Januar 2009

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*** Jahreswechsel ***

1. Januar

Ein neues Jahr tritt froh herein,
mit aller Welt in Frieden.
Vergiss, wie viel der Plag und Pein
das alte Jahr beschieden.
Du lebst, sei dankbar, froh und klug,
und wenn drei bösen Tagen
ein guter folgt, sei stark genug,
sie alle vier zu tragen.

Friedlich Wilhelm Weber (1813-1894)

Azalee

Man nennt mich Azalee? Warum denn? Wer hat mir diesen Namen gegeben, der aus dem Griechischen stammt und eigentlich dürr, trocken bedeutet. Sehr rätselhaft, denn ich brauch nämlich viel Feuchtigkeit. Noch einen Widerspruch gibt es: Botanisch gesehen heiße ich nicht mehr Azalee, sondern Rhododendron. Da sich aber mein falscher Name mittlerweile eingebürgert hat, heiße ich halt so.
In vielen Farben und Formen gibt es mich. Man hat mich speziell fürs Zimmer gezüchtet und normalerweise werfe ich meine Blätter ab wie ein Kleid, das aus der Mode gekommen ist und bleibe nur in Ausnahmefällen immergrün. Wenn ich kühl stehe, blühe ich länger, aber viel Licht brauche ich nicht.

2. Januar

Wir bringen Euch zum neuen Jahr
die allerbesten Wünsche dar.

Und hoffen, dass es bis zum Ende
euch lauter gute Tage wende!

Es schenke euch der Januar
und ebenso der Februar
und auch der Frühlingsbote März
Gesundheit und ein frohes Herz!

Dann führe euch April und Mai
die schönste Frühlingszeit herbei.

Im Juni, Juli und August
erfreuet euch an Sommerlust.

September und Oktoberzeit
vergehe euch in Freudigkeit.

November lasse sich ertragen,
dann mögt ihr im Dezember sagen,
als Lob und Preis des ganzen Jahres:
„Gottlob, recht schön und glücklich war es.“

Aus Südmähren

3. Januar

Honig

Die alten Ägypter verwendeten Honig für Wundauflagen, Buddhisten schenkt er „Leben und Schönheit, Ausgeglichenheit und Kraft“, und im Alten Testament zählt er zum Nötigsten, was man im alltäglichen Leben braucht. Heute spielt das traditionsreiche Bienenprodukt als Nahrungsmittel keine herausragende Rolle mehr.
Honig besteht in erster Linie aus Zucker und liefert weniger Mineralien und Vitamine als etwa Nuss-Nougat-Creme. Sein Anteil an Einfachzucker liegt bei 75 bis 80 Prozent. Aufgrund seiner klebrigen Konsistenz haftet er lange auf der Zahnoberfläche, sodass viele Zahnärzte ihn für schädlicher halten als Industriezucker. Andererseits hängt die Wirkung auf die Zähne von der verzehrten Menge ab. In einer Studie der Hebräischen Universität in Jerusalem förderte er in niedrigen Konzentrationen das Wachstum von Kariesbakterien, in hohen Dosierungen unterdrückte er es jedoch.
Honig duldet aus mehreren Gründen kein bakterielles Wachstum, er entzieht den bakteriellen Zellen das Wasser, sodass sie schrumpfen und schließlich absterben.
Die mit Honigauflagen behandelten Wunden zeigten einen schnelleren Abbau der Entzündung, eine bessere Kontrolle der Infektion und einen rascheren Wundschluss als andere Wunden, belegten Studien.

Ein bewährtes Rezept der Volksmedizin, um Hustenreiz zu lindern: Einen frischen Rettich mit einem Messer aushöhlen und mit Honig auffüllen. Das Ganze zwei Stunden ziehen lassen und dann den Rettich mitsamt seiner Honigfüllung komplett verspeisen!
Ein Tee aus Dillsamen und Honig fördert den Schlaf: Jeweils einen Teelöffel zerstoßener Dillsamen und Honig mit 200 Milliliter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. Schließlich abseihen und eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen trinken.

4. Januar

Das Leben

Das Leben ist verhüllt
und verborgen,
wie auch euer größeres
Selbst verborgen
und verhüllt ist.

Aber wenn das Leben
spricht,
werden alle Winde
Worte;
und wenn es von neuem
spricht,
so wird das Lächeln auf
euren Lippen
und die Tränen in euren
Aug' zum Wort.

Wenn es singt,
hören es die Tauben
und sind ergriffen;
und wenn es sich
langsam nähert,
sehen es die Blinden
und sind entzückt
und folgen ihm
verwundert und erstaunt

Khalil Gibran
(1883-1931)

5. Januar

Lebensphilosophie

Sei geduldig! Sei aufgeschlossen! Lächle häufig!
Genieße die besonderen Momente!!

Gewinne neue Freunde ... Entdecke die alten neu ...
Sag´ ihnen, dass du sie liebst ... Und wenn du sie liebst ...
Spüre es ganz tief!!

Ignoriere Sorgen! Vergiss Probleme! Vergib deinen Feinden! Halte Versprechen!

Wenn du mehr als eine Chance bekommst, versuch's nochmal
Schätze deine guten Ideen
Versuche keine Fehler zu machen und wenn du welche machst, lerne daraus ...

Sei verrückt!
Erkenne Wunder, wenn sie passieren ...
Bemerke die Sonne am Himmel...
Höre dem Regen zu ...
Suche die Regenbogen und Sternschnuppen ...
Suche nach der Schönheit die dich umgibt

Lächle mit dem Herzen ...
Trau´ anderen ... Gib´ anderen ...

Sei liebenswürdig – Imme ...

Hoffe – wünsche – wachse - arbeite hart - sei du selbst
Sei verständnisvoll, wenn es nötig ist
Hab Vertrauen ins Leben ...

Glaube ...

Tröste deine Freunde
Trau Dir selbst !!
Genieße dein Leben!

6. Januar

Die heiligen drei Könige

Die heiligen drei König, so sind wir genannt;
Wir kommen von ferne, vom Morgenland.
Ihr Sterne gebt allen den Schein;
ein neues Jahr geht uns bald ein.

Die heiligen drei König mit ihrigem Stern;
Wir suchen das Kindlein, den Heiland, den Herrn.

Dem Kindlein, dem sind wir von Herzen hold;
Wir bringen ihm Weihrauch und Myrrhen und Gold.

Lebt wohl nun, ihr Leute, wir ziehen so fern,
die heiligen drei König mit ihrigem Stern.

Aus Bayern

7. Januar

Eisvogel - Vogel des Jahres 2009

Kaum ein Vogel hierzulande trägt ein bunteres Federkleid. Die Brust schimmert orange, der Kopf leuchtet türkisfarben, Rücken und Flügel schillern in allen Blautönen. Der Eisvogel wird ob seiner Pracht gern auch als „fliegender Edelstein“ bezeichnet.
Der Eisvogel braucht klare Gewässer und Ufer, die nicht begradigt oder betoniert sind, sagen die Ornithologen. Gerade in den 70er Jahren sei das Tier durch Umweltsünden unter Druck geraten. In den vergangenen Jahren hat sich die Lage für den Eisvogel entspannt. Durch die Renaturierung vieler Fließgewässer kann der bunte Vogel alte Lebensräume, die er verloren hatte, neu nutzen. Die Folge: Der Eisvogel ist bundesweit aus der Roten Liste entlassen worden. Er gilt damit als nicht mehr gefährdet.
Der Eisvogel ist ein sogenannter Ansitzjäger und Stoßtaucher. Er stürzt sich also von seinem Beobachtungsposten am Ufer von einem überhängenden Ast kopfüber ins Wasser und packt mit seinem vier Zentimeter langen Schnabel kleine Fische wie Stichlinge. Aber auch Jungfische, Kaulquappen und Krebstiere gehören auf seinen Speisezettel. Die Wasserqualität ist bei dieser Jagd entscheidend. Der Eisvogel fischt ungern im Trüben. Doch anders als der Kormoran, der bei den Fischern und Anglern höchst unbeliebt ist, gilt der Eisvogel in der gesamten Bevölkerung als Sympathieträger. Was so ein buntes Federkleid ausmacht.
Nichts gefährdet den Bestand des Eisvogels so sehr wie eine geschlossene Eisdecke. In strengen Wintern findet das Tier kaum noch Nahrung. Wasserüberläufe, Wehren und wärmere Zuleitungen werden überlebenswichtig.
Der Eisvogel braucht steile Lehm- und Sandwände, in die er seine Bruthöhle graben kann.

Er kommt fast in ganz Europa und in großen Teilen Asiens vor. Er ist ganzjährig an stehenden und ruhig fließenden Gewässern zu beobachten. Der Vogel ist etwas größer als ein Spatz, aber kleiner als ein Star, und fällt durch sein buntes Federkleid auf. Der Unterschnabel des Männchens ist schwarz, beim Weibchen ist dessen Basis deutlich orange gefärbt. Der Eisvogel brütet in der Regel zweimal pro Jahr, in seltenen Fällen sogar dreimal.

8. Januar

Winternacht

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum ...

Die fiel dazu wie im Traum ...
Die sank so leis hernieder
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und es war einmal eine Flocke,
so leis als wie im Traum ...

So leis als wie im Traum ...
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiß
als wie vom Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß
als wie vom Engleinflaum.

Christian Morgenstern

9. Januar

Schneeflocken

Im Winter verreisen die Regentröpfchen in den Süden nach Afrika und Indien. Der Wind bläst seine Backen auf, und huii! geht die Fahrt los.
In einer großen schwarzen Wolke kuscheln sich die Regentropfen zusammen, damit sie auf der großen Reise auch nicht frieren.
"Frieren“, fragte ein kleines neugieriges Regentröpfchen, "was ist denn das? Das klingt ja ganz geheimnisvoll.“
"Das macht der Winter mit seiner Kälte. Er ist ein Zauberer, der kein Mitleid mit uns hat“, antwortete ein erfahrener Regentropfen.
"Och, das ist gar nicht so schlimm“, warf ein munteres Regentröpfchen ein. "Ich habe es schon einmal mitgemacht.“
Da wurden die anderen neugierig. Sie drängelten sich auf einer kleineren Wolke zusammen und blieben zurück. Ihnen war es ganz unheimlich, wie sie allein am fahlen Himmel auf ihrer kleinen Wolke über der Erde schwebten. Aber nach und nach kamen weitere Wolken dazu, auf denen ebenfalls Regentröpfchen saßen, die nicht in den Süden gereist waren.
Wie das der Winter sah, da jubelte er. Und sofort schickte er den kalten Winterwind los. Der sauste auf die Wolken zu, dass die Regentröpfchen nur so durcheinanderwirbelten.
"Nanu“, rief da eines, "ich bin ganz weiß, ich sehe ja ganz anders aus als sonst!“
"Der Winter hat uns verzaubert. Jetzt sind wir gefroren!“, riefen alle durcheinander. Und da schwebten sie auch schon langsam vom Himmel. Sie tanzten und wirbelten durcheinander, dass es eine Lust war.
"Wie herrlich“, riefen sie, "wir haben gar nichts gespürt und kalt ist uns auch nicht!“
Die Menschen aber unten auf der Erde sahen nach oben und riefen: "Es schneit, es schneit, der erste Schnee in diesem Jahr!“
Die Regentröpfchen aber, die jetzt alle Schneeflöckchen waren, schwebten langsam zur Erde. Sie versanken nicht im Boden, sondern deckten Erde und Pflanzen zu und schützten sie so vor der strengsten Kälte. Bald saßen sie überall: auf dem Kirchturm, auf den Häuserdächern, draußen im Wald auf den Bäumen und Zweigen und auf dem Boden, unter dem Blumen und Gräser schliefen.
"Bleiben wir nun immer Schneeflöckchen?“, fragte eines.
"Nein, sobald der Frühling kommt, werden wir wieder zu Regentropfen“, antwortete das andere.
"Da könnt ihr noch lange warten“, knirschte der kalte Winter, "in diesem Jahr bleibe ich lange da!“
Und so war es denn auch.

Nacherzählt

10. Januar

Der Reiter auf dem Bodensee
Gustav Schwab

Der Reiter reitet durchs helle Tal;
Auf Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
er will noch heut an den Bodensee,
noch heut mit dem Pferd in den sichern Kahn,
will drüben landen vor Nacht noch an.

Auf schlimmem Weg, über Dorn und Stein,
er braust auf rüstgem Ross feldein.
Aus den Bergen heraus, ins ebene Land,
da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt;
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.
In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus;
Die Bäume gingen, die Felsen aus.

So flieget er hin eine Meil und zwei;
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei.
Es flattert das Wasserhuhn empor,
nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr.

Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
der ihm den rechten Pfad vertraut.
Fort geht’s wie auf Samt auf dem weichen Schnee,
wann rauscht das Wasser, wann glänzt der See?

Da bricht der Abend, der frühe herein;
Von Lichtern blinket ein ferner Schein.
Es hebt aus den Nebeln sich Baum an Baum,
und Hügel schließen den weiten Raum.

Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.
Und Hunde bellen empor am Pferd,
und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.

„Willkommen am Fenster, Mägdelein,
an den See, an den See, wie weit mag’s sein?“
Die Maid, sie staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn,
und deckt ihn die Rinde von Eis nicht zu,
ich spräch’, aus dem Nachen stiegest du.“

Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
„Dort hinten die Ebne, die ritt ich her!“
Da recket die Magd die Arm in die Höh:
„Herr Gott! So rittest du über den See.
An den Schlund, an die Tiefe bodenlos
hat gepocht des rasendes Hufes Stoß.
Und du wardst nicht die Speise der stummen Brut?
Der hungrigen Hecht’ in der kalten Flut?“

Sie rufet das Dorf herbei zu der Mär,
es stellten die Knaben sich um ihn her.
Die Mütter, die Greise, sie sammeln sich:
„Glückseliger Mann, ja segne du dich!
Herein, zum Ofen, zum dampfenden Tisch,
brich mit uns das Brot und iss vom Fisch!“

Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
er hat nur das erste Wort gehört.
Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
dicht hinter ihm grinst noch die grause Gefahr.
Es siehet sein Blick den grässlichen Schlund;
Sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.
Im Ohr ihm donnert’s wie krachend Eis,
wie die Well’ umrieselt ihn kalter Schweiß.
Da seufzt er, da sinkt er vom Ross herab,
da ward ihm am Ufer ein trocken Grab.

11. Januar

Chinakohl

ist ein ganz delikates Gemüse und sehr vielseitig zu verwenden. Seit 500 Jahren wird das Kohlgewächs schon im Norden Chinas angebaut. Chinakohl ist besonders gut verdaulich und verursacht keine Blähungen. Darum schmeckt er in Streifen geschnitten auch ganz wunderbar als knackiger Salat. Man kann die hellgrünen Blätter und weißen Stiele aber auch wie "normalen" Kohl zubereiten. Dazu werden sie ebenfalls klein geschnitten und in Butter gedünstet. Chinakohl ist schon nach etwa 6 bis 10 Minuten gar. Darauf muss man achten, sonst verkocht man ihn. Die großen Blätter sind auch gut für Kohlrouladen oder einen gefüllten Kohlkopf zu verwenden.
Außerdem ist Chinakohl eine ideale Nachfruchtpflanze, allerdings ist er etwas heikel in der Anzucht.
Ab Juli bis Anfang August werden die Samen im Beet an Ort und Stelle ausgesät, und die Pflänzchen später vereinzelt. Da Chinakohl sehr große Köpfe bildet, verlangt er einen Reihenabstand von 40 cm. In der Reihe wird er später auf einen Abstand von mindestens 30 bis 40 cm verzogen. Die ausgezogenen Pflänzchen sind durchaus noch zu verwenden, also auf ein gesondertes Beet zu pflanzen. Sie entwickeln sich allerdings etwas zögerlich. Chinakohl benötigt, genau wie Blumenkohl, einen guten Standort und durchlässige, eher kalkhaltige, mittelstark gedüngte Erde. Bei trockener Hitze schosst er leicht. Um gegen die Wurzelkrankheit Kohlhernie vorzubeugen, streuen wir bereits in die Saatrillen etwas Algenkalk.

12. Januar

Lirum-larum

Lirum-larum Löffelstiel,
unser Lieschen mag nicht viel
von den braunen Linsen.
Will viel lieber süßen Brei,
Braten, Nudeln, allerlei,
Butterbrot und Schinken.

Volksgut

13. Januar

Vielleicht eine wahre Geschichte 

Im Bauch einer schwangeren Frau waren einmal drei Embryos. Einer davon ist der kleine Gläubige, einer der kleine Zweifler und einer der kleine Skeptiker.  

Der kleine Zweifler fragt: Glaubt ihr eigentlich an ein Leben nach der Geburt?  

Der kleine Gläubige: Ja klar, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind für das, was uns erwartet.  

Der kleine Skeptiker: Blödsinn, das gibt's doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen ein Leben nach der Geburt? 

Der kleine Gläubige: Das weiß ich auch noch nicht so genau. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen. 

Der kleine Skeptiker: So ein Quatsch! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt, weil die Nabelschnur schon jetzt viel zu kurz ist.

Der kleine Gläubige: Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders. 

Der kleine Skeptiker: Es ist noch nie einer zurückgekommen von nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine einzige Quälerei, und dunkel.  

Der kleine Gläubige: Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.  

Der kleine Skeptiker: Mutter?! Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?  

Der kleine Gläubige: Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.  

Der kleine Skeptiker: Quatsch! Von einer Mutter habe ich ja noch nie was gemerkt, also gibt es sie auch nicht.  

Der kleine Gläubige: Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören, oder spüren wenn sie unsere Welt streichelt. Ich glaube auf jeden Fall, dass unser eigentliches Leben erst dann beginnt.  

???

14. Januar

Manchmal des Nachts,
wenn ich die Öfen schürte,
sah ich durchs Fenster,
nah und weltenfern,
so jäh, als ob mich eine
Hand berührte,
den nie vorher gesehenen
Stern.

Er sprang und zuckte grün
in kaltem Feuer -
so groß war nie ein Licht
und kein Planet.
Mein Blick war blind davon,
und ungeheuer erschrak
mein Herz und fand nicht
zum Gebet.

Hob dann die Lider ich,
war er verschwunden.
War es ein Zeichen?
War's ein Ruf des Herrn?
Ich frage nicht.
Doch hält mich tief
gebunden der nie vorher
gesehene Stern.

Carl Zuckmayer

15. Januar

Johann Philipp Palm
Erschossen für die Meinungsfreiheit – Weil Napoleon ein Exempel statuieren wollte

Er war einer der unglücklichsten Bürgerrechtler in der deutschen Geschichte, ein Widerständler wider Willen. Napoleon ließ ihn wegen einer Lappalie hinrichten, um ein Exempel zu statuieren; sein Tod war schrecklich, und dann bemächtigten sich auch noch die Nazis seines Andenkens. Mittlerweile ist das Bewusstsein gewachsen, wer dieser Mann wirklich war: ein kleiner Buchhändler, der an den Wert der veröffentlichten Wahrheit glaubte.

Im Jahr 1766 als Sohn eines Chirurgen und Steuereinnehmers in Schorndorf geboren, lernte Johann Philipp Palm bei seinem Bruder in Erlangen, der den Titel eines Hofbuchhändlers führte, das Geschäft mit der Literatur. In Nürnberg heiratete er die Tochter eines Buchhändlers und übernahm später den Laden seines Schwiegervaters. Mehrmals geriet er mit den Zensurbehörden in Konflikt; in Salzburg wurde er inhaftiert, weil er eine Broschüre vertrieben hatte, die Kritik an den Zuständen in den Salzburger Lehranstalten übte. Die österreichische Gesandtschaft in München beschwerte sich bei der bayerischen Regierung über eine ebenfalls von Palm verkaufte Novelle, die angeblich Schmähungen gegen eine österreichische Erzherzogin enthielt.
Ein Aufrührer oder Verschwörer gegen die bestehende Ordnung ist Palm jedoch nie gewesen. Er war ein Buchhändler wie viele andere, die ihren Beruf ernst nahmen und vom Nutzen einer breiten öffentlichen Meinungsbildung überzeugt waren. Deshalb musste er in dem aufgeheizten Klima nach den deutschen Niederlagen gegen Napoleon fast zwangsläufig in Konflikt mit der französischen Besatzungsherrschaft geraten.
"Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" hieß das Büchlein, das Palm 1806 - gerade erst waren die Preußen bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen worden - in sein Sortiment aufnahm. Eine Anklage gegen die französischen Besatzer, aber auch gegen den fehlenden Widerstandsgeist der deutschen Fürsten.
"Schauerliches Wehklagen" durchhalle "Germaniens sonst so glückliche Provinzen", hieß es in der Schrift. Die "Propheten beßrer Zeiten" wurden aufgefordert", statt blinder Hoffnungen uns die Mittel und Wege zu zeigen, auf denen der Muth bedrängter Deutscher sich wieder erheben und die manchfältigen Lasten, darunter wir erliegen, abwerfen solle".
Vor allem aber brandmarkte der unbekannte Verfasser Übergriffe der französischen Soldaten beim Einmarsch in Baden und Württemberg: "Fressen, Saufen, Raub und Weiberschänden waren Tagesordnung der französischen Armee." Napoleon war außer sich vor Wut. Hätte es freilich nicht ein paar übereifrige Polizisten in Augsburg gegeben, hätte er wohl nie etwas von dem Büchlein erfahren. Denn die Augsburger Polizei stellte einige Exemplare sicher und verhörte die betreffenden Buchhändler, die aussagten, die Broschüre aus Nürnberg bezogen zu haben.
Was man nun wieder an den Minister Montgelas in München weitergab, der den französischen Gesandten informierte. Der übermittelte die Nachricht an den Kriegsminister Berthier in Paris, und dieser ging direkt zu Napoleon. Am 8. August 1806 wies Napoleon den Minister Berthier an, die unbotmäßigen Buchhändler in Augsburg und Nürnberg zu verhaften: "Es ist mein Wille, dass sie vor ein Kriegsgericht gezogen und in 24 Stunden erschossen werden. Es ist kein gewöhnliches Verbrechen, wenn man in den Orten, wo sich die französischen Armeen befinden, Schmähschriften verbreitet, um die Einwohner gegen sie aufzuhetzen; es ist Hochverrat."
Palm wurde gewarnt, tauchte aber nur für ein paar Tage unter, wurde in Nürnberg von einem Spitzel entdeckt und nach Braunau am Inn gebracht, das von den Franzosen besetzt war. Vor dem Militärgericht leugnete er, Verleger und Autor der Flugschrift zu kennen. Einen Verteidiger hatte er nicht, man konnte ihm ja nur die Verbreitung der Schrift vorwerfen. Doch wie es Napoleon verlangt hatte, verurteilte ihn das Militärgericht gegen alles Recht zum Tod und ließ das Urteil in 600 Exemplaren in den Rathäusern aushängen. Vergeblich zog eine Frauendelegation aus Braunau in Trauerkleidern, begleitet von kleinen Kindern, zum Haus des französischen Gouverneurs. Vergeblich appellierte der katholische Braunauer Stadtpfarrer Thomas Pöschl beim Platzkommandanten an die Generosität der großen französischen Nation. Infanteristen und Kavalleristen führten Palm am 26. August 1806 unter Trommelschlägen und türkischer Militärmusik zur Exekution. Die ganze französische Garnison war auf dem Richtplatz angetreten, auf den Festungswällen standen Kanonen, um einen Aufruhr im Keim zu ersticken. Die sieben Obristen, die das Todesurteil gefällt hatten, waren sicherheitshalber abgereist.
Die ersten sechs Kugeln trafen schlecht; unter Protestrufen der deutschen Bevölkerung wälzte sich Palm in seinem Blut. Weitere Schüsse; der Delinquent war immer noch nicht tot. Viele Frauen weinten. Schließlich traten zwei Soldaten zu dem Sterbenden und schossen ihn aus nächster Nähe in den Kopf. Die französische Kommandantur hatte ein Begräbnis in ungeweihter Erde angeordnet; doch der Braunauer Totengräber setzte ihn auf dem Friedhof bei. Die übrigen Angeklagten wurden auf die Fürsprache des bayerischen Kurfürsten gerettet.
Palms Nachfahre, der 2004 verstorbene Schorndorfer Apotheker Johann-Philipp Palm stiftete im Jahr 2002 zusammen mit seiner Frau Maria den Johann-Philipp-Palm Preis für Meinungs- und Pressefreiheit. Heute verleiht die Palm-Stiftung Schorndorf alle zwei Jahre den "Johann-PhilippPalm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit", um das Andenken des Buchhändlers zu ehren. 2004 wurden der Journalist Sergeij Duvanov aus Kasachstan und die afghanische Frauenzeitschrift "Malalai" ausgezeichnet. Zwei Jahre zuvor hatten die tunesisehe Journalistin Sihem Bensedrine und der Leipziger Pfarrer Christian Führer den Preis erhalten.

16. Januar

Zögere nicht

Wenn Dein Verstand
etwas für unklug hält,
das Deine Seele
als richtig empfindet,
zögere nicht,
Deiner Seele zu folgen,
denn der Verstand leidet
unter naturbedingter Oberflächlichkeit,
während die Seele
gar nicht anders kann,
als in die Tiefe zu sehen.

Hans Kruppa

17. Januar

Kaffee

Er zählt in Deutschland zu den populärsten Getränken. Der Kaffeekonsum rangiert damit hierzulande noch vor dem des Biers. Dass Kaffee einen so hohen Grad an Beliebtheit erreicht hat, ist in gewisser Weise erstaunlich. Denn seit seiner Einführung in Europa im 16. Jahrhundert schlägt dem Bohnengetränk immer wieder großes Misstrauen entgegen. Insbesondere was seine Auswirkungen auf die Gesundheit betrifft.
So wurde bis vor gar nicht allzu langer Zeit vom Kaffee abgeraten, weil er dem Körper Flüssigkeit entziehe. Mit diesem Irrglauben hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nun aber aufgeräumt. Zwar hat Kaffee eine harntreibende Wirkung, vor allem bei Menschen, die ihn regelmäßig zu sich nehmen. Doch gleicht der Körper den Wasserverlust innerhalb kürzester Zeit wieder aus. Kaffee darf also inzwischen ganz offiziell zur täglichen Flüssigkeitsaufnahme hinzugezählt werden.
Wahrscheinlich gerade wegen der zahlreichen Gerüchte, die sich seit Jahrhunderten um die gesundheitlichen Wirkungen des Kaffeegenusses ranken, gehört das braune Heißgetränk mit zu den am besten erforschten Lebensmitteln. Jährlich erscheinen weltweit Hunderte neuer wissenschaftlicher Studien, die sich mit den verschiedensten gesundheitlichen Aspekten des Kaffees befassen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei jene Untersuchungen von Kaffeegenuss, die sich dem Typ-2-Diabetes widmen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, seltener an Typ-2-Diabetes erkranken. So kam eine niederländische Untersuchung aus dem Jahr 2002 mit mehr als 17.000 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass der Genuss von mindestens sieben Tassen Kaffee täglich das Diabetesrisiko halbiere.
Auch eine schwedische Studie von 2004 ergab eine Verringerung des Diabetesrisikos mit steigendem Kaffeekonsum. Weitere große Studien bestätigten diesen positiven Effekt des Kaffees. Noch nicht ganz geklärt ist allerdings, wodurch Kaffee diese Wirkung erzielt. Das Koffein selbst scheint aber wohl nicht die Hauptrolle zu spielen, denn der schützende Effekt wird auch durch entkoffeinierten Kaffee erreicht.
Solange die genauen Wirkmechanismen nicht bekannt sind, wäre es deshalb sicherlich verfrüht, Kaffee als Mittel zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes ausdrücklich zu empfehlen. Andererseits zeigen die wissenschaftlichen Ergebnisse aber eindeutig, dass es falsch wäre, Menschen – auch Diabetikern – weiterhin vom Kaffeetrinken abzuraten.

18. Januar

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz

19. Januar

Der Test einer Schwiegermutter

Eines Tages hatte eine Mutter die Idee, zu testen, ob ihre Schwiegersöhne sie lieben oder ihr zumindest etwas Aufmerksamkeit entgegen bringen würden.
Am nächsten Tag ging sie mit ihrem ersten Schwiegersohn am Ufer eines Flusses spazieren, als sie sich ins Wasser fallen ließ. Sie drohte zu ertrinken.

Ohne zu Zögern sprang ihr Schwiegersohn hinterher und rettete sie.

Am nächsten Morgen stand vor seinem Haus ein Peugeot 206, niegelnagelneu, mit folgendem Hinweis auf der Windschutzscheibe:

Vielen Dank! Von Deiner Schwiegermutter, die dich sehr lieb hat!!!

Am nächsten Tag versuchte sie diese Prüfung mit ihrem zweiten Schwiegersohn.

Auch er sprang ins Wasser und rettete Sie.

Am nächsten Morgen stand auch vor seinem Haus ein Peugeot 206, niegelnagelneu, mit derselben Mitteilung auf der Windschutzscheibe:

Vielen Dank! Von Deiner Schwiegermutter, die dich sehr lieb hat!!!

Das selbe Szenario mit ihrem dritten Schwiegersohn. Sie stolpert, fällt ins Wasser und droht zu ertrinken.

Während sie langsam aber sicher im Wasser versinkt, starrt er auf sie und denkt sich: "Es wird auch Zeit, dass diese alte Hexe stirbt!"

Am nächsten Morgen steht vor seinem Haus ein Porsche Carrera GT, niegelnagelneu,
mit folgender Nachricht auf der Windschutzscheibe:

Vielen Dank!
Dein Schwiegervater.

20. Januar

Lachender Tag

Im Sonnenlicht, da fühlt mein Herz,
was sonst ganz tief verborgen.
Es jubelt, spürt dann ohne Schmerz,
dass Gott mich wird versorgen.

Die Wärme flutet Blut und Geist,
entzündet die Gedanken,
erquickt die Seele, spornt den Fleiß
und öffnet alle Schranken.

Die Strahlen streicheln mein Gesicht
ganz herzlich und sehr sachte.
Vergessen werde ich es nicht,
dass dieser Tag so lachte!

Sil Towi 6. März 2005

http://www.siltowi.de

21. Januar

Dalai Lama

Eigentlich ist Dalai Lama ein Titel. Der Name bedeutet übersetzt etwa Ozean des Wissens. Diesen Titel geben die Tibeter ihrem Oberhaupt. Für die tibetischen Buddhisten ist der Dalai Lama ein ganz besonderer Mensch, ein Erleuchteter. Die Tibeter glauben, dass ein Dalai Lama nach seinem Tod in einem Kind wiedergeboren wird. Der jetzige gilt als die 14. Wiedergeburt des ersten Erleuchteten. Der heutige Dalai Lama kam vor 72 Jahren in einem tibetischen Dorf zur Welt. Damals hieß er Lhamo Thondup. Mit nicht mal fünf Jahren wurde er zum tibetischen Oberhaupt erkoren und musste Mönch werden. Er bekam auch einen neuen Namen. Heute heißt er: Seine Heiligkeit Gzong Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama.
Viele Leute, auch außerhalb von Tibet verehren ihn. Er reist herum und ruft zum Frieden auf. In seine Heimat darf er aber nicht, er lebt in Dharamsala in Indien. Chinas Regierung hat in Tibet vor vielen Jahren die Macht übernommen, deshalb musste der Dalai Lama fliehen. Nun versucht er, aus dem Ausland sein Volk zu unterstützen. Dieses will nicht länger unter der Herrschaft der Chinesen leben. Doch die chinesische Regierung gibt nicht nach.

22. Januar

Lebensweg

Ich bin durchs Leben auf dich zugegangen,
so fest und klar, wie übers grüne Land.
Die Taube flog, die lange eingefangen
und doch den Weg zum Himmel fand. –
Und denke ich an Sturm und Streit und Streben,
an meiner Jugend Wandern dort und hier,
so ist mir oft: Es war mein ganzes Leben
ein stiller, unbeirrter Weg zu dir.

Börries von Münchhausen
1874-1945

23. Januar

 

 

Kakteen

Im Laufe der Evolution passten sich die „Sukkulenten“ an das Leben in Wüsten, Halbwüsten und Trockensteppen an. Alle können über sehr lange Zeit Wasser in ihren Zellen speichern und so Monate der Trockenheit überdauern.

Die Kakteengewächse mit ihren rund 2.000 bis 3.000 Arten gelten mit einem Alter von wenigen Millionen Jahren als relativ junge Pflanzen.

Kakteen sind nicht nur Zier-, sondern auch Nutzpflanzen. Sie dienen neben der Verwendung als Nahrungsmittel (Marmelade, Obst, Gemüse) vor allem als Wirtspflanzen für die Cochenille-Laus, aus der roter Farbstoff für Getränke oder qualitativ hochwertige Lippenstifte gewonnen wird. Besonders in Südamerika liefern abgestorbene Säulenkakteen wertvolles Bauholz. Auch für die pharmazeutische Industrie haben einige Kakteen Bedeutung.

 

24. Januar

 

 

 

 

Exemplarisches

 

Ein schwarzer Kater macht die Runde
durch sein gewohntes Jagdrevier.
Tagtäglich um die Mittagsstunde
kommt er behutsam auch zu mir.

Die Mäuse haben sich verschloffen,
an jungen Vögeln mangelt’s auch.
Drum richtet sich sein stilles Hoffen
auf den Kompost beim Holderstrauch.

Und in der Tat, hier gibt’s aus Gräten
von einem längst verstorb’nen Fisch,
aus knöchernen Antiquitäten
und Knackwursthäuten ein Gemisch.

Er packt mit Zähnen und mit Krallen,
verleibt sich’s ein und wird gestärkt.
„Kein Wesen kann zu nichts zerfallen“.
Hat Goethe richtig schon bemerkt.

Entnimm denn diesem Sachverhalt
den Wink, verehrtes Publikum:
Wer leben bleiben will, der schalte
sich zeitig auf’s Gegeb’ne um!

Dr. Owlglass

25. Januar

Der Katzenkönig

Die Frau des Totengräbers saß am Ofen und wartete auf ihren Mann. Neben ihr hockte ein großer schwarzer Kater, der alte Tom. Plötzlich kam der Totengräber hereingestürzt und rief ganz aufgeregt: "Wer ist Tom Tildrum!" Beide, seine Frau und der 'Kater, starrten ihn an. "Was regst du dich denn so auf!" sagte endlich die Frau. "Und warum willst du denn wissen, wer Tom Tildrum ist!"
"Oje, ich habe ein tolles Abenteuer erlebt. Ich war gerade dabei, ein Grab zu schaufeln, und muss wohl dabei eingeschlafen sein. Jedenfalls wachte ich erst durch das Jaulen einer Katze auf."
"Miau", machte der alte Tom am Ofen.
"Ja, genauso war's. Und was glaubst du, was ich sah! Denke dir nur, neun schwarze Katzen. Alle sahen so aus wie unser Tom. Und was glaubst du, was sie trugen! Einen kleinen Sarg, und darauf lag eine kleine Krone ganz aus Gold; und bei jedem dritten Schritt riefen alle ‚miau’."
Der Totengräber erzählte weiter: "Dann gingen alle auf mich zu. Acht trugen den kleinen Sarg, und die neunte, die größte unter ihnen, schritt würdig voran. - Aber sieh nur unseren Tom, wie er mich anstarrt! Man könnte denken, er verstünde alles, was ich sage."
"Nur weiter, weiter", sagte seine Frau.
"Also ich erzählte gerade, sie kamen langsam und feierlich auf mich zu und riefen bei jedem dritten Schritt ‚miau, miau’."
"Miau", schrie der alte Tom wieder.
Der Totengräber sah den Tom erschreckt an, dann aber fuhr er fort:
"Denke dir, sie stellten sich vor mir auf und starrten mich an. Aber sieh nur den Tom; er starrt mich genauso an wie sie."
"Weiter, nur weiter", unterbrach ihn seine Frau.
"Wo war ich denn! Ach ja, sie standen alle und starrten mich an. Dann kam die größte von ihnen auf mich zu, sah mir ins Gesicht und sagte mit quiekender Stimme: ‚Sage Tom Tildrum, dass Tim Toldrum tot ist.’ Deshalb frage ich dich, ob du weißt, wer Tom Tildrum ist! Denn wie kann ich Tom Tildrum sagen, dass Tim Toldrum tot ist!"
"Sieh nur den alten Tom!", schrie da seine Frau, denn Tom blähte sich auf, machte einen stattlichen Katzenbuckel und kreischte: "Was? Der alte Tim ist tot? Dann bin ich hinfort der Katzenkönig!" Mit diesen Worten sauste er durch das Ofenrohr in die Höhe und ward nie mehr gesehen.

Überliefert

26. Januar

Mauskätzchen

Mauskätzchen, wo bleibst du?
Mauskätzchen, was treibst du?
In unserem Häuschen
sind schrecklich viel Mäuschen.
Sie pfeifen und rappeln,
sie trippeln und trappeln,
in Kisten und Schränken,
auf Tischen und Bänken;
sie stehlen und naschen,
und will man sie haschen:
Wupp! Sind sie fort!

Hoffmann von Fallersleben

27. Januar

Der Leitz-Ordner

Der Leitz-Ordner ist das Symbol des Ordnungssinnes schlechthin, und so wird sich niemand ernsthaft darüber wundern, dass er eine schwäbische Erfindung ist. Sein Erfinder Louis Leitz, der Wegbereiter der modernen Büroorganisation, stammt aus einem Dorf bei Ludwigsburg.

In dem heißen Sommer 1846 starben im Oberamtsbezirk Besigheim 130 Kinder an den Gichtern, einer Kinderkrankheit, die Krämpfe auslöst. Der kleine Johann Ludwig Leitz war offenbar von robuster Natur, hätte er doch sonst vermutlich das erste Lebensjahr gar nicht überlebt. Geboren wurde er am 2. Mai 1846 in Großingersheim (heute Kreis Ludwigsburg), das in diesem Bezirk lag und wo zur selben Zeit eine Typhusepidemie wütete.
Louis Leitz - der damaligen Mode entsprechend hatte er seinen vom Vater ererbten Vornamen ins Französische gewandelt - gehörte zur ersten Schülergeneration des evangelischen 1500-Seelen- Dorfes, die einen erweiterten Unterricht genoss. Hatten sich die Fächer bis um das Jahr 1850 auf Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Sitten, Reinlichkeit und Memorieren beschränkt, so standen von da an auch Naturkunde, Erdbeschreibung und Geschichte zumindest in ihren Anfangsgründen auf dem Stundenplan.
Somit war zwei Jahre vor Louis Leitz' Einschulung ein wichtiger Schritt für eine verbesserte Schulbildung getan, die den Blick über den eigenen Kirchturm-Horizont erweiterte. Vielleicht war dies mit ein Grund für seine spätere Karriere. Unterrichtet wurden die knapp 300 Schüler in der Elementar-, Mittel- und Oberklasse von einem Lehrer, einem Unterlehrer und einem Schulgehilfen.
Im April 1858 starb Mutter Friederike Leitz, zwei Jahre später auch der Vater, der sein Geld als Küfer verdient hatte. Die anlässlich des Todes gefertigten Inventuren und Teilungen sowie die Pflegschaftsrechnungen zeigen, dass die Familie in gesicherten Verhältnissen gelebt hatte.
Vermutlich bereits im Todesjahr seines Vaters begann der 14-jährige Louis Leitz eine Lehre als Dreher, in mehreren biografischen Abhandlungen über Leitz ist fälschlicherweise von einer Drechslerausbildung die Rede. Rechnungen des Pflegers, der nach dem Tod der Mutter für ihn bestellt wurde, zeigen, dass er seine Ausbildung 1861/62 in Neuenstadt absolviert haben muss.
Nach seiner Ausbildung und einigen Jahren Berufstätigkeit als Dreher und Mechaniker gründete Louis Leitz 1871 unmittelbar nach der deutschen Reichsgründung, die den Anbruch einer neuen Wirtschaftsepoche markiert, mit einem Kompagnon namens Heinrich (Vorname nicht überliefert) in einem Souterrain in der Kasernenstraße in Stuttgart-Feuerbach eine "Mechanische Werkstatt und Fakturabücherei". Als dann sein Kompagnon nach nur einem Jahr wieder aus dem Unternehmen ausstieg, führte es Leitz mit Unterstützung seines jüngsten Bruders Jakob und einem seiner Arbeiter weiter.
Mit unternehmerischem Weitblick und Innovationsfreude hatte Louis Leitz erkannt, dass mit fortschreitender Industrialisierung und sich wandelnden Bürokratiestrukturen das Schriftgut stetig zunehmen und die Papiermengen in den Kontoren immens anwachsen sollten. Für die Berge von Loseblatt-Ansammlungen galt es, Ordnungssysteme zu schaffen, die ein effizientes Ordnen und Verwalten ermöglichten.
Überall waren die neuartigen Spießordner mit federgespanntem Schnappverschluss auf Nägeln bekannt.
Die Entwicklung der Hebelmechanik im Jahre 1893, bei der ein Hebel fest geschlossen und arretiert werden konnte, ging als „großer Wurf“ in die Firmengeschichte ein.
„Die erste Hebelmechanik mit Umlegebügel in Gleitführung“, eingenietet in einen Bucheinband, war die Geburtsstunde des Leitz-Ordners, der Einzug in Kontore, Privathaushalte und Schulen hielt.
Der 1903/04 patentierte Excenterverschluss entspricht der noch heute gängigen Form der Mechanik. Das Griffloch wurde 1911 eingeführt, seitdem erscheint auch der bekannte Schriftzug „Leitz“ auf dem Ordnerrücken.

28. Januar

Erster Schreibunterricht

Schreiben willst lernen? Ei, Kindchen, komm her.
Wir lernen das bald, es ist gar nicht schwer!
Nimm Brüderchens Tafel dort von der Bank.
Tauch das Schwämmchen ins Wasser und putze sie blank!
Ist der Schieferstift wohl auch richtig gespitzt?
Nun komm hierher, wo Mutterchen sitzt!
Ich schreibe dir vor, gib nur hübsch acht,
zieh die Striche nach, die ich vorgemacht:

Rauf – runter – rauf!
Tüpfelchen drauf!

Das ist ein „i“ – schau nur, wie grad!
Das kann sich schon zeigen, mit dem machst du Staat.

Nun noch eins – ein drittes – ein viertes, ei,
hübsch wie die Soldaten in einer Reih’!
Fallen nach rechts nicht und nicht nach links,
siehst du wohl, Liebling – noch eins! So ging`s.

Rauf – runter – rauf!
Tüpfelchen drauf!

Nun kannst du das „i „ schon – vielleicht dazu
lernen wir morgen das „a“ und das „au“.
Und bist du recht eifrig und gibst hübsch acht,
so lernst du das Schreiben, eh’ man’s gedacht,
und schreibst einen Brief an die Großmutter dann,
die wundert sich, was das Enkelchen kann.

Hermann Kaulbach

29. Januar

Nach der Schulstunde

„Eins, zwei drei, die Schule ist vorbei!“, trällert der Blondkopf vor sich hin und springt eilig heimwärts. Da warten vor dem Hause schon die beiden Kleinen, Mini und Tini, auf den großen Bruder; der aber stürmt an ihnen vorbei und läuft durch den Hausflur in die Küche, wo ein riesiges Butterbrot auf dem Tisch liegt. O, ist das groß und dick! Das hat die liebe Mutter selbst zurechtgemacht für ihren Ältesten, dessen hungrigen Magen sie kennt. So hat er’s gern, da braucht man die gehörige Zeit zum Aufessen und ist nicht so schnell damit fertig, wie mit den Butterbroten, welche die Großmutter streicht. Die sagt immer: „Der Bub darf sich den Magen nicht so ausweiten, sonst wird er im Leben nimmer satt!“ oder: „Du denkst wohl, dein Magen ist eine Scheune, in die man ein paar Fuder einfahren kann!“
Ach was weiß die Großmutter vom rechtschaffenen Hunger eines wilden Buben! Solche Brotschnitte mit brauner Kruste und frischer Butter, die Mutter selbst geschlagen hat, ei, das schmeckt! Da vergisst er den Schulranzen abzulegen und duldet’s, dass die Kleinen auf den Stuhl klettern und darin herumwühlen. Die ganze Weisheit auf dem Rücken ist im Augenblick höchst gleichgültig. Mag Tini noch ein paar Eselsohren mehr in Schreib- und Rechenbücher machen, Mini ihre Künste auf der Schiefertafel versuchen, ihm ist’s einerlei. Jetzt wirft Tini ein Buch nach dem andern auf die Erde, lass sie fallen – und Mini sagt: „Mach, dass du mit dem Butterbrot fertig wirst, du musst Schularbeiten machen!“ Lass sie reden, die dumme Kleine! – Noch ein bissen – so, nun hat die liebe Seele Ruh’; auch das dickste Butterbrot nimmt unter scharfen Zähnen bald ein Ende. Jetzt ist Friedl satt. Wirklich? Was nun zuerst vornehmen? Gleich die Schularbeiten machen oder sich zuvor noch ein paar Zwetschgen vom Baum schütteln? Schnell wirft er den Ranzen ab, der ist so leicht. Er dreht sich um, da liegt der ganze Inhalt wie Kraut und Rüben auf der Erde. „Na wartet, ihr unnütziges Volk!“, ruft er drohend und hascht nach den Röckchen der beiden Kleinen, die schnell davonlaufen. Er jagt hinter ihnen her; warum soll er nicht auch erst noch ein Weilchen in den Garten? –
Nach einer Stunde etwa kommt unser Friedl wieder ins Haus zurück. Er hat sich heiß getollt mit den Schwestern und noch ein gut Teil gegessen von den reifen süßen Zwetschgen; jetzt sollen aber die Schularbeiten recht sauber und gut gemacht werden, damit ihn der Lehrer einmal wieder loben kann. Sein Gewissen ist nämlich nicht ganz leicht, wenn er an die Zensur für das Sommerhalbjahr denkt.
Aber was ist das? Die Katzenfamilie hat sich über seine Bücher gemacht, die noch an der Erde liegen; Mutter Miez kratzt grade am Schreibheft herum und eins ihrer Kleinen leckt mit spitzem Zünglein die Ziffern von der Schiefertafel fort, während das andere mit dem Schwamm Ball spielt.
Friedl, Friedl, was wird morgen der Herr Lehrer sagen?

Hermann Kaulbach

30. Januar

O wie ist es kalt geworden
Und so traurig öd und leer!
Raue Winde weh’n von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen
möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang!

Schöner Frühling, Komm doch wieder!
Lieber Frühling, komm doch bald!
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald!

Hoffmann von Fallersleben

31. Januar

Unsere Zimmerpflanzen im Winter

Es ist nicht nur der Lichtmangel, der unseren Zimmerpflanzen jetzt zu schaffen macht, auch die trockene Luft unserer zentralbeheizten Räume ist den meisten absolut nicht zuträglich. Deshalb sind die in vielen Veröffentlichungen zu lesenden Hinweise, dass im Winter Zimmerpflanzen zur wenig gegossen werden dürften, meist ein sicheres Todesurteil. Der Hinweis hat nur dann seine Berechtigung, wenn die Pflanzen kühl stehen oder, wie es bei der Birkenfeige öfter passiert, keine Blätter mehr haben. Trotzdem dürfen auch solche Pflanzen nicht völlig austrocknen.

Um Zimmerpflanzen schadlos durch den Winter zu bringen, müssen wir sehr sorgfältig gießen. Das ist wichtig. Es muss also regelmäßig die Erde geprüft werden, ob sie noch feucht genug, oder eine Wassergabe erforderlich ist. Zuviel des Guten kann genauso gefährlich werden wie Wassermangel. Das passiert, wenn sie in Übertöpfen stehen und immer lustig Wasser gegeben wird, egal ob es nötig ist oder nicht. Wasser in den Übertöpfen oder Untersetzern kann tödlich sein. Die Wurzeln faulen und können weder Wasser noch Nahrung aufnehmen. Die Blätter welken genauso wie bei Trockenheit, und dadurch wird oft der Fehler gemacht, immer mehr zu gießen. Es ist darum im Winter sehr wichtig, die Zimmerpflanzen ganz sorgfältig zu beobachten und zu pflegen.

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