Oktober 2017

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1. Oktober

Kalender

Was geht dir durch den Kopf, wenn du auf den Kalender schaust?

Wird dir bewusst, dass mit jedem Tag die Uhr deines Lebens tickt?

Eine Schwangere wartet auf den Tag, an dem ihr Kind geboren wird.

Jeden Tag wächst ein Kind, wird größer und reifer.

Du hoffst Tag für Tag darauf, dass es dir gut geht.

Du bist glücklich, wenn du arbeiten kannst
und dein Leben einen Sinn hat.

Wenn du krank bist, hoffst du jeden Tag auf Heilung.

Wenn du fernsiehst oder Zeitung liest, erschrecken dich jeden Tag
Ereignisse, die anderen Menschen und dir Schaden zufügen.

Du hoffst jeden Tag, auf ein friedliches Leben, dass Gott dich
beschützt und dass die Zeiten besser werden.

Mit Erstaunen erlebst du jeden Geburtstag, wenn dir bewusst wird,
dass du älter wirst und die Erinnerung immer mehr Raum
in deinem Leben einnimmt.

Die Erinnerung ist etwas ganz Persönliches, das dir keiner nehmen
kann, egal, ob du arm, reich, krank oder gesund bist,
sie ist ein unermesslicher Schatz.

Wenn du alt bist und den Kalender umblätterst, wird dir jeder Tag
bewusster und macht dir klar,
dass du dem Himmel immer näher kommst.

Der Kalender soll dir keine Angst machen, sondern nur dein
Bewusstsein stärken, dass deine und unsere Zeit eben Grenzen hat.

Detlef Wolfgang Scholz
September 2017

2. Oktober

Die Stadt der Barmherzigkeit

Mitten im schönen Westfalenlande liegt eine eigenartige Stadt. Sie hat keinen Bürgermeister, kein Rathaus und keine Parteien, die sich streiten und sich in die Regierung teilen. Aber sonst hat sie alles, was zu einer richtigen Stadt gehört. Man findet dort Kirchen, Schulen und Krankenhäuser, Handwerksbetriebe und Fabriken, Kaufläden und Schreibstuben, Wasserleitung und Kanalisation, Fernsprecher und elektrisches Licht, Spielplätze und Friedhöfe, und an ihrem Rand liegen sogar einige schöne Ackerhöfe. Ihre breiten, schönen Straßen führen dicht vor den Toren Bielefelds durch zwei Längstäler des Teutoburger Waldes, und ihre Gassen klettern steil und mühsam auf die Höhe des von den Tälern eingeschlossenen Bergrückens.
Diese Stadt ist nicht an einem Tage erbaut worden, so wenig wie irgendeine andere. Im Herbst 1867 stand von ihr nur ein Häuslein. Barmherzige Menschenfreunde aus Rheinland und Westfalen hatten es angekauft, um es zu einer Pflegestätte für fallsüchtige Kranke einzurichten. Damit verbunden war ein kleines Diakonissenhaus, in dem Schwestern für ihren schweren. und schönen Beruf ausgebildet werden sollten. Da wurde im Jahre 1872 ein Mann zur Leitung der Häuser berufen, den heute fast jedes Westfalenkind kennt. Es war Pastor Friedrich von Bodelschwingh. Dem hatte Gott einen klugen Kopf und helle, weitsehende Augen geschenkt und, was noch wichtiger war, ein großes Herz voll tiefer, erbarmender Liebe zu allen Elenden und Kranken, Einsamen und Verlassenen. Unter seinen fleißigen Händen wuchs aus den kleinen Anfängen in vierzigjähriger treuer Arbeit die große Stadt der Elenden heran. Er hat nie etwas anderes sein wollen als ein "Handlanger Gottes", wie er sagte. Darum nannte er die Stadt "Bethel", d. h. Gotteshaus.
Wenn die Stadt der Elenden auch in vielen Dingen anderen Städten gleicht, in einem Stück ist sie doch anders, ganz anders. Ihre Einwohner sind einzig in ihrer Art. Sie sind nicht in dieser Stadt geboren, sondern von allen Himmelsrichtungen dort zusammengeströmt. Aus allen Gauen unseres Vaterlandes kommen sie und auch aus den benachbarten Ländern. Ja, einige sind sogar über das weite Meer aus fremden Erdteilen herübergekommen, um hier zu wohnen, um sich pflegen und, wenn möglich, heilen zu lassen. Kinder und Alte sind darunter, Knaben und Mädchen, Männer und Frauen, Arme und Vornehme. So verschieden sie sind, in einem Punkte sind sie alle gleich: ihr Körper ist krank, und ihr Geist ist gebunden von der furchtbaren Kette der Fallsucht. Plötzlich, wie vom Blitz getroffen, fallen sie um, die einen in stummer Qual, die andern mit dem gellenden Schrei der Angst. Mehr als zweitausend solcher Kranken wohnen jetzt in der Stadt. Im Laufe der Zeit haben sich auch noch andere hilfsbedürftige Menschen hinzugefunden: Geisteskranke und arme Trinker, Schwachsinnige und Heimatlose, "Brüder von der Landstraße", Lungenkranke und junge Burschen, die noch erzogen werden müssen. Etwa fünfhundert Kranke und Elende aller Art wohnen jetzt in den Häusern von Bethel. Welch eine Summe von Leiden und Not!
Man könnte denken, das sei ein trauriges Leben in einer solchen Stadt des Elends. Aber das ist ein Irrtum. Wer nach Bethel kommt, wundert sich oft, so manche vergnügte Gesichter zu sehen und so viel fröhlichen Gesang zu hören. Woher kommt das?
Es gibt dort keinen, der nicht nach dem Maß seiner Kräfte noch nützliche und frohe Arbeit tun darf. Die Kinder gehen in die Schule, die auf ihre Schwachheit Rücksicht nimmt. Die jungen Burschen dürfen ein Handwerk lernen. Die Erwachsenen dürfen in den Handwerksbetrieben oder auf den Schreibstuben, in der Gärtnerei oder auf den Ackerhöfen mithelfen, jeder, so gut er kann. Und die Schwachen und Kranken werden gehegt und gepflegt von "Brüdern und Schwestern“, die ihr Leben in den Dienst des Heilands an den Elenden und Kranken gestellt haben. Eine ganze Schar geschickter Ärzte sorgt für den kranken Leib und den müden Geist. Ihre Kunst sucht zu heilen und zu lindern, soviel sie kann. Und Prediger und Seelsorger bringen allen das Evangelium von Jesus, dem großen Arzt und Freund aller Sünder und kranken Seelen. Aus Gottes Wort lassen sie das helle Licht der Ewigkeit in die dunklen Täler des Leidens hineinleuchten.

Gustav Dietrich - Aus einem meiner alten Schullesebücher

3. Oktober

Wir Deutschen - zum Tag der Deutschen Einheit

Reiseweltmeister sind wir, überall im Gelände, auch wenn es unwegsam ist. Die Antarktis wird besucht und anschließend ist da Traurigkeit, weil man dort keinen Einheimischen gefunden hat, außer Pinguinen und kalbenden Eisbergen, die natürlich geknipst werden müssen, um sie daheim per Dia oder Video zu zeigen.

Selbst in Krisengebieten sind wir anzutreffen, kommen meist aus bedrohlichen Lagen glimpflich wieder raus. Mit Rucksack durch Dörfer, mögen die Beschwerden auch groß sein. Und wieder enttäuscht wenn das Abenteuer nicht so groß war, um bis zu 20 Prozent Geld zurückzufordern. Das kulturelle Interesse ist groß, es wird jede Kirche artig von außen und innen bewundert. Regionale Küche muss sein, mit der Bitte, nicht zu scharf zu würzen wie etwa in Tunesien, Mexiko oder Thailand und Co.

Dann gibt es den Typ, der sich von morgens bis abends - manchmal in sehr knapper Badehose - am Strand rösten läst. Deshalb werden ständig neue Hotels direkt am warmen Meer aufgestellt, um reichlich "Kohle" zu machen.

Beim Shopping wird gerne jeder Plunder mitgenommen, wobei erst zu Hause der Gestank des Polyesterkleides oder der Lederjacke bemerkt wird. Na ja, war ja günstig, man hatte fleißig "geschachert" und war stolz darauf.

Das mit den Handtüchern, mit denen wir Liegen am Strand blockieren - das stimmt nicht!

4. Oktober

Verse über das Leben

Ein Tag an dem du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag.

Hab die Menschen gern, so wie sie sind. Es gibt keine anderen.

Lerne, alt zu werden mit einem jungen Herzen. Das ist die ganze Kunst.

Lachen ist die beste Kosmetik fürs Äußere und die beste Medizin fürs Innere.

Zeit ist keine Schnellstraße, zwischen Wiege und Grab,
sondern Platz zum Parken in der Sonne.

Optimisten sind seltsame Wesen,
ist das Land voller Disteln und Dornen,
finden sie immer noch irgendwo eine Blume.

Ein fröhliches Gesicht - und schon lacht die Sonne.

Die letzten Freuden des Lebens sind stiller, aber auch tiefer.

Um glücklich zu sein ist es nicht wichtig,
mehr zu besitzen, sondern weniger zu begehren.

Bei glücklichen Menschen fand ich immer als Grund tiefe Geborgenheit, spontane Freude an kleinen Dingen
und eine große Einfachheit.

5. Oktober

Über einen Spruch des Predigers Salomo

Der Spruch soll sein der bekannte und in aller Welt gang und gäbe Modespruch: Es ist alles eitel.
Stellen Sie sich einen Mann vor, wie Sie den Salomo kennen, von viel Geschick und Gaben, der sein Herz begab zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut; der die Mittel in Händen hatte, sich alles, was dem Menschen gut dünkt, zu verschaffen, zu kosten und zu versuchen; und der auch nach seinem eignen Geständnis das alles wirklich gekostet und versucht hat; wenn der aufrichtig sagt: Ich habe dies und das getan, "baute Häuser, pflanzte Weinberge, machte mir Gärten und Lustgärten, hatte Knechte und Mägde, sammelte mir Silber und Gold, schaffte mir Sänger und Sängerinnen und wehrte meinem Herzen keine Freude, aber siehe, es war alles eitel", so sollte sein Spruch doch eigentlich zu denken geben. Und mich dünkte, er könnte uns viel Mühe ersparen.
Zum Beispiel: Du willst so gerne dies und das sein, Oberschenke oder Oberbäcker, und bringst darüber Dein Leben in Sorge und Unlust hin - Lieber! Salomo war mehr als Oberschenke und Oberbäcker; er war König über Israel, über das merkwürdigste Volk der Erde, und doch war damit ihm nicht geholfen. Wie sollte denn Dir geholfen sein? Darum sei fröhlich und habe Geduld und lass die andern Oberbäcker sein. So auch: Du wünschest Dir dies und das, ein Rittergut oder einen Mahagonitisch, denn groß oder klein ist eins wie das andere. Also Du wünschest Dir einen Mahagonitisch, kannst darum nicht schlafen, sinnest und sorgst und bildest Dir ein: mit dem Tisch werde die Glückseligkeit ins Haus kommen - Lieber! Salomo hatte lauter Mahagonitische! Eckschränke und Kommoden, Fußboden und Treppen, alles war von Mahagoni! Und er sagte: Alle die schönen Mahagonis taugen nicht. Was wird denn der einzige Tisch tun? Darum sei fröhlich an Deinem Tisch von Nussbaum- oder Föhrenholz und mache Dir Dein Leben nicht sauer!
Mir fällt hier Kaiser Karl V. ein. Er war bekanntlich ein großmächtiger Fürst, der seine Größe nicht eitel achtete, sondern sie durch viele Kriege und Siege zu behaupten suchte und auch wirklich behauptete. Auf einmal, als es nicht gar nach seinem Willen gehen wollte und dazu seine Gesundheit brüchig ward, dünkte ihm alles eitel. Er legte seine zwei Kronen nieder und ging nach Estremadura in ein Kloster. Hier pflegte er fleißig der Todesgedanken und Religionsübungen und machte in den Zwischenstunden Uhren zum Zeitvertreib und zu seinem Vergnügen. Bald wollte ihm auch das nicht mehr schmecken, und er mochte an nichts anders denken, von nichts anderem hören und sehen als vom Tode. Endlich ging er gar so weit, dass er bei lebendigem Leibe seine Exequien halten ließ. Der Kaiser Karl V. legte sich in den Sarg, wie eine Leiche bekleidet; zu beiden Seiten des Sarges standen seine Hofbedienten mit brennenden Wachskerzen, und die Geistlichen mussten die Exequien halten und für seine abgeschiedene Seele beten, und er betete selbst im Sarge inbrünstig mit. Er starb auch wirklich nicht lange hernach.
Der Tod ist ein eigener Mann. Er streift den Dingen dieser Welt ihre Regenbogenhaut ab, und es ist ein großer Gewinn, alles, was man tut, wie vor seinem Katheder und unter seinen Augen zu tun.

Matthias Claudius

6. Oktober

Vor langer Zeit ging ich auf dem Pfad des Lebens und sah ein Schild mit der Bezeichnung:

"Der Himmels-Laden"

Als ich näher kam, ging die Tür auf ... und bevor ich es begriff, war ich schon drin. Da sah ich überall Engel um mich herum!

Der eine gab mir einen Korb und sagte: "Du darfst alles einkaufen, was du dir wünschst. In diesem Laden gibt es alles, was Du begehrst ... und was du heute nicht tragen kannst, kannst du morgen tun.

Das erste, was ich nahm, war GEDULD, und dann nahm ich die LIEBE. Beide waren auf dem gleichen Regal

Etwas danach fand ich VERSTÄNDNIS, das ich auch genommen habe; so was braucht man ja überall ...

Außerdem habe ich 2 Schachteln WEISHEIT und 2 Säckchen GLAUBEN gekauft.
Selbstverständlich habe ich DEN HEILIGEN GEIST nicht vergessen, der sich überall befand.

Ich nahm mir auch die Zeit, etwas KRAFT und MUT zu kaufen, denn so was ist immer sehr hilfreich.

Als ich meinen Korb schon fast voll hatte, erinnerte ich mich, dass ich noch etwas GNADE und SEGEN brauchte.

Und SEELENHEIL sollte ich nicht vergessen. Dies wurde sogar GRATIS angeboten!!!
Natürlich habe ich genug für dich und für mich genommen!

Ich ging zur Kasse, um zu zahlen.

FRIEDEN und FREUDE befanden sich in kleinen Regalen. Ich habe sie auch aufgegriffen.
Das GLÜCK hing von der Decke herab, und ich habe ein Stück mitgenommen.

Ich war schon bei der Kasse und fragte: Wie viel muss ich zahlen?
Der Kassierer lächelte und sagte: Nimm einfach deinen Korb überall hin mit, wohin du gehst ...

Nochmals habe ich gefragt: OK, aber ... WIEVIEL muss ich wirklich zahlen?

Erneut lächelte er und sagte: Du sollst dich nicht mehr darum kümmern.

Diese Nachricht hat ihren Ursprung in Holland und ist neun Mal um die Welt gereist. So erhielt auch ich sie von einer besonders lieben Freundin, der ich hiermit danke.

7. Oktober

Der Drachen

 

„Hu, hu, was fliegt da für ein großer Vogel in der Luft? Es ist ein Ungeheuer, das uns auffressen will!“ So schreien die Vögelein, die über dem Felde in der Luft hin und her flogen. Sie flatterten ängstlich und suchten ihre Nester und Winkel.
Eine Schwalbenmutter, die zu ihren Kinderchen kam, erzählte ihnen von dem schrecklichen Dinge, das da in der Luft schwebte: Es hatte rote Augen, ein rotes Maul, ein breites Gesicht und einen langen, langen Schwanz, den es immer hin und her schlängelte. Ich habe vor lauter Angst die Fliege fallen lassen, die ich schon im Schnabel hatte und euch bringen wollte. Und die jungen Schwalben duckten sich furchtsam und krochen der Mutter unter die warmen Flügel; denn da waren sie doch ganz sicher und geborgen.
Nur die freisten Sperlinge sprachen untereinander in ihrer Sperlingssprache: „Wir wollen uns das närrische Ding doch mal etwas näher besehen, wir glauben noch gar nicht, dass es ein böser Raubvogel ist.“ Sie flogen grade darauf los; da merkten sie, dass das Ding von Papier sei, dass ihm Auge und Mund von roter Farbe angemalt waren und der fürchterliche Schwanz nichts weiter als ein Faden war, an dem kleine Papierstreifen hingen. Die wehten freilich tüchtig im Winde, aber die Sperlinge fürchteten sich nicht.
Die Sperlinge sagten es den anderen Vögeln und die schämten sich nun, dass sie sich so gefürchtet hatten.

Klemens Ernst

8. Oktober

Herbstlied

Feldeinwärts flog ein Vögelein
und sang im hellen Sonnenschein
mit süßem wunderbarem Ton.
Ade ich fliege nun davon,
weit, weit, weit,
reis ich noch heut,
weit, weit, weit.

Ich horchte auf den Feldgesang,
mir ward so wohl und doch so bang,
mit frohem Schmerz und trüber Lust
stieg wechselnd bald und sank die Brust.
Herz, Herz, Herz,
ist's Wonne oder Schmerz?
Mein Herz, mein Herz.

Doch als ich Blätter fallen sah
da dachte ich: Ach, der Herbst ist da!
Der Sommer geht, die Schwalbe flieht,
vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht,
weit, weit, weit,
rasch mit der Zeit,
weit, weit, weit.

Doch rückwärts kam der Sonnenschein,
dicht zu mir drauf das Vögelein,
es sah mein tränend Angesicht
und sang: Die Liebe wintert nicht,
nein, nein, nein
es ist und bleibet Frühlingsschein!
Nein, nein, nein! 

Aus einem alten Liederbuch

9. Oktober

Der Drachen

Helmut hatte zu seinem Geburtstag einen Drachen bekommen. Er war von gelbem Papier und hatte zwei blaue Sterne. Er hatte auch einen Schwanz von weißen Papierschnitzeln. Helmut band. einen langen Bindfaden daran und ließ ihn auf der Straße fliegen; denn dort wehte es tüchtig. Der Drachen flog gut und stieg bis an die Dächer hinauf. Aber Helmut musste in einem fort laufen; denn wenn er stehen blieb, so fiel der Drachen gleich auf die Erde.
Nun lief er wieder die Straße entlang, als ein Hund aus einem Hause herauskam und den Drachen sah. Und weil der Schwanz des Drachens so dicht vor seiner Nase umher flog, so war er nicht faul und rannte mit lautem Gebell hinterher. Helmut wollte sich totlachen; denn wenn der Hund zupacken wollte, so flog der Drachen in die Höhe. Und je mehr der Hund bellte und tobte, um so lustiger wurde unser Helmut.
Aber aus dem Lachen wurde auf einmal Weinen. Denn nun war die Straße zu Ende, und Helmut musste in eine Nebenstraße einbiegen. Da kam aber der Wind von der Seite und warf den Drachen gegen ein Haus. Der Drachen fiel herunter und schleifte auf der Straße dahin. Im Nu hatte ihn der Hund gepackt und mit den Pfoten und Zähnen zerrissen. Helmut war vor Schrecken außer sich. Er wollte dem Hund den Drachen wegreißen; aber der hielt ihn fest und wälzte sich in dem bunten Papier umher. Da kam ein Mann und jagte den bösen Hund davon. Weinend nahm Helmut die Stücke auf und brachte sie ins Haus.
Aber der Vater tröstete ihn und sagte: "Sonntagmorgen machen wir zusammen einen neuen Drachen und lassen ihn auf dem Felde steigen. Dann kann ihn kein böser Hund kriegen."

Fritz Gansberg - aus meinem ersten Lesebuch

10. Oktober

Ein guter Rat aus Kloster Banz

Wenn dich einmal der Hafer sticht,
aus deiner Haut zu fahren,
dann bleibe drin, es lohnt sich nicht!
Du kannst das Fahrgeld sparen.

Sieh dir die Haut erst einmal an,
bevor du draus verschwindest.
Du glaubst doch nicht im Ernst dran,
dass du was Besseres findest?

Du hast die Jugend drin verbracht,
dein Leben drin genossen;
sie ist für dich nach Maß gemacht,
sie sitzt wie angegossen!

11. Oktober

Folgenden Text bekam ich vor längerer Zeit von einer Freundin geschickt:

Der Weg ist oft lange und von dunklen Wolken beschattet, doch auch in dunklen Stunden gibt's einen Lichtblick.

Es gibt immer kleine Hilfen, die uns manchmal wie ein unsichtbarer Faden und ganz unbemerkt einen Augenblick durchs Leben navigieren.

Niemand räumt uns die Steine aus unserem Weg, aber vielleicht lernen wir die Form der Steine zu erkennen
und finden so den Weg, sie einfacher zu überwinden.

Die Sonne verabschiedet sich jeden Abend, doch jeder neue Morgen bringt sie uns wieder zurück
und jeder Tag gibt uns eine neue Chance.

Unser Leben ist wie ein Ozean, wir haben zu kämpfen, mit kleinen und größeren Wogen.

Wir werden irgendwann, irgendwo stranden, denn ganz egal wie turbulent und steinig der Weg war,
das Ziel wird immer paradiesisch sein.

Ein Ort zum Ausruhen und Genießen, aber auch um uns Gedanken über unser neues Ziel zu machen.
Der Ausgangspunkt um den neuen Weg gestärkt und optimistisch zu beschreiten!

Das eigene Leben zu leben ist unsere schwierigste Aufgabe!
Es gibt keine Vorlage, kein Patentrezept!
Wir sind frei, dürfen Fehler machen, können uns verbessern und bekommen eine neue Chance!
Wir haben immer eine Wahl!

Dein Leben liegt in deinen Händen!

Ein schöner Gedanke, deshalb mach immer das was Du willst - solange Du niemandem dabei schadest!

12. Oktober

Herbst - Hoffnung

Wieder fallen sacht die Blätter,
gold´n Blätter ohne Zahl,
und der Wind, er reißt die letzten,
und der Baum steht schwarz und kahl;
doch schau
die wundervollen Farben,
geh´ doch nicht so schnell vorbei:
das Blatt vergeht, doch neu kehrt´s wieder,
wenn die Rosen blüh´n im Mai.

???

13. Oktober

Der Erntekranz

Mit lautem Jubel bringen wir den schönsten Erntekranz
mit seiner Ähren lichten Pracht, viel mehr als Goldesglanz.

Das Brot, es schmeckt uns doppelt gut, was das heißt,
wenn man es selbst verdienen muss, mit vieler Müh und Fleiß.

Wir danken Gott für seine Gnad und weihen ihm die Kron,
für alle Fülle, die er gab, ist dies nur ein kleiner Lohn.

So wünschen wir dem Haus viel Glück und schenken ihm den Kranz.
Das ist der Schnitter Meisterstück, wiegt mehr als Goldesglanz.

Erntelied 1800

14. Oktober

Heiliges Brot

Baguette, das französische Brot, wird viermal am Tag frisch gebacken - außen goldbraun und knusprig, innen hell und locker. Es fehlt bei keiner Mahlzeit und wird von den Einheimischen stets gebrochen, nicht mit dem Messer geschnitten.
In Frankreich ist das Baguette nationales Kulturgut, selbst der Präsident kümmert sich um dieses Heiligtum und die kleinen Bäckereien, die blulangeries artisanales, die den größten Teil herstellen, sind deshalb sehr angesehen.
An fünfter Stelle steht diese Köstlichkeit in der nationalen Wertschätzung.
Doch es wächst die Konkurrenz von Brotfabriken und Supermärkten.
Die Baguette-Stangen, meist 40 Zentimeter lang, stammen aber ursprünglich aus Österreich.
Die Wiener Bäcker standen bei der Technik des Brotbackens bereits um 1830 an der Spitze Europas, setzten als erste Bierhefe ein und buken ein Brot aus Weizenmehl mit lang anhaltender Knusprigkeit und goldbrauner Farbe.
Der Offizier Baron Zang, ein Wiener Höfling, brachte dieses Brot 1838 nach Paris und es fand in seiner Bäckerei in der Rue Richelieu reißenden Absatz, da es nicht so sauer war wie das bisherige Brot der Franzosen. In diesem Viertel der Reichen blühte das Geschäft, denn Weißbrot galt immer noch als Herrenbrot.

15. Oktober

Lob des Brotes

Ein Kerl, der sich zu wehren weiß,
will was zu beißen haben.
Es mögen sich an süßer Speis
die Kinder und der Mummelgreis
und alte Tanten laben.

Die rechte Kraft gibt schwarzes Brot,
ob trocken, ob mit Butter.
Wer's isst, der kriegt die Wangen rot,
und keiner isst sich daran tot,
es ist gesundes Futter.

Wer fleißig seine Arbeit schafft,
der braucht gern seine Zähne.
Im Schwarzbrot steckt der Erde Saft,
die warme Sonne gab ihm die Kraft,
damit der Mensch sie nehme.

Und vieler Händ' am Werke sind.
Der Bauer pflügt die Äcker.
Des Müllers Rad dreht sich geschwind,
es helfen Wasser und der Wind,
das Mehl bekommt der Bäcker.

Wir alle essen, was er bäckt.
Sein Brot nährt Alt' und Junge.
Und was an Müh' hineingesteckt,
als neue Kraft wird's aufgeweckt,
mein Freund, auf deiner Zunge.

Was Mensch und Erde, Sonn und Wind
mit ihrer Kraft bereiten,
es sättigt Bauer und Gesind',
es nähret Mann und Weib und Kind
für heut und alle Zeiten.

Worte und Weise: Wilhelm Twittenhoff

16. Oktober

Unser "täglich Brot"

Brot und Brötchen sind eine gute Quelle für natürliche Schönheitsstoffe, da sie vitamin- und mineralstoffreich sind, in einer ausgewogenen Kombination.
Für ein ausgeglichenes Hautbild sind die Vitamine der B-Gruppe entscheidend:
Biotin kurbelt den Stoffwechsel an, versorgt die Haut mit Aufbaustoffen.
Niacin stellt Energie für die Zellerneuerung zur Verfügung.
Pantothensäure hilft bei der Heilung kleiner Wunden und regelt die Feuchtigkeit der Haut.

Schon vier Scheiben Brot decken zwanzig Prozent eines Tagesbedarfs an Biotin, mehr als ein Viertel der empfohlenen Zufuhr an Pantothensäure und nahezu vierzig Prozent der Niacinzufuhr. Vollkornbrote aus Roggen gehören zu den Vitamin-E-reichen Lebensmitteln, da in zwei Scheiben à fünfzig Gramm schon zehn Prozent der empfohlenen Zufuhr enthalten sind.

Es gibt mehr als dreihundert verschiedene Sorten von Getreideprodukten und somit ist eine kohlenhydrat- und abwechslungsreiche Ernährung möglich.
Brot und Brötchen, vor allem in Vollkorn, enthalten kein Cholesterin, in der Regel wenig Fett und liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

17. Oktober

Das Riesenspielzeug

Die Burg Niedeck ist im Elsaß wohlbekannt,
die Höhe, wo vorzeiten die Burg der Riesen stand;
sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer;
du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Einst kam das Riesenfräulein aus jener Burg hervor,
erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor
und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,
neugierig zu erkunden, wie's unten möchte sein.

Mit wen'gen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,
erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,
und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld
erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,
bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;
es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,
es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

"Ei, artig Spielding!", ruft sie, "das nehm' ich mit nach Haus!"
Sie knieet nieder, spreitet behend ihr Tüchlein aus
und feget mit den Händen, was da sich alles regt,
zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammenschlägt;

und eilt mit freud'gen Sprüngen - man weiß, wie Kinder sind -
zur Burg hinan und suchet den Vater geschwind:
"Ei, Vater, lieber Vater, ein Spielding wunderschön!
So Allerliebstes sah ich noch nie auf unsern Höhn."

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,
er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:
"Was Zappeliges bringst du in deinem Tuch herbei?
Du hüpfest ja vor Freuden; lass sehen, was es sei!"

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,
den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;
wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,
so klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

Der Alte wird gar ernsthaft und wiegt sein Haupt und spricht:
"Was hast du angerichtet? Das ist kein Spielzeug nicht!
Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin!
Der Bauer ist kein Spielzeug; was kommt dir in den Sinn!

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot!
Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;
Es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor;
Der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor!"

Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohlbekannt,
die Höhe, wo vorzeiten die Burg der Riesen stand;
sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
und fragst du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Adalbert von Chamisso

18. Oktober

Das siebte Gebot

Kurz vor Kriegsende waren wir als Deutsche von den Tschechen aus unserer Heimatstadt Brünn nach Wien vertrieben worden. Im März 1946 kamen Großmutter, Mutti und ich, damals gerade mal fünf Jahre alt, mit Hilfe der Amerikaner von Österreich in eine kleine Ortschaft nach Baden-Württemberg. Nicht besonders erwünscht waren wir hier. Verständlich, mussten die Einheimischen doch mit uns teilen und Wohngelegenheiten zur Verfügung stellen. Die auf den Lebensmittelkarten erwähnten Nahrungsmittel gab es nur auf dem Papier und oft war der Hunger sehr groß. Man versorgte sich vorwiegend aus der Natur: Beeren, Pflanzen, Wurzeln und Pilzen.
 
Ich erinnere mich, dass wir wieder einmal an einem sehr warmen Septembertag 1946 im Wald unterwegs waren, um Pilze zu sammeln. Aber es gab noch mehr hungrige Mitmenschen und wir fanden nichts. Mein Magen knurrte bedrohlich und ich weinte.
Resolut meinte Großmutter: „Mir nach!“
Geschwind steuerte sie einen neben der zerstörten Bahnlinie liegenden Acker an.
Muttis Einwand: „Mutter, lass das!“, ignorierte Großi konsequent.
Schnell eilte die alte Frau zu einer etwas innen liegenden Kartoffelreihe und bückte sich. Schon hatte sie das bereits herbstlich gefärbte Blattwerk herausgezogen und wühlte mit den Händen im Erdreich. Gleich darauf flogen die ersten Früchte ins nahe Gras. Mit einer aufmunternden und drängenden Gebärde verlangte Großmutter, dass wir die Erdäpfel auflesen sollten. Noch ein zweiter Kartoffelstock musste daran glauben, damit wir wenigstens ein oder zwei Mahlzeiten davon zehren könnten, denn Onkel und Vati waren seit kurzem aus der Gefangenschaft zu uns gekommen. Anschließend steckte Großmutter das Kraut wieder in die Erde, damit man das Fehlen nicht sofort bemerken konnte.
Plötzlich hörten wir das Gerumpel eines Fahrzeugs und das und Hott des Bauern. Wir rannten durch den nahen Wald. In den viel zu großen Gummistiefeln, richtige Schuhe gab es damals nicht, rutschte ich ständig aus und fiel oft hin. Hastig wurde ich von Mutti wieder hoch gezogen und weiter ging die Flucht, Großmutter mit der Beute vornweg, gefolgt von mir, während Mutti das Schlusslicht bildete.
Die Zweige des Unterholzes peitschten mir das Gesicht und die nackten Arme und Beine. Durch die Dornen der Brombeerruten war ich übersät mit roten und blutigen Striemen, die sofort stark zu schmerzen begannen.
Als wir weit genug entfernt waren, hielten wir heftig atmend an und versuchten zur Ruhe zu kommen. Der Himmel meinte es gut mit uns, denn wir fanden auch noch einige Pilze, mit denen wir das Diebesgut überdecken konnten.
 
Drei Jahre später im Kommunionsunterricht lehrte uns der Pfarrer die Zehn Gebote.
Beichten, liebe Kinder, hieß es, denn ihr dürft nur ohne Sünde vor den Herrn treten, um seinen Leib in Form der Hostie zu empfangen.
Aber der Gemeindepfarrer kannte uns alle bereits an der Stimme. Wie konnte ich da beichten?
 
Am Weißen Sonntag, Mutti hatte aus alten Sachen ein Kleidchen genäht und die Eltern sich das Geld für Kerze, Krönchen, Strumpfhose und Schuhe vom Mund abgespart, litt ich sehr. Mir war schwindlig und schlecht. Ich sah mich in der Hölle schmoren, denn unser Hirte hatte uns das im Falle einer nicht gebeichteten Sünde, bildhaft dargestellt.
 
Auch im späteren Religionsunterricht überlief mich jedes Mal beim Du sollst nicht stehlen ein kalter Schauer.
Selbst als junge Frau, mittlerweile der evangelischen Kirche beigetreten, dachte ich noch oft an die damalige Sünde. Wie dankbar bin ich, dass es in meinem  weiteren Leben, wenn auch oft Not herrschte, doch immer für das tägliche Brot reichte.

19. Oktober

Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Erich Kästner

20. Oktober

Wildobst

Äpfel, Quitten, Kürbisse und Walnüsse gibt es im Herbst, aber man sollte die Wildobstsorten dabei nicht vergessen, denn sie sind durch ihre gesunden Inhaltsstoffe überlegen.
Wildobst sind Bäume und Sträucher, mit essbaren Beeren, Früchten, Nüssen oder Blättern. Wildfrüchte dienen als Ausgangsmaterial für veredelte Zuchtsorgen.  Heidel-, Him- und Brombeeren, Schwarzer Holunder, Haselnüsse und Hagebutten sind fruchtende Zierpflanzen wie auch Felsenbirne, Sanddorn, Apfelbeere, Scheinquitte und Kirschpflaume Wildobstarten sind. Eingebürgerte Exoten wie Edelkastanien, Walnüsse aus dem Süden, die Bayernkiwi oder Maulbeeregehören auch dazu.
 
In der freien Natur Kornelkirsche, Schwarzer Holunder und die Wilde Heckenrose. 
Es ist egal, wo man Wildobstarten sammelt, sie sind Fitmacher für den Winter. Wildfrüchte kann man zu Konfitüre, Gelee, Saft oder Most verarbeiten, als Salat, Sauce oder einfach roh genießen.
Die kleinen Früchte der Eberesche, auch Vogelbeeren genannt, müssen erst durch Frosteinwirkung entbittert werden. Verwandte sind die etwas fad schmeckende Mehlbeere und die Elsbeere mit säuerlichem teigigem Fruchtfleisch. Die Früchte des Speierlings werden mit anderem Kernobst als Most vergoren, haben einen herb-frischen Geschmack.
Noch mehr Wildobstarten brauchen den Frost, um genießbar zu werden, vor allem die Früchte der Wildrosen, Schlehen, heimischen Berberitzen, ebenso die Mispel, die sogar noch einige Minusgrade mehr braucht. Roter Holunder und Scheinquitte sind nur gekocht genießbar.

Bunt und glänzend ist nicht immer essbar, denn viele Früchtchen können Übelkeit und sogar schwere Vergiftungen hervorrufen. Vor allem die blauschwarzen Beeren des Wilden Weins, die Früchte von Efeu, Schneeball, Liguster und Eiben (Taxus).

21. Oktober

Morgengebet

O wunderbares, tiefes Schweigen,
wie einsam ist‘s noch auf der Welt
Die Wälder nur sich leise neigen,
als ging der Herr durchs stille Feld.

Ich fühl mich recht wie neu geschaffen,
wo die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen,
ich schäm mich des im Morgenrot.

Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
will ich, ein Pilger, frohbereit
betreten nur wie eine Brücke
zu dir, Herr übern Strom der Zeit.

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
um schnöden Sold der Eitelkeit;
zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd
schwieg ich vor dir in Ewigkeit

Joseph Freiherr von Eichendorff

22. Oktober

Lebenszufriedenheit

Sind wir auch verschieden, suchen wir doch alle das Glück. Aber - was ist Glück? Forscher wollen das ergründen und die Positive Psychologie liefert interessante Erkenntnisse. Dieser Wissenszweig beschäftigt sich mit den förderlichen und guten Eigenschaften, den Stärken des Menschen und er hat sich zum Ziel gesetzt, Methoden für ein erfüllteres und glücklicheres Leben zu entwickeln.

Ein führender Experte hat darüber ein Buch geschrieben und danach bedeutet Glück zwar für jeden Menschen etwas anderes, jedoch gibt es 16 Bereiche, die das allgemeine Glücksempfinden beeinflussen: Gesundheit, Selbstwertgefühl, Ziele, Werte und spirituelles Leben, Geld, Arbeit, Spielen, Lernen und Kreativität und - Hilfsbereitschaft, Liebe, Freunde, Kinder, Verwandte, das eigene Heim, die Nachbarschaft und das öffentliche Leben. Zu seinem Glück braucht jeder Mensch allerdings eine andere Dosis dieser Bestandteile.

Über Gene werden 50 Prozent der Glücksfähigkeit vererbt, die weiteren 50 Prozent setzen sich aus diesen 16 Bereichen zusammen, aufgegliedert in: Vertrauen und Glauben, soziale Beziehungen, Privatleben. 

Meistens sind Menschen, denen materieller Reichtum wichtig ist, tendenziell pessimistischer und unglücklicher als andere - eigentlich mehr als erstaunlich.

23. Oktober

Also lautet der Beschluss,

dass der Mensch was lernen muss. -

Nicht allein das A B C

bringt den Menschen in die Höh':

nicht allein im Schreiben, Lesen

übt sich ein vernünftig Wesen;

nicht allein in Rechnungssachen

soll der Mensch sich Mühe machen;

sondern auch der Weisheit Lehren,

muss man mit Vergnügen hören.

Wilhelm Busch

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