Juli 2008

Vögel

Vögel sind, so steht`s im Brehm,
Tiere, welche fliegen,
singen meistens angenehm
und sind schwer zu kriegen.
Fliegen ohne Unterlass,
selbst bei größter Hitze,
wär ich Vogel, ließ ich das,
weil ich so leicht schwitze.

Heinz Ehrhardt

bitte auf die Kalendertage klicken

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      

1. Juli

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser,
und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz

 

2. Juli

Bronze-Röhrling

Der Bronze-Röhrling ist der Pilz des Jahres. Er ist ein naher Verwandter des weitverbreiteten Fichten-Steinpilzes und wird deshalb auch Schwarzhütiger Steinpilz genannt. Einen Bronze-Röhrling zu entdecken, ist eine rechte Glückssache. Er ist zwar ein guter Speisepilz mit angenehm nussigem Geschmack, sollte jedoch nicht gesammelt werden, da er selten ist. Durch die Bundesschutzverordnung ist der Pilz unter besonderen Schutz gestellt. In der Roten Liste der gefährdeten Großpilze Deutschlands steht er in der Kategorie 2, das bedeutet „stark gefährdet“.
Der Bronze-Röhrling hat einen bis zu fünf Zentimeter dicken und 15 Zentimeter hohen Stiel von keuliger bis bauchiger Form. Die Stieloberfläche wird auf bräunlichem Grund von einem feinen, hell gefärbten Netz überzogen. Der Hut ist meist dunkel- bis bronzebraun, manchmal fast schwarz und bis 25 Zentimeter breit. Unter dem Hut trägt der Pilz eine dicke Schicht von weißen, eng stehenden Röhren, an denen innerer Oberfläche zahlreiche Sporen heranwachsen. Während die Sporen reifen, verfärben sich die Röhren über cremefarben nach grüngelb. Wenn man einen Bronze-Röhrling finden möchte, sollte man zwischen Juli und September trockene bis frische Laubwälder aufsuchen. Auch in Parkanlagen und auf Friedhöfen hat man ihn schon entdeckt. Der Bronze-Röhrling ist einer unserer größten Pilze. Der im Sommer aus dem Boden herauswachsende Fruchtkörper ist jedoch nur ein kleiner Teil des Pilzorganismus. Ansonsten lebt der Pilz das ganze Jahr über als Geflecht von weißen Zellfäden verborgen im Boden. Der Bronze-Röhrling gehört zur großen Gruppe der sogenannten Mykorrhizapilze, die alle in Symbiose mit bestimmten Pflanzenwurzeln leben. Dabei stellt der Pilzpartner Wasser, Mineralsalze sowie Stickstoff- und Phosphorverbindungen zur Verfügung, während der grünblättrige Pflanzenpartner Zuckerverbindungen beisteuert, die dieser über Photosynthese mithilfe des Sonnenlichts erzeugt hat.
Als Wärme liebende Art ist der Bronze-Röhrling in Europa vor allem im Mittelmeerraum verbreitet, er kommt zudem in Nordamerika vor. In Deutschland ist der Pilz bisher hauptsächlich im Süden beobachtet worden. Angesichts der Klimaerwärmung könnte diese Art in Zukunft aber möglicherweise auch in Mittel- und Norddeutschland angetroffen werden.

3. Juli

Pilze

Dass Pilze giftig sein können, ist jedem bekannt, deshalb ist es wirklich bodenloser Leichtsinn, Pilze sammeln zu gehen, wenn man sich nicht ganz genau damit auskennt. Es gibt zu diesem Thema hervorragende Fachliteratur, in welcher auch deutliche Abbildungen zu sehen sind, aber leider reicht das Studium solcher Bücher und Zeitschriften letztlich nicht aus. In der Natur sieht die Sache nämlich häufig ganz anders aus. Deshalb wird jedem geraten, erst einmal mit erfahrenen Pilzsammlern loszugehen, die einem vor Ort die wichtigen Kenntnisse beibringen können. So hat man das Vergnügen, sofort sammeln zu können, und außerdem lernt es sich in der Praxis besser als in der Theorie.

4. Juli

Der arme Tropf
Hat einen Hut und keinen Kopf;
Und hat dazu
Nur einen Fuß und keinen Schuh!

5. Juli

Der Pilzanbau im Garten, nicht nur auf Strohballen, sondern auch auf Holzstämmen, wird immer beliebter. Stämme brauchen extrem wenig Platz, und außerdem ist es in den meisten Gegenden viel einfacher, geeignetes Holz zu beschaffen als unbehandeltes Stroh. Die bekanntesten Pilze, die auf Holz gedeihen, sind ShiiTake und Austernseitlinge. Aber sie wachsen nur auf recht frisch geschlagenem, feuchtem Holz von Rotbuchen, Birken, Erlen und Eichen. Weiches Pappelholz dagegen ist schon nach einem Jahr vom Pilzmyzel verbraucht, regelrecht aufgezehrt, und eignet sich deshalb nicht. Vom harten Eichen- und Buchenholz können wir dagegen bis zu fünf Jahre lang ernten. Das Holz soll mindestens drei Wochen, aber nicht länger als fünf Monate abgelagert sein. Die Stämme sollten einen Durchmesser von etwa 12 bis 20 cm besitzen und ungefähr 1,5 m lang sein.
Vor der Impfung mit Pilzbrut wässert man die Stämme an drei Tagen jeweils etwa 4 Stunden lang. Man bohrt dann Löcher in die Stämme oder sägt Querspalten heraus und stopft die Pilzbrut dort hinein. Dann braucht man Geduld, bis die Pilzfäden den Holzprügel durchwachsen haben. Je nach Holzart dauert es mindestens vier bis sechs Monate, bei niedrigeren Temperaturen auch wesentlich länger, bis die ersten Pilzhüte erscheinen. Werden die Stämme im Herbst beimpft, sollten sie für ihre Durchwachsphase den Winter im Keller verbringen. Danach legen wir die Stämme an einen schattigen feuchten Ort im Garten und warten auf die Ernte.

6. Juli

Pilzsuppe

Zutaten für 4 Personen:
1 Zwiebel
400 g gemischte Pilze, z.B. Champignons, Austernpilze, Pfifferlinge, Kräuterseitlinge
½ Bund Petersilie
2 EL Pflanzencreme
600 ml Hühnerbouillon
200 ml Kochcreme z.B. Rama
Salz, Pfeffer
Saft von ½ Zitrone

Zubereitung:
Zwiebel schälen und fein würfeln, Pilze putzen und grob würfeln. Petersilie waschen, trockenschütteln und hacken. Pflanzencreme in einem großen Topf erhitzen, die Pilzwürfel anbraten, Zwiebelwürfel dazugeben, kurz mit braten.
Kraftbouillon und Kochcreme dazugießen und aufkochen, zirka 20 Minuten bei schwacher Hitze kochen. Etwa 1/3 der Pilzwürfel mit einer Schaumkelle aus der Suppe nehmen, die Suppe mit einem Pürierstab fein pürieren, durch ein Sieb streichen, mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken und die Pilzwürfel wieder dazugeben. Mit Petersilie bestreuen.

7. Juli

Lebensweg

Ich bin durchs Leben auf dich zugegangen,
so fest und klar, wie übers grüne Land.
Die Taube flog, die lange eingefangen
und doch den Weg zum Himmel fand. –
Und denke ich an Sturm und Streit und Streben,
an meiner Jugend Wandern dort und hier,
so ist mir oft: Es war mein ganzes Leben
ein stiller, unbeirrter Weg zu dir.

Börries von Münchhausen
1874-1945

8. Juli

CARPE  DIEM
 
die Lebensregeln des Dalai Lama

wenn Du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt - befolge grundsätzlich die folgenden drei Regeln:
denke - weil große Liebe und große Ziele große Risiken in sich bergen an

        Respekt für Dich selbst,
        Respekt für andere und
        Respekt (Verantwortung) für alle Deine Handlungen

denk daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann
lerne die Regeln, damit Du weißt, wie Du sie brichst
wenn Du merkst, dass Du einen Fehler gemacht hast, unternimm unverzüglich etwas, um ihn zu korrigieren
verbringe jeden Tag einige Zeit mit Dir selbst
begegne Veränderungen mit offenen Armen, aber verliere dabei nicht Deine Wertmaßstäbe
denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist
lebe ein gutes ehrbares Leben - wenn Du älter wirst und zurückdenkst, wirst Du es ein zweites Mal genießen können
eine freundliche Atmosphäre in Deinem Haus ist die beste Grundlage für Dein Leben
wenn Du mit lieben Freunden streitest, bezieh Dich nur auf die aktuelle Situation - lass die Vergangenheit ruhen
teile Dein Wissen, so erlangst Du Unsterblichkeit
sei freundlich zur Erde
besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst
denk daran, die beste Beziehung ist die, in der die Liebe für den anderen größer ist, als das Verlangen nach dem anderen
bewerte Deine Erfolge daran, was Du aufgeben musstest, um sie zu erzielen
widme Dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit

 

9. Juli

Abschied
Joseph von Eichendorff

O Täler, weit, o Höhen,
o schöner, grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächt’ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
saust die geschäft’ge Welt,
schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
die Erde dampft und blinkt,
die Vögel lustig schlagen,
dass dir ein Herz erklingt:
da mag vergehn, verwehen
das trübe Erdenleid,
da sollst du auferstehen
in junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben
ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte schlicht und wahr,
und durch mein ganzes Wesen
ward’s unaussprechlich klar.

Bald werd’ ich dich verlassen,
fremd in der Fremde gehn,
auf bunt bewegten Gassen
des Lebens Schauspiel sehn;
und mitten in dem Leben
wird deines Ernsts Gewalt
mich Einsamen erheben,
so wird mein Herz nicht alt.

10. Juli

Das Gefühl, alleine auf dieser Welt zu sein befällt sicher jeden von uns hin und wieder ...

Sie waren einmal die besten Freunde!

Im nächsten Jahr nur noch Freunde.

Dann haben sie nur noch selten miteinander gesprochen.

Im darauffolgenden Jahr wollten sie nichts mehr voneinander wissen.

Ich will nur das sagen, auch wenn ich auch nie wieder
in meinem Leben mit Dir spreche …

Dass Du für mich außergewöhnlich bist und mein Leben verändert hast - ich schau zu Dir empor, verehre und liebe Dich wirklich.

Bekam ich in einer Präsentation

11. Juli

Das Leben
Ach, was mach ich mir heut schon Sorgen,
schon Scarlett sagte: Ich verschieb's auf morgen.
So löst sich manches von allein,
ohne, dass ich heut schon wein.
Jeder Tag wird uns doch neu geschenkt
Und von irgendeiner Macht gelenkt.
Jeden Tag sollte man neu begrüßen
Schon den Morgen froh genießen.
Seh'n was uns der Mittag bringt,
auch wenn nicht alles gut gelingt.
Der Abend der kommt ganz bestimmt,
ob man es schwer oder locker nimmt.
Geregelt hat es auch die Natur,
durch die Jahreszeiten-Uhr.
Im Frühling alles froh erwacht,
im Sommer die Sonne lacht.
Der Herbst ist doch auch wunderschön,
im Winter muss alles schlafen geh'n.
Bezieh'n wir's so auf unser Leben,
muss es im Herbst noch viel Schönes geben. 
Es kommt auch drauf an, was man draus macht,
		  es ist wichtig, dass man weint aber auch lacht.			
Das Glück, zu leben in dieser Ausgewogenheit
Wünsch ich Euch allen mit diesen Versen heut
Heidi Gotti

12. Juli

Lied der Sonne

Ich bin die Mutter Sonne und trage
die Erde bei Nacht, die Erde bei Tage.
Ich halte sie fest und strahle sie an,
dass alles auf ihr wachsen kann.
Stein und Blume, Mensch und Tier,
alles empfängt sein Licht von mir.
Tu auf dein Herz wie ein Becherlein,
denn ich will leuchten auch dort hinein!
Tu auf dein Herzlein, liebes Kind,
dass wir ein Licht zusammen sind!

Christian Morgenstern

13. Juli

Knabenkraut

Welch plastischer Name: Übersehenes Knabenkraut. Die Arbeitskreise Heimische Orchideen haben das Übersehene Knabenkraut zur Orchidee des Jahres 2008 gewählt. Übersehen kann man die Pflanze kaum, denn mit bis zu 70 Zentimetern Wuchshöhe ist sie eine der stattlichsten heimischen Orchideen. Dennoch dauerte es bis Anfang des letzten Jahrhunderts, bis der Botaniker George Claridge Druce das Übersehene Knabenkraut als eigene Art erkannte.
Wie das sehr ähnliche Torf-Knabenkraut kommt die Orchidee des Jahres 2008 in einem fast identischen Gebiet des vom atlantischen Meeresklima bestimmten Westeuropa vor, von Südengland über Teile Frankreichs, die Benelux-Staaten bis in den äußersten Westen und Nordwesten Deutschlands sowie Dänemark. In Baden-Württemberg gibt es die Art nicht. Während das Torf-Knabenkraut auf sauren Mooren gedeiht, mag es das Übersehene Knabenkraut zwar ebenfalls feucht und nährstoffarm, doch müssen die Verhältnisse kalkreich sein. Es wächst deshalb auf Kalkflachmooren ebenso wie auf Nasswiesen, Dünensenken und Großseggensümpfen. Die Laubblätter der Orchidee des Jahres sind entweder rein grün oder mit ringförmigen Flecken versehen. Im Juni bildet das Übersehene Knabenkraut einen bis 60 manchmal auch 80 rosafarbene oder blassviolett-purpurne Einzelblüten starken, zylindrischen Blütenstand aus. Der Blütensporn ist in der Regel höchstens so lang wie die mit dunkelroten Punkten oder kurzen Strichen versehene Blütenlippe, während er beim Torf-Knabenkraut deutlich länger ist.
Da das Übersehene Knabenkraut in Westdeutschland den Rand seines Areals erreicht, ist es bei uns schon von Natur aus selten. Dazu kommt die Zerstörung geeigneter Biotope durch Entwässerung, Überdüngung oder Verbuschung. Die wenigen noch vorhandenen Wuchssorten sind deshalb dringend schutzbedürftig.
Wie viele Orchideenarten auch, neigt das Übersehene Knabenkraut zur Hybridisierung, es pflanzt sich also mit anderen Arten fort, vor allem mit dem Gefleckten Knabenkraut. Botaniker stellten fest, dass sich gerade am Rand des Verbreitungsgebietes Mischformen beider Arten bilden und dabei das eigentliche Übersehene Knabenkraut immer mehr verdrängen.

14. Juli

Das Dorf

Steht ein Kirchlein im Dorf, geht der Weg dran vorbei,
und die Hühner, die machen am Weg ein Geschrei.

Die Tauben, die flattern da oben am Dach,
und die Enten, die schnattern da unten am Bach.

Auf der Brück steht ein Junge, der singt, dass es schallt;
Kommt ein Wagen gefahren, der Fuhrmann der knallt.

Und der Wagen voll Heu, der kommt von der Wiese,
und oben darauf sitzen Hans und Liese.

Die jodeln und juchzen und lachen alle beid,
und das klingt durch den Abend, es ist eine Freud!

Und dem König sein Thron, der ist prächtig und reich;
Doch im Heu zu sitzen, dem kommt doch nichts gleich.

Und wär ich der König, gleich wär ich dabei
und nähme zum Thron mir einen Wagen voll Heu.

Robert Reinick

15. Juli

Die Schmiede

„O Mutter! Da möchte ich zusehen!“, rief Bernhard und blieb vor einem weit geöffneten Tore stehen. Es war eine Schmiede. Der Schmied stand am Amboss und ein Geselle bei ihm. Der Lehrling zog an dem großen Blasebalg und stocherte mit einem Eisenhaken in dem Feuer herum. Das glühte jedes Mal hell auf, wenn der Blasebalg angezogen wurde. Alles in der Schmiede war dunkel und schwarz vom Rauch. Viele Hufeisen lagen auf dem Fußboden in einem Haufen. Wagenräder, neue und alte, helle und zerbrochene, standen herum. Eine große Bohrmaschine war in einer Ecke aufgestellt. Schwäre Hämmer und lange Eisenzangen lehnten an dem Amboss.
Der Schmiedemeister griff mit seiner Zange in das Feuer und holte ein weiß glühendes Stück Eisen heraus. Das wurde auf den Amboss gelegt, und der Geselle fasste einen schweren Hammer mit beiden Händen und ließ ihn auf das glühende Eisenstück niederfallen. Der Meister klopfte mit einem kleinen Hammer im Takte dazu. Bumm ping ping, bumm ping, bumm ping ping, schallte es immer genau im Takte. Das glühende Eisen wurde durch jeden Schlag breiter und platter geklopft. Die Funken sprangen, sowie der große Hammer das Eisen traf, nach allen Seiten, an die Lederschürze des Gesellen, auf den Boden und überall hin. Dann wurde das Eisen mit der Zange umgedreht und wieder mit dem schweren Hammer bearbeitet. Als es nicht mehr glühte, kam es noch einmal in das Feuer.
Bernhard hätte gern noch lange zugesehen und wäre am liebsten in die Schmiede hineingegangen, aber seine Mutter konnte nicht länger warten, und so gingen sie weiter.
„Ich will auch Schmied werden“, sagte Bernhard, „dann darf ich auch Hufeisen machen und brauche einen Amboss und einen dicken Hammer.“
„Erst musst du groß und stark sein, mein Kind“, sagte die Mutter, „sonst kannst du kein Schmied werden.“

Aus meinem Schullesebuch von 1945 - nach Heinrich Scharrelmann

16. Juli

Die Erinnerungen an die Schule tauchen immer wieder auf. Ich denke, dass es jedem Menschen so geht.
Der Zauberlehrling faszinierte mich von Anfang an und ... wir mussten ihn damals noch auswendig lernen, da gab es kein Pardon. Vielleicht geht es manchem meiner Leser wie mir.

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben;
Seine Wort’ und Werke
Merkt’ ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu’ ich Wunder auch.

Walle! Walle
Manche Strecke,
dass zum Zwecke
Wasser fließe,
und mit reichem vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! Walle
Manche Strecke,
dass zum Zwecke
Wasser fließe,
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! Ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! Stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen!
Ach, ich merk es! Wehe! Wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behände!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
ach! Und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! Nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! Welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst’s am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behände
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! Brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen
Und ich atme frei!

Wehe! Wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen:
Welch ein entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! Hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief die Geister,
wird’ ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“

Johann Wolfgang von Goethe

17. Juli

„Republik Gottes zu Herrnhut“
Erdmuthe Dorothea Gräfin von Zinzendorf

Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf hatte vielfältige Talente: Die am 7. November 1700 geborene Adelige war brave Tochter, geduldige Gattin und glaubensstarke Dichterin. Zeitweise wirkte sie als allein erziehende kinderreiche Mutter, Finanzverwalterin, Missionsreisende und Seelsorgerin. Außerdem war sie Gutsverwalterin und Hausmutter in Herrnhut in der Lausitz. Ohne sie ist das Werk ihres berühmten Ehemannes, des Erfinders der heute weltweit verbreiteten „Herrnhuter Losungen“, undenkbar. Sie starb am 19. Juni 1756.

Nach anfangs kühler Zurückhaltung gibt Komtess Erdmuthe von Reuß am 7. September 1722 dem Reichsgrafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in der elterlichen Schlosskapelle ihr Ja-Wort. Sie ahnt nicht, auf welches Abenteuer sie sich in der Ehe mit dem unbequemen, genialen und manchmal bizarren Nikolaus einlässt. Mit Erdmuthe will der zutiefst gläubige junge Mann eine „Streiter-Ehe“ führen, in der es nicht um das persönliche Glück, sondern um die gemeinsame Arbeit für die Sache Gottes gehen soll.
Drei Monate nach der Hochzeit hat das Paar auf der Fahrt zum soeben erworbenen Gut Berthelsdorf eine schicksalhafte Begegnung: Dort haben sich mährische Exilanten niedergelassen. Die Asylanten gehören zur Brüderkirche in der Tradition von Jan Hus.
Das Paar erlaubt den protestantischen Glaubensflüchtlingen zu bleiben. „Herrnhut“ nennen sie ihre Siedlung. Unter Überwindung aller Standes- und Konfessionsgrenzen gründet Zinzendorf die „Brüdergemeine“, eine „Republik Gottes zu Herrnhut“. Das bedeutet für ihn, Bruder unter Brüdern zu werden – eine Vorstellung, für die ihn seine Standesgenossen für verrückt erklären, und mit der Erdmuthe sich anfangs schwerer tut als er.
Nach dem Vorbild christlicher Urgemeinschaft lebt man zusammen. Es gibt Häuser für Familien und Wohngemeinschaften jeweils für unverheiratete Männer und Frauen. Erdmuthe ist Vorsteherin im Haus der Frauen. Mit dieser Leitungsaufgabe bewegt sie sich in Richtung Gleichstellung der Frauen. Ein Anstoß, der in dieser Zeit revolutionär wirkt.
Aus den spärlichen Einnahmen von Gut Berthelsdorf muss die junge Frau bald ein Waisenhaus nebst immer neuen Gästen und Hausgenossen unterhalten. Denn der Graf hat keinerlei Verhältnis zum Geld und überlässt ihr die Finanzverwaltung. Trotz ihrer Finanzierungskünste geht es im Hause Zinzendorf oft so bescheiden zu, dass der Graf und die Seinen gewendete Kleidungsstücke tragen.
Bald gibt es auch politische Probleme: Weil die habsburgische Regierung bei August dem Starken gegen die Aufnahme der Glaubensflüchtlinge Klage einreicht, verweist der den Grafen 1732 des Landes und befiehlt ihm, seine Güter zu verkaufen. Zinzendorf verkauft an Erdmuthe, darf aber Ende 1733 zurückkehren. Drei Jahre später wird er erneut aus Sachsen ausgewiesen. Er reist als Prediger durch Europa und im Zuge der von ihm begonnen Missionsbewegung nach Amerika.
Viele neue Stützpunkte der Brüdergemeine entstehen während seiner elfjährigen Verbannung, auch in England, wo er fast fünf Jahre verbringt. Erdmuthe pendelt zwischen Hernnhut und wechselnden Wohnsitzen außerhalb der Landesgrenze. Aus Herrnhut macht sie eine blühende Handwerkersiedlung, als Seelsorgerin ist sie eine gefragte Zuhörerin.
Zwölf Kinder bringt sie zur Welt, von denen acht das Kleinkindalter nicht überleben. Ihr Leid und ihr dennoch unerschütterliches Vertrauen zu Gott spiegelt sich in den Texten ihrer zahlreichen Lieder. Auch die lange Trennung der Eheleute hinterlässt Spuren: Als der Graf 1755 aus London zurückkehrt, sind ihre Lebensgewohnheiten so verschieden geworden, dass Zinzendorf ins Schloss nach Berthelsdorf zieht, Erdmuthe bleibt in Hernnhut.
Nach dem Tod ihres einzigen überlebenden Sohnes Renatus 1752 erkrankt Erdmuthe von Zinzendorf und wird zusehends schwächer. Sie stirbt am 19. Juni 1756. Für ihren Grabstein entwirft ihr Mann später die Inschrift: „… eine Fürstin Gottes unter uns und Säug-Amme der Brüder-Kirche“.

18. Juli

Das Hobellied

Da streiten sich die Leut herum
oft um den Wert des Glücks,
der eine heißt den andern dumm,
am End weiß keiner nix.
Das ist der allerärmste Mann,
der anderen oft zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt’s beide gleich.

Die Jugend will halt stets mit Gwalt
in allem glücklich sein,
doch wird man nur ein bissel alt,
da gibt man sich schon drein,
oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut,
da klopf’ ich meinen Hobel aus
und denk’, du brummst mir gut.
Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
und zupft mich: „Brüderl, kumm“,
da stell’ ich mich im Anfang taub
und schau’ mich gar nicht um.
Doch sagt er: „Lieber Valentin,
mach keine Umständ, geh!“,
da leg’ ich meinen Hobel hin
und sag’ der Welt ade.

Aus „Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund (1790-1836)

* Dieses Lied sang meine Omi oft und auch mein Onkel spielte es auf seiner Zither.*

19. Juli

Atmung

Der Mensch kann atmen, sobald er geboren ist und muss es nicht lernen. Neben Puls, Blutdruck und Körpertemperatur gehört die Atmung zu den Vitalzeichen. Doch leider verlernen wir mit den Jahren, tief Luft zu holen. Wir atmen flach und hektisch, vor allem unter Anspannung. Dabei lassen sich Stress, Nervosität und so manche Muskelverspannung mit etwas Übung ganz einfach wegatmen. Das lernt man in Atemschulen, aber auch beim Yoga und bei anderen asiatischen Bewegungsformen.

Bauchatmung:
Bei Kleinkindern wölbt sich der Bauch während des Einatmens nach außen und wird beim Ausatmen wieder flach. Erwachsene nutzen diese effektivste Form des Luftholens kaum noch. Sei es, dass sie aufgrund des Schlankheitsideals den Bauch einziehen, oder weil sie es schlicht verlernt haben. Durch die Bauchatmung gelangt der Sauerstoff und damit viel Energie tief in den Körper. Durch die Kontraktion des Zwerchfells werden die inneren Organe massiert. Daher hilft die Bauchatmung gegen Verdauungsbeschwerden, beruhigt aber auch die Nerven und hilft dabei, Ärger loszuwerden.

Übung: Ob im Stehen, im Sitzen auf einem Hocker oder auf dem Rücken liegend, möglichst mit einem Kissen unter den Unterschenkeln:
Legen Sie die Hände locker, mit gespreizten Fingern und auf die Höhe des Nabels auf den Bauch. Beobachten Sie den Atemfluss, ohne ihn zu verändern. Gehen Sie dann zur bewussten Bauchatmung über. Dabei sollte sich die Bauchdecke unter den entspannten Händen anhaben und wieder senken. Durch die Nase tief ein-, durch den Mund vollständig ausatmen, bis die Lungenflügel erneut Luft aufnehmen. Für den Anfang genügen fünf bis zehn Atemzüge dann normal atmen.

Brustatmung:
Die auch als Fluchtatmung bezeichnete Form des Luftholens ist bei körperlicher Anstrengung sinnvoll. Dabei werden nur die oberen zwei Drittel der Lunge mit Sauerstoff versorgt.

Übung: Gehen Sie wie bei der ersten Übung vor. Legen Sie die Hände nun locker auf die Rippen und verfolgen Sie, wie sich diese beim Ein- und Ausatmen weiten und wieder zusammenziehen.
Achtung: Bei einsetzendem Schwindel zur normalen Atmung zurückkehren!
Das tiefe Luftholen kann bei einer zu schnellen Atmung zur Hyperventilation führen. Dabei wird vermehrt Kohlendioxid ausgestoßen. Im Blut verbleibt im Verhältnis zu viel Sauerstoff. Abhilfe schafft ruhiges, langsames Atmen.

20. Juli

Träume, was du träumen möchtest;
Geh dorthin, wo du willst;
Versuche derjenige zu sein, der Du wirklich sein willst,
denn das Leben ist nur eins,
und Du hast nur eine Gelegenheit, die Dinge zu tun,
die Du tun willst.

SMS - Spruch

21. Juli

Der Gemeine Schwimmfarn

Der Förderkreis Sporttauchen hat den Gemeinen Schwimmfarn zur Wasserpflanze des Jahres 2008 gewählt. Der kleine Farn mit seinem bestenfalls 20 Zentimeter langen Spross besiedelt windgeschützte Uferzonen vor allem von Flussaltarmen, aber auch an ehemaligen Tongruben, wo sich das flache Wasser im Frühjahr schnell auf 20 Grad Celsius und mehr erwärmt. Teils bildet der Schwimmfarn große Reinbestände aus, oft besteht die Pflanzendecke zusätzlich auch aus Wasserlinsen oder Froschbiss.
Die fein zerteilten Wasserblätter des Schwimmfarns sehen aus wie Wurzeln und übernehmen auch deren Funktionen bei der Nährstoffaufnahme.
Der Schwimmfarn ist eine einjährige Pflanze, die im Oktober nach den ersten kalten Nächten abstirbt. Zuvor sind die befruchteten sogenannten Megasporen zum Gewässergrund gesunken, wo sie den Winter überdauern. Erst ab Mitte Juni steigen die Farnkeime an die Oberfläche, verzweigen sich und bilden mehrere unterseits reichlich behaarte, elliptische Schwimmblätter aus. Diese sind rund einen halben Zentimeter breit und einen Zentimeter lang. Beim Untertauchen der Pflanze durch gelegentlichen Wellengang entsteht zwischen den Haaren ein Luftpolster, sodass der Farn wieder auftaucht. Neben den Schwimmblättern treibt er bis zu sieben Zentimeter lange, tief zerteilte und büschelig aussehende Wasserblätter aus. Diese nehmen über ihre Oberfläche Wasser und Nährstoffe auf, fungieren also wie eine Wurzel. Echte Wurzeln hat der Schwimmfarn dagegen nicht.
Die weltweit zehn Arten der Gattung Salvinia - benannt zu Ehren des italienischen Sprach Professors Antonio Maria Salvini (1653 bis 1729) - sind überwiegend in tropischen und subtropischen Gefilden beheimatet. Lediglich Salvinia natans besiedelt auch die gemäßigten Breiten von Japan über China, Persien und Südrussland bis in die Ukraine und nach Polen. In Deutschland erreicht der Gemeine Schwimmfarn den westlichen Rand seines Verbreitungsgebietes. Er kommt bei uns ausschließlich an der mittleren EIbe und im Odertal sowie als vorgeschobener Posten am Oberrhein vor. Frühere Wuchsorte an der unteren EIbe bei Hamburg, an Havel und Spree sowie an der Mecklenburgischen Seenplatte gelten als erloschen. Der Gemeine Schwimmfarn ist licht- und wärmebedürftig. Er bevorzugt tendenziell eher kalkreiches Wasser und benötigt eine gute Nährstoffversorgung. Überdüngt darf das Wasser aber nicht sein, da der Schwimmfarn gegen dann aufkommende Algenmassen samt einhergehender Wassertrübung nicht konkurrieren kann. Neben geschlechtlicher Fortpflanzung vermag sich der Schwimmfarn sehr gut vegetativ zu vermehren, selbst aus allerkleinsten Sprosstücken können Pflanzen entstehen. Dabei umfassen Großbestände wie am Rußheimer Altrhein hektargroße Schwimmblattdecken mit Millionen Pflanzen. Die meisten deutschen Vorkommen sind jedoch deutlich kleiner teils nicht viel mehr als hundert Farne. Neben Überdüngung macht dem Schwimmfarn vor allem zunehmend die Störung und Zerstörung natürlicher Uferzonen zu schaffen, sei es durch Anlage von Bootsstegen, Angelstellen oder sonstiger Freizeitnutzung.

22. Juli

Am fließenden Wasser

Hell im Silberlichte flimmernd
Zieht und singt des Baches Welle,
goldengrün und tiefblau schimmernd
küsst sie flüchtig die Libelle;

Und ein drittes kommt dazu,
eine Blüte hergeschwommen:
Alle haben drauf im Nu
heitern Abschied schon genommen.

Und die Esche beugt sich drüber,
schaut in Ruh das holde Treiben,
denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber,
ich will grünen hier und bleiben!

Und ich unterm Eschenbaum:
Was soll denn mit mir geschehen
in dem reizend leichten Traum?
Soll ich bleiben? Soll ich gehen?

Gottfried Keller

23. Juli

Heißeste Zeit

In unseren Breiten sind die Wochen vom 23. Juli bis 24. August erfahrungsgemäß die sonnenreichste, heißeste Zeit des Jahres. Sicher, es kann auch ganz anders kommen, wenn sich in verregneten Sommern die Sonne nur selten sehen lässt. Diese Wochen sind, wie schon am 23.7. gesagt, im Volksmund als Hundstage bekannt und werden stets mit Hitze und Trockenheit in Verbindung gebracht. Die Bezeichnung hat jedoch absolut nichts mit unseren lieben Haustieren zu tun. Sie bezieht sich vielmehr auf den "Hundsstern" Sirius, der in diesen Wochen mit der Sonne annähernd gleichzeitig aufgeht.

Viele Wetterregeln drehen sich um die Hundstage. "Was die Hundstage gießen, müssen die Trauben büßen" oder "Hundstage hell und klar, bringen uns ein gutes Jahr, wenn sie Regen uns bereiten, kommen nicht die besten Zeiten".

Wir sollten es also genießen, wenn es warm und sonnig ist, auch wenn wir viel gießen müssen. Schnell sehen wir anhaltend hohe Temperaturen unseren Garten-Hortensien an. Stehen sie noch im Kübel, schlappen ihre Blätter und Blüten besonders schnell.
Es ist aber seltsam, wenn es hierzulande einmal richtig heiß ist, beginnen alle zu stöhnen - am Urlaubsort kann es jedoch nicht heiß und sonnig genug sein. Gewiss, es kommt darauf an, was und wie wir arbeiten. Stöhnen nützt jedenfalls überhaupt nichts. Wenn wir das Beste aus den Dingen machen, die nicht zu ändern sind, leben wir erheblich stressfreier und unbeschwerter. Ein fröhliches Gemüt ist für unser Wohlbefinden viel wichtiger als tausend Pillen und Mixturen.

24. Juli

Dorfkirche im Sommer

Schläfrig singt der Küster vor,
schläfrig singt die Gemeinde.
Auf der Kanzel der Pastor
betet still für seine Feinde.

Dann ist Predigt, wunderbar,
eine Predigt ohnegleichen.
Die Baronin weint sogar
im Gestühl, dem wappenreichen.

Amen, Segen, Türen weit,
Orgelton und letzte Psalter.
Durch die Sommerherrlichkeit
schwirren Schwalben, flattern Falter.

Detlev von Liliencron
(1844-1909)

25. Juli

Lavendel – Heilpflanze des Jahres 2008

 

 

Standort: Lavendel benötigt einen vollsonnigen Standort und bevorzugt kalkhaltige Böden. Trockenheit macht ihm nichts aus, er kommt mit wenig Wasser zurecht. Besonders wohl fühlt er sich daher in Südfrankreich. Und wer kennt nicht den phantastischen Anblick, den die riesigen, blühenden Lavendelfelder der Provence bieten. Die ganze Gegend scheint zur Blütezeit aromatisch zu duften. Parfümeure und Arzneimittelhersteller verarbeiten gern die dort gewonnenen ätherischen Öle.

 

Wirkung - Dichtung und Wahrheit: Schon seit dem 15. Jahrhundert gibt es nachweislich Seifen und Parfüms mit Lavendel, der damals auch auf die Fußböden gestreut wurde, um die Luft frisch zu halten. Lavendelduft wird gleichgesetzt mit Sauberkeit, Frische und Klarheit. Daher erstaunt es kaum, dass sein Name ursprünglich vom lateinischen "lavare" = "waschen" abgeleitet worden sein soll. Lavendel wird von alters her eine reinigende Wirkung zugeschrieben, auch als Zusatz zum Wasch- und Badewasser wurde er früher vielfach verwendet. Und noch heute ist ein Lavendelbad nicht nur entspannend, sondern hilft auch gegen unreine Haut. Dass Lavendel zudem beruhigend wirkt, weiß man schon lange, denn einer seiner volkstümlichen Namen ist Nervenkräutel. Und nicht nur unruhige Kleinkinder schlafen wie ein Baby, legt man Ihnen ein Lavendelkissen ins Bett. Lavendel entfaltet auf vielfältige Weise heilende Kräfte. Schon in Klostergärten baute man ihn an. Seine entkrampfende Wirkung hilft z.B. bei Magenkrämpfen, Kopfschmerzen, Asthma und Husten. Hildegard von Bingen empfahl "lauwarmen Lavendelwein", weil er bei Lungenbeschwerden den Schmerz in Leber und Lunge und die Dämpfigkeit der Brust mildert.
Viele von uns kennen sicher auch noch die Lavendelsträußchen oder -kissen, die früher in den Kleiderschränken hingen. Ihre eigentliche Aufgabe war es, Motten fern zu halten, zusätzlich mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Wäsche lange frisch duftete. Außerdem hieß es, dass mit Lavendel parfümierte Wäsche widerspenstige Männer gefügig macht, romantische Gefühle und Leidenschaft weckt. Die Lavendelblüte galt außerdem als Symbol für Treue. In der Aromalampe vertreibt er lästige Insekten und zu Rosen gepflanzt, soll er diese vor Schädlingen wie z.B. Blattläusen schützen und interessanterweise mögen auch Ameisen Lavendelduft nicht.

Botanik: Die meisten von uns pflanzen Lavendel aber nicht wegen der Heilwirkungen, sondern wegen der hübschen, aromatisch duftenden Blüten. Der winterharte, mehrjährige, robuste und bekannteste Halbstrauch Lavandula angustifolia zählt zur Familie der Lippenblütler. Er wird bis zu einen Meter hoch, junge Blätter sind graublau und weich filzig, ältere Blätter grün und ledrig. Sie sind klein, lanzettenförmig und recht dick, so dass sie an breite Nadeln erinnern. Die unzähligen, meist violetten, intensiv duftenden Blüten erscheinen an lang gestielten Blütenrispen etwa ab Juli. Ein kräftiger Rückschnitt ist nötig, da der Strauch sonst sehr leicht knorrig wird. Optimaler Zeitpunkt für den Schnitt ist direkt nach der Blüte. Schneidet man ihn erst im Frühjahr, blüht er erst spät oder gar nicht. Mehr und mehr wird der etwas wärmebedürftigere Schmetterlings-Lavendel gepflanzt. Seine typischen hoch ausgezogenen Blütenfahnen machen ihn zu einer äußerst begehrten Gartenpflanze.

Lavendel in der Küche: Nicht nur der Duft ist interessant, denn die Blüten sind mehr als nur essbare Dekoration. Wenn man will, kann man Lavendel - den Duft der Provence - nicht nur im Garten, sondern auch in Ihre Küche verwenden, allein oder als wichtiger Bestandteil der Kräuterwürzmischung "Herbes de Provence" = "Kräuter der Provence". Lammfleisch z.B. erhält durch Lavendel eine individuelle, herb-würzige Note. Viel würziger schmeckt auch die Sauce Bernaise, wenn ihr ein paar frische Lavendel-Blütenblätter zugegeben werden. Eine völlig andere, vor allem in England sehr beliebte Note, erhält Zucker, wenn man ihm Lavendelblüten zugibt. Lavendelzucker besteht aus Blüten und der dreifachen Menge ihres Gewichtes an Zucker. Kräftig einstampfen!

26. Juli

Ein Röslein zog ich mir im Garten,
ich hatte meine Freud daran
Ja, sprach es immer, ich bin dein,
Ja, ja, ich blühe nur für dich
für dich allein

Ein Röslein zog ich mir im Garten
Ich gab ihm hin mein ganzes Herz
Wie konnt ich doch so glücklich sein

Ein Röslein zog ich mir im Garten
Ein andrer hat es abgepflückt
Was mich erfreuet hat so sehr,
Ja, ich find es nun und nimmermehr

Hoffmann von Fallersleben

27. Juli

Rosenmus

350 g Duftrosenblätter (ungespritzt)
500 g Gelierzucker

Die Blätter vorsichtig waschen und in eine Schüssel geben. Den Gelierzucker zugeben und das Ganze mit einem Mörser zu einer glatten Masse verarbeiten. Dabei kann man maximal 125 ml Wasser zugeben.

Tipp: Das Rosenmus kann auch eingefroren und somit auch auf Vorrat hergestellt werden.
Wenn man keine Möglichkeit hat, ein Rosenmus herstellen zu können, so kann das Gelee auch mit Rosensirup gekocht werden. Dabei muss der Gelierzucker um die Hälfte erhöht und mehr Zitrone zugegeben werden, wenn man Champagner-Rosen-Gelee kocht.

Champagner-Rosen-Gelee

500 ml Rosenmus
375 ml Champagner
125 ml Weißherbst
1 kg Gelierzucker
1 Vanilleschote
evtl. etwas Sternanis
etwas Zitronensaft

Alle Zutaten in einen Topf geben und unter Rühren aufkochen. 4 Minuten köcheln lassen und vom Herd nehmen. Jetzt kann das Gelee in die gewünschten Gläser gefüllt werden. Die Gläser heiß verschließen. Um sicher zu gehen, kann man die Gläser nochmals einkochen.
Das Gelee als Brotaufstrich verwenden oder auch beim Kochen als Aromalieferant.

28. Juli

Schlummerlied

Die Vöglein gingen längst zur Ruh.
Das Täubchen flog dem Schlage zu
und sitzt nun bei den Kleinen.
Der Vater schließt das Gartentor,
da guckt auch schon der Mond hervor,
und tausend Sterne scheinen.
Nun mache deine Äuglein zu,
und schlafe süß, mein Liebling du!
Ein Engel hält am Bette Wacht.
Mein Herzenskind, gut Nacht, gut Nacht!

Albert Sergel

29. Juli

Das Herz voll Freude
Kalendergeschichte

Ein hochgestellter Herr stellte einst Haydn zur Rede, wie es doch zugeht, dass seine meisten Kirchenstücke so munter geraten seien.
Hierauf antwortete Haydn: „Ich weiß es nicht anders zu machen; wie ich’s habe, so gebe ich’s. Wenn ich aber an Gott denke, so ist mein Herz so voll Freude, dass mir die Noten wie von der Spule laufen, und da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er es mir schon verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene.“

30. Juli

Willst du dein Herz mir schenken,
so fang es heimlich an,
dass unser beider Denken
niemand erraten kann.
Die Liebe muss bei beiden
allzeit verschwiegen sein,
drum schließ die größten Freuden
in deinem Herzen ein!

Behutsam sei und schweige
und traue keiner Wand,
lieb innerlich und zeige
dich außen unbekannt:
Kein Argwohn musst du geben,
Verstellung nötig ist,
genug, dass du, mein Leben,
der Treu versichert bist.

 

Begehre keine Blicke
von meiner Liebe nicht
der Neid hat viele Tücke
auf unsern Bund gericht.
Du musst die Brust verschließen,
halt deine Neigung ein,
die Lust, die wir genießen,
muss ein Geheimnis sein.

Zu frei sein, sich ergehen,
hat oft Gefahr gebracht.
Man muss sich wohl verstehen,
weil ein falsch Auge wacht.
Du musst den Spruch bedenken,
den ich vorher getan:
Willst du dein Herz mir schenken,
so fang es heimlich an.

 

Unbekannter Dichter

31. Juli

Die Brote von Stein

Da ist einmal eine sehr arme Frau gewesen. Die hatte drei Kinder. Und eine sehr reiche Frau, die hat auch drei Kinder gehabt. Aber die reiche Frau war so geizig; nie hat sie der armen etwas geben wollen. Nun hatte die arme Frau wieder einmal kein Brot für ihre armen Kinder. Und die Kinder hatten so großen Hunger. Da ist die arme Frau zu der reichen gegangen und hat gesagt: „Ach bitte, gib mir doch ein Brot für meine armen Kinder! Die hungert gar so sehr.“
„Ich habe selber kein Brot“, sagte die reiche Frau; „wie soll ich dir denn etwas geben?“
„Ach“, sagte die arme, „du bist doch so reich, Gewiss hast du ein bisschen im Schrank.“
„Nein“, sagte die Reiche; „wenn ich bloß ein Stückchen habe, dann soll es mir der liebe Gott in Stein verwandeln!“
Da ist die arme Frau weggegangen und hat geweint. Und die reiche Frau sagte zu ihren Kindern: „So, jetzt will ich euch mal ein feines Butterbrot machen!“ Und sie ging an den Schrank und wolle ein Brot herausholen. Aber da sind alle die Brote im Schrank Steine gewesen. „Das schadet nichts“, sagte die reiche Frau. Und sie gab den Kindern Geld und einen Korb und sagte: „Geht zum Bäcker, Kinder, und holt drei neue Brote!“
Da sind die Kinder gegangen.
Aber es hat sehr lange gedauert, bis sie wiedergekommen sind.
„Warum seid ihr so lange geblieben, Kinder?“, fragte die reiche Frau.
„Mutter“, sagten die Kinder, „der Korb mit den Broten war so entsetzlich schwer!“
Da machte die reiche Frau den Korb auf – ja, und da waren auch die Brote in Steine verwandelt. Hat sie da einen Schrecken bekommen! Und gleich ist sie zum Bäcker gelaufen und hat Brot und Kuchen gekauft für die arme Frau. Und Mehl und Butter und Fleisch hat sie gekauft für die arme Frau.
„Arme Frau“, sagte sie, „jetzt will ich nie mehr geizig sein. All mein Brot hat der liebe Gott in Steine verwandelt. Wenn es doch nur wieder Brot würde, dass meine Kinder essen könnten!“
Und dann ist sie nach Hause gegangen, die reiche Frau, und siehe da, alle Steine sind wieder Brot gewesen! Aber nun ist die reiche Frau gut zu den armen Leuten geworden.

Wilhelm Matthießen

zurück zu aktuell                         zurück zur Hauptseite

zum Seitenanfang