Mai 2008
Die Enten laufen Schlittschuh
Die Enten laufen Schlittschuh
auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her
sie sind doch gar nicht reich?
Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt, weißt du,
für ein Entenschnatterlied.
Christian Morgenstern

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1. Der Mai ist gekommen, die Bäume
schlagen aus.
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus !
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
2. Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott
euch behüt`!
Wer weiß wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht ?
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich maschiert,
es gibt so manchen Wein, den nimmer noch probiert.
3. Frisch auf drum, frisch auf drum
im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie `ne Lerche und stimmet ein mit Schall.
4. O Wandern, o Wandern, du freie
Burschenlust!
Da weht Gottes Odem so frisch mir in die Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt;
Wie bist du so schön, o du weite, weite Welt !
Worte: Emanuel Geibel 1834; Weise: Justus W. Lyra 1842

Nach den Schrecken der Walpurgisnacht steht im Mittelpunkt des 1. Mai seit jeher der Maibaum. Er ist das Symbol des Lebens und der Liebe. Im Oberinntal wird noch heute der Maibaum vor dem Haus eines frisch vermählten Paares aufgestellt, und wird erst dann wieder abgeschnitten, bis das erste Kind geboren ist. Die Altbayern suchten ihren Baum schon im Februar aus, entrindeten ihn spiralig und krönten seine Spitze mit einem frei schwebenden großen Reifenkranz der mit allerlei Bändern, Blumen und geschnitzten Figuren behängt ist. Heute noch versuchen die Burschen den Baum zu erklimmen und dadurch einen Preis zu erhalten.


Das Krainer Widderchen ist das Insekt des Jahres 2008. Der Falter fällt mit einer Flügelspannweite von vier Zentimetern und der schwarzroten Färbung sofort auf. Die weiß umrandeten, leuchtend roten Punkte auf schwarzem Vorderflügel sind seine Kennzeichen. Im Volksmund wird er deshalb auch Blutströpfchenfalter genannt. Die Färbung ist eine Warnung für Feinde, denn Raupen und Falter sind giftig.
Der Falter trägt den Namen Blutströpfchen zusammen mit noch einem Dutzend anderer Widderchen, die alle sehr ähnlich aussehen. Das Krainer Widderchen wurde für die ganze Gruppe der Blutströpfchenfalter ausgewählt. An ihren besonderen Fühlern kann man sie auch erkennen, die etwas verdickt und gebogen sind und deshalb an die Hörner eines Widders erinnern. Widderchen gibt es in Deutschland schon seit 30 Millionen Jahren, wie versteinerte Funde in der Schwäbischen Alb belegen.
Die vom Kuratorium Insekt des Jahres und der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft gewählte Bezeichnung Krainer Widderchen ist eine wörtliche Übersetzung von Zygaena carniolica. Die Krain wiederum ist eine Landschaft in Slowenien, dort wurde die Art erstmals beschrieben. Der bei vielen Schmetterlingsfreunden für diese Art übliche deutsche Name lautet nach der wichtigsten Futterpflanze der Raupen Esparsetten-Widderchen. Auch wenn die Widderchen sämtlich tagaktiv sind, gehören sie zoologisch betrachtet zu den Nachtfaltern.
Das Krainer Widderchen schlüpft ab Juni aus einem gelben, gesponnenen Kokon, meistens in den Morgenstunden. Die Falter leben höchstens zwei Wochen, in denen sie tagsüber umherfliegen, auf der Suche nach Nektar und nach Partnern, um sich zu vermehren. Die Eier werden vor allem an zwei Pflanzen abgelegt: auf der Esparsette und auf dem Gemeinen Hornklee. Die unauffällig gefärbte Raupe häutet sich zwei Mal, um dann in die Winterruhe zu gehen. Im April oder Mai wird sie erneut aktiv, frisst sich satt und groß und häutet sich noch vier Mal. Die großen Raupen sind grünlich gefärbt mit schwarzen Flecken an den Seiten und auf dem Rücken. Sie spinnen ein Puppengespinst, einen gelblichen Kokon an der Spitze eines Grashalms, aus dem nach etwa zwei Wochen der Schmetterling schlüpft. Von Juni bis August sind die farbenfrohen Falter zu beobachten.
Sein Lebensraum wird mehr und mehr eingeengt, und es ist seltener geworden. Die Magerrasen, in denen die Raupen leben, werden immer weniger, da verbaut und aufgeforstet wird. Hier im Rems-Murr-Kreis sind sie noch vertreten, am Kaiserstuhl sind sie inzwischen völlig verschwunden, und auch in den norddeutschen Bundesländern gibt es keine Krainer Widderchen mehr.

Wer Tiere quält, ist unbeseelt
und Gottes guter Geist ihm fehlt.
Mag noch so vornehm drein er schaun,
man sollte niemals ihm vertraun.
Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832

Was die Seele braucht
Sie braucht einen Platz, auf dem sie steht -
Sie braucht einen Freund, der mit ihr geht.
Sie braucht ein Tun, das sie täglich erfreut -
Sie braucht die Stille, Besinnlichkeit.
Sie braucht Musik, die empor sie hebt -
Sie braucht Freude, solang´ sie hier lebt.
Sie braucht den Fortschritt, das Wachstum, den Geist -
Sie braucht ein Lied, das Vollkommenheit heißt.
Sie braucht der Liebe wärmendes Kleid -
Sie braucht den Frieden, die Heiterkeit.
Sie braucht eine Zeit, die dem Schöpfer sie weiht -
Zum Horchen und Ahnen der Ewigkeit.
Unbekannt

Waldesgespräch
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist groß, du bist allein,
Du schöne Braut, ich führ’ dich heim!
„Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh, Du weißt nicht wer ich bin!“
So reich geschmückt ist Ross und
Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn’ ich Dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelay.
„Du kennst mich wohl – vom hohen
Stein
Schaut still mein Schloss in tiefen Rhein;
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!“
Joseph von Eichendorff

Die Singvögel





Ein freundliches Dörfchen war von einem ganzen Walde fruchtbarer Bäume umgeben. Die Bäume blühten und dufteten im Frühling aufs lieblichste. Im Herbst aber waren alle Zweige mit Äpfeln, Birnen und Zwetschgen beladen. Auf ihren Ästen und in den Ecken umher nisteten allerlei muntere Vögel.
Da fingen einige böse Buben an, die Nester der Vögel auszunehmen. Die Vögel zogen aus dem Orte nach und nach ganz hinweg. Man hörte an den schönen Frühlingsmorgen kein Vöglein mehr singen und in den Gärten war es ganz still und traurig. Die schädlichen Baumraupen, die sonst von den Vögeln weggefangen wurden, nahmen überhand und fraßen Blätter und Blüten ab. Die Bäume standen kahl da wie mitten im Winter, und die bösen Buben, die sonst köstliches Obst im Überfluss hatten, bekamen nicht einmal mehr einen Apfel zu sehen.Christoph von Schmid

Was Schönes

Was Schönes weiß ich in unserm
Garten.
Als ich dort ging, die Blumen zu warten,
hab ich’s entdeckt, im Grünen versteckt,
wo die Rosen blühn an der sonnigen Wand.
Fast war ich erschrocken, als ich es fand:
Im zarten Geäst ein niedliches Nest,
geflochten gar zierlich aus Halmen und Moos;
vier Eierchen lagen in seinem Schoß.
Doch die Vögelein, wie Mäuschen so klein,
die piepten so ängstlich, als wollten sie bitten:
„O geh!“ Da bin ich weitergeschritten,
und stand nun von fern. Das sahen sie gern,
und eines flog auf den Zweig und sang,
dass jauchzend es klang: „Hab Dank, hab Dank!“
Heinrich Seidel

Anemonen
Seit jeher hat der Anblick der leuchtend weißen Blütenteppiche, mit denen Anemonen im zeitigen Frühjahr den Waldboden von Laubmischwäldern überziehen, die Menschen beeindruckt. Allerdings können diese so zart erscheinenden Pflänzchen auch ganz schön giftig sein.
Die sternförmigen, manchmal rosa angehauchten Anemonen-Blüten auf zarten Stängeln haben einen ganz besonderen Reiz. Doch reizend kann nicht der Anblick, sondern auch die Berührung der zierlichen Pflanzen mit der Haut oder den Augen des Menschen sein .
Dann kann es zu Blasenbildung oder Bindehautentzündung kommen. Denn wie auch andere Hahnenfußgewächse sind die meisten Anemonenarten - so auch das weiße Buschwindröschen - giftig.
Das wussten schon die Pflanzenkundigen der Antike ebenso wie später Leonhart Fuchs, einer der "Väter der Botanik". In seinem 1543 erschienenen "New Kreuterbuch" rügt er eine damals offenbar verbreitete Unsitte unter Bettlern, die sich mittels dieser Pflanzen "die Fuß unnd Arm auffetzen, darmit sie die Leit bewegen, ihnen zu geben." Nicht gerade zart besaitet fordert er: "Aber mit solchen boesen Buben sol man zu dem Hencker eilen, darmit sie fuerhin solchen Falsch nit mehr treiben künden."
Von den ersten Frühlingsblumen des Jahres nahm man lange Zeit an, dass sie besondere Kräfte besitzen müssten, da sie als erste den lebensfeindlichen Winter überwanden. Diese geheimnisvollen Vegetationskräfte glaubte man sich für die eigene körperliche Gesundheit sichern zu können, indem man die ersten drei Blüten des Buschwindröschens, des Veilchens oder der Schlüsselblume, die man im Frühjahr fand, verschluckte. Dann, so hieß es, würde man das ganze Jahr vor Fieber, Zahnweh und anderen Beschwerden verschont bleiben.
Von der Giftigkeit frisch gepflückter Anemonen ließ man sich dabei offenbar nicht abschrecken, schließlich waren sie ja auch als Heilpflanzen in Gebrauch. Die Heilkundigen des Mittelalters und der Renaissance benutzten Anemonen vor allem zur äußerlichen Behandlung von Bronchitis, Lungenentzündung, Geschwüren, Gelenkschmerzen und den frischen Saft als hautreizendes Mittel bei Rheuma.
Wie vielseitig die Anwendungsgebiete damals waren, belegt das Kräuterbuch von Tabernaemontanus aus Bergzabern aus dem Jahr 1588 .. Darin heißt es beispielsweise:
"Windrösslein Wurtzeln mit süssem Wein gesotten und ubergelegt, heylet die Hitz und Geschwulst der Augen." Oder etwa: "Die Bletter und Stengel der Windrösslein, mit Gerstenmüsslein gesotten, macht den Seugerinnen viel Milch."
Die zahlreichen volkstümlichen Namen des Buschwindröschens im deutschsprachigen Raum lassen vermuten, dass die kleine Pflanze im Leben der Menschen früher besondere Beachtung fand. So heißt sie je nach Region - auch Waldanemone, Windblume, Waldteppich, Osterluzei, Osterstern, Weiße Osterblume, Kuckucksblume oder etwa Waldhenle.
Im schwäbischen Unterland nannte man die scheue Blume, die im kalten Märzwind und bei Regen ihre Blütenglocke abwärts neigt, auch Schlafhaube, auf der Alb Schnaikätherle. Namen wie Kopfschmerzblume, Augenblume, Augenwurz, Giftblume, Bettseicher oder Hexenblum spielen auf den Giftgehalt der Pflanze an. Ihr Saft wurde früher auch als Pfeilgift für die Jagd verwendet. Wie man heute weiß, können ihre Inhaltsstoffe - vor allem Saponine und die Alkaloide Protoanemonin und Anemol unter anderem Hautverätzungen, Magen-Darm-Reizungen und Nierenschäden hervorrufen.
In Teilen der Schweiz heißt das Windröschen auch "Geißemaie", weil Ziegen - im Gegensatz zum übrigen Weidevieh - bei Aufnahme der Pflanze über das Grünfutter nicht mit Darmentzündungen reagieren. In der heutigen Schulmedizin spielt die kleine Anemone keine Rolle mehr, lediglich in der Homöopathie wird ihr frisch gepresster Saft noch gelegentlich verwendet.
Der botanische Name des Buschwindröschens, Anemone nemorosa, geht auf griechisch anemos (= Wind) zurück und wird meist als Hinweis auf die bald abfallenden Blütenblätter interpretiert. Auf den bevorzugten Standort der Pflanze weist nemorosa hin, was soviel wie "im Hain wohnend" bedeutet.
Als rasch welkende Blume ist die Anemone stets ein Symbol der Vergänglichkeit gewesen. Und die christliche Symbolik des Mittelalters sah in der manchmal rötlich angehauchten Blüte ein Sinnbild des Märtyrerblutes und der Leiden Christi. Das Dreiblatt steht für die Dreifaltigkeit. Zugleich aber war die kleine Frühlingsblume immer auch ein Symbol der Hoffnung auf das wiedererwachende Leben.
Als typischer Frühblüher nutzt das Buschwindröschen die lichtreichste Zeit im Laubmischwald von März bis Mai, wenn die Bäume noch kahl sind. Dann breitet das gesellige Pflänzchen auf dem feuchten, laubbedeckten Boden seine traumhaft schönen Blütenteppiche aus. Weniger häufig sind seine streng geschützten Schwestern zu finden: das Gelbe Windröschen und das Berghähnlein das nur in den Alpen und auf der Schwäbischen Alb vorkommt.
Anemonen sind mit etwa 120 Arten weltweit in den gemäßigten Zonen verbreitet. Heute stehen Gartenanemonen - als Zierpflanzen bereits seit dem 16. Jahrhundert gezüchtet - in unzähligen großblumigen Farben und Formen zur Verfügung. Und auch die zarten Buschwindröschen haben als käufliche Ware längst den Weg in die Gärten gefunden. Nicht bezahlbar ist allerdings der besondere Charme der wild wachsenden Windröschen.

Die Sonne blickt mit hellem Schein
So freundlich in die Welt hinein.
Mach’s ebenso!
Sei heiter und froh!
Der Baum streckt seine Äste vor;
Zur Höhe strebt er kühn empor.
Mach’s wie der Baum
Im sonnigen Raum!
Die Quelle springt und rieselt fort,
zieht rasch und leicht von Ort zu Ort.
Mach’s wie der Quell –
Und rege dich schnell!
Der Vogel singt sein Liedlein hell,
freut sich an Sonne, Baum und Quell.
Mach’s ebenso!
Sei rüstig und froh!
Johann Gottfried von Herder
(1744 -1803)

Pfingstsonntag und Muttertag
Meiner Mutter
Detlev v. Liliencron
Wie oft sah ich die blassen Hände
nähen,
ein Stück für mich – wie liebevoll du sorgtest!
Ich sah zum Himmel deine Augen
flehen,
ein Wunsch für mich – wie liebevoll du sorgtest!
Und an mein Bett kamst du mit leisen
Zehen,
ein Schutz für mich – wie sorgenvoll du horchtest!
Längst schon dein Grab die Winde
übersehen,
ein Gruß für mich – wie liebevoll du sorgtest!

Pfingstmontag
Fest der Hohen Mayen
In der Nacht vom zweiten zum dritten Pfingsttag, stieg die männliche Jugend alljährlich unter Führung eines alten Trommlers zum Sonnenaufgang zum Questenberg in Nordhausen hinauf.
Dort muss einst eine große vorgeschichtliche Kultstätte g3ewesen sein. Hoch oben auf dem steilen Bergeshang stand ein gewaltiger zehn Meter hoher Eichenstamm. An beiden Enden einer Stange, auf der ein riesiger Jahreskranz befestigt war, hingen zwei mächtige Laubbüschel als Quasten herab. Ein drittes trug der Stamm hoch am Wipfel. Diesen Kranz nahmen die Burschen nun herunter und verbrannten die alte Buchen- und Birkenwicklung, während sie sich mit den Alten auf den Kranz setzten und gemeinsam ein Gebildbrot aßen.Dieser Brauch ist heute leider fast gänzlich verschwunden.

Die Nachtigall
Das macht, es hat die Nachtigall
die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
da sind in Hall und Widerhall
die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut;
Nun geht sie tief in Sinnen,
trägt in der Hand den Sommerhut
und duldet still der Sonne Glut
und weiß nicht, was beginnen.
Das macht, es hat die Nachtigall
die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
da sind in Hall und Widerhall
die Rosen aufgesprungen.
Theodor Storm

Der Gesang der Nachtigall gehört für uns zum Frühling, vor allem natürlich zum Mai, wie das frische Grün. Bereits seit Mitte bis Ende April ist dieser kleine, nur 23 g schwere Vogel aus seinem Winterquartier im Herzen Afrikas zurück und beginnt gleich damit, uns durch seinen zauberhaften Gesang zu erfreuen. In den letzten Jahren ist dieser beliebte Sänger leider immer seltener geworden, und daran haben wir, wenn auch unbewusst, mit Schuld.
Nachtigallen leben in feuchtem Unterholz und in verwucherten Sträuchern alter Parkanlagen sowie Hecken, die heutzutage zum größten Teil entweder einem übertriebenen Ordnungssinn oder der Flurbereinigung zum Opfer fallen. Auch der Einsatz insektentötender Mittel spielt eine entscheidende Rolle, denn Nachtigallen ernähren sich unter anderem von Insekten und deren Larven, die in der Bodenregion leben. Das Nest wird am Boden oder in nur geringer Höhe in dichten Sträuchern angelegt und ist infolgedessen extrem gefährdet. Bereits nach 13 Tagen schlüpfen die Küken der Nachtigall aus den bräunlichen Eiern und verlassen recht bald ihre gefährdete Kinderstube.
Den Gesang, der keineswegs nur nachts erklingt, können wir allerdings am besten nachts genießen, wenn es still ist, und wir uns ganz auf die wunderbaren Tonfolgen konzentrieren können. Die Nachtigall singt etwa 50 Tage im April und Mai.
Ende August/ Anfang September sind die Jungvögel dann kräftig genug, um mit den Eltern zum langen Flug in den Süden aufzubrechen.

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Der Mond |
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Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
Sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z –
dass keiner groß zu denken hätt‘.
Befolgend dies, ward der Trabant
Ein völlig deutscher Gegenstand.
Christian Morgenstern

Pfingstrosen …
Die Pfingstrose – die Rose ohne Dornen
Wer in Deutschland von der „Königin der Blumen“ spricht, meint die Rose.In China hingegen ist es die Päonie, zu deutsch Pfingstrose, die als Königin aller Blumen gilt. Sie gibt es dort bereits seit mehr als 4000 Jahren …
Päonien symbolisieren in China Reichtum, Wohlstand und Glück.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die chinesische Pfingstrose nach Europa.
Mit 3,6 Millionen besitzt die Pfingstrose die höchste bekannte Pollenzahl je Blüte.
Schon Theophrast, Plinius und Dioskurides vertrauten auf die medizinische Wirkung der Pfingstrose.
Wie viele andere Heilkräuter wurden Päonien im Mittelalter in den Klostergärten kultiviert.
Von hier aus gelangten sie auch in die Bauerngärten.
Heute werden das Rhizom, die Samen und vor allem die Blütenblätter der Pfingstrose gegen Gicht eingesetzt, daher auch die Bezeichnung Gichtrose.Theophrast hat übrigens empfohlen, die heilkräftigen Früchte der weißen Pfingstrose bei Nacht zu sammeln. Bei Tage könnte man vom Specht gesehen werden und das Augenlicht verlieren.
Paeonia officinalis, die Bauernpfingstrose, stammt aus Europa und ist seit der Antike bekannt. Im Frühmittelalter waren es die Benediktiner, die diese Päonie in die Klostergärten brachten.
Die ersten Strauchpäonien aus China erreichten 1787 die Königlich-Botanischen Gärten von Kew in London.
Doch erst durch die Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 wurden die Strauchpäonien in Europa bekannt.

Nachtliedchen

Leise, leise,
der Mond macht seine Reise.
Erwacht sind all die Sternelein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!
Die Vöglein in den Bäumen
Schlafen längst und träumen,
wollen morgen die ersten sein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!
Weiße Nebel weben,
heben sich und schweben
über Flur und Hain.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!
Leise, leise,
der Mond macht seine Reise.
Erwacht sind all die Sternelein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!
Emil Weber

Dreifaltigkeitssonntag
Die Dreifaltigkeitswiese
Jakob KneipDie ganze Woche hatten Mensch und Pferd und Vieh in Westerkappel sich mit der Heuernte gemüht. Das gute Wetter hielt an, und jeder Tag musste genutzt werden.
Am Samstag - es war der Tag vor dem Dreifaltigkeits-Sonntag - war der Großvater mit Langguth gegen Abend zur Trollmühle gegangen, um ein zweijähriges Rind heraufzubringen, das dort seit drei Wochen zum Abholen bereitstand. Da kam hinterm Wald von Macken ein schweres Gewitter herauf. Eine schwarze Wand stieg plötzlich über die Berge und bedeckte alles Land von der Mosel bis zur Guntershöh' mit Finsternis. Dumpf rollte von Porta Nigra her der Donner. Und in der Delle am Hollerborn saß noch das letzte Heu. In aller Eile wurde wieder angespannt, dann stiegen Vater und Mutter Krimkorn mit Martin auf den Leiterwagen und jagten die steile, holprige Dorfgasse hinab. Schon waren sie am Dorfende. In eiliger Fahrt ging es über den Bungert. Von einer Seite zur anderen flog der Wagen. Die Wiese lag tief unter dem Dorfe in der Mulde an einem steilen Hang. Zwei Zufahrten gab es: die eine kürzere, die sie gekommen waren, ging über den Dorfhügel hinab in diesen Hang. Die andere führte in bequemen Windungen durch den Bühel hinab.
"Wir fangen doch hier oben an zu laden und fahren durch den Bühel zurück?", meinte die Mutter mit ängstlichen Augen, als sie auf der Wiese anlangten. Der Vater stand einen Augenblick unschlüssig. Aber da legte sich schon der Wind, den das Gewitter vor sich herpresste, auf den nahen Buchenwald. Der Vater zeigte mit der Hand dorthin und sagte: "Wir müssen von unten anfangen und hier zurückfahren. Das Gewitter rückt schon heran, und der Umweg durch den Bühel wird uns zu weit."
Darauf stellte er den Wagen am Fuß der Wiese an, und sie begannen zu laden. Die Nacht brach dann ganz plötzlich herein und füllte den Talkessel mit schreckhafter Finsternis. Außer ihnen keine Seele mehr weit und breit!
Schon umballte das Wetter den Berg; hin und wieder fuhr ein Blitz hinter ihnen ins Tal, und alle Schluchten hallten wider von dem wilden Gerolle. Der Vater lud; die Mutter spießte das Heu hinan; Martin schor zusammen und fuhr den Gaul an, wenn der Wagen bis zum nächsten Heuhaufen weiterrückte.
Immer steiler stieg die Wiese bergan; immer schwerer wurde hinter Rinka die Last; Martin fühlte, wie jedes Mal ein Zittern durch den Körper des Pferdes ging, wenn es anzog.
Da, als er die Zügel fasste, um endlich zum letzten Heuhaufen zu fahren, gab das Tier plötzlich einen seltsamen röchelnden Laut; er schaute erschrocken auf und sah, wie der Halfter, der ohnehin sehr eng am Halse saß, durch das steile Berganfahren in eine Lage gebracht war, dass er dem Pferde die Kehle zupresste. Aber noch hatte er die furchtbare Gefahr nicht recht erkannt, da torkelte der Gaul schon nach hinten, verlor den Boden unter den Füßen und schlug mit aufgesperrtem Maul hintüber.
Die Mutter tat einen furchtbaren Schrei. Mit dem aber sauste der Wagen schon den Abhang nieder. Martin sah noch, wie das Pferd, ins Geschirr verwickelt, mitgeschleift wurde; er sah, wie die Mutter die Arme emporhob, wie der Vater hoch auf dem Wagen mit beiden Händen an den Kopf griff; dann war es zwischen Donner und Blitz ein dumpfer Sturz - und Stille!
Der Wagen liegt umgekippt unten am Hang. Die Mutter steht vor Martin mit herabhängenden Armen wie erstarrt. Vom Vater ist nichts mehr zu sehen. Nur das Tier streckt in wilden Zuckungen die vier schweren Beine nach oben und wirft röchelnd den Kopf nach rechts und links.
Plötzlich schreit die Mutter wieder auf, und im selben Augenblick stürzt sie auf den Wagen zu. Martin rennt ihr nach, und da - im Laufen noch - sieht er, wie ein Arm sich unter dem Heu herausarbeitete; noch einer - und jetzt der Kopf - oh, das Gesicht von Schmutz entstellt, ein Bild der Qual, mit dem Ausdruck des Entsetzens, von Blitzen jäh und schreckhaft beleuchtet.
"Helft mir doch! - Warum helft ihr nicht? - Mein Leib - mein Leib!", stöhnt der Vater.
Die Mutter wirft sich jammernd vor ihm nieder, fasst seinen Kopf mit beiden Händen und wischt ihm den Schmutz aus den Augenhöhlen. Dann beginnen sie vereint an den Armen zu ziehen - vergebens! Der Vater stöhnt und ächzt immer heftiger: "Oh, oh, der Leib wird mir zerquetscht - so helft doch, hebt mir den Wagen weg - oh, der Leib!"
Martin und die Mutter versuchen an dem Wagen zu heben, zu schieben, zu ziehen: alles vergebens.
Da wirft sich die Mutter wieder beim Vater auf die Erde und beginnt mit den Händen das Heu fortzuzerren. Martin hört, wie sie flüstert: "Heilige Dreifaltigkeit, heilige Dreifaltigkeit …"
In dem Augenblick durchzuckt Martin ein Gedanke: "Mein neues Taschenmesser."
Er springt an das Pferd heran, und in ein paar Sekunden ist das Lederzeug am Pferdegeschirr durchschnitten. Er sieht, wie die weitaufgerissenen Augen des Vaters jeder seiner Bewegungen folgen; schon muss er seine Absicht begriffen haben: "Schnell, schnell, schnell!", stöhnt er.
Nun noch die Stränge vom Scheit, dann springt Martin nach vorn und reißt mit allen Kräften am Halfter, um ihn am Halse von Rinka zu lockern. Er gibt nach!
"Rinka - hopp, Rinka!", ermuntert er das Tier.
Plötzlich ein tiefes Stöhnen aus dem Pferdehals; und sieh! das Pferd reckt sich auf, tut einen Sprung und steht zitternd wieder auf seinen vier Beinen. Sofort löst Martin das Sielscheit von der Schere, befestigt es mit einer Kette hinten am Wagen und spannt Rinka daran. Das Pferd fällt in die Stränge, doch der Wagen bleibt unbeweglich. Martin greift zur Peitsche, er brüllt ihm in die Ohren wie ein Irrer, und sogar die Mutter ist mit einer Weidengerte hinter das Tier getreten und schlägt darauf ein.
Mit der Spannung und dem Schmerzensausdruck eines Gequälten der Hölle folgt das Auge des Vaters dem Vorgang.
Wieder fällt der Gaul mit Wucht ins Geschirr. Da - ein Ruck! Der Wagen hat nachgegeben, kippt um und stürzt krachend weiter in den Hang. In dem Augenblick fährt ein greller Blitz quer über das Tal in den Berg, und gleich darauf ist es ein betäubender Schlag und ein Luftdruck, der sie fast umgerissen hätte. –
Dann sah Martin, wie die Mutter wieder an der Seite des Vaters kniete. Im nächsten Augenblick war er neben ihr, und sie hoben mit vereinten Kräften den Verletzten unter dem Heu hervor.
Blitz auf Blitz fuhr jetzt in die Mulde und Knall auf Knall. Das Wetter stand gerade über ihnen, und schon fielen die ersten schweren Regentropfen. Der Vater lag eine Weile mit geschlossenen Augen und stöhnte tief auf. Aber als sie ihm nun auf der Wiese eine Lage Heu zurecht machten und ihn darauf betteten, schlug er die Augen auf, sah sie beide an und versuchte zu lächeln. Er griff nach der Hand der Mutter, und mit der andern Hand strich er Martin über die Stirn und sagte: "Bub, du hast mich gerettet."
Da lösten sich bei der Mutter die Tränen.
"Das hat ihm die heilige Dreifaltigkeit eingegeben", schluchzte sie. "Ich habe ihr die Wiese - und unsern Buben zugelobt für deine Rettung."
Bei diesen Worten lief Martin ein Schauer über den Leib. Ein Zittern kam über ihn; und in dem Augenblick war ihm, als sähe er leibhaftig die heilige Dreifaltigkeit: den Vater mit dem Strahlenhaupt, das Lamm mit dem Kreuze und die silberne Taube, so wie sie auf dem Altarbild der Kirche zu sehen waren, aus Wolken, Blitz und Donner über den Rücken des Pferdes dahinschweben.
Noch auf dem Heimwege, als er mit Rinka hinter den herbeigerufenen Bauern, die den Vater auf einer Bahre zurücktrugen, daher schritt, verfolgte ihn immerfort dies Bild: Flügelnd sah er es bei jedem Blitz und Wetterleuchten aus der Dunkelheit tauchen, und Gottvaters Augen blickten groß und fragend zu ihm hernieder.

Duldsam
Des Morgens früh, sobald ich mir
mein Pfeifchen angezündet,
geh ich hinaus zur Hintertür,
die in den Garten mündet.
|
Besonders gern betracht
ich dann Sie nähert sich dem
jungen Schaft |
So seh ich in
Betriebsamkeit Dass keine Rose ohne
Dorn, |
Wilhelm Busch

Petunie
"Petunia" wurden wir getauft, und wir gehören zu den Nachtschattengewächsen.
Die Geburtsstätte unserer grosßen Familie lag in Südamerika und zu den bekanntesten Verwandten gehören sicherlich die Hängepetunien. Doch dank ausgezeichneter Züchtungsarbeit gehören wir heute schon längst nicht mehr zu den ausgesprochenen Balkon- oder Fensterpflanzen, denn unsere niedrigen, kompakten Sorten zieren den ganzen Sommer über ihren Standort mit ihren leuchtenden Farben. Wenn ihr das Verblühte stets rechtzeitig entfernt, können wir euch bis zum Frost durch unseren überreichen Flor Freude schenken. Dafür müssen wir aber auch reichlich gegossen und gedüngt werden und sollten ein sonniges Plätzchen bei euch erhalten.
Unsere Aussaat ist nicht ganz so einfach, aber mit etwas Geschick kannst du uns Lichtkeimer auch selber ziehen. Denke bitte daran, dass wir abgehärtet und erst Mitte Mai, nach den Eisheiligen, ins Freie gesetzt werden wollen.

Alle Birkenzweige schwenken
fröhlich jetzt ihr Maiengrün,
Und in vollen gelben Dolden
alle Schlüsselblumen blühn.
Singt das Lied von goldenen Blumen,
singt das Lied vom jungen Grün.
Singt das Lied von unserer Liebe
und von unserer Herzen Blühn.
Unser Lied, das ich gefunden,
unser Lied, das in mir klang,
als die Sonne deiner Liebe
mir das kalte Herz bezwang.
(Hermann Löns)

Fronleichnam
Das Fronleichnamsfest - offiziell "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" genannt ist ein Fest im römisch-katholischen Festjahr. Mit diesem Fest wird die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert.
Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, dem zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Es wird angeknüpft an den eigentlichen Gedenktag des letzten Abendmahls, den Gründonnerstag.
Ich erinnere mich noch an meine Kinderzeit. Tage vor dem Fest durchstreiften wir Kinder Feld, Wiese und Wald, um an Blüten zu gelangen, die wir beim Umzug streuen wollten. Wenn wir dann aus einem Garten Blüten der Pfingstrosen geschenkt bekamen oder andere schöne, waren wir überglücklich. Dann am Fronleichnamstag im weißen Kommunionkleidchen - was waren wir aufgeregt. Der Umzug feierlich - Gebete und Rituale lösten sich mit Gesängen ab - für mich als Kind sehr feierlich und unter die Haut gehend. Erinnerungen ... die ich nie mehr vergessen werde.

Das Paradies der Erinnerungen
ist das einzige Paradies
aus dem man nicht vertrieben werden kann.
Jean Paul

Wolfsflechte
Die Wolfsflechte ist schon von weitem an ihrer auffälligen, leuchtend gelben Farbe erkennbar, die sie praktisch unverwechselbar macht. Sie ist die Flechte des Jahres. Dazu wurde sie von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa bestimmt, die auch bereits das „Moos des Jahres“ proklamiert hatte.
In Deutschland steht die Flechte unter Naturschutz und gilt gemäß Roter Liste als gefährdet. Ihr gabelig verzweigtes Lager, das aus kantigen abgeflachten Strängen besteht, kann durchaus zu 15 Zentimeter lang werden. In Mitteleuropa findet man sie in den Alpen in naturnahen Bergwäldern an der Baumgrenze ab etwa 177 Höhenmetern an Lärchen und Zirben, aber auch auf Holzzäunen, zuweilen sogar an hölzernen Schindeln alter Kirchen. Oft wächst sie gemeinsam mit anderen Strauch- und Bartflechten. Sie enthält einen giftigen Inhaltsstoff (Vulpinsäure), der auf das Nervensystem wirkt. Früher wurde die Wolfsflechte insbesondere in Skandinavien zur Zubereitung von Ködern für Füchse und Wölfe verwendet, um diese Nahrungskonkurrenten zu vergiften. Mit Rentierkäse oder auch frischem Blut wurden die Köder besonders schmackhaft gemacht. Tiere, die davon fraßen, starben binnen 24 Stunden.
Aber auch die Zubereitung war nicht gan6z ungefährlich: Die Flechte musste nämlich zu Pulver zermahlen und dieses in zerlassenes Fett eingerührt werden, mit Fleischstückchen darin, versteht sich. Wer nicht darauf achtete, seine Nase vor dem aufgewirbelten Flechtenstaub zu schützen, riskierte zumindest Nasenbluten. Die Vulpinsäure wirkt als starkes Gift auf das zentrale Nervensystem. Es ist nicht nur für fleischfressende Wirbeltiere, sondern auch für Insekten und Mollusken giftig. Bei Pflanzenfressern soll das Gift keine Wirkung zeigen, was zumindest für Mäuse und Ratten bereits wissenschaftlich bestätigt wurde.

Seit ich ihn gesehen ...

Seit ich ihn gesehen,
glaub’ ich blind zu sein;
wo ich hin nur blicke,
seh’ ich ihn allein;
Wie im wachen Traume
schwebt sein Bild mir vor,
taucht aus tiefstem Dunkel
heller nur empor.
Sonst ist licht- und farblos
alles um mich her,
nach der Schwestern Spiele
nicht begehr’ ich mehr,
möchte lieber weinen
still im Kämmerlein;
seit ich ihn gesehen,
glaub’ ich blind zu sein.
Adalbert von Chamisso
(1781-1838)

Der Ring
Ein älterer, weißhaariger Mann kam Freitagabends in ein Juweliergeschäft.
An seiner Seite ein sehr junges, sehr hübsches Mädchen.
Er sagte dem Juwelier, dass er einen ganz besonderen Ring für seine Freundin suche.Der Juwelier schaute nach, was er so hatte, und brachte ihm einen Ring, der 5.000 Euro kostete.
Der alte Mann sagte:
„Ich glaube nicht, dass Sie mich richtig verstanden haben.
Ich wollte etwas ganz Spezielles, etwas ganz Besonders haben.“Nach dieser Erklärung ging der Juwelier in seinen Tresorraum, wo er die besonderen Stücke aufbewahrte, und brachte ihm einen anderen Ring.
„Hier ist ein ganz besonders schöner Ring, für nur 40.000 Euro“, sagte der Juwelier.
Die Augen der jungen Dame funkelten, und ihr ganzer Körper zappelte vor Aufregung.
Als der alte Herr das sah, sagte er: „Wir nehmen diesen Ring!“Der Juwelier beglückwünschte sich innerlich zu diesem guten Geschäft und fragte beflissen, wie die Ware bezahlt werden sollte.
„Per Scheck“, sagte der alte Mann.
„Ich weiß, Sie wollen sichergehen, dass der Scheck gedeckt ist.
Also werde ich ihn jetzt gleich ausstellen, und Sie können gleich am Montagmorgen
bei der Bank anrufen, und sich die Bestätigung geben lassen.
Ich komme dann Montagabend, um den Ring abzuholen.“Am Montagmorgen rief ein sehr aufgeregter Juwelier bei dem alten Mann an.
„Da ist kein einziger Cent auf diesem Konto, das Sie mir genannt haben!“
„Ich weiß“, sagte der alte Herr.
„Aber können Sie sich auch nur im Entferntesten vorstellen, was für ein wundervolles, unvergessliches und aufregendes Wochenende ich hatte?“

Viertelstunde Sonnenschein

Eine Viertelstunde Sonnenschein
lass ich in mein Herz hinein
als Mittel gegen Depression
hilft dieser Zwischendurchstrahl schon.
Der
Mai ist bisher keine Wonne
nur selten scheint mal kurz die Sonne
Wind und Regen bei zwölf Grad
hinaus zu gehen, das ist fad
Drum
nehm’ ich, was der Himmel gibt
macht er sich auch unbeliebt
ein bisschen Blau so zwischendrin
ist für die Stimmung ein Gewinn
Dazu
Frau Sonnes kurzes Lachen
wir können doch nichts daran machen
also greift nicht nach den Sternen
hätten wir’s auch liebend gerne
dass sie scheint den ganzen Tag
wie der Mai es sonst so mag
Was nicht ist, das kann’s nicht geben
so ist es doch nun mal im Leben.
Karin Ernst

Johannes Ziegler
Der bedeutende Pionier der evangelischen Sozialarbeit. An ihn erinnern die nach ihm benannten diakonischen Zieglerschen Anstalten, die Gemeinde und die Brüdergemeinde Wilhelmsdorf bei Ravensburg. Er hat der diakonischen Arbeit der im Jahr 1824 entstandenen Evang. Brüdergemeinde Wilhelmsdorf das Gepräge gegeben. Als Direktor, Lehrer, Erzieher, Spendensammler und Bauherr wollte der Pietist glaubwürdige Antworten auf die Herausforderungen seiner Zeit.
Dem 1842 in Heubach geborenen Johannes Ziegler wurde schon als Kind unstillbarer Wissensdurst und Tatendrang bescheinigt. Er wurde Lehrer. 1862 kam er als Lehrer nach Vorbachzimmern. Zwei Jahre später hörte er vom Tod eines unbekannten Mädchens aus Wilhelmsdorf. Die 20jährige habe auf dem Sterbebett „heim,heim,heim“ gerufen. Ziegler war beeindruckt und wollte in Wilhelmsdorf lernen, sich ebenso auf das Sterben freuen zu können. Er nahm dort eine Stelle in der privaten Anstaltsschule an. Es begrüßten ihn 30 Schüler und 26 Taubstumme teils „lallend und lächelnd“, erinnert er sich später.
Er lernt Mathilde, die Tochter des Leiters der Taubstummenanstalt, kennen. Sie wird Zieglers Ehefrau. 1873 übernahm Ziegler diese Stelle als Lehrer, Aufseher, Direktor und Hausvater der Wilhelmsdorfer Anstalten.
Seinen Erziehungsstil prägte einerseits die damals übliche Strenge mit Strafen, es gab andererseits aber auch Lob und Verständnis. Er ging in der Vaterrolle zu seinen Schülern ganz auf, da die Ehe kinderlos blieb.
Die diakonische Arbeit verzweigter sich unter Ziegler immer mehr. Klopften Hilfesuchende an seine Tür, musste er einfach handeln.
Mit 36 Jahren wird er Gemeindevorsteher von Wilhelmsdorf.
Er schafft es, beständig auszubauen: neue Anstaltshäuser, das Straßennetz, einen Park. Er gründete eine Kleinkinderschule. 1906, noch kurz vor seinem Tod, eröffnete er die erste Trinkerheilstätte in der Haslachmühle. Sie ist der Vorläufer der heutigen Fachkrankenhäuser Ringgenhof und Höchsten.
Sein Tatendrang hatte einen hohen Preis. Nach langer Krankheit mit unerträglicher Atemnot, am 4. September 1907 starb er. 1916 erhielten sämtliche diakonischen Einrichtungen in Weilhelmsdorf seinen Namen und sind seitdem die Zieglerschen Anstalten.

Aber wie das so ist hienieden:
manchmal scheint's so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück,
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld,
dann hast du nicht Käthen;
hast du die Frau,
dann fehl'n dir Moneten
hast du die Geisha,
dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein,
bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer. Tröste dich.
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel:
Haben. Sein. Und gelten.
Dass einer alles hat: das ist selten.
Kurt Tucholsky (1890-1935)

Die verstorbene
Gerechtigkeit
Von Paul Zaunert
Vor langer Zeit lebte ein gewaltig reicher und mächtiger Graf, dem alles nach seinem Kopf gehen musste. Er fragte nicht nach Recht und Billigkeit, sondern schaltete und waltete nach Willkür. Da kam er einmal auf seinem Spazierritt zu einem großen, schönen Bauernhause, das ihm gar sehr in die Augen stach. Er besichtigte deshalb das ganze Gehöft und ritt dann vor das Haus hin, wo eben der Bauer, dem das Anwesen gehörte, unter der Haustüre stand.
Der Graf grüßte freundlich, stieg vom Rosse und sprach: „Guter Freund, möchtest du mir nicht deinen Hof zu kaufen geben? Ich würde ihn sehr gut bezahlen.“
Der Bauer aber bedachte sich nicht lange und antwortete: „Euer Gnaden, nichts für ungut! Aus dem Handel wird nichts. Auf diesem Hofe saßen meine Voreltern schon, und ich will auch darauf meine alten Tage zubringen. Also nichts für ungut!“
Da sagte der Graf: „Ich will dir bis morgen Bedenkzeit lassen. Überleg es dir gut.“
Dann bestieg er sein Pferd und sprengte davon. Der Bauer blieb aber bei seinem Vorhaben, schüttelte den Kopf und dachte bei sich: Daraus wird einmal nichts.
Am folgenden Tag kam der Graf schon in aller Frühe dahergeritten und fragte, ohne abzusteigen, den Bauern, was er jetzt beschlossen habe. Da antwortete der Bauer: „Ich denke wie gestern, Euer Gnaden. Ich bleibe auf meinem Hofe, und aus diesem Handel wird nichts.“
Da wurde der Graf wild und sprach: „Ich frage dich noch einmal, ob du dein Anwesen gutwillig hergeben willst. Wo nicht, so bekomme ich es doch!“
Der Bauer schüttelte den Kopf und erwiderte: „Dabei bleibt’s, ich verkaufe meinen Hof nicht.“
Da kannte sich der Graf nicht mehr vor Wut, ritt spornstreichs zu einem Advokaten, bestach ihn mit vielem Golde und ließ dem Bauern einen Prozess anhängen. Die Richter wussten, dass der Graf ein steinreicher Mann sei und bei dem Handel Geld herausschaue. Deshalb hielten sie zu dem Grafen und versprachen ihm, das Bäuerlein mürbe zu machen. Sie ließen nun den Bauern durch den Gerichtsdiener herbeiholen und fragten ihn, ob er seinen Hof verkaufen wolle oder nicht. Als er ein entschiedenes Nein erwiderte, wurde ihm eine Klageschrift vorgelesen, und man sagte ihm, wenn er den Hof behalten wolle, so müsse er mit dem Herrn Grafen einen Prozess führen. Der einfältige Bauer, der sich nicht zu helfen wusste, ging darauf ein.
Der Graf hatte einen pfiffigen Advokaten, der Bauer aber hatte keinen, weil er sparen wollte. Da wurde nun hin und her prozessiert und der Bauer so oft in die Stadt gerufen und übertölpelt, bis er ganz verschuldet war. Und schließlich entschied der Richter gegen ihn, so dass er vom Hofe musste und ihm nur noch hundert Gulden blieben. Er gab sich darein, machte aber den Richtern bittere Vorwürfe und sprach: „Wenn auf Erden keine Gerechtigkeit mehr ist, so lebt droben noch ein Richter, der euch finden wird.“ Da lachen die Herren und einer sagte: „Ja, die Gerechtigkeit ist lange gestorben; die kann dir nicht helfen!“
Der betrogene Bauer ging schweigend aus der Kanzlei hinaus und begab sich geradewegs zum Kirchenvater; das war ein guter Bekannter von ihm.
Als dieser den Bauern kommen sah, rief er ihm freundlich zu: „Grüß dich Gott, Hans. Kommst auch einmal in die Stadt, mich heimzusuchen?“
„Ja“, antwortete Hans, „aber es ist mir eine traurige Sache, um die ich zu dir komme.“ Und dann erzählte er dem Kirchenvater die Geschichte und schloss: „Jetzt hab’ ich noch hundert Gulden, und die geb’ ich dir. Es ist gerade soviel Geld, als man bei euch in der Stadt da zahlen muss, wenn man die große Glocke für einen Verstorbenen läuten lässt. Du hast’s Geld, und jetzt läute schnell der Gerechtigkeit, weil sie gestorben ist, zur Scheidung. Aber läute recht lang!“
Der Kirchenvater nahm das Geld, ging mit seinem Knecht in den Turm und läutete die große Glocke, und zwar länger als gewöhnlich. Da gab’s nun in der Stadt ein Gefrage und Gerede, wer gestorben sei, für wen es so lange läute. Doch niemand wusste Bescheid darauf, und die Neugierde wurde immer größer. Auch der König, der in derselben Stadt seine Residenz hatte, erkundige sich, wer gestorben sei, konnte aber keine Auskunft erhalten. Da schickte er einen Läufer zum Kirchenvater und ließ ihn fragen, für wen es so lange Scheidung geläutet habe. Sprach der Kirchenvater: „Für die Gerechtigkeit.“
Der Läufer eilte mit dieser Antwort zum König zurück. Wie der König dies hörte, war er rot vor Zorn und rief: „Die Gerechtigkeit ist nicht gestorben. Sie schläft nur, und ich will ihr neues Leben einhauchen.
Dann ließ er den Kirchenvater holen und fragte ihn, wer die große Glocke für die verstorbene Gerechtigkeit habe läuten lassen.
Sprach dieser: „Eure Majestät, der Schauferle Hans, der früher Schauferlebauer war.“
Alsogleich ließ der König den Schauferle Hans herbeiholen und fragte ihn, warum er die Glocke haben läuten lassen. Da erzählte Hans, wie er des Grafen wegen um Haus und Hof gekommen sei, weil die Gerechtigkeit nicht mehr lebe. Der König ward über die Richter ganz ergrimmt, machte kurzen Prozess und gab dem Bauern sein Eigentum zurück. Dann ließ er den Grafen, den durchtriebenen Advokaten und die bestochenen Richter rufen, die Sache untersuchen und verurteilte allesamt zum Tode. Sie wurden in Gestalt einer Glocke aufgehängt, und in ihrer Mitte zappelte der Graf. Seitdem aber kam die Gerechtigkeit wieder zu Leben, und die Richter sprachen Recht, wie es sich geziemt.

Leitfaden für ein schöneres Leben
Freue dich jeden Morgen auf den neuen
Tag.
Baue dein Glück nicht am Unglück Anderer auf.
Verachte keinen deiner Mitmenschen, nur weil er anders ist als du.
Sei verträglich- zum Streiten gehören immer zwei
Sei arbeitsam, aber vergiss darüber nicht deine eigenen Bedürfnisse
Verzweifle nicht, wenn dir nicht alles gelingt.
Denk auch mal an dich
Wenn Jemand dich braucht, verwehre ihm nicht Deine Hilfe.
Nicht der, der hinfällt ist ein Verlierer, sondern der, der liegen bleibt
Stecke den Kopf nicht in den Sand
Neide deinem Nächsten nicht das Glück
Hab‘ Spaß, das Leben ist zu kurz um Trübsal zu blasen.
Versuche nicht, anders zu scheinen, als du bist
Erfreue dich auch an den kleinen Dingen
Höre nicht auf jeden Tag dazu zu lernen
Auf jeden Regentag folgt auch wieder Sonnenschein
