Wissenswertes und Interessantes aus dem Leben

Clogs

Stöckelschuhe

Handy

Pantoffeln

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Clogs

In den siebziger und achtziger Jahren gehörten Clogs zu den beliebtesten Mitbringseln aus Schweden und Dänemark. Denn anders als der klobige Holzschuh holländischer Machart, Klompe genannt, waren Clogs durch die Verwendung von Leder als Obermaterial leichter und damit alltagstauglich. Nun kehrt der meist fersenfreie Schlupfschuh, der eine Zeit lang als fußgesunde Berufskleidung von Ärzten sein Dasein fristete, in die Mode zurück.
Die Wurzeln der klappernden Treter liegen in England. Im 17. und 18. Jahrhundert dienten dort mit Eisenringen versehene Holzsohlen als Laufflächen oder Überschuhe zum Schutz des eigentlichen Schuhwerks. Später wurden Clogs als skandinavische Schuhe betrachtet. Dänische Holzschuhe sind hinten geschlossen, während bei schwedischen Clogs die Ferse frei bleibt.

Originalform: Klassische Clogs haben eine dicke und massive Holzsohle mit anatomisch geformtem Fußbett und sind unten mit einer rutschfesten Gummisohle versehen. Das angetackerte oder mit Metallnieten befestigte Oberblatt besteht aus stabilem Leder und bildet. eine Kappe, in der die Zehen Bewegungsfreiheit haben. Lässig, bequem und schön zu Jeans und Caprihosen.

Varianten: Ob mit kleinen Luftlöchern im Oberblatt versehen, poppig in Lackleder, bunt gemustert, mit Blütenapplikationen oder mit Reliefprägung versehen, dick mit Lammfell gefüttert oder als rustikale Stiefel- mit der Wiederentdeckung der Clogs als stylische Freizeitschuhe haben sich die Hersteller auf viele Variationen besonnen, die schon in früheren Jahrzehnten ankamen.

Neuerungen: Modische Clogs setzen auf feminine Formen. Daher sind die Absätze schlanker und höher. Sie taugen auch als Gestaltungselement: bemalt, mit Leder bezogen, mit Ziernieten oder Brandzeichen versehen. Anatomisch empfehlenswert sind diese Pantoletten, die zu knöchel- und wadenlangen Volantröcken passen, jedoch nicht mehr. Neu sind als Bootschuhe konzipierte Clogs aus dem synthetischen Material Croslite. In vielen Farben zu haben, erinnern die so genannten Crocs vor allem durch die Entenfußform ans Original

Stöckelschuhe

Die magische Wirkung hoher Absätze – auch Orthopäden kennen die Gefahren der weiblichen Waffe

Was für eine Horizonterweiterung für die Menschheit, dass der Homo erectus zum aufrechten Gang fand. Überblick, Weitblick - lebensrettend. Nicht genug für so manche Frau. Der Blick auf ihre Schuhe verrät: Sie will höher hinaus. Jeder Zentimeter zählt.
"Hohe Absätze sind von einer Frau erfunden worden, die es leid war, nur auf die Stirn geküsst zu werden", glaubte der französische Schriftsteller Sascha Guitry.
Auf Augenhöhe mit einem Mann und fest auf eigenen Beinen stehend zum innigen Kuss bereit, das sind Frauen meist erst, wenn sie der Natur ein Schnippchen schlagen und die Differenz bei der Körpergröße von Grund auf ausgleichen. Durch Pumps, Stilettos oder Highheels fühlen sie sich der (Männer-)Welt besser gewachsen. Schließlich zeigen Frauen auf hohen Absätzen zwangsläufig mehr Rückgrat. Der Schwerpunkt des Körpers verlagert sich dynamisch nach vorne. Das bedeutet aber auch: Der Busen wird angehoben, die Wölbung des weiblichen Pos betont. Signale, die Feministinnen nicht gerade als emanzipatorischen Schritt betrachten.
Sascha Guitry irrte. Der Absatz, der vermutlich im 13. Jahrhundert durch mongolische Reiter aufkam, diente zunächst dem Mann. Die gestufte Sohle verhinderte, dass sein Stiefel aus dem Steigbügel rutschte. Runter vom Pferd, beeindruckten die asiatischen Krieger ihre flach besohlten Gegner mit ihrer gestreckten Figur, ihrem veredelten Gang und ihrer gespannten Muskulatur. Ein Imponiergehabe, das Edelleute im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs mit beträchtlichen Absatzhöhen perfektionierten und das
Frauen bis in die heutige Zeit auskosten.

Zwar hielten sich die Venezianerinnen schon im 15. Jahrhundert mit später vor allem von Kurtisanen, getragenen Sockelschuhen, sogenannten Chopinen, das Hochwasser vom Leib, doch Absätze kamen für die Damenwelt wohl erst 1533 in Mode. Um bei ihrer Hochzeit mit dem Herzog von Orleans größer zu erscheinen, soll die 14-jährige Katharina de Medici in hohe florentinische Schuhe geschlüpft sein. Ein Trick, der beim französischen Hof sofort Nachahmer fand. Seine Mitglieder setzten sich damit um einige Zentimeter mehr von den niederen Ständen ab.
Während sich hohe Absätze bei den bodenlang gewandeten Damen nur durch die gestreckte Figur und einen schwankenden Gang bemerkbar machten, schmückte das Statussymbol die Herren effektvoll. So zog der selbst ernannte, aber kleinwüchsige Sonnenkönig Ludwig XIV, die Aufmerksamkeit auf seine geschwungenen Barockabsätze, indem er sie mit purpurrotem Leder beziehen ließ.
Rote Absätze wurden so zum Privileg des Adels - bis die französische Revolution mit der Monarchie auch hohe Schuhe hinwegfegte. Höfische Absätze, eben noch der letzte Schrei, führten ihre Träger nun reihenweise zur Guillotine.

Bald schon sollte Rousseaus Devise "Zurück zur Natur" auch die Mode beeinflussen: Flache Slipper ergänzten lose fallende Empire-Kleider. Erst in der Mitte des 19, Jahrhunderts kehrte mit geknöpften Stiefeletten der Absatz in die Damenmode zurück. Verschämt zunächst, dann bis zu einer Höhe, bei der die aus der Halbwelt stammende Trägerin fast wie beim Ballett auf Spitze trippeln musste, Bein zu zeigen, war ehrbaren Frauen noch immer nicht vergönnt. Kein Wunder, setzte schon der Anblick eines beschuhten Damenfußes mit seinem in Leder geschnürten Knöchel erotische Fantasien frei. Aber auch der weibliche Gang vermochte die Männerwelt zu verwirren.
So schrieb Balzac über die konzentrischen Bewegungen einer koketten Dame: "Keiner weiß, ob sie von einem Engel oder einem Teufel dieses, graziöse Schwanken gelernt hat."
Die Verehrung weiblicher Beine begann erst, als die Rocksäume nach dem Ersten Weltkrieg kürzer wurden. Der Stöckelschuh, kombiniert mit glatten transparenten Nylons, dient bis heute als wichtigste Stimulanz dieses ungebrochenen Kults ums lange Frauenbein.
Halsbrecherische Designerschuhe zählen zu den weiblichen Passionen. Sie sind ewige Verlockung, Gesprächsstoff unter Freundinnen und teures Vergnügen.

Kaum etwas tröstet das angeschlagene Selbstbewusstsein einer verlassenen Frau so wunderbar wie ein Paar neue Highheels. Sie richten die Gedemütigte wieder auf - und ihre Füße zu Grunde. Bei keinem anderen Kleidungsstück verhalten sich Frauen so irrational wie bei Schuhen. Sie nehmen schmerzende Ballen und sich krümmende Zehen in Kauf, nur um auf aberwitzigen Podesten durch Tag oder Nacht zu wanken.
Aus den USA kam jüngst die Nachricht, dass sich immer mehr Frauen die Zehen verkürzen und ihre Fersen operieren lassen, um in Stöckelschuhe zu passen, wie sie von den Stars der TV-Serie "Sex And The City" getragen wurden, Aschenputtels Stiefschwestern lassen grüßen!
Spitz zulaufende Leisten und hohe Absätze sind das schleichende Gift, das die Wartezimmer der Orthopäden seit Jahren zuverlässig füllt. Oft lautet die Diagnose: Hallux valgus. Die häufigste Zehenfehlstellung, bei der das Grundgelenk der Großzehen nach außen zeigt, wodurch sich der Zeh nach innen dreht, trifft zu 90 Prozent Frauen. Bei barfuß, laufenden Völkern ist dieses Leiden unbekannt. Aus medizinischer Sicht sollten Absätze nicht höher als drei Zentimeter sein. Jeder weitere Zentimeter belastet den Vorderfuß über Gebühr. Das Tragen hoher Schuhe kann aber auch dem Rücken schaden, verkürzt die Achillessehne und die Wadenmuskulatur, fördert den Verschleiß von Knie- und Hüftgelenken und schwächt die gesamte Fußmuskulatur, da der Fuß durch die hochgestellte Sohle nicht richtig abrollen kann. Die Folge sind Senk- und Spreizfüße.
Doch Frauen sind hart im Nehmen. Für einen grandiosen Auftritt, eine schlanke Silhouette, länger wirkende Beine, einen Aufsehen erregenden Gang und einen sexy gerundeten Fußrücken tun manche Frauen alles.
Aber auch ohne sadomasochistisch oder fetischistisch veranlagt zu sein, werden viele Männer beim Anblick von Frauen in Stilettos schwach. "Mich fasziniert das Phänomen Highheels seit ich denken kann", bekennt ein Mann. "Wenn ich mir den Frauenfuß vorstelle, der sich darin befindet, fängt mein Herz schwer zu schlagen an. Die Tatsache, dass sich eine Frau tatsächlich wegen dieser Wirkung auf das Tragen eines ungemütlicheren Schuhs entscheidet, haut mich einfach um. Ein anderer meint: "Mich reizt an hohen Schuhen ihre Ambivalenz. Hohe Schuhe bei einer Frau signalisieren Stärke.
Andererseits kann eine Frau darin nicht so schnell laufen wie in flachen Schuhen. Das gibt so ein subjektives Gefühl: He, da ist ein angeschossenes Reh. So etwas weckt Jagdinstinkte im Mann.
In der Kunst geriet der britische Pop-Art-Künstler Allen Jones in den Bann des Stöckelschuhs. Fasziniert und entlarvend zugleich, führte er in seinen Bildern und Installationen vor, wie Highheels das Bild der Frau verändern, hin zum käuflichen und allzeit verfügbaren Objekt Aber auch Fotografen wie Helmut Newton und Ellen von Unwerth waren vom Stöckelschuh besessen. Ihre Aufnahmen von nackten Models in hohen Pumps setzten die Ambivalenz des Stöckelschuhs immer wieder neu in Szene. Die Angst vor dem Straucheln, irgendwann ist sie da. Auf einem Platz mit Kopfsteinpflaster, beim Blick in ein Lüftungsgitter oder beim Queren von Straßenbahnschienen. Es ist die Furcht davor, sich den Knöchel zu brechen, sich einen Bänderriss zuzuziehen, aber auch vor der Blamage. Denn nichts wirkt so lächerlich wie eine Frau, die eben noch hoch erhobenen Hauptes durch die Menschenmenge schritt und plötzlich stolpert. Das Bild kippt. Ringsum feixende Gesichter. Eine Erfahrung, die jede Frau auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Doch auch wer so eine Situation durch geschicktes Ausbalancieren umgeht, kann sein Image nicht ständig aufrechterhalten. Spätestens zu Hause landen die Stöckelschuhe in der Ecke. Stehen bleibt – eine ganz gewöhnliche Frau.

Handy

Vor 15 Jahren begann in Deutschland mit dem ersten digitalen Mobilfunknetz das Handy-Zeitalter. Mannesmann startete es damals mit dem D2-Netz.
Die ersten Handys waren aus heutiger Sicht riesig – damals jedoch eine Revolution.
Wer erinnert sich nicht mit Schmunzeln an jene Jahre, als man für das Handy noch Muskelkraft benötigte, um es hochzuwuchten. Dabei war der „Knochen“ des US-Herstellers Motorola mit rund einem halben Kilogramm Gewicht schon ein schlankes Baby im Vergleich zu seinem klobigen und unhandlichen Brüdern der analogen C-Netze. Mit dem Startschuss 1992 kamen die Geräte, die heute nur noch in Technikmuseen zu bestaunen sind, auf den Markt.
Alles begann mit gerade einmal 5000 Teilnehmern, zuerst D2-Privat von Mannesmann (heute Vodafone) und wenig später D1 von der Telekom-Tochter DeTeMobil. Eigentlich sollte der kommerzielle Startschuss bereits ein Jahr früher fallen, aber es fehlten die Geräte – ähnlich wie eine Dekade später beim Start der neuen Mobilfunkgeneration UMTS. die ersten Handys kosteten noch rund 3000 Mark, ein Ein-Minuten-Telefonat 1,45 Mark.
Doch der digitale Mobilfunk kam schnell in Fahrt – viel schneller als die Betreiber zu hoffen glaubten. Weitere Anbieter folgten 1994 mit E-Plus und 1998 mit Viag Interkom (heute O2). Seitdem kämpfen vier Unternehmen auf dem deutschen Markt um Kunden und es hat sich außerdem in Bezug auf Netze und Handys viel getan.

Pantoffeln

Nicht, dass die guten alten Pantoffeln nicht geschätzt werden: orangebraun kariert aus Kamelhaar, mausgrau aus dickem Walkfilz mit waldgrün umpaspelter Kante, sogenannte Niedertreter mit eingeklapptem Fersenteil und knöchelhohe Hüttenschuhe mit knautschiger Ledersohle. Für Hausschuhe kann man sich erwärmen. Sie wecken nostalgische Gefühle, lassen an Großvater in seinem Lesesessel oder an eine Schlossführung denken, bei der man in übergroßen Filzlatschen übers knarzende Parkett schlurft. Sie rufen gemütliche Abende in Skihütten in Erinnerung und die väterliche Weisung: „Zieht doch endlich die Hausschuhe an!“
Das taten wir nie, strümpfig waren wir unterwegs – lange bevor es die für Eltern und Kinder gleichermaßen akzeptablen Stoppersocken gab. Denn Hausschuhe galten als spießig, machten klobige Füße und waren eben nicht das, was Mädchen unter hübschem Schuhwerk verstehen.
Dabei haben Pantoffeln eine durchaus märchenhafte Seite: Aschenputtels verlorener Ballschuh etwa oder die fliegenden Hausschuhe des kleinen Muck. Dass seidige Behausungen nackter Damenfüße erotisches Potenzial haben, weiß nicht nur, wer in Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ auf Philine und ihre klappernden Pantoffeln gestoßen ist, das verdeutlichen auch Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“.
Die sinnlichen Komponente verdanken Pantoffeln ihrer orientalischen Herkunft. Kostbar bestickt standen sie im Morgenland für Reichtum und dienten im Harem als Übermittler pikanter Botschaften. Schickte eine Dame ihren Seidenschuh zu ihrem Herrn, tat sie ihre Sehnsucht kund. Auch über den Träger verriet der Pantoffel viel: je länger die nach oben gebogene Spitze, desto mächtiger und wohlhabender.
Erst im 15. Jahrhundert gelangten die Babuschen über Italien nach Frankreich und Deutschland. Aus Leder, Samt oder Seide wurden Pantoffeln von beiden Geschlechtern getragen, im 18. Jahrhundert sogar mit Absatz. Dennoch zielt der Ausspruch „unter dem Pantoffel stehen“ auf den von einer Frau unterjochten Mann, da vor allem sie – ans Haus gebunden – in Schlappen herumlief. In den zwanziger Jahren dann betrat der Pantoffel als Pantolette die Straße – so wie heute Flipflops, Clogs oder Holzpantinen.
Nun ist ein neuer Kult um den Hausschuh ausgebrochen – befördert durch den Hang zu glattem Holz- und Steinböden und die Sehnsucht nach gepflegtem Lounging im trauten Heim. Dessoushersteller bieten mit Federn geschmückte Seidenmules an, junge Designerinnen entwickeln Pantoffeln, die Bequemlichkeit mit moderner Optik verbinden.

Handtasche

Eine Handtasche für jeden Zweck

Die Handtasche als Schutzschild
Wurde weltberühmt durch Grace Kelly. 1956 ging ein Foto von ihr um die Welt, auf dem sie ihren schwangeren Bauch mit einer 46 Zentimeter breiten Hermès-Tasche verdeckte. Das Modell „Kelly-Bag“ war geboren. Die Luxushandtasche entwickelte sich in der Folge zu einer der begehrtesten – und meistkopierten – der Welt.

Die Handtasche als Waffe.
Margret Thatcher soll ihre Tasche geschwungen haben „wie eine Abrissbirne“. Reihenweise schüchterte die ehemalige britische Regierungschefin damit männliche Kollegen ein. Als legendär gilt Thatchers Auftritt beim EU-Gipfel 84, als sie mit ihrer Tasche aufs Rednerpult eindrosch: „I want my money back“ (Ich will mein Geld zurück)

Die Handtasche als Zeichen
Ähnlich wie die Damen des Barock soll Königin Elizabeth II von England mit ihrer Tasche „geheime Zeichen“ geben. Jedenfalls wird immer wieder über den „Handtaschencode“ spekuliert, den sie angeblich mit ihren Leibwächtern vereinbart hat. „Tasche mit beiden Händen vor die Brust gehalten“ etwa soll heißen: „Schafft mir bloß diesen Typen vom Hals!“

Handtaschen sind zu Prestigeobjekten geworden. Modebewusste orientieren sich dabei an der Marke, an den jüngsten Trends und schauen, welche Modelle bei prominenten Vorbildern ankommen. Doch nicht das Image und optische Kriterien zeichnen eine gute Tasche aus. Beim Kauf sollten auch ein paar praktische Erwägungen berücksichtigt werden.

Eine alltagstaugliche Handtasche sollte man sowohl am Handgriff tragen als auch über die Schulter hängen können. Das gewährleisten verstellbare Riemen, die man gegebenenfalls abnehmen kann. Damit die Tasche beim Abstellen nicht direkt mit einem nassen oder staubigen Untergrund in Berührung kommt, sollten an ihrem Boden Stellfüße oder Schienen aus Metall angebracht sein.

Wichtig ist ein zuverlässig funktionierender Verschluss, der sich leicht schließen, aber nicht unbemerkt öffnen lässt. Hier haben sich die Magnetverschlüsse bewährt. Reißverschlüsse und Schließen mit Dorn haben den Nachteil, dass man die Tasche leichtfertig oft stehen lässt. Eine Tasche mit Überschlag schützt den Inhalt am besten vor fremden Zugriff, aber auch vor Regen.

In einer kleinen aufgesetzten oder eingelassenen Außentasche bleiben Taschentücher und andere Alltagsdinge griffbereit. Zur Innenausstattung sollte mindestens eine mit Reißverschluss schließbare Innentasche sowie ein gut platziertes Handy- und Schlüsselfach gehören. Hilfreich sind Fächer für Lippenstift und Kugelschreiber.

Um einen guten Überblick über den Tascheninhalt zu haben, ist ein helles Innenfutter ratsam. Exklusive Modelle haben manchmal eine Innenbeleuchtung. In hochformatigen Taschen stöbert man meist länger nach seinen Siebensachen als in Taschen mit einer flachen, eher länglichen Form.

Manche Innentaschen verfügen über integrierte Riemen mit Karabineranhängern für die Hausschlüssel, fürs Kosmetiktäschchen oder fürs passende Portemonnaie. Nicht nur praktisch, sondern auch glamourös ist ein ebenfalls in die Innentasche integrierter Kosmetikspiegel, der sich mittels Magnet abnehmen oder einem Lederetui entnehmen lässt.

Große Taschen liegen im Trend, verführen aber dazu, zu viel mit sich herumzuschleppen. Das belastet auf Dauer Haltung und Knochen.

Der Siegeszug der Handtasche

Alle Frauen haben eine, viele Frauen haben viele. Sie enthält die wichtigsten Dinge des Lebens, sie ist Accessoire und Statussymbol, sie ist mithin unentbehrlich: die Handtasche. Manchen Männern ist sie unheimlich. Und das umso mehr, wenn Frauen einmal richtig auspacken.

Geldbeutel mit 45 Euro, Nahverkehrsjahresabokarte für Senioren, Personalausweis, Bonuskarten von Apotheke, Kaufhaus, Supermarkt, Visitenkarte vom Hausarzt, Herzkreislauf- Tropfen, Fotos (von Sohn, Enkeln, Urenkeln), Kamm, Augenbrauenstift, Regenschirm, Zusatz-Faltstofftasche, Maniküreset, Papiertaschentücher, Baumwolltaschentuch mit gehäkeltem Behälter, Kräuterpastillen, Banane, Schlüsselbund mit zwei Schlüsseln (Rentnerin).

Geldbeutel mit 102 Euro, Personalausweis, Führerschein, Kinopass, Fitnessstudio- Kreditkarte, Bahncard, Krankenkassenkarte, Nahverkehrskarte, Visitenkarte eines Pariser Restaurants, Schokoriegel, Mini-Deostift, Kaugummi, Chips, Bonbons, Lippenfettstift, kleiner Spiegel, Minztropfen gegen Kopfweh, Zigaretten, Taschenrechner, Zeitung, schmutzige Wäsche (26jährige Dokumentarin).

Geldbeutel mit 75 Euro, Brieftasche mit Führerschein, Briefmarken, Ausweis, Bahncard, Brillenausweis, Erste-Hilfe-Ausweis, Blutspendepass, Zahnseide, Kosmetikspiegel, Schreibset mit Füller und Kugelschreiber, Nagelfeile, Aspirin, Handy, ein besticktes Taschentuch, Schlüsselbund mit drei Schlüsseln, Taschenlampe und Einkaufschip (61jährige Sekretärin).

Wirklich wahr: Das alles kommt dabei heraus, wenn nur drei Frauen einmal richtig auspacken!

Das Ergebnis überrascht natürlich keinen - jedenfalls keine Frau. Männer hingegen können es nicht fassen. Was Frau bloß immer alles mit sich rumschleppt! Mehr noch. Für Männer ist der Inhalt einer Handtasche angeblich eines der letzten Mysterien der Menschheit. Für berühmte Detektive wie Sherlock Holmes und Poirot war die Frauenhandtasche, sofern am Tatort vorhanden, das A und 0 bei ihren Ermittlungen, für den Kabarettisten Dieter Nuhr ist sie gar "die Keimzelle allen irdischen Lebens". Das klingt einleuchtend. Es sei denn, es werden in der Tasche Kondome transportiert.

Was auch immer Männer zu befördern haben - Geld, Lottozettel, Tipp-Kicker -, sie stopfen es nach wie vor in ihren Hosensack. Und falls der Mann außerdem wichtig ist und eitel auch noch Laptop, iPod, Handys und Lippenfettstift unterbringen muss, greift er zu Aktenkoffer, Rucksack, oder, weil die so dynamisch rüberkommen, zu Bowling- oder Boten- Tasche. Nie im Leben aber zum peinlichsten Accessoire aller Zeiten, zu, einem dieser in den 70er Jahren erfundenen Behälter mit Gelenkschlaufe - der "Herrenhandtasche".

Frauen hingegen stehen nach wie vor und mehr denn je zu "ihrer", Tasche; Zwar schultern auch sie inzwischen Rucksack und andere geschlechtsneutrale Gepäckstücke, doch mindestens eine richtige Handtasche hat mit Sicherheit jede Frau im Schrank.
Repräsentative Umfragen darüber, wie viele Taschen eine deutsche Frau im Schnitt besitzt, gibt es zwar nicht. Geschätzt zwischen 10 und 20 Stück. Auch zeigen sich die Trend-Expertinnen überzeugt, dass Handtaschen auf dem besten Weg sind, den Schuhen Manie-mäßig den Rang abzulaufen. Sprich: Auf den Schuhtick, unter dem angeblich viele Frauen leiden, folgt jetzt der Taschentick. Wobei selbstverständlich auch beide Ticks gleichzeitig auftreten können. Wie Frauen überhaupt sehr flexibel sind.

Aktuell gern getragen wird so zum Beispiel auch die Kombination Rucksack und Handtasche. Denn ganz egal, was Handtaschen heute sonst noch alles können sollen - "ein einfaches Outfit aufwerten" oder schlicht Mammon demonstrieren: "Ätsch, ich kann mir eine Gucci leisten und du nicht!", immer noch gilt: My bag is my castle. Meine Tasche ist meine Burg. Und das wahrscheinlich sogar für Luxusmäuschen, mit deren bloßen Handtaschen-Werten eine Bankangestellte, locker den Rest ihrer Tage bestreiten könnte.

Dafür gibt es Gründe. Die längste Zeit waren Frauen praktisch nicht mobil. Sondern an Haus und Hof gebunden. Das prägt. Und so führen Frauen ihr Heim, ihre Burg, eben immer, noch mit sich. Zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Im Mittelalter trug man Münzen in Lederbeuteln und Reliquien in Stoffsäckchen mit sich herum, befestigt am Gürtel. "Umhängetaschen" benutzten ausschließlich Männer - für die Jagd. Im 16. Jahrhundert dann wurden die ersten Stofftaschen in die Männerkleidung integriert, erst im Wams, dann in der Hose. Der Hosensack war erfunden.
Bei Frauen lagen die Dinge, wie immer, komplizierter. Vornehme Damen trugen ihren Schlüsselbund an einer Kette um die Taille, darüber wallten die Gewänder. Die Kette wurde immer schwerer mit der Zeit, denn auch andere Dinge wurden hingehängt, Duftfläschchen, Nähutensilien, etc. Ende des 18. Jahrhunderts war dann aber Schluss mit dieser "Beulenpest" (die haben dafür bis heute die Männer).
Die Frauenkleidung wurde schmaler, Frau trug fortan Beutel an einer Kordel oder Kette.

Für die Männer kam's dagegen dicke. Fingen doch immer mehr Frauen an, ihr Heim zu verlassen. Sie reisten. Sie arbeiteten außer Haus. Oder studierten sogar. Und seit 1918 gingen sie auch noch wählen! Die Entstehung der Frauenhandtasche ist Ausdruck der zunehmenden Emanzipation der Frau.
Fakt war: Eine mobile Frau benötigte mehr als Schlüssel fürs Heim, Nähzeug zum Sockenstopfen und,
ein Duftfläschchen für den Fall der Ohnmacht,. Und so entstand, in Ableitung der Reisekoffer, das erste handliche Gepäck für Frauen. Wie kleine Koffer sahen diese "Handtaschen" aus, mit Bügel und Schloss.
Heute ist die Vielfalt unüberschaubar. Nicht zuletzt im Hinblick auf das Material. Sie bestehen nicht aus Leder, sondern aus Bodenturnmatten-Stoff, Sicherheitsgurten, Fahrradreifen, ja, Lockenwicklern …
Da braucht Mann sich gar nicht erst ans Hirn zu fassen. Ein Griff zum Portemonnaie im Hosensack genügt. Für läppische 320 Euro etwa gibt es ein Modell, das sogar Katzenfüße hat.

Beutelschneider ...
Als Beutelschneider gelten heute Leute, die einen übervorteilen. Im Mittelalter wurden Taschendiebe – Beuteldiebe – so bezeichnet. Denn vor der Erfindung der Handtasche bewahrte man seine Wertsachen in Beuteln am Gürtel auf. Der Dieb brauchte also nur die Verbindung zu kappen.
Handtaschenraub ist bis heute weit verbreitet: Allein im Jahr 2003 wurden bundesweit 5986 Fälle gezählt. Deshalb rät die Polizei: Prüfen sie stets ob die Mitnahme einer Handtasche wirklich erforderlich ist. Wahrscheinlich stammt der Tipp von einem männlichen Beamten.

Gefahr riechen

Menschen können Gefahr riechen

Die Nase ist täglich zahllosen Gerüchen ausgesetzt. Wird einer dieser Düfte zusammen mit einem unangenehmen Reiz wahrgenommen, so speichert ihn das Gehirn ab. Das belegt eine Studie aus Chicago. Darin präsentierten Neurologen den Teilnehmern jeweils zwei sehr ähnliche Geruchspaare. Erhielten die Personen beim Riechen von einem der beiden Düfte einen elektrischen Schlag, so konnten sie diesen Geruch später eindeutig identifizieren. Diese wohl uralte Fähigkeit sichert das Überleben des Menschen.

Papiertaschentücher

Selbst der sorgfältigste Wäschesortierer ist vor ihnen nie ganz sicher: Papiertaschentücher, die sich heimlich in die Trommel schmuggeln. Meist überleben die Zellstoffquadrate das unfreiwillige Bad nicht und machen sich in Form zahlreicher kleiner Fusseln bevorzugt auf dunklen Kleidungsstücken breit. Manchmal aber plumpst auch ein fast unversehrtes Klümpchen beim Aufhängen zu Boden. Wie konnte es den Waschgang so gut überstehen? Ein Anruf beim Verein der Zellstoff- und Papierchemiker bringt Licht ins Dunkel.
Papiertaschentücher sollen möglichst gut halten, sonst hätte man beim Naseputzen schnell nasse Finger. Bei Toilettenpapier ist das Gegenteil erwünscht, das soll sich in Wasser möglichst gut auflösen.
Papier ist also nicht gleich Papier. Einige Sorten müssen widerstandsfähiger sein als andere – etwa Filterpapier, Teebeutel, Flaschenetiketten oder Geldscheine und Wertpapiere. Um das zu erreichen, brauchen sie eine besondere Behandlung: Sie werden nassfest gemacht. Die Zellstofffasern, also der Papierausgangsstoff, werden im noch feuchten Zustand mit bestimmten Chemikalien behandelt. Häufig verwendete Nassfestmittel sind Glyoxal, Harnstoff-Formaldehyd-Harze, Melamin-Formaldehyd-Harze und Chlorhydrin-Harze.
Beim Trocknen kommt es zu einer chemischen Reaktion zwischen Zellstoff und Harz. Die Fasern werden dabei zusätzlich miteinander vernetzt beziehungsweise die Stellen, an denen die Fasern sich kreuzen, mit einer Arzt Manschette verpackt. So entsteht die besondere Stabilität. Jeder Hersteller hat seine eigene Methode und Dosierung. Daher gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten. Die Firmen lassen sich da nicht gern in die Karten schauen und eine entsprechende Norm gibt es nicht.
Um Verbraucher vor schädlichen Nebenwirkungen der Festiger zu bewahren, gibt es die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, genaue Grenzwerte.

Taschentuch

Draußen feucht und kalt, drinnen überheizt: Prompt wird Schniefen zum Volkssport.
Schnupfenviren und Grippebakterien nervten schon Cäsar und seine Legionen. Der Feldherr nahm seine Toga zu Hilfe, um die Nase zu schnäuzen.
Wir geben uns zivilisierter, spätestens seit Ende der zwanziger Jahre die ersten Papiertaschentücher auf den deutschen Markt kamen.
In Europa ließ man sich Zeit, ehe man ein Taschentuch in die Hand nahm. Davor griff man sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nase, schnäuzte und wischte den Schleim irgendwo ab. Vom 15. Jahrhundert an benutzten Adelige Stofftaschentücher, die allerdings nicht mit Rotz verunreinigt wurden. Adel verpflichtet.
Im 17. Jahrhundert erreichten die Sacktücher ganz Mitteleuropa. Die Damen der Renaissance trugen mit Perlen besetzte, kunstvoll bestickte Stofftüchlein bei sich.
Die Tochter eines Lagerverwalters, die im Jahr 1745 vom französischen König zu einem Ball in ein Pariser Hotel eingeladen wurde, verwendete ihr mouchoir in Liebesdingen: Sie ließ es vor Ludwig XV fallen. Dessen Affäre mit der Bürgerlichen hatte Folgen: Madame Pompadour entwickelte sich zu einer einflussreichen Persönlichkeit.
Nach der Französischen Revolution wurde vieles anders: Die Damen benutzten das Tuch jetzt auch zu ganz profanen Zwecken. Die kokette Joséphine Beauharnais, die erste Gattin Napoleons, hatte schwarz verfärbte Zähne. Beim Sprechen hielt sie sich deshalb immer ein Tuch vor den Mund. Die Geste wurde im Empire rasch Mode.
Erst Anfang des 19. Jahrhunderts durften alle zum Taschentuch greifen. Dank leistungsfähiger Textilmaschinen ließen sich die Tüchlein preiswert herstellen: Bunte aus Baumwolle für Bauern und Bürger, weiße aus Leinen für die Hautevolee.
Bereits 1894 begannen erste Experimente mit dem Papiertaschentuch. Dafür wurden Holzschnitzel gekocht, bis ein faseriger Brei entstand, der gebleicht, gepresst und getrocknet wurde.
Am 29. Januar 1929 meldeten die Vereinigten Papierwerke Nürnberg Tempo zum Patent an. Anfangs falteten die Arbeiter jedes einzelne Taschentuch mit der Hand, 18 Stück kamen in eine Packung.

d-c-fix

Streifen und Blümchenmuster haben in Schubladen und auf Regalbrettern alter Schränke die Jahrzehnte überdauert. Die Farben der Folie strahlen erstaunlich kräftig. Und sie hält, noch heute. Die Folie heißt d-c-fix. Wir Kinder hielten die Marke für das Produkt. Mit beschichteten Trägermaterialien, so der Fachbegriff, hätte man uns nicht kommen können.
Mama nahm d-c-fix, um Holzbretter zu bekleben. Sorgfältig maß sie die Fläche aus und schnitt das Material zu. Dann kam der spannende Moment. Mit dem Fingernagel trennte sie die Folie vom Papier und platzierte den ersten streifen auf dem Brett. Dann zog sie langsam mit der rechten Hand das Papier weg, derweil sie mit der flachen Linken die Folie auf der Oberfläche glatt strich, damit nur keine Luftblasen den Effekt störten. Das Ergebnis sah nicht nur hübsch aus, es hatte auch seinen Nutzen: Die Kunststoffoberfläche ließ sich leicht säubern, und Mama zog sich beim schnellen Drüberwischen keine Spreißel zu.
Heutzutage beklebt bei uns kaum jemand die Fächer oder Schubladen von Holzschränken. Wer hat überhaupt noch einen – die Billigheimer unter den Möbelgeschäften liefern das Gewünschte aus kinderpopoglattem Kunststoff in Holzoptik. D-c-fix aber gibt es noch heute.
Nahe Künzelsau, in Weißbach am Kocher, steht das Firmengebäude des 1898 gegründeten Traditionsunternehmens Hornschuch. Der Marktführer bei Designfolien, Schaumfolien und beschichteten Trägermaterialien, wie die Produkte korrekt heißen, beschäftigt heute knapp 800 Menschen. Produziert wird in Württemberg. Umsatz macht das Unternehmen zu mehr als 70 Prozent im Ausland.

Handschuhe

Bei morgendlichem Raureif werden Handschuhe Pflicht. Sinkt die Temperatur der Hände um nur ein Grad, erhöht sich das Erkältungsrisiko um zehn Prozent, so eine Studie der Harvard-Universität. Während Handschuhe in der Berufswelt als Schutz vor Schmutz oder Verletzungen dienen, haben sie in der Mode auch eine symbolische Bedeutung.
Im Mittelalter steckte in Männerhandschuhen Macht. Als Rechts- und Herrschaftssymbol der deutschen Könige und Kaiser wurde mit der Übergabe eines Handschuhs ein Vertrag besiegelt. Zur Not konnte sich der König durch einen Handschuh vertreten lassen. Auch vornehme Damen legten auf die Bekleidung ihrer Hände Wert und schlüpften in wahre Kostbarkeiten – mit Spitze und Perlen besetzt, mit Bändern verziert. Darüber zogen sie Ringe. Bei Hofe galt der Handschuh als Pfand der Liebe, das ein Ritter von seiner Dame erbat und beim Turnier am Helm trug. Bekannter noch ist die Symbolik des Fehdehandschuhs. Warf man ihn zu Boden, forderte man damit seinen Gegner zum Kampf heraus.
Mit der spanischen Mode in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hielt der Handschuh Einzug in die Welt der Galanterie. Damen- Und Herrenhandschuhe unterschieden sich damals kaum und setzten sich bald auch bei den Bürgern in den Städten durch. Handschuhmacher gehörten zur Führungsschicht. Sie wurden im 18. Jahrhundert zu Handschuh-Parfümeuren, nachdem Katharina von Medici dazu übergegangen war, nur noch beduftete Handschuhe zu tragen. Auf diese Weise wollte sie den Geruch der Öle überdecken, die das Leder weich machten.
Im 17. Jahrhundert war Frankreich zur führenden Nation in Sachen Mode aufgestiegen. Glacéhandschuhe aus dünner Lamm- oder Ziegenhaut kamen auf. Adlige Damen trugen bis zum Ellenbogen reichende Handschuhe, Tag und Nacht, und dokumentierten damit, dass sie keiner körperlichen Arbeit nachzugehen brauchten. Die unteren Stände mussten sich mit gestrickten Wollhandschuhen zufrieden geben. Als vornehm galt, wer mehrmals am Tag die Handschuhe wechselte. Gerne griff man auch zu fingerlosen Exemplaren.
Zu ärmelfreien Empirekleidern waren Handschuhe unverzichtbar. Napoleon I. verbrauchte jedes Jahr 230 Paar graugelbe und 42 pelzgefütterte Exemplare.
Nur wenige Jahrzehnte später wurden Handschuhe für den Herrn von Welt endgültig zum Muss.

Beau Brummel, Leitfigur aller Dandys, ließ die Umhüllung seiner Daumen extra von einem Spezialisten anfertigen. Apart auch die Empfehlung des französischen Dandys Alfred d’Orsay, den Tag mit sechs Paar zu bestreiten. Die Damen des Biedermeiers trugen Halbhandschuhe sogar beim Essen oder Klavierspielen.
Das 20. Jahrhundert brachte außer synthetischen Fasern kaum Neuerungen, sieht man von den Sporthandschuhen, die in den zwanziger Jahren Furore machten, ab. Ob für Reiter, Autofahrer, Golfer oder Skifahrer – Handschuhe gab es nun in den verschiedensten Formen und Materialien: als gestrickte Wollhandschuhe mit Norwegermuster, Fäustlinge aus Leder oder Segeltuch, wildlederne Fingerhandschuhe mit Löchern über dem Handrücken und den Fingergelenken.
Bis in die fünfziger Jahre hinein bewiesen Herren mit Handschuhen Stilsicherheit. Noch mehr Wert legten modebewusste Damen auf dieses auf Hut, Handtasche und Schirm abgestimmte Accessoire. Die Gelegenheit bestimmte die Form: Für die Matinee trug die Dame Handschuhe, die bis zum Handgelenk reichten, für die Oper ellbogenlange. In den sechziger Jahren verschwand der Handschuh aus der Alltagsgarderobe, um als Sporthandschuh in den Achtzigern wieder Boden gutzumachen.
In diesen Wintern sind Damenhandschuhe aus feinem Leder wieder en vogue, am Abend dürfen sie auch aus Satin sein. Halblange oder lange Variationen passen nicht nur zum Abendkleid, sondern auch am Unterarm zusammengeschoben zu Mänteln mit Dreiviertelärmeln. In Rot oder Grün können sie als Farbtupfer einer sonst dezenten Garderobe dienen. Halbhandschuhe sorgen für Wärme und lassen den Fingern Bewegungsfreiheit. Feine Lederhandschuhe sollten so eng wie möglich gekauft werden, da sie sich durch die Körperwärme und das Tragen weiten. Sie sitzen richtig, wenn sie auf dem Handrücken keine Falten werfen.

Turban

Nach dem Haarewaschen tragen viele Frauen Turban, auch wenn er wenig mit den traditionellen Kopfbedeckungen der indischen Sikh, der nordafrikanischen Tuareg oder anderer Moslems zu tun hat. Frauen legen sich ein Handtuch um den vorgebeugten Kopf, wickeln es zu einem Strang und stecken die Enden im Nacken unter die Stoffkante. Fertig ist die Tracht der Badezimmer-Diva. In Wäscheabteilungen sind passend zum Hauskleid sogar fertige Frottee- Turbane zu finden. Auch so manche Bademütze betagter Damen erinnert an die Glamour der Hollywood-Diven orientalische Kopfbedeckung, die ihre Wurzeln vermutlich in Persien hat.
Turbane wurden in verschiedenen Kulturen schon immer sowohl von Männern als auch von Frauen getragen.
Tatsächlich hat der Turban längst Modegeschichte geschrieben. So trat die für ihre drapierten Kopfbedeckungen berühmte Madame Gres meist selbst mit Turban an die Öffentlichkeit. Ihr folgten die Hollywood-Diven der vierziger Jahre, etwa Marlene Dietrich und Rita Hayworth. Jahrzehnte später setzte der in Algerien aufgewachsene Modeschöpfer Yves Saint Laurent wiederholt auf Turbane. In der aktuellen Mode bekennen sich Marc Jacobs, Antonio Marras und Ralph Lauren zum gewickelten Kopfschmuck.
Doch nicht alle sind begeistert von der Alternative zum Hut. So verweigert der "Observer" dem Turban seine Zustimmung.
Allerdings hatte der Turban schon mächtigere Gegner: So verabschiedete der türkische Atatürk bevorzugte Hüte und verbot den Turban
Staatsgründer und Reformer Atatürk im November 1925 ein Hutgesetz, mit dem er das Tragen von Turban und Fes verbot, weil er das gegenüber dem westlichen Hut für kulturell rückständig hielt. Allerdings ist der mit einer Krempe versehene Hut für gläubige Moslems geradezu hinderlich. Schließlich berühren sie beim Gebet gen Mekka mit der Stirn den Boden. Zudem dient der Turban nicht nur als Kopfbedeckung, sondern lässt sich bei Bedarf auch in ein Seil verwandeln oder fungiert als Stauraum für kleine Gegenstände.
Ob aus einem selbst um den Kopf gebundenen Tuch oder gekauft: Ein Turban umrahmt und betont das Gesicht zugleich. Das ist bei großflächigen, ungeschminkten Gesichtern nicht immer schmeichelhaft. Die Ohren gehören unter den Turban, was das Hören behindern und im Sommer zum Problem werden kann. Von Vorteil ist, dass man eine schlecht sitzende Frisur unter dem Stoff verschwinden lassen kann. Wer einen Turban tragen will, sollte ihn auf die restliche Garderobe abstimmen.

Erbswurst

Suppe, die aus der Wurst kommt - Preußische Erbswurst - das erste Fertiggericht

Einem Berliner Koch gelang 1867 ein Geniestreich, der die deutsche Suppenzubereitung mit einem Schlag zur Weltgeltung brachte. Johann Heinrich Grünberg kreierte die Erbswurst, ein Ensemble aus Erbsenmehl, Speck und Gewürzen, das er mit einer Wurstspritze in Papierhüllen presste. Da lag der Gang zum Patentamt nahe. Der Antrag blieb dort aber liegen, bis er vom preußischen Heeresforschungsamt entdeckt wurde. Diese gelbe Presskonserve entsprach der idealen Marschverpflegung. Schnelligkeit war Trumpf. Man wollte vor dem Feldzug gegen Frankreich nichts dem Zufall überlassen. Das Patent wurde für 35 000 Taler abgekauft. 1870 kam die Bewährungsprobe, im Deutsch-Französischen Krieg wurde erstmals die Erbswurst als eiserne Ration an die Soldaten ausgegeben. Der Staat gründete eine Fabrik und die deutschen Soldaten löffelten Unmengen dieser Suppe aus großen Feldküchen.
Deutschland wurde Europas größter Industriestaat und mit ihm kam die Erbswurst in Mode.
Alle Schichten, speziell die unteren und mittleren verköstigten sich damit.
Seit 1889 ist die Erbswurst ein Verkaufsschlager verbunden mit dem Namen Carl Heinrich Knorr aus Heilbronn, der einer der Pioniere der neuen Lebensmittelindustrie geworden war.
125 g Erbswurst kosteten damals zwischen 15 und 20 Pfennig.
Die Erbswurst ist selbst in den Wüsten Nordafrikas und im Himalaja zu Hause. Mit ihren 16 Zentimeter Länge und 3 Zentimeter Dicke passt sie in jeden Rucksack. Das Gewicht liegt bei 100 Gramm. Die gepresste Masse, in Wasser aufgelöst, liefert bei einer Kochzeit von einer Minute anderthalb Liter Suppe.
Auch ich kann mich noch sehr gut an diese sonderbare Wurst erinnern ...

Kragen für Herren

Sie sind nur ein Detail, benannt nach Herzögen, Meerestieren oder Buchstaben. Trotzdem können Kragenformen der männlichen Garderobe den entscheidenden Schliff geben. Ob im Büro oder in der Freizeit - es kommt darauf an, gut angezogen nicht mit zugeknöpft zu verwechseln.
Bei einem Hemdkragen haben vor allem zwei Dinge Einfluss auf die Wirkung: Wichtig ist zum einen die Frage, wie weit die Kragenenden voneinander entfernt stehen beziehungsweise wie weit sie zurückgeschnitten sind. Zum anderen geht es um die Kragenhöhe, die bestimmt, wie viel des Halses bedeckt wird. Je höher der Kragensteg, desto förmlicher wirkt das Outfit.
Die Stellung der Enden zueinander ist das wichtigste Unterscheidungskriterium für die beiden gängigsten Kragenformen.

Beim Kentkragen sind die Enden eher spitz und bilden gemeinsam mit dem Krawattenknoten ein gleichschenkliges Dreieck.
Beim Haifischkragen - kurz Hai und im Englischen Cut-away-Collar genannt - sind sie dagegen weit zurückgeschnitten. Zusammen mit der Krawatte ergibt das fast die Form eines T.
Wer am Verhandlungstisch eine gute Figur machen will, entscheidet sich für ein Hemd mit Haifischkragen: Die weit zurückgeschnittenen Enden vermitteln Offenheit, und darum geht es ja in Gesprächssituationen. Ein Kentkragen mit seinen eng beieinander liegenden Enden wirkt dagegen zugeknöpft. Wo kein Krawattenzwang herrscht, bleibt der oberste Knopf des Hemds geöffnet.
Der Kinnbereich sollte bis zum Adamsapfel aus dem Hemd herausschauen, allerdings vermittelt ein Kragen mit einem höheren Kragensteg eine gewisse Eleganz. Dafür braucht der Träger jedoch einen ausreichend langen Hals. Bei einem kurzen Hals sollte man einen Kragen tragen, der mehr davon freilässt, damit die Proportionen stimmen. Wenn es um das Outfit nach Feierabend geht, kommt der Kent ins Spiel: Er ist in Deutschland nach wie vor der am häufigsten verkaufte Kragen. Gefragt sind schmale Formen. Man setzt auf spitz zulaufende Enden. Dazu kann eine schmale Krawatte getragen werden.
Aber auch der Hai wird als Freizeitkragen immer populärer. Ohnehin gibt es keine strikte Trennung mehr zwischen den Dresscodes für die Berufs- und die Freizeitwelt. Viele Hemden lassen sich vielseitig einsetzen.

Nur die dritte Kragenform - der Buttondown mit Knöpfchen an den Kragenenden ist ausschließlich für die Freizeit gedacht.
Auf die Frage, was - abgesehen vom Sakko - über dem Hemd getragen wird, gibt es für die Fachmänner eine klare Antwort: ein figurnaher Pullover mit V-Ausschnitt. Ob die Kragenenden aus dem Ausschnitt herausschauen, bestimmen Größe und der eigene Geschmack. Über die Schulterpartie des Sakkos werden sie nicht geschlagen.

Regenschirm

Auch die Kulturgeschichte des Regenschirms hat ihren Märtyrer, und zwar den englischen Handelsmann Jonas Hanway (1712-1786). Dass er aus London stammt, verwundert nicht, gilt die Stadt an der Themse doch allen Statistiken zum Trotz als Regenloch und somit wie geschaffen für ein Accessoire, das seinen Träger vor den Unbilden atlantischer Tiefs schützen soll. Erstaunlich ist dagegen, dass der Regenschirm in England anfangs nicht nur äußerst skeptisch betrachtet, sondern mit offener Ablehnung bedacht wurde.
Noch Mitte des 18. Jahrhunderts setzten sich Gentlemen, die sich mit Schirm zeigten, dem Gelächter aus. So ging es auch Handay, einem ehrenwerten Mitglied der Londoner Gesellschaft, als er eines Tages mit einem kunstvoll gefertigten doch zugegebenermaßen monströsen Exemplar durch die Londoner Straßen spazierte. Dass von den Sänftenträgern und Kutschern Kritik kam, war klar. Sie fürchteten um ihr Geschäft, das bei Regenwetter besonders gut lief. Doch auch die Passanten hatten nur Kopfschütteln für ihn übrig. Die Straßenjungen gar warfen mit Steinen auf das seltsame, aufgespannte Dach über Hanways Haupt und beschimpften ihn als Franzosen.
In der Tat hatte Hanway den Schirm aus Frankreich mitgebracht. In England war es bis dahin für Herren üblich, sich vor Regen zu schützen, indem sie einen großen Hut aufsetzten und sich ein Tuch um die Schulter schlugen. Anders Hanway: Er ging drei Jahrzehnte lang bei jedem Wetter mit Regenschirm durch Londons Straßen. Mit seiner Hartnäckigkeit verwandelte er den Schirm schließlich in den ständigen Begleiter des britischen Gentleman.
Anerkennung erhielt Hanway erst nach seinem Tod. Eine Gedenktafel in der Westminster Abbey erinnert an ihn – und an seinen Einsatz für Findelkinder und Prostituierte. Dass er den Siegeszug des Regenschirms vorantrieb, verschweigt die Tafel indes. Trotz Hanways Bemühen, den Schirm ins bürgerliche Leben einzuführen, bedurfte es einiger Voraussetzungen, um ihn zum Alltagsgegenstand zu machen. So „erlaubte“ die Royal Society, die sich der Förderung der Wissenschaften verschrieben hat, im Jahr 1787 jedem Gentlemen das Tragen eines Schirmes bei Regen.
Zunächst hatte die Sache einen Nachteil: Die Gestelle bestanden aus schweren Holzstäben und Fischbein, das Ganze war zudem mit Wachsleinwand bezogen, so dass ein Schirm bis zu fünf Kilo wog. 1852 jedoch erfand Samuel Fox aus Sheffield das Stahlgestell, das die Schirme von ihrem unhandlichem Gewicht befreite. Dann günstiger Rohstoffimporte aus den Kolonien konnte England von nun an preiswert Schirme produzieren. Einer massenhaften Verbreitung stand nichts mehr im Weg.
Der klassische englische Schirm ist schwarz, schlank und stets exakt gerollt. Luxusvarianten sind die von Hand angefertigten Schirme mit dem Stahlgestell des Erfinders Fox, dem Fox Frame. Die trotzen auch heftigen Winden und sind mit dreifach verwebter feinster Seide überspannt, wodurch das Wasser abperlt. Viele Käufer legen Wert auf ausgefallene Griffe aus Edelmetall, Leder, Horn, Schildpatt, Elfenbein und Edelhölzern. Pferdesportliebhaber sind entzückt wenn sie einen Bleistifthalter an ihrem Horse-Racing-Umbrella vorfinden, so dass sie leichter Wettscheine ausfüllen können.

Elektrizität

Hier ist ein einfaches Experiment, mit dem wir eine wichtige Lektion über Elektrizität lernen können: An einem kühlen, trockenen Tag schlurfen wir mit den Füßen über einen Teppich, greifen dann mit der Hand in den Mund eines Freundes und berühren eine seiner Zahnplomben. Unser Freund zuckt heftig zusammen und schreit vor Schmerz auf. Wir lernen daraus, dass Elektrizität eine sehr mächtige
Kraft sein kann, die wir niemals dafür verwenden dürfen, unseren Mitmenschen Schmerzen zuzufügen, außer wenn wir eine wichtige Lektion über Elektrizität lernen müssen.Wir erfahren dabei auch, wie ein elektrischer Stromkreis funktioniert. Als wir über den Teppich geschlurft sind, haben wir dabei etliche "Elektronen" aufgesammelt, äußerst kleine Teilchen, die von den Teppichherstellern in die Teppiche eingewoben werden, um Schmutz anzuziehen. Die Elektronen fließen durch den Blutkreislauf und sammeln sich im Finger an, von wo ein Funke zur Zahnfüllung unseres
Freundes überspringt. Von dort aus fließen die Elektronen durch seine Füße hinunter und zurück in den Teppich, womit der Stromkreis wieder geschlossen ist.

Heutzutage sind elektrisches Licht, Radios, Mixer etc. für uns bereits selbstverständlich geworden. Vor hundert Jahren waren solche Dinge noch völlig unbekannt, was aber nicht weiter schlimm war, da sie nirgendwo eingesteckt werden konnten.

Dann kam der erste Pionier auf dem Gebiet der Elektrizität, Benjamin Franklin, der während eines Gewittersturms einen Drachen steigen ließ und dabei einen schweren elektrischen Schlag bekam. Dies beweist, dass Blitze von derselben Kraft angetrieben werden wie Teppiche. Leider wurde Franklins Gehirn dabei so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er nur noch völlig unverständliche Sprüche von sich gab, wie zum Beispiel "Einen Pfennig gespart heißt einen Pfennig verdient". Unter Umständen wurde er dann als Leiter des Postamtes eingestellt.

Nach Franklin kam eine Reihe von Entdeckern und Erfindern, deren Namen in die heutige Terminologie der Elektrotechnik Eingang gefunden haben: Myron Volt, Marie-Louise Ampere, James Watt, Robert Transformator usw. Alle von ihnen machten wichtige elektrische Experimente. So entdeckte zum Beispiel Luigi Galvani (kein Scherz) im Jahre 1780, dass, sobald er das Bein eines Frosches mit zwei verschiedenen Metallen in Verbindung brachte, ein elektrischer Strom floss und das Bein des Frosches zuckte, selbst wenn es bereits vom jeweiligen Frosch getrennt war, der ja sowieso schon tot war. Galvanis Entdeckung führte zu gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiet der Amphibienchirurgie. Heutzutage können fähige Veterinärchirurgen Metallteile in die Muskeln eines schwerverletzten oder gar getöteten Frosches implantieren und zusehen, wie er zurück in den Teich hüpft. Ganz wie ein normaler Frosch,wenn man davon absieht, dass er wie ein Stein zu Boden sinkt.

Der größte Pionier im Bereich der Elektrizität jedoch war Thomas Alva Edison, ein brillianter Erfinder trotz der Tatsache, dass seine Schulbildung sehr gering war und er in New Jersey lebte. Edisons erste Erfindung war der Phonograph, der bald in tausenden amerikanischer Haushalte zu finden war, wo er im Prinzip bis 1923 blieb, bis die Schallplatte erfunden wurde. Edisons Meisterstück jedoch war die Erfindung des Elektrizitätswerkes im Jahre 1879. Edisons großartige Idee war die Übertragung des Prinzips des einfachen elektrischen Stromkreises: Das Elektrizitätswerk sendet Elektrizität über einen Draht zum Kunden und bekommt sie ohne Verzögerung durch einen anderen Draht wieder zurück, um sie anschließend (und das ist der geniale Teil daran) gleich wieder zum Kunden zu schicken.

Das heißt, dass ein Elektrizitätswerk dem Kunden dieselbe Elektrizität einige tausend Mal pro Tag verkaufen kann, ohne dabei erwischt zu werden, da sich die wenigsten seiner Kunden die Zeit nehmen, ihre Elektrizität genau anzusehen.
Tatsächlich wurde zum letzten Mal in den USA im Jahre 1937 neue Elektrizität erzeugt. Seitdem haben die Elektrizitätswerke dieselbe Elektrizität immer und immer wieder verkauft. Dies ist auch der Grund dafür, warum sie soviel Zeit haben, sich mit Tariferhöhungen zu beschäftigen.

Dank Pionieren wie Edison oder Franklin und Fröschen, wie dem von Galvani bietet uns heutzutage die Elektrizität fast unbegrenzte Möglichkeiten. So haben zum Beispiel in den letzten zehn Jahren Wissenschaftler den Laser entwickelt, ein elektrisches Gerät, das einen Lichtstrahl aussendet, der solche Energie besitzt, dass er noch in einer Entfernung von 2000 Metern eine Planierraupe atomisieren kann, und andererseits so exakt ist, dass Chirurgen damit hochpräzise Arbeiten am menschlichen Auge vornehmen können. Vorausgesetzt, sie vergessen nicht, den Regler von "PLANIERRAUPE ATOMISIEREN" auf "MIKROCHIRURGIE"
umzustellen.

Die Krawatte

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden kroatische Soldaten gesichtet, die ein Tuch um den Hals trugen. Das erklärt, dass der Begriff Krawatte aus dem Kroatischen stammt. Ursprünglich war sie ein Kälteschutz. Historisch gesehen ist der Schlips verrucht: In der Gaunersprache wurde ein Wucherer Krawattenmacher genannt, und in Indianersprachen Amerikas ist der Begriff Krawatte Synonym für den Würgegriff. Dahinter stehen Erfahrungen. Allem zum Trotz ist die Krawatte heute ein Muss für den erfolgsorientierten Mann. Doch wie lange noch?

Eigentlich erstaunlich, dass ein längliches, doppelt gearbeitetes Stück Stoff, das oben schmal, unten breit ist und mit Hilfe eines Knotens den Hals einschnürt, Weltkarriere machen konnte. Dabei wurde sie,
nie unkritisch gesehen. Mediziner können anschaulich erläutern, was im Organismus eines Mannes passiert, der seinen Schlips zu straff zieht. Es handelt sich um Vorgänge wie bei einer Strangulation. Atemnot, Unwohlsein, manchmal Übelkeit, bis hin zu Herzschmerz - und mitunter der Befreiungsschlag.

Trotzdem sind Männer, die in der Öffentlichkeit agieren, oben zu. Ausgerechnet die Japaner machen nun gegen den Schlips mobil. Im Land der Rituale und Standesregeln lautet das Motto: Krawatte ab für den Klimaschutz. Der Staat muss sparen, und Japan hat heiße Sommer mit über 40 Grad Celsius, selbst im Spätherbst kann es schwül sein. Deshalb hat jedes Bürohaus leistungsstarke Klimaanlagen, die viel Energie fressen. Wären sie weniger stark eingestellt, wäre die Einsparung enorm.

Schon viele Gruppierungen hatten der Krawatte den Kampf angesagt. Die Achtundsechziger verloren ihn, die Fastnachtsweiber am Rhein, die ihn am Schmutzigen Donnerstag seriell mit der Schere kürzen, ebenso. Bei den Japanern aber scheint die Angelegenheit in guten Händen zu sein, sie verfügen über die Konsequenz, Erkenntnisse umzusetzen. Es könnten 310 Millionen Liter Heizöl gespart werden, hat einer errechnet.
Man muss sich vorstellen, mit welchen Entzugserscheinungen japanische Businessmänner jetzt zu kämpfen haben. Sie sind im Zugzwang, denn ihr Premier tritt bei Staatsgeschäften mit blauem Hemd, das er locker über der Hose trägt, auf. Auch Chefs von Toyota wurden mit offenen Hemdkragen gesichtet. Der eine oder andere wird sich erst an die neu gewonnene Freiheit gewöhnen müssen.

Auch in der Alten Welt ist das unbequeme Tragen von Krawatten eine alte Gewohnheit. Manche halten den Strang zwischen Adamsapfel und Bauchnabe sogar für sexy. Sie würden ihren Schlips ebenso wenig opfern wie Frauen ihre hochhackigen Schuhe, obwohl nachgewiesen ist, wie ungesund sie sind. Die Vorstellung, dass Konzernlenker mit nacktem Hals in TV-Kameras sprechen, ist gewöhnungsbedürftig. Schwer vorstellbar.
In Japan aber ist es gelungen, eine Frau sorgte dafür. Umweltministerin Yuriko Koike hatte sich markig gegeben: "Ich werde niemanden mit Krawatte in meinem Büro dulden." Krawattenabstinenz ist auf einmal zu einer Karriereoption geworden.

Röhrenhosen

Hedi Slimane, entdeckt von Yves Saint Laurent und seit 2001 Designer von Diors Herrenkollektion, hat sich als einer der Ersten und am radikalsten wieder auf die Röhre besonnen. In der Kostümgeschichte besitzt die gerade geschnittene, enge Hose eine weit längere Tradition als landläufig bekannt. Zur Zeit der Französischen Revolution kam das knöchellange, anliegende Beinkleid unter dem Namen Pantalon zum ersten Mal in Mode. Ihren rebellischen Charakter erhielt die Röhrenhose also nicht erst durch die Anhänger der britischen Rock'n'Roll-Ära der fünfziger Jahre, etwa durch die Teddy-Boys - die Diät, um in die Röhrenjeans zu passen wohl erste Jugendbewegung, die ihren Kleidungsstil bewusst als Protest gegen die Elterngeneration einsetzte.
Mit ihren samtbesetzten, Gehröcken und hautengen Hosen erinnerte die Garderobe der aufmüpfigen britischen Arbeitersöhne an die Zeit König Edwards VII., dessen Spitzname Teddy dann auch zum Namensgeberder Gruppierung wurde, nachdem ihre Anhänger zunächst als schmalzlockige Cosh-Boys für Schlagzeilen gesorgt hatten. Doch auch die teilweise gegenläufigen Mods (von Modernist abgeleitet) liebten schmale Anzüge und machten durch maßgeschneiderte Kleidung ihren gesellschaftlichen Anspruch deutlich, ganz nach dem Motto: Der Schein bestimmt das Sein.

Röhrenhosen sind aber auch ein Jugendsymbol. Und da fängt die Schwierigkeit an. Dass die Teenager von heute nicht mehr so rank und schlank sind wie die Jugend im Swinging London, ist das eine Problem. Das andere: Gestandene Männer und Frauen - selbst wenn sie über lange Beine und schmale Hüften verfügen - sind in Röhrenhosen nur bedingt adäquat angezogen. Es kommt auf den Schnitt, die Kombination und eine stimmige Gesamterscheinung an. Erwachsene sollten also keinesfalls den Stil der Rock'n'Roll-Zeit imitieren, sondern eher auf Eleganz setzen, etwa indem sie ei- hä: nen passenden Blazer dazu tragen, also auf eir einen Hosenanzug setzen. Für sie sind vor allem Sneakers zur Röhrenhose tabu. Stattdessen sollten Frauen die Beine optisch verlängernde Pumps zu Röhrenhosen tragen. Der Saum darf bis zur Absatzmitte reichen. Für große, schlanke Frauen bieten sich Ballerinas an. Mit Stiefeln kombiniert, werden die Hosenbeine in den Schaft gesteckt.
Die bei Jugendlichen beliebte Trageweise, die Hose tief nach unten zu ziehen, so dass sie innerhalb des Schritts hängt, ist genauso ein Fauxpas wie statt einer Röhrenhose einfach Leggings zu tragen. Wer unsicher ist, ob ihm Röhrenhosen stehen, bittet eine Freundin um ihre ehrliche Meinung.

Der Bleistift

Er ist das mit Abstand älteste industriell gefertigte Schreibgerät. Er funktioniert selbst unter Wasser und im Weltall. Er ist vielseitig: Seit Jahrhunderten dient der Stift zum Zeichnen und zum Schreiben. Sein Plus: Seine Striche lassen sich ausradieren. Eigentlich trägt er einen falschen Namen: Bleistift. Denn Grafit, das Mitte des 16. Jahrhunderts in den englischen Cumberlandbergen gefunden wurde, hielt man irrtümlicherweise zunächst für Bleierz.
Vernünftig benützen lässt sich das brüchige Mineral erst dann, wenn es in Holz eingefasst wird. In Deutschland kommt ein Nürnberger Schreiner um das Jahr 1660 als Erster auf diese Idee. Damit beginnt eine Erfolgsgeschichte, die sich bis heute fortsetzt.
Die Region entwickelt sich innerhalb weniger Jahrzehnte zum Zentrum der europäischen Bleistiftproduktion, als Lothar von Faber, der 1839 die Fabrik A.W. Faber übernommen hat, die industrielle Herstellung einführt. Das Unternehmen aus Stein bei Nürnberg, das heute Faber-Castell heißt und dessen Ursprünge bis ins Jahr 1761 zurückreichen, beginnt die Ausfuhr in alle Welt.
Lothar von Faber erschafft den ersten Markenbleistift der Welt, indem er seine Stifte mit „A.W. Faber“ kennzeichnet.
Zudem legt der Schöpfer des sechseckigen Stifts Normen für Länge, Stärke und Härtegrade fest, die von fast allen Fabrikanten übernommen werden. Je höher der Grafitanteil, desto weicher die Mine, eine Mischung des gemahlenen Minerals mit Ton, die bei etwa 1100 Grad Celsius gebrannt wird.
Der Stift ist gefragt, viele Schriftsteller benutzen ihn und viele Betriebe entstehen, von denen einige noch immer existieren.

Die Erfindung des Dünnkernbuntstifts 1925 ermöglicht das Schreiben und Zeichnen in Farbe, ohne dass die Mine ständig bricht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekommt der Bleistift Konkurrenz vom Kugelschreiber, dessen Prinzip schon Ende des 19. Jahrhunderts bekannt war. In den 60er Jahren kommen zudem die ersten Filzstifte auf den Markt. Aber auch bei den Bleistiften gibt es Neuerungen, er wird etwa in ergonomischer Dreikantform angeboten. Sämtliche deutsche Markenhersteller sitzen in und um Nürnberg.
Faber-Castells Farbstiftfabrik in Brasilien ist der größte Bleistifthersteller der Welt und zeigt: Der Bleistift stirbt nicht aus.

Die erste Schrift, die sumerische Keilschrift, entstand vor ungefähr 5 000 Jahren. In Mesopotamien wurden Bildzeichen mit einem dreieckigen Holzgriffel in feuchte Tontafeln gedrückt. Seit etwa 2 000 vor Christus meißelten die Ägypter Hieroglyphen in Stein oder schrieben mit Rohrhalm auf Papyrus. Die Römer benutzten Zinn- und Bleigriffel auf Wachstafeln, Papyrus und Pergament. Bis zur Entdeckung des Bleistifts gebrauchte man dann Kreide, Kohle, Zinn, Silber und Blei zum Zeichnen und Schreiben. Tinte wird schon seit Jahrtausenden genutzt, lange Zeit in Kombination mit Gänsefedern. Doch es dauert bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, ehe sich die Schreibfeder aus Metall zu verbreiten beginnt. 1883 erfindet Lewis Edson Waterman den ersten funktionstüchtigen Federhalter, der am 12. Februar 1884 zum Patent angemeldet wird. In den 1930er Jahren kommt die erste Glaspatronenfeder auf den Markt, 1954 wird die erste Plastikpatrone entwickelt.

Mantel

Bei wenigen Kleidungsstücken zeigen sich die Modetrends so dezent wie bei Mänteln und Jacken. Sie werden mehrere Saisons getragen. Daher gibt es immer Klassiker, die über Jahre hinweg aktuell sind. Dennoch fristet Wärmendes kein modisches Schattendasein. Es kommt auf die Details an.
Der Trend der fünfziger und sechziger Jahre: Es gibt die A-Linie. Mäntel sind mit großen Knöpfen ausgestattet und aus weichen fließenden Stoffen hergestellt. Die Silhouette ist weit schwingend. Das passt im Winter prima zu schmalen Hosen und Röcken.
Wenn man zurückblickt , gab es gleich mehrere historische Themen, darunter St. Petersburg im Jahr 1900 mit Uniformen aus der Zarenzeit. Oder die Mäntel im Pilotenstil.
Designer spielen auch stark mit Kragenformen, Beispiel stehenden, die an Zarenuniformen erinnern. Außerdem wurde Napoleons Feldkleidung in der Mode beobachtet. So blieben Orden und auch Schulterklappen der Wintermode erhalten, auch bei ansonsten schlichten Mänteln. Aufgesetzte Taschen, Riegel, Gurte und Blenden setzen ebenfalls Akzente. Lederapplikationen, Filzbesatz und Schließen.
Oft wird die Weiblichkeit betont, entweder durch weit schwingende Prinzessinnenmäntel oder durch schmal geschnittene Stücke, die oft sehr puristisch und mit verdeckter Knopfleiste daherkommen. Gürtel oder nicht, ist die Entscheidung der Frau. Stark taillierte Modelle und eine Ausnahme bildeten die Capes, die in verschiedenen Formen zu haben sind. Manche kommen in feinem Stoff daher, andere sind britisch oder schottisch mit roten oder grünen Karos gemustert. Ansonsten sind die Farben gedeckt.
Nicht immer schwarz, viele Jacken und Mäntel sind in Braun- und Beigetönen, in Grau- und Grüntönen gehalten, außerdem spielen gedämpftes Rot sowie Messing und Gold eine Rolle.
Insgesamt werden die Mäntel kürzer, doch auch Maximäntel reichen fast bis zum Boden.
Daneben Trench- und Dufflecoat, sowie die Daunenjacke, die es in allen möglichen Längen, Ausführungen und Steppungen gibt.

Sachsenspiegel

Der Sachsenspiegel ist das älteste mitteleuropäische Gesetzbuch.
Er wurde im 13ten Jahrhundert vom Ritter Eike von Repgau in niederdeutscher Sprache verfasst und bezog sich auf das Land- und Lehnsrecht. Ganz offensichtlich hat das Zusammenleben der Menschen damals schon die gleichen Probleme bereitet wie heutzutage.
Er enthielt bereits Grundsätze des Nachbarschaftsrechts, die in vielen Teilen bis heute noch Gültigkeit haben. So durfte ein Nachbar einen auf sein Grundstück überhängenden Zweig entfernen, wenn der Besitzer des Baumes seinen wiederholten Bitten, den Zweig zu entfernen, nicht nachkam.
Bei der Anbringung von Zäunen musste auch damals bereits der Pfahl innen stehen, so dass der Zaun nach außen, also zum Nachbarn hin, eben war. Selbst Grenzabstände mussten schon im Mittelalter eingehalten werden. Dabei ist allerdings nicht von Bäumen und Sträuchern die Rede, sondern von Stallungen und dem „gewissen Örtchen“. Diese mussten auch entsprechend verdeckt und vor den Einblicken der Nachbarn geschützt sein.
Selbst ein Baurecht definiert genau, welcher Stand wie zu bauen hatte. Wie wenig sich doch menschliches Verhalten in den Grundzügen über Jahrhunderte hinweg verändert hat.

Raglanärmel

Soldatenkleidung steht nicht in dem Ruf, ihren Trägern eine entspannte Haltung zu ermöglichen. Doch ein britischer Militär von Rang bestand im 19. Jahrhundert auf größtmögliche Bewegungsfreiheit bei seiner Bekleidung. Nach dieser Person ist der Raglanmantel benannt. Die Textilbranche versteht darunter einen weit zugeschnittenen Herrenmantel. Auch der Raglanärmel geht auf den einarmigen Lord zurück.
Fitzroy James Henry Somerset (1788-1855), der spätere Lord Raglan, wollte mit seinem Mantel eine Kriegsverletzung verbergen. Der Generaladjutant Wellingtons in der Schlacht bei Waterloo hatte im Kampf gegen Napoleon seinen rechten Arm verloren. Die Anekdote will es, dass er sich vom Feldchirurgen noch einmal den abgetrennten Arm reichen ließ, um einen Ring vom Finger zu ziehen.
Vom blutigen Geschehen auf dem Kontinent wurde er nach London zurück beordert. Dort gab er bei seinem Schneider einen Verbergungsmantel in Auftrag, bei dem die Ärmel ganz weit und locker um die Schultern lieben und so ein bequemes An- und Ausziehen ermöglichen sollten. Vor allem aber wollte der Lord, dass seine kaum verheilte Operationsnarbe nicht unnötig von Mantelnähten gereizt werde. Den leeren rechten Ärmel wollte er in den Gürtel stecken. Charakteristisch für den erstmals für einen Einarmigen entworfenen Raglanmantel wurde seine Ärmelform. Der Ärmel setzt hierbei nicht auf der Mitte der Schulterkugel an, sondern ist bis zum Halsansatz eingeschnitten. Dadurch sind Schulterpartie und Ärmel verbunden. Die Raglannaht verläuft im Vorder- und Rückenteil vom Hals aus diagonal bis zu den Achseln.
Ein namentlich nicht bekannter Londoner Schneider erfand diesen Zuschnitt. Erst die Herrenschneider, dann auch die Damenschneider griffen die Neuheit auf. Für den Ärmelschnitt spricht seine Passform: Raglanärmel sitzen perfekt und gewährleisten volle Bewegungsfreiheit. Obendrein lässt sich der Ärmeltyp viel leichter zuschneiden und nähen als ein angesetzter Ärmel, da die Schnittkanten an der Vorder- und Rückseite des Ärmels übereinstimmten.
Für Berufs- und Babykleidung ideal, auch als Kleidung für Frauen mit großer Oberweite.
Ebenso Freizeit- und Sportbekleidung, da die Nähte nun nicht mehr scheuern.
Auch der zweireihig geknöpfte Trenchcoat von Burberry, der im Ersten Weltkrieg als Soldatenmantel berühmt wurde, wies Raglanärmel und die typischen Leistenschubtaschen auf.
Heute ist der Raglanärmel an vielen Kleidungsstücken zu finden, selbst in der Designermode.
Und was wurde aus Lord Raglan? Vierzig Jahre nach Waterloo sorgte er erneut für Schlagzeilen. Schon ergraut, sollte die ehemals rechte Hand Wellingtons das britische Expeditionskorps im Krimkrieg führen. Es zeigte sich trotz anfänglicher Triumphe, dass der Lord angesichts der notwendigen Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Feind Frankreich und der ungewohnten Taktik der Russen als Oberbefehlshaber überfordert war. Er gab unklare Befehle, die direkt ins Verhängnis führten. Lord Raglan starb an den Folgen einer Cholera.

Leitz-Ordner

Der Leitz-Ordner ist das Symbol des Ordnungssinnes schlechthin, und so wird sich niemand ernsthaft darüber wundern, dass er eine schwäbische Erfindung ist. Sein Erfinder Louis Leitz, der Wegbereiter der modernen Büroorganisation, stammt aus einem Dorf bei Ludwigsburg.

In dem heißen Sommer 1846 starben im Oberamtsbezirk Besigheim 130 Kinder an den Gichtern, einer Kinderkrankheit, die Krämpfe auslöst. Der kleine Johann Ludwig Leitz war offenbar von robuster Natur, hätte er doch sonst vermutlich das erste Lebensjahr gar nicht überlebt. Geboren wurde er am 2. Mai 1846 in Großingersheim (heute Kreis Ludwigsburg), das in diesem Bezirk lag und wo zur selben Zeit eine Typhusepidemie wütete.
Louis Leitz - der damaligen Mode entsprechend hatte er seinen vom Vater ererbten Vornamen ins Französische gewandelt - gehörte zur ersten Schülergeneration des evangelischen 1500-SeeIen- Dorfes, die einen erweiterter Unterricht genoss. Hatten sich die Fächer bis um das Jahr 1850 auf Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Sitten, Reinlichkeit und Memorieren beschränkt, so standen von da an auch Naturkunde, Erdbeschreibung und Geschichte zumindest in ihren Anfangsgründen auf dem Stundenplan.
Somit war zwei Jahre vor Louis Leitz' Einschulung ein wichtiger Schritt für eine verbesserte Schulbildung getan, die den Blick über den eigenen Kirchturm-Horizont erweiterte. Vielleicht war dies mit ein Grund für seine spätere Karriere. Unterrichtet wurden die knapp 300 Schüler in der Elementar-, Mittel- und Oberklasse von einem Lehrer, einem Unterlehrer und einem Schulgehilfen.
Im April 1858 starb Mutter Friederike Leitz, zwei Jahre später auch der Vater, der sein Geld als Küfer verdient hatte. Die anlässlich des Todes gefertigten Inventuren und Teilungen sowie die Pflegschaftsrechnungen zeigen, dass die Familie in gesicherten Verhältnissen gelebt hatte.
Vermutlich bereits im Todesjahr seines Vaters begann der 14-jährige Louis Leitz eine Lehre als Dreher, in mehreren biografischen Abhandlungen über Leitz ist fälschlicherweise von einer Drechslerausbildung die Rede. Rechnungen des Pflegers, der nach dem Tod der Mutter für ihn bestellt wurde, zeigen, dass er seine Ausbildung 1861/62 in Neuenstadt absolviert haben muss.
Nach seiner Ausbildung und einigen Jahren Berufstätigkeit als Dreher und Mechaniker gründete Louis Leitz 1871 unmittelbar nach der deutschen Reichsgründung, die den Anbruch einer neuen Wirtschaftsepoche markiert, mit einem Kompagnon namens Heinrich (Vorname nicht überliefert) in einem Souterrain in der Kasernenstraße in Stuttgart-Feuerbach eine "Mechanische Werkstatt und Fakturabücherei". Als dann sein Kompagnon nach nur einem Jahr wieder aus dem Unternehmen ausstieg, führte es Leitz mit Unterstützung seines jüngsten Bruders Jakob und eines seiner Arbeiter weiter.
Mit unternehmerischem Weitblick und Innovationsfreude hatte Louis Leitz erkannt, dass mit fortschreitender Industrialisierung und sich wandelnden Bürokratiestrukturen das Schriftgut stetig zunehmen und die Papiermengen in den Kontoren immens anwachsen sollten. Für die Berge von Loseblatt-Ansammlungen galt es, Ordnungssysteme zu schaffen, die ein effizientes Ordnen und Verwalten ermöglichten.
Überall waren die neuartigen Spießordner mit federgespanntem Schnappverschluss auf Nägeln bekannt.
Die Entwicklung der Hebelmechanik im Jahre 1893, bei der ein Hebel fest geschlossen und arretiert werden konnte, ging als „großer Wurf“ in die Firmengeschichte ein.
Die erste Hebelmechanik mit Umlegebügel in Gleitführung, eingenietet in einen Bucheinband, war die Geburtsstunde des Leitz-Ordners, der Einzug in Kontore, Privathaushalte und Schulen hielt.
Der 1903/04 patentierte Excenterverschluss entspricht der noch heute gängigen Form der Mechanik. Das Griffloch wurde 1911 eingeführt, seitdem erscheint auch der bekannte Schriftzug „Leitz“ auf dem Ordnerrücken.

Lila

Die Farbe Violett gilt als extravagant – Unterschiedlichste Gruppen schmücken sich damit
Wer denkt nicht zuerst an die berüchtigten Latzhosen der Frauenbewegung, wenn es um die Farbe Lila geht? Nun, Priester vielleicht. Ihnen dürfte die Fastenzeit einfallen. Schließlich symbolisiert Violett in der christlichen Liturgie Reue, Buße und eine Phase der Verwandlung. Ein Inder wird Violett als Farbe der Erleuchtung sehen, traditionell wird es dem höchsten Chakra zugeordnet, das für Geist und Bewusstsein steht. Im europäischen Mittelalter wiederum war es Brauch, Unverheiratete mit Veilchen zu schmücken. Daher steht der Farbton auch in dem Ruf, von alten Jungfern auf der Suche nach einem Partner getragen zu werden. Auch die homosexuelle Szene favorisiert die Mischfarbe aus dem weiblichen Rot und dem männlichen Blau.
Auch wenn Lila in der Natur durchaus vorkommt – vom Flieder übers Veilchen bis hin zur äußeren Spektralfarbe des Regenbogens – konnte der Farbton erst spät für Stoffe verwendet werden, da es lange Zeit keinen entsprechenden Farbstoff gab. Erst 1856 stellte der britische Chemiker William Henry Perkin per Zufall das synthetische Mauvein her, auch Perkin-Violett genannt. Diese Entdeckung des ersten künstlichen Farbstoffs revolutionierte die Mode. Bald trugen die Damen bevorzugt mauvefarbene Kleider, so auch die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England und in den USA für das Frauenwahlrecht auf die Straße gingen.
Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pethick-Lawrence soll drei Farben als Kennzeichen der Suffragetten bestimmt haben: Lila als herrschaftliches und würdevolles Signal, Weiß als Zeichen der Ehrenhaftigkeit und Grün als Symbol der Hoffnung. Bei ihren Demonstrationen schmückten sich die Frauenrechtlerinnen der ersten Stunde mit Ripsbändern in diesen Farben.
Vermutlich geht die Festlegung von Lila als Farbe der Emanzipation auf die Suffragetten zurück.
Um eine gesellschaftspolitische oder religiöse Proklamation dürfte es den Designern aber nicht gegangen sein, als sie Lila für die aktuellen Herbst- und Winter-Kollektionen wieder entdeckten. Schließlich hatte die Farbe in den vergangenen Jahrzehnten mit einem etwas freudlosen und nicht gerade modischen Image zu kämpfen, bestimmt von lila Latzhosen und lila Hängegewändern aus der alternativen Szene.
Nun sind Flieder, Violett und Purpurrot wieder in Mode – bei der Kleidung genauso wie beim Make-up, bei den Accessoires und sogar bei der Herrengarderobe, wie violette Schals, Hemden und Krawatten belegen. Lässt man alle Symbolik bei Seite, kommt man dem gegenwärtigen Hang zu Lila eher auf die Spur. So wird Lila farbpsychologisch als besonders extravagant, unkonventionell und eitel angesehen. Vor allem Individualisten, Künstlern und Exzentrikern wird nachgesagt, die Mischtöne aus Blau und Rot zu bevorzugen. Bei Purpur, das einen höheren Rotanteil hat, dominiert das feierlich Sakrale – man denke nur an Kardinalsgewänder – während blaustichigen Lilatönen etwas Magisches anhaftet.
Lila ist nicht gleich Lila. Wer blasse Haut hat, sollte blaustichige Nuancen meiden und auf Purpurtöne setzen, die auch Braun- und Schwarzhaarigen schmeicheln. Dunkles Pflaumenblau bringt goldblondes Haar zur Geltung. Aschblonde Menschen mit gelblichem Teint lässt Blauviolett krank erscheinen, ihnen steht sanftes Mauve. Spektralviolett wirkt bei sparsamer Verwendung edler, für den Komplett-Look ist die Farbe zu kräftig. Vorsicht ist bei blaustichigen Lippenstiftfarben geboten: Die Zähne wirken gelblich.