August 2017

 

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1. August

Feldeinsamkeit

Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
von Grillen rings umschwirrt ohn' Unterlass,
von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne, weiße Wolken zieh'n dahin
durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume:
mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

Hermann Ludwig Allmers

2. August

Funkien

Sie bezaubern und man kann diese Staude im Beet und besonders als Einfassung für Wege und Rabatten einsetzen. Die Blätter sind wunderschön, aber auch die Blüten eine Zierde. Für schattige Stellen sind sie besonders geeignet, vermehren sich schnell und lassen sich gut teilen.

Durch Zufall hatten wir in einem Gartencenter eine Pflanze entdeckt, die ihren Steinbehälter bald ganz ausfüllte, im Herbst herausgenommen und mehrmals geteilt wurde. Nun erfreuen uns die Pflanzen mit den bezaubernden Blüten jedes Jahr aufs Neue.

Im Herbst verfärben sich die Blätter anfangs und ziehen dann ganz ein, um im Frühjahr wieder auszutreiben, sind somit sehr robust.

    

3. August

Das Göttliche

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!
Denn das allein Unterscheidet ihn
von allen Wesen, die wir kennen.

Heil den unbekannten höhern Wesen,
die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch,
sein Beispiel lehr’ uns jene glauben.

Denn unfühlend ist die Natur;
Es leuchtet die Sonne über Bös’ und Gute,
und dem Verbrecher
glänzen, wie dem Besten der Mond und die Sterne.

Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche;
Er unterscheidet, wählet und richtet;
er kann dem Augenblick Dauer verleihen.

Der edle Mensch sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff’ er das Nützliche, Rechte,
sei uns ein Vorbild jener geahnten Wesen!

Johann Wolfgang Goethe

4. August

Vom Magen und den Gliedern

Das römische Volk zerfiel in zwei Stände: Patrizier und Plebejer.
Die Patrizier waren die Nachkommen der Urbevölkerung Roms; sie bildeten den Adelsstand, aus dem die Konsuln und Senatoren gewählt wurden, genossen die größten Vorrechte und waren reich, stolz und herrschsüchtig.
Die Plebejer hingegen stammten von den später in Rom eingewanderten Familien ab; sie bildeten die große Volksmasse der Gewerbetreibenden, der Handwerker, Arbeiter und Kleinbauern, hingen von der Gnade der reichen Patrizier ab, wurden oft deren Schuldner und Leibeigene.
Kurz: die Patrizier waren die Herren und die Plebejer die Knechte.
Zwischen den beiden Ständen kam es oft zu heftigen Reibungen und feindseligen Auftritten, doch gelang es den mächtigen Konsuln und Senatoren immer wieder, durch Drohungen oder Versprechungen den Ausbruch gefährlicher Unruhen zu unterdrücken.
Eines Tages trat auf dem Markt ein Mann auf, dessen ganze Erscheinung ein abschreckendes Bild der Not und des Elends darbot. Sein hochgewachsener Körper war abgemagert, tief gebeugt und hinfällig, das Gesicht eingefallen und leidend, verwildert Haupthaar und Bart und die Kleidung durchlöchert und schmutzig wie das Lumpengewand eines Bettlers. Dabei sah man dem Elenden wohl an, dass er einst bessere Tage gesehen, und mancher in dem Volkshaufen, der herbeigeeilt war, erkannte ihn und erzählte den andern, der bejammernswerte Mann sei einst römischer Hauptmann gewesen und habe im Kriege tapfere Taten vollbracht. Als man ihn selbst darum befragte, bestätigte er die Angaben, öffnete sein Wams und zeigte dem Volke seine narbenvolle Brust. Nun begehrte man zu wissen, auf welche Weise er so arm und elend geworden sei, und unter tiefem Schweigen der Menge erzählte der alte Hauptmann: "Als ich im Sabinerkriege draußen wider die Feinde Roms stritt, wurde daheim die Ernte meines Feldes vernichtet, mein Haus durch Feuer zerstört und meine kleine Herde fortgetrieben. Heimgekehrt aus dem Kriege, stand ich völlig mittellos da und musste Geld leihen, um mein Leben zu fristen. Ich konnte die Zinsen nicht herbeischaffen, meine Schuldsumme wuchs immer mehr an, und endlich war ich gezwungen, mein von den Vätern ererbtes Grundstück und meine Freiheit den harten Gläubigern zu opfern. So hatte ich ohne meine Schuld alles verloren und war Leibeigener eines grausamen Patriziers geworden, der mich mit den härtesten Entbehrungen strafte und endlich sogar in ein Zuchthaus und in die Marterkammer schickte. Dort hat man mich so übel zugerichtet, wie eure Augen mich hier sehen."
Nach diesen Worten entblößte der Unglückliche seinen Rücken und zeigte allem Volke die schrecklichen Spuren der Misshandlungen, denen er ausgesetzt gewesen war.
Bei diesem Anblick erhob die Menge ein ungeheures Wutgeschrei, das immer mehr anwuchs und bald die ganze Stadt erfüllte. Die Plebejer scharten sich in Haufen zusammen und berieten, was geschehen müsse, um die Patrizier zur Erfüllung ihrer Versprechungen zu zwingen. Es wurde beschlossen, Rom zu verlassen, und unter Anführung eines Mannes mit Namen Sicinius zog die Menge auf den heiligen Berg, dreitausend Schritte von der Stadt entfernt. Dort wurde ein festes Lager mit Wall und Graben aufgeschlagen; man schaffte die nötigen Lebensmittel herbei und wartete ruhig ab, was die Patrizier nun beginnen würden.
In der Stadt herrschte große Bestürzung - was sollte aus den Patriziern werden, da überall die fleißigen Hände fehlten? Und wenn nun ein Feind von außen gegen Rom heranzöge, was dann? Wo sollte der Staat die Kriegsmannen hernehmen, um das feindliche Heer zurückzuschlagen? Rom konnte ohne die Menge der Plebejer unmöglich bestehen; das sahen die Herren wohl ein, und es wurde beschlossen, den klugen und bei allem Volke beliebten Redner Menenius Agrippa auf den heiligen Berg zu senden, damit dieser Mann, der selbst von den Plebejern abstammte, die Ausgewanderten wieder in die Stadt zurückführte.
Der Gesandte zog seine Straße, erstieg den heiligen Berg und wurde mit Freuden in das Lager hereingelassen, wusste doch jedermann, dass er ein wahrer Freund des Volkes sei. Und was tat Menenius Agrippa, als er nun mitten unter den Plebejern stand? 

Er gebot mit der erhobenen Hand Schweigen und erzählte freundlich und ruhig folgende Fabel: Einst empörten sich die Glieder des Körpers wider den Magen, der, wie sie meinten, ganz allein untätig sei und alles, was sie mit Fleiß und Mühe erarbeiteten, nur aufnähme und genösse. Das sollte nun aufhören; sie beschlossen, die Arbeit einzustellen: die Füße wollten nicht mehr laufen, die Hände nicht mehr wirken und schaffen, der Mund keine Speise mehr aufnehmen und die Zähne sie nicht mehr zermalmen. Diesen Vorsatz führten die Glieder eine Zeitlang aus. Bald aber merkten sie, dass sie selbst allesamt immer schwächer und schwächer wurden und absterben müssten, wenn sie dem Magen keine Speise mehr zuführten. Da ging den Verirrten ein Licht auf, und sie sahen ein, dass der Magen, den sie für ihren Feind gehalten, die Quelle ihres Lebens und ihrer Kräfte sei und dass sie ohne seine stille Tätigkeit allesamt verderben und sterben müssten. Die Einsicht brachte sie zur Vernunft; sie söhnten sich mit dem Magen aus, führten ihm wieder Speise zu und wurden stark und glücklich.

"Wisst ihr, was diese wahrhaftige Geschichte bedeutet, meine Brüder?", fragte Menenius mit erhobener Stimme. "Höret! Der Senat von Rom gleicht dem Magen und ihr den Gliedern; wollt ihr leben und glücklich sein, so kehret zurück in die Stadt und schaffet fleißig Speise herbei, damit der große Körper, der römische Staat, leben und gedeihen kann; das ist euer Heil!"
Das Volk begriff die Wahrheit dieser Rede, es knüpfte Verhandlungen mit dem Senat an, erhielt die feierliche Zusage der Erfüllung seiner Wünsche und kehrte wieder in die Stadt zurück.

Gustav Schalk

5. August

Aufruf an die Senioren
 
I
hr sollt nicht immer von Krankheiten reden,
denn irgendwas plagt im Alter doch jeden:
ein bisschen Rheuma, ein schlechtes Gehör,
verschlissene Knochen, das Gehen fällt schwer,
der Kreislauf ist träge, schlechter das Sehn,
die Zähne sind locker, bevor sie ganz gehen;
das Gedächtnis hat Lücken, man sucht oft vergebens
nach bestimmten Dingen des vergangenen Lebens,
das Blut hat Zucker, die Haare sind grau
die Galle macht Sprünge, der Magen ist flau,
der Mastdarm ist müde, der Bauch kugelrund,
die Taille hat Ringe, der Hintern ist wund,
doch eins allein ist jetzt für euch richtig:
nehmt alles gelassen, nehmt nichts mehr so wichtig,
dann lacht über allem wieder die Sonne,
ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.

In den Stadtpark könnt ihr später noch gehen,
jetzt solltet ihr euch in der Welt umsehn,
fahrt ins Gebirge, fahrt an die See,
genießt die Wärme, seid froh im Schnee.
Jetzt treibt euch niemand, jetzt habt ihr Zeit,
die Welt ist doch schön und so herrlich weit.
Jetzt zu verreisen ist gar kein Problem,
ihr weicht dem Stau aus, ihr fahrt ganz bequem.
ihr müsst jetzt leben, zusammen verreisen,
zusammen ausgehen und herrlich speisen.
Trinkt einen Fruchtsaft, ein Bier oder Wein –
und lasst euch nicht stören beim Fröhlichsein.
Seid glücklich zusammen und ganz ungezwungen,
denn wenn euch das so richtig gelungen,
dann lacht euch das Leben, lacht euch die Sonne,
ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.

Ihr sollt Geist und Glieder bewegen
und nicht in den Schoß die Hände legen.
Schwimmen und Wandern, Gymnastik und Tanz
verleiht auch euren Tagen noch Glanz.
Der Geist sei beweglich und nie in Ruh,
das hält euch fit und ihr lernt noch dazu.
Seid ihr zusammen ein älteres Paar,
seid dankbar dafür, es ist wunderbar.
Nehmt in den Arm euch, gebt euch ’nen Kuss,
das ist auch im Alter noch stets ein Genuss.
Tut euch zusammen, wenn ihr allein,
die Einsamkeit, die kann schrecklich sein.
Gebt Wärme euch stets und Gemütlichkeit
und immer wieder auch Zärtlichkeit, -
es gibt doch nichts Schöneres unter der Sonne
ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.

Ihr sollt nicht mit eurer Rente sparen,
ihr habt sie erworben in vielen Jahren.
Nehmt euer Geld und genießt das Leben –
Ihr müsst nicht alles den Nachkommen geben.
Ihr habt nach dem Krieg mit Null angefangen,
so ist es den Jungen niemals ergangen:
und stets ins gemachte Bett sich zu legen,
gereichte noch niemanden wirklich zum Segen.
Haut auf die Pauke, macht es euch schön,
und seht nicht wie schnell die Tage vergehn.
Selbst wenn euch auch jetzt mal etwas bedrückt:
bejaht das Leben und seid entzückt.
Jetzt ist es bestimmt noch längst nicht zu spät,
doch die Zeit, die kommt, wo dann nichts mehr geht.
Jetzt aber lacht über euch noch die Sonne,
ihr Lieben, das Leben ist doch eine Wonne.

???

6. August

Die Schmiede

„O Mutter! Da möchte ich zusehen!“, rief Bernhard und blieb vor einem weit geöffneten Tore stehen. Es war eine Schmiede. Der Schmied stand am Amboss und ein Geselle bei ihm. Der Lehrling zog an dem großen Blasebalg und stocherte mit einem Eisenhaken in dem Feuer herum. Das glühte jedes Mal hell auf, wenn der Blasebalg angezogen wurde. Alles in der Schmiede war dunkel und schwarz vom Rauch. Viele Hufeisen lagen auf dem Fußboden in einem Haufen. Wagenräder, neue und alte, helle und zerbrochene, standen herum. Eine große Bohrmaschine war in einer Ecke aufgestellt. Schwäre Hämmer und lange Eisenzangen lehnten an dem Amboss.
Der Schmiedemeister griff mit seiner Zange in das Feuer und holte ein weiß glühendes Stück Eisen heraus. Das wurde auf den Amboss gelegt, und der Geselle fasste einen schweren Hammer mit beiden Händen und ließ ihn auf das glühende Eisenstück niederfallen. Der Meister klopfte mit einem kleinen Hammer im Takte dazu. Bumm ping ping, bumm ping, bumm ping ping, schallte es immer genau im Takte. Das glühende Eisen wurde durch jeden Schlag breiter und platter geklopft. Die Funken sprangen, sowie der große Hammer das Eisen traf, nach allen Seiten, an die Lederschürze des Gesellen, auf den Boden und überall hin. Dann wurde das Eisen mit der Zange umgedreht und wieder mit dem schweren Hammer bearbeitet. Als es nicht mehr glühte, kam es noch einmal in das Feuer.
Bernhard hätte gern noch lange zugesehen und wäre am liebsten in die Schmiede hineingegangen, aber seine Mutter konnte nicht länger warten, und so gingen sie weiter.
„Ich will auch Schmied werden“, sagte Bernhard, „dann darf ich auch Hufeisen machen und brauche einen Amboss und einen dicken Hammer.“
„Erst musst du groß und stark sein, mein Kind“, sagte die Mutter, „sonst kannst du kein Schmied werden.“

Aus meinem Schullesebuch von 1945 - nach Heinrich Scharrelmann

7. August

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben;
Seine Wort’ und Werke
merkt’ ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu’ ich Wunder auch.

Walle! Walle
manche Strecke,
dass zum Zwecke
Wasser fließe,
und mit reichem vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! Walle
manche Strecke,
dass zum Zwecke
Wasser fließe,
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! Ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt
wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! Stehe!
Denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen!
Ach, ich merk es! Wehe! Wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behände!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
ach! Und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! Nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! Welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst’s am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behände
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! Brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen
und ich atme frei!

Wehe! Wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
wird’s im Saal und auf den Stufen:
Welch ein entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! Hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief die Geister,
werd’ ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“

Johann Wolfgang von Goethe

8. August

Geißblatt

Bereits der Name weist auf die Besonderheit hin, dass diese Pflanze gut klettern kann.

In unseren Gärten entwickeln vor allem Hybriden viele stark duftende Blüten, die zudem den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein zweifarbig blühen.
Auf viele Fluginsekten haben die Blüten des Geißblattes eine magische Wirkung; tagsüber sind sie von Tagfaltern, Hummeln und Bienen umlagert und abends, wenn sie einen berauschenden Duft ausströmen, von zahlreichen Nachtfaltern. Nach Eintritt der Dämmerung schwirren unzählige Nachtfalter heran, die nach der Obstbaumblüte den ganzen Sommer über am blühenden Geißblatt Nahrung finden und an benachbarten Gehölzen ihre Eier ablegen. Nur in kalten, feuchten Sommern ist die Population der Nachtfalter geringer, was man daran ablesen kann, dass das Geißblatt nur wenige Früchte entwickelt. Diese sind giftig und eignen sich nicht zum Verzehr.

    

Das Geißblatt ist mit jedem normalen Gartenboden zufrieden, doch Staunässe sowie Trockenheit sind zu meiden, selbst ein halbschattiger Platz reicht aus. Man sollte aber bedenken, dass sich an einem vollsonnigen Standort bedeutend mehr Blüten entwickeln, die an warmen Sommerabenden ihren berauschenden Duft ausströmen.

9. August

Sommermorgen

O Sommermorgen, wie bist du so schön,
so schön im Tal und auf den Höhn!
Wenn’s Morgenrot aus Osten strahlt
und golden den Saum der Wolken malt,
und mit immer glänzend röterer Glut
auf den Wipfeln der dunklen Wälder ruht;
Wenn Halm‘ und Blumen in Flur und Au
frisch duften im kühlen Morgentau;
Wenn durch des Waldes Stille der Quell
vorüber rieselt silberhell;
Wenn durch die Blätter säuselt der Wind
und im Felde die Lerch‘ ihr Lied beginnt:
Dann muss das Herz in Andacht beben
und auch gen Himmel sein Lied erheben.

Hoffmann von Fallersleben

10. August

Wer spart, der hat

Zwei Einwohner eines Dorfes, das abgebrannt war, gingen im Nachbardorf von Haus zu Haus, um milde Gaben für ihre Familien zu sammeln. Sie kamen zu einem großen und schmucken Bauernhof. Dieser Bauer muss reich sein, dachten sie. Als sie sich dem Hause näherten, hörten sie, wie der Bauer mit einem Knecht schalt, weil dieser Handwerkszeug über Nacht im Regen liegen ließ. "Glaubst du", schimpfte er den Knecht aus, "das Handwerkszeug kostet kein Geld? Man muss es pflegen und darf es nicht verkommen lassen. Merke dir das!"

Die beiden Bittsucher sahen sich an, und einer meinte: "Das scheint ein großer Geizhals zu sein. Bei ihm werden wir kaum etwas bekommen." Wie verwundert waren sie aber, als der Bauer sie freundlich empfing. Er lud sie zu sich ins Haus, hörte ihr Bittgesuch an und gab ihnen zu essen und zu trinken. Beim Abschied drückte er jedem von ihnen ein Paket mit Lebensmitteln und eine Geldsumme in die Hand. Beschämt gestanden die Bittsucher, dass sie ihn für hartherzig und geizig gehalten hatten, weil er dem Knecht wegen des Handwerkzeugs solche Vorwürfe gemacht hatte.
"Nur weil ich sparsam bin und mein Zeug in Ordnung halte, kann ich Notleidenden helfen", sagte der Bauer und begleitete die beiden Beschenkten an die Tür.

Nach einer Überlieferung

11. August

ZWEI HAMSTER

Ein Hamster war vom frühen Morgen
bis in die späte Nacht bemüht,
sich auf den Winter zu versorgen;
Weil jeder kluge Wirt auf künft'ge Zeiten sieht

Sein Nachbar hielt nicht viel
von Fleiß und Sparsamkeit.
Er war noch jung und ließ die edle Zeit
leichtsinnig unter Spiel und Zeitvertreib vergehen.
Denn weil noch jetzt das ganze Land
bedeckt mit reichen Saaten stand,
hielt er's für albern, sich mit Vorrat zu versehen,
und glaubt', es würden allemal
die vollen Ähren ohne Zahl,
wie jetzt, auf allen Feldern stehen.

Als nun die Zeit der Ernte kam
und seinen Irrtum ihm benahm;
Da sah er, doch zu spät, sein künftig Elend ein
und ließ sich seine Torheit reu'n.
Denn er auch konnte reich, so wie sein Nachbar, sein.
Statt dass er, weil er jetzt nichts mehr zu finden wusste,
erst betteln, dann verhungern musste.

überliefert

12. August

Regenwetter

Da sitzt man nun und wartet auf die Sonne.
Der Himmel baumelt wie ein nasser Sack hernieder.
Aus Wolkenfetzen blickt ein Schimmer
hin und wieder in meine Kammer wie in eine Regentonne.

Man wartet schon am Abend auf den nächsten Morgen.
Der kommt mit Wasserstiefeln und mit einer Nebelmütze,
klopft an das Fenster und schiebt durch die Ritze
schon wieder ein Paket mit neuen Sorgen.

Man wartet still von einem Jahr zum andern,
es schmerzt die Brust, die Seele - wird zermürbt.
Die Jahre und die Ideale wandern,
bis dass der letzte Hoffnungsschimmer stirbt.

Da hockt man nun in seiner Regentonne
und findet niemals die ersehnte Ruh.
Man sitzt und wartet, wartet auf die Sonne -
und wenn sie da ist, zieht man die Gardinen zu.
 

Fred Endrikat

Man kann bei jedem Wetter etwas unternehmen - mit richtiger Kleidung. Und das Warten auf die Sonne und ihr Aussperren beobachten wir ständig. Schade, dabei ist Licht so wichtig für uns und unser Seelenleben, der dunkle Winter ist lang genug.

13. August

Lavendel

Vollsonnig will er stehen und gerne auf kalkhaltigen Böden. Trockenheit macht ihm nichts aus.

Bereits seit dem 15. Jahrhundert gibt es nachweislich Parfüms und Seifen mit Lavendel, symbolisiert dieser Duft doch Sauberkeit und Frische, der lateinische Name "lavare"  bedeutet waschen. Auch als Zusatz zum Wasch- und Badewasser wurde er früher verwendet und sogar heute noch wirkt ein solches Bad entspannend, beruhigend, deshalb auch der volkstümliche Name "Nervenkräutel" und hilft bei unreiner Haut. Wegen der heilenden Kräfte wurde Lavendel auch in Klostergärten angebaut, hilft bei Husten, Asthma, Kopfschmerzen und Magenkrämpfen, empfohlen auch von Hildegard von Bingen bei Lungenbeschwerden.

Lavendelbeutelchen in Kleiderschränken sollen Motten fernhalten, aber auch die Wäsche lange frisch duften lassen und widerspenstige Männer gefügig machen, romantische Gefühle und Leidenschaft wecken. Lavendel galt früher als Symbol der Treue und sein Duft vertreibt Insekten, hält zu Rosen gepflanzt Blattläuse fern, ebenso Ameisen.

Wir haben unseren Ende Juli radikal zurückgeschnitten und er treibt wieder aus. Er ist winterhart und mehrjährig und erfreut uns jedes Jahr, auch als Bienenweide und für Schmetterlinge. Vorletztes Jahr habe ich seine Blüten geerntet und Beutelchen damit befüllt. In der Küche sind die Blüten eine essbare Dekoration, wird aber auch für andere Leckerbissen verwendet.

14. August

Heilpflanzensäfte

Artischockensaft: Die Bitterstoffe der essbaren Distel regen die Leber- und Gallentätigkeit an, sollen sogar cholesterinsenkend wirken und die Fettverdauung ankurbeln. Vor einer Mahlzeit einnehmen.

Birkensaft: Der süßlich schmeckende Saft der Birke lindert Harnwegsinfekte und rheumatische Beschwerden, wirkt durchspülend - für eine Frühjahrskur geeignet.

Brennnesselsaft: Das Elixier aus dem Kraut und der Wurzel hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit und sorgt für glatte, reine Haut.

Brunnenkressesaft: Der Saft wirkt blutreinigend, regt die Verdauung an und liefert zudem Jod und viel Vitamin C.
Brunnenkresse, auch Wasserkresse genannt, wächst an Seen und Bächen. Ihre saftigen, rundlichen, etwas bitter schmeckenden Blätter sind gut für Salat und zu Quark.

Löwenzahnsaft: Die Bitterstoffe des jungen Löwenzahns helfen der Leber, der Galle, dem Magen und der Bauchspeicheldrüse. Als Saft ideal für Entschlackungskuren.

Zinnkrautsaft: Die pflanzliche Kieselsäure strafft Haut und Gewebe, kräftigt Nägel und Haare, entwässert und regt die Nierentätigkeit an.

15. August

Du bist nicht auf der Erde,
um unglücklich zu werden.
Doch Glück ist allein
der innere Friede.
Lern ihn finden.
Du kannst es.
Überwinde dich selbst
und du wirst
die Welt überwinden.

Buddha

16. August

Übers Ärgern

Wenn du dich über das Verhalten einer anderen Person ärgerst, dann hat das immer etwas mit dir zu tun und nicht mit dieser Person.
Zum Beispiel, wenn in einem Café eine Person allein am Nebentisch, ohne ersichtlichen Grund, laut und herzlich lacht und dich das stört, weil man das doch nicht soll, dann bist du es wieder und nicht ihr Verhalten, was deinen Zorn auslöst.
Wenn ich mich länger als 15 Sekunden über etwas ärgere, hat das immer mit meinen unerledigten Geschäften zu tun. Deshalb sollten wir uns nur 15 Sekunden zugestehen, bis wir merken, dass es unsere eigenen Einstellungen und Erwartungshaltungen sind, die den eigentlichen Ärger auslösen, nicht unser angeblich blödes Verhalten, nicht das angeblich schlimme Verhalten eines anderen Menschen.

17. August

Erinnerung

Erinnerung an einen geliebten Menschen macht Mut
und tut unserer Seele immer wieder gut.

Stunden, in denen wir an ihn denken,
sollen unsere Augen und Sinne ewig auf ihn lenken.

Wir erinnern uns an die schönen Stunden,
in denen wir eng mit ihm verbunden.

Er bleibt stets in unserem Herzen,
es ist das beste Mittel gegen seelische Schmerzen.

Die Dankbarkeit, dass wir ihn hatten,
soll überstrahlen unsere großen Schatten.

Die Erinnerung ist wie eine Leiter in unserem Leben,
der Aufstieg soll uns neue Hoffnung geben.

Wenn unsere Augen zum Himmel sehen,
wissen wir, wir werden ihn einmal wiedersehen.

Detlef Wolfgang Scholz
August 2017

18. August

Wie oft wünsche oder erhoffe ich mir etwas und bin enttäuscht, weil es nur teilweise oder gar nicht eintrifft. Dann tröste ich mich mit dem "wer weiß" ... Genauso, wenn was Schlimmes geschehen ist - wer weiß - vielleicht wäre es noch schlimmer gekommen ...

Der Mann und das Pferd

Es lebte einmal vor langer Zeit in einem kleinen Dorf ein Mann. Er lebte ein einfaches und bescheidenes Leben. Sein einziger Besitz war ein Pferd. Eines Tages lief das Pferd weg und er konnte es nirgends finden. Da kamen die Leute des Dorfes zu dem Mann und sagten: "Du Armer, du tust uns so leid. Dein einziges Pferd, alles was du hattest, ist weggelaufen. Das Schicksal meint es nicht gut mit dir.“ Der Mann hörte den Leuten zu und sagte zuletzt nur: "Wer weiß?“

Nach Wochen kam das Pferd zurück, aber es kam nicht allein. Fünf Wildpferde hatte es unterwegs getroffen und es brachte diese mit nach Hause. Nun hatte der Mann sechs Pferde und war in diesem Dorf ein reicher Mann. Die Leute kamen und sagten: "Du bist ein Glückspilz! Nun hast du sechs Pferde, du bist reich. Freu dich!" Der Mann sagte nur: "Wer weiß?“

Der Mann hatte einen einzigen Sohn und dieser freute sich ebenfalls über die Wildpferde. Er begann damit, sie zuzureiten. Eines Tages jedoch warf ihn eines der Pferde ab, er stürzte zu Boden und verletzte sich so schwer, dass er nie mehr richtig gehen konnte.
Da kamen die Leute des Dorfes und sagten: "Du armer, armer Mann. Wie schlimm, dass dein Pferd diese Wildpferde mitgebracht hat. Nun ist dein Sohn für immer behindert. Du hast es wirklich schwer im Leben." Der Mann jedoch sagte nur: "Wer weiß?“

Ein anderes Land erklärte dem Land, in dem der Mann wohnte, den Krieg und alle jungen Männer des Dorfes mussten Soldaten werden. Sie zogen fort und keiner kam je wieder zurück. Der einzige junge Mann, der im Dorf bleiben konnte und so den Krieg überlebte, war der Behinderte. Da kamen die Leute zu dem Mann und weinten über ihre Söhne und sagten: "Du hast es gut, dein Sohn lebt. Wie gut, dass er damals vom Pferd gefallen ist. Doch der Mann sagte nur: "Wer weiß?"

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