Mai 2009

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Stiefmütterchen
Sie galten Jahrhunderte lang als Unkraut. Erst als sich die Blumenzüchter des Wilden Stiefmütterchens annahmen, ist durch langwierige Züchterarbeit aus einem einstmals zwar niedlichen, aber recht unscheinbaren Veilchengewächs eine attraktive Zierpflanze geworden.
Vom Wilden Stiefmütterchen einem ein- bis mehrjährigen auf Äckern und Wiesen anzutreffenden, zehn bis 25 Zentimeter hohen verästelten Pflänzchen, sind zahlreiche Unterarten bekannt. Seine Blüten mit fünf Kronblättern sind so gestaltet, dass zwei Kronblätter nach oben ragen, zwei zur Seite zeigen und eines – das größte – zungenförmig nach unten hängt. Diese Form in Verbindung mit der unterschiedlichen Färbung der Kronblätter gibt der Stiefmütterchenblüte eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Gesicht. So erklärt sich eine Reihe von Volksnamen für diese kleinen Blumen wie Schöngesicht, Mädchenauge oder Dreifaltigkeitsblümchen. Hier bei uns nennt man es auch „Glotzerchen“.Auch in der Volksmedizin spielen die wilden Stiefmütterchen eine große Rolle. Sowohl die mehr gelbblühenden Pflanzen des Acker-Stiefmütterchens als auch das auf Wiesen und Äckern anzutreffende, eher violett blühende Echte Stiefmütterchen liefern einen Heiltee gegen Gicht, Rheuma und vor allem gegen Hautausschläge. Man erntet dazu das blühende Kraut.
Aus einer Kreuzung des Wilden Stiefmütterchens mit anderen Arten der Gattung Viola sind die Gartenstiefmütterchen entstanden, die heute weltweit verbreitet sind. Sie sind bis zu 30 Zentimeter hoch, haben denselben Blütenaufbau wie ihre „Vorfahren“ und weisen eine Vielzahl von Färbungen auf. Auch gibt es Sorten mit „Augen“ oder dunklen Flecken, andere sind nelkenartig und gestreift oder marmoriert, haben „Rokoko-Charakter“ und sind auch gefüllt. Sogar duftende Sorten gibt es bereits.
Mai
Leichte Silberwolken schweben
Durch die erst erwärmten Lüfte,
mild, von Schimmer sanft umgeben,
blickt die Sonne durch die Düfte.
Leise wallt und drängt die Welle
sich am reichen Ufer hin;
Und wie reingewaschen helle,
schwankend hin und her und hin,
spiegelt sich das junge Grün.
Still ist Luft und Lüftchen stille,
was bewegt mir das Gezweige?
Schwüle Liebe dieser Fülle,
von den Bäumen durchs Gesträuche.
Nun der Blick auf einmal helle,
sieh! Der Bübchen Flatterschar,
das bewegt und regt so schnelle,
wie der Morgen sie gebar,
flügelhaft sich Paar und Paar.
Fangen an, das Dach zu flechten –
Wer bedürfte dieser Hütte? -
Und wie Zimmer, die gerechten,
Bank und Tischchen in der Mitte!
Und so bin ich noch verwundert,
Sonne sinkt, ich fühl es kaum;
Und nun führen aber hundert
mir das Liebchen in den Raum,
Tag und Abend, welch ein Traum!Johann Wolfgang von Goethe
Der Zauberwürfel
Wer kennt ihn nicht von früher? Er ist wieder in. Seine 54 farbigen Felder müssen an die richtige Stelle gedreht werden. So, dass jede Seite des Würfels nur aus einer Farbe besteht: Rot, Orange, Blau, Weiß, Gelb oder Grün.
Es gibt ganz viele verschiedene Möglichkeiten, die Farben vom Würfel zu sortieren. Und es gibt auch unvorstellbar viele Möglichkeiten, wie seine Steine anfangs verdreht sein können: 43 Quintillionen. Das ist 43 mit 30 Nullen!
Da der Würfel so klein ist, dass er fast in jede Tasche passt, kann man überall mit ihm spielen.
Ein Professor aus Ungarn – Ernö Rubik - hat den Würfel vor mehr als 30 Jahren als knifflige Aufgabe erfunden. Damals war es eine Sensation und rasch wurde er auf der ganzen Welt berühmt – allerdings unter einem anderen Namen als Zauberwürfel. Die meisten nennen ihn Rubik’s Cube – zu deutsch Rubiks Würfel.
Erste Versuche
Unser Mariannle will auch mal probieren,
ob es schon geht mit dem Studieren;
Schulmeisterskinder sind immer gescheit,
sammeln sich Weisheit vor der Zeit.Leer ist die Klasse, fort sind die Jungen,
da ist es eilig hineingesprungen,
hält noch den Apfel in seiner Hand,
den es eben im Garten fand.Auch sein Püppchen hat`s mitgenommen,
soll von der Klugheit abbekommen,
Puppen kann’s niemals schädlich sein,
kommt was ins hohle Köpfchen hinein.All die Tische und Schülerbänkchen,
Vaters Pult und sein Bücherschränkchen,
auch die Tafel hoch an der Wand
sind Mariannle vertraut und bekannt.Welcher Bub hat denn da gesessen,
der seine Mappe und Tafel vergessen?
Ach, wie die Buben doch unnütz sind!
Denkt das verständige Schulmeisterskind.Hopp, den verlassenen Platz erklommen,
Tafel und Griffel zur Hand genommen,
jetzt geht Mariannles Studium los,
Krakelfüße malt’s klein und groß.Schreibt wie all solche kleinen Dinger
mit dem gekrümmten Zeigefinger,
und ihre Strichlein, kreuz und quer,
purzeln übereinander her.Nun ist die Tafel gefüllt bis ans Holz
und sie betrachtet ihr Werk mit Stolz,
zeigt’s dann dem Püppchen: „Sieh dir mal an,
was ich schon alles schreiben kann!“Hermann Kaulbach
Die fünf Handwerksburschen auf Reisen
Einmal zogen fünf Handwerksburschen aus einem Orte auf die Wanderschaft und hatten sich versprochen, dass sie sich nicht trennen wollten. Wie sie nun schon ein gut Stück Weges gegangen waren, fiel’s dem einen plötzlich ein, ob sie wohl noch alle fünf beisammen wären und er sagte es seinen Kameraden. Da standen sie alsbald still und der eine fing an zu zählen: „Ich bin ich, eins zwei, drei, vier!“ Ach Gott, wie erschraken sie da, als einer fehlte! Sie zählten nun einer nach dem andern und brachten nur immer vier heraus. „Ich bin ich, eins, zwei, drei vier.“ Da kam ein Fremder daher und fragte, was sie hätten. Sie sagten’s ihm und baten, er solle doch suchen helfen. Der Mann aber riet, sie sollten alle ihre Nasen einmal in den Sand stecken und dann die Löcher zählen. Das tagen sie und da kamen richtig fünf Nasen heraus und nun wussten sie gewisse, dass sie noch keinen Kameraden verloren hatten und setzten vergnügt ihre Reise fort.
Paul Zaunert
An den andern
Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
Doch konnt’ ich keinen Ausgang mir ersiegen,
nach einem Aufgang nach den lichten Höh’n.Da traf ich dich, in ärgster Not: den andern!
Mit dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit dir zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
Empor sich zog, bis wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam …
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
Noch unterm Ziel, - genug der Weg ist klar!
Dass wir uns trafen, war die große Wende.
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.Christian Morgenstern
Herzogin Sibylla
Das Universalgenie Johann Valentin Andreä (1586-1654) hat sie "die innigste der Grazien" genannt unter "unsern Princeßinen, Antonia, Anna Johanna, und Sibylla, einem Kleeblatte von Huldgöttinnen, diesen Spiegeln und Mustern der Frömmigkeit, der Unschuld und Eintracht".
Gemeint sind damit die "wegen ihrer Frömmkeit, Tugenden und Gelehrsamkeit berühmten" Töchter aus der Ehe des württembergischen Herzogs Johann Friedrich (1582-1628) mit der Hohenzollerin Barbara Sophia von Brandenburg (1584-1636). Die Sibylla war deren jüngste Tochter und ist am 4. Dezember 1620 in Stuttgart im Alten Schloss in eine Welt voll Krieg, Jammer und Elend hineingeboren worden. Sie ist grad sieben Jahre alt, als ihr Vater stirbt, und 13, als die Mutter mit ihrer Familie nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen Hals über Kopf nach Straßburg ins Exil flüchten muss, und mit 15 ist sie Vollwaise.
Nach langen Verhandlungen mit dem Kaiser darf ihr Bruder Eberhard III. (1614-1674) im Herbst 1638 mit seinen Geschwistern wieder heim in das halbierte und ausgeblutete Herzogtum. Jetzt ist kein Geld da für die Aussteuer der "blitzgescheiten, hochbegabten" Schwestern. Deshalb sind die Herzogin Antonia (1613-1679) die mit ihrer berühmten kabbalistischen Lehrtafel in Teinach, und die Herzogin Anna Johanna (1619-1679) - die "liebte sehr die Mathematic, und andere schäne Wissenschaften", die sind beide ihrer Lebtag lang ledig geblieben. Die Sibylla aber wurde im Herbst 1647 an ihren Mömpelgarder Vetter, den Herzog Leopold Friedrich (1624-1662), verkuppelt.
Das ist ein fürstlicher Tagedieb gewesen wie aus dem Bilderbuch: Ein Prachtierer, Verschwender und Schuldenmacher, jähzornig und cholerisch, lieber auf der Jagd wie am Schreibtisch, ein versoffenes Loch und ein Haufen Menscher. Seines Kammerdieners Weib ist seine Hauptmätresse gewesen, und dieser Sabine Barthol habe er aus der Hand gefressen wie 50 Jahr später der Herzog Eberhard Ludwig seiner Grävenitz. "Seine Frau Sibylla musste stark leiden." Kinder hatten die zwei auch keine. Wie diesen Kerl dank seiner, Sauferei der Schlag getroffen hat, ist sein Bruder Georg (1626-1699), "dem es wahrscheinlich im Kopfe, nicht richtig stund", in Montbeliard ans Regiment gekommen. Sie ist dann auf ihren Witwensitz in das Schloss in Hericourt gezogen.
Eines schönen Tages schellt's an ihrer Haustür, und da steht der in Wien beim Kaiserwechsel vom Ferdinand III. auf den Leopold 1. entlassene und seither "verarmte, vereinsamte Künstler" Johann Jacob Froberger wie ein Hausierer vor ihr. Die herzensgute Herzogin, die mit dem vier Jahre älteren Sohn des wirtembergischen Hofkapellmeisters Basilius Froberger (1575-1637) seinerzeit in Stuttgart schon im Sandkasten gespielt hatte, holt den Hungerleider zu sich herein in die warme Stube, und als "Liebhaberin der edlen Music" wird sie die "scholarin ihres Lieben Ehrlichen getrewen und fleissigen Lehrmeister Her. Joh. Jacob Froberger Keys. Mayestt. Karner Organist."
Und wie der weltberühmte, in Rom als Student bei Girolamo Frescobaldi katholisch gewordene Komponist anno 1667 in ihrem Schloss "so sanfft und wie ich zu dem Lieben Gott hoffe Selig verschiden" ist, da hat sie seinen letzten Wunsch erfüllt und ihn allen (lutherischen) "Adversarii" zum Trotz "in Bauilliers in die (katholische) kirch begraben lassen". Beide miteinander haben noch vom Freudenstädter Heimatforscher Gerhard Hertel (1924-2007) ein großes deutschfranzösisches Denkmal in Hericourt gestiftet bekommen.
Sonst aber hat sie nicht viel Freude erfahren im Leben. Dieses Nachtschattengewächs von Sonnenkönig, der Ludwig XIV. hat die gute Sibylla anno 1683 aus ihrem "Wirtemberg Mömpelgarder Ländle" fortgejagt, und sie ist wieder heim nach Stuttgart gekommen, und auch da hat sie keine Ruhe gefunden vor diesem sadistischen Sauhund, als dessen Mordbrermer namens Melac & Co anno 1688, anno 1692, anno 1693, anno 1704, anno 1707 so brutal auf das arme "Wirtemberg" losgegangen sind. "Wie Sie dann in das Fünf und vierzigste Jahr Ihren Wittwenstand Christtugendlich zugebracht" ist sie am 21. Mai 1707, "als die Französische Feindesmacht wiederum in dieses Land eingedrungen, Hochseelig entschlaffen, Ihres Alters Achtzig Sieben Jahr, Drey Monat, Ein Wochen und Sechs Tag."
Drei Tage darauf "bey Nacht in der Stille" hat man sie aus dem Alten Schloss in die Fürstengruft der Stiftskirche getragen. Dort auf ihrem schönen Zinnsarg findet sich ihr einziges Porträt: Sie steht vor einer Orgel und zeigt auf ein Choralbuch, und dahinter sieht man ein Klavier, eine Violine, eine Mandoline und Notenblätter.
Einer Toten
Das aber kann ich nicht ertragen,
dass so wie sonst die Sonne lacht;
dass wie in deinen Lebenstagen
die Uhren gehen, die Glocken schlagen,
einförmig wechseln Tag und Nacht;dass, wenn des Tages Lichter schwanden,
wie sonst der Abend uns vereint;
und dass, wo sonst dein Stuhl gestanden,
schon andre ihre Plätze fanden,
und nichts dich zu vermissen scheint;indessen von den Gitterstäben
die Mondesstreifen schmal und karg
in deine Gruft hinunterweben,
und mit gespenstig trübem Leben
hinwandeln über deinen Sarg.Theodor Storm
Zum morgigen Muttertag
Wenn jemand etwas "durch die Blume" sagt, dann spricht er in Andeutungen, er verhüllt seine klare Aussage. Früher ließ man allerdings tatsächlich "Blumen sprechen". Die Bedeutung der Blumen war allen bekannt, und wer es nicht genau wusste, konnte sogar in einem "Lexikon der Blumensprache" nachschlagen.
Es war Liebenden nicht wie heute möglich, sich ungezwungen zu unterhalten, zu verabreden oder sich die Liebe zu gestehen. Man half sich daher, in dem man sich Blumen schenkte, die die Botschaft überbrachten. Dabei war nicht nur die Blumensorte von Bedeutung, sondern auch die Art, in der die Blumen gebunden und zusammengestellt waren, ob sie bereits voll erblüht oder noch knospig, hängend oder aufrecht stehend, mit Schleifen oder ohne gesteckt waren.
Wir kennen nur noch einige wenige Bedeutungen der Blumen - was z.B. eine einzelne, dunkelrote Rose bedeutet, weiß wohl jeder. Wer allerdings einen Strauß mit welkenden Rosenblüten bekommt, wird kaum verstehen, dass diese die Bitte um ein Rendezvous um ein Uhr überbringen sollen. Ein Gänseblümchen sagt treuherzig: "Hab mich lieb", während der Klee, vor allem natürlich der vierblättrige, dem Beschenkten Glück wünscht. Mit einer Sonnenblume verleiht man seiner Bewunderung für den anderen Ausdruck: "Ich bete dich an"; wohingegen Nelken fast schon ermahnenden Charakter haben. Die Lichtnelke fordert "Bekenne dich zu mir", die Bartnelke sagt: "Steh über den Dingen!"
Muttertag
Meine Mutter
Kein Vogel sitzt in Flaum und Moos
in seinem Nest so warm
als ich auf meiner Mutter Schoß,
auf meiner Mutter Arm.Und tut mir weh mein Kopf und Fuß,
vergeht mir aller Schmerz,
gibt mir die Mutter einen Kuss
und drückt mich an ihr Herz.F. W. Güll
Rhabarber - jetzt im Mai köstlich
Landläufig wird Rhabarber als Obst betrachtet und meist auch so zubereitet, botanisch gesehen ist er jedoch ein Gemüse. Er gehört zu den Knöterichgewächsen und eröffnet im Frühjahr die Freilandsaison. Bevor der Rhabarber im 16. Jahrhundert von Asien nach Europa kam, nutzten die Chinesen seine Wurzeln als Abführmittel. Die herb-sauren Stangen galten bei ihnen jedoch als ungenießbar. Dabei sind sie nicht nur kalorienarm, sondern auch erfrischend und reich an Vitalstoffen. Bis Juni hat Rhabarber Saison.
Rhabarber enthält reichlich Vitamin C sowie die Mineralstoffe Kalium – bekannt für seine entwässernde Wirkung -, Magnesium, Phosphor und Eisen. Allerdings gilt Rhabarber als Kalzium-Räuber und sollte daher bevorzug mit Milchprodukten verzehrt werden. Der Ballaststoff Pektin, die Gerb- und Bitterstoffe wirken sich verdauungsfördernd aus.
Das pelzige Gefühl auf den Zähnen kommt durch die im Rhabarber enthaltene Oxalsäure zustande, die sich mit Hilfe des Kalziums aus Milchprodukten zu Kalziumoxalat verbindet. Um den Gehalt der in hoher Konzentration giftigen Oxalsäure zu reduzieren, sollte Rhabarber gut geschält und die Blätter ganz entfernt werden. Werden die Stangen blanchiert, das Kochwasser anschließend wegkippen.
Je nach Zubereitungsart kann man Rhabarbersorten mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen erhalten. Grüne Stiele sind besonders sauer und vor allem für Marmelade und Kompott geeignet. Rotstieliger Rhabarber mit grünlichem Fruchtfleisch schmeckt säuerlich herb – ideal zum Backen und für herzhafte Speisen. Innen und außen rote Stangen haben ein mildes Himbeeraroma und schmecken zu Erdbeeren, Joghurt und Vanilleeis.
Beim Kauf sollten die Stangen frisch und fest sein. Ausgetrocknete Schnittstellen deuten auf nicht mehr frische Ware hin. Im Kühlschrank bleiben Rhabarberstangen ein paar Tage frisch, wenn man sie in ein feuchtes Tuch einschlägt und im Gemüsefach aufbewahrt. Rhabarber kann roh oder als Kompott tiefgekühlt werde4n, sollte aber nicht in Metallgefäßen zubereitet werden, da die Säure mit dem Metall reagiert und den Geschmack beeinträchtigt.
MAI
Leichte Silberwolken schweben
Durch die erst erwärmten Lüfte,
Mild, von Schimmer sanft umgeben,
Blickt die Sonne durch die Düfte.
Leise wallt und drängt die Welle
Sich am reichen Ufer hin;
Und wie reingewaschen helle,
Schwankend hin und her und hin,
spiegelt sich das junge Grün.Johann Wolfgang von Goethe
Wie oft bewahrheitete sich früher bei meinen zahlreichen Pflanzaktionen der Vers:
Setz mich im April, komm ich wann ich will - setz mich im Mai, komm ich glei ...
Fruchtwechsel
Als Fruchtwechsel bezeichnet man die gute alte Gärtnerpraxis, auf demselben Beet jedes Jahr andere Gemüse anzubauen. Dabei beachtet man nicht nur die Nährstoffbedürfnisse der Arten, sondern auch ihren Verwandtschaftsgrad. Stammen Gemüse aus derselben Pflanzenfamilie, dann sind sie anfällig für die gleichen Krankheiten und sollten daher nicht Jahr für Jahr im gleichen Beet wachsen. Mit der Zeit und mit etwas Übung gelingt im Gemüsegarten ein schöner regelmäßiger Anbaurhythmus, der folgendermaßen aussehen könnte:
Im Herbst verrotteten Stallmist und/oder organischen Dünger ins Beet einarbeiten. Im Jahr nach der Düngung wachsen Starkzehrer wie Kartoffeln, Zuckermais, Kopf- und Wirsingkohl, Knollensellerie, Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbisse auf der frisch gedüngten Fläche. Im folgenden Jahr Mittelstarkzehrer pflanzen, z.B. Möhren, Zwiebeln, Lauch, Brokkoli, Kohlrabi, Blumenkohl, Rote Bete, Pastinaken und Bleichsellerie. Dabei sollen die Kohlarten wie Blumenkohl nicht dort stehen, wo ein Jahr zuvor der Kopfkohl gewachsen war, und Möhren oder Pastinaken nehmen keinesfalls den ehemaligen Platz des Sellerie ein. Im dritten Jahr kommen Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen, Spinat und Salate oder Gewürze wie Dill und Kerbel in das Beet. Wer genügend Beete hat, kann dann dem Boden ein Jahr lang Ruhe gönnen und Gründüngung wie Bienenfreund oder Buchweizen säen. Danach wird wieder kräftig gedüngt, und der Kreislauf beginnt von vorne.
Einem Tagelöhner
Conrad Ferdinand MeyerLange Jahre sah ich dich
führen deinen Spaten,
und ein jeder Schaufelstich
ist dir wohlgeraten.Nie hat dir des Lebens Flucht
bang gemacht, ich glaube –
Sorgtest für die fremde Frucht,
für die fremde Taube.Nie gelodert hat die Glut
Dir in eigenem Herde,
doch du fußtest fest und gut
auf der Mutter Erde.Nun hast du das Land erreicht,
das du fleißig grubest,
laste dir die Scholle leicht,
die du täglich hubest!
Samenarten
Samenschleudern, Flugapparate, Anhängsel – wie Pflanzen sich verbreitenPrall und rot stechen Vogelbeeren den Gefiederten ins Auge. Die Versuchung ist groß. Vögel sind die Zielgruppe saftiger Beeren und üppiger Steinfrüchte. Ihre flotte Verdauung macht sie zu idealen Samenkurieren der Pflanzen.
Um ihre Samen zu verbreiten, haben Pflanzen spektakuläre Beförderungsmethoden entwickelt. Pflanzen helfen ihrem Nachwuchs mit Katapulten, Luftgewehren oder Explosionsmechanismen auf die Sprünge. Andere wiederum entwickeln Flugapparate. Wieder andere schicken ihren Fruchtstand als Floß oder Ponton auf die Reise, manchmal über Ozeane hinweg. Doch nicht alle Pflanzen vertrauen ihre kostbaren Samenpakete Wind und Wasser an. Manche lassen sie von Tieren transportieren. Pflanzen nutzen jede Möglichkeit zum Samenversand.
Mit dem Wind verschickte Früchte oder Samen müssen klein und leicht sein. Deshalb geben Flugsamen zuvor ihren gesamten Wasserballast ab. Orchideen und Sommerwurzarten haben das Minimalistenkonzept auf die Spitze getrieben. Mit Erfolg: Ein Gramm bringt eine Million dieser staubfeinen Winzlinge auf die Waage. Nicht einmal Nährgewebe bekommen die zu reinen Datenspeichern reduzierten Samen mit auf den Weg.
Materialsparend ist der Löwenzahn konstruiert. Bei ihm wird der Blütenkelch zum Schirm umfunktioniert. Statt sich dem erstbesten Windstoß anzuvertrauen, warten sie auf gute Flugbedingungen. Wer sichergehen will, dass seine Samen weit fortgetragen werden, muss meteorologische Messungen vornehmen. Ständig kontrolliert der Löwenzahn aktuelle Windstärke, Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Alle Werte zusammengenommen ergeben einen verlässlichen Reisewetterbericht.
Samen verblüffen nicht nur durch ihre große Flugweite, die beim Moorkreuzkraut, einem sogenannten Schopfflieger, 120 Kilometer betragen kann. Auch ihre Anzahl beeindruckt. So entlässt eine einzelne Schwarzpappel bis zu 28 Millionen wuschelig behaarter Samen.
Es gibt keinen Flugkörper, den die Pflanzen nicht längst vor dem Menschen erfunden und zur Perfektion getrieben hätten: Birken und Kleestrauch versehen ihre Nüsschen mit breiten Hautsäumen, die wie Frisbeescheiben über Land fliegen; Blasenkirschen schicken leuchtend rote Ballons auf die Reise; Saatmohnsamen steigen als kleine Kastendrachen auf. Besonders raffiniert die Ahornsamen. Sie surren mit perfekt ausbalancierten Propellerblättern dahin. Angetrieben durch den Luftstrom, geraten ihre Flügel praktisch von selbst ins Rotieren - ähnlich einem Hubschrauber, der mit abgestelltem Motor im Gleitflug landet. Der eigentliche Trick aber besteht darin, dem Wind durch die Drehbewegung eine geschlossene Kreisfläche vorzutäuschen - mit einer zehnmal so großen Angriffsfläche. So fallen Ahornsamen etwa achtmal so langsam vom Baum wie gleich große Samen ohne Drehflügel. Auf diese Weise verhindert der Spitzahorn, dass seine Nachkommen unter seinem Blätterdach ein Schattendasein führen muss.
Dass Pflanzen um eine möglichst große Verbreitung bemüht sind, ist biologisch sinnvoll. In Monokulturen fühlen sie sich nicht wohl, weil alle Gewächse in der gleichen Erdschicht wurzeln und dort die Nahrung entnehmen. Auf Dauer sind sie nicht lebensfähig. Anfällig für Seuchen, Windbruch, Brand oder Klimawechsel droht jedem Einheitsbestand irgendwann das Ende.
Früchte wie Kastanie, Haselnuss oder Eichel sind zu schwer, um vom Wind fortgetragen zu werden. Aber mit ihrem reichen Nährstoffgehalt locken sie Vorratsspezialisten wie Eichhörnchen, Haselmäuse oder Eichelhäher an. Auf diese Weise kann dieser Vogel in einem Monat mehr als 4600 Eicheln sammeln, die er nicht alle verzehrt. Im Frühjahr geht die vergessene Saat auf.
Nelkenwurz und Klette hängen sich mit kleinen Widerhaken ins Fell von Tieren. Die Verbindung lässt sich bei kräftigem Zug rasch wieder lösen - Vorbild für den Klettverschluss. Oft werden die Samen auf diese Weise mehrere Kilometer weit verschleppt. Kurios ist der Trick des Jumping Cholla, eines in Mexiko beheimateten Feigenkaktus. Er springt Tiere regelrecht an, sie müssen ihn nicht einmal berühren. Dabei helfen ihm elektromagnetische Kräfte.
Ihre große Verbreitung verdankt die Kokosnuss der Kombination zweier Prinzipien. Die Nuss bleibt aufgrund ihrer Pontoneigenschaften im Wasser oben. Der dicke Mantel aus Fasern verschafft ihr zusätzlichen Auftrieb (Floß!). Nach drei bis vier Monaten beginnt sie zu keimen und geht unter. Dass Wasser nicht nur zur Schifffahrt taugt, beweisen Schleifenblume und Hellerkraut. Als sogenannte Regenballisten werden sie durch Niederschlag zum Katapult. Voraussetzung dafür sind Früchte, die an federnden Stielen sitzen und die Form einer Turbinenschaufel haben. Sie verwandeln die Wucht aufprallender Regentropfen in eine Schleuderbewegung, durch die der Samen herausgeschossen wird.
Mit raffinierten Schleudermechanismen sorgen einige Pflanzen für ihre Verbreitung. Beim Rührmichnichtan ist der Name Programm. Bei der leisesten Berührung platzt die reife Kapsel: Blitzartig rollen sich die Fruchtblätter nach innen ein und schleudern zugleich die Samen heraus. Treibende Kraft dieses Vorgangs ist ein Spannungsausgleich in den Fruchtblattwänden. Deren Zellen nehmen beim Heranreifen ständig Wasser auf, können sich bedingt durch die Konstruktion der Zellwand aber nur in einer bestimmten Richtung ausdehnen. Dadurch baut sich in den Zellen ein Druck auf, der am Ende der Reifezeit 20 Bar erreichen kann - in einem Autoreifen beträgt der Luftdruck in der Regel zwei Bar). Er verwandelt die Frucht des Springkrauts in eine lebende Abschussrampe.
Die Spritzgurke wird gleich selbst zur Rakete. Sie funktioniert nach dem Rückstoßprinzip. Die ebenfalls per hydrostatischen Druck verbreiteten Samen der Mistel erreichen Anfangsgeschwindigkeiten von fast 100 Kilometern pro Stunden. über den wirksamsten Schleudermechanismus aber verfügt die Bauhinia, eine tropische Hülsenfrucht-Gattung. Mit Weiten bis zu 15 Metern lässt sie alle anderen Samenschleudern hinter sich.
Dir wünsche ich einen blühenden Garten um’s Haus
und auch in Deinem Herzen,
worin herrliche Sonnentage warten,
freudige Stunden mit Lachen und Scherzen.
Wo unter strahlendem Himmel Blütenpracht schwelgt,
bezaubernder Duft die Lüfte erfüllt,
fröhliches Zwitschern die Seele erhellt
und Geborgenheit Dich allseits umhüllt.
Wo Schmetterlinge im Wind sich wiegen
und ein sprudelnder Quell Leben verbreit’,
wo Du liebst im duftenden Gras zu liegen,
wo Du einfach Du sein kannst,
tief und weit.
Worin Du auch wandeln kannst zu jeder Stund’,
als sonnigen Ort voll stiller Kraft,
wenn Du Frieden nicht findest im Erdenrund;
dass Dir dort ein Spaziergang dann Zuversicht schafft.
Die Welt tut geschäftig, es geht hin und her,
drum wünsche ich Dir noch eines von Herzen sehr:
dass Du den Weg immer findest in Deinen Garten
und all das viele lass einfach mal warten!W. Bielke
Immer hin und wider
Strebt der Blütenzweig im Winde,
immer auf und nieder
strebt mein Herz gleich einem Kinde
zwischen hellen, dunklen Tagen,
zwischen Wollen und Entsagen.
Bis die Blüten sind verweht
und der Zweig in Früchten steht,
bis das Herz, der Kindheit satt,
seine Ruhe hat
und bekennt;
Voll Lust und nicht vergebens
war das unruhvolle Spiel des
Lebens.
Hermann Hesse
Mairegen
Solltest doch lieber ins Häuschen gehen,
wirst ja am Ende ganz nass.
Wozu doch willst du im Regen stehn,
sag, wozu nützet dir das?
Mairegen macht, dass man größer wird,
größer doch möchte’ ich gern sein.
Wär’ ich wie’s Mütterchen groß genug,
ging’ ich gewiss nicht hinein!Hoffmann von Fallersleben
Sonne und Wind
Einst stritten sich die Sonne und der Wind, wer von ihnen beiden der Stärkere sei, und man ward einig, derjenige sollte dafür gelten, der einen Wanderer, den sie eben vor sich sahen, am ersten nötigen würde, seinen Mantel abzulegen.
Sogleich begann der Wind zu stürmen; Regen und Hagelschauer unterstützten ihn. Der arme Wanderer jammerte und zagte; aber immer fester wickelte er sich in seinen Mantel ein und setzte seinen Weg fort, so gut er konnte.
Jetzt kam die Reihe an die Sonne. Mit milder und sanfter Glut ließ sie ihre Strahlen herabfallen. Himmel und Erde wurden heiter; die Lüfte erwärmten sich. Der Wanderer vermochte den Mantel nicht länger auf seinen Schultern zu erdulden. Er warf ihn ab und erquickte sich im Schatten eines Baumes, während die Sonne sich ihres Sieges erfreute.Johann Gottfried Herder
Wie schön die Blumen blühn
Wie schön die Blumen blühn
Im Garten frisch und grün,
Schöner kein' als die Rose,
Die sich kränzet mit Mose.Wie schnell die Blumen blühn,
Wie hell die Sonnen glühn,
Die Blumen welken, die Rose
Welkt mitten im kühlen Mose.Wie schnell die Blumen verblühn,
Die Regentropfen sprühn,
Sie weinen um die Rose,
Die liegt auf dem feuchten Mose.Wie die Blumen verblühn!
Umsonst sind Liebesmühn.
Unseres Lebens Rose
Liegt unter dem feuchten Mose.Wie die Blumen erblühn,
Der Garten ist immer grün,
Unserer Liebe Rose
Blüht uns neu aus dem Mose.Friedrich Rückert
Christi Himmelfahrt
Er war ihr eigen drei und dreißig Jahr.
Die Zeit ist hin, ist hin!
Wie ist sie doch nun alles Glanzes bar,
Die öde Erd', auf der ich atm' und bin!
Warum durft' ich nicht leben, als sein Hauch
Die Luft versüßte, als sein reines Aug'
Gesegnet jedes Kraut und jeden Stein?
Warum nicht mich? Warum nicht mich allein
O Herr, du hättest mich gesegnet auch!
Dir nachgeschlichen wär' ich überall
Und hätte ganz von fern,
Verborgen von gebüschesgrünem Wall,
Geheim betrachtet meinen liebsten Herrn.
Zu Martha hätt' ich bittend mich gewandt
Um einen kleinen Dienst für meine Hand:
Vielleicht den Herd zu schüren dir zum Mahl,
Zum Quell zu gehn, zu lüften dir den Saal –
Du hättest meine Liebe wohl erkannt.Und draußen in des Volkes dichtem Schwarm
Hätt' ich versteckt gelauscht,
Und deine Worte, lebensreich und warm,
So gern um jede andre Lust getauscht;
Mit Magdalena hätt' ich wollen knien,
Auch meine Träne hätte sollen glühn
Auf deinem Fuß; vielleicht dann, ach, vielleicht
Wohl hätte mich dein selig Wort erreicht:
Geh hin, auch deine Sünden sind verziehn!Umsonst! Und zwei Jahrtausende nun fast
Sind ihrem Schlusse nah',
Seitdem die Erde ihren süßen Gast
Zuletzt getragen in Bethania.
Schon längst sind deine Märtyrer erhöht,
Und lange Unkraut hat der Feind gesät;
Gespalten längst ist deiner Kirche Reich,
Und trauernd hängt der mühbeladne Zweig
An deinem Baume; doch die Wurzel steht.Geboren bin ich in bedrängter Zeit;
Nach langer Glaubensrast
Hat nun verschollner Frevel sich erneut;
Wir tragen wieder fast vergeßne Last,
Und wieder deine Opfer stehn geweiht.
Ach, ist nicht Lieben seliger im Leid?
Bist du nicht näher, wenn die Trauer weint.
Wo Drei in deinem Namen sind vereint,
Als Tausenden in Schmuck und Feierkleid?'S ist sichtbar, wie die Glaubensflamme reich
Empor im Sturme schlägt,
Wie Mancher, der zuvor Nachtwandlern gleich,
Jetzt frisch und kräftig seine Glieder regt.
Gesundet sind die Kranken; wer da lag
Und träumte, ward vom Stundenschlage wach;
Was sonst zerstreut, verflattert in der Welt,
Das hat um deine Fahne sich gestellt,
Und jeder alte, zähe Firnis brach.Was will ich mehr? Ist es vergönnt dem Knecht,
Die Gabe seines Herrn
Zu meistern? Was du tust, das sei ihm recht!
Und ist dein Lieben auch ein Flammenstern,
Willst läutern du durch Glut, wie den Asbest,
Dein Eigentum von fauler Flecken Pest:
Wir sehen deine Hand und sind getrost,
Ob über uns die Wetterwolke tost,
Wir sehen deine Hand und stehen fest.Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)
Sonnenblumen-Kinderstube
Sonnenblumen
Im Garten standen die großen Sonnenblumen. Die Kinder hatten im Mai die Kerne in die Erde gelegt. Dann waren zwei kleine grüne Blättchen herausgekommen, dann war ein Stängel gewachsen, immer höher, immer höher, höher noch als Anna, dann noch höher als Hilde und zuletzt noch höher als Mutter und sogar Vater. Große Blätter hingen von den Stängeln herunter. Wie große grüne Schürzen waren sie und dann wurden die Knospen immer dicker, immer breiter und an einem Morgen kam Anna ins Haus und rief: „Mutter, im Garten ist eine Sonne aufgegangen, eine ganz große Sonne!“
Die Mutter wusste, dass Anna die Sonnenblume meinte.
Da war’s schon Herbst und es dauerte nicht lange, da blühten über zehn Sonnenblumen auf. Das war schön – und jeden Morgen ging Anna in den Garten und fast jedes Mal sagte sie: „Wieder eine neue, zwei neue“, einmal waren sogar fünf neue Sonnenblumen aufgeblüht.
Da sagte der Vater: „Nun blühen so viele Sonnenblumen, nun sollst du auch eine haben.“
Und die größte schnitt er ab und gab sie Anna ganz vorsichtig in die Hände; denn sie war schwer und Anna musste sie mit beiden Händen halten. Und sie trug sie hoch und sang immer: „Meine Sonne, meine Sonne!“, und nahm sie mit in die Stube und sagte: „Meine Sonne geht jetzt in die Stube.“Erich Bockemühl
Neu auf der HP "Ein Mädchentraum"
Der Ungenannten
Auf eines Berges Gipfel,
da möcht’ ich mit dir stehn,
auf Täler, Waldeswipfel
mit dir hernieder sehn.Da möcht’ ich rings dir zeigen
die Welt im Frühlingsschein
und sprechen: „Wär’s mein eigen,
so wär’ es mein und dein.Ludwig Uhland
Neu auf der HP - weitere Digibilder mit Versen vom Frühling
Die blaue Blume der Treue
Es war einmal ein junger König, den seine Untertanen sehr liebhatten. Die Leute hätten es gern gesehen, wenn ihr König endlich eine schöne Prinzessin zur Frau genommen hätte. Der König aber sagte immer: "Ich will nur eine Prinzessin heiraten, die die Tugend der Treue hat.“
Ein altes Kräuterweiblein hörte eines Tages von den Sorgen des Königs. Das Weiblein ging zum König und sagte zu ihm: "Ich kenne eine schöne Prinzessin, die treu und gut ist. Sie will aber nur denjenigen heiraten, der ihr die blaue Blume der Treue bringt.“
Da sagte der König: "Diese Prinzessin würde ich heiraten. Aber ich weiß nicht, wo die Blume zu finden ist.“ Die Alte antwortete ihm: "Ich habe einen Zaubervogel, der wird dir den Weg zu der Blume zeigen.“
Der König legte seine Krone und seine kostbaren Gewänder ab. Er kleidete sich wie ein einfacher Mann und machte sich mit dem Zaubervogel auf den Weg. Als sie schon eine ganze Weile gegangen waren, kamen sie auf eine große Wiese. Viele bunte Blumen blühten da, und als der König eine große blaue Blume sah, wollte er sie pflücken. Da pickte ihn der Zaubervogel schnell in den Finger und sagte: "Lass diese Blume stehen. Die Hexe, die die Tugend der Treue verabscheut, hat sie hierher gezaubert. Sie will dich damit irreführen.“ Und der Vogel flog dem König weiter voraus. Er sang ihm Lieder vor, und dabei vergaß der König seine Müdigkeit und ging immer weiter. Da sah der König unter einem Baum ein wunderschönes Mädchen sitzen, das hielt eine prächtige blaue Blume in der Hand und lächelte dem König zu. Der wollte zu dem Mädchen hineilen.
Aber da rief der Vogel: "Lass das Mädchen sein. Es ist die Hexe. Sie will dich nur vom richtigen Weg locken.“ Der Vogel flog weiter, und der König folgte ihm. Nach langer Zeit kamen sie wieder auf eine Wiese. Diesmal stand nur eine Blume da, und die leuchtete in einem wunderbaren Blau. "Das ist die Blume der Treue“, sagte der Vogel. „Pflücke sie und verwahre sie gut.“
Der König tat, wie der Vogel sagte. Es dauerte nun nicht mehr lange, bis sie zu einem großen Schloss kamen. Im Schlossgarten fand der König die schöne Prinzessin. Er reichte ihr die Blume und sagte: "Ich bringe dir die blaue Blume der Treue, damit du meine Königin wirst.“
Die Prinzessin nahm die Blume und willigte ein. Der König führte sie in sein Schloss und feierte mit ihr Hochzeit. Der Zaubervogel aber bekam einen großen goldenen Käfig.überliefert
Die treue Magd
Wie sorgtest du für Hof und Haus!
Du bücktest dich um jeden Span.
Du hobst mit Gott dein Tagwerk an
und löschtest spät dein Lämplein aus.Was gab dem schwachen Herzen Mut?
Oft staunte ich, wie fröhlich du
die Nacht hingabst der kranken Kuh,
dich sorgtest um der Entlein Brut.Kein Halm war dein. Und doch, wie stolz
hieltst du vorm Ruf des Hauses Wacht.
Du gabst auf jeden Pfennig acht,
du wuschest, nährest, sägtest Holz,du bukst, das Brot, du fingst die Maus,
du zogst uns Kindern an die Schuh,
du fandest keine Stunde Ruh,
du gingst ins Feld trotz Sturmgebraus.Du standst wie in geheimer Haft.
Du klagtest kaum. Du murrtest nie.
Es war, als ob all seine Kraft
der Herrgott deinen Armen lieh.Richard Billinger
Mit der Zeit lernst Du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln. Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit.
Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes hinzunehmen, mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.Und Du lernst all Deine Straßen auf dem Heute aufzubauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.
Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst.
Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten.
Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst und wirklich stark bist.
Und dass Du einen eigenen, unantastbaren Wert hast.
Kelly Priest
1968 geboren USA
Der Mensch braucht ein Plätzchen und wär’s noch so klein.
Von dem er kann sagen: Sieh her, das ist mein!
Hier leb ich, hier lieb ich, hier ruhe ich aus.
Hier ist meine Heimat. Hier bin ich zu Haus.
Aus dem 19. Jahrhundert
Schon ein einziges Lied kann einen Tag durchstrahlen,
eine einzige Blume zum Träumen verleiten.
Mit einem einzigen Baum kann ein Wald beginnen,
mit einem einzigen Vogel der Frühling.
Schon ein einziges Lächeln kann eine Freundschaft begründen,
ein einziger Händedruck die Seele heilen.
Schon ein einziger Stern leitet das Schiff auf dem Meer,
schon ein einziges Wort umreißt das Ziel.
Schon eine einzige Wahlstimme kann ein Land verändern,
ein einziger Sonnenstrahl einen Raum erhellen.
Schon eine einzige Kerze vertreibt das Dunkel,
schon ein einziges Lachen besiegt die Traurigkeit.
Schon eine einzige Stimme kann die Weisheit verkünden,
ein einziges Herz die Wahrheit erkennen,
ein einziges Leben etwas bewirken.
Du siehst, es liegt an Dir!- Verfasser mir unbekannt -
Vertraut
Wie liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins frühlingsgrüne Tal hinein.Mit allen Kreaturen bin ich
in schöner Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig
und eben darum lieb ich sie.Und wird auch mal der Himmel grauer;
wer voll Vertraun die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.Wilhelm Busch
Pfingstrosen
Sie stehen in voller Blüte. Mit ihren leuchtenden Farben und ihren aparten Blumen sind die Päonien, wie sie botanisch heißen, eine Zierde für jeden Garten. Pfingstrosen können bis 120 cm hoch werden, und manche Sorten bringen Blüten von bis zu 25 Gm Durchmesser hervor. Die Farbpalette reicht von Weiß über Blassgelb, den unterschiedlichsten Schattierungen in Rosa bis zum tiefdunklen Rot. Es gibt sie halbgefüllt und gefüllt. Sie blühen zu einer Zeit, in der im Garten die Frühjahrsblüte fast vorüber ist, die Sommerblumen aber noch nicht deren Platz eingenommen haben.
Die Pfingstrose ist auch eine sehr beliebte Schnittblume und eignet sich gut für die Blumenvase, wenn man ein paar Tipps beachtet. Am besten halten sich die Blüten, wenn man sie knospig und mit halb geöffneten Schalenblüten schneidet. Wenn die Blüten ganz geöffnet sind, bleiben sie besser am Strauch, denn dann würden sie in der Vase ihre Blütenblätter viel schneller verlieren.
Die Schnittstelle darf nie austrocknen. Aus diesem Grund müssen sie nach einem längeren Transport unbedingt frisch angeschnitten werden. Ein schräger, ziehender Schnitt öffnet genügend Gefäße, um die Feuchtigkeit nach oben zu transportieren und die Blüten zu ernähren. Wenn man etwas Zucker in die Vase gibt, halten die Pfingstrosen sich deutlich besser.
Nach der Blüte ist der Pfingstrosenstrauch mit seinem auffälligen Blattwerk ein schöner, grüner Sommerschmuck im Garten.
Pfingstsonntag
Pfingsten
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn,
in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832