Weihnachten 2004
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Meine Plätzchen-Rezepte - mit Fotos
Die Heiligen drei Könige
Weihnachtsgeschichten
Weihnachtszeit Verirrt Eine schöne Bescherung Das besondere Weihnachtsfest Weihnachtsplätzchen Weihnachtsgeschichte
In der Weihnachtsbäckerei, gibt es manche Leckerei
Zwischen Mehl und Milch, macht so mancher Knilch
eine riesengroße Kleckerei. In der WeihnachtsbäckereiWo ist das Rezept geblieben, von den Plätzchen, die wir lieben?
wer hat das Rezept - verschleppt?
Na, dann müssen wir es packen, einfach frei nach Schnauze backen
Schmeißt den Ofen an - ran!Brauchen wir nicht Schokolade, Zucker, Honig und Succade,
und ein bischen Zimt? das stimmt.
Butter, Mehl und Milch verrühren, zwischendurch einmal probieren
und dann kommt das Ei, vorbei.Bitte mal zur Seite treten, denn wir brauchen Platz zum kneten
Sind die Finger rein? Du Schwein!
Sind die Plätzchen, die wir stechen, erstmal auf den Ofenblechen,
warten wir gespannt - verbrannt!In der Weihnachtsbäckerei, gibt es manche Leckerei...
Bereits im November fangen die Weihnachtsvorbereitungen für mich an. Alle Rezepte werden geortet, es wird eingekauft und dann geht's los. Jedes Jahr werden Erinnerungen in mir geweckt:
An das Backen mit meiner Mutti, als ich noch klein war: Damals gab es ja nicht viel. Es wurde aus Mehl, Milch, einem Ei und Zucker, wenn vorhanden etwas Fett - oft Schweineschmalz - ein Teig hergestellt. Vati hatte aus Zinkblech Ausstechformen erstellt. Kreise, Dreiecke und Vierecke, in verschiedenen Größen. Für die runden Formen bastelte er sogar einen Griff in Art eines Henkels. Dieser wurde, wie die Formen selbst, zusammengeschweißt. Dann hat er diese Stellen abgeschliffen, damit sie schön glatt waren. Wenn ich meine Ausstechformen der "Neuzeit" aus der Dose entnehme, fallen mir die aus der damaligen Zeit in die Hände. Ich besitze sie noch immer. Warum weiß ich nicht. Kann sie einfach nicht wegwerfen, hatte er sich damals doch so viel Mühe gegeben. Mit diesem "Werkzeug" stachen wir unsere Plätzchen aus, die dann auf ein, auch selbst hergestelltes Bachblech gelegt wurden. Dieses wurde vorher mit einer Speckschwarte gefettet. Dann kamen diese Köstlichkeiten in den mit Holz geheizten kleinen gusseisernen Ofen.
Heute ist das viel einfacher. Und so werde ich auch dieses Jahr wieder anfangen und weitere Erinnerungen werden mich berühren. Nach vielen Lebensjahren habe ich mein System entwickelt, in welcher Reihenfolge bestimmte Plätzchensorten erstellt werden. Fange ich mit den Kokos- und Haselnussmakronen an, muss ich an die Schule denken. Wir hatten damals auch "Kochen und Backen" als Unterrichtsfach. Eben diese Sorten lernte ich dort kennen. Die Kokosmakronen erinnern mich an meinen Vati und den Schwiegervater, waren deren Lieblingsplätzchen. Erstelle ich dann den Teig der "Ausstecherle" und bin dabei, Sterne, Herzen und noch viel mehr Formen auszustechen, muss ich an meine Kinder denken. Dabei halfen sie immer gerne. Diese Plätzchen wurden, bevor sie in den Ofen kamen, mit Eigelb oder -weiß bestrichen. Bestreut haben die Kinder sie mit Hagel- oder buntem Zucker. Mein Lebkuchenrezept hat mir meine Schwiegermutter "geschenkt". Wenn es nun wieder ans Backen geht, werden wir oft davon reden, wenn wir sie im Pflegeheim besuchen. So ist fast jede Plätzchensorte für mich mit einer Erinnerung verbunden. Wie herrlich duftete das Gebäck, wenn es aus dem Ofen kam. Oft war die Enttäuschung groß, wurden manche der Plätzchen hinterher sehr fest. Ins Schlafzimmer stellen, bekam ich von meiner Schwiegermutter den Rat. Aber viel Platz war da nicht. Nun hatten wir einen etwas absurden Einfall. Die Plätzchen wurden wie eine Reliquie in eines unserer Gewächshäuschen getragen und dort, mit Tüchern abgedeckt auf die Regale gestellt. Oft schon nach ein paar Tagen hatten sie die gewünschte "Bissfeste". Natürlich musste Otto, mein Mann, jeden Tag danach sehen. War sehr wichtig. Nur wunderte ich mich, warum das Nachschauen so lange dauerte. Als wir die Köstlichkeiten dann ins Haus holten, um sie in Dosen zu verstauen, wunderte ich mich schon. Hatte ich so wenige gebacken??? Das Geheimnis lüftete sich bald: Es war die Weihnachtsmaus! Aber eine mit zwei Beinen!
Heidi Gotti
Weihnachtsvorbereitungen
So, ein großer Teil ist geschafft...
der Rest wird noch schnell vollbracht.
Hab noch keine Lösung gefunden,
jedem Tag fehlen ein paar Stunden.
Steh doch eh schon zeitig auf,
raus zum Haus im schnellen Lauf.
Komm ich nachmittags dann heim,
bin zum Glück ich nicht allein.
Schnell mach ich mich noch frisch,
schon steht das Essen auf dem Tisch.
Das war mein Mann, die gute Fee,
froh bin ich, wenn ich ihn seh.
Er fängt dann zu schmunzeln an,
schlepp ich meine "Arbeit" an.
Dann setz ich mich vor den "Kasten"
und hau ordentlich in die Tasten.
Oft hab ich dafür keine Zeit,
wenn auch ganz schnell ich schreib.
Dazwischen muss nach den Mails ich sehn,
Freunden zu antworten, ist so schön.
Kurz schau bei unserem Klub ich rein,
das muss einfach auch noch sein.
Ganz ernsthaft muss ich noch nachdenken,
was könnte ich meinen Freunden schenken.
Einfach etwas kaufen, das ist nicht schwer,
über was Eigenes freut sich doch jeder mehr.
Schnell hab ich was Passendes ausgedacht,
bei der Arbeit mein Herz schon lacht.
Ganz plötzlich ist vergangen die Zeit,
zum Abendessen mach ich mich bereit.Aber morgen hab ich endlich frei,
da geht es an die Weihnachtsbäckerei.
Mit Haselnuss- und Kokosmakronen fang ich an,
dann kommen Zimtsterne und Zitronenherzen dran.
Auch Spitzbuben und Ausstecherle dürfen nicht fehlen,
dazu den Tisch immer schön bemehlen.
Mandelbrezelchen, Lebkuchen und Zebragebäck
in mir werden Kindererinnerungen geweckt.
Dukatenplätzchen dabei sein müssen,
gefüllt mit Nusscreme und belegt mit Walnüssen.
Dann noch ein paar Butter-S,
ich bestimmt nicht vergess!
Schoko- und Zuckerguss, Hagelzucker und Marmelade,
sind mir zum Bestreichen und Füllen nicht zu schade.
Den Kindern besonders bunte Sachen
eine riesige Freude machen.Der erste Advent ist schon ganz nah,
schönes Reisig hab ich bereits da.
Einen Adventskranz möchte ich binden,
muss nur noch passende Kerzen finden.
Ein rotes Band wird drum gewunden,
ein paar Strohsterne daran gebunden.
Brennt dann die erste Kerze,
wird es mir warm ums Herze.
Weihnachten ist dann nicht mehr weit,
ich freu mich schon auf diese Zeit.
Heidi Gotti
Zu den Vorbereitungen für Weihnachten gehören die Geschenke. Auch der Speiseplan muss erstellt werden, damit man beizeiten einkaufen kann. Eine lange Liste ersteht da mit der Zeit, auf der auch der Kauf eines Baumes nicht fehlen darf. Nun sind wir beim Thema: Als junge Frau hatte ich jahrelang kurz vor Weihnachten einen seltsamen und sehr belastenden Traum, aus dem ich nachts schweißgebadet aufwachte.
"Ich war im Weihnachtsstress, sah mich mit Geschenken beladen durch die Straßen laufen. Lebensmittel fuhr ich in einem Einkaufswagen durch das Kaufhaus. Sah vor mir einen riesenlangen Zettel, der, sobald ich etwas gekauft hatte, länger wurde. Dann träumte ich vom Heiligen Abend. Ich stand in der Küche und kochte, packte Geschenke ein und... dann ging's ans Baumschmücken. Aber....es war kein Baum da, ich hatte vergessen, ihn zu kaufen. Schnell den Mantel an und ins Auto. Die Stellen, an denen Bäume verkauft wurden, waren uns hinreichend bekannt, waren wir doch Wochen vorher schon daran vorbei gestolpert. Aber nirgends war ein Baum, alles war weggeräumt, nur noch Tannenzweige und -nadeln lagen auf dem Boden. Es war der reinste Horror. Panikartig suchten wir die ganze Stadt ab und fanden nichts. Zu Hause holten wir eine Säge und fuhren in den Wald, um uns einen Baum zu 'besorgen'. Mitten bei der Arbeit stand der Förster vor uns und richtete sein Gewehr auf uns. Mir brach vor Angst der Schweiß aus und....davon wachte ich auf."
Zum Glück wurde dieser Traum nie Wirklichkeit. Die Enttäuschung der Kinder wäre riesengroß gewesen.
Heidi Gotti
Meine Kinder und das Warten auf das Christkind:
Bereits im Sommer, aber vor allem im Oktober, November waren meine Drei mit Feuereifer dabei, alles zu sammeln, was man zum Basteln brauchen kann. Zapfen, Eicheln, Kastanien, Bucheckerfrüchte - und Hüllen, alles was im Wald zu finden war.
Die Zapfen durften an einem warmen und luftigen Ort trocknen und öffneten sich. Einen Teil färbten die Kinder mit Gold- oder Silberfarbe. Mit einem Bändchen versehen, war es der schönste Christbaumschmuck.
Aus dem Rest wurden Zwerglein gebastelt. Aus Pappe schnitten wir kleine Kreise aus, die entweder bemalt wurden, oder beklebt mit einem schönen Papier. Darauf klebte man die Zapfen und ganz oben kam eine kleine Styroporkugel hin. Vorher wurden dort noch Augen, Nase und Mund aufgemalt. Mit Watte oder Wollresten erstellten wir Haare und Bart. Oder es wurde eine Mütze aufgeklebt. Sehr rustikal und hübsch. Keines glich dem anderen und das war schön. Manche wurden auch ohne Pappe gebastelt und konnten mit einem Faden aufgehängt werden.
Aus Eicheln und Kastanien wurden Männchen zusammen gefügt, auch Tiere stellten die Kinder daraus her. An eine Giraffe, mit einem sehr langen Hals, kann ich mich noch erinnern. Sie war aus Eicheln. Aber wir mussten sie auf eine kleine Holzplatte kleben, sonst wäre sie umgefallen, der Hals war viel zu lang. Das war ein Spaß.
Herrlichen Tischschmuck und schöne Geschenke kann man aus Bucheckerfrüchten und den Hüllen basteln. Die Fantasie setzt keine Grenzen.
Aus Haselnüssen entstanden winzigkleine Engelchen. Auf die Haselnuss wurde ein Gesichtchen aufgemalt und aus dünnem Goldfaden oben Haare aufgeklebt, die etwas länger waren. Ein Goldbändchen angeklebt und es war ein hübsches Etwas, das man nicht überall sah.
Die kleinen Basteleien, wurden mit einem Tannenzweiglein auf den Geschenkpäckchen befestigt und sagten aus, ich habe es für dich gemacht.
Walnüsse halbierten wir. Die Nüsse wurden verspeist oder für die Weihnachtsplätzchen verwendet. Die Schalen, klebten die Kinder sorgfältig wieder zusammen, vorher wurde noch ein Goldfaden als Aufhänger mit eingeklebt. Dann wurden diese Nüsse golden oder silbern angemalt.
Aus einer Gipsmasse wurden kleine Figuren geformt und hinterher angemalt. Ein Loch bohrten die Kinder, bevor diese Gebilde fest wurden. So konnte man einen Faden durchziehen. Aus einem billigen Teig stachen wir Sterne, Herzen, Vögelchen usw. aus. Nachdem auch diese trocken und hart waren, wurden auch sie bemalt. Anfangs hatten wir es versäumt, das Loch für den Aufhänger zu bohren. Als wir es nachholen wollten, zerbrachen unsere Kunstwerke. Später haben wir sofort einen festen Bindfaden mit einer dünnen Nadel durchgezogen.
Aus verschiedenen Folien wurden Sterne gefaltet. Silberne, goldene, rote, blaue und grüne Herrlichkeiten entstanden. Oft kombinierten wir verschiedene Farben. Aus kleinen Tütchen klebten wir Kugeln zusammen. Bunt oder einfarbig. Besonders schön waren sie in Gold oder Silber. Natürlich durften Bändchen zum Aufhängen nicht fehlen. Stroh hatten wir im Spätsommer schon gesammelt. Es wurde eingeweicht, aufgeschnitten und dann gebügelt. Daraus entstanden Sterne und andere Gebilde.
Aus den Resten dieser Alufolie und dem Stroh wurden Bilder zusammengeklebt.
Die Fantasie ließ oft eigenartige Werke entstehen.
Klar hatten wir auch Vorlagen, die Oma sorgte schon dafür und kaufte alle Heftchen, die zur Anregung und Vorlage dienten.
Natürlich nahmen wir nicht gleich alles in Angriff. Aber zwei- bis dreimal in der Woche wurde gebastelt, wie es Schule und Kindergarten erlaubten. Hinterher, nach dem Aufräumen, wurde alles noch einmal bewundert.
Es war eine herrliche Zeit. Jeden Abend vor dem Zubettgehen, zündeten wir ein Kerzlein an, später das aktuelle auf dem Adventskranz. Dann wurde eine kleine Geschichte oder ein Gedichtchen vorgelesen. Auch die Advents- und Weihnachtslieder übten wir schon. Besonders beliebt war ‚Schneeflöckchen...' und ‚Alle Jahre wieder'. Die Erinnerung daran ist mir noch allgegenwärtig.
Da Kinder im Winter nicht soviel im Freien sein können, spielte sich ein großer Teil in der Wohnung ab. Diese Zeit wurde genutzt. Die Anregungen kamen oft von meinen Dreien selbst. Wir könnten doch... und schon waren wir dabei.
Auch Weihnachtsgeschenke entstanden so. Mancher Blumentopf wurde mit Bucheckern, kleinen Steinchen, Muscheln, bunten Knöpfen, Sonnenblumenkernen usw. beklebt. Bilder konnte man herstellen, die besonders hübsch wirkten, wenn man verschiedene Samenkörner verwendete. Gräser machten sich besonders hübsch. Zu diesem Zweck hatten wir Sträuße mit den Köpfen nach unten aufgehängt und trocknen lassen. Aus Holz wurden schöne Dinge hergestellt, Steine wurden bemalt, und und....
In der Adventszeit erfreuten wir die Omas und Opas, sowie Tanten und Onkeln mit unseren Apfelmännchen. Im Garten waren zwei Apfelbäume, somit hatten wir Äpfel. Der Stängel schnell entfernt und dort eine Walnuss eingeklebt. Oben wurde der Nuss eine spitze rote Mütze aufgesetzt, natürlich wieder mit Klebstoff befestigt. Gleichzeitig konnte man die Watte oben damit befestigen. Dann wurden der Nuss Augen, Nase und Mund aufgemalt und ein großer Bart angeklebt, auch aus Watte. Dieser Bart musste ziemlich über den halben Apfel nach unten reichen. Auch als Mitbringsel bei Besuchen waren diese Männchen sehr begehrt.
Handarbeiten haben wir erstellt. Selbst die Buben übten sich im Stricken, Sticken, Knüpfen und Häkeln. Das war ein eifriges Arbeiten. Ängstlich war ich manchmal schon und dachte im stillen, hoffentlich beißen sie sich nicht die Zunge ab, wenn sie total versunken waren und es besonders gut machen wollten. Dann schlich sich so manche Zungenspitze aus dem Mund vor Eifer.
Aber das Schönste war unsere eigene Krippe. Wie gut, dass die Kinder auch Moos, kleine Steinchen, Rinde und Herbstblätter gesammelt hatten.
Ein besonders fester Pappkarton wurde als Stall präpariert. Dann angestrichen und beklebt mit Holzstücken, Moosen, Blättern und Zweigstückchen. Auch innen wurde er ‚naturgetreu' ausgestattet. Dann mussten Tiere her. Es gab so eine Art Gips, aus dem die Kinder diese Figuren formten. Nachdem sie ausgehärtet waren, wurden sie angemalt. Fell wurde aufgeklebt. Wie gut, dass ich, wenn ich was für die Kinder genäht oder gestrickt hatte, die Reste immer aufhob. Josef, Maria und das Christuskind entstanden, ebenso wie die Hirten und die drei Könige. Dabei vertieften wir die Weihnachtsgeschichte, denn das Wissen war wichtig. Hautnah erlebten wir die Herbergssuche, die Geburt des Christkindleins. Sprachen über die Hirten, die Heiligen drei Könige und den Stern. Englein mussten noch her, die doch singend im Stall verweilten, ebenso wie Licht, viel Licht. Dazu hatte Opa kleine Glühbirnchen an Batterien angeschlossen und wenn die Kinder den Stromkreis schlossen, leuchteten diese Lichtlein in den Ecken des Stalles.
Kleine selbstgebastelte Silbersternchen wurden auf dem Dach des Stalls und innen an den Wänden befestigt, ebenso wie kurze Lamettafäden, das glitzerte so schön.
Klar, dass ich oft sehr diplomatisch nachfragen musste, ob dies ein Ochs und das ein Esel sei... Aber am Schluss wussten wir es alle. Es waren schon Missgebilde, aber es war unsere Heilige Familie, einfach unsere Krippe.
Am schönsten waren die Adventssonntage, wenn die Kerze oder Kerzen am Kranz brannten. Heißer selbstgesammelter Kräutertee und Weihnachtsplätzchen. Ganz nah rückten wir zusammen. Waren wir auch alleine, ohne Papa, waren diese Stunden geprägt von einer einmaligen Gemeinsamkeit. Wieder wurde vorgelesen und gesungen. Es waren Erlebnisse, die uns niemand mehr nehmen kann.
Je näher das Fest rückte, umso aufgeregter wurden die Kinder. Es wurde noch eigenes Weihnachtspapier hergestellt. Opa hatte eine große Papierrolle geschenkt bekommen. Dieses Papier eignete sich vorzüglich. Man konnte es bemalen oder bekleben. Gut, dass wir die Reste Alufolie aufgehoben hatten. Sterne wurden ausgeschnitten, große, mittlere und kleine. Aufgeklebt sah es sehr hübsch aus. Viele Geheimnisse lagen in der Luft, was wird das Christkind wohl bringen? Es war auch schwer, nichts zu verraten von den eigenen Geschenken, war doch die Freude schon da: Wird es gefallen?Heidi Gotti
Die Kerze brennt.
Die Gedanken gehen zurück,
an Augenblicke voll Kinderglück.
Weihnachten liegt in der Luft
Bratapfel- und Glühweinduft.
In Tassen heißer Tee,
draußen weißer Schnee.
Weihnachtsplätzchen auf dem Tisch,
das Tannenreisig duftet so frisch.
Geschichten vorlesen und Lieder singen,
wie schön diese Adventsweisen klingen!
Die Gedanken schweifen lassen
beim Wunschzettel verfassen.
Die Ahnung an den "Heiligen Christ"
in uns wach geworden ist.
Es ist wie ein Traum,
vor uns der Christbaum,
die Geschenke darunter,
wie ein großes Wunder.
Die Erwartung wird übergroß!
Wie lange dauert es denn bloß?
Kinderträume werden wahr,
immer wieder Jahr für Jahr!
Heidi Gotti
Ich bin Knecht Ruprecht winterweiß,
mein Bart ist lauter Zapfeneis.
Vom Tannenwald weit komm ich her,
mein Sack ist hundert Zentner schwer.
Sind kleine Kinder hier im Haus,
dann schüttle ich meine Sachen aus:
Lebkuchen, Nüsse, Marzipan,
das schickt der Weihnachtsmann.
Seid ihr auch alle fromm und gut?
Ist keiner, der was Böses tut?
Denn für die Bösen, gebet acht,
hab ich die Rute mitgebracht!
Adolf Holst
Advent, Advent, zwei Kerzen brennen,
uns nur noch zwei Wochen trennen,
von der "Stillen, Heiligen Nacht"
in der Jesus wurd' zur Welt gebracht.
Noch können wir nicht ruhen und rasten,
müssen noch schnell rennen und hasten,
dass wir auch an alle denken,
mit den passenden Geschenken.
Es wird doch wohl auch wieder klappen
mit dem Weihnachts-Plätzchen backen?
Den Weihnachtsbaum nicht vergessen,
vorher die Größe richtig ausmessen.
Sonst passt er nicht ins Zimmer rein,
ist gar zu groß oder zu klein.
Vor allen Dingen nicht vergessen,
zu planen das Weihnachtsessen.
Dann durch die Geschäfte laufen,
um das Nötige hierfür zu kaufen.
Wir dürfen also noch nicht ruh'n,
haben noch jede Menge zu tun!Da es aber bis zum Heiligen Christ
doch noch eine ganze Weile ist,
wollen wir den zweiten Advent begrüßen
und bei Kerzenlicht genießen.
Uns gemütlich zurücklehnen,
und uns etwas Ruhe gönnen.
Die Augen einfach schließen,
an gute Tage denken und die miesen.Dabei fallen mir meine Freunde ein,
schön wäre es, jetzt beisammen zu sein!
Ich nehm' alle einfach in den Arm
in Gedanken wird es mir warm!
Es gibt nichts Schöneres im Leben,
als Freundschaften zu pflegen.
Bekommt man sie dann zurück,
ist es das größte Glück!
Heidi Gotti
Advent, Advent,
die dritte Kerze brennt!
Heute will ich beschließen,
diesen Tag zu genießen.
Schnell zünde ich die Kerzen an,
setz mich in den Sessel dann.
Eine Weihnachtsschallplatte hab ich aufgelegt,
dieses wunderschöne Lied mich so bewegt.
Leise fange ich an, zu singen,
Tränen über meine Wangen rinnen.
Ich denke an die Menschen auf der Welt,
die gar nichts haben, kein Gut, kein Geld.
Manche müssen auf der nackten Erde schlafen,
warum muss das Schicksal sie so strafen?
Der Hunger ist ihr "täglich Brot",
sie leiden entsetzliche Not.
Meine Plätzchen schmecken mir nicht mehr,
das Elend dieser Menschen rührt mich sehr.
Ich würde nicht ruh'n,
alles würde ich tun,
könnte ich diese Not lindern,
dieses Elend mindern.
Ich muss erkennen, dass ich machtlos bin,
ohne Geld kommt man dort nicht mal hin,
geschweige denn, den Hunger stillen,
da hilft nicht allein der eigene Willen.
Aber was bringt das nutzlose Klagen,
nach dem Warum beginn ich zu fragen.
Weil ich nicht mehr weiter weiß,
wird es in meinem Innern heiß.
Schnell lösch ich aus die Kerzen,
mit einem sehr traurigen Herzen.
Heidi GottiVIER KERZEN
Vier Kerzen brannten am Adventskranz,
so still,
dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen:Die erste Kerze seufzte und sagte:
"ICH HEISSE FRIEDEN.
MEIN LICHT LEUCHTET, ABER DIE MENSCHEN HALTEN KEINEN FRIEDEN."
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz...Die zweite Kerze flackerte und sagte:
"ICH HEISSE GLAUBEN,
ABER ICH BIN ÜBERFLÜSSIG.
DIE MENSCHEN WOLLEN VON GOTT NICHTS WISSEN.
ES HAT KEINEN SINN MEHR, DASS ICH BRENNE."Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus...
Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort:
"ICH HEISSE LIEBE.
ICH HABE KEINE KRAFT MEHR ZU BRENNEN.
DIE MENSCHEN STELLEN MICH AN DIE SEITE.
SIE SEHEN NUR SICH SELBST UND NICHT DIE ANDEREN,
DIE SIE LIEB HABEN SOLLEN."Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht...
Da kam ein Kind in das Zimmer.
Es schaute die Kerzen an und sagte:"ABER, IHR SOLLT DOCH BRENNEN - NICHT AUS SEIN !"
Und fast fing es an zu weinen...
Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort.
Sie sagte:"HABE KEINE ANGST!
SOLANGE ICH BRENNE, KÖNNEN WIR AUCH DIE ANDEREN KERZEN WIEDER ANZÜNDEN.
ICH HEISSE
HOFFNUNG !"Mit einem Streichholz nahm das Kind von dieser Kerze Licht
Und zündete die anderen Lichter wieder an.Die Flamme der Hoffnung sollte niemals in deinem Leben erlöschen...
...und jeder von uns sollte die Flammen:
des Friedens,
des Glaubens,
der Liebe
und der Hoffnung
aufrechterhalten.
Vierter Advent - eigene Verse
Es brennen vier Kerzen,
weit öffnen sich die Herzen,
in einigen Tagen ist es soweit,
es kommt die schönste Zeit.
Aller Kinder Traum
vom Weihnachtsbaum
wird wieder wahr,
wie jedes Jahr.Herrlich geschmückt,
er uns entzückt.
Mit bunten Kugeln und Lametta,
steht er vor unseren Augen da.
Nun singen wir die Weihnachtslieder,
"Stille Nacht" und "Alle Jahre wieder".
Aber es sind noch viele mehr,
sie aufzuzählen wäre schwer.
Es steht eine Krippe unter dem Baum
und ich habe einen seltsamen Traum:
An den Sinn des Festes muss ich denken,
es geht dabei ja nicht nur ums "Schenken".Maria und Josef kann ich seh'n,
sie auf Herbergssuche geh'n.
Sehr traurig kommen sie mir vor,
klopfen sie doch vergebens an Tür und Tor.
In einem Stall dürfen sie übernachten,
erstaunt die Tiere sie dort betrachten.
Marias schwere Stunde rückt heran
und zieht alle in ihren Bann.
In eine Krippe wird das Kind gelegt
mit Heu und Stroh schnell zugedeckt.
Die Glocken klingen,
Englein singen.
Den Hirten hat man es erzählt,
sie treffen ein vom nahen Feld.
Einen hellen Stern man am Himmel erblickt,
er die Heiligen Könige zum Kindlein schickt.
Es sind ihrer drei
und sie haben Geschenke dabei.
Vor dem Kind sie ehrfürchtig die Knie senken
und ihm Weihrauch, Myrren und Gold schenken.
Sie es dem Kind zu Füßen legen
und erhalten dafür Gottes Segen.
Das kleine Kind von Herzen lacht
und daran bin ich aufgewacht!Heidi Gotti
Gedanken übers Weihnachtsfest
Advent, Advent
Ein Lichtlein brennt.Es ist so weit
die WeihnachtszeitGutsle backen,
Nüsse knacken.
Schnell noch Geschenke kaufen
Nach dem Christbaum laufen
und immer wieder, immer wieder,
singen die schönen Weihnachtslieder
Der Weihnachtstag:
Die Gans brutzelt schon eine Weile im Ofen
sie wird wohl geraten, wollen wir hoffen.
Das Christbaum-Schmücken ist jetzt dran,
mit bunten Kugeln fangen wir an.
Oben eine schöne Spitze und Glöckchen dazu,
jetzt noch Lametta, so sind wir fertig im Nu.
Am Schluss noch echte Kerzen
es wird uns warm um die Herzen.Onkel Fritz ist schon da, hab ihn schon lang nicht mehr gesehn,
mit der Tante Emmi, ach ist das schön.
Gekommen ist auch mein Bäsle,
mit ihrem kessen Näsle.
Unsere Tochter hat ihren Freund mitgebracht,
ich mag ihn, weil er immer so nett lacht.
Der große Sohn hat unsere Enkel dabei,
auf die ich mich immer besonders freu.Weil Weihnachten ein Fest der Liebe ist,
sitzen wir wieder einmal alle um den Tisch.So, jetzt ist's soweit, der Tisch gedeckt im Nu,
zur Gans gibt's Knödl und Rotkraut dazu.
Für die Kinder einen Saft, für die Großen einen Wein,
auf setzt Euch hin und schenket schon ein.Der Vater ist gut aufgelegt,
die Kinder schon ganz aufgeregt.
Und jetzt hat's Christkindle gebimmelt,
und alles in die Wohnstube wimmelt.
Der Baum strahlt, die Kerzen brennen hell und rein,
so muss es am Weihnachtsabend sein.
Unterm Baum ist es voll von Geschenken,
Was ist wohl drin? Die Kinder denken.So jetzt gebet Acht
Wir singen "Stille Nacht".Seid still die Mutter liest die Weihnachtsgeschichte vor
von den Hirten und den Heil'gen drei Königen mit dem Mohr,
vom Josef, der Maria und dem Christuskind
wie's passiert ist, dass sie in den Stall kommen sind.
Auch von den Tieren und den Engeln hören die Kinder gern
und wie sie alle hergefunden haben durch den Stern.Und jetzt kommt für die Kinder das Wichtigste dran,
das Geschenke verteilen, packen wir's an.Jeder hat geguckt was das Christkindle hat gebracht
für ihn und die andern in der Heiligen Nacht.
Jetzt sind alle zufrieden und froh
so ist es richtig, es gehört sich so.Und so wünsch ich's Euch Allen am Weihnachtstag
nach der langen Vorbereitungs-Plag.Ein schönes Fest mit Frieden und Glück
Auf das man immer blickt mit Freude zurück.Heidi Gotti
Tief verschneit im Tannenwalde steht ein Bäumlein. Du siehst seine Äste kaum unter dem weißen Pelzmantel. Unter seinen Zweigen dicht am Stamm kauert ein Häslein. Sie reden miteinander. Das Bäumlein spricht: "Mir hat es etwas Schönes geträumt, oh, etwas Wunderschönes! Die Sternlein vom Himmel kamen herunter und setzten sich auf meine Zweige. Der Schnee schmolz hinweg, und grün stand ich da in meinem Sternenkleid. Das war schön! Lass mich wieder schlafen! Ich will's noch einmal träumen."
Männer kommen in den Wald. Sie stapfen mühsam durch den hohen Schnee und durch die verschneiten, stachligen Brombeergebüsche. Sie tragen Beile und Sägen in der Hand. "Den Kleinen da müssen wir auch nehmen", sagte der ältere Mann. Das Bäumlein ist aus dem schönen Traum erwacht. Es zittert am ganzen Leibe. Rau wird es angefasst. Nun geht's ans Sterben, denkt es. Eine Säge knarrt. Und die Männer schleppen das Bäumlein auf den Karren am Waldrand.
"Kinder, in zwei Wochen ist Weihnachten!", sagt die Mutter und bringt das Kuchenbrett und Mehl und Teig ins Zimmer. Die Kinder jubeln: "Schon in zwei Wochen, hurra!" Die Mutter knetet den Teig und walzt ihn zu breiten Fladen. Mit den Formen schneiden sie Figuren aus dem Teig: Sterne, Ringe, Hörnchen, Püppchen und allerlei. "So", sagt die Mutter, "jetzt macht die Augen zu!" Alle machen die Augen zu. Die Mutter hat ein Tannenzweiglein hereingebracht. Das hält sie ins Kerzenlicht. Es knistert und sprüht. Die Kinder merken etwas. Sie schnüffeln in der Luft umher. Es riecht nach Weihnachten!
O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit! Geheimnisse überall! Jedes hat etwas zu verstecken. Wenn die Mutter unerwartet ins Zimmer kommt, fahren die Kinder mit der Arbeit unter den Tisch oder rufen: "Mutter, du darfst nicht schauen!" Wenn der Briefträger läutet, will alles zur Tür rennen. Aber nichts da! Die Mutter sagt, es seien Geheimnisse. Wenn der Vater und die Mutter zusammen sprechen, fangen sie plötzlich an zu flüstern. Die Kinder spitzen die Ohren. Aber es sind Geheimnisse. Die darf man nicht wissen. Und gerade die wüsste man so gern. O ihr bösen, lieben Geheimnisse!
Was ist aus unserem Bäumlein geworden? Das ist auch ein Geheimnis. Es steht in einer Dachkammer, ganz allein unter Koffern und Kisten, zwischen einer alten Badewanne und einem verschossenen Lehnstuhl. Was soll es mit dem alten Gerümpel anfangen? Da ist niemand, der seine Sprache versteht. Und was soll der dumme viereckige Holzschuh, in den man es gesteckt hat? Ach, wäre es doch im Wald bei seinem lieben Häslein geblieben! Die Sterne sind auch weg; es sieht sie nie mehr.
Aber es hat sie doch wiedergesehen. Sein Traum hat sich erfüllt. Das war ein schöner Abend! Leise kam eine gute Frau in die Dachkammer herauf und holte das Bäumlein herunter ins große Zimmer. Dort wurde es auf den Tisch gestellt. Rote Äpfel und goldene Nüsse hängte die gute Frau an seine Zweige. Und dann wurde es hell und immer heller. Strahlende Lichter überall! Ein Glöcklein klingelte. Eine Tür sprang auf. Eine Kinderschar jubelte herein. In ihren Augen strahlten die Lichter vom Baume, und alle waren glücklich, groß und klein.
Aus meinem alten Schullesebuch (1945) von Otto von Greyerz
Verirrt
Es war Weihnachten, und Bernhard war .mit der Mutter zu Besuch beim Onkel in Heiddorf. An einem Nachmittag waren die Erwachsenen ins nächste Dorf gefahren, und Bernhard war allein. Er wollte sich draußen ein wenig umschauen. Der Schnee lag über einen Fuß hoch. Aber Bernhard machte es Vergnügen, tapfer durch den Schnee zu stapfen. So kam er immer weiter. Kein Mensch begegnete ihm. Das Land war wie ausgestorben; nur ein paar hungrige Krähen scheuchte er auf. Endlich merkte Bernhard, dass es Abend werden wollte.
Er blieb stehen und schaute über das weite Land. "Überall Schnee, nur in weiter Ferne war eine düstere Wand von Bäumen. Da fühlte sich der Knabe einsam und verlassen. Es wird ihm angst. Er macht kehrt und läuft, was er kann, um nach Hause zu kommen. Da fängt es stark zu schneien an. Er kann nicht mehr sehen, wo er gegangen war. Auf gut Glück rennt er geradeaus. Unter einer Birke macht er ein wenig halt, denn er ist ganz außer Atem gekommen. Er denkt: Die Birke habe ich doch' auf dem Herweg nicht gesehen! Er schaut sich nach allen Seiten um; aber der Schnee fällt so dicht, dass der Blick nur einige Schritte weit reicht.
Verwirrt eilt er weiter. Den Weg hat er verloren, er weiß nicht mehr, in welcher Richtung des Onkels Haus liegt.
Wenn er sich verirrt hat und nicht mehr heimkommt! Tränen hat er in den Augen. "Mutter!" ruft er, so laut er kann und sieht sich nach allen Seiten um. Alles bleibt totenstill. Noch einmal ruft er: "Mutter, komm doch!" Da - was war das? Klang da nicht ein Ton? Er lauschte. Nein, in dem Wehen des Windes ist nichts zu hören.
Er muss sich getäuscht haben. Doch da sieht er seitwärts einen schwarzen Punkt auf dem Schnee, der sich schnell bewegt. Der Punkt kommt näher, wird größer und deutlicher, und dann hört Bernhard lautes Bellen. Es ist ein Hund. Und der Hund kommt in leichten Sprüngen dicht heran, beriecht ihn und bellt und wedelt mit dem Schwanz. Da sah Bernhard, dass es sein Freund Leo, Onkels Hund, war. "Leo, nach Hause!" 'rief Bernhard. Da lief das Tier ein wenig voraus, aber nach einer ganz anderen Richtung, als Bernhard gegangen war.
Er folgte dem Hund, der bellend voraussprang. Dann sah er fern vor sich dunkle Bäume aufragen und einen Hausgiebel. Und er kam heim. Vor Freude weinte er. Wie gut war es doch' in der warmen Stube beim traulichen Licht der Lampe! Da war bald alle Angst vergessen, die ihn gepackt hatte. - draußen im Schnee.Aus meinem alten Schullesebuch (1945) von Heinrich Scharrelmann
Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: "Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte er sich, "und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich - und ich mich selbst am wenigsten."
So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.
Da klopfte ein Klümpchen Wachs an seine Tür und sagte: "Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab' dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!"
Da war der kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn."
Und wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten?!
Am Fenster stehe ich in der Nacht,
Flocken fallen vom Himmel sacht,
ganz zart und fein,
im Straßenlaternenschein.
Ganz plötzlich -
haben sie verändert sich!
Wie sie schweben um jedes Haus,
sehen sie wie kleine Engel aus.
Kommen sie von Gott,
der uns in der Not
seine Engel schickt,
die ich hier erblick???!!
Passiert es in der Nacht,
im Schlaf, denk ich nach?
Milliarden Engel, im Gepäck Gottes Segen,
sehe ich auf die Erde hernieder schweben.
Sie bringen uns Schutz bei Gefahr,
Liebe, wo seither Hass nur war.
Trost, wenn wir traurig sind
Gesundheit, wenn krank wir sind.
Sie sollen uns in Gottes Sinne lenken,
uns Güte, Milde und Weisheit schenken,
überall dort, wo es ist angebracht,
so ist es wohl von Gott gedacht.
Man muss sie nur sehen und erkennen,
dann werden sie sich unser annehmen.
Sie nehmen uns dann in Gottes Hand,
egal wo wir leben in welchem Land.
An alle Menschen muss ich denken,
möchte allen einen Engel schenken!
Heidi Gotti
Tochter des Waldes, du Lilienverwandte,
So lang von mir gesucht, Unbekannte,
Im fremden Kirchhof, öd und winterlich,
Zum erstenmal, o Schöne, find ich Dich!Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,
Ich weiß es nicht, noch wessen Grab du hütest;
Ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,
Ist's eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
Die wäre tödlich andrer Blumen Wonne,
Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
Himmlischer Kälte balsamsüßer Luft.In deines Busens goldner Fülle gründet
Ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;
So duftete, berührt von Engelshand,
Der benedeiten Mutter Brautgewand.Dich würden, mahnend an das heilge Leiden,
Fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden:
Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
Lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.
Eduard Möricke
Weiße Flocken fallen vom Himmel,
staunend betracht ich das Gewimmel.
Leise und sacht
sinkt die Pracht,
deckt alles zu
und die Natur kommt zur Ruh.
So will auch ich zur Ruhe geh'n,
um Morgen fröhlich aufzusteh'n.
Gute Nacht
Heidi Gotti
Das Winterwunder
Es bläst der Wind so bitterkalt,
wer stapft da durch den Winterwald,
mit eingezogenem Genick
und nach vorn gerichtetem Blick?
Tief verschneit der Tann,
soweit man sehen kann.
Schwer der Schritt,
langsam jeder Tritt.
Den Schlitten zieht die müde Hand,
mit Säcken gefüllt bis zum Rand!
Den Weg sieht man nicht,
im scheidenden Licht.
Es beginnt zu schnei'n,
Angst schleicht im Herz sich ein.
Kein Vöglein singt,
kein Rehlein springt.Auf einer Lichtung nun der Halt,
es schneit und ist sooo bitterkalt.
Seine Säcke packt er aus!
Ihr dachtet, es wär der Nikolaus?
Nein, weit gefehlt,
vom Förster hab ich erzählt.
Er ist heut auf besonderer Pirsch,
zu füttern Hase, Wildschwein, Reh und Hirsch.
Denn auch Tiere haben Hunger
erhoffen sich ein Winterwunder.Heidi Gotti
Novembergrau
Novembergrau...
kein Himmelsblau.
Düstere Gedanken,
setzen uns Schranken.
Die Zeit, wie sie rennt,
bald ist wieder Advent!
Hoffnung macht sich breit,
das Fest der Liebe nicht mehr weit!
Nun zündet an die Kerzen,
mit Hoffnung im Herzen!
Heidi Gotti
Im Tale sind die Blumen nun verblüht
und auf den Bergen liegt der erste Schnee.
Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht,
in Eis verwandelt ist der blaue See.Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit
und in des Winters Kälte angstvoll gehen,
könnt ich in aller tiefen Dunkelheit
nicht doch ein Licht in diesen Tagen sehn.Es leuchtet fern und sanft aus einem Land,
das einstens voll von solchen Lichtern war,
da ging ich fröhlich an der Mutter Hand
und trug in Zöpfen noch mein braunes Haar.Verändert hat die Welt sich hundertmal
in Auf und Ab - doch sieh, mein Lichtlein brennt!
Durch aller Jahre Mühen, Freud und Qual
leuchtet es hell und schön: Es ist Advent!
Hilde Fürstenberg
An Freunde und Menschen, muss ich denken,
die in einer neuen Heimat leben,
ihnen möchte ich diese Zeilen schenken
und ein Stück Erinnerung damit geben.Wisst Ihr noch?
Die Kalender: ein Türchen öffnen jeden Tag,
man es doch wirklich nie vergessen hat.Dann der erste Advent,
eine Kerze brennt.
Es wurden Plätzchen genascht,
gesungen und viel gelacht.
Gebastelt haben wir viele Sterne
und für den Tisch eine Laterne.
Gefertigt haben wir den Baumbehang,
die Zeit wurde uns dabei nie zu lang.Der zweite Advent,
die nächste Kerze brennt.
Die Zeit der Heimlichkeiten begann,
man über passende Geschenke nachsann.
Jeder hat dann intensiv nachgedacht,
es wurde ja alles noch selbst gemacht.
Ständig war man auf der Hut,
dass Mutter nicht "spicken" tut.
Die Überraschung wäre dann weg
das Geschenk verfehlte den Zweck.
Das war ein Geraschel und ein Flüstern,
dann wieder Ruhe und neues Wispern.Der dritte Advent, nun war's nicht mehr weit,
zum Fertigstellen der Sachen machte man sich bereit.Am vierten Advent, jetzt wurde es knapp,
denn die Geschenke wurden nun eingepackt.Dann rückte der Heilige Abend heran,
die Nacht davor man schon nicht mehr schlafen kann!
Die eingepackten Geschenke legte man bereit,
und vertrieb sich mit Spielen die Zeit.
Die Mutter war mit dem Kochen eingebunden,
aber der Vater war auf einmal verschwunden.
Schnell noch zogen wir an unseren Sonntagsstaat
dann auch schon das Glöcklein gebimmelt hat.
In die Stube stürmten wir mit großen Augen,
was wir da sahen, konnten wir nicht glauben,
das Christkind hatte doch tatsächlich unsere Sterne gefunden
und all das Selbstgebastelte auf dem Baum mit eingebunden.
Unterm Baum die Krippe ich noch seh,
verziert mit Watte, das war der Schnee.
Rinde und Holz holten wir im Wald
und gaben unserer Fantasie Gestalt.
Die Buben haben gefeilt und gesägt,
ihr Herzblut in das Werk gelegt.
Vater half mit Rat und Tat
es uns oft sehr geholfen hat.
Die Figuren wurden aus Holz geschnitzt,
ach, was haben wir dabei geschwitzt.
Angemalt haben wir sie dann,
damit man sie erkennen kann.
Mit dem Erkennen war es so eine Sache,
wenn ich dran denk, ich heut noch lache.
Aber wir wussten ja, wer was sein soll
und fanden es am Schluss einfach toll.Dann kam das Weihnachtslieder-Singen,
ich hör es noch in den Ohren klingen.
Text und auch Melodie
werde ich vergessen nie.
Nun hat man sich beeilt,
und die Geschenke verteilt.
Ach du liebe Zeit,
was hat Mutter sich gefreut!
Ich es erst heute so richtig fass,
warum ihre Augen waren so nass.
Dann ging die ganze Familie in die Messe,
auch das ich mein Leben lang nie vergesse.
Selbst die Tiere wurden in dieser Nacht
mit einem besonderen Futter bedacht.Diese Zeit hätte ich oft zurück so gern,
warum ist das "Heute" nur so weit davon entfernt?
Statt selbst basteln - kaufen,
hetzen, rennen und laufen!
Man sitzt auch nicht mehr bei den brennenden Kerzen,
wie kann man da Liebe tanken in die heutigen Herzen?
Auch das Weihnachtslieder-Singen wir nicht mehr kennen,
die Kinder können uns oft kein einziges Lied nennen.
Ich weiß selbst nicht, an was es liegen mag,
die Gedanken bescheren mir nur einen traurigen Tag.
Trotzdem mach ich mich für den Heiligen Abend bereit
und wünsche auch Euch eine besinnliche Zeit.
Heidi Gotti
Nicht, dass jedes Leid
dich verschonen möge,
noch dass dein zukünftiger Weg
stets Rosen trage,
keine bittere Träne
über deine Wangen komme
und kein Schmerz dich quäle -
dies alles wünsche ich dir nicht.Sondern:
Dass dankbar du allzeit bewahrst die Erinnerung an gute Tage.
Dass mutig du gehst durch Prüfungen,
auch wenn das Kreuz
auf deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht
der Hoffnung schwindet.Was ich dir wünsche:
Dass jede Gabe Gottes in dir wachse.
Und dass in Freud und Leid
das Lächeln des Mensch
gewordenen Gotteskindes
dich begleiten möge.
Bald ist es wieder soweit,
mit der Weihnachtszeit.
Möchte deshalb keine Zeit verlieren,
Euch einfach dorthin zu entführen.
Mit eigenem Hintergrund,
weihnachtlicher Musik,
möchte ich so manche Stund
Euch vermitteln das Glück.
Trockenes Wissen,
sollt Ihr nicht missen.
Fremde und eigene Geschichten,
werden überraschen, mit Gedichten.
Auch Lustiges darf nicht fehlen.
Habe selbst auch viel zu erzählen.
An Freunde will ich denken,
ihnen meine Rezepte schenken.
Denkt ihr dann beim Verspeisen an mich,
macht Ihr mich damit sehr glücklich!
Es ist einfach mein Fest als Kind,
das ich Euch hier nahe bring.
Ich hoffe, dass Euch Weihnachten gefällt
hier in meiner, in Gottis Welt.
Heidi Gotti
Weihnachten
von Ernst von WildenbruchEs tönt herüber weither, weither,
aus der endlosen Zeit, eine Wundermähr.
Wie ein Wipfelwehn, wie ein Lispeln süß
aus dem alten Garten, dem Paradies.
Ein Stern ging auf, wie kein Stern je war,
da wurde die Nacht, wie der Tag so klar.
Eine Stimme kam aus des Himmelhöhn,
selig die Augen, die solches seh'n,
selig das Ohr dem die Stimme erklingt,
selig alles was Odem trinkt.
Denn das Wunder, der Wunder geschah,
Gott wurde Mensch, Gott ist Euch nah!
Der sein Kleid sich webt aus dem Sonnengold,
den der Sternenmantel der Nacht umrollt.
Er stieg hernieder aus Macht und Gewalt,
nahm an des Menschen Leib und Gestalt,
um selber zu fühlen Leib und Geist,
was das Menschenleben auf Erden heißt.
Da wurde süß das bittre Blut,
alles was böse war, wurde gut.
Kein Hochmut war, kein Neid auf der Welt,
nicht mehr herrschte das schlimme Geld.
Das Herz des Menschen ging liebenden Schlag,
Der Mensch war glücklich, für nur einen Tag.
Vom Übel erlöst und vom Leid befreit,
das war Weihnacht die selige Zeit.
Weihnacht, du strahlender Weltenbaum,
Weihnacht, du sehnender Gottestraum
Verklungen die Mähr, der Stern ist verblasst,
Wiedergekommen sind Leid und Last.
Bosheit kam, Liebe entwich,
Hass und Neid in die Herzen schlich.
Giftig das Blut in den Adern der Welt,
rollend geht's um das rollende Geld.
Sehnsucht schleicht an die Tür und weint,
blickt und blickt ob kein Stern erscheint.
Sehnsucht steht schon viel hundert Jahr,
wartet und wartet noch immerdar.
Störet die heilige Sehnsucht nicht,
Gott versteht, was sie lautlos spricht.
Einmal erinnert vielleicht er sich noch
seiner Menschen und neigt sich doch,
einmal vielleicht noch im Weltenraum,
lässt er uns strahlen den Weltenbaum .
Sendet vielleicht uns vom Himmel her
einmal noch einmal die Wundermähr.
Friede auf Erden, Ende dem Hass.
Freude den Menschen ohn Unterlass.
Von Euch genommen ist Bosheit und Neid,
Zu Euch gekommen ist Glück ohne Leid.
Seligkeit, Seligkeit -
Weihnacht du selige Zeit.
Die Heinzelmännchen
Ob es sie wohl mal gegeben,
Mensch, das wär' ein tolles Leben
hab es dieses Jahr ungeniert,
wieder einmal ausprobiert.
Eingekauft! Ganz schnell
war alles zur Stell,
bezahlt in Euro,
Mann, war das ‚teuro'!
Alles stellte ich bereit,
legte mich schlafen, einige Zeit.
Männchen in Zipfelmützen,
seh' im Traum ich flitzen.
Plätzchenduft
liegt in der Luft.
Wohlig ausgestreckt,
werd' ich aufgeweckt.
Es läutet an der Tür,
wer will was von mir?
Die Zwerge sind es nicht,
es ist ein anderer Wicht!
Er mir was verkaufen will,
verneinend bleib ich lieber still.
In die Küch' ein schneller Blick,
es steht, wie ich es ließ zurück.
Die Arbeit lauert nur,
von Hilfe keine Spur.
Im Leben wird dir nichts geschenkt,
es kommt anders, als man denkt.
Selber mach ich mich jetzt dran,
bin stolz, dass ich es kann!
Heidi Gotti
Adventsgedanken
Ein grüner Kranz mit vier Kerzen,
warm strahlt das Licht in alle Herzen.
Advent, Advent, du schöne Zeit,
lässt vergessen manches Leid.
Hell die Glocken klingen,
vor dem gemeinsamen Singen.
Vertieft ins Gebet
die Gemeinde steht.
Die Kirche erstrahlt in hellem Licht,
ein Sonnenstrahl sich im Fenster bricht,
als ob ein Englein auf der Reise,
die Erde besuche, still und leise.
Ein Luftzug zart und fein,
jetzt muss es hier sein.
Man spürt den Friede,
man fühlt die Liebe.
Bleib doch in unserer Mitte,
das ist der Menschen Bitte!
Heidi Gotti
Aus dem Ofen zart und weich,
muss probieren ich sogleich.
Eine Weile später, o Schreck!
Sind sie nicht mehr zart,
sondern total hart!
Enttäuscht bring ich sie weg!Tage später, die Weihnachtsmaus
ist neugierig unterwegs im Haus!
Sie hat geknabbert hier,
hat gekostet dort,
schmunzelnd bringt sie mir,
ohne ein einzig Wort',
Plätzchen weich und zart
und mit Lob nicht spart!Diese Maus ist wohlbekannt,
in jedem Haus man sie fand!
Zum Kosten ist sie stets bereit,
immer um die Weihnachtszeit!
Bleib bei mir, in meinem Haus,
Ich liebe dich, du zweibeinige Maus!
Heidi Gotti
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war's, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kindergesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt ich im Vorübertreiben nicht.Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn' Unterlass;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh' meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfasste mich die Angst im Herzen so,
als säß' mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
Theodor Storm
Zweiter Advent 2004
Die Dämmerung senkt sich hernieder,
ich hör stimmungsvolle Adventslieder.
Die Kerzen leuchten in der Dunkelheit,
zum Nachdenken nun die schönste Zeit.
Als Kind hab ich einen Wunschzettel geschrieben,
wo ist diese herrliche unbeschwerte Zeit geblieben?
Uns Erwachsenen gebe ich den Rat,
setze dich hin, schreite zur Tat:Schreib deine Wünsche und Träume auf
schick' sie in den Himmel, zu ihm, hinauf.
Gott wird im Stillen,
so manche erfüllen.
Lass positive Gedanken,
niemals in dir wanken.
Du weißt ja, fällt dir was besonders schwer,
kommt von irgendwo ein Lichtlein her.
Hoffe immer,
glaube immer!
Hoffe auf Brot und Frieden in der Welt,
nur das für die Menschheit zählt.
Glaube an die Liebe
und dass sie erhalten bliebe.Das mögen unsere Gebete sein,
Freunde schließe dabei ein.
Heidi Gotti
Weihnachten
Ein Bäumlein grünt im tiefen Tann,
das kaum das Aug erspähen kann;
dort wohnt es in der Wildnis Schoß
und wird gar heimlich schmuck und groß.Der Jäger achtet nicht darauf,
das Reh springt ihm vorbei im Lauf;
die Sterne nur, die alles sehn,
erschauen auch das Bäumlein schön.Da, mitten in des Winters Graus,
erglänzt es fromm im Elternhaus!
Wer hat es hin mit einemal
getragen über Berg und Tal?Das hat der heilge Christ getan,
sieh dir nur recht das Bäumlein an!
Der unsichtbar heut eingekehrt,
hat manches Liebe dir beschert.
Martin Greif
Nikolaus
Jetzt geht Nikolaus,
wieder von Haus zu Haus.
Wenn er dann laut an die Türe klopft,
manch Kinderherz ganz ängstlich pocht.
Dann die Türe aufgeht,
er so übergroß dasteht,
in seinem Mantel so rot und dick,
im Gesicht einen finstern Blick,
mit der Rute in der Hand,
wird es den Kindern bang.
Die Augen werden riesengroß,
wenn er dann mit viel Getos,
in sein Büchlein,
schaut hinein.
Würden sich vor Schrecken,
am liebsten schnell verstecken.
Manchen Buben er schnappt,
steckt ihn flott in den Sack.
Mit der Rute dann ganz schnell,
klopft er auf die bekannte Stell.
Da die Mädchen brav gewesen,
ihm auch schön was vorgelesen,
sangen, aufsagten ein Gedicht,
muss er sie strafen nicht.
Einen Sack hat er dabei,
darin ist so Allerlei.
Jedes Kind darf sich was aussuchen,
Äpfel, Nüsse, Schokolade, Lebkuchen.
Auch kleine Geschenke er verteilt,
dann er noch einige Zeit hier verweilt.
So streng sieht er auch nicht mehr aus,
die Güte strahlt aus den Augen heraus.
Artig ihm die Kinder die Hand dann geben,
denn er muss schnell noch weiter streben.
Es warten ja noch viele Kinder,
an jedem Nikolaustag im Winter.
Heidi Gotti
Eine Gegenüberstellung:
Nikolaus......Mann oder Frau,
am Outfit sieht man es genau.
Er im Mantel dick und rund,
bei ihr tun sich da Kurven kund.
Die ....Läusin zeigt auch gerne Bein,
Der ....Laus lässt das doch lieber sein.
Grobe Stiefel hat der Mann,
sie hat süße Stiefletten an,
hat ein Hütchen auf dem Kopf
darunter einen frivolen Schopf.
Bei ihm, das man kann ja verstehn,
ist an der Riesenmütze nur Pelz zu sehn.
Kommt er rein, er brummt und tobt,
sie dagegen schnurrt und lobt.
Wenn sie noch lustig und verschmitzt,
er schon unter der Montur dann schwitzt.
Die Weidenrute den Nikolaus prägt,
die ....Läusin ihn mehr zur Zierde trägt.
Deshalb:
Für die Buben klein,
sollte ER es sein!
Den Jungs, den großen und reifen,
würde SIE viel mehr Freude bereiten.
Darum hör ich es schon tönen:
Jedem Kind sein Luftballönchen!!!!
Heidi Gotti
... und immer in den Tagen vor Weihnachten , erzählte uns Großmutter Ihre Geschichte aus längst vergangenen Tagen, als sie noch ein Mädchen war...
Die kleine Versetzerin
Mütterchen weint und Kindlein lacht,
und droben funkelt der Stern der Nacht
blicket so freundlich, als wollte er sagen:
Armer, hör' auf zu weinen, zu klagen
auch die Nacht hat ja ihr Sternenlicht
und Gott verlässt die Seinen nicht.
Mütterchen weint und Kindlein lacht,
dieweil es dem Püppchen ein Hütchen macht.
Springt dann zum Mütterchen hin und spricht:
"Ach, schau und freu dich und weine nicht,
gib mir und meinem Püppchen nun die Jause,
damit wir uns gütlich tun. Ein Stückchen Brot nur."
Da weint noch mehr das Mütterchen,
denn der Kasten Brot ist leer."Mein Kind, mein Kind, mein liebliches Kind
und wenn ich die Augen mir weine blind,
ich habe nichts mehr ins Leihhaus zu tragen
und morgen wird man vom Häuschen uns jagen."Drauf senkt die Arme das Haupt auf ihr Kissen,
das Kind, es schlummert zu ihren Füßen.
Bleich, hungrig, es lacht nicht wie eh,
denn ach, der Hunger tut gar so weh.Die Glocke verkündet den kommenden Tag
und mit dem zehnten Glockenschlag
tummeln im Leihhaus bunt herum
viel blasse Gestalten, traurig und stumm.
Das Elend, die Not, die Schuld wohl auch,
sie setzen ihr Gut ein nach altem Brauch.Und hinter dem Schranke steht ein Mann,
man sieht ihm den Ernst des Lebens an.
Sein Antlitz ist hart, starr ist sein Blick,
barsch weist der die drängende Menge zurück:
"Geduld, nur warten, 's kommt jeder dran,
die Ordnung ruft immer nur Mann um Mann."Drauf nimmt er prüfend Bund um Bund
und schätzt das Versatzstück mit ernstem Mund.
Er ruft den nächsten mit rauhem Wort
und schickt den andern zur Kassa fort.Doch horch, was tönt da so zart und fein:
"Ach lieber Herr, darf ich jetzt herein?"
Der Taxator blickt auf. "Beim Himmel,
da drängt sich ein Kind durch 's bunte Gewimmel.
Was willst du, Kleine?"
"Ach Herr, versetzen."
"Was, brauchst wohl Mandeln und Zuckerbrötchen,
Pastetchen, Törtchen und Studentenfutter?"
"Ach nein, lieber Herr, nur Brot für die Mutter."
"Was, Brot, ei lass dein Versatzstück sehn!"
Dem Kind jetzt die Äugelein übergehn.
Es kann nicht sprechen, es wickelt bloß
aus dem Schürzenchen sein Ännchen, die Puppe
und reicht sie dem Herrn Taxator hinauf
und Tränlein um Tränlein perlt darauf.
dann lispelt die Kleine: "Bitt', bitt' lieber Herr,
leiht einen Gulden auf 's Püppchen her."Dem eisernen Mann, der gewohnt zu befehln
will jetzt eine Träne aus dem Auge sich stehln.
Stumm steht er, stumm lauscht die wogende Menge
es wird ja gar vielen im Herzen zu enge.
Mit tiefbewegter Stimme der Taxator drauf spricht:
"Mein Kind, die Puppe nehme ich nicht.
Behalte dein Ännchen und bleibe ein Engel an Seele und Leibe.
Ich will für dich sorgen, du liebliches Kind,
das melde der weinenden Mutter geschwind."Da tönet ein Jubel durch 's ganze Haus
und viele geleiten das Kind hinaus
und bringen Gaben der Mutter dar,
die, seit sie lebte, so reich nicht war.???
Habe ich von einer lieben Freundin aus Wien bekommen
Weihnacht, herrliche Weihnacht,
du hast uns stets Glück gebracht.
Du bringst Liebe in das Land,
für ein festes Freundschaftsband!Weihnacht, liebliche Weihnacht!
Jedes Kinderherzchen lacht,
doch das kleine Christkindlein,
grüßen wir recht lieb und fein!Weihnacht, selige Weihnacht,
mit dem Bäumchen voller Pracht!
Lasst uns beten noch geschwind -
Für uns, und das Jesukind!
Heidi Gotti
Weihnachten wird es wie jedes Jahr
Ihr wisst es schon, Ihr lieben Leut,
schon wieder droht die Weihnachtszeit.
Der Mann, die Oma, Mädchen, Knaben,
sie alle wolln Geschenke haben.Wie jedes Jahr, so ist´s auch heuer,
die Sachen, die sind viel zu teuer.
Man hat sie schon, man braucht sie nicht ---
ein jeder kennt ja diese Gschicht.Eine goldene Uhr, ein Garten mit Haus,
einen Rassehund, beim Sacher ein Schmaus.
Ein Urlaub in der Karibik, ein Wagen, ein neuer!
Wer kann sich das leisten, das ist viel zu teuer!Ein Handy, ein Radio, einen Taschenkalender,
Zahnbürsten, Patschen, einen Seifenspender,
Bücher, Videos, Taschen aus Leder,
Wer braucht das noch, hat schon jeder!Briefpapier, Tagebuch, eine Schreibmaschin,
ein Schachterl aus Holz mit Glasmurmeln drin.
Unterhosen, Socken in Braun oder Grau
das wünscht sich keiner, ich weiss es genau!Die Stunden, die wir nach Geschenken suchen,
über Menschenmassen und Preisen fluchen,
könnten wir mit unseren Lieben verbringen,
im Kerzenlicht ein paar Lieder singen
und statt sinnlose Dinge zu verschenken,
mit mehr Liebe aneinander denken!Von einer Mail-Freundin aus Wien
Beim Christbaumschmücken
An Heiligabend schmücke ich unsern Baum,
es ist jedes Jahr wie ein besonderer Traum.
Seit Jahren sollt neuer Schmuck schon her,
wenn, ja wenn, die Erinnerung nicht wär.Mit den Kugeln silber, rot und lila,
ist sie übermächtig da.
Die lila noch von meiner Oma sind,
damals war ich noch ein Kind.
Sie war schon in betagten Jahren,
mit ganz weißen Haaren.
Etwas rundlich,
sehr gemütlich,
sehe ich sie vor mir.
Ich ging gern zu ihr.
Mochte ich sie auch noch so plagen,
keinen Wunsch konnt sie mir abschlagen.
Weihnacht, was hat sie uns verwöhnt,
uns dieses Fest immer verschönt.
Ein unvergesslich schöner Tag,
ich ihn so niemals mehr erlebt hab.Mit den roten Kugeln und dem Lametta,
sind ganz andere Bilder plötzlich da.
Meine Mutter kann ich sehn,
viel zu bald musst sie von mir gehn.
Vom Krieg waren wir alle geprägt,
es hat sich ein Leben lang nicht gelegt.
Meine Kindheit behütet war,
von klein auf bis in die älteren Jahr.
Ich seh Mutti vor mir, schmal und klein,
damals dacht ich, es muss wohl so sein.
Es war die Sorge, weiß ich heut,
hab manches schon oft bereut,
wenn ich sie geärgert hab
zusätzlich zu des Tages Plag.
Diese Zeit kommt nie mehr zurück,
deshalb ich nun weiter blick.Wenn ich nun auf mich schau,
als noch sehr junge Frau,
mit drei Kindern war bei mir einiges los,
an Weihnachten viel Spaß und Getos.
Es wurd gesungen und gelesen
jedes Jahr ist das so gewesen.
Schon im Advent haben wir begonnen
und über dieses Fest nachgesonnen.
Nun sind sie groß und aus dem Haus,
Weihnachten sieht jetzt ganz anders aus.
Es läuft ab nun ohne großes Getue,
mit meinem Mann genieße ich die Ruhe.
Gemeinsam zu feiern ist so schön,
ich glaube, das wird jeder verstehn.Ja, wie bald ist Weihnachten vorbei
ich mich dann auf Silvester freu!
Heidi Gotti
Oh, du schöner Tannenbaum,
du bist lieblich wie ein Traum!
Herrlich ist dein glitzerndes Kleid,
du warst nie so schön, wie heut!
Und deine farbigen Lichter
erhellen viele Gesichter!Staunend stehn vor dir die Kleinen,
haben keine Lust zum Weinen -
aus den Augen leuchtet das Glück,
rührend ist dieser Augenblick!
Tief beeindruckt von all der Pracht
dieser schönen, heiligen Nacht!Sie macht unsere Herzen weich,
beim Christbaum sind wir alle gleich.
Feuchte Augen hat die Mutter,
Vater, und auch Großmutter.
Es liegt ein Zauber in der Luft,
es wirkt auf uns der feine Duft!Es gibt bei deinem Lichterschein
ein friedliches Beisammensein.
Manch freundlicher Blick wird getauscht
nach süßen Klängen wird gelauscht,
gedämpfter spielt das Grammofon -
viel herzlicher klingt jeder Ton.
Heidi Gotti
Die Sternsinger stellen sich vor
als Kaspar, Balthasar und Melchior.
Dass sie für die drei Erdteile standen,
wird auch noch heute so verstanden:
Afrika, Europa und Asien,
so ist auch ihr Aussehn
Kaspar der schwarze,
Melchior der weiße
Balthasar der gelbe König.
Für das Jünglings-, Mannes- und Greisenalter stehen sie auch,
so ist es selbst heute noch bekannt und Brauch.
Dass diese Erdteile auch nicht gleich alt sind,
lernten wir schon in der Schule als Kind.
Weihrauch, Myrrhen und Gold, die kostbarsten Gaben,
der damaligen Zeit, sie dem Kinde geschenkt haben.
20 C+M+B 04 schreiben die Sternsinger an die Tür,
mit geweihter Kreide und das steht für:
Christus segnet dieses Haus
Drei Kreuze stehen für die Dreifaltigkeit,
das war in früherer Zeit,
Schutz gegen Zauberei und Krankheiten,
mit dem Weihwasser sie die Felder weihten.
Die Sternsinger sammeln für Menschen in tiefer Not,
damit sie auch bekommen ihr tägliches Brot.
Schön, dass es noch Kinder gibt, in der heutigen Zeit,
die für dieses Brauchtum stehen bereit.
Sie tun mit dem gesammelten Geld,
viel Gutes auf der gesamten Welt.
Heidi Gotti
"Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern",
das Lied sang ich früher in der Schule so gern.
Im alten Liederbuch kann ich sie sehn,
wie sie vor dem Jesuskindlein stehn.
Aus dem fernen Morgenland sie kommen
haben für das Kind Geschenke mitgenommen.
Stirnband, Krone, Turban ihr Haupt schmücken,
prächtige Gewänder ihren Reichtum ausdrücken.
Gold, Weihrauch und Myrrhen halten sie in Händen,
um es dem Christuskinde zu schenken.Der erste:
Ich schenke Dir das rote Gold
und bitt Dich, bleib mir hold,
schließ mich ein in Deine Huld,
vergib mir alle meine Schuld.Der zweite:
Ich schenke Dir den Weihrauch mein
und bitt, Du wollst mir gnädig sein.Der dritte:
Ich schenke Dir den bittren Myrrhen,
wie's Deiner Menschheit tut gebühren.Ihre weltlichen Dinge sie dem Kinde geben,
und bitten um ganz andere Werte fürs Leben.
Sie bitten um Gnade und Huld
und um Vergebung Ihrer Schuld.Heidi Gotti
Ägypten: Weihnachten am 7. Januar
In Ägypten stehen rund 70 Millionen Muslime 10 Millionen koptischen Christen gegenüber. Ein Verhältnis voller Spannungen, nicht zuletzt deshalb, weil die Christen in ihrer Mehrheit besser gebildet sind. Natürlich feiern die Christen im Land die Geburt Jesu in ihren Kirchen. Allerdings erst am 7. Januar, der unterschiedlichen Zeitrechnung wegen.
Ägyptische Christen fasten in den 43 Tagen vor Heiligabend. Das heißt: sie ernähren sich rein vegetarisch. Erst nach Mitternacht fangen sie wieder an, auch Fleisch zu essen. Was die Kleiderordnung angeht, so müssen zumindest die Kinder zu Weihnachten mit neuen Sachen ausgestattet werden.Südafrika: Weihnachten am Strand
Während Mitteleuropäer Weihnachten mit Schnee, beschlagenen Scheiben und heimeliger Ofenwärme verbinden, verbringen Südafrikaner die Feiertage nicht selten am Strand. Doch trotz Badewetter, ganz auf weihnachtliches Ambiente verzichten auch sie nicht. So sind zum Beispiel auch am Kap die Fenster mit glitzernden Stoffen, Wolle und Goldfolie verziert.
Für die Urbevölkerung ist Weihnachten ein karneval-ähnliches Fest. Gutes Essen sowie singende und tanzende Menschen vermitteln den Eindruck ausgelassener Fröhlichkeit.
Etwas besinnlicher begeht der Englisch sprechende Teil der Bevölkerung die Festtage. Die Kinder hängen ihre Strümpfe auf, in der Hoffnung, der Weihnachtsmann möge diese mit vielen Geschenken füllen.
Sängergruppen machen die Runde und singen bei Kerzenlicht Weihnachtslieder. Andere stellen einem alten Brauch folgend pantomimisch Weihnachtsgeschichten dar, wovon sich vor allem die Kleinen ergriffen zeigen. Am 26. Dezember, dem "Boxing Day" werden Kisten mit Essen und Geschenken an die Armen verteilt.Kenia: Ziege als Festschmaus
An Heiligabend kommt die Familie zu einem großen Festmahl zusammen. Danach wieder aufzuräumen ist Sache der Kinder. Auch für die Dekoration des Hauses ist der Nachwuchs zuständig.
Am 25. Dezember wird traditionell eine Ziege geschlachtet und deren Fleisch unter den Familienmitgliedern aufgeteilt. Anschließend gehen die Kenianer von Haus zu Haus und wünschen sich gegenseitig frohe Weihnachten, bevor bis in den Morgen hinein getanzt und gesungen wird.Nigeria: Scharfes Gemüse
Christen in Nigeria verzichteten lange darauf, sich gegenseitig zu beschenken, jedenfalls nicht nach westlichem Verständnis. In Nigeria gaben zu Weihnachten die Reichen den Armen. Allerdings gerät dieser Brauch immer mehr in Vergessenheit.
Weihnachten insgesamt wird je nach Region sehr unterschiedlich gefeiert. Freilich kommen auch in Nigeria an Weihnachten die Familien zusammen, die teilweise aus Muslimen und aus Christen bestehen. Zu essen gibt's häufig "Iyan", eine Art Gemüseeintopf, nicht zu knapp mit Chilli gewürzt.
Argentinien: Stiefel an der Haustür
Am Anfang der Festivitäten in Argentinien steht der gemeinsame Kirchgang. Vorher werden die Häuser mit roten und weißen Girlanden geschmückt, am Christbaum bunte Lichter und Ornamente aufgehangen und an der Haustür die Stiefel des Weihnachtsmannes angebracht.
Zurück vom Gottesdienst, kommt die Familie zum festlichen Abendessen zusammen. Dabei werden Schweinefleisch, Truthahn, überbackene Tomaten, Pasteten und eine Vielzahl weiterer landestypischer Leckereien gereicht. Um Mitternacht folgt ein feierlicher Toast, bei dem sich alle mit einer Art Bowle aus Fruchtstücken, Saft und Apfelwein zuprosten. Danach gehen die Erwachsenen zum Tanzen oder zum Spielen über.
Die Jugendlichen dagegen strömen auf die Straße, um das große Feuerwerk an Heiligabend zu bewundern. Und die Geschenke werden erst ganz spät, kurz vor dem Schlafengehen ausgepackt.
Die Bevölkerung Argentiniens ist zu 92 Prozent katholischen Glaubens.Brasilien: Nikolaus kommt per Helikopter
Mit einem extrovertierten Auftritt läutet der Nikolaus in Brasilien die Weihnachtszeit ein. Jedes Jahr lässt er sich von einem Helikopter im Maracana-Stadion absetzen, dem größten Fußballstadion der Welt mit 205.000 Plätzen. Drumherum gibt's eine Riesenfete mit Showeinlagen und feierlichen Ansprachen.
Fast 90 Prozent der brasilianischen Bevölkerung sind katholischen Glaubens. Weihnachtsspiele, in denen die Nacht von Bethlehem nachgestellt wird, sind weit verbreitet und werden in Kirchen, Schulen und anderen öffentlichen Plätzen dargeboten. Als Weihnachtsbäume werden häufig Pinien, aber auch Palmen verwendet.
Die Bescherung erfolgt nach Mitternacht, wenn die Heilige Messe vorüber ist.USA: Santa Claus und Xmas
Verglichen mit europäischen Maßstäben, neigen Amerikaner nicht selten zum Überschwang. Und so reizt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten dieselben auch zu Weihnachten voll aus: prachtvoll illuminierte Geschäfte und aufwendig dekorierte Schaufenster buhlen in einem Ausmaß um Konsumenten, wie es wohl nur in "Gods own country" anzutreffen ist - Weihnachtszeit ist Businesszeit.
Der amerikanische Weihnachtsgruß "Happy Xmas" ist übrigens keine Verkürzung aus Zeitnot. Mit dem "X" beginnt die griechische Schreibweise von Christus. Die Redewendung hat also christlichen Ursprung. Die Größe des Landes und die Herkunft der Einwohner hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Weihnachtsbräuche in den Vereinigten Staaten. Vor allem die englischen Einflüsse sind kaum zu übersehen.
Aber auch die klimatischen Unterschiede des riesigen Landes drückten dem amerikanischen Weihnachtsbrauchtum ihren Stempel auf. Für die Bewohner der nördlichen Landesteile ist die Weihnachtszeit mit unberührten Schneelandschaften verbunden. Dagegen kennt so manch Amerikaner im Süden Schnee nur mehr durch Filme.
Für die stillen Sehnsüchte dieser Menschen hat Irving Berlin (*1888 - †1989) versucht, die winterliche Stimmung musikalisch festzuhalten. "White Christmas" ist neben dem österreichischen "Stille Nacht" das bekannteste Weihnachtslied. 1941 wurde die Komposition von Irving Berlin uraufgeführt. Mehr als 30 Millionen Schallplatten wurden allein mit der Fassung von Bing Crosby (vom 29.05.1942) veräußert. Auf mehr als 200 Millionen verkaufte Singles verweist das Guinness Buch.
Die scheinbar grenzenlosen Budgets in Hollywood haben die schönsten Weihnachtsfilme entstehen lassen. "Schöne Bescherung" mit Chevy Chase, "Santa Claus" mit Dudley Moore, "Und den Weihnachtsmann gibt's doch" mit Charles Bronson, seien stellvertretend für alle Richtungen genannt. Zu den besinnlichsten Filmen zählt "Ist das Leben nicht schön" mit James Stewart und Donna Reed. Seit 1947 erklingt nun immer ein Glöckchen, wenn ein Engel sich seine Flügel verdient hat.
An "Christmas Eve" hängen die Amerikaner festlich verzierte Strümpfe an den Kamin. Santa Claus bringt in der Nacht die Geschenke. In der New Yorker Hektik kommt es vor, dass er vom herkömmlichen Rentierschlitten auf das "Santa Mobil" umsteigt!Kanada: Mix der Bräuche
Das Weihnachtsfest in Kanada hat viele Gesichter. In den meisten Haushalten unterscheidet es sich nur in Nuancen von dem in den USA. Vielerorts werden aber auch noch die Sitten und Gebräuche der Einwanderer aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland gepflegt. Und natürlich existieren ferner spezielle Eigenheiten, mit denen die Ureinwohner das Weihnachtsfest begehen.
So veranstalten die Eskimos in einigen Provinzen regelrechte Winterfestivals, bei denen nicht nur Geschenke überreicht werden, sondern wie auf einer Party auch viel getanzt und gesungen wird. In Labrador werden während der sommerlichen Ernte, Rüben zur Seite gelegt, um sie Monate später ausgehöhlt und mit einem Kerzenlicht versehen den Kindern zu schenken -- ein Stück Halloween zur Weihnachtszeit.
An die Kolonialzeit erinnert dagegen ein Brauch in Neuschottland. Dort singt die Bevölkerung zu Weihnachten immer noch die gleichen Lieder, die ihre Vorfahren vor 200 Jahren aus dem schottischen Hochland mitgebracht haben. Bei der Carolship Parade in Vancouver gleiten lichtergeschmückte Schiffe übers Wasser. Einen unvergleichlichen Anblick bieten zu Weihnachten die Niagara-Fälle in Ontario, wenn sich das Licht von Tausenden Lampen in den tosenden Wassermassen bricht. Und in Winnipeg, der Weihnachtshauptstadt Kanadas, warten sage und schreibe eine Million Weihnachtsbäume auf Abnehmer.Mexiko: Die Nacht der Radieschen
Ein ungewöhnlich anmutender Weihnachtsbrauch ist das Radieschenfest in der mexikanischen Stadt Oaxaca. Das Fest findet jedes Jahr am 23. Dezember statt und erinnert an die Einführung dieser Gemüsesorte durch die spanischen Kolonialherren Mitte des 18. Jahrhunderts.
Dabei haben die mexikanischen Radieschen von heute nicht mehr viel gemein mit den kleinen roten Scharfmachern, die die Spanier einst nach Mittelamerika mitbrachten. Die mexikanischen Klone werden nahezu kartoffelgroß und bedingt durch den steinigen Untergrund, auf dem sie wachsen, nehmen sie mitunter bizarre Formen an, was offenbar die künstliche Ader der Mexikaner anspricht. Jedes Jahr in der Adventszeit schnitzen sie aus den Radieschen Maria, Josef, Kaspar und andere Krippenfiguren. Die besten Arbeiten werden prämiert, bevor die "Nacht der Radieschen" von einem großen Feuerwerk erleuchtet wird.
Fester Bestandteil der mexikanischen Weihnachtszeit sind die "Psadas". Das sind farbenfrohe Umzüge, bei den Maria und Josefs Suche nach einer Herberge nachgestellt wird. Für die Kinder gibt es die "Pinatas", neun geschmückte Tongefäße, die nach der Messe an Schnüren von der Kirchendecke herabgelassen werden.
In den Gefäßen verbergen sich Früchte und Süßigkeiten. Mit verbundenen Augen dürfen die Besucher des Gottesdienstes die Pinatas zerschlagen und - so sie Glück haben - deren Inhalt aufessen. Sie haben aber nur drei Versuche, die Pinatas mit einem Stock zu treffen. Zuerst kommen die Kinder dran, dann die Jugendlichen und zuletzt die Erwachsenen.Kolumbien: Feuerwerk nach der Messe
Zu Ehren der Jungfrau Maria werden in den Familien am 7. Dezember zahlreiche Kerzen entzündet. Am Tag darauf, dem 8. Dezember, ist in Kolumbien nationaler Feiertag, im Gedenken an die unbefleckte Empfängnis. Katholische Bräuche wie dieser sind weit verbreitet, da rund 90 Prozent der Bevölkerung dieser Glaubensrichtung angehören.
Bereits am 14. Dezember sammeln die Menschen Moos für die Krippe, die dann noch am gleichen Abend im Rahmen eines Festes aufgestellt wird. Von da an bis zum Heiligen Abend wird jeden Abend zusammen gebetet und gesungen. Der Weihnachtsbaum bekommt traditionell am 16. Dezember seinen Platz im Haus zugewiesen. Er wird üppig geschmückt mit Kerzen, Kugeln und Figuren.
Das eigentliche Weihnachtsfest beginnt nach der Mitternachtsmesse mit einem großen Feuerwerk. Die Leute tanzen und singen auf der Straße. Geschenke gibt' s nur für die Kinder, und sie beschränken sich meist auf Kleinigkeiten oder Süßigkeiten, die die Kleinen am Morgen des 25. Dezember unter ihren Betten finden.
Weihnachten in Asien, Australien, auf den Philippinen und den Weihnachtsinseln
China: Minderheit mit Plastik-Weihnachtsbaum
Weihnachten hat in China keine Tradition, ähnlich wie in Japan. Doch mit dem neuen Wohlstand in den nach außen hin offeneren Sonderwirtschaftszonen drangen auch westliche Bräuche ins Land.
Inzwischen gibt es auch einige Chinesen (verglichen mit der hohen Bevölkerungszahl immer noch sehr wenige), die sich zu Weihnachten einen kleinen Plastik-Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen. Auch die Sitte, seine Socken aufzuhängen, in der Hoffnung sie möchten am anderen Morgen reich gefüllt sein, erreichte das kommunistische Riesenreich.
In China leben schätzungsweise zehn Millionen Baptisten. Sie nennen Ihren Weihnachtmann "Dun Che Lao Ren". Und die wenigen Kirchen im Land sind zu Weihnachten hoffnungslos überfüllt.Indien: Leuchtende Palmen
Über eine Milliarde Menschen leben in Indien. Die verbreitetsten Glaubensrichtungen sind Hinduismus (rd. 80 % der Bevölkerung) und Islam
(rd. 11 %). Andere Kirchen, z.B. christliche Glaubensgemeinschaften, spielen nach Prozenten keine nennenswerte Rolle. Allerdings leben rein zahlenmäßig durchaus nicht wenige Christen in Indien und so lässt sich zur Weihnachtszeit auch auf dem Subkontinent vertrautes Brauchtum entdecken.
Bunt und farbenfroh begehen die Christen das indische Weihnachtsfest, begleitet von Musik und Tanzvorführungen. Mit Lichtern werden die Häuser dekoriert. Tannenbäume sind keine "typisch" indischen Pflanzen. Man nimmt deshalb einen Mangobaum oder ein anderes Gewächs aus dem Garten. In Goa werden z.B. zu Weihnachten und Silvester die Stämme der Palmen mit Lichterketten verziert.
Aus Kaschmir kommen buntbemalte Glocken und Christbaumkugeln aus Pappmache und es gibt wunderschöne Sterne aus Gold- oder Silberfolie.
In Südindien werden Öllämpchen aus Ton rund um die Häuser und auf die Dächer gestellt, die die Gebäude wunderschön illuminieren, wie zu "Diwali", dem Lichterfest der Hindus. Speziell für die Kinder und die Angestellten werden auch Geschenke verteilt.
In manchen Teilen Indiens wird am Weihnachtsmorgen dem Haushaltsoberhaupt eine Zitrone als Symbol der Verehrung mit Glücks- und Erfolgswünschen überreicht. Andernorts versammeln sich am Weihnachtsabend die christlichen Familien im Innenhof ihrer Häuser, lesen die Weihnachtsgeschichte und halten brennende Kerzen in die Höhe. Danach zünden sie in einer Hofecke einen Haufen getrockneter Dornen an. Verbrennen alle, bedeutet das Glück für die gesamte Familie. In den Kirchen findet eine Art Mitternachtsmesse statt, die manchmal 2 oder 3 Stunden dauert und bei der viel gesungen wird.DER HINDUISMUS
Brahma (Schöpfer), Wischnu (Erhalter) und Schiwa (Zerstörer) sind die Hauptgötter des Hinduismus. Seelenwanderung und Wiedergeburt sind wesentliche Merkmale dieses Glaubens.
Für die Hindus ist das Lichterfest "Diwali" im Oktober / November wichtigste
Feierlichkeit des Jahres und Zugleich auch der Beginn des "Hindu - New - Year".
"Diwali" ist vergleichbar mit einer Mischung aus Weihnachten und Silvester. Es brennen unzählige Lichter und Öllämpchen vor allen Häusern. Es wird getanzt, gesungen und was sehr wichtig ist, tagelang werden Feuerwerke und Kracher bis in die halbe Nacht hinein angezündet.Israel: Das Fest der Hanukkah
Die Hanukkah, die im Deutschen auch Kerzenfest genannt wird, lehnt sich an eine Begebenheit aus der jüdischen Geschichte. 167 v. Chr. vertrieben jüdische Widerstandskämpfer die damals in Israel herrschenden griechisch-syrischen Besatzer unter König Antiochus aus dem Land. Die Griechen hatten mit harter Hand regiert. Sie verboten den Juden, die Torah zu lernen, Sabbat zu halten und die Söhne zu beschneiden. Der Aufstand wurde von fünf Brüdern angeführt, an deren Spitze Judas Makkabäus stand.
Die Hanukkah beginnt am 25. Tag des Monats Kislev (November/Dezember) und dauert acht Tage. Die Dauer des Festes geht auf eine Legende zurück. Als die Makkabäer nämlich die Griechen aus Jerusalem vertrieben hatten fanden sie bei der Wiedereinweihung des Tempels nur noch einen versiegelten Krug mit heiligem Lichtöl vor. Normalerweise hätte diese Menge nur für eine Nacht ausgereicht, doch wie durch ein Wunder brannte die Öllampe acht Nächte lang. Zu Hanukkah wird an einem achtarmigen Leuchter - dem Hanukkah-Leuchter - für jeden Tag des Festes eine Kerze angezündet.
Während der Festzeit verspeisen die Familien hauptsächlich in Öl gebratene oder gebackene Speisen, wie z.B. Kartoffelpuffer oder Crepes. Für die Kinder gibt es während der Hanukkah-Zeit das sogenannte Hanukkah-Geld, mit dem die Eltern ihre Sprösslinge für fleißiges Lernen und wohltätiges Handeln belohnen.
Sehr beliebt ist zur Hanukkah-Zeit auch das jüdische Kreisel-Spiel Dreidel. Der Legende nach sollen die jüdischen Kinder während der Herrschaft des Antiochus das Verbot, die Tora zu lernen, umgangen haben. In kleinen Gruppen traf man sich auf der Strasse und las aus dem heiligen Buch. Wenn aber ein Wachtposten vorbeikam, taten die Kinder schnell so, als ob sie Dreidel spielten.Japan: "Shinnen omedeto"
Nicht nur in Sachen Export sind die 125 Millionen Japaner Spitze. Auch beim Importieren von Bräuchen legen die Söhne und Töchter Nippons einen erstaunlichen Ehrgeiz an den Tag. Siehe Münchner Oktoberfeste im fernen Osten und siehe auch die Verbreitung christlicher Weihnachtsitten in einem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung Schintoisten oder Buddhisten sind.
Christliche Missionare brachten das Weihnachtsfest einst nach Japan. Doch lange Zeit hatte lediglich der zum christlichen Glauben konvertierte Teil der Bevölkerung zu Weihnachten sein Haus geschmückt.
Inzwischen erfreut sich vor allem der Brauch, sich zu Weihnachten zu beschenken, immer größerer Beliebtheit. Und so kommerzialisierten die Handelsleute das Fest nach westlichem Vorbild.
Schon viele Wochen vor den eigentlichen Festtagen trimmen die Inhaber ihre Verkaufsgeschäfte auf Weihnachten, zumeist bonbonbunt. Auch ein Truthahnbraten am Weihnachtstag (nach amerikanischem Vorbild) und ein Weihnachtsbaum sind in den japanischen Wohnstuben dieser Tage keine Seltenheit mehr.
Die Häuser werden vielerorts mit Mistelzweigen und Immergrün dekoriert und mancherorts erklingen sogar weihnachtliche Lieder. Die Geschenke bringt in Japan der "Hoteiosho", der Weihnachtsmann und Grampus in einer Person ist. Ursprünglich war der "Hoteiosho" ein Priester, ähnlich dem St. Nikolaus, und auch er wird als alter Mann mit einem großen Sack auf dem Rücken dargestellt. Der Legende nach hat der "Hoteiosho" Augen im Hinterkopf und achtet besonders auf das Benehmen der Kinder. Für die kleinen Japaner ist es deshalb ratsam, brav zu sein, wenn er in ihrer Nähe ist, weil der "Hoteiosho" alles sieht, wie die Legende meint.
Das wichtigste traditionelle Fest im japanischen Kalender ist aber "Oshugatsu" - das Neujahrsfest, das ebenfalls am 1. Januar beginnt, aber sieben Tage dauert. Am Silvesterabend reinigen die Japaner ihre Häuser und Wohnungen von oben bis unten und schmücken sie für den nächsten Tag. Danach werfen sich die Japaner in ihre schönsten Kleider und das Neujahrsfest kann beginnen.
Die ersten 3 Neujahrstage sind Ruhetage. Zumeist verbringt die gesamte Verwandtschaft diese Tage zusammen. Man verzehrt traditionelle Neujahrsspeisen, wie z.B. "Omochi" (Reiskuchen), "Osechiryori" (Neujahrsgerichte).
Anfang Februar werden dann die bösen Geister aus dem Hause vertrieben. Bei diesem Brauch folgten früher alle Familienmitglieder dem Familienoberhaupt, der in alle Ecken des Hauses getrocknete Bohnen streute. Heutzutage, im Zeitalter der Emanzipation, werden die Bohnen von der ganzen Familie verstreut.Tibet: Fest des sterbenden Jahres
Natürlich feiern die buddhistischen Tibeter kein christliches Weihnachtsfest. Allerdings kennen auch die Tibeter eine Art von Geburtsfest für ihren Religionsstifter: Mitte Juni begehen sie das sogenannte "Saka Dawa" bzw. "Vesakha"-Fest, das der Geburt, Erleuchtung und dem Eintritt des Buddha Shãkyamuni ins Parinirvana gewidmet ist.
In die Winterzeit fallen das "Dosmoche" - das Fest des sterbenden Jahres - und das "Losar" - das tibetische Neujahr mit dem Butterfiguren-Fest. Der Jahreswechsel erfolgt nach tibetischen Kalender irgendwann im Februar. Fünf Tage zuvor beginnt das "Dosmoche" und dann wird es laut im sonst so beschaulichen Tibet. Mit viel Lärm und Tänzern mit fürchteinflößenden Masken versuchen die Tibeter, die bösen Geister vom kommenden Jahr fernzuhalten.
Dem gleichen Ziel dient ein langer Pfahl der aufgestellt und mit Sternen, Kreuzen und Pentagrammen dekoriert wird. Als Höhepunkt des "Dosmoche"-Festes reißt die Bevölkerung diesen Pfahl ab.
An diesen "heidnischen" Bräuchen zum Jahreswechsel beteiligen sich die Mönche Tibets freilich nicht. Sie haben ihr eigenes Zeremoniell - das sogenannte Butterfiguren-Fest.
Um auf das neue Jahr einzustimmen, fertigen die buddhistischen Mönche Tibets kunstvolle Figuren aus Yak-Butter. Mit ihnen schildern sie religiöse Geschichten oder Fabeln. Die Butterfiguren erreichen eine stattliche Höhe von neun Metern und werden von speziellen Butterlampen ausgeleuchtet. Schmelzen können diese Kunstwerke im winterlichen Hochland des Himalaya nicht.
Das neue Jahr wird schließlich mit einer Lichterprozession willkommen geheißen. Daher stammt auch der Begriff "Losar", der soviel bedeutet wie Lichterfest. Wer übrigens seiner Zeit gerne ein Stück voraus ist, sollte im kommenden Februar einen Abstecher nach Tibet machen. Dort wird dann nämlich nach tibetischem Kalender das Jahr 2028 - schätzungsweise 20 bis 25 Jahre weiter als bei uns - eingeläutet.Pakistan: Chaomos - das Fest der Wintersonnewende
Neben den islamischen Bräuchen gibt es in Pakistan noch einige überlieferte Riten aus heidnischer Zeit. Natürlich spielte dabei die Wintersonnenwende ebenfalls eine große Rolle. Ein besonders interessantes Brauchtum ist das Chaomos.
Der Überlieferung nach soll während der Wintersonnenwende ein greiser Halbgott auf die Erde kommen, um Gebete zu sammeln und sie dem Dezao, dem höchsten Wesen, darzubringen.
Um sich auf die Ankunft jenes halbgöttlichen Wesens geeignet vorzubereiten, unterziehen sich die Frauen und Mädchen ritueller Reinigungsbäder.
Dabei halten sie Brot in die Höhe, während die Männer Wasser über ihre Köpfe gießen. Anschließend müssen auch die Jungen und Männer ein Reinigungsbad nehmen. Nach diesem Bad dürfen sich die Männer und Jungen nicht wieder hinsetzen, bis am Abend des betreffenden Tages das Blut einer Ziege in ihre Gesichter gespritzt wird. Abgeschlossen wird dieser Ritus mit einem ausgelassenen Fest mit Tanz, Gesang, einem Lagerfeuer und einem Festmahl, bei dem unter anderem die Innereien der geschlachteten Ziegen serviert werden.
In dem in der Hauptsache islamischen Land begegnen sich die Christen zu Weihnachten mit: "Bara Din Mubarrak Ho" - Christus' Segen sei mit Dir. Der 25. Dezember ist nationaler Feiertag, allerdings nicht wegen Christi Geburt, sondern in Gedenken an Jinnah dem Gründer des Staates. Wo Christen leben, gehen sie am Abend zur heiligen Messe und ziehen dazu ihre schönsten Kleider an.Australien: Schwitzen zur Weihnachtszeit
Hochsommerliche Temperaturen (rd. 35 Grad in Sydney, Melbourne, Adelaide und anderen Orten) erwarten Santa Claus in Australien. Weihnachtsbräuche, die Einwanderer im Gepäck hatten, haben sich dem "Australia-Summer-Christmas" angepasst.
Santa Claus begegnet man öfters am Strand. Mit Badehose bekleidet braust er auf Skiern von einer Strandparty zur anderen und beschenkt die ausgelassenen Kinder. Wegen der Hitze stellt man Santa statt Milch ein kühles Bier auf das Fensterbrett. In den letzten Jahren haben Geschäftsleute eine neue Einnahmequelle aufgetan. Im Juni / Juli laden sie zu "Christmas II" ein. Hotels (z.B. in den Snowy Mountains oder Southern Highlands) und die Australien Gas Cooking School in Sydney bieten Weihnachtsspezialitäten, die im australischen Winter besser schmecken. Durch diese Idee kommen auch die hartgesottenen Weihnachtsfans zu ihrem Glühwein.
Carols by Candlelight
Die Straßen und Kaufhäuser werden in der Weihnachtszeit festlich dekoriert. Im Queen Victoria Shopping Centre in Sydney beleuchten mehr als 20.000 Birnen den Tannenbaum. Hunderttausende besuchen die "Carols by Candlelight" in der Olympiastadt. Berühmte Sänger, Chöre, Symphonieorchester tragen Weihnachtslieder vor und das begeisterte Publikum stimmt mit ein. Jeder singt in seiner Sprache. Brennende Kerzen der Zuschauer lassen eine unbeschreiblich schöne und friedvolle Weihnachtsatmosphäre aufkommen.
From Sydney to Hobart
Der Plumpudding gehört am Heiligen Abend zu den weihnachtlichen Speisen. Wessen Zeit knapp bemessen ist, bestellt den Weihnachtspudding übers Internet. Alljährlich startet am 26. Dezember die weltberühmte "Regatta von Sydney nach Hobart". Dieses sportliche Ereignis ist für viele Menschen der Höhepunkt des Jahres. Die australische Weihnachtsinsel (Christmas Island) erhielt ihren Namen von James Cook. Er feierte 1777 Weihnachten unter Palmen. Cook hätte den Namen nie vergeben, wenn nicht die weihnachtliche Stimmung wichtiger als Temperaturen ist. Er und seine Mannschaft haben sich ein unvergessliches Weihnachtsfest gestaltet.Philippinen: "Maligayan Pasko"
"Maligayan Pasko" - fröhliche Weihnachten - wünschen auch die Philippinos. Die südostasiatische Inselgruppe ist der einzige Staat der Region, der mehrheitlich christlich ist. Rund 80 Prozent der Bevölkerung glaubt an Jesus Christus.
Dieser Umstand ist auf die Kolonialzeit zurückzuführen, denn sowohl die spanischen als auch ab 1898 die amerikanischen Kolonialherren hinterließen ihre Spuren in der Kultur des Inselstaates. So verwundert es auch kaum, dass das philippinische Weihnachten eine Mischung aus spanischen, amerikanischen und lokalen Traditionen darstellt. Bereits ab November veranstalten die Insulaner nächtliche Feuerwerke, die sich bis zum Jahreswechsel hinziehen. Die eigentliche Weihnachtszeit beginnt aber erst am 16. Dezember mit einer feierlichen Messe genannt "Misa de Gallo". Dabei wird die gesamte biblische Geburtsgeschichte Jesu vorgelesen.
An jedem Abend der Weihnachtszeit finden sogenannte "Panunuluyan" - szenische Aufführungen aus der Bibel - statt , bei denen jeweils ein Pärchen unter den Anwesenden ausgewählt wird, um Marias und Josephs Suche nach einer Bleibe nachzuspielen. Am ersten Weihnachtsfeiertag werden stündlich Messen abgehalten, damit alle Philippinos teilnehmen können. Diese beinhalten Hirtenspiele ("pastores") zur Weihnachtsgeschichte. Straßenchöre ("chumbancheros") und herumziehende Minnesänger gehören ebenso zur Weihnachtszeit. Und die spielen und singen auf jeden Fall das Lied "Maligayan Pasko" zur Melodie von "Happy Birthday".Das erste Weihnachtsfest
Weihnachten wurde auf den Philippinen historischen Aufzeichnungen zufolge irgendwann zwischen 1280 und 1320 erstmals gefeiert, also rund 200 Jahre bevor Magellan die Inselgruppe entdeckte.
An einem 25. Dezember in dieser Zeit zelebrierte Bruder Odoric, ein Franziskanermönch aus dem italienischen Perdenone, zum ersten Mal eine weihnachtliche Messe, eine "Misa de Gallo". Diese fand am Küstenstreifen von Pangasinan, einer Provinz auf der philippinischen Insel Luzon, statt.
Bruder Odoric verbrachte zusammen mit einer Handvoll Begleitern acht Jahre im Fernen Osten auf der Suche nach den nestorianischen Christen, die vierhundert Jahre zuvor nach Asien ausgezogen waren. Auf ihrem Weg zurück nach Italien besuchten die christlichen Männer die Philippinen.
An den Küsten von Pangasinan trafen sie auf feindlich eingestellte Eingeborene. Die Legende berichtet, dass der Franziskaner auf seinen starken Glauben vertrauend seine Angst überwand und mit einem "Gebet auf seinen Lippen" sowie einem schwarzen Kreuz in seinen Händen haltend, die Insel betrat. Weiter heißt es, dass die Eingeborenen schnell Vertrauen zu den Europäern fassten, weil sie bemerkt hatten, dass diese ihnen nichts zu Leide tun wollten. Bruder Odoric zeigte den Eingeborenen Bilder von Maria, Joseph und dem Jesuskindlein in der Krippe. Neben das schwarze Kreuz, das die Italiener an der Küste aufgestellt hatten, pflanzten sie einen "Weihnachtsbaum". Knieend feierten Odoric und seine Begleiter hier die erste Weihnachtsmesse auf den Philippinen.Weihnachtsinseln: An Weihnachten entdeckt
Es gibt sie wirklich: die Weihnachtsinsel, und zwar gleich zweifach. Wie die berühmteren Osterinseln verdanken ein Eiland im Indischen Ozean und eines im Pazifik ihren Namen dem Zeitpunkt ihrer Entdeckung.
So setzte am 25. Dezember der britische Captain William Mynors als erster einen Fuß auf eine kleine Insel in Mikronesien, die heute zu Australien gehört. Paradoxerweise zelebrieren nur wenige der Weihnachtsinsulaner auch das Weihnachtsfest. Nur 17,7 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Christentum. Die Mehrheit stellen die Buddhisten mit 36,1 Prozent. Und immer noch stärker als die Christen sind auf der Weihnachtsinsel mit 25,4 Prozent der Bevölkerung die Muslime vertreten. Daneben existieren noch chinesische, malayische, indische und zahlreiche andere Minderheiten.
Die andere Weihnachtsinsel liegt östlich der Philippinen im Pazifik. Sie wurde von keinem geringeren als dem großen Entdecker James Cook in britischen Besitz genommen. Geologisch betrachtet ist diese Weihnachtsinsel das älteste Atoll der Welt und seit 1979 Bestandteil von Kiribati. Die 1800 Einwohner leben vom Tourismus, vom Fischfang und von der Kobra-Produktion. Die Weihnachtsinsel gilt als Paradies für Taucher und ist bekannt für eine enorme Population an Seevögeln und außerordentlich großen Landkrabben. Außerdem herrscht dort ganzjährige ein mildes Klima mit sehr seltenen Niederschlägen.
Belgien: "Zalig Keerstfeest en Gelukkig nieuw jaar"
In Belgien (vor allem in Flandern) ist Sint - Niklaas Höhepunkt der Weihnachtszeit. Holländische und belgische Weihnachtsbräuche ähneln sich in diesem Punkt sehr. Niklaas reitet von Haus zu Haus, um Freude zu verschenken. Mit Festen und Umzügen wird er geehrt.
In die belgische Stadt Sint - Niklaas werden sich Kulturinteressierte verlieben. Von der Nicolaaskerk zum Gerhard-Mercator-Museum (Begründer der Kartografie) mit seinen historischen Exponaten, werden wir romantisch durch die Stadt geführt.
1513 erhielt die Stadt das Marktrecht. Durch die Fläche von mehr als 3 Hektar ist der Grote Markt von Sint - Niklaas der größte Belgiens.
Weihnachtsmärkte, z.B. in Brüssel und Lüttich, beleuchten die Plätze. Lebende Krippen locken Touristen aus anderen Ländern an. Man kauft Qualitätspralinen, die Weltruhm erreicht haben.
Die Kirchen inszenieren farbenfrohe Prozessionen. Gläubige führen Weihnachtsspiele vor. Nach Vorlage von alten Gemälden werden Bilder der Geburt Christi nachgestellt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag lassen Chöre und Musiker die Herzen im Takt der weihnachtlichen Klänge schlagen.
Ein originelles Vergnügen kann an der Maas verfolgt werden. Beim Trairies versuchen mehrere Personen ihr Glück. Für den finanziellen Einsatz erhält jeder eine Spielkarte. Die letzte Karte wird offen aufgelegt. Wer die höchste Karte der aufgedeckten Spielfarbe besitzt, erhält einen Stollen. Eine nette Idee für Weihnachtsfeiern in Betrieben und VereinenDeutschland: Krippe, Christkind und Weihnachtsbaum
Kein anderer Tag im Jahr wird von den Kindern sehnsüchtiger erwartet als der Heilige Abend. Wenn am 24. Dezember am Christbaum alle Kerzen brennen, darunter die Geschenke liegen, dann leuchten die Kinderaugen und eine feierliche Stimmung verbreitet sich unter allen Familienangehörigen.
Bis in den Wohnstuben die Weihnachtsruhe einkehren kann, gilt es allerdings noch allerhand zu erledigen. Bis Mittag werden noch schnell die letzten Einkäufe erledigt, Vorräte für die Festtage angelegt.
Um die Kinder, aber natürlich auch die Erwachsenen, auf die Weihnachtstage einzustimmen, beginnen viele Familien am späten Nachmittag mit den Vorbereitungen fürs Fest. Die Hauskrippe, die sich im frühen 17. Jahrhundert in den katholischen Regionen Deutschland verbreitete, wird aus dem Keller oder vom Dachboden geholt und aufgebaut. Der Krippenbrauch geht nach der Legende auf Franz von Assisi zurück, der 1223 das Geschehen in der Heiligen Nacht erstmals nachgestellt haben soll. Mit der Krippe zeigten die katholischen Familien früher ihre Freude über Weihnachten gewissermaßen als Gegenstück zum protestantischen Weihnachtsbaum.
Vor allem die Kinder helfen gerne mit, wenn der Weihnachtsbaum geschmückt wird. Bunte Glaskugeln, Lametta, Figuren aus Blech und Wachs oder Strohsterne hängen an den Tannen und Fichten in deutschen Wohnstuben.
Die Spitze ziert meist ein Rauschgoldengel oder eine kunstvoll gestaltete Glaskugel. Aus dem Erzgebirge stammen die Weihnachtspyramiden, die sich mittlerweile in vielen deutschen Haushalten finden. Brennende Kerzen treiben ein Flügelrad auf der Spitze an, das seine Bewegung an drehbare Ebenen weitergibt, auf denen Holzfiguren das Geschehen der Heiligen Nacht zeigen.
Die gläubigen Christen feiern seit Jahrhunderten die Geburt Jesu mit einem Gottesdienst, der je nach Region und Konfession am späten Nachmittag oder Mitternacht gehalten wird.
Die beiden Weihnachtsfeiertage, der 25. und 26. Dezember gehören traditionell den Familien. Noch vor dem meist üppigen Weihnachtsessen am ersten Weihnachtsfeiertag probieren die Kinder ihre Spielsachen aus, mit denen sie am Vorabend überrascht wurden. Nachmittags gehen die Familien spazieren, besuchen Verwandte oder gehen abends in eines der Weihnachtskonzerte, die in vielen deutschen Kirchen geboten werden.Frankreich: Pére Noel
Das französische Pendant unseres Weihnachtsmannes nennt sich Pere Noel. Jener schlüpft durch den Kamin und stopft seine Geschenke in bereitgestellte Schuhe. Pere Fouettard, unser Knecht Rupprecht, ist mit seiner Rute freilich weniger willkommen. Im Norden Frankreichs gibt's die Weihnachtsgeschenke nicht selten schon am 6. Dezember, dem Nikolaustag, statt erst am Heiligabend.
Nach einem normalen Arbeitstag begehen die Franzosen den Heiligen Abend mit einem stundenlangem Mahl, mit Musik und Tanz. Häufig bleiben sie nicht zu Hause, sondern feiern in Restaurants. Am 1. Weihnachtsfeiertag werden traditionell eine "Foie Gras" (Gänseleber)serviert und ein "Buche de Noel", ein Buttercreme-Kuchen in der Form eines Baumstammes..Irland: Wenn Männer Frauen spielen...
Adventskalender, Weihnachtsbäume mit Girlanden, Verziehrungen aller Art - das alles haben die Iren zu Weihnachten auch. Aber am zweiten Weihnachtstag, dem Sankt-Stephans-Tag, fallen die Menschen auf der Grünen Insel aus der Rolle. In traditionellen Aufführungen, meistens werden Märchen gezeigt, spielen Knaben Mädchen, Männer Frauen und umgekehrt, was in der Regel für große Erheiterung sorgt.
Zu Weihnachten in Irland, das vielerorts übrigens schon im Oktober seine Schatten vorauswirft, wird sehr viel gesungen, auch zu karitativen Zwecken.
Die Sängergruppen sammeln Spenden für Hilfsbedürftige. An Heiligabend befestigen die Kinder eine Socke an ihrem Bett, damit diese sich über Nacht mit Geschenken füllen möge.
Meistens finden sie darin am nächsten Morgen einen Apfel dort, wo sich sonst die Zehen befinden und eine Mandarine am Platz der Ferse. Manche Eltern füllen den Zwischenraum mit Schokolade und anderen Süßigkeiten.
Beim Weihnachtsessen werden als erster Gang gerne Lachs oder Garneelen-Cocktail gereicht. Zum Hauptgang gibt's häufig Truthahn und als Nachtisch Minze-Kuchen oder Pudding mit Weinbrand- oder Rumsauce.Griechenland: Kala Christouyenna - Frohe Weihnachten!
In Griechenland ist Epiphania (der 6. Januar) der eigentliche Höhepunkt der Weihnachtszeit. Bis zu diesem Tag prägen die griechischen Kinder die Weihnachtsstimmung.
Am Morgen des 24. Dezember hört man in den Straßen die Klänge von Triangeln, Glocken und Trommeln. Die Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen die Kalanda. Diese Lobgesänge gelten als Segen für das Haus. Deshalb werden die Kinder, die das Glück überbringen, auch belohnt. Wer als erster das Haus betritt, verlässt es mit den meisten Gaben. Durch die griechischen Schornsteine steigt der Duft des Christopsomo (Weihnachtsbrot). Das Brot wird mit einem "A" (steht für den Pflug) und einem "B" (steht für das Joch der Ochsen, die den Pflug ziehen) verziert. Diese Symbole begegnen uns auch bei anderen Gebäcksorten. Von den Christokouloura, die in Form des Pfluges oder des Jochs gebacken werden, wird mindestens ein Stück vor die Ikonen des Hauses gelegt.
In den kommenden zwölf Nächten treiben die Kalikanzari (Kobolde) ihr Unwesen. Als Schutz vor diesen lästigen Dämonen, werden Weihnachtsfeuer entfacht.
Die Feuer haben noch eine weitere Bedeutung. Das beste und größte Holzscheit, das man während des Jahres findet, wird als Christoxylo (Weihnachtsscheit) aufbewahrt. Es wird in der Heiligen Nacht eingesetzt, um das Christuskind zu wärmen.
Meist darf ein Glückskind (ein Kind dessen Eltern noch leben) das Scheit in das Feuer werfen. Der Wunsch, den dieses Kind hierbei ausspricht, soll in Erfüllung gehen.
Die Kalanda ertönen erneut am Tag des Heiligen Bassilios (1. Januar). Mit einer Rute ausgestattet tippen die Kinder dem Hausherren und seiner Frau auf den Rücken. Auch diesmal werden die Glücksbringer mit Kuchen, Nüssen oder Geldstücken belohnt.
Eine bedeutende Tradition ist die Wahl der Person, die im neuen Jahr als erste das Haus betritt. In manchen Gegenden Griechenlands glaubt man, der Hausherr, sein ältester Sohn oder ein "glückliches Kind" (ein Kind dessen Eltern noch leben) sollten als erste das Haus betreten.
Natürlich gibt es auch am 1. Januar wieder etwas typisch griechisch Gebackenes. In das sogenannte "Basiliosbrot" wir eine Goldmünze eingebacken. Wer sie findet, hat Glück im kommenden Jahr. Im orthodoxen Kirchenjahr wird der 6. Januar, der Tag an dem Jesus von Johannes dem Täufer getauft worden sein soll, besonders gewürdigt. Wasser wird gesegnet, damit die bösen Geister die Erde verlassen. Und das tun die Kalikanzari auch.
Nach dem Gottesdienst segnet der Priester jedes Haus des Ortes, ebenso wie die Brunnen und Felder, und besprengt alles mit einem in Weihwasser getauchten Basilikumzweig.Island: Ein einziges Lichtermeer
Schon Anfang Dezember beginnen die Isländer das große Fest vorzubereiten. Unter anderem backen sie, was das Zeug hält, würzige Plätzchen mit Gingerschnaps und natürlich "laufabraud", das traditionelle Weihnachtsgebäck aus Wasser und Mehl, in heißem Öl ausgebacken. Jeder der flachen Küchlein wird kunstvoll belegt.
Typisch für Island sind auch die "Yulemen"; dreizehn seltsame Trolle, die dreizehn Tage vor Heiligabend die Bevölkerung heimsuchen.
In früheren Tagen spielten sie den Menschen oft üble, teilweise sogar brutale Streiche, ähnlich dem in Deutschland bekannten Knecht Ruprecht. Heute gebärden sich die Yulemen zahmer und bringen sogar kleine Geschenke - wenn die Kinder brav waren.
St. Thorlakur's Day, der Tag vor Heiligabend, steht ganz im Zeichen der letzten Vorbereitungen. Der Weihnachtsbaum wird geschmückt und an dem ausgiebigen Festmahl gefeilt. Der Morgen des 24. Dezember gehört in Island den Verstorbenen. Die Menschen strömen auf die Friedhöfe, um Ihrer zu gedenken. Dabei werden viele große Kerzen angezündet, die auf den Gräbern die ganze Nacht brennen. Um sechs Uhr abends läuten die Kirchenglocken das Weihnachtsfest offiziell ein. Die Familie sitzt neben dem geschmückten Baum und Geschenke werden überreicht.Spanien: Weihnachtslotterie
Die spanischen Bräuche unterschieden sich nur in Details von den übrigen europäischen, wenn da nicht seit einigen Jahrzehnten die riesige Weihnachtslotterie wäre, die von den meisten Spaniern in Radio und Fernsehen intensiv verfolgt wird.
Üblich ist es auch, dass man mit den Weihnachtsbriefen an Verwandte und Bekannte eine Beteiligung am Los mitschickt, und so werden die Millionengewinne regelmäßig breit unters Volk gebracht. Am Heiligabend trifft man sich mit der Familie zum Festmahl, die Gläubigen gehen noch zur Mitternachtsmette. Als Feiertag gilt nur der erste Weihnachtstag. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar putzen die Kinder ihre Schuhe besonders gut, stellen Kekse und Milch für die Heiligen Drei Könige und Wasser für die Kamele bereit und gehen ganz brav früh ins Bett. In der Frühe sind dann die Geschenke für die Kinder angekommen. Immer öfter werden die Geschenke aber bereits am Heiligabend verteilt, damit die Kinder schon in den Ferien mit ihnen spielen können. Bis zum 5. Januar werden , soweit vorhanden, die Figuren der Heiligen Drei Könige in der Hauskrippe bewegt, bis sie am 6. Januar vor dem Jesuskind ankommen. Am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, wird von den Erwachsenen ein Dreikönigskuchen gegessen. Im Teig verstecken sich eine kleine Figur aus Porzellan und eine dicke Bohne. Wer das Figürchen erwischt, wird zum König gekrönt und soll viel Glück im neuen Jahr erfahren. Wer aber die Bohne erwischt, muss den Kuchen bezahlen.
Ein Mann aus den Bergen
Traditionell erscheint in der Weihnachtszeit im Baskenland der "Olentzero", ein Köhler, der aus den Bergen zu der Landbevölkerung herabsteigt. Zum Zeichen der Anerkennung wird er von den Bewohnern auf den Schultern durchs Dorf getragen. Sehr häufig werden auch Weihnachstspiele aufgeführt, zum Beispiel eines, das den von Herodes angeordneten Kindermord nachstellt.Italien: Saturnalien und rote Unterwäsche
Im katholischen Italien verweisen einzelne Weihnachtsbräuche noch auf die Ursprünge dieses christlichen Festes. So beginnt die Weihnachtszeit acht Tage vor dem 25. Dezember. Zur gleichen Zeit begannen im antiken Rom die Saturnalien - die Feiern zu Ehren des Gottes Saturn. Papst Hyppolit hatte im Jahr 217 n. Chr. die Feiern zu Ehren der Geburt Christi angeregt, um ein Gegengewicht zu diesen heidnischen Festen der Römer zu schaffen. Auch in Italien endet die Weihnachtszeit am Dreikönigstag.
Feierlicher Höhepunkt der italienischen Weihnacht sind die Tage des 24. und 25. Dezember. 24 Stunden vor Heilig Abend wird nach katholischem Ritus streng gefastet. Bei Sonnenuntergang am 24. Dezember wird die heilige Zeit mit einem Kanonenschuss vom Kastell San Angelo in Rom offiziell eröffnet. Pünktlich um neun Uhr abends finden in allen Kirchen des Landes feierliche Gottesdienste statt. Danach treffen sich die Familien zu einem großen - meist fleischlosem - Festessen, dem Pranzo della Vigilia.
Dabei werden auch kleine Präsente verteilt, aber nach dem Zufallsprinzip. Denn jeder zieht sein persönliches Geschenk aus der sogenannten "Urne des Schicksals". Ein ganz beliebtes Geschenk dabei ist übrigens rote Unterwäsche, die dann traditionell am Neujahrstag erstmals getragen wird.
Der eigentliche Geschenktag und damit der Höhepunkt der Weihnachtszeit für die Kinder ist aber der 6. Januar, der Dreikönigstag mit dem Fest La Befana. Befana ist eine Hexe, die den braven Kindern Geschenke, den unartigen aber die gefürchtete schwarze Kreide, Carbonata, bringt. Um letzteren die Schmach etwas zu versüßen kann man zur "Befana-Zeit" in den Geschäften Italiens die Carbonata in Lakritzform kaufen.
Nach dem 6. Januar wird auch in Italien der Weihnachtsschmuck wieder eingepackt, vor allem die kunstvoll gestalteten Krippen. Denn die Presipio (Krippe) ist das zentrale italienische Weihnachtssymbol. Die Kirchen, aber auch die Privatleute wetteifern zur Weihnachtszeit geradezu darum, wer die schönste Presipio hat. Für Touristen lohnt sich zu dieser Jahreszeit ein Besuch Neapels ganz besonders, denn die süditalienische Stadt ist eine Hochburg des Krippenbaus. Vor allem die "Straße der Krippenmacher" sollte auf keinem Besuchsprogramm fehlen.Niederlande: Sinterklaas kommt per Schiff
Nicht der Heilige Abend, sondern der 6. Dezember (Nikolaustag) steht im Mittelpunkt des hiesigen Weihnachtsfestes.
Der Nikolaus heißt hier Sinterklaas und seine Festzeit beginnt bereits drei Wochen vor dem 6. Dezember. Dann nämlich legt Sinterklaas der Legende nach mit seinem Schiff von Spanien aus kommend an einem alten holländischen Hafen an. In jüngerer Zeit hat sich als Ankunftstermin für den Sinterklaas aber auch der letzte Samstag des November durchgesetzt.
An diesem Abend stellen die Kinder dann einen großen Holzschuh vor den Kamin mit einem Wunschzettel darin. Daneben stellen sie ein Gefäß mit Wasser und eine Karotte oder etwas Heu für das Pferd des Nikolaus.
Am nächsten Morgen finden sich im Schuh dann einige Süßigkeiten, kleine Nikolausfiguren und ein Lebkuchenmännchen, an dem ein Zettel mit einem kleinen, meist witzigen Sinterklassgedicht befestigt ist. Das Gedicht zählt immer die guten und auch die weniger guten Taten des jeweiligen Kindes auf.
Richtig aufregend für die Kinder wird es dann am 5. Dezember. An diesem Tag legt man einen großen Sack vor die Tür, der am Abend dann mit den Geschenken für die ganze Familie gefüllt ist. Am 6. Dezember, dem Geburtstagsfest von Sinterklaas, findet dann zumeist eine große Familienfeier statt.
Die Weihnachtszeit endet auch in den Niederlanden und im angrenzenden belgischen Flandern am Dreikönigstag. An diesem 6. Januar ziehen drei Männer als Könige verkleidet von Haus zu Haus, singen Lieder und werden dafür von den Familien bewirtet.Russland: Väterchen Frost und Babouschka
In Ländern mit orthodoxem Glauben gilt in der Regel noch der 45 n. Chr. von Julius Cäsar eingeführte julianische Kalender. Dieser weicht bezüglich der Feiertage von dem heute üblichen gregorianischen Kalender ab. Der 25. Dezember markiert für strenggläubige Orthodoxe das Ende der Fastenzeit. Es ist ein normaler Arbeitstag. Die Weihnachtsgeschenke bringt Väterchen Frost erst am 6. Januar.
Der 31. Dezember ist der wichtigste Festtag. Bunte Lichterketten erhellen die Straßen. Auf großen Plätzen werden die Tannenbäume geschmückt. Wenn sich der Feierabend nähert, beginnen im Kollegenkreis kleine Betriebsfeiern. Im Anschluss fährt man nach Hause oder zu seiner Datscha (russ. Holzhaus). Der aufgehende Morgenstern am 7. Januar läutet das eigentliche Weihnachtsfest ein. Diesen Feiertag gestaltet man besinnlich im Kreise der Familie. Vier Tage später, am 11. Januar beginnt das neue Jahr. Mit diesem Tag endet die russische Weihnachtszeit.
Hartgesottene Russen feiern im Freien. Hier schmücken sie den Christbaum, genießen die Natur und zelten im Schnee. Väterchen Frost bringt den Kindern die Geschenke. Er wird von einem Mädchen (der Schneeflocke) und einem Jungen (Neujahr) begleitet. So manche Kinder werden zu den im Kreml stattfindenden Konzerten eingeladen. Wie in Deutschland verdienen sich die Kleinen ihre Gaben durch das Vortragen von Gedichten, Geschichten und Liedern.Schweden - 12. Dezember
Die schwedischen Kinder bekommen von einem kleinem Gnom, dem -Jultomte- ihre Geschenke. Der klopft ganz schnell an die Haustür, stellt die Geschenke ab und ist schon wieder verschwunden, bevor man ihn sehen kann.
Der 13. Dezember der Tag der Heiligen Lucia, ist in Schweden ein besonderer Tag. Eine Tochter des Hauses übernimmt die Rolle der Heiligen Lucia. Sie steht ganz früh morgens auf und zieht ein weißes Kleid mit einer roten Scherpe an. Dazu trägt sie einen Kranz aus Blättern und leuchtenden Kerzen.
Dann weckt sie jedes Familienmitglied mit einem Weihnachtslied auf und bringt das Frühstück ans Bett.
Österreich: Bodenständiges Brauchtum
Wenn die Nächte länger und die Tage kälter werden, kündigt sich auch in Österreich die von bodenständigem Brauchtum geprägte Weihnachtszeit an.
In den Straßen und Geschäften machen Weihnachtsdekorationen, Lichterbäume in den Vorgärten und Weihnachtsmänner Lust auf das Fest. Christkindlmärkte, Krippenspiele und "Kripperlschauen" bringen nicht nur die Kinderaugen zum Leuchten, sie üben auch eine magische Anziehung auf die Erwachsenen aus.
Doch mancherorts kehrt auch Ruhe und Besinnlichkeit ein, und in den Häusern verbreitet sich der Duft von Weihnachtsbäckerei. Vor allem in den ländlichen Gebieten gibt es viele traditionelle Veranstaltungen.
Zwei Tage in der Adventszeit fallen durch ein besonderes "Eigenleben" auf: der Barbara-Tag am 4. Dezember und der Nikolaus-Tag am 6. Dezember. Die Bergleute - und in vergangenen Jahren die Kanoniere - haben sich die Heilige Barbara zu ihrer Schutzpatronin auserkoren und halten am 4. Dezember in den größeren Bergbau-Gemeinden die "Barbara-Feiern". Außerdem wird in der Wiener Votivkirche eine vier Meter hohe Artilleristenkerze angezündet.
Traditionelles Nikolausbrauchtum in Form von Umzügen, die manchmal spielhafte Ausmaße annehmen, findet man zum Beispiel in Matrei in Osttirol beim "Klaubaufgehen", in Kärnten in Oberdrauburg beim "Bartellauf", in der Steiermark in Bad Mitterndorf sowie in Oberösterreich in St. Roman und Windischgarten.
In vielen Orten des Landes locken Turmbläser die Kinder aus den Wohnungen, damit die Eltern die letzten Vorbereitungen für den Weihnachtsabend erledigen können. Die Jüngsten beschert entweder das Christkind oder der Weihnachtsmann. Ein meist üppiges Weihnachtsessen mit Fisch oder Fleisch, nach dem noch Mohnstrudel, Kletzenbrot, Christstollen oder Lebkuchen serviert werden, beschließt den Abend.
Der Christtag, der 25. Dezember, gehört traditionell der Familie, am "Stefanitag", dem 26. Dezember, geht man aus oder besucht die Verwandten. Da an diesem Tag die Bauern früher ihre Pferde bewegten, entwickelte sich daraus die Tradition des "Stefaniritts". Die Menschen in St. Stefan im Lavanttal verbinden diesen Ritt mit einer Pferdesegnung.Polen: Für jeden Apostel ein Gang
Im Gegensatz zu den bisweilen mit Braten überladenen Festtafeln in Westeuropa und den USA gibt es in Polen an Heiligabend in der Regel kein Fleisch, sondern meistens ein Fisch- und Gemüsegericht. Eine Reminiszenz an die Vor-Reformationszeit, in der der 24. Dezember ein Fastentag war. Dafür besteht das heiligabendliche Mahl aus 12 Gängen, in Anspielung an die Apostel Jesu. Zum Festmahl wird immer ein Gedeck mehr als nötig aufgelegt, für den Fall, dass ein überraschender Gast eintrifft. Und dies ist nicht der einzige Brauch, der an die ukrainischen Weihnachtsriten erinnert.
Nicht fehlen bei einem polnischen Heiligabend dürfen die eckigen Weihnachtsoblaten, in die kleine Bilder eingeprägt sind. Um Mitternacht strömen die Menschen in die Kirchen, um die meist sehr langen und festlichen Weihnachtsmessen zu besuchen. In Polen sind 90 Prozent der Bevölkerung katholischen Glaubens.
Weihnachtsstern
Erst wenn der erste Stern am Himmel steht, beginnt man in Polen am Heiligen Abend mit dem festlichen Mahl. Man erinnert sich dabei an den Stern von Bethlehem, der nach dem Matthäus- Evangelium den Heiligen drei Königen den richtigen Weg gewiesen hat.
Ritual des Oblatenteilens
Der wichtigste Augenblick und ein Höhepunkt zugleich ist während der Mahlzeit am Heiligen Abend das Ritual des Teilens von eckigen Weihnachtsoblaten mit eingeprägten kleinen Bildern. Man führt diesen Brauch auf das Sakrament des Heiligen Abendmahles zurück. Die Bilder zeigen Darstellungen aus der biblischen Weihnachtsgeschichte.
Die Oblaten werden aus Weizenmehl und Wasser hergestellt, sie werden von Tür zu Tür getragen oder man kann sie in der Kirche kaufen. Beim Teilen der Oblaten danken die Kinder ihren Eltern für die Gabe des Lebens und die Mühen der Erziehung. Alle wünschen sich gegenseitig Gesundheit und Wohlergehen, verzeihen angetanes Unrecht und vertragen sich wieder.Schweiz: Klausjagen in Küssnacht
Böse Geister und Dämonen, das wussten schon die alten Germanen, fürchten vor allem eins: Heidenlärm. Deshalb zogen die Jünger Wotans während der Wintersonnenwende mit viel Tam-Tam umher, schlugen Trommeln und bliesen Hörner, was die Lungen hergaben: damit der Winter bald verschwinden und der Sommer reiche Ernte bringen möge. Ein Brauch, der so ähnlich n der Schweiz noch heute existiert, z. B. in Küssnacht, wo alljährlich am 5. Dezember zum "Klausjagen" geblasen
wird.
Das heidnische Treiben wäre wohl längst in Vergessenheit geraten, wenn darin nicht irgendwann auch dem Bischof von Myra, dem Heiligen Nikolaus, eine Rolle zugewiesen worden wäre. Heute ist das Klausjagen in dem romantischen Ort in der Zentralschweiz eine Touristenattraktion ersten Grades. Zigtausende aus dem ganzen Land pilgern nach Küssnacht, um die rund 1500 Teilnehmer des Umzuges in ihren teilweise furchterregenden Kostümen zu bewundern. Besonders die leuchtenden Bischofshüte (Infuln), die in der Dunkelheit auf den Schultern der Umzugsteilnehmer zu tanzen scheinen, ziehen die Blicke der Besucher an.
Dabei war das Klausjagen nicht immer unumstritten. 1732 befanden die Ratsherren Küssnachts, dass der Lärm überhand nehme und drohte: "Wegen den Buben, die durch ihr Hornblasen und Tricheln nächtlicher Zeit die Leute so beunruhigen, ist erkannt, dass bei einem Pfund Busse sie solches nicht mehr tun sollten..." In jenen Tagen gehörte Klausjagen keineswegs zum guten Ton.
Das änderte sich erst, als 1928 die St. Nikolausengesellschaft gegründet wurde, mit dem Ziel das Klausjagen zu erhalten und in Bahnen zu lenken, die einem Weihnachtsbrauch gerecht würden. So waren zum Beispiel fortan nur noch traditionelle Lärminstrumente zugelassen. Neumodisches wie Blechbüchsen und mit Steinen gefüllte Benzinkanister traf der Bannstrahl der organisierten Klausjäger.
Inzwischen zählt der Verein, dem nur Männer beitreten dürfen, 1600 Mitglieder. Und damit der Heidenlärm, den sie alle Jahre wieder veranstalten einen christlichen Zweck erfüllt, sammeln sie zum Klausjagen für karitative Zwecke.Türkei: Wo lebte eigentlich der Nikolaus?
Wussten Sie, dass der Heilige Nikolaus in Anatolien (Türkei) gelebt hat? Ich habe die Kirche vom Nikolaus in Myra auch persönlich besucht. Vorher sagte ich zu meiner 4jährigen Tochter: "Jetzt besuchen wir das Haus vom Nikolaus."
Aber als wir dort ankamen und meine Kleine die Kirche sah, war sie sehr enttäuscht. Sie sagte zu mir: "Mami , ich habe mir vorgestellt, es ist ein Haus voll mit Geschenken." Sie war echt traurig.
Der Heilige Nikolaus wurde um 300 n. Chr. in Patara (nahe Antalya) geboren. Er studierte dann in Xanthos und wurde Bischof von Myra, wo er bis zu seinem Märtyrertod im Jahre 325 n. Chr. predigte.
In der Ortschaft von Demre befindet sich die Kirche des Heiligen Nikolaus, in der er nach seinem Tode beigesetzt wurde. Er wurde das Opfer einer der Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Diokletianus und man setzte ihn in besagter Kirche bei.
Unmittelbar nach dem Tod von Sankt Nikolaus setzte angeblich die wundersame Heilung von Kranken ein, welche das Grab des Heiligen besucht hatten und Myra wurde auf diese Weise zu einem Ort des Glaubens und der Wallfahrt. Kraft einer Legende wurde der heilige Nikolaus zum Schutzpatron der Kinder, denen er alljährlich in der Weihnachtszeit Geschenke bringt.
Das alte Myra ist mit der heutigen Ortschaft Demre in der Türkei identisch. Die arabische Invasion im 7. und 9. Jahrhundert zerstörte die Stadt mitsamt der Kirche. Im Jahre 1034 wurde sie völlig niedergerissen. Konstantinos Monomakhos und Kaiserin Zoe ließen die Kirche im 11. Jahrhundert wieder aufbauen. Sie blieb bis heute so erhalten. Im unteren Teil der Kirche sind Sarkophage zu sehen. In der Apsis und den Seitenschiffen befinden sich Fresken. Über eine Treppe gelangt man auf die obere Galerie, wo Ausgrabungsfunde ausgestellt sind.England: Papphütchen und Eierpunsch
Karnevalistische Züge trägt das Weihnachtsfest in England. Beim großen Weihnachtsessen am 25. Dezember tragen alle an der Tafel bunte Papphütchen und lassen Luftballons platzen. Aufgetischt werden ein mit Äpfeln und Backpflaumen gefüllter Truthahn, der berühmte Plumpudding und Eierpunsch. Und Nachmittags um 15 Uhr sieht das ganze Land fern, schließlich wird die Weihnachtsansprache der Queen übertragen.
Die Bescherung erfolgt in England erst am Morgen des 25. Dezember. Dann packen die Kinder und Erwachsenen die Geschenke aus, die der Weihnachtsmann in der Nacht in die Socken gestopft hat, die am Kamin aufgehängt waren. Nun, die etwas größeren Gaben wird er wohl wie in anderen Ländern auch unter den Weihnachtsbaum legen.Weihnachten wurde in Ungarn auch zur kommunistischen Zeit gefeiert. Da das Land lange Zeit zu Österreich gehörte, ähnelt das ungarische Weihnachten stark dem deutschen. Trotzdem gibt es eine Reihe Unterschiede.
Kinder erhalten am Nikolaustag nicht nur vom heiligen Mikulás ihre Stiefel gefüllt, die sie in die Fenster stellen, sondern die Eltern kaufen ihren Jüngsten auch Pralinen. Wenn der Nikolaus kommt, dann hat er in seiner Begleitung oftmals zwei böse Buben, die so genannten krampusz, die für die unangenehme Seite des Auftritts zuständig sind.
Adventskränze sind in Ungarn so beliebt, dass sie sogar in den meisten Büros aufgestellt werden. Die Kerzen tragen oft rotgoldene Bänder als Symbole des Lebens und des Lichts. Ganz wie bei uns sind Adventskalender mit einem winzigen Geschenk oder einer Süßigkeit bei Kindern beliebt. Doch werden die Straßen dort nicht - wie bei uns - so üppig weihnachtlich dekoriert.
Christbäume werden normalerweise erst am Heiligen Abend geschmückt, meist von der ganzen Familie, aber in manchen Häusern folgt man noch der alten Sitte, dass der Weihnachtsbaum als eine Überraschung für die Kinder von Engeln gebracht wird. Dann erklingen Glöckchen, die Lichter brennen und Geschenke liegen zu Füßen des Baums.
Das Weihnachtsessen besteht traditionellerweise aus Fisch oder Kraut, manchmal auch Pute; danach gibt es süße Mohn- oder Nusshörnchen, die Beigli. Und wie bei uns gehört die Mitternachtsmette zur Tradition vieler Familien.
Die am weitesten verbreitete alte Weihnachtstradition ist das Bethlehem-Spiel am ersten Feiertag. Dabei ziehen kostümierte Gruppen von erwachsenen jungen Leuten von Haus zu Haus und tragen ein Hirtenspiel über das Jesuskind mit Liedern und Gedichten vor.