Juli 2007
Zeit mit Rosen
Ich würde die Zeit mit Rosen
zudecken,
damit sie sich nicht erinnert,
eine Rose - anders - mit seltsamem Zauber
über jede einsame Stunde
aus Gold oder Schatten -
linderndes Vergessen für traurige Erinnerungen,
die wie göttliche Kletterrosen,
dunkelrote, weiße,
der Vergangenheit keinen Platz lassen.
Juan Ramon Jimenez - Spanischer Poet (1881-1958)




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Wie die Monate zuvor, ist auch der Juni den Rosen gewidmet und die Königin der Blumen wird uns das ganze Jahr hindurch begleiten.
Der Juli
Still ruht die Stadt. es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die künftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.
Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und singen die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht,
durch den Schluss des Gedichts
wie in alten Zeiten gen Süden.
(Erich Kästner)
Roter Fingerhut
Online wurde die Giftpflanze des Jahres gewählt, der Rote Fingerhut.
Bei der Internet-Abstimmung des Botanischen Sondergartens Hamburg-Wandsbek standen noch Goldregen, Maiglöckchen und Engelstrompete zur Auswahl. Der Rote Fingerhut wissenschaftlich Digitalis purpurea, gehört zu den besonders giftigen heimischen Pflanzen. Schon der Verzehr von zwei bis drei Blättern kann für einen Menschen tödlich sein. Andererseits sind die in allen Pflanzenteilen enthaltenen Glykoside hochwirksame Arzneimittel.Digitalis ist heute wohl das bekannteste Herzmittel überhaupt. In der richtigen Dosierung stärkt es den Herzmuskel und reguliert die Herzfrequenz. Für die Digitalis-Gewinnung wird inzwischen allerdings nicht mehr der Rote Fingerhut angebaut, sondern der aus Südosteuropa stammende Wollige Fingerhut (Digitalis lanate), dessen Blätter einen wesentlich höheren Wirkstoffgehalt haben. Die Heilwirkung des Fingerhuts wurde erst vergleichsweise spät entdeckt. Den Namen Digitalis verwendete erstmals der deutsche Botaniker Leonhard Fuchs – nach dem die beliebte Fuchsie benannt ist – in seinem „New Kreuterbuch“ von 1542. Namensgeber waren die Digitales, die metallenen Fingerhüte der Schneider.
In der Volksmedizin wurden Fingerhutblätter ab dem 12. Jahrhundert äußerlich gegen Geschwüre und zur Wundheilung eingesetzt. Erst um 1775 aber entdeckte der britische Arzt WilliamWithering auf der Suche nach einem Medikament gegen Wassersucht die Herzwirksamkeit von Fingerhut-Auszügen. Wegen des nur geringen Unterschieds zwischen einer heilsamen und einer giftigen Digitalis-Menge musste Withering sich in unzähligen Versuchen an die richtige Dosis herantasten. Er schuf damit eine der zentralen methodischen Grundlagen der modernen Arzeimittelkunde.
Der Rote Fingerhut ist ein typischer West- und Mitteleuropäer, außerdem findet man ihn in Teilen Nordafrikas und auf Madeira. In Nord- und Südamerika wurde er eingeschleppt. In Deutschland ist der Rote Fingerhut weit verbreitet, stößt aber bereits an die Ostgrenze seines geschlossenen Verbreitungsgebietes. Unter anderem auf der Schwäbischen Alb, der Frankenalb und im Bayerischen Wald wird er weitgehend vom Großblütigen Fingerhut ersetzt. Innerhalb der letzten hundert Jahre hat Digitalis purpurea bei uns manche Regionen neu erobert, teils wohl auch durch Aussaat der attraktiven Pflanze. Daneben haben der verstärkte Nadelholzanbau und die Kahlschlagbewirtschaftung den Roten Fingerhut gefördert. Zusammen mit Arten wie dem Weidenröschen bildet der Rote Fingerhut die typischen Schlagfluren an Waldrändern, an Waldwegen und auf Lichtungen. Bevorzugt werden kalkarme, leichte saure Böden.
Fingerhut ist eine zweijährige Pflanze, die im ersten Lebensjahr zunächst lediglich eine große Blattrosette ausbildet. Im zweiten Jahr wächst daraus ein ein- bis anderthalb Meter hoher Stängel hervor, an dem sich von Juni bis August zahlreiche purpurrote, manchmal auch weiße Blüten zeigen. Auch im Garten macht der Rote Fingerhut in sommerlichen Staudenrabatten im Halbschatten eine gute Figur. Er passt zu anderen Wildstauden ebenso gut wie zu Farnen und an Gehölzränder. Außerdem kann man den Fingerhut dank seiner nähr- und mineralstoffreichen Blätter gut als Gründüner verwenden. Vor allem Obstbäume, Tomaten, Kartoffeln und Rhododendren profitieren davon. Fingerhut stärkt zudem die Abwehrkräfte gegen Stachelbeermehltau und gegen die Rostkrankheit der Malven. Einmal im Garten eingebracht, säht sich der Fingerhut in den Folgejahren dank seiner kleinen, vom Wind verbreiteten Samen meist selbst aus.
Es gibt so Schönes in der Welt,
daran du nie dich satt erquickst
und das dir immer Treue hält
und das du immer neu erblickst:
Der Blick von einer Alpe Grat,
am grünen Meer ein stiller Pfad,
ein Bach, der über Felsen springt,
ein Vogel, der im Dunkel singt,
ein Kind, das noch im Träume lacht,
ein Sterneglanz der Winternacht,
ein Abendrot im klaren See
bekränzt von Alm und Firneschnee,
ein Lied am Straßenzaun erlauscht,
ein Gruß mit Wanderern getauscht,
ein Denken an die Kinderzeit,
ein immer waches, zartes Leid,
das nächtelang mit feinem Schmerz
dir weitet das verengte Herz
und über Sternen schön und bleich
dir baut ein fernes Heimwehreich.Hermann Hesse (1877-1962)
Weisheiten des Lebens
Fürchte dich nicht, denn die meisten Dinge vor denen man sich fürchtet treten niemals ein.
Trage niemals Groll mit dir herum, denn Groll ist die schwerste aller Bürden des Lebens.
Behandle alle Probleme, die auf dich zukommen so wie sie sind. Du kannst jeweils nur eines nach dem anderen angehen.
Nimm niemals Probleme mit ins Bett, denn sie besorgen dir schlechte Bettgesellen.
Mach nicht die Probleme von anderen zu deinen. Sie können ohnehin damit viel besser umgehen als du.
Sorge dich nicht um die vergangenen Tage, ob Gut oder Schlecht, sie kommen nicht wieder. Konzentriere dich auf das, was heute ist, und sei jetzt glücklich!
Sei ein guter Zuhörer, denn nur wenn du zuhörst, bekommst du Ideen die sich von deinen unterscheiden.
Bleib niemals in Frustration stecken, denn über 90% kommt von Selbstmitleid und behindert positives Handeln.
Zähle jeden Tag dein Glück auf und übersieh niemals auch nur das kleinste bisschen, denn die kleinen addieren sich zu einem ganz Großen.
Fragen
Was ist Gewinn?
Mit Guten streben.Was ist Verdruss?
Mit Dummen leben.Was ist Verlust?
Gelegenheit verpassen.Was Tüchtigkeit?
Von Recht und Pflicht nicht lassen.Wer ist ein Held?
Der seinen Sinn besiegt.Wer die Geliebteste?
Die, treu, uns nie betrügt.Was Herrschermacht?
Befehle schnell vollzogen wissen.Was Reichtum denn?
Was lernen und was wissen.Aus dem Indischen
Eine nachdenkliche Geschichte
Andi schaute kurz noch einmal auf das Tachometer, bevor er langsamer wurde: 79 innerhalb einer Ortschaft. Das vierte Mal in 4 Monaten.
Wie konnte ein Typ denn so oft erwischt werden? Als er sein Auto auf 10 km/h abbremste, fuhr Andi rechts ran.Der Polizist, der ihn angehalten hatte, stieg aus seinem Auto aus. Mit einem dicken Notizbuch in der Hand. Christian?
Christian aus der Kirche? Andi sank tiefer in seinen Sitz.Das war nun schlimmer als der Strafzettel. Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. Einen Typen, der etwas
angespannt war, nach einem langen Tag im Büro. Einen Typen, der morgen Golf spielen wollte.
Als er aus seinem Auto sprang, erblickte er den Polizisten, den er jeden Sonntag in der Kirche sah.
Er hatte erst nur den Mann in Uniform gesehen."Hi Christian. Komisch, dass wir uns so wieder sehen!"
"Hallo Andi." Kein Lächeln.
"Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen."
"Ja, so ist das." Christian, der Polizist schien unsicher zu sein.
"Ich bin in den letzten Tagen erst sehr spät aus dem Büro gekommen. Ich denke auch, dass ich die Verkehrsregeln nun mehr als einmal gebrochen habe." Andi war nervös und ungeduldig.
"Verstehst du, was ich meine ?""Ich weiß, was du meinst. Ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast."
Aua. Dies geht in die falsche Richtung. Zeit die Taktik zu ändern. "Bei wieviel hast du mich erwischt?"
"Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?"
"Ach Christian, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort auf den Tacho geschaut, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf 65 km/h
geschätzt!" Andi konnte mit jedem Strafzettel besser lügen."Bitte Andi, setz dich wieder in dein Auto."
Genervt quetschte Andi sich durch die noch immer offene Türe. Ein Knall und die Tür war zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett. Christian war fleißig am schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte Christian nicht Führerschein und Papiere sehen? Was auch immer der Grund war, es würden einige Sonntage vergehen, bis er sich in der Kirche wieder neben diesen Polizisten setzen würde.
Christian klopfte an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Andi öffnete das Fenster, maximal 5 cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Christian gab ihm den Zettel durch.
"Danke." Andi konnte die Enttäuschung nicht aus seiner Stimme halten. Christian setzte sich wieder ins Auto ohne ein Wort zu verlieren. Andi wartete und schaute durch seinen Spiegel zu. Dann faltete er den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten?Hej! Warte mal! War das ein Witz? Dies war kein Strafzettel!
Andi las:
"Lieber Andi, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten, der Typ ist zu schnell gefahren. Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben. Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausendmal habe ich versucht diesem Mann zu vergeben. Tausendmal habe ich gedacht, ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich. Und sei bitte vorsichtig, Andi. Mein Sohn ist alles was ich noch habe. Gruß Christian"Andi drehte sich um und sah Christians Auto wegfahren. Er fuhr die Straße wieder runter. Andi schaute bis er nicht mehr zu sehen war. Erst ganze 15 Minuten später fuhr er langsam nach Hause. Er betete um Verzeihung und zu Hause angekommen nahm er seine überraschte Frau und Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest.
Aufruf an die Senioren
Ihr sollt nicht immer von Krankheiten reden,
denn irgendwas plagt im Alter doch jeden:
ein bisschen Rheuma, ein schlechtes Gehör,
verschlissene Knochen, das Gehen fällt schwer,
der Kreislauf ist träge, schlechter das Sehn,
die Zähne sind locker, bevor sie ganz von uns gehen;
das Gedächtnis hat Lücken, man sucht oft vergebens
nach bestimmten Dingen des vergangenen Lebens,
das Blut hat Zucker, die Haare sind grau
die Galle macht Sprünge, der Magen ist flau,
der Mastdarm ist müde, der Bauch kugelrund,
die Taille hat Ringe, der Hintern ist wund,
doch eins allein ist jetzt für Euch richtig:
nehmt alles gelassen, nehmt nichts mehr so wichtig,
dann lacht über allem wieder die Sonne,
Ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.
In den Stadtpark könnt Ihr später noch gehen,
jetzt solltet Ihr Euch in der Welt umsehn,
fahrt ins Gebirge, fahrt an die See,
genießt die Wärme, seid froh im Schnee.
Jetzt treibt Euch niemand, jetzt habt Ihr Zeit,
die Welt ist doch schön und so herrlich weit.
Jetzt zu verreisen ist gar kein Problem,
Ihr weicht dem Stau aus, Ihr fahrt ganz bequem.
Ihr müsst jetzt leben, zusammen verreisen,
zusammen ausgehen und herrlich speisen.
Trinkt einen Fruchtsaft, ein Bier oder Wein –
und lasst Euch nicht stören beim Fröhlichsein.
Seid glücklich zusammen und ganz ungezwungen,
denn wenn Euch das so richtig gelungen,
dann lacht Euch das Leben, lacht Euch die Sonne,
Ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.
Ihr sollt Geist und Glieder bewegen
und nicht in den Schoß die Hände legen.
Schwimmen und Wandern, Gymnastik und Tanz
verleiht auch Euren Tagen noch Glanz.
Der Geist sei beweglich und nie in Ruh,
das hält euch fit und Ihr lernt noch dazu.
Seid Ihr zusammen ein älteres Paar,
seid dankbar dafür, es ist wunderbar.
Nehmt in den Arm Euch, gebt Euch ’nen Kuss,
das ist auch im Alter noch stets ein Genuss.
Tut Euch zusammen, wenn Ihr allein,
die Einsamkeit, die kann schrecklich sein.
Gebt Wärme Euch stets und Gemütlichkeit
und immer wieder auch Zärtlichkeit, -
es gibt doch nichts Schöneres unter der Sonne
Ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.
Ihr sollt nicht mit Eurer Rente sparen,
Ihr habt sie erworben in vielen Jahren.
Nehmt Euer Geld und genießt das Leben –
Ihr müsst nicht alles den Nachkommen geben.
Ihr habt nach dem Krieg mit Null angefangen,
so ist es den Jungen niemals ergangen:
und stets ins gemachte Bett sich zu legen,
gereichte noch niemanden wirklich zum Segen.
Haut auf die Pauke, macht es Euch schön,
und seht nicht wie schnell die Tage vergehen.
Selbst wenn Euch auch jetzt mal etwas bedrückt:
bejaht das Leben und seid entzückt.
Jetzt ist es bestimmt noch längst nicht zu spät,
doch die Zeit, die kommt, wo dann nichts mehr geht.
Jetzt aber lacht über Euch noch die Sonne,
Ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.???
Ich möchte mich in Zukunft, nicht länger als 15 Sekunden ärgern.
Wenn du dich über das Verhalten einer anderen Person ärgerst, dann hat das immer etwas mit deinem Programm zu tun und nicht mit dieser Person.
Zum Beispiel, wenn in einem Café eine Person allein am Nebentisch, ohne ersichtlichen Grund, laut und herzlich lacht und dich das stört, ‘weil man das doch nicht darf’, dann ist es wieder dein Programm und nicht ihr Verhalten, was deinen Zorn auslöst.
Wenn ich mich länger als 15 Sekunden über etwas ärgere, hat das immer mit meinen unerledigten Geschäften zu tun. Deshalb sollten wir uns nur 15 Sekunden zugestehen, bis wir merken, dass es unsere eigenen Einstellungen, Erwartungshaltungen und Programme sind, die den eigentlichen Ärger auslösen, nicht unser angeblich ‘blödes’ Verhalten, nicht das angeblich furchtbare Verhalten eines anderen Menschen.
Nicht die sogenannte objektive Realität.Falls du glaubst, 15 Sekunden seien zu wenig, beginne doch einfach mit 2 oder 3 Minuten und trainiere so lange bis du deine Reaktion auf 15 Schrecksekunden reduzieren kannst.
Als ich jünger war
Als ich jünger war und offen
kannt ich diese Angst noch nicht.
Frei war ich und voller Hoffen
war kein Urteil, kein Gericht,
nur ein Vogel, bunt, mit Schwingen,
die kein Mensch zerbrochen hat,
kannte Schwerter nicht und Zwingen
war im warmen Wind ein Blatt.
Hab auf einem Pferd gesessen
das war alt, der Baum war grün.
Habe Zeit und Pflicht vergessen
Prinz war ich und HarlekinVon Unsterblichkeit und Sinn
hab ich meinen Traum verloren,
dass ich nicht so einsam bin
hab ich Träumer mir geboren
und ich wärm sie, wenn sie frieren
und ich habe Angst um sie.
Nirgends solln sie mitmarschieren
müde werden solln sie nie.
Alt und lauwarm die Gedanken.
Ich hab alles, was ich brauch,
klare Grenzen, schöne Schranken
und die Alltagstode auch.
Bin ein Kerkermeister heute
sperrte meine Seele ein,
dass sie nichts und niemand reute
schläft sie in der Mauern Stein.~~~ Bettina Wegner ~~~
Keltischer Baumkreis
Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.
Die Tanne - 05.07. - 14.07.
Die Tanne gehört zu den größten Bäumen Mitteleuropas und kann bis zu 60 m hoch werden. Im alten Griechenland war die Tanne Artemis, der vielbrüstigen Göttin der Fruchtbarkeit und der Jagd geweiht. Ihr belebender Duft und ihre majestätische Kraft haben Menschen schon vor vielen Jahrhunderten die Heilkräfte diesen Baumes entdecken lassen.
Den der Tanne zugehörigen Menschen sagt man nach, sie seien sehr klug, wirkten aber stets etwas verschlossen, in sich gekehrt, sodass man sie gut kennen müsse, um um ihr sensibles Inneres zu wissen. Ihrer gelegentlichen Unnahbarkeit zum Trotz können die Tanne-Geborenen aber sehr spontan sein und scheuen kein Abenteuer.
Tanne Geborene zeichnen sich durch ihre besondere Weitsicht aus. Sehr bedächtig und besonnen treffen sie ihre Entscheidungen. Diese werden gründlich überlegt und auf ihre langfristige Tauglichkeit hin geprüft. Hierbei spielt die nötige Übersicht und eine gewisse Distanz zur Sache eine wichtige Rolle. Haben sie sich einmal entschlossen, sind sie von ihren Vorhaben nur schwerlich abzubringen. Damit ihr Entschluss dann endlich auch zum Erfolg führt, setzen sie ihre ganze Autorität ein. Ihr Selbstvertrauen wurzelt in ihrer durch viel Erfahrung angeeigneten Kompetenz und einem sicheren Gespür für die wichtigen Dinge im Leben. Ihr Verantwortungs-
bewusst sein ist besonders ausgeprägt. Sie sind daher für ihre Mitmenschen ein selbstbewusster und verlässlicher Partner ...
Bleibe nicht am Boden heften,
frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heiteren Kräften,
überall sind sie zu Haus.Wo wir uns der Sonne freuen,
sind wir jede Sorge los;
dass wir uns in ihr zerstreuen,
darum ist die Welt so groß.Aus „Wilhelm Meister“
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Die Liebe war nicht geringe
Die Liebe war nicht geringe.
Sie wurden ordentlich blass;
Sie sagten sich tausend Dinge
und wussten immer noch was.Sie mussten sich lange quälen,
doch schließlich kam’s dazu,
dass sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh’.Bei eines Strumpfes Bereitung
sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Kölnischen Zeitung
und teilt ihr das Nötigste mit.Wilhelm Busch
Ausblick auf die Ehejubiläen übermorgen, überübermorgen, überüberübermorgen und überüberüberübermorgen:
Trauung grüne Hochzeit
nach 1 Jahr baumwollene Hochzeit
nach 5 Jahren hölzerne Hochzeit
nach 6 1/4 Jahren zinnerne Hochzeit
nach 7 Jahren kupferne Hochzeit
nach 8 Jahren blecherne Hochzeit
nach 10 Jahren Rosenhochzeit
nach 12 1/2 Jahren Nickelhochzeit oder Petersilienhochzeit
nach 15 Jahren gläserne Hochzeit
nach 20 Jahren Porzellanhochzeit
nach 25 Jahren silberne Hochzeit
nach 30 Jahren Perlenhochzeit
nach 35 Jahren Leinwandhochzeit
nach 37 1/2 Jahren Aluminiumhochzeit
nach 40 Jahren Rubinhochzeit
nach 50 Jahren goldene Hochzeit
nach 60 Jahren diamantene Hochzeit
nach 65 Jahren eiserne Hochzeit
nach 67 1/2 Jahren steinerne Hochzeit
nach 70 Jahren Gnadenhochzeit
nach 75 Jahren Kronjuwelenhochzeit
Liebe neu programmieren - Gebrauchsanleitung für die Liebe :-)
Der folgende Text ist ein fiktiver Dialog zwischen einem Kundenberater und einer Kundin.
Kundenberater: Können Sie LIEBE installieren?
Kundin: Ich glaube schon. Ich bin zwar technisch nicht so begabt, aber ich bin jetzt bereit, mit der Installation zu beginnen. Was mache ich zuerst?
Berater: Als erstes öffnen Sie HERZ. Haben Sie Ihr HERZ schon gefunden?
Kundin: Ja, hab ich, aber da laufen im Moment noch mehrere Programme. Kann ich trotzdem mit der Installation beginnen?
Berater: Welche Programme laufen denn gerade?
Kundin: Moment, ich schau mal nach... Momentan laufen gerade ALTEVERLETZUNG.exe, WENIGSELBSTACHTUNG.exe, GROLL.exe und VERSTIMMUNG.com.
Berater: Kein Problem. LIEBE wird die ALTEVERLETZUNG.exe automatisch aus Ihrem jetzigen System entfernen. Es kann zwar sein, dass sie im permanenten Speicher bleibt, aber sie wird andere Programme nicht mehr stören. LIEBE wird mit der Zeit auch die WENIGSELBSTACHTUNG.exe überschreiben, und zwar mit ihrem eigenen Modul HOHESELBSTACHTUNG.exe. Allerdings müssen Sie die GROLL.exe und die VERSTIMMUNG.com komplett löschen. Diese Programme verhindern, dass LIEBE.exe richtig installiert wird. Können Sie die jetzt löschen?
Kundin: Ich weiß nicht, wie das geht. Könnten Sie mir behilflich sein?
Berater: Ja, gern. Gehen Sie in Ihr Startmenü und lassen Sie VERGEBUNG.exe laufen. Das machen Sie so oft, bis GROLL.exe und VERSTIMMUNG.com total gelöscht sind.
Kundin: Alles klar, hab' ich gerade gemacht. LIEBE hat nun angefangen, sich automatisch selbst zu installieren. Ist das normal?
Berater: Ja, ist es. Sie müssten eigentlich eine Meldung erhalten, die besagt, dass LIEBE sich um das Leben Ihres HERZens willen selbst installiert. Sehen Sie eine solche Meldung?
Kundin: Ja. Ist die Installation jetzt fertig?
Berater: Ja, aber denken Sie daran, dass Sie bisher nur die Basis-Version des Programms haben. Sie müssen jetzt noch anfangen, sich mit anderen Herzen zu verbinden, damit Sie die Upgrades bekommen können.
Kundin: Huch... Ich habe schon eine Fehlermeldung! Was soll ich machen?
Berater: Was besagt die Meldung?
Kundin: Da steht "FEHLER 412 - PROGRAMM LÄUFT NICHT AUF DEN INNEREN KOMPONENTEN." Was bedeutet das?
Berater: Machen Sie sich keine Sorgen, das ist ein weit verbreitetes Problem. Es bedeutet, dass LIEBE im Setup darauf eingestellt ist, auf externen HERZen zu laufen, aber auf Ihrem eigenen HERZ noch nicht gelaufen ist. Das ist eins dieser komplizierten Programmierungsprobleme, aber in normalen Worten ausgedrückt heißt das einfach: Sie müssen LIEBE auf Ihrem eigenen Gerät benutzen, bevor sie auf anderen Geräten eingesetzt werden kann.
Kundin: Ah, was soll ich also tun?
Berater: Können Sie ein Verzeichnis finden mit dem Titel "SELBSTAKZEPTANZ"?
Kundin: Ja, das habe ich hier.
Berater: Ausgezeichnet, Sie werden ja langsam ein Profi.
Kundin: Danke schön.
Berater: Bitte klicken Sie nun die folgenden Dokumente an und kopieren Sie sie in das "MEINHERZ"-Verzeichnis: VERGEBUNG.doc, SELBSTACHTUNG.doc, SELBSTWERT.txt und FREUNDLICHKEIT.doc. Das System wird alle Dokumente überschreiben, die in eventuellem Konflikt stehen könnten und dann damit anfangen, alle falschen Programmierungen auszubessern. Was Sie auch unbedingt von Ihrer Festplatte und aus allen Verzeichnissen löschen müssen, ist die SELBSTKRITIK.exe. Und dann müssen Sie unbedingt Ihren Papierkorb leeren, um sicherzugehen, dass diese exe auf jeden Fall weg ist und nicht wieder irgendwo auftaucht.
Kundin: Fertig. HEY! Mein HERZ fängt jetzt an, sich mit echt netten Dokumenten zu füllen. Im Moment läuft LÄCHELN.MPG auf meinem Monitor, und das System zeigt an, dass sich gerade WÄRME.com, FRIEDEN.exe und ZUFRIEDENHEIT.com selber über mein gesamtes HERZ kopieren.
Berater: Ok, in diesem Fall ist LIEBE installiert und läuft auch. Von hier aus müssten Sie nun eigentlich allein zurechtkommen. Eine Sache noch, bevor ich auflege...
Kundin: Ja?
Berater: LIEBE ist freeware. Bitte sorgen Sie dafür, dass Sie LIEBE und ihre verschiedenen Module an jeden weitergeben, dem Sie begegnen. Diese Leute werden das Programm dann wieder anderen weitergeben, und Sie werden mit der Zeit einige sehr schöne Module von den anderen zurückerhalten.
Kundin: Das werde ich tun. Danke für Ihre Hilfe.
Berater: Bitte, sehr gern geschehen.
An meine Rose
Frohlocke, schöne junge Rose,
Dein Bild wird nicht verschwinden,
wenn auch die Glut, die dauerlose,
verweht in Abendwinden.So süßer Duft, so helle Flamme
kann nicht für irdisch gelten;
Du prangst am stolzen Rosenstamme,
verpflanzt aus andern Welten;O weilten wir in jenen Lüften,
wo keine Schranke wehrte,
dass ich mit deinen Zauberdüften
die Ewigkeiten nährte! –Doch hat, du holde Wunderblume,
mein Herz voll süßen Bebens
Dich mir gemalt zum Eigentume
ins Tiefste meines LebensLenau, Nikolaus (1802-1850)
Rosen
Als Königin der Blumen wird die Rose in vielen Völkern verehrt. Nicht nur die ägyptische Königin Kleopatra, auch Griechen und Römer liebten Rosen. Als die Liebesgöttin Aphrodite (bei den Römern: Venus) den Wellen entstieg und der Meeresschaum ihre Rundungen nicht mehr verhüllen konnte, da wuchsen Rosen an ihrem Körper empor. So erzählt die antike Sage.
Rosen gelten von alters her als Symbol für Liebe, Schönheit und Reinheit, aber auch als Zeichen von Vergänglichkeit und Tod, denn sie tragen Stacheln.
Wer einen Strauß roter Rosen verschenkt, drückt damit Leidenschaft aus.
Weiße Rosen stehen für Verschwiegenheit,
gelbe Rosen sollen Glück bringen,
rosafarbene Blüten zeigen Sympathie.Der Rosenduft regt die Sinne an, wirkt dabei aber auch entspannend und fördert so die Liebeslust bei Mann und Frau.
Der Umkehrende
Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
wir alle müssen scheiden
von allem, was uns lieb.Was gäb es wohl auf Erden,
wer hielt den Jammer aus,
wer möchte’ geboren werden,
hieltst du nicht droben Haus!Du bist’s der, was wir bauen
Mild über uns zerbricht,
dass wir den Himmel schauen,
darum, so klag ich nicht.Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Die drei Siebe
Zu Sokrates kam einmal ein Mann und sagte: "Du, höre, ich muss Dir etwas Wichtiges über Deinen Freund erzählen!"
"Warte ein bisschen", unterbrach ihn der Weise.
"Hast DU schon das was Du mir erzählen willst, durch die drei Siebe hindurchgehen lassen?"
"Welche drei Siebe?"
"So höre gut zu! Das erste Sieb der Wahrheit.
Bist Du überzeugt, ob alles, was Du mir sagen willst, auch alles wahr ist?"
"Das nicht, ich habe es nur von anderen gehört."
"Aber dann hast Du es wohl durch da zweite Sieb hindurchgehen lassen?
Es ist das Sieb der Güte."
Der Mann errötete und antwortete: "Ich muss gestehen, nein."
"Und hast Du an das dritte Sieb gedacht und Dich gefragt, ob es nützlich sei, mir das von meinem Freund zu erzählen?"
"Nützlich? - Eigentlich nicht."
"Siehst Du", versetzte der Weise, "wenn das, was Du mir erzählen willst, weder wahr, noch gut, noch nützlich ist, dann behalte es lieber für Dich."
Dorfmusik
Hoch auf dem Zaun der Gockelhahn
fängt die Musik mit Krähen an;
Die Hühner stimmen lustig ein,
die Gans will auch nicht stille sein.Die Ziege meckert in dem Stall,
es blöken laut die Schäflein all,
es bellt der Hund, und grunzend schrein
die Schweine alle, groß und klein.Das Spätzlein selbst mit hellem Klang
stimmt an den lieblichen Gesang;
In tiefstem Basse brummt dazu
im Stalle hier die alte Kuh.Das quiekt und schreit, das pfeift und summt,
das klopft und grunzt, das blökt und brummt!
Wer hört je in der Stadt solch ein Stück?
Das ist die lust’ge Dorfmusik.Georg Christian Dieffenbach
Ritterwanze 2007
Eine Lanze für die Wanze brechen die Juroren mit ihrer Wahl zum Insekt des Jahres. Die Ritterwanze wurde vom Kuratorium Insekt des Jahres gewählt, da diese Tiergruppe zu den farbenprächtigsten und interessantesten Insekten gehört. Damit soll auch dem schlechten Image zu Leibe gerückt werden, das allen Wanzen wegen der blutsaugenden Bettwanze anhaftet.
In Mitteleuropa sind etwa 1000 Wanzenarten bekannt, und nur eine Handvoll sind Parasiten wie die unbeliebte Bettwanze. Viele Wanzen leben räuberisch; die meisten ernähren sich jedoch von Pflanzensäften. So auch die Ritterwanze, die zu den Bodenwanzen gehört.Die Ritterwanze, die in Österreich häufiger anzutreffen ist als in Deutschland, ist selten geworden, aber nicht vom Aussterben bedroht. Die Insekten sind 8 bis 14 Millimeter groß und haben einen länglich-ovalen, leicht abgeflachten Körper. Charakteristisch für sie ist die schwarze kreuzförmige Zeichnung auf der Rückenoberseite.
Sie überwintern als erwachsene Insekten geschützt am Boden, aber auch in unbenutzten Bruthöhlen von Bienen oder an einzelnen Steilwänden.
Das Insekt des Jahres 2007 kann mit der ähnlich aussehenden, ebenfalls rot-schwarz gefärbten Feuerwanze verwechselt werden, die auch Stadtbewohnern gut bekannt ist. Vor allem unter Linden, aber auch unter Rosskastanien sammeln sich oft Hunderte dieser Tiere an. Feuerwanzen, fälschlicherweise oft als „Feuerkäfer“ bezeichnet, sind ebenfalls vorwiegend Pflanzensauger.
Der Duft der Ritterwanze ist eher dezent und angenehm. Die Duftstoffe locken Sexualpartner an, dienen dem Zusammenhalt der Gruppen oder wehren Feinde ab und signalisieren zusammen mit der rot-schwarzen Färbung Fressfeinden, dass sie ungenießbar sind.
Im See
Heute ist das Wasser warm,
heute kann’s nicht schaden;
schnell hinunter an den See!
Heute gehn wir baden.Eins, zwei, drei – die Hosen aus,
Stiefel, Wams und Wäsche!
Und dann – plumps! – ins Wasser rein,
grade wie die Frösche.Und der schönste Sonnenschein
Brennt uns nach dem Bade
Brust und Buckel knusperbraun,
braun wie Schokolade.Adolf Holst
Ein arger Räuber
Zwischen Wäldern und grünen Wiesen weiß ich einen Teich.
Die Sonnenstrahlen tanzen über den Wasserspiegel hin. Die Wellen hüpfen auf und fallen in leichte Ringe auseinander. Zwischen Schilfblättern steht etwas Grasgrünes im Wasser und regt sich nicht. Es ist kein Pflanzenstängel und auch kein Schilfblatt. Leise schleichen wir näher. Ei, ei! Das grüne Ding hat ja ein Paar scharfe Augen, und seine Flossen zittern im Wasser. Die Augen blitzen hinüber, wo die jungen Karpfen und Forellen ihre Spiele machen. Ist das ein Leben auf dem großen Fischspielplatz! Noch rascher als die Vögel in der Luft schießen die Fischlein durchs Wasser dahin. Ihre Schuppen glänzen und leuchten wie Edelsteine. Immer näher und näher kommen sie dem grasgrünen Ding zwischen dem hohen Schilf. Der Räuber rührt sich nicht. Nur seine Augen funkeln und zielen.
Jetzt tanzen ein paar fröhliche Forellen vorüber. Husch! fährts wie ein Blitz durchs Wasser, und das schönste Fischlein zappelt im Maul des Räubers. Dieser zieht sich in seinen Schlupfwinkel zurück und verschlingt seine Beute. Die Fischlein schießen in wilder Flucht auseinander. Der Räuber war ein junger Hecht.Hedwig Dransfeld - aus meinem alten Lesebuch von 1945 - zensiert von den Amerikanern ...
Die Gäste der Buche
Mietegäste vier im Haus
hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
nagt am Hungertuche.Stolz auf seinem roten Rock
und gesparten Samen,
sitzt ein Herr im ersten Stock,
Eichhorn ist sein Namen.Weiter oben hat der Specht
seine Werkstatt liegen,
hackt und zimmert kunstgerecht,
dass die Späne fliegen.Auf dem Gipfel im Geäst
pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.Rudolf Baumbach
Keltischer Baumkreis
Jeder Mensch ist einem Baum zugeordnet im keltischen Baumkreis.
Sieh nach deinem Geburtsdatum, und schau mal welcher Baum dein Bruder ist.
Bringt Glück, wenn man diesen Baum des Öfteren umarmt.
Es durchfließt deinen Körper neue Energie.
Begebe dich auf die Suche nach deinen Bruder Baum.
Die Ulme 15.07. – 25.07.
In Südfrankreich gilt die Ulme als "Baum der Gerechtigkeit". In ihrem Schatten wurde dort früher Gericht gehalten und Gottes Wort verkündet.
Menschen, die der Ulme zugehörig sind, sollen große Lebensfreude empfinden und über einen ausgeprägten Optimismus verfügen. Toleranz und Gerechtigkeit sind ihnen Leitworte im Leben. Diese Eigenschaften bringen sie anderen entgegen, fordern sie aber auch für sich selbst; ihre Selbstständigkeit ist ihnen sehr wichtig.
Bei Michael Vescoli kann man lesen, dass außergewöhnlich viele Dichter an Tagen der Ulme geboren wurden, was er als Zeichen für die schöpferische Sensibilität der Ulme-Geborenen wertet.
Die im Baumzeichen der Ulme Geborenen sind Realisten. Sie sind stets hellwach. Keine Situation kann sie wirklich überraschen. Sie scheinen jederzeit vor allen Unannehmlichkeiten gewappnet zu sein. Vor ihnen haben beschönigende Worte oder Handlungen keinen Bestand. Ihr Streben ist es, jeder Sache auf den Grund zu gehen, um anhand von Fakten die Ursachen zu ergründen. Mit fester Entschlossenheit suchen sie nach Klarheit und Wahrheit. Ihre Mitmenschen bewundern sie wegen ihrer Geradlinigkeit und ihres beeindruckenden Sachverstands. Bei ihnen kann man sicher sein, dass sie es so meinen, wie sie es sagen. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und ihren Mitmenschen ist ihre wertvollste Tugend. Daher fällt es ihnen leicht, sich fest entschlossen für ihre eigenen Interessen und die ihrer Mitmenschen einzusetzen.
Der starke Kaffee
Eugen Roth
Ein Mensch, der viel Kaffee getrunken,
ist nachts in keinen Schlaf gesunken.
Nun muss er zwischen Tod und Leben
hoch überm Schlummerabgrund schweben
und sich mit flatterflinken Nerven
von einer Angst zur andern werfen
und wie ein Affe auf dem schwanken
Gezweige turnen der Gedanken,
muss über die geheimsten Wurzeln
des vielverschlung´nen Daseins purzeln
und hat verlaufen sich alsbald
im höllischen Gehirn-Urwald.
In einer Schlucht von tausend Dämpfen
muss er mit Spukgestalten kämpfen,
muss, von Gespenstern blöd geäfft,
an Weiher, Schule, Krieg, Geschäft
in tollster Überblendung denken
und dann sich nicht ins Nichts versenken.
Der Mensch in selber Nacht beschließt,
dass er Kaffee nie mehr genießt.
Doch ist vergessen alles Weh
am andern Morgen - beim Kaffee.
Das seltsame Rezept
Es ist sonst kein großer Spaß dabei, wenn man ein Rezept in die Apotheke tragen muss; aber vor langen Jahren war es doch einmal ein Spaß. Da hielt ein Mann von einem entlegenen Hof eines Tages mit einem Wagen und zwei Stieren vor der Stadtapotheke still, lud sorgsam eine große, tannene Stubentüre ab und trug sie hinein.
Der Apotheker machte große Augen und sagte: „Was wollt Ihr da, guter Freund, mit Eurer Stubentür? Der Schreiner wohnt um zwei Häuser links.“
Da sagte der Mann, der Doktor sei bei seiner kranken Frau gewesen und hab ihr wollen ein Tränklein verordnen. Es sei aber in dem ganzen Haus keine Feder, keine Tinte und kein Papier gewesen, nur eine Kreide. Da habe der Herr Doktor das Rezept an die Stubentür geschrieben, und nun solle der Herr Apotheker so gut sein und das Tränklein kochen.
Wohl dem, der sich in der Not zu helfen weiß!Johann Peter Hebel
Von dem Rosenbusch, o Mutter
Von dem Rosenbusch, o Mutter,
von den Rosen komm ich.
An den Ufern jenes Wassers
sah ich Rosen stehn und Knospen;
von den Rosen komm ich.
An den Ufern jenes Flusses
sah ich Rosen stehn in Blüte,
brach mit Seufzen mir die RosenUnd am Rosenbusch, o Mutter,
einen Jüngling sah ich,
an den Ufern jenes Wassers
einen schlanken Jüngling sah ich,
einen Jüngling sah ich.
An den Ufern jenes Flusses
sucht nach Rosen auch der Jüngling,
viele Rosen pflückt er, viele Rosen.
Und mit Lächeln brach die schönste er,
gab mit Seufzen mir die Rose.Geibel, Emanuel von (1815-1884)
(vertont von R. Schumann: Erste Begegnung)
Der Efeu hat einen anderen Rhythmus
Mit immergrünem Laub macht der Efeu besonders im Winter auf sich aufmerksam. Etwas Geduld braucht es schon, bis der gepflanzte Efeu Früchte trägt. Dieses Klettergewächs hat nämlich einen etwas anderen Rhythmus als viele andere Pflanzen: es blüht zum ersten Mal ab einem Lebensalter von 15 bis 50 Jahren, und dann auch erst im Herbst – je nach Standort von September bis November.
Vielen Singvögeln bietet das Laub Schlafplätze und seine blauen Beeren, die für Menschen giftig sind, werden von den Tieren gern gefressen.
Oft berankt Efeu ganze Häuserfassaden und schadet keineswegs, im Gegenteil es hält das Mauerwerk trocken.
Efeu bedeckt auch große Flächen auf dem Boden und berankt Stämme. Oft hört man, dass dies dem Wachstum des Baumes schadet. Das stimmt nicht; denn Efeu benutzt zur Befestigung Haftwurzeln, die seiner Trägerpflanze kein Wasser und keine Nährstoffe entziehen. Der Grund, dass Efeu, der normalerweise am Boden rankt, Bäume hoch wächst, liegt daran, dass er zum Licht strebt, weil er nur hier blühen und fruchten kann.
Wie die Pflanzen zu wachsen belieben,
darin wird jeder Gärtner sich üben;
wo aber des Menschen Wachstum ruht,
dazu jeder selbst das Beste tut.Johann Wolfgang von Goethe
Die Zypresse - 26.07 bis 4.08.
Zypressen, die wie riesige Zeigefinger mahnen, wirken "wie ein Wille, der nur eine Richtung kennt". Diese Bäume existierten schon Hunderte von Millionen Jahren vor den Laubbäumen. Im alten Ägypten und bei den Römern war die Zypresse den Göttern des Todes und der Unterwelt geweiht und symbolisierte mit ihren immergrünen Zweigen das ewige Leben.
Menschen, deren Baum die Zypresse ist, sagt man großen Mut nach. Sie lieben ihre Freiheit und Eigenständigkeit; ihr Ziel ist die Selbstverwirklichung und Entfaltung ihres Potentials. Zypresse-Geborene pflegen stets ihren eigenen Stil und kümmern sich nicht um Konventionen. Sie sind sehr gesellig und wirken auf andere oft ein wenig geheimnisvoll.
Zypresse Geborene sind die Erhabenen. Sie stehen über den Dingen. Nichts Irdisches kann sie mehr erschüttern. Selbst größtem Leid sind sie gewachsen ohne dass ihre Seele in Mitleidenschaft gezogen würde. Sie stehen im Leben als wäre heute ihr letzter Tag in dieser Welt. Voller Zuversicht schreiten sie voran. Nichts und niemand kann sie aus der Ruhe bringen. Mit ihnen kann man den vielfältigen Zauber der Natur und des Lebens entdecken. Unbekanntem und Fremdem begegnen sie mit einer geradezu übernatürlichen Gelassenheit und einem unerklärbaren Verständnis. Nach ihrer Auffassung scheint alles nach einem festen Plan der Natur und des Lebens zu verlaufen. Ihre Intuition führt sie sicher durch alle Veränderungen. Meist versteht man sich mit ihnen auf Anhieb, denn man fühlt sich mit diesen Menschen auf eine besondere, unerklärbare Art und Weise sofort verbunden.
Abschied
O Täler weit, o Höhen,
o schöner, grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
Andächt’ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
saust die geschäft’ge Welt,
schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!Wenn es beginnt zu tagen,
die Erde dampft und blinkt
die Vögel lustig schlagen,
dass dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
das trübe Erdenleid,
da sollst du auferstehen
in junger Herrlichkeit!Da steht im Wald geschrieben
ein stilles, ernstes Wort
von rechtem Tun und Lieben,
und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte, schlicht und wahr,
und durch mein ganzes Wesen
ward’s unaussprechlich klar.Bald werd ich dich verlassen,
fremd in der Fremde gehen,
auf bunt bewegten Gassen
des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
wird deines Ernsts Gewalt
mich Einsamen erheben,
so wird mein Herz nicht alt.Joseph Freiherr von Eichendorff - 1810