März 2009
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Primeln
Primula heißt „kleiner Erstling“. Ihren botanischen Namen trägt diese artenreiche Gattung, weil einige Freilandarten zu den ersten blühenden Pflanzen im neuen Jahr gehören. Während die meisten Arten Garten- und Freilandblumen sind, werden wenige auch als Topfpflanzen im Zimmer und auf dem Balkon gehalten.
Zimmerprimeln lieben helle, aber unbesonnte Plätze und wollen im Winter nicht besonders warm gehalten werden. Auch sind sie empfindlich gegen übergroße Bodennässe, aber auch gegen Ballentrockenheit. Man sollte täglich gießen. Wenn Primeln im Winter zu warm stehen, blühen sie nur kurz.
Zimmerprimeln werden durch Aussaat vermehrt. Für einen Zimmergärtner hat das freilich keinen Sinn. Man kauft die Pflanzen besser, das ist preiswerter.
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Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen
nicht ruhn;
Sie haben im Haus und im Garten zu tun.
Sie graben und rechen und singen ein Lied;
Sie freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.
So geht unter Arbeit das Frühjahr
vorbei;
Da erntet der Bauer das duftende Heu.
Er mäht das Getreide, dann drischt er es aus;
Im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.
Aus Walther Hensel „Der singende Quell“
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Mineralien - Make-ups
Das Rezept ist alles andere als neu: Schon die alten Ägypter wussten die Vorteile von fein gemahlenen Gesteinen und Quarzen zu schätzen und setzten sie für die Schönheit ein. Jetzt hat die Kosmetikindustrie das antike Wissen neu für sich entdeckt und preist Make-ups, Puder und Lidschatten auf der Basis von Mineralien an – und schon ist ein neuer Trend geboren.
Mineralien als Inhaltsstoffe von Kosmetika liegen eindeutig im Trend. Als Sonnenschutzfilter ersetzen sie in Form von Titaniumdioxid und Zinkoxid in der Naturkosmetik schon seit Jahren chemische Filter. Nun sollen Mineralien auch beim Make-up punkten. Die Vorteile: Mineralkosmetik verspricht, frei von Zusatzstoffen wie Öl und Parfüm zu sein. Das macht sie sehr gut verträglich. Heutzutage hat fast jede Frau Probleme mit ihrer Haut. Make-ups, die auf Konservierungs- und Duftstoffe verzichten, sind daher beliebt. Es wurden Make-up-Serien auf der Basis von Mineralien auf den Markt gebracht. In den USA wurden schon vor mehr als zehn Jahren Schminkprodukte aus Titaniumdioxid und Zinkoxid entwickelt.
Experten zufolge wirkt Mineralkosmetik entzündungshemmend und hautberuhigend. Gleichzeitig ist für UV-Schutz gesorgt, weil ihre kleinen Partikel die Strahlung reflektieren.
Puder aus Mineralien haftet direkt auf der Haut, setzt sich nicht in Vertiefungen und Poren ab. So kann die Haut gut atmen. Zusätzlich werden den meisten dieser Make-ups Vitamine und Antioxidantien zugegeben. Diese Mischung schützt die Haut vor Umwelteinflüssen und beugt Hautalterung vor.
Da Cremes und Puder optimal mit der Haut verschmelzen und gleichzeitig gut abdecken, sorgen sie außerdem für einen ebenmäßigen Teint. Sogar Falten werden optisch reduziert. Die mikrofeinen Partikel reflektieren Licht wie ein Weichzeichner.
Bei aller Euphorie gibt es aber auch kritische Stimmen. Schließlich würden herkömmliche Produkte dekorativer Kosmetik mittlerweile dermatologisch so genau unter die Lupe genommen, dass auch dort kaum ein Allergierisiko gegeben wäre.
Zudem sehen Menschen mit sehr trockener Haut mit Mineralien-Make-ups nicht gut aus, heißt es. Auch die Farbtöne, die es bis jetzt im Handel gibt, seien nicht für jeden ideal. Und während die Hersteller von Mineralien-Make-ups diese als „Kosmetik der Zukunft“ bezeichnen, sehen manche es eher als einen kurzlebigen Trend. Die Kosmetikindustrie müsse sich eben immer etwas Neues einfallen lassen.
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Heimliche Liebe

Kein Feuer, keine Kohle
kann brennen so heiß
als heimliche Liebe,
von der niemand nichts weiß.
Keine Rose, keine Nelke
kann blühen so schön,
als wenn zwei verliebte Seelen
beieinander tun stehn.
Setze du einen Spiegel
ins Herz mir hinein,
damit du kannst sehen,
wie treu ich es mein’!
unbekannter Dichter
aus dem 18. Jahrhundert
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Das Hemd des Zufriedenen - Wilhelm Busch
Es war einmal ein reicher König; dem machte das Regieren so viele Sorgen, dass er darum nicht schlafen konnte die ganze Nacht. Das ward ihm zuletzt so unerträglich, dass er seine Räte zusammenrief und ihnen sein Leid klagte.
Es war aber darunter ein alter, erfahrener Mann; der erhob sich, da er vernommen, wie es um den König stand, von seinem Stuhle und sprach: „Es gibt hur ein Mittel, dass wieder Schlaf in des Königs Augen kommt; aber es wird schwer zu erlangen sein. So nämlich dem Könige das Hemd eines zufriedenen Menschen verschafft werden könnte und er das beständig auf seinem Leibe trübe, so halte ich dafür, dass ihm sicherlich geholfen wäre.“
Da das der König vernahm, beschloss er, dem Rate des klugen Mannes zu folgen, und wählte eine Anzahl verständiger Männer, die sollten das Reich durchwandern und schauen, ob sie nicht ein Hemd finden könnten, wie es dem Könige Not tat.
Die Männer zogen aus und gingen zuerst in die schönen, volkreichen Städte, weil sie dachten, dass sie da wohl am ehesten zu ihrem Ziele kämen. Aber vergebens war ihr Fragen von Haus zu Haus nach einem zufriedenen Menschen; dem einen gebrach dies, dem andern das; so mochte sich keiner zufrieden nennen.
Da sprachen die Männer untereinander: „Hier in der Stadt finden wir doch nimmer, wonach wir suchen; darum so wollen wir auf das Land hinausgehen; da wird die Zufriedenheit wohl noch zu Hause sein.“
Sprachen’s, ließen die Stadt mit ihrem Gewühle hinter sich und gingen den Weg durch das wallende Korn dem Dorfe zu.
Sie fragten von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte, sie gingen in das nächste Dorf und weiter von da, sie kehrten bei Armen und bei Reichen ein; aber keinen fanden sie, der ganz zufrieden war. Da kehrten die Männer traurig wieder um und begaben sich auf den Heimweg.
Wie sie nun so in sorgende Gedanken vertieft über eine Flur dahinwandelten, trafen sie auf einen Schweinehirten, der da gemütlich bei einer Herde lag, indem kam auch des Hirten Frau, trug auf ihren Armen ein Kind und brachte ihrem Manne das Morgenbrot. Der Hirt setzte sich vergnüglich zum Essen, verzehrte, was ihm gebracht war, und danach spielte er mit seinem Kinde. Das sahen die Männer des Königs mit Erstaunen, traten herzu und fragten den Mann, wie es käme, dass er so vergnügt wäre und hätte doch nur ein so geringes Auskommen?
„Meine lieben Herren“, sprach der Sauhirt, „das kommt daher, weil ich mit dem, was ich habe, zufrieden bin.“
Da freuten sich die Männer des Königs höchlich, dass sie endlich einen zufriedenen Menschen gefunden hatten, und erzählten ihm, in welcher Sache sie von dem Könige wären ausgesandt worden, und baten ich, dass er ihnen möchte für Geld und gute Worte ein Hemd von seinem Leibe geben.
Der Sauhirt lächelte und sprach: „So gern ich euch, meine lieben Herren in eurem Anliegen möchte zu Willen sein, so ist es mir doch nicht möglich; denn Zufriedenheit habe ich wohl, aber kein Hemd am Leibe.“
Als das die Männer vernahmen, erschraken sie und gaben nun ganz die Hoffnung auf, ein Hemd zu finden, wie es dem Könige Not tat. Betrübt und mit gesenkten Blicken traten sie wieder vor ihnen Herrn und berichteten ihm, wie all ihr Suchen und Fragen vergeblich gewesen sei; sie hätten manchen gefunden, der wohl ein Hemd gehabt hätte, aber keine Zufriedenzeit, und endlich hätten sie einen angetroffen, der wäre freilich zufrieden gewesen, aber leider hätte er kein Hemd gehabt.
So musste denn der König seine Sorgen ferner tragen und voll Unruhe oft nächtelang auf seinem Bette liegen, ohne dass Schlaf in seine Augen kam, und es konnte ihm nicht geholfen werden.
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Selbstgeständnis

Ich bin meiner Muter einzig Kind,
und weil die andern ausblieben sind,
was weiß ich, wie viel, die sechs oder sieben,
ist eben alles an mir hängen blieben;
ich hab’ müssen die Liebe, die Treue, die Güte
für ein ganz halb Dutzend allein aufessen;
ich will’s mein Lebtag nicht vergessen.
Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen,
hätt’ ich nur auch Schläg’ für sechse bekommen!
Eduard Mörike
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Die Geschichte vom Dummkopf
waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau. Die hatten einen Sohn. Der war ein Dummkopf. Die Mutter wollte, dass ihr Sohn ein bisschen klüger würde, und sagte daher: "Lieber Sohn, du musst in die Welt gehen und unter die Leute treten. Dann wirst du klüger.“
Der Sohn gehorchte. Er kam durch ein Dorf und sah auf der Tenne die Leute Erbsen dreschen. Da die Mutter gesagt hatte, er solle unter die Leute treten, ging er hin und fing an, bald den einen, bald den anderen mit den Füßen zu treten. Zuerst sagten sie ihm im Guten, er solle damit aufhören. Aber als sie sahen, dass er nicht hörte, schlugen alle auf ihn ein. Zerschunden kam er heim. Die Mutter sah ihren Sohn weinen und fragte gleich, warum. Da erzählte er sein Leid.
"Ach, was bist du doch für ein Dummkopf!“, antwortete ihm die Mutter. "Du hättest sagen müssen: Gott lohn' es euch! Ich wünsche euch so viel, dass ihr es gar nicht tragen könnt und dass es nie ein Ende nimmt. Dann hätten sie dir Erbsen geschenkt, und wir hätten sie essen können.“
Am nächsten Tag ging der Dummkopf wieder durch ein Dorf und traf Leute, die einen Toten begruben. Da schrie der Dummkopf laut, was ihn die Mutter gelehrt hatte: "Gott lohn' es euch! Ich wünsche euch so viel, dass ihrs gar nicht tragen könnt und dass es nie ein Ende nimmt!“ Da schlugen die Leute wieder auf ihn los, und als er heimkam, war er zornig auf seine Mutter, weil sie ihn einen bösen Spruch gelehrt hatte.
Da entgegnete sie ihm: "Du hast wieder nicht so gehandelt, wie es richtig war. Du hättest hinknien, einige Vaterunser beten und heftig weinen müssen.“
Jetzt, so dachte der Dummkopf, werde ich mich nicht mehr täuschen lassen. Jetzt weiß ich, was ich in Zukunft zu tun habe.
Nach einigen Tagen ging der Dummkopf wieder in ein Dorf. Da hörte er, wie sie in einem Haus spielten, tanzten und sangen. Es war da nämlich eine Hochzeit. Er ging in das Gehöft, nahm seinen Hut ab, fiel auf die Knie, weinte und betete: "Der Herr gebe euch die ewige Ruhe!“
"Was ist das für ein Mensch?“, riefen die trunkenen Hochzeitsleute. "Wir sind alle fröhlich, und er weint, wie wenn er seinen Vater umgebracht hätte.“ Sie sprangen auf den Dummkopf los und prügelten ihn.
Seit der Zeit ließ die Mutter ihren Sohn nicht mehr unter die Menschen. Bis heute ist er nicht mehr vom Hofe gegangen.überliefert
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Frühling, hinkender Bote des Winters,
ich hasse dich!
Was bist du anderes als ein Winter ohne Ball,
ein Winter ohne Tanz!
Wollt ihr Schnee?
Der Frühling bringt ihn.
Wollt ihr Eis?
Der Frühling bringt es.
Wollt ihr Husten, Schnupfen, Rheuma, Migräne, Gliederreißen, Frostbeulen?
Das alles bringt der Frühling.
Gottlieb Moritz Saphir 1795 - 1858
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Stiefmütterchen
Jahrhundertelang galt das farbenprächtige und unermüdlich blühende Stiefmütterchen, das in einer Vielzahl von Farben und Größen auf Balkonen, in Gärten und in Anlagen zu sehen ist, als Unkraut, denn als Zierpflanze.
Erst als sich die Blumenzüchter des Wilden Stiefmütterchens annahmen, ist durch langwierige Züchterarbeit aus einem einstmals zwar niedlichen, aber recht unscheinbaren Veilchengewächs eine attraktive Zierpflanze geworden.
Vom Wilden Stiefmütterchen einem ein- bis mehrjährigen auf Äckern und Wiesen anzutreffenden, zehn bis 25 Zentimeter hohen verästelten Pflänzchen, sind zahlreiche Unterarten bekannt. Seine Blüten mit fünf Kronblättern sind so gestaltet, dass zwei Kronblätter nach oben ragen, zwei zur Seite zeigen und eines – das größte – zungenförmig nach unten hängt. Diese Form in Verbindung mit der unterschiedlichen Färbung der Kronblätter gibt der Stiefmütterchenblüte eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Gesicht. So erklärt sich eine Reihe von Volksnamen für diese kleinen Blumen wie Schöngesicht, Mädchenauge oder Dreifaltigkeitsblümchen. Hier bei uns nennt man es auch „Glotzerchen“.Auch in der Volksmedizin spielen die wilden Stiefmütterchen eine große Rolle. Sowohl die mehr gelbblühenden Pflanzen des Acker-Stiefmütterchens als auch das auf Wiesen und Äckern anzutreffende, eher violett blühende Echte Stiefmütterchen liefern einen Heiltee gegen Gicht, Rheuma und vor allem gegen Hautausschläge. Man erntet dazu das blühende Kraut.
Aus einer Kreuzung des Wilden Stiefmütterchens mit anderen Arten der Gattung Viola sind die Gartenstiefmütterchen entstanden, die heute weltweit verbreitet sind. Sie sind bis zu 30 Zentimeter hoch, haben denselben Blütenaufbau wie ihre „Vorfahren“ und weisen eine Vielzahl von Färbungen auf. Auch gibt es Sorten mit „Augen“ oder dunklen Flecken, andere sind nelkenartig und gestreift oder marmoriert, haben „Rokoko-Charakter“ und sind auch gefüllt. Sogar duftende Sorten gibt es bereits.
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Stiefmütterchen,
sind bei uns im Schwabenland,
auch als "Glotzerchen" bekannt.
Dass "Glotzer" Augen sind,
weiß hier jedes Kind.Jede Blüte hat ein anderes Gesicht,
als ob es zu Dir spricht.In allen Farben kann man sie sehn,
überall und wunderschön.
Hitze und Sonne
ist für sie Wonne,
aber auch der Regen
ist ein Segen.
Die "kleine Schwester", das Veilchen,
blüht im Frühjahr nur ein Weilchen.
Die "große Schwester" bleibt uns erhalten,
den ganzen Sommer kann sie sich entfalten.
Der lieblich feine Duft,
Erinnerungen wach ruft.
Es ist wie in einem Zaubergarten,
wo Elfen und Feen auf uns warten.
Du hast drei Wünsche frei
und eins, zwei und drei ...
sind Deine Wünsche wahr
und Du fühlst Dich wunderbar.
Beschwingt und voller Glück
kehrst Du ins richtige Leben zurück.Sind sie nicht süß? Die Blüten?
Als ob sie sagen wollten:
"Schau mir in die Augen, Kleines!"Heidi Gotti
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Heiserkeit
Die Stimme ist in den Wintermonaten besonders angreifbar. Wenn ständig kalte Atemluft durch den Rachen strömt, steigt die Gefahr eines Halsinfekts. Dabei können schnell die Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders anfällig für solche Erkrankungen sind Menschen, die ihr Stimmorgan überbeanspruchen. Wenn man knapp zwei Stunden in einem kalten Fußballstadion steht und viel laut schreit, sind die Stimmbänder danach knallrot und geschwollen. Die Gefahr einer Infektion ist dann groß. Aber auch ohne solche Überlastungen nisten sich in den oberen Atemwegen gern Viren oder Bakterien ein. Häufig tritt in der kalten Jahreszeit etwa eine Kehlkopfentzündung auf, bei der in erster Linie die Stimmbänder betroffen sind. Man wird heiser und muss häufig husten. Wenn man bei diesen ersten Anzeichen nicht reagiert und die Stimme schont, kriegt man bald keinen Ton mehr heraus.
Deshalb gilt es, aufmerksam die Vorboten einer Halsentzündung zu beachten. Wenn der Rachen sich gereizt anfühlt und die Stimme belegt klingt, stimmt etwas nicht. Dazu gesellt sich meistens das Gefühl, einen Fremdkörper im Hals zu haben, weshalb man sich häufig räuspern muss.
Spätestens bei solchen Anzeichen ist zu raten, sich mit dem lauten Sprechen etwas zurückzuhalten, einen Schal umzulegen und heiße Getränke wie Tee oder Milch mit Honig zu trinken.
Bei aller Rücksicht auf die Stimme soll man allerdings darauf achten, nicht zu flüstern. Beim Flüstern tritt schnell eine Fehlfunktion der Stimmbänder auf. Sie führt dazu, dass die Stimmbänder nicht mehr ganz geschlossen werden können. Besser ist deshalb entspanntes, leises Reden oder die Stimme ganz schonen.
Darüber hinaus können pflanzliche Heilmittel die Beschwerden lindern. Empfehlenswert sind vor allem entzündungshemmende Wirkstoffe wie Salbei oder Kamille, die man als Tee trinken kann. Den Hustenreiz können Efeu-Extrakte beruhigen. Auch Halsbonbons bringen ein wenig Entlastung, weil sie die Sekretbildung anregen, wodurch die Stimmbänder feucht gehalten und gepflegt werden.
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Puppendoktor

„Ach, lieber Doktor Pillermann,
sieh dir mal bloß mein Püppchen an,
drei Tage hat es nichts gegessen,
hat immer so stumm dagesessen,
die Arme hängen ihr wie tot,
sie will nicht einmal Zuckerbrot!
Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
ist diese Krankheit sehr efährlich?“
„Madame, Sie ängst’gen sich noch
krank!
Der Puls geht ruhig, Gott sei Dank;
Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
sie muss zu Bett, muss tüchtig schwitzen;
drei Kiebitzeier gebt ihr ein,
dann wird es morgen besser sein.
Empfehl’ mich!“
Paula Dehmel
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Aberglaube - die Zahl 13
Der Volksmund nennt sie „Dutzend des Teufels“, denn der dreizehnte Gast beim Abendmahl war der Verräter Judas. Freitag der 13. steht besonders in Verruf, weil Jesus Christus an einem Freitag gekreuzigt wurde.
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Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet
so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"
Was knospet, was keimet, was duftet
so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"
Was klingelt, was klaget, was flötet
so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - da wusst' ich genug!
Heinrich Seidel
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Die früheste Beere des Jahres
Das ist nicht wie viele meinen die Erdbeere. Es ist die Maibeere, die wie ihr Name schon andeutet, im Wonnemonat reife Beeren hervorbringt. Sie sind einen Zentimeter lang, walzenförmig, blau und schmecken wie Heidelbeeren - nur süßer. Die Beeren sind vitaminreich, und es macht wirklich Freude, schon im Mai eigene Früchte zu ernten. Der ca. 1,5 m hohe Strauch erinnert mit seinen Blättern und seiner Wuchsform an die Kulturheidelbeere, dabei sind die beiden Arten überhaupt nicht miteinander verwandt.
Die Maibeere gedeiht fast überall, sie braucht auch keinen sauren Boden und ist ungeheuer frostfest. Schon im Februar blüht der robuste Strauch, und die Blüten halten Temperaturen bis zu minus acht Grad problemlos aus.
Wichtig ist: Es sollten zwei verschiedene Sorten nebeneinander wachsen, damit sie sich gegenseitig befruchten und ordentliche Erträge liefern.
Wie bei Kulturheidelbeeren schneidet man die zwei Jahre alten Triebe, die man an der borkigen Rinde erkennt, an der Basis ab und zwar gleich nach der Ernte. Jede Pflanze sollte insgesamt acht bis zehn Triebe besitzen. Etwas Beerenobstdünger im Frühjahr und gründliches Wässern bei Hitzeperioden - das war's auch schon mit der Pflege. Wenn die Maibeeren im August oder September die Blätter rieseln lassen, dann ist das ganz normal!
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Gefunden
Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich ein Blümlein stehn,
wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.
Ich wollt’ es brechen, da sagt’ es
fein:
Soll ich zum Welken Gebrochen sein?
Ich grub’s mit allen den Würzlein
aus,
zum Garten trug ich’s am hübschen Haus.
Und pflanzt’ es wieder am stillen Ort;
Nun zweigt es immer und blüht so fort.
Johann Wolfgang von Goethe
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Es war einmal vor vielen Jahren, so ungefähr 50 und noch mehr.
Da kannten die Menschen auch schon vier Jahreszeiten.
Aber die Kinder, besonders die kleinen Mädchen, kannten nur drei.
Die erste war die Kratzstrumpfjahreszeit, die dauerte immer am längsten, nämlich mindestens ein halbes Jahr. Die mochten die Kinder gar nicht so gern, auch wegen der Strumpfhalter.
Doch wie freuten sich die Kinder, wenn endlich Ostern war, gar nicht so sehr über die Ostereier, sondern weil nun die Kniestrumpfzeit anfing, alltags farbig und sonntags weiß.
Aber die allerschönste Jahreszeit begann zu Pfingsten, das war nämlich die Söckchenzeit, alltags farbig und sonntags weiß natürlich. (Es machte den Kindern auch gar nichts aus, dass sie manchmal zu ganz kleinen Knäueln zusammenrutschten und aus der Schuhspitze herausgeholt werden mussten).
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Ein Wunsch
Ein Häuschen wünscht ich mir,
versteckt und klein,
auf dessen Sims sein Lied der Vogel singt,
an dessen reb'umsponnen Fensterkreuz
der letzte Ton der lauten Welt verklingt.
Darin für mich und für die Meinen
Raum,
vom Straßenlärm der Städte meilenweit – – –
und einen Garten pflanzt ich um mein Haus,
darinnen Blatt und Blüt und Frucht gedeiht.
Ein Apfelbaum, der goldne Früchte
trägt,
ein Laubgezelt am schwülen Sonnentag,
ein Rosenhag, von dessen Duft berauscht,
ich einsam sinnen, träumen, dichten mag!
Und einen Blick in Gottes schöne
Welt,
ins ährenreiche wogende Gefild,
das, sanft geschwellt vom Hauch des Abendwinds,
vom goldnen Erntesegen überquillt.
Und so viel von dem Gute dieser Welt
gib mir, o Herr, dass ich dem armen Mann,
der an die Pforte meines Hauses klopft,
ein Stückchen Brot als Imbiss bieten kann!
Clara Müller-Jahnke
(1860 - 1905),
dt. Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin
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Der Frühling ist da!
Hinaus, hinaus, der Frühling ist da!
Wer hat ihn gesehn? Wer hat es gesagt?
Das haben die gelben Primeln gesagt,
Schneeglöckchen und Weidenkätzchen am Bach,
und die Schlüsselblumen, die wissen es längst.
Die Amsel singt es von Busch und Baum
Und die Lerche, die hoch in die Lüfte sich schwingt.
Wie blau der Himmel, wie linde die Luft!
Und Sonne, Sonne auf Feldern und Saat!
Nun wächst das Korn, nun grünt der Strauch,
nun jauchzen wir alle: Der Frühling ist da!
Adolf Holst
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Frühlingsanfang
Gevatter Star sitzt auf der Sprosse vor seinem Häuschen und hält Ausschau nach dem Frühling. Er hält sich keinen Kalender und kann natürlich nicht wissen, dass heute der 20. März ist und der Frühling gerade begonnen hat. Erst vor wenigen Tagen ist Gevatter Star von seiner großen Reise aus dem Süden heimgekehrt. Als er ankam, hat es erst einen Streit mit den Spatzen gegeben. Natürlich ging es um die Wohnung. Familie Spatz hatte sich in der Wohnung des Stars den ganzen langen Winter über eingenistet, und natürlich wollten die kleinen frechen Kerle nicht ausziehen. Da hättet ihr aber den Star sehen sollen. Schließlich zogen die Spatzen den kürzeren, wenn sie auch noch so laut und wütend dem Gevatter Star ihr »Tschilp, tschilp" an den Kopf warfen.
Jetzt ist der Star wieder Herr im Haus. Mit Ruhe kann er endlich schauen, was das Wetter und die Leute machen.
Also, denkt er, die Sonne scheint schon ganz schön warm. Da lässt sich's wohl ein Liedlein pfeifen. Geradeso wie der kleine Junge und das hübsche Mädchen, die an der Hand der Mutter munter in den Frühling hinein marschieren.
Da drüben hoppelt Meister Mümmelmann, der Hase, über die Felder und hebt seine Nase genüsslich in die frische Frühlingsluft. Es ist doch eine Lust zu leben, mag er wohl denken.
Ja, die ersten Frühlingstage sind schön. Alles sieht gleich ein wenig freundlicher aus, wie verzaubert, pflegt Gevatterin Amsel zu flöten. Heute morgen hatte sie es schon ganz wichtig auf dem Wipfel des Kastanienbaums, der noch kahl seine derben Äste in die Luft streckt. Was wird sie erst flöten und jubilieren, wenn die Kastanie ihre großen weißen Kerzen im Laubdach aufsteckt!
Gleich wird Frau Amsel sich mit der halben Verwandtschaft im Holunderbusch zu einem Schwätzchen treffen. Da wird es gleich wieder über die anderen hergehen, mit denen man sich ein wenig gezankt hatte. Sie sollten sich lieber über die wunderschönen Schneeglöckchen dort drüben freuen, denkt Gevatter Star. Die wollen doch auch mit einem Liedlein begrüßt werden.
Da kommt ein kleines Mädchen und pflückt die Schneeglöckchen, um sie der Mutti als ersten Frühlingsgruß nach Hause zu bringen. Warst du das etwa?Rita Fürth
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Erdflöhe
Als Gärtner kennt man sie nur zu gut. Dieser weitverbreitete Schädling ist aber nicht etwa ein richtiger "Floh", sondern vielmehr ein Käfer, ganz genau gesagt: ein springender Blattkäfer, der 2 bis 3 mm groß wird und wegen seiner Sprünge Erdfloh genannt wird. Sein Rückenpanzer kann gelb, blau-schwarz oder schwarz gestreift sein. Man kann seine Eigenart, bei der geringsten Berührung aufzuspringen, für die Bekämpfung nutzen, indem man Bretter, die mit Leim bestrichen wurden, dicht über die befallenen Beete führt. Die aufspringenden Käferchen bleiben dann daran kleben. Diese Maßnahme muss aber sofort erfolgen, nachdem die allerersten Fraßlöcher in den Blättchen bemerkt werden, denn Erdflöhe sind stets hungrig und können in einer einzigen Nacht Keimlinge von Kohl, Radieschen oder Rettich so zerfressen, dass eine Nachsaat notwendig wird. Die Schädlinge treten nur in trockenen Beeten auf. Auch dieses Wissen können wir bei ihrer Bekämpfung einsetzen: Regelmäßiges Gießen ist eine gute Vorbeugung, denn auf feucht gehaltenen Saatbeeten kommen sie seltener vor. Wichtig ist vor allem eine frühzeitige Bodenlockerung und Unkrautbekämpfung, die schon ab März beginnen sollte. Auch unter einer Lochfolie oder unter Abdeckvlies treten sie kaum auf, wenn für ausreichend Feuchtigkeit
gesorgt wird.
Besonders gefährdet sind die jungen Aussaaten. Ältere Pflanzen werden seltener heimgesucht und überwachsen die Schäden leicht.
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Der Floh
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Es war einmal ein König
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In Sammet und in Seide
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Und Herrn und Fraun am Hofe,
die waren sehr geplagt,
die Königin und die Zofe
gestochen und genagt,
und durften sie nicht knicken
und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
doch gleich, wenn einer sticht.
Johann Wolfgang von Goethe
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Die ziemlich intelligente Fliege
Moral: Glückszahlen oder Derartiges gewähren nicht immer Sicherheit
Eine große Spinne hatte sich in einem alten Hause ein wundervolles Netz gebaut, um Fliegen zu fangen. Jedesmal, wenn eine Fliege in dem Netz landete und sich in ihm verfing, verzehrte die Spinne sie, damit andere Fliegen, die vorbeikamen, denken sollten, das Netz sei ein sicherer und gemütlicher Platz. Eines Tages summte eine ziemlich intelligente Fliege solange über dem Netz herum, ohne sich niederzulassen, daß die Spinne hervorkroch und sagte: „Komm herunter“, aber die Fliege war zu klug für sie und sagte: „Ich lasse mich nirgends nieder, wo ich nicht andere Fliegen sehe, und ich sehe keine anderen Fliegen in deinem Haus.“
So flog sie weg, bis sie wohin kam, wo sehr viele Fliegen beisammen saßen. Die Fliege war gerade dabei, sich unter ihnen niederzulassen, als eine Biene aufbrummte und sagte: „Halt, du Idiot, hier ist Fliegenleim. Alle Fliegen sind hier gefangen.“ – „Sei nicht töricht“, sagte die Fliege, „sie tanzen doch.“ So ließ sie sich nieder und blieb auf dem Fliegenleim kleben wie die anderen Fliegen.
James Thurber
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Die Mücken
Dich freut die warme Sonne.
du lebst im Monat Mai.
In deiner Regentonne,
da rührt sich allerlei.
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Viel kleine Tierlein
steigen Noch sind sie ohne
Tücken, Sie fliegen auf und
nieder |
Du gehst zu Bett um
zehne, Drückst du auch in die
Kissen Merkst du, dass er dich
impfe, |
(Wilhelm Busch)
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Die Mücke
Ein leises Gesurr. Auf meine Hand
sinkt Flügel schwirrend eine Mücke nieder,
ein Hauch von einem Leib, sechs zarte Glieder wo kam sie her aus winterlichem
Land?
Ein Rüssel ... Schlag ich zu? Missgönn' ich ihr den Tropfen Blut, der solches
Wesen nährt?
Den leichten Schmerz, den mir der Stich gewährt? Sie handelt, wie sie muss. Bin
ich ein Tier?
So stich nur zu, du kleine Flügelseele, solang mein Blutgefäß dich nähren mag,
solang du sorgst um deinen kurzen Tag!
Stich zu, dass es dir nicht an Kräften fehle!
Wir sind ja beide, Mensch und Mücke, nichts
als kleine Schatten eines großen Lichts.
Albrecht Haushofer (1903-1945)
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Das bin ich
Du möchtest wissen, wer ich bin?
Kein Buch, das streng versiegelt.
Ich trete offen vor dich hin,
vollkommen ungeschniegelt.
Ich bin kein tosender Orkan,
entfesselt von Dämonen,
kein sturmbewegter Ozean,
in dem Titanen wohnen.
Ich bin ein kleiner, stiller See,
der tut, als ob er schliefe.
Der eine wächst halt in die Höh’,
der andere in die Tiefe.
Ein Himmelstürmer bin ich nicht,
den einst die Götter zeugten.
Es dient nur mein bescheiden Licht,
den Menschen heimzuleuchten.
Ich sing’ mein Liedchen, wie’s mir
passt,
den Mädchen und den Knaben.
Und wenn du mich nicht gerne hast,
kannst du mich gerne haben.
Fred Endrikat
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Der Steinadler
Man nennt ihn den König der Lüfte, weil er so elegant fliegt. Wenn er seine Flügel ausstreckt, sind sie von einer Flügelspitze zur anderen zwei Meter breit. Der Steinadler ist der zweitgrößte Greifvogel in Deutschland. Größer ist nur noch der Seeadler.
Aber der Steinadler ist in Gefahr. Es gibt ihn in Deutschland nur noch in den Alpen. Doch auch dort ist er vom Aussterben bedroht. Deshalb wollen die Alpenländer den Vogel besser schützen. Naturschützer passen auf die Reviere der Tiere auf. Sie bitten zum Beispiel Kletterer, nicht in die Nähe der Horste und Ruheplätze der Adler zu gehen.
Auch Polizei und Armee helfen mit. Sie achten darauf, dass sie die Greifvögel mit ihren Flugzeugen und Hubschraubern nicht stören. In Bayern läuft das schon seit drei Jahren so. Jetzt wollen auch die Schweizer und Österreicher mitmachen.
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Flieg kleiner Vogel,
du bist frei, öffne die Tür und lebe.
Flieg der Sonne entgegen aber gib Acht,
sieh was das Leben mit dir macht,
lass dich nicht blenden.
Flieg kleiner Vogel flieg hinauf zu den Bergen
und immer weiter zu den Sternen,
dorthin wo die Träume sind.
Flieg kleiner Vogel und sei frei.
Sieh nach vorne und
nie zurück.
Sieh nach vorne und finde dich,
ein zurück gibt es nicht.
Du bist frei ...
(unbekannter Verfasser)
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Mein erster Adler
Ernst WiechertEines Julimorgens gingen wir los, der große Jäger und ich. Um halb vier Uhr, und ich hatte nicht mehr als eine Stunde geschlafen. Es war weiter als eine Meile. Betaute Wälder, über denen die Sonne sich hob und in denen jede Spur und jede Stimme mir vertraut war. Ich trug meines Vaters Doppelflinte und seine Jagdtasche, und mein Herz schlug schon, als ich über die Schwelle unsres Hauses trat. Auch die Eroberung Amerikas kann nicht viel anders gewesen sein. Ein Gang mit dem großen Jäger war nicht leicht. Vieles musste gewusst werden: jeder Vogelruf, jeder Vogelflug; was es bedeutete, dass die Kiefernzapfen weit geöffnet auf dem Moos lagen und dass der Tau auf den Spinngeweben funkelte; Windrichtung und jede Fährte im Sand; das Alter der Bruchstelle an einem geknickten Zweig und das Alter der Schonung, durch die wir gingen.
Der Horst lag an unsrem zweiten See, abseits der sumpfigen Ränder, in einer Verborgenheit, die ich noch niemals betreten hatte. Kraniche riefen von den Uferwiesen, Bäume waren übereinander gestürzt, und die Luft war schwer und fremd. Lautlos schleiche ich in der Spur des großen Jägers. Wir hören den Adler schreien und lauschen. Es ist ein anderer Schrei als der des Fischadlers, aber auch er ist klagend, traurig fallend und ergreifend. Der Wald steht wie ein finsteres Gewölbe und rängt den Schrei auf. Seltsam ist alles, wie ein verbotener Weg, ein Einbruch in ein gebanntes Heiligtum.
Aber der Jäger winkt, und der Adlerschrei ist verstummt. Wir stehen unter dem Horst, gedeckt von einem Lindenbusch, unbeweglich, eine halbe Stunde lang. Noch einmal ruft in der Ferne der Adler, und über uns, aus dem riesigen Horst, antwortete die klagende Stimme des Jungen, hoch und ängstlich wie die Stimme eines Rehkitzes. Ein weißer Kopf schiebt sich über den Horstrand, fahl und hässlich wie der Kopf eines Moorgespenstes.
Mahnend hebt der Jäger die Hand. Und dann pflückt er ein junges Lindenblatt, hebt es an die Lippen, und nun ruft es von unten herauf wie ein junger Adler, klagender noch und wie in Not. Meine Augen fliegen durch den rötlich bestrahlten Wald. Mein Herz klopft, und ich sehe Adler überall. "Ruhig", sagt der Jäger leise. "Ganz ... ruhig ... "
Und dann ist er da. Lautlos. Zuerst ein Schatten, der dunkel und groß über die Wipfel jagt. Und dann er selbst. Die riesigen Schwingen, der herab schießende Leib. Etwas Dunkles fällt in den Horst, eine unerkennbare Beute. Sekundenlang das Bild des Vogels auf einem grauen Eichenast, sich öffnende Schwingen ... der Ast, der hinter ihm erbebt … der Donner des verstörten Schusses ... Widerhall ... Schweigen ... vorbei.
Er starb vor mir auf dem Moos, und die kleinen dreieckigen Federn in seinem Nacken bebten leise in seinem Tod. Wenn ich heute den großen und traurigen Schrei noch einmal höre, dann stehe ich lange still und lausche.
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Es war einmal ein Mann
der fing das Trinken an
Mit achtzehn Jahr, und -
daran ging er zugrund
Er starb mit achtzig Jahr
Woran, ist sonnenklar.
Es war einmal ein Kind
Das starb viel zu geschwind
Mit einem Jahre, und -
Daran ging es zugrund
Nie trank es: das ist klar
Und starb mit einem Jahr.
Daraus erkennt ihr wohl
Wie harmlos Alkohol
(Bertolt Brecht)
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War früher alles besser?
Aus der Osnabrücker Seniorenzeitung.Alles ist weiter weg als früher. Es ist zweimal soweit bis zur Ecke, und nun ist noch ein Berg dazwischen - hab ich gemerkt. Ich habe es aufgegeben zum Bus zu rennen, der fährt jetzt schneller weg als früher. Es kommt mir auch so vor, als würden die Treppen steiler gebaut heutzutage.
Haben Sie auch schon gemerkt, dass die Zeitungen jetzt eine kleinere Schrift haben? Es hat auch keinen Sinn, jemanden zu bitten mir vorzulesen; jeder spricht so leise, dass ich es kaum hören kann. Auch die Menschen haben sich verändert. Sie sehen viel jünger aus als ich, als ich so alt war wie sie. Andererseits - Leute in meinem Alter sehen viel älter aus als ich. Kürzlich traf ich eine Klassenkameradin. Sie ist so gealtert - sie hat mich nicht erkannt. Als ich heute Morgen die Haare bürstete, dachte ich an die Ärmste, und als ich in den Spiegel sah, merkte ich, dass die Spiegel auch nicht mehr so gut hergestellt werden wie früher.
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