Juni 2008


Ein kleines Kätzchen voller Schliche,
ging heimlich, weil es gerne schleckt,
des Abends in die Nachbarsküche,
wo man es leider bald entdeckt.
Mit Besen und mit Feuerzangen
gejagt in alle Ecken ward's.
Es fuhr zuletzt in Todesbangen
zum Schlot hinaus und wurde schwarz.
Ja, siehst du wohl, mein liebes
Herze? Wer schlecken will,
was ihm gefällt, der kommt nicht
ohne Schmutz und Schwärze
hinaus aus dieser bösen Welt.

Wilhelm Busch

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1. Juni

Bauerngarten

Ein Johanniskäfer, rot mit weißen Tupfen,
schläft auf dem Brennnesselblatt.
Heuschrecken, langschenklig, hupfen
Durch den Zaun auf den Salat.

Eine Hummel wackelt und rumpelt
Drohend durch die Gräserspitzen.
Der alte Bauer humpelt
Zur Bank, in der Sonne zu sitzen.

Zwei Lerchen, und da noch eine!
Drei Punkte in blauer Luft –
Der Alte hebt witternd die Nase
In den braunen Roggenduft.

Die Lerchen steigen und fallen
Und fiedeln immerzu.
Der Holunderbaum schläft seine Krallen
In die schwarze Bodenruh.

Georg Britting

2. Juni

Fachausdrücke

Einhäusig und zweihäusig, selbstfruchtbar und selbstunfruchtbar: Das sind Fachbegriffe, die man nicht jeden Tag verwendet und deshalb wird die Frage "Was bedeutet das?" oft gestellt.
Die weitaus meisten Pflanzen bilden Blüten mit Staubgefäßen und Stempeln, also männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen. Sie sind zum größten Teil selbstfruchtbar, d. h. die Blüten der gleichen Pflanzen können sich gegenseitig befruchten. Selbstunfruchtbar sind solche, die nur dann Früchte ansetzen, wenn sie mit den Pollen anderer Sorten der gleichen Art bestäubt werden. Vor allen Dingen im Obstbau hat man das sehr häufig. Einzeln stehende Bäume oder solche, die keine Befruchtersorte in der Nähe haben, tragen meist schlecht oder gar nicht.
Viele Pflanzengruppen bringen jedoch weibliche und männliche Blüten hervor. Wachsen diese auf ein und derselben Pflanze, dann nennt man diese "einhäusig". Beispiele hierfür sind Gurken bei den Gemüsen und Begonien bei den Blumen. Die männlichen Blüten werden von Laien oft als taub bezeichnet, weil sie keine Frucht bringen. Sie produzieren nur die Pollen, mit denen die weiblichen Blüten, unter deren Blütenblättern der Fruchtknoten ganz deutlich erkennbar ist, bestäubt werden.
Bei den "zweihäusigen" wachsen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen. Nur wenn in unmittelbarer Nähe der weiblichen eine männliche Pflanze steht, ist mit einer Befruchtung zu rechnen. Typische Beispiele sind Sanddorn, Stechginster oder Kiwi. - Von einem Kalenderblatt

3. Juni

Säe einen Samen, und die Erde wird dir eine
Blume schenken.
Träum deinen Traum in den Himmel,
und er wird dir deine Liebe bringen.

Khalil Gibran

4. Juni

DAS LOS DER FRAUEN

Geben wir unsere Kinder in die Kinderkrippe, sind wir Rabenmütter.

Bleiben wir zu Hause, verkommen wir hinter dem Kochtopf - (oder sind zu faul zum Arbeiten).

Verwenden wir Make up, tragen wir Kriegsbemalung.

Verwenden wir keines, vernachlässigen wir unser Äußeres.

Verrichten wir anspruchslose Arbeit, haben wir keinen Ehrgeiz.

Erfüllen wir qualifizierte Aufgaben, sind wir mit unserem Beruf verheiratet.

Haben wir studiert sind wir ein Blaustrumpf.

Haben wir promoviert mussten wir unseren Doktor alleine machen.

Zeigen wir Gefühle, sind wir Heulsusen.

Beherrschen wir uns, sind wir Eisberge.

Sind wir hilfsbereit, werden wir ausgenutzt.

Kümmern wir uns nur um unsere eigene Arbeit, sind wir unkollegial.

Sind wir sehr attraktiv, halten wir unsere Kollegen von der Arbeit ab.

Sind wir es nicht, gelten wir als unscheinbar.

Sind wir Powerfrauen, schimpft man uns Emanze.

Sind wir angepasst, fehlt uns der Pfeffer.

Sind wir intelligent, dürfen wir es nicht zeigen.

Sind wir es nicht, müssen wir wenigstens attraktiv sein.

Kommen wir mit Grippe in die Arbeit, stecken wir die anderen an.

Bleiben wir zu Hause, legen wir uns wegen jeder Kleinigkeit ins Bett.

Tragen wir Mini, stören wir den Arbeitsfrieden (oder sind Schlampen).

Tragen wir Maxi, haben wir wohl Krampfadern (oder sind bieder).

Sind wir montags müde lästert man.

Sind wir taufrisch, lästert man auch.

Gehen wir gerne aus, sind wir Partygirls die saufen.

Bleiben wir daheim, gelten wir als Mauerblümchen.

Sind wir trinkfest, saufen wir alle Männer unter den Tisch.

Trinken wir nichts, ist mit uns nichts anzufangen.

Leisten wir viel, verlieren wir unseren Charme.

Leisten wir wenig, verlieren wir die Stellung.

Wie wir es machen, machen wir es falsch – oder

WIR KÖNNEN MACHEN WAS WIR WOLLEN - UND DAS SOLLTEN WIR AUCH TUN

5. Juni

Der rötliche Mars und die Venus

Früher zogen Mars und Venus -
wann es war, kann man nur ahnen -
eng beieinander und in Liebe
ihre vorgeschriebnen Bahnen.

Plötzlich kam ein fremder Körper,
der sich zwischen beide zwängte
und den Mars von seiner Venus -
oder umgekehrt - verdrängte.

Dieser Fremdling war die Erde!
Und sie machte sich noch breiter,
und der Mars entschwand der Venus
immer weiter, immer weiter.

Und die Sehnsucht nach der Freundin
hat den Mars schon fast getötet;
doch - erblickt er sie von ferne,
sehn wir, wie er zart errötet

(H.Erhardt)

6. Juni

Lavendel

Der Naturheilverein Theophrastus hat den Echten Lavendel zur Heilpflanze des Jahres gewählt. Ausschlaggebend für die Wahl war vor allem die nervenberuhigende Wirkung des Lavendels. Die Gesunderhaltung von Nerven und Seele sei in heutigen Zeiten der Reizüberflutung besonders wichtig.
Lavendel wird als Zwischenpflanzung für Rosen empfohlen. Natürlich kann Lavendel auch in Form von Rabatten angepflanzt werden. Auch soll man die verschiedenen Arten von Lavendel verwenden.
Im Handel wird der Echte Lavendel je nach Höhenlage des Anbaugebietes in zwei Varietäten unterschieden, nämlich „Lavendel fein“ und „Lavendel extra“. Bekanntestes Lavendel-Anbaugebiet ist die französische Provence. Er wird aber auch in Spanien, Südosteuropa, Russland und Großbritannien kultiviert.
Die Gattung Lavendel zählt rund 25 Arten. Heilkundlich werden etwa ein halbes Dutzend davon verwendet. Viele der bekannten provencalischen Lavendelfelder bestehen übrigens nicht aus Echtem Lavendel, sondern aus Lavandin. Dieser – ein natürlich vorkommender Hybride des Echten Lavendels mit dem Speiklavendel – ist besonders ertragreich, reicht in der Duftöl-Qualität jedoch nicht ganz an den Echten Lavendel heran. Seit alters her sind die verschiedenen Lavendelarten wegen ihres frischen, würzigen Duftes beliebt. Den Griechen und Römern war er unerlässlich für das tägliche Bad, auch wurde Wein damit gewürzt. Hildegard von Bingen empfahl ihn als Mittel gegen Kopfläuse. Der Arzt und Chemiker Paracelsus wendete den Lavendel unter anderem als Räucherwerk an. Im 16. Jahrhundert und 17. Jahrhundert wurde Lavendel als wirkungsvoller Schutz vor Pest und Cholera gepriesen.
Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die beruhigende und entspannende Wirkung von Echtem Lavendel und Lavendelöl. Außerdem wirkt Lavendel entkrampfend, wundheilend, leicht antidepressiv, schmerzlindernd, entzündungshemmend und desinfizierend. Für den innerlichen Gebrauch wird Lavendel als Tee, homöopathisches Einzel- oder Komplexmittel und als Bestandteil von Tropfen, Tinkturen oder Wein angeboten. Die äußerlichen Anwendungen – als Bad, Massageöl, Duftkissen oder Parfüm – rufen einerseits Wohlgeruch hervor, andererseits haben sie positive Wirkung auf Psyche und Organismus.
Ebenso beliebt ist Lavendel als Küchengewürz. In der mediterranen Küche ist er zum Beispiel Teil der bekannten Mischung Kräuter der Provence. Er kann für herzhafte wie auch für süße Gerichte verwendet werden und verleiht den Speisen eine exotische Würze, die an Sommer, Sonne und Urlaub erinnert. Vorsicht aber bei der Dosierung, damit der Lavendel das Gericht nicht dominiert!

7. Juni

Sommermorgen

Auf Bergeshöhen, schneebedeckt,
auf grünen Hügeln, weitgestreckt
erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
der junge Buchenwald und bebt,
und bebt in Daseinswonne.

Es stürzt in ungestümer Lust
herab aus dunkler Felsenbrust
der Gießbach mit Getose,
und blühend Leben weckt sein Hauch
im stolzen Baum, im niedern Strauch,
in jedem zarten Moose.

Und drüben, wo die Wiese liegt,
im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt
der Mücken Schwarm und Immen.
Wie sich's im hohen Grase regt
und froh geschäftig sich bewegt,
und summt mit feinen Stimmen!

Es steigt die junge Lerche frei
empor gleich einem Jubelschrei
im Wirbel ihrer Lieder.
Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
die Amsel segelt durch die Luft
auf goldenem Gefieder.

O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
rastlos Werden, holdes Sein,
höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach - vergänglich nur
und todgeweiht, und die Natur
ist Schmerz in Schönheitsstille.

Marie von Ebner-Eschenbach
(1830-1916)

8. Juni

Ein Gebet

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen Herr, sondern um Kraft für den Alltag! Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte: Mache mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin. Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung, schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist. Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen. Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen! Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen! Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man sich nicht selbst, sie wird einem gesagt. Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin! Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben. Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die „unten“ sind. Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

(Antoine de Saint-Exupéry)

9. Juni

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still im Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Augen mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe lieber Fluss!
Nimmer werd ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuss,
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Dass man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergisst!

Rausche Fluss das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,

Wenn du in der Winternacht
wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Hass verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewusst
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

(Johann Wolfgang von Goethe)

10. Juni

Die Geschichte vom Licht

Es war einmal eine Seele, die sich als das Licht erkannte.
„Ich bin das Licht“, sagte sie.
Jedoch dieses auszusprechen, konnte ihr die Erfahrung davon nicht ersetzen; denn in dem Reich, in dem sie lebte, gab es nur Licht. Jede Seele erstrahlte dort im Glanz eines herrlichen Lichtes. Es gab nichts außer Licht. Und so war diese kleine Seele eine Kerzenflamme inmitten der Sonne eines grandiosen Lichtes - von dem sie ein Teil war. Sie konnte sich selbst nicht sehen. Aber sie sehnte sich danach, sich selbst zu erkennen.
Ihre Sehnsucht war so groß, dass sie plötzlich eine Stimme hörte, die sagte: „Du musst Dich von der Sonne trennen und die Finsternis rufen.“
„Was ist die Finsternis?“ fragte die Seele.
„Das, was Du nicht bist.“ antwortete die Stimme.
Und so entfernte sich die Seele und rief das Reich der Finsternis.
Doch in all der Finsternis fühlte sie sich einsam und rief laut: „Warum habt ihr mich verlassen?“
Da hörte sie die Stimme sagen: „Sei Du nun der Finsternis ein Licht und verfluche sie nicht.“

???

11. Juni

Dämmerung

Zögernd geht der lichte Tag
aus der Stube, aus dem Haus,
und der Glanz auf Krug und Schale,
an der Wand die Sonnenmale
löschen langsam aus.

Leiser klingt der Kinder Rufen,
Steig und Gassen werden leer,
Schrank und Tisch, Bett und Truhe
stehn in seltsam ferner Ruhe
und gehören mir nicht mehr.

Botenspruch der nahen Nacht
wandelt aller Dinge Maß:
Selbst der Liebsten Angesicht
ändert sich im Dämmerlicht
und wird fremd und blass.

Friedrich Czerny

12. Juni

Die Nachtkerze

Erst am Abend öffnen sich die gelben Blütenkelche der Nachtkerze, um sich von Nachtfaltern bestäuben zu lassen. Die Blume, die von Nordamerika nach Europa gelangte, gedeiht an Bahngleisen, Steinbrüchen und Böschungen. Erst aß man die Wurzeln als Gemüse, bis man die heilsame Wirkung der Pflanze erkannte. Zu verdanken ist sie den Gamma-Linolensäuren. Das zu den Omega6-Fettsätiren gehörende Öl wird aus den Samen gewonnen. Die lebenswichtigen Fettsäuren - in höherer Konzentration nur in Muttermilch enthalten - sind als Rohstoffe für Gewebshormone (Prostaglandine) an fast allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Da der Körper Linolensäure nicht selbst herstellt, ist er auf eine ausreichende Zufuhr angewiesen.

Bei Neurodermitis ist die Funktion des Enzyms Delta-6-Desaturase gestört. Dadurch kann der Körper die Linolensäure aus der Nahrung nicht ausreichend in Gamma-Linolensäure umwandeln. Wie klinische Versuche gezeigt haben, verbessern Präparate mit diesem Wirkstoff den Hautzustand langfristig und lindern akuten Juckreiz. Wichtig: Eine Therapie mit Nachtkerzenöl sollte immer mit dem Arzt abgestimmt werden.

Eine mindestens zweimonatige Einnahme von Nachtkerzenöl soll durch die Gamma-Linolensäure die Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit trockener Haut verbessern. Tipp: zusätzlich Hautpflegecremes mit Nachtkerzenöl verwenden.

Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) kann Nachtkerzenöl die gestörte Bildung der Gewebshormone
ausgleichen. Beschwerden wie Brust spannen, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen werden durch die Einnahme gelindert.
Präparate mit Nachtkerzenöl gibt es als Kapseln, Öl oder Cremes. Wie bei fast allen Pflanzenpräparaten kann es einige Wochen dauern, bis ein Effekt eintritt. In seltenen Fällen kann es zu Kopfweh, Schwindel oder leichtem Durchfall kommen. Kapseln nach dem Essen einnehmen.

13. Juni

Der nächtliche Garten

Tief liegt die Nacht über dem Garten,
geheimnisvoll hüllt sie alles ein –
die Dämmerung lässt auf sich warten,
im Osten noch kein heller Schein.

Unsichtbar ist alles rings umher,
schwarz sind alle Blumen und Blüten
der Garten ist farblos und leer,
viel kann uns die Nacht nicht bieten.

Manchmal nur raschelt eine Maus,
oder ein Käfer durch das Gras
und sucht hier seinen Lieblingsschmaus
das Nachtbummeln macht ihm sicher Spaß.

Endlich kleidet sich Frau Nacht in Grau,
langsam wählt sie ein helleres Kleid –
sie benimmt sich dabei sehr schlau!
Warum nur langsam? Sie hat ja Zeit!

Bald kommt Frau Sonne aus ihrem Haus!
Schlecht vertragen sich die zwei Damen.
Oh, die Rivalin kommt gleich heraus,
Frau Nacht rafft schnell ihr Kleid zusammen.

Es bleibt ihr keine andere Wahl,
es war auch wirklich höchste Zeit,
denn schon kommt der erste Sonnenstrahl,
wie sich die Nebenbuhlerin freut!

Oh, wie rasch die Blumen erwachen,
um die Tautropfen abzuwaschen.
Wie die bunten Blumen lachen
Und nach den Sonnenstrahlen haschen!

Heidi Gotti

14. Juni

Mohn

Vor drei Jahren kam Speisemohn in Verruf, als durch den akuten Krankheitsfall eines Kindes bekannt wurde, dass der Morphingehalt der Samen teilweise bedenklich gestiegen war. Es wurden dafür neu eingeführte maschinelle Erntetechniken verantwortlich gemacht, durch die es zu einer Verunreinigung der Mohnsamen mit Kapselbruchstücken und dem opiathaltigen Milchsaft gekommen war. An und für sich sind die reif geernteten Mohnsamen, die zum Backen und für Süßspeisen verwendet oder zu Speiseöl gepresst werden, unbedenklich, da sie nur Spuren des Opiumalkaloids Morphin enthalten. Ein Mohnbrötchen am Morgen stellt somit keine Gefahr dar. Nur Kindern, Schwangeren und Stillenden wird geraten, keine Speisen zu essen, die wie Mohnkuchen besonders viel Mohn enthalten.

Die Sortenvielfalt ist bei Mohn besonders groß: 600 Arten sind bekannt. Die essbaren Samen des Schlafmohns stammen vom Blaumohn, vom weißen Mohn und vom fein-nussigen Graumohn, der im nordösterreichischen Waldviertel kultiviert wird. Er enthält besonders viel wertvolle Linolsäuren und wird auch zu Speiseöl gepresst. Mohnöl besteht zu mehr als 70 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren und verleiht Salaten ein nussiges Aroma. Weil es lichtempfindlich ist, sollte es möglichst dunkel aufbewahrt werden. Mohnöl schmeckt zu Feldsalat und anderen Blattsalaten.

Wer mit Mohn backen will, muss die Samen vorher mahlen, damit sie ihr volles Aroma entfalten. Das geht am besten in einer speziellen Mohnmühle, mit einem Mörser oder mit der Küchenmaschine. Das so entstandene Mohnmehl sollte rasch verarbeitet werden, da das darin enthaltene Öl schnell ranzig wird.

Mohn ist reich an Eisen und knochenstärkendem Kalzium. Es liefert Eiweiß, Biotin und das Vitamin B1. Die traditionelle jüdische Küche ist ohne Mohn nicht vorstellbar. In mittel- und osteuropäischen Ländern wird er vor allem für Süßspeisen verwendet. Er ist fester Bestandteil der österreichisch-ungarischen Knödel- und Strudelküche.

15. Juni

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe - pflanzt er die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
 
Friedrich Schiller

   

16. Juni

Ich sah' sie am Wege, ihr Blick war leer, ihr Gang war schleppend und sehr schwer.
Ich fragte, ob ich ihr helfen kann.
Mit weinenden Augen sah sie mich an.
Sie sagte: ''Das Leben hat keinen Sinn'', und nahm mich mit, irgendwohin.

Ich sah' zwei schwarze Kreuze am Wege steh'n, ich hatte sie dort schon oft geseh'n. ''Es fällt mir schwer es Dir zu sagen, dort liegt das Schönste im Leben begraben.
Der Glaube, die Liebe, liegen hier still, weil niemand sie mehr haben will.''
Ich erschrak und schaute stumm, sah sie an und dann um mich herum.

Ein kleines Mädchen des Weges kam, uns beide bei den Händen nahm.
Wir gingen ein Stück des Weges rauf, dort tat sie ihre Hände auf.
Ein weißes Kreuzchen drinnen lag, und wenn ich das Leben nicht mehr ertrag,
so schau ich es an, dann geht's wieder gut, sind fort dann die Tränen von rotem Blut.

Was es denn sei, fragten wir dann.
''Die Hoffnung ist's'', und lacht uns an.
''Sie wird Dir helfen, jederzeit. Ist immer und ewig dazu bereit.''
''Durch Hoffnung können Glaube und Liebe leben,
sie kann Dir so viel auf Erden geben.''
''Ein Funke davon genügt dann oft,
ich kann es ruhig sagen, denn ich habe gehofft.''

???

17. Juni

Die Würze des Lebens
Auf der Suche nach dem Glück sollte man nicht unglücklich werden

Das Wort der Wörter hat gerade mal fünf Buchstaben, und seine Bedeutung ist für jeden eine andere - trotzdem suchen alle danach. Dabei kann man dem Glück derzeit kaum aus dem Weg gehen. Selbst an Tankstellen versprechen Plakate eine glückliche Zukunft. Eine Glückshysterie greift um sich. Nun könnte man annehmen, dass Menschen zu allen Zeiten vor allem glücklich sein wollten.
Die Geschichte zeigt aber, dass die Suche nach dem Glück lange Zeit keine große Rolle spielte, da es ums Überleben ging. Der Blick zurück mache vor allem eines deutlich: Das Bedürfnis nach Glück wallt in der Geschichte sporadisch auf und bricht sich Bahn im Diskurs "aus Gründen, die nicht sofort erkennbar sind".
Man sollte sich deshalb beim Streben nach Glück nicht unglücklich zu machen. Die Menschen denken, Glück ist ein Wohlgefühl, und es liegt nahe, sich immer wohlfühlen zu wollen. Aber was ist eigentlich Glück? Und warum verlaufen sich viele auf der Suche danach?
Viele Menschen denken ja, das sei eine Form von Urzustand des Menschen. Statt romantischer Vorstellungen gibt es die naturwissenschaftliche Perspektive: Gute Gefühle sind ein Nebenprodukt der Evolution.
Die Definition von Glück klingt ernüchternd. Es gibt Hormone im Blut, die mit guten Gefühlen einhergehen, wie die Endorphine. Zudem verändern Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin die Signalweiterleitung im Hirn.
Viele stellten sich ihr Hirn wie fest verdrahtet vor, in Wirklichkeit sei es aber "eher vergleichbar mit einem Kopfsalat, durchtränkt mit Soße“, erläutert der Neurologe das Glücklichsein. So wie die Soße den Geschmack bestimmt, bestimmen die Botenstoffe die Stimmung. Glücksgefühle seien die Würze des Lebens, die den Menschen belohnten, wenn er etwas für die Arterhaltung geleistet habe.
Deshalb machen Sex und Essen Spaß. Aber warum darf dieses Glück nicht von Dauer sein?
Die Evolution hat uns trainiert, Gefahren deutlicher wahrzunehmen als Positives.
Unter unseren Vorfahren im Neandertal habe es sicher Menschen gegeben, die sich nach einem Orgasmus oder einer Mammutkeule beseelt an der Blume am Wegesrand freuten. Die mögen glücklich gewesen sein, aber von denen stammen wir nicht ab. Die hat der Säbelzahntiger gefressen. Unsere Vorfahren sind die Miesepeter, die in der Höhle geblieben sind und gesagt haben: Lass die Glücklichen auf der Wiese spielen, bis der Tiger satt ist.
Wir sind auf Pessimismus dressiert, um zu überleben.
Früher war das Leben kurz und gefährlich, heute ist es lang und komfortabel. Es ist also höchste Zeit, unsere mentale Software upzudaten. Das ist nach der Theorie der Mediziner möglich, denn Glücklichsein lasse sich üben. Wenn etwas besser ist als erwartet, gibt es eine Art kleinen Kick. Kurz darauf aber ist der neue Zustand schon Gewohnheit. Das erkläre, warum Lottogewinner und Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden, sich nach zwei Jahren in ihrer Zufriedenheit kaum unterscheiden. Dieses Belohnungssystem hat den Sinn, dass wir uns an Neues heranwagen und uns an Lebenssituationen anpassen können.
Glück ist also eigentlich kein dauerhafter Zustand, den alle erreichen sollten? Als Arzt kennt man oft das Gegenteil: Hypochonder, die ihr Leid auch ganz gut leiden können. Der Frontallappen plant, der Seitenlappen vernetzt, und wir Deutschen haben noch ein zusätzliches Hirnteil: den Jammerlappen.
Der Fachmann empfiehlt Entspannungsverfahren und Meditation. Außerdem helfe es, alternative Denkstrategien zu erlernen.
Hier ein fundiertes Trainingsprogramm zum Glücklichsein.
"Erstens: Die Wachsamkeit für glückliche Momente trainieren und dazu ein Glückstagebuch schreiben. Das heißt, jeden Abend fünf Dinge aufschreiben, die an diesem Tag gut waren.
Zweitens: Dankbarkeit ausdrücken und Freundschaften stärken. Anderen etwas Gutes zu tun tut einem selbst gut.
Drittens: Nicht in Dinge, sondern in Erlebnisse investieren. Materielle Güter haben schnell einen Sättigungseffekt.
Viertens ist Bildung ein Schlüssel zum Glück: Von Wissen können wir nie genug kriegen. Eigentlich ist unser Glückssystem ein Lernsystem.
Sportmuffel müssen jetzt stark sein, denn Trainingseinheit fünf heißt Bewegung. Es gibt kaum etwas, was unserer Stimmung unmittelbarer einen positiven Impuls gibt, als den inneren Schweinehund zu überwinden und Sport zu machen.
Ein wichtiger Faktor ist nach Ansicht der meisten Glücksforscher auch, dass man das Gefühl hat, zu etwas Sinnvollem beitragen zu können und gebraucht zu werden. Die Mühe lohnt sich: Glückliche Menschen sind seltener krank. Glücklichsein ist also gar nicht so schwer. Doch wird es nie zum Dauerzustand werden. Wir müssen akzeptieren, dass es Teil des Lebens ist, krank zu werden und zu sterben. Reflektiertes Glück ist eines, das die negativen Aspekte des Schicksals nicht ausblendet. Und das Gegenteil von Glück ist übrigens nicht Unglück, sondern Langeweile.

18. Juni

Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
bist du nicht reif zum Glücklichsein,
und wäre alles Liebste dein.

Solang du um Verlorenes klagst
und Ziele hast und rastlos bist,
weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
das Glück nicht mehr mit Namen nennst.
Dann reich dir des Geschehenes Flut
nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

°^°Hermann Hesse°^

19. Juni

Zwei Wege führen zum Ziel
Frauen und Männer nutzen beim Problemlösen unterschiedliche Gehirnstrukturen.

Männer hören schlecht zu, und Frauen parken miserabel ein.
Das ist inzwischen dank eines Bestsellers hinreichend bekannt. Auch wenn viele Unterschiede zwischen den Geschlechtern klischeehaft, stark übertrieben und vereinfacht sind, so gibt es doch zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen tatsächlich unbestreitbare Unterschiede, die vermutlich auf das Sexualhormon Testosteron zurückzuführen sind. Es ist möglicherweise dafür verantwortlich, dass sich räumliches Vorstellungsvermögen und sprachliche Talente unterschiedlich auf die Geschlechter verteilen.
Doch damit nicht genug. Frauen und Männer nutzen die ihnen mitgegebenen Geistesgaben auch auf unterschiedliche Art und Weise, wie schon herausgefunden wurde.
Männer setzen zur Problemlösung hauptsächlich die Zellkörper der Nervenzellen ein, die so genannte graue Substanz.
Das weibliche Geschlecht hingegeben bedient sich der filigranen Zellausläufer, mit denen die Nervenzellen untereinander Kontakt aufnehmen und Informationen austauschen, wenn sie ihre Intelligenz ins Spiel bringen.
Es wurden Versuche gestartet, mit Hilfe eines speziellen Kernspingerätes, um den Unterschied aufzuspüren, zwischen männlicher und weiblicher Intelligenz. Die untersuchten Männer und Frauen hatten einen durchaus vergleichbaren Intelligenzquotienten. Ihre Hirne waren jedoch in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv.
So aktivieren die Männer im Durchschnitt 6,5-mal mehr graue Substanz als die Frauen. Umgekehrt leuchtete bei Frauen zehnmal so viel weiße Substanz beim Denken auf, wie bei Männern.
Diese Beobachtung könnte erklären, warum Männer sich häufiger bei Aufgaben hervortun, die eine lokale Signalverarbeitung erfordern, etwa der Mathematik. Mit viel grauer Substanz denken sich solche Aufgaben leichter.
Frauen wiederum gelten als das einfühlsame, integrative Geschlecht. Möglicherweise verdanken sie diese Fähigkeit ihren mit viel weißer Substanz ausgestatteten Gehirnen.
Ob Zellausläufer oder Zellkörper, zum Denken eignet sich beides. Die Evolution hat sich zwei Wege ausgedacht, die beide zum Ziel führen. Nicht eine singuläre neuroanatomische Struktur ist der Zentralsitz der Intelligenz, sondern unterschiedliche Regionen können dieselben Aufgaben erfüllen. Und damit hat sich mal wieder gezeigt, dass Frauen zwar anders, aber keineswegs schlechter denken.

 

20. Juni

Ich habe den Weg
unserer Möglichkeiten
verlassen.
Er wurde mir zu dornig.

Musste auf nackten
Sohlen gehen, denn er
fand keine Schuhe,
die ihm passten.

Mir ist dieser
Entschluss nicht leicht
gefallen, ich habe
ihn hinausgezögert -
bis an die Grenze
meiner Gutwilligkeit -

doch Schritte, die zu
sehr schmerzen,
führen nicht in die
Freiheit,
die ich meine.

-- Hans Kruppa –

21. Juni

Sommeranfang

Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Die Farbtypen-Lehre kann beim nächsten Einkaufsbummel helfen

Sommer:
Gedämpfte Farben passen zum Sommertyp. Die Schönheit der Sommerfrau wird am besten durch weiche Schattierungen betont, keinesfalls zu harte Töne verwenden. Ideale Farben sind zarte bis intensivere Nuancen von leicht verwaschenen Blautönen, von Himmelblau bis Grau. Kühle Aquatöne und leuchtende Farben bringen Augen zum Strahlen, der Teint wirkt frisch und klar. Auf gelbstichige Farben verzichten.
Beim Make-up sind alle kühlen Farben wie geschaffen für den Somemrtyp: Silbergrau, Blaugrau, Grün, Malvefarben bis Pink und zartes kühles Rosa harmonieren gut. Finger weg von warmen Rottönen oder Orange. Bei aschblonden Haaren wirken ein paar hellere Strähnchen in kühlem Blondton erfrischend.

22. Juni

Sommer

Kommt die liebe Sommerszeit,
trägt der Wald ein grünes Kleid,
und der Kuckuck, der schreit.

Wenn du dann den Kuckuck fragst,
wie lang du noch leben magst,
ruft der Kuckuck, wohl hundertmal.

Hast du einen Pfennig dann,
wirst du wohl ein reicher Mann,
weil der Kuckuck, das machen kann.

Hast du keinen Pfennig nicht,
bleibst du stets ein armer Wicht,
doch den Kuckuck, den kümmert’s nicht.

Hans Poser

23. Juni

Das Gewitter in der Heuernte

Draußen fängt es an windig zu werden. Die Wolken fliegen am Himmel. Langsam erheben sich schwarze Wände. Die Vögel suchen die Gebüsche. Die Fische springen nach Mücken. Wirbelwinde reißen bald Heu bald Staub hoch in die Luft. Da eilt alles aus dem Haus und geht und hilft. Die Leute mühen sich, Heu so viel als möglich heimzubringen. Der Wind reißt das Heu von den Gabeln. Die Mähnen der Pferde fliegen im Wind.
„Halt dich gut!“, schreit es von unten herauf. Die mächtigen Rosse jagen im Trab. Die Knechte springen nach und werfen mitten im Lauf Gabeln voll Heu auf den Wagen.
Schon rauschen schwere Tropfen nieder. Der Wind stößt immer heftiger. Einer springt nach dem Wiesbaum. Im Hui ist er auf dem Wagen. Mit dicken Seilen wird er niedergeschnürt. Flink sind die Recherinnen nachgeeilt und kämmen den Wagen glatt.
Da jagt das Wetter heran. Es glitzert der schwere Regen. Es kracht aus den schweren Wolken, und Staub jagt dem Regen weit voran. Die Rosse greifen weit aus und fliegen der Scheuer zu. Mit den Gabeln auf der Schulter rennen die Knechte nach. Die Mägde mit den Schürzen über dem Kopf traben hintendrein. Mit Lachen und Scherzen schütteln sie sich unter dem sicheren Dach den Regen aus den Kleidern.
Da platz der Regen in Strömen herab. Es zuckt die Glut des Blitzes durch die dunkle Tenne. Hart kracht es über dem Hause. Ängstlich und andächtig steht das Gesinde unter dem schirmenden Dach. Es weiß, der Herr rollt nahe über seinen Häuptern weg.
Es dunkelt, Man ruft zum Essen. Schwarz ist es noch am Himmel. Aber der Regen rauscht sanfter, und der Donner rollt nur noch aus der Ferne.

Nach Jeremias Gotthelf

24. Juni

Erde und Sonne

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.

Christian Morgenstern

25. Juni

Die Kornähren

Es geschah zu den Zeiten, als der liebe Gott noch selbst auf Erden wandelte. Da wuchsen die Körner am Halme von unten bis oben hinaus. So lang der Halm war, so lang war auch die Ähre. Aber die Menschen in ihrem Überfluss achteten nicht darauf.
Eines Tages ging eine Frau mit ihrem Kind an einem Kornfeld vorbei. Das kleine Kind fiel in eine Pfütze und beschmutzte sein Kleidchen. Da riss die Frau eine Handvoll der schönen Ähren ab und wischte ihm damit den Schmutz ab.
Als der liebe Gott dies sah, wurde er zornig und sprach: „Fortan soll der Kornhalm keine Ähre mehr tragen; die Menschen sind der himmlischen Gaben nicht wert!“
Die Leute, die das hörten, erschraken, fielen auf die Knie und flehten: „Lass doch etwas in dem Halme stehen! Wenn wir es auch selbst nicht verdienen, so tu es doch der unschuldigen Hühner wegen, die sonst verhungern müssen!“
Und der liebe Gott dachte an das große Elend, das kommen würde, erbarmte sich über die Menschen und erfüllte ihre Bitte.
Also blieb noch oben am Halme die Ähre übrig, wie sie jetzt wächst.

Brüder Grimm

26. Juni

Weit und schön ist die Welt,
doch o wie dank ich dem Himmel,
dass ein Gärtchen, beschränkt,
zierlich, mein eigen gehört.
Bringet mich wieder nach Hause!
Was hat ein Gärtner zu reisen?
Ehre bringt’s ihm und Glück,
wenn er sein Gärtchen versorgt.

Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)

27. Juni

Siebenschläfertag

Woher hat er seinen Namen? Mit dem Tier gleichen Namens hat dieser Tag nichts zu tun. Er geht auf eine Legende zurück. Zur Zeit der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius verbargen sich im Jahr 231 n. Chr. sieben Jünglinge in einer Höhle des Berges Kalion bei Ephesus und fielen dort in einen tiefen Schlaf. Sie erwachten erst rund 200 Jahre später am 27. Juni 446, als die Höhle entdeckt wurde. Nachdem sie ihre Geschichte erzählt hatten, starben sie, vom Glorienschein der Heiligkeit umgeben.

28. Juni

Engelwacht

Wenn die kleinen Kinder beten,
hören alle Englein zu,
und die Sterne alle treten
leis herzu auf goldnem Schuh,
lauschen auf des Kindes Worte,
schließen tief ins Herz sie ein;
tragen durch des Himmels Pforte
sie zum lieben Gott hinein.

Wenn die Kinder schlafen ein,
wachen auf die Sterne,
und es steigen Engelein
nieder aus der Ferne;
halten wohl die ganze Nacht
bei dem guten Kinde Wacht.

Des Knaben Wunderhorn

29. Juni

Die 10 Gebote der Indianer

Behandle die Erde und alles was auf ihr lebt mit Respekt.

Bleibe stets in enger Verbindung mit dem Großen Geist.

Zeige großen Respekt vor deinen Nächsten.

Arbeite gemeinsam zum Wohle der Menschheit.

Helfe und sei gütig wo immer dies gebraucht wird

Tue das, von dem du weißt, dass es richtig ist.

Kümmere dich darum, dass Körper und Geist sich wohl fühlen.

Verwende einen Teil deiner Anstrengungen für das Höhere Gute.

Sei ehrlich und wahrheitsliebend zu jeder Zeit.

Übernimm die volle Verantwortung für alle deine Taten.

30. Juni

Vergiss nicht,
jede Wolke,
so schwarz sie auch ist,
dem Himmel zugewandt
doch ihre Sonnenseite hat.

unbekannt


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