n g a r t e n

Ich weiß ein Garten hübsch und fein,
Da blüht ein rotes Röselein;
Und darum ist ein Heckenzaun,
Im Sommer grün, im Winter braun.

Und wer das Röslein brechen will,
Muss kommen stumm, muss kommen still;
Muss kommen bei der dustren Nacht,
Wenn weder Mond noch Sternlein wacht.

Ich wollte meinem Glück vertraun,
Stieg heimlich übern Gartenzaun;
Das rote Röslein war geknickt,
Ein andrer hatte es gepflückt.

Das Gärtchen ist nun kahl und leer,
Das rote Röslein blüht nicht mehr;
Betrübt muss ich von weitem stehn
Und nach dem Rosengarten sehn.

Hermann Löns (1866-1914)

23. Januar

Die Rosenkönigin von Ludwig Bechstein

Es war einmal ein König, der lebte sehr glücklich mit seiner schönen, tugendsamen Gemahlin;
ein einziges Söhnlein war ihnen vom Himmel geschenkt, und dieses war die Lust der Eltern.
Doch nicht nur in des Königs hoher Familie war es so friedsam, sondern in seinem ganzen Lande; überall, auch in dem kleinsten Dörflein war Verdienst und Wohlstand, und das Volk war zufrieden und freundlich.
Einer weisen, milden Regierung entblüht Ordnung; Ordnung aber bringt Wohlstand, Wohlstand, Zufriedenheit, Freundlichkeit. 
Der gute König musste jedoch ein gar herbes Schicksal erfahren;  seine liebe Gemahlin starb und ließ ihn einsam zurück, mit dem nun mutterlosen Prinzen. 
Tief trauerte der König und das ganze Land mit ihm.
Auch das kleine fromme Kindesherz des Prinzen war sehr betrübt, denn es hatte mit aller kindlichen Liebe an seiner Mutter gehangen. Auf dem Sterbebette hatte sie ihn gesegnet,
und ihn noch scheidend zu allem Guten ermahnt, zum treuen Glauben an Gott, zur Liebe und Milde gegen alle Menschen. 
"Und wenn du ein Jüngling worden bist", waren ihre letzten Worte, "so wähle dir nur ein Mägdlein frommen, guten Herzens zu deiner Gemahlin, und ehre das Andenken deiner Mutter und ihrer letzten Worte."
Dieses hatte einen tiefen Eindruck in das weiche Herz des Knaben gemacht, immerdar gedachte der Prinz seiner sterbenden Mutter, und es kam ihm oft vor, als umschwebe sie ihn und lächle ihm selig zu. 
So wuchs der Prinz in frommer Sitte empor und wurde ein schöner, blühender Jüngling.
Doch das königliche Vaterauge war verblendet worden von einer fürstlichen, listigen Dame, 
die den Herrscher gar bald mit ihren erkünstelten Reizen also schlau zu fesseln wusste, dass er ihr nachgab und sie ihn völlig beherrschte.
Bald fand das glänzende Hochzeitgelag statt.
Der bejahrte König, sonst so gut und milde, war zum alten Toren geworden und hatte sein Leben an ein listiges, böses Schlangenherz gekettet; nur zu bald musste er die bittere Frucht seiner Torheit kosten das böse Weib stiftete allenthalben Unheil an, erregte den Vater wider den Sohn, den Sohn wider den Vater und die Herrschaft wider die Diener, und übte ihre frevle Verblendungskunst immer fort, so dass sie die Herzen alter und junger Männer für sich entflammte. 
Eine kurze Zeit, und das reuevolle Leben des Königs hatte geendet. 
Der Prinz wurde König und beherrschte das Volk mit der Klugheit und Milde, die überall zum wahren Wohle des Landes dient. Aber an ihm übte die arge Stiefmutter ihre Künste vergebens, er verachtete sie im stillen und suchte sich immer in heilsamer Entfernung von ihr zu halten.
Da wünschte das Land, dass der jugendliche König sich vermähle; auch er in seinem Innern trug das stille Verlangen, sein Glück mit einem würdigen Frauenbilde zu teilen, aber nicht Stand und Reichtum oder eine Krone sollten diejenige schmücken, die er sich wählen wollte, sondern ein gutes, frommes Herz, wie es seine sterbende Mutter gewünscht.
Und ein solches hatte er gefunden, zwar nur das eines armen, schlichten Gärtnermädchens,
das aber voll war von reiner Liebe und frommem Glauben. 
Diese Jungfrau war dem Königssohn bald so innig befreundet, dass der Jüngling ihr zu Füßen sank und ihr ewige Liebe und Treue schwur. 
Zärtlich und in Tränen schmiegte sich das liebliche Mädchen an die Brust des Jünglings und lispelte: "Ach, du darfst mich ja nicht zur Gemahlin nehmen, siehe ich bin ja arm, bin keine Prinzessin."
"Sei ruhig, lieb Herz", sprach der Jüngling, "du sollst meine Gemahlin, meine Königin werden, du und keine andere." 
Der Wunsch nach der Vermählung des Königs wurde lauter und dringender; von allen Seiten her begannen die Väter fürstlicher Töchter dem Könige Vorschläge zu machen. Die böse Stiefmutter wähnte den so jungen König gänzlich unter ihrer Herrschaft, dass sie sich anmaßte, eine Gemahlin für ihn zu wählen. Sie ordnete glänzende Festlichkeiten an, wozu viele Prinzessinnen geladen waren, die reich geschmückt und voll Hoffnung zur Schau kamen.
Acht Tage hatten die Feste schon gewährt, und der König hatte noch keine Prinzessin zur Braut erwählt und hatte auch alle Vorschläge seiner Stiefmutter unbeachtet gelassen.
Am neunten und letzten Festtag sollte sich's entscheiden, so hatte der König selbst verheißen.
Die Stiefmutter glaubte voll Zuversicht, dass der König in ihre Wahl eingehen werde, denn sie hatte eine hohe Prinzessin, zwar hässlich von Gesicht und Gestalt, aber unsäglich reich an Gut und Geld für ihn auserwählt.
Ein glänzender Ball sollte die Feste beschließen, und diesmal waren alle Prinzessinnen doppelt mit Juwelen und Schmuck beladen, da eine jede glaubte, den Sieg davonzutragen.
Doch wie alle in gespanntester Erwartung dem König entgegen harrten …

*** übermorgen. am 25. Januar, geht es weiter mit dem Märchen ***

24. Januar

Das Mädchen aus der Fremde

In einem Tal bei armen Hirten
erschien mit jedem neuen Jahr,
sobald die ersten Lerchen schwirrten,
ein Mädchen, schön und wunderbar.

Sie war nicht in dem Tal geboren,
man wusste nicht, woher sie kam,
und schnell war ihre Spur verloren,
sobald das Mädchen Abschied nahm.

Beseligend war ihre Nähe,
und alle Herzen wurden weit,
doch eine Würde, eine Höhe
entfernte die Vertraulichkeit.

Sie brachte Blumen mit und Früchte
gereift auf einer andern Flur,
in einem andern Sonnenlichte,
in einer glücklichern Natur.

Und teilte jedem eine Gabe,
dem Früchte, jenem Blumen aus,
der Jüngling und der Greis am Stabe,
ein jeder ging beschenkt nach Haus.

Willkommen waren alle Gäste,
doch nahte sich ein liebend Paar,
dem reichte sie der Gaben beste,
der Blumen allerschönste dar.

Schiller

25. Januar

Fortsetzung des Märchens „Die Rosenkönigin“ von Ludwig Bechstein – erster Teil am 23. Januar

Doch wie alle in gespanntester Erwartung dem König entgegen harrten,
tat sich die Flügeltüre auf, und der König trat lächelnd mit seinem lieblichen Gärtnermädchen herein, die so sittig und bescheiden in einem weißen Kleidchen und völlig ohne Schmuck erschien.
Da sprühten manche Augen im Kreise der Prinzessinnen voll Arger und Wut, doch die der Stiefmutter rollten am wildesten und schleuderten grimmige Blitze nach dem glücklichen Liebespaar.
Jetzt nahten sich diese beiden der königlichen Stiefmutter, die in der Mitte des Saales,
von boshaft lächelnden Prinzessinnen umgeben, weilte; und der König sprach mild und freundlich: "Hohe, verehrte Mutter, hier bringe ich Euch meine liebe, fromme Braut
und bitte mit ihr um Euren Segen."
Aber die Dame sprach voll Zorn und Wut: "König, solltet Ihr also Eurer Ehre vergessen und eine gemeine Dirne freien? O schämet Euch, mich so tief zu kränken und um meinen Segen für eine schlechte Magd zu bitten." 
Und sie wandte ihm den Rücken und schritt voll Grimm und Bosheit einem Nebengemach zu.
Aber der König folgte ihr nach und sprach mit einem strengen, drohenden Ernst: "Weib, das Wort soll Euch schwer wiegen. Wahrlich, ich will Euch zeigen, dass dieses arme Mädchen würdiger ist, Königin zu heißen, als Ihr und alle eitlen Prinzessinnen.
Eine Kunst habe ich einstmals von einem alten Einsiedler erlernt: die Menschen zu erzaubern, ihre Herzen zu prüfen, ob sie gut oder böse sind. Schwört, hohe Frau, mir dann die schönste zu wählen, wenn alle hier anwesenden Jungfrauen verzaubert,  in Gestalt einer Blume, stehen, so will ich Euch gehorsam sein.
Aber trifft Eure Wahl dann mein armes Gärtnermädchen, so falle der Zauber auf Euch, dass Ihr ewig darinnen verstrickt bleibet.“
Der König schwieg; und die stolze Dame grinste voll Zuversicht ob ihres Sieges.
"Ach mein hoher Künstler", entgegnete sie, "verzaubert immerhin alle anwesenden Jungfrauen, ich will Euch die schönste wählen und bin gewiss, dass ich nicht Eurer Drohung teilhaftig werde. Euere seltsame Laune soll mir ein ergötzlicher Scherz sein".
Und sie ließ sich auf einem samtenen Sessel nieder und harrte der Dinge, die da kommen sollten. 
Da breitete der königliche Jüngling ein großes weißes Tuch aus, führte schweigend eine Prinzessin um die andere in das Nebengemach und verhüllte sie damit, wo sie alle sobald einschlummerten. Dann schnitt er einer jeglichen das Herz aus. Zuletzt auch seinem lieben Gärtnermädchen. Der Ballsaal verwandelte sich in eine grünende Gartenflur, von einem goldenen Zaun umschlossen, von singenden Vögeln durchflattert.
Da vergrub der Jüngling die Herzen und sprach bei einem jeglichen: "Blühe, blühe, blühe aus der Erde auf! Bist du rein, Wirst du hold gedeihn. Aber treibe wilde Dornen, wenn du bös wirst sein."
Bald keimten und sprossen Zweiglein und Blättlein empor. Wilde Dornsträuche wuchsen rasch aus der Erde; nur hie und da erschloss sich eine farbige Blüte. Aber in des Gartens Mitte stand ein Blütenstängel  dessen zartem Kelch entfaltete sich eine herrliche Rose, eine Rosenkönigin. Glänzender Tau träufte auf sie nieder, und das grüne Laub schmiegte sich zärtlich an die Blüten. Jetzt kam eine Schar Nachtigallen geflogen, die die Rosenkönigin umkreiseten und sangen: "Holde Rose, holde Rose, Hehre Blumenkönigin! Du die schönste unter allen, Du die reinste unter allen, sollst die ganze Welt bezwingen mit der frommen Liebe Sinn. Hehre Rosenkönigin!"
Aber um die Dornensträuche flogen schwarze Raben und krächzten auch ihr Lied.
"Wilde Dornen, wilde Dornen, schwarz wie unser Nachtgewand. Sollt am besten uns gefallen mit den tausendfachen Krallen. Sollet dienen in der Höllen, In der ewgen Pein, zum Brand.
Schwarze Dornen, Nachtgewand."
Da führte der König die stolze Dame herein in den Garten, auf dass sie die schönste der Blüten für ihn wähle, und als sie die zauberschöne Rose sah und die Nachtigallen singen hörte,  die über ihr im Kreise flatterten, als sie das liebliche Liedlein vernahm -  da stand sie beschämt und war von der Rose zaubervoller Macht ergriffen und gerührt, ihr war, als fühle sie eine warme Liebe, und sie gedachte in diesem Augenblick reuevoll an ihre verübten Bosheiten und Ränke. Und als sie nun die Dornensträuche sah, darüber die schwarzen Raben ein Höhenlied krächzten, da überlief sie eine Angst, ein Todesgrauen; und sie sprach:
"Mein Königssohn, ich muss Euch die holde Rose wählen, sie ist die Schönste."
Nun bewegten sich alsbald der Rose Zweige und Blätter und Blüten und verschmolzen sanft zum Körper eines lieblichen Mädchens, das keine andere war als das fromme Gärtnermädchen. 
Und es schien noch schöner und bescheidener als zuvor. Aus den anderen Blumen und Dornensträuchen bildeten sich wieder Prinzessinnen, die wie aus einem schweren Traum erwachten. 
Aber des Königs Stiefmutter war vor Scham und Reue niedergesunken und lag in Betäubung.
Und die schwarzen Rabenvögel hackten ihr das Herz aus, und sie wurde zu Stein, von wilden Dornen umstarrt.
Die Prinzessinnen eilten scheu davon, wurden aber besser und demütiger in ihren Herzen. 
Und der König lebte glücklich und fromm mit seiner Gemahlin, dem Gärtnermädchen,
und des Himmels Segen war mit ihnen.

26. Januar

Neues auf der HP: Bei "dies und das" - "Banknoten und Münzen" und dann weiter zum "Euro" sind nun auch die Euro-Münzen Sloweniens einzusehen.

Mit Geld kann man Spaß kaufen... aber nicht Liebe.
Mit Geld kann man Zerstreuung kaufen....aber nicht Freude.
Mit Geld kann man eine Frau kaufen....aber nicht Eheglück.
Mit Geld kann man ein Haus kaufen.....aber kein Heim.
Mit Geld kann man ein Menü kaufen.... aber nicht Appetit.
Mit Geld kann man Medizin kaufen...aber nicht Gesundheit.
Mit Geld kann man ein Diplom kaufen....aber nicht Kultur.
Mit Geld kann man ein Buch kaufen...aber nicht Intelligenz.
Mit Geld kann man ein Beruhigungsmittel kaufen....aber nicht Frieden.
Mit Geld kann man Nachgiebigkeit kaufen...aber nicht Verzeihung.
Mit Geld kann man die Erde kaufen...aber nicht den Himmel.
...und Freunde kann man auch nicht kaufen.

27. Januar

Der Schöpfung Meisterstück

Gott schuf die Welt vor alten Zeiten,
zuletzt den Mann als Exemplar,
und das schien freilich anzudeuten,
das Gott schon etwas müde war.

Denn als er sein Geschöpf beschaute,
da fehlte dies, da fehlte das
und von dem ganzen Manne taugte
nur noch eine Rippe was.

Die wurd’ ihm auch noch rausgenommen
und eine Frau daraus gemacht.
So sind sie später zwar angekommen,
jedoch geschaffen mit Bedacht.

Und zu der Frau gerechten Lobe
erkennt man auf den ersten Blick,
der Mann war nur ein Stück zur Probe,
die Frauen sind das Meisterstück!

(Autor unbekannt)

28. Januar

Keltischer Baumkreis

Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des öfteren umarmt.
es durchfließt deinen Körper neue Energie.
begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.

Die Zypresse - 25.01. - 03.02.

Zypressen, die wie riesige Zeigefinger mahnen, wirken "wie ein Wille, der nur eine Richtung kennt". Diese Bäume existierten schon Hunderte von Millionen Jahren vor den Laubbäumen. Im alten Ägypten und bei den Römern war die Zypresse den Göttern des Todes und der Unterwelt geweiht und symbolisierte mit ihren immergrünen Zweigen das ewige Leben.

Menschen, deren Baum die Zypresse ist, sagt man großen Mut nach. Sie lieben ihre Freiheit und Eigenständigkeit; ihr Ziel ist die Selbstverwirklichung und Entfaltung ihres Potentials. Zypresse-Geborene pflegen stets ihren eigenen Stil und kümmern sich nicht um Konventionen. Sie sind sehr gesellig und wirken auf andere oft ein wenig geheimnisvoll.

Zypresse Geborene sind die Erhabenen. Sie stehen über den Dingen. Nichts Irdisches kann sie mehr erschüttern. Selbst größtem Leid sind sie gewachsen ohne dass ihre Seele in Mitleidenschaft gezogen würde. Sie stehen im Leben als wäre heute ihr letzter Tag in dieser Welt. Voller Zuversicht schreiten sie voran. Nichts und niemand kann sie aus der Ruhe bringen. Mit ihnen kann man den vielfältigen Zauber der Natur und des Lebens entdecken. Unbekanntem und Fremdem begegnen sie mit einer geradezu übernatürlichen Gelassenheit und einem unerklärbaren Verständnis. Nach ihrer Auffassung scheint alles nach einem festen Plan der Natur und des Lebens zu verlaufen. Ihre Intuition führt sie sicher durch alle Veränderungen. Meist versteht man sich mit ihnen auf Anhieb, denn man fühlt sich mit diesen Menschen auf eine besondere, unerklärbare Art und Weise sofort verbunden.

29. Januar

In der Frühe

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
dort gehet schon der Tag herfür
an meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
„Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu’ dich! Schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.“

Eduard Mörike

30. Januar

Ginkgo

Es gibt wohl kaum ein anderes Gehölz, über das bisher mehr geschrieben und berichtet wurde, als über den Ginkgo. So fiel es auch dem entscheidenden Gremium nicht schwer, den Ginkgo zum „Baum des Jahrtausends“ zu küren.
Es ist schon allgemein bekannt, dass der Ginkgo als „lebendes Fossil“ bezeichnet wird. Er ist etwa 300 Millionen Jahre alt und hat sich immer als besonders robust und widerstandsfähig erwiesen. Aber weiß man z.B. auch, dass die Chinesen schon 1800 Jahre vor Christus Ginkgoblätter als Medizin einsetzten? Oder dass auch heute noch seine Laub-Extrakte, die durchblutungsfördernd wirken, wieder zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden?

Wenn man sich mit dem Ginkgo beschäftigt, stößt man auf allerlei interessante Details: so ist das Laub eines älteren Baumes tiefer geschlitzt als das eines jüngeren. Es gibt unter den Ginkgos übrigens nur rein weibliche und rein männliche Pflanzen, und es bestehen nicht, wie zumeist im Pflanzenreich, beide Geschlechter auf einer Pflanze. So erkennt ein geschultes Auge schon aus der Ferne den etwas breiteren Wuchs eines weiblichen Baumes oder bemerkt den ca. 14 Tage früheren Blattaustrieb eines männlichen Exemplars. Folglich trägt auch nur der weibliche Baum Früchte. In Japan gelten die eingelegten Ginkgo-Früchte als Delikatesse. Uns fallen sie vor allem in der Reifephase auf, allerdings sind sie dann nicht jedermanns Sache, weil sie einen unangenehm ranzigen Geruch nach Buttersäure verströmen.

Von einem Kalenderblatt

31. Januar

Da ich dieses Jahr - hier bei aktuell - der Königin der Blumen, der Rose, widme ...  am Ende des Monats Januar noch einmal ein wunderschönes Rosengedicht:

Nur ein Röslein

Nur ein Röslein fand ich in dem Grase
auf dem Pfade durch den Wald gewunden,
wie der Seher auf der Himmelsstraße
irgendeine Wunderwelt gefunden.

Und doch bist du Stern der Waldesgassen
wie du Rose in den Himmelsbreiten
nur ein Einen und Zusammenfassen
ungezählter Weltenseligkeiten.

Aber schmerzhaft zuckt mir's nach dem Innern,
und das Herz will mir's zusammenpressen,
dass von beiden nur ein kurz Erinnern
überbleiben soll vor dem Vergessen.

Wagner, Christian (1835-1918)


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