Arzneipflanzen

Seit zehn Jahren wählen Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Biologen des Würzburger Studienkreises „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ die Arzneipflanze des Jahres.
Jedes gekürte Gewächs soll eine interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweisen und in pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein.

Arzneipflanzen der letzten Jahre

1999 – Buchweizen 2000 – keine Nennung 2001 – Arnika 2002 - Stechender Mäusedorn
2003 – Artischocke 2004 - Pfefferminze 2005 - Arzneikürbis 2006 - Thymian
2007 - Hopfen 2008 – Gemeine Rosskastanie 2009 – Fenchel 2010 - Efeu



Buchweizen

Der Echte Buchweizen aus der Familie „Knöterichgewächse“ ist eine alte Nutzpflanze, die auch wild an Wegen und Schuttplätzen anzutreffen ist.
In manchen Gebieten wird er auch Heiden, Heidenkorn, Blenden, Brein, schwazres Welschkorn oder türkischer Weizen genannt, in der romanischen Sprache „sarazenisches Korn“.

Wahrscheinlich wurde das Gewächs zuerst in China kultiviert und archäologisch nachgewiesen sind Buchweizenkörner des 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. nördlich des Schwarzen Meeres aus skythischen Siedlungen. Nach Mitteleuropa breitete er sich erst im späten Mittelalter von Osten aus und in Deutschland gibt es erste schriftliche Erwähnungen aus dem Leinetal (1380) und Nürnberg (1396).
Als im 18. Jahrhundert der Anbau der Kartoffel zunahm, die auch auf schlechten Böden noch relativ gut gedeiht, ging die Bedeutung des Buchweizens zu Nahrungszwecken zurück, um Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa bedeutungslos zu werden. Erst in den letzten Jahrzehnten baut man ihn als Nischenprodukt wieder an, weil sich die Nahrungsgewohnheiten geändert haben.

Die krautige Pflanze wird etwa 20 bis 60 Zentimeter hoch, wobei der aufrechte Stängel wenig verzweigt und bei Fruchtreife meistens rot unterlaufen ist. Die Laubblätter - herz- bis pfeilförmig, meistens etwas länger als breit und stets zugespitzt - sind wechselständig angeordnet.
Die Stiele der kurzen traubigen Blütenstände entspringen in den Blattachseln und die fünf weißen bis rötlichen Blüten werden nur etwa 3 Millimeter lang.
Ein einzelnes dreikantiges Nüsschen entwickelt sich aus einem Fruchtknoten zur Frucht. Diese besitzt eine derbe und auch schwere Schale und muss vor Genuss entfernt werden.

Wenige Ansprüche stellt Buchweizen an den Boden und gedeiht selbst in unfruchtbarer Heide oder im Moor.

 

Arnika

Arnika aus der Familie der Korbblütler, ist aus der Volksmedizin, der „Apotheke aus dem Heilkräutergarten“ nicht wegzudenken. Extrakte aus Blüten, Wurzeln und Blättern helfen bei Entzündungen, Vereiterungen, Quetschungen und Blutergüssen.
In Frankreich nennt man die Pflanze auch Vogesen-Tabak, weil pulverisierte Arnikablüten als Schnupfpulver geschätzt werden.

Mit ihren leuchtendgelben Blüten, die einen Durchmesser von 6 bis 8 Zentimeter erreichen und an gelbe Margeriten erinnern, ist Arnika eine dekorative Pflanze. Die Blütenblätter  sind unregelmäßig um den Blütenkopf angeordnet.

Die bekannteste Art ist der Bergwohlverleih, deren Blätter zu einer bodenständigen Rosette angeordnet sind, aus der 30 bis 50 cm lange Blütenstängel wachsen. Um eine dunkelgelbe Blütenscheibe gruppieren sich hellgelbe Randblüten.

Arnika montana wird in der Arzneimittel-Industrie verarbeitet.
Im Garten ist die Aufzucht schwierig, am besten klappt sie in sauren Böden. Leider leben die Pflanzen nur zwei bis drei Jahre.

 

Stechender Mäusedorn

Rund um das Mittelmeer sowie bis Vorderasien beheimatet, gehört diese Pflanze – auch Dornmyrte genannt – zu den Spargelgewächsen.
Dieser immergrüne Halbstrauch wird zwischen 20 bis 80 Zentimeter hoch und blüht von März bis Mai. In kleinen Büscheln, aber auch einzeln, stehen die Blüten in den Achseln der derben stachelspitzen Hochblätter.
Die Pflanze ist in Deutschland und Österreich nicht heimisch, da sie zur weitverbreiteten und typischen Art der mediterranen und pontischen Flora gehört. Aber im Winter wird der stechende Mäusedorn wegen der dekorativen Wirkung gern bei uns in Gestecken verwendet. In Südtirol diente er der Grabeinfassung.

Trockene steinige Hänge in Gebüschen und Wäldern liebt die Pflanze, weil sie den Schutz anderer Pflanzen braucht, da sie in offener Vegetation erfrieren würde.
Plinius diente sie als Nahrung und im Tessin werden noch in der Jetztzeit die Triebe gegessen.



Artischocke

Die Artischocke aus der Familie der Korbblütler hat Blätter, die bis zu 60 cm lang und am Blattansatz bis zu 35 cm breit werden können. Die Pfahlwurzel der Pflanze wird bis zu 80 cm lang und auf Rasen wirkt dieser violette Langzeitblüher besonders schön.

Man sät Mitte bis Ende Februar in Töpfe, Ende März pflanzt man in größere um und ab Anfang Mai setzt die regelmäßige Düngung ein. Viel Wärme, mäße Feuchtigkeit sind wichtig, bis man die Pflanze Anfang Juni ins Freie setzen kann. Pflanzabstand einen Meter, dazwischen evtl. Kopfsalat setzen. Man kann Artischocken – wie ich es auch bei Kohlrabi mache – durch Abtrennen der Grundsprosse vermehren, so wachsen sie weiter – treiben neu aus.

Schon bei den Ägyptern war sie als Delikatesse beliebt und bekannt als „die Distel, die man essen kann“. Zu Unrecht sagte man ihr aphrodisierende Wirkung nach.

Gegessen werden die noch nicht geöffneten Blütenknospen, gekocht in Soßen getunkt und dann werden die Knospenschuppen ausgesagt. Die Blütenböden gelten als besonders schmackhaft.


 

Pfefferminze

Die Gattung Minze stammt aus der Familie der Lippenblütler und umfasst Stauden mit einem meist stark ausgeprägten Wurzelstock und sehr vielen Nebenwurzeln. Die viereckigen Stängel sind mit kurzen Haaren besetzt und die Blätter glatt oder behaart, an der Unterseite oft wollig, immer jedoch gezähnt und von graugrüner bis tiefgrüner Farbe.
Die Blüten stehen entweder in dichten Ähren, in achselständigen Scheinquirlen oder in kurzen, runden Blütenköpfen.

Die Urheimat war vermutlich der Ferne Osten, da die Pflanze bereits in den ältesten chinesischen Kräuterbüchern erwähnt ist. Aber auch in Ägypten hat es schon etwa 1200 Jahre vor Christi Geburt Minzenkulturen gegeben. Archäologen fanden in altägyptischen Gräbern Reste von Blumengewinden, in denen auch Pfefferminzblätter enthalten waren. Zur Zeit Karls des Großen waren in Europa bereits drei Minzarten bekannt und im Aberglauben spielte Minze eine Rolle als Liebeszauber.

Heutzutage werden Pfefferminztabletten, -bonbons, -tropfen, -liköre und –duftzerstäuber in großen Mengen verwendet.
Die Heilwirkung ist unbestritten: Äußerlich angewandt zur Schmerzstillung und zum Lösen von Krämpfen, innerlich gegen Gallensteinkoliken, Magen- und Darmkrämpfen, zum Lindern von Brechreiz und zum Beseitigen von nervösem Herzklopfen.

 

Arzneikürbis

Er ist in Mittel- und Südamerika beheimatet und wird schon seit vielen Jahrtausenden kultiviert und als Nahrungsmittel verwendet. Nach der Entdeckung Amerikas konnte der Kürbis auch hier eine zweite Heimat bekommen. Von O. Brunfels wurde er 1536 in Deutschland zuerst erwähnt und die Kürbissamen wurden im 17. Jahrhundert arzneilich verwendet. Damals war ein aus den unreifen Früchten gebranntes Wasser gut gegen hohes Fieber,  Augen- und Ohrenentzündungen sowie Kopfschmerzen und Gicht.
In Mexiko belegen fossile Funde, dass der Speisekürbis seit mindestens 8.000 Jahren vom Menschen geschätzt wird.

Diese einjährige liegende oder mit Ranken kletternde Pflanze gehört zur Familie der Kürbisgewächse und die Triebe können bis zu 10 Meter lang werden. Die Stängel sind kantig, behaart und die Blätter sind ebenfalls behaart. Auf einer Pflanze kommen männliche und weibliche Blüten vor. Die Frucht ist eine Beere, die oft einen Durchmesser von 40 cm und mehr hat, eine ledrige Schale und faseriges und festes Fleisch besitzt.

Vom Kürbis finden sowohl die nussig schmeckenden Samen, die sehr gesund sind, als auch das Fruchtfleisch, das die Vitamine A, C, E, Kalium, Magnesium, Kalzium, Folsäure sowie viele Ballaststoffe besitzt, in der Küche Verwendung. Ob roh oder geröstet, ganz oder zerkleinert, sind die Kürbiskerne eine delikate Verfeinerung für Salate, Suppen usw.
Das fette Öl, aus den Samen gepresst, ist äußerst gesund, schmeckt gut und wird vielseitig verwendet. Das Fleisch kann man süß-sauer einlegen, aber auch zu Suppen, Ragout, als Gemüsebeilage usw. verwenden.



Thymian

Viele Arten gibt es, die weit über den Erdball verbreitet sind. Man findet Thymian reichlich in Mittelmeergebieten, aber auch in Abessinien, Nordafrika und ebenso in Südgrönland.

Er ist ein 25 cm hoher Zwergstrauch, von denen es mittlerweile viele Züchtungen gibt.

Bereits Shakespeare erwähnte den wilden Thymian aus England und dieses Gewächs ist seit altersher bekannt. Sein altgriechischer Name Thymos findet sich schon in der fünfbändigen Arzneimittellehre, die der griechische Arzt Dioskurides im ersten Jahrhundert n. Chr. verfasste.

Es gibt in dieser Gattung Zierpflanzen ebenso wie Würz- und Heilpflanzen, die man nach Belieben in den Nutz-, Wohn- oder Steingarten setzen kann. In der Regel werden sie als Bodendecker angepflanzt, haben grünes, graugrünes oder gelbes und silbriggrün gefärbtes Laub. Dieses duftet würzig, entweder typisch nach Thymian oder auch nach Zitrone. Die Blütenfarben können rosa, rot, weiß oder helllila sein.

Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler.

 

Hopfen

Das Gewächs aus der Familie der Maulbeergewächse wird bereits seit dem Mittelalter in vielen Ländern kultiviert, zum Beispiel England, Deutschland und der ehemaligen Tschechoslowakei.

Wild wachsend findet man den Hopfen in feuchten Wäldern und an Waldrändern in ganz Mitteleuropa. Auch von Gartenfreunden wurde er bereits entdeckt.
Das beliebteste Getränk der Deutschen wäre ohne Hopfen nicht denkbar. Der weibliche Fruchtzapfen der Kletterpflanze liefert das wichtige Hopfenbitter oder Lupulin, das dem Bier den unnachahmlichen Geschmack gibt. Hopfenzapfen-Tee hilft zudem bei Magen- und Darmstörungen.

Der Gemeine Hopfen, eine rechtswindende Kletterpflanze, die eine Höhe bis zu acht Metern erreicht, schlingt sich gerne in Erlen, Weiden oder Pappeln und hat drei- bis fünflappige und grobgesägte Blätter. Weibliche und männliche Blüten wachsen nicht auf derselben Staude. Die Staubgefäßblüten hängen in Rispen, die bis zu 15 Zentimeter lang werden können. Die weiblichen Blüten bilden kurzstielige, kugelförmige Blüten, die sich später zu „Hopfenzapfen“ vergrößern. Diese duften stark und sind gelbgrün.

Es gibt verschiedene Arten und Gartenformen des Hopfens.

 

Gemeine Rosskastanie

Familie der Rosskastaniengewächse. Sie stammt aus Nordgriechenland und Bulgarien und ist wahrscheinlich durch die Türken im Mittelalter nach Mitteleuropa gekommen.

Schnellwüchsig wird der Baum bis zu 25 Meter hoch und beschattet gerne Biergärten. Der starke nach rechts drehwüchsige Stamm hat tief angesetzte knorrige Äste. Die senkrecht stehenden kegelförmigen Blütentrauben sind zunächst weißlichgelb und bekommen später rötliche Flecken. Die langstieligen, fünf- bis sechsfingrigen Blätter entwickeln sich aus glänzend-klebrigen Knospen. Die stacheligen, kugelförmigen Fruchtkapseln enthalten bis zu drei Früchte. Es gibt verschiedene Sorten, deren Blüten dann auch eine andere Farbe aufweisen.

Als Holzlieferant spielt dieser Baum keine Rolle, denn das Holz ist nicht fest genug und lässt sich nur als „Blindholz“ im Kisten- und Behälterbau verwenden.

Im Wald wird die Rosskastanie vom Förster geduldet, weil das Rotwild die Kastanien gern als Nahrung verspeist.

In den Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Rosskastanien gemahlen und zum Strecken von Mehl benutzt.

 

Fenchel

Die Heilkräfte des Fenchels haben bereits die alten Ägypter vor mehr als 4000 Jahren erkannt. Sie nutzten sowohl den aromatischen Samen, der auch heute noch für Hustentee verwendet wird, als auch die Wurzeln als Magenmedizin. Wirkstoffe dieser Medizin sind ätherische Öle, die – in kleinen Gaben – die Schleimhäute von Magen und Darm, aber auch die Bronchien anregen.

Durch erfolgreiches Züchten ist inzwischen vom Fenchel – aus der Familie der Doldenblütler – eine Gemüse-Kulturform entstanden, die roh als Salat und gedünstet oder gekocht als Gemüse vor allem in Südeuropa gerne verwendet wird.

Es gibt Gemüsefenchel, der 70 Zentimeter hoch wird und starke bis zu zwölf Zentimeter gekrümmte Knollen hat. Dabei handelt es sich um die Blattscheiden der Grundblätter, die wie zu einer Zwiebel verdickt sind.
 

Die eiförmigen Früchte des Gewürzfenchels werden acht Millimeter lang und schmecken süß und sehr aromatisch. Aber auch die langen Blattscheiden finden als Gewürz und Salat Verwendung. Diese Sorte wird ebenfalls 70 cm hoch.

Der Wilde Fenchel wird nur wegen der Samenfrüchte angebaut. Diese winterharte bis zu zwei Meter hohe Pflanze hat ein feines Laub, blüht mattgelb und man findet sie auch wild in der Natur. Der aromatische Samen wird auch von Vögeln geschätzt und dadurch häufig ungewollt ausgesät.

 

Efeu

Es wächst nahezu überall und ist eine immergrüne Kletterpflanze aus der Familie der Araliengewächse mit heilender Wirkung. Bereits Ärzte der Antike nutzten Efeublätter und Efeufrüchte als Schmerzmittel oder Salben, um Verbrennungen zu behandeln. Heute kommt ein Extrakt aus den gelappten Blättern des Efeus zum Einsatz.
Aber auch bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und akuten Entzündungen der Atemwege hilft diese Pflanze, ebenso bringt sie bei Keuchhusten Linderung.

Bei fröhlichen Geladen wanden sich die alten Griechen und Römer Efeukränze um die Stirn. Diese Pflanze galt ihnen als Symbol der Heiterkeit, der Freundschaft und Geselligkeit. Efeuranken lassen selbst ein düsteres Gemäuer freundlicher aussehen.

Es gibt viele Efeuarten, die sich in Wuchs und Aussehen unterscheiden.

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