Oktober 2018

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1. Oktober

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

2. Oktober

Orangerien mit Zitrusfrüchten vermitteln mir das Gefühl von Urlaub. Scheinbar klappt das aber auch daheim.

Die "Orangerie" wurde gebaut, damit empfindliche Pflanzen wie Orangen, Zitronen und andere Zitrusfrüchte auch in unseren Breitengraden überleben können. Zitruspflanzen, aber auch andere Gewächse, die aus den Subtropen stammen, wie Oleander, Phönix-Palmen, Yucca, Kamelien und noch viele mehr, bezeichnet man als Kalthauspflanzen, da sie perfekt für den Wintergarten, bzw. die Orangerie geeignet sind, die ja kühl aber frostfrei bleibt.
Hat man einen Wintergarten, hat man auch einen idealen Überwinterungsraum für diese Kübelpflanzen. Dort ist es hell, man kann sie ständig beobachten, weshalb sie auch besser gepflegt werden als in irgendeinem Kellerraum. Die Kalthauspflanzen behalten ihr Laub auch im Winter und sind so in dieser dunklen Zeit ein Schmuck.
Zitruspflanzen blühen und fruchten bei den richtigen Bedingungen sogar im Winter. Wer seinen Wintergarten als erweitertes Wohnzimmer nutzen möchte, der sollte sich auf Zimmerpflanzen beschränken, die es gerne warm haben, z. B. viele Palmenarten, Birkenfeigen und Aralien.

3. Oktober

Zum heutigen Tag der Deutschen Einheit und als Mahnung, dass die Menschheit aus schrecklichen Kriegen nichts gelernt hat. Leider!

Der gute Kamerad

Ich hatt’ einen Kameraden,
einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zu Streite,
er ging an meiner Seite
im gleichen Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
gilt es mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
er liegt zu meinen Füßen,
als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
derweil ich eben lad’.
„Kann dir die Hand nicht geben,
bleib du im ew’gen Leben
mein guter Kamerad!“

Ludwig Uhland

4. Oktober

Bei uns regnete es gestern endlich auch wieder mal, der Boden ist tiefgründig hart wie Zement und es wird dauern, bis sich das ändert.

Fröhlicher Regen
Wie der Regen tropft, 
Regen tropft,
an die Scheiben klopft!
Jeder Strauch ist nass bezopft.
Wie der Regen springt!
In den Blättern singt
eine Silberuhr.
Durch das Gras hinläuft,
wie eine Schneckenspur,
ein Streifen weiß beträuft.
Das stürmische Wasser schießt
in die Regentonne,
dass die überfließt,
und in breitem Schwall
auf den Weg bekiest
stürzt Fall um Fall.
Und der Regenriese,
der Blauhimmelhasser,
Silbertropfenprasser,
nieselnd fasst er in der Bäume Mähnen
lustvoll schnaubend in dem herrlich
vielen Wasser. 
Und er lacht mit fröhlich weißen Zähnen
und mit kugelrunden, nassen
Freudentränen.
Georg Britting

5. Oktober

(Das war gestern wieder nicht viel mit dem Regen, hat nur ganz schwach geniebelt und nach einer Weile ganz aufgehört. Heute scheint wieder die Sonne - schön - aber es fehlt immer noch dringendst das Wasser.

Hautpflege - bei jedem Wetter wichtig

Reife Haut braucht andere Pflege und spätestens ab 40 sollte man für das Gesicht spezielle Reinigungsprodukte verwenden. Reinigungsmilch oder Reinigungscremes, die mit Rückfetten und Feuchtigkeitsfaktoren angereichert sind, entfernen Schmutz und Bakterien ohne Hautreizung und verhindern Feuchtigkeitsverlust. Die Reinigungsprodukte nach der Anwendung unbedingt immer gründlich entfernen und darauf achten, nur alkoholfreie Gesichtswässer mit beruhigenden Zusätzen zu verwenden.
Duschen ist besser als Baden, der Kontakt der Haut mit dem Wasser ist dabei deutlich kürzer. Maximal einmal täglich duschen, dabei ein rückfettendes Präparat verwenden und die Wassertemperatur möglichst niedrig wählen.
Zur Pflege der Haut immer Produkte für reife Haut benutzen, je älter die Haut, umso mehr Fett und Nährstoffe braucht sie.
Wasser-in-Öl-Emulsionen mit einem Liquidanteil von über 50 Prozent sind besonders gut. Es sollten ausreichend Feuchtighaltefaktoren enthalten sein.
Nachtcremes mit höherem Fettanteil,  sowie regenerierenden Wirkstoffen.
Einmal in der Woche eine Crememaske, sie sorgt für mehr Feuchtigkeit in der oberen Hautschicht oder alternativ eine Nachtcreme dick auf Gesicht und Dekolletee. Darauf ein feuchtwarmes Handtuch, sanft angedrückt. Nach der Einwirkzeit die Poren durch Auflegen einer kalten Kompresse verschließen und mit einem weichen Handtuch abtupfen.
Für die Augenpartie spezielle Augencremes verwenden, mit abdeckenden oder aufhellenden Cremes Altersflecken der Haut abdecken. Wichtig ist ein konsequenter Sonnenschutz.

Mit einer gesunden und bewussten Lebensweise der vorzeitigen Hautalterung vorbeugen.

Ausreichend Schlaf, denn im Schlaf regenerieren sich die Zellen schneller als im wachen Zustand.

Mindestens zwei Liter Wasser, Säfte oder Früchte- beziehungsweise Kräutertees am Tag trinken, um die Hautzellen mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen.

Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Nährstoffen.

Regelmäßige Bewegung für die Durchblutung.

Klimatisierte Räume meiden und trockene Heizungsluft durch Luftbefeuchter und regelmäßiges Lüften mildern.

6. Oktober

Apfelkantate -

Das Apfeljahr

 

Der Apfel war nicht gleich am Baum
da war erst lauter Blüte,
das war erst lauter Blütenschaum
und lauter Lieb und Güte.
Dann waren Blätter grün an grün
und grün an grün nur Blätter,
Die Amsel nach des Tages Mühn,
sie sang ihr Abendlied gar kühn
und auch bei Regenwetter.

Der Herbst, der macht die Blätter steif
der Sommer muss sich packen.
Hei! Dass ich auf die Finger pfeif
da sind die ersten Äpfel reif
und haben rote Backen.
Und was bei Sonn' und Himmel war
erquickt nun Mund und Magen
und macht die Augen hell und klar.
So rundet sich das Apfeljahr
und mehr ist nicht zu sagen.

Mathias Claudius

7. Oktober

Apfelsorten

Es wird gesagt, die neuen Apfelsorten hätten nicht den Geschmack der früheren meist alten Sorten. Das stimmt nur teilweise, denn die Äpfel, die wir das ganze Jahr über bekommen, haben in der Regel einen langen Transport hinter sich und mussten meistens unreif geerntet haben. Somit konnten sie kein Aroma entwickeln. Die hier in Europa angebauten Äpfel werden geerntet, wenn sie pflückreif sind. Manche Äpfel schmecken erst nach einer bestimmten Lagerzeit, die je nach Sorte verschieden ist.
Trotzdem ist es schade, dass viele hervorragende alte Apfelsorten im Laufe der Jahre nicht mehr angebaut werden, weil der geringe Absatz den Anbau verhinderte, denn auch Obstbauern müssen sich nach der Nachfrage richten, um zu überleben. Die Kunden wollen leider nur schöne Sorten und durch die Obstimporte kann man bei uns das ganze Jahr hindurch frisches Obst und Gemüse zu halbwegs erschwinglichen Preisen bekommen.
Das gab es früher noch nicht! Der Apfel gehört zum ältesten heimischen Obst und früher standen Apfelbäume nicht nur in jedem Hausgarten, sie wurden auch viel als Straßenbäume gepflanzt. Heute geht das nicht mehr, denn die Belastung der Autoabgase wäre nicht gut, man könnte die Äpfel nicht mehr mit Schale essen, und eben unter der Schale sitzen die Vitamine, Mineral- und Nährstoffe.

Wer regelmäßig Äpfel isst, fördert nicht nur die Widerstandsfähigkeit seines Körpers gegen Erkältungskrankheiten, sondern senkt sogar den Cholesterinspiegel.

8. Oktober

Ach, wer doch das könnte

Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht,
hoch droben in den Lüften mein Drache nun steht,
die Rippen von Holze, der Leib von Papier,
zwei Ohren, ein Schwänzlein sind all seine Zier,
und ich denk: So drauf liegen im sonnigen Strahl,
ach, wer doch das könnte, nur ein einziges Mal!

Da guck ich dem Storch in das Sommernest dort:
„Guten Morgen, Frau Störchin, geht die Reise bald fort?“
Ich blick in die Häuser zum Schornstein hinein:
„Papachen, Mamachen, wie seid ihr so klein.“
Tief unter mir seh ich Fluss, Hügel und Tal –
Ach, wer doch das könnte, nur ein einziges Mal!

Und droben, gehoben auf schwindelnder Bahn,
da fass ich die Wolken, die segelnden an:
Ich ließ mich besuchen von Schwalben und Krähn
und könnte die Lerchen, die singenden sehn.
Die Englein belauscht ich im himmlischen Saal –
Ach, wer doch das könnte, nur ein einziges Mal.

Victor Blüthgen

9. Oktober

Kalebassen

Vor dem ersten Frost erntet man sie und trocknet sie vollständig an einem kühlen Ort. Will man sie bemalen, reibt man vorher die natürliche Wachsschicht mit Stahlwolle oder Sandpapier ab. Gerne verwendet man die reifen Früchte zum Basteln. Verschiedene Gefäße, Vasen, Schalen und Becher lassen sich daraus herstellen. 
Interessant ist, dass aus Kalebassen wohl die ersten Haushaltsgeräte hergestellt wurden. In vielen tropischen Ländern macht man das heute noch so. Die voll ausgereiften Früchte haben so harte Schalen, dass sie ohne besondere Behandlung haltbar sind, wenn man sie lange genug in normaler Zimmertemperatur trocknen lässt.
Man lässt die Früchte an den Pflanzen hängen, bis diese durch die ersten Fröste absterben. Schneidet man die Früchte dann auf und entfernt das Fruchtfleisch, trocknen sie viel schneller. Ansonsten kann die Trocknung bis zu einem Jahr dauern.
Nimmt man die Aussaat schon möglichst früh im Haus in kleinen Töpfchen vor, erntet man viel mehr reife Früchte. Die Jungpflanzen hell, aber nicht sonnig stellen und – ganz wichtig – rechtzeitig umtopfen, damit sich kräftige Setzlinge entwickeln können. Sind Mitte Mai keine Nachtfröste zu erwarten, ins Feiland setzen. Sie eignen sich gut zum Beranken von Laubenwänden und Pergolen, da sie sowieso eine Rankhilfe brauchen. Beste Erträge erzielt man an einem geschützten, warmen Platz mit nahrhafter Erde, wobei die bizarr geformten Früchte für den Garten ein interessanter Schmuck sind.

10. Oktober

Herbst
Der Garten ist nun herbstesmüd;
Er hat des Sommers reiche Frucht getragen.
Zur eigenen Freude er in gold'nen Farben glüht
in diesen letzten warmen Tagen.
Frühmorgennebel hüllt den Garten sachte ein,
lässt ihn behutsam in den Tag erwachen.
Die späten Asternsterne in der Sonne warten Dein,
Dich vor dem Winter noch blaulila anzulachen.
Und ist in Deinem Leben Herbst gekommen,
die schwere Last der Pflichten abgetan;
lass in Dein Herz die kleinen Wonnen,
ein jeder Tag dient sie Dir an. 
Rosamunde Bushart

11. Oktober

 

Hagebutten

 

Viel Vitamin C enthalten sie  und so wurden sie - vor allem früher - eifrig gesammelt. Es war sehr mühevoll, die Früchte der wilden Hagebutte von den haarigen Samen zu befreien. Für uns Kinder war es wie Juckpulver. Die Ernte und auch die Verarbeitung der großen Früchte der Kartoffelrose ist viel einfacher.

August bis September wird gepflückt, weil die Früchte bei der Ernte noch fest, aber gut durchgefärbt sein sollen. Schrumpeln die Früchte bereits, ist der Vitamingehalt geringer.

Lecker sind Hagebutten-Marmeladen und -Gelees. Die Früchte können aber auch für Tee getrocknet werden. Dabei muss man aber beachten, dass die Trocknung bei milder Temperatur im Backofen erfolgen muss, denn die Früchte, die ja sehr fleischig sind, würden bei einer normalen Lufttrocknung sehr leicht schimmeln.
Hagebuttentee trinkt man bei Vitamin-C-Mangel, gut gegen Frühjahrsmüdigkeit. Er wirkt harntreibend und hilft auch bei entzündlichen Nierenerkrankungen gut.

12. Oktober

Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen

Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
braune Blätter fallen müd' vom Baum
und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.
Möcht einmal noch wie damals kosen
möcht vom Frühling träumen und vom Glück.

Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
ach die Jugendzeit kehrt nie zurück.
Versunken ist die Frühlingszeit
kein Vogel singt im Lindenhain
die Welt verliert ihr Blütenkleid
und bald wird Winter sein.
Verlassen ist der Holderstrauch
an dem ich einst geküsst
es blieb ein Duft der wie ein Hauch
aus fernen Tagen ist.

Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
braune Blätter fallen müd' vom Baum
und der Herbstwind küsst die Herbstzeitlosen
mit dem Sommer flieht manch Jugendtraum.
Möcht einmal noch wie damals kosen
möcht vom Frühling träumen und vom Glück.

Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen
ach die Jugendzeit kehrt nie zurück.
Holde Jugend, holde Jugend
kämst du einmal doch zu mir zurück.

(Robert Stolz / B. Balz)

13. Oktober

Die Überwinterung von Balkonpflanzen,

(Fuchsien, Geranien, Margeriten und andere Mehrjährige) ist oft ein Problem. Zur Zeit muss man sich aber darüber Gedanken machen, denn in manchen Gegenden war es schon sehr kalt. Meistens trennt man sich im Herbst von solchen Pflanzen, denen der Nachtfrost schadet, denn in vielen Häusern gibt es kaum Überwinterungsmöglichkeiten. Auf dem Land ist das anders, dort gibt es Stallungen, Vorratsräume und ähnliche. Pflanzen, im Frühjahr neu anzuschaffen, kostet ganz schön Geld. 
Weil kaum jemand ideale Bedingungen schaffen kann, möchte man die Überwinterungszeit so kurz wie möglich halten. In einem Gewächshaus sind die Pflanzen optimal aufgehoben, man kann dort die Temperatur frostfrei halten und die Pflanzen kontrollieren. Absterbendes Laub muss ständig entfernt werden, damit es nicht fault und die Pflanzen dürfen nicht vollkommen trocken gehalten werden. Geranien sind da die Ausnahme.
Wohldosierte Wassergaben sind bei den meisten Pflanzen nötig und vor allem das regelmäßige und reichliche Lüften.
Schaden können Pflanzkrankheiten und Schädlinge anrichten, deshalb regelmäßig und gewissenhaft kontrollieren.  Auch die Blattunterseiten und Blattfaltungen müssen geprüft werden, denn Woll- und Schildläuse halten sich dort gern auf. Mit geeigneten Mitteln den Anfängen wehren, dann sind die Pflanzen im Frühjahr auch gesund.

14. Oktober

Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
ewig still steht die Vergangenheit.

Keine Ungeduld beflügelt
ihren Schritt, wenn sie verweilt.
Keine Furcht, kein Zweifel zügelt
ihren Lauf, wenn sie enteilt.
Keine Reu, kein Zaubersegen
kann die stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise
endigen des Lebens Reise,
nimm die zögernde zum Rat,
nicht zum Werkzeug deiner Tat.
Wähle nicht die fliehende zum Freund,
nicht die bleibende zum Feind.

Konfuzius

15. Oktober

Durch die Blume "sagen"

Das sind nur Andeutungen, denn man verhüllt seine klare Aussage. Man kann aber - früher war das häufig der Fall - tatsächlich "Blumen sprechen" lassen, denn die Bedeutung der Blumen war allen bekannt, und wer es nicht genau wusste, konnte sogar in einem "Lexikon der Blumensprache" nachschlagen.
Früher durften Liebende sich nicht wie heutzutage ungezwungen unterhalten, sich zu verabreden oder sich ihre Liebe gestehen. Man schickte sich deshalb Blumen, die solche Botschaften überbrachten. Nicht nur die Blumensorte war dabei von Bedeutung, sondern auch die Art, in der die Blumen gebunden und zusammengestellt waren, ob sie bereits voll erblüht oder noch knospig, hängend oder aufrecht stehend, mit Schleifen oder ohne gesteckt waren. Eine Fülle von Aussagen und Andeutungen, versteckt in einem Strauß.

16. Oktober

Ich will es öfters sagen,
damit ihrs alle wisst,
die ihr mich könntet fragen,
wie schön das Leben ist.

Die Leute, welche meinen,
die Welt sei schlecht gemacht,
sind nicht mit sich im Reinen
und gar noch nicht erwacht.

Im Guten wie im Schlechten,
hört eines Freundes Rat:
Nicht mit dem Schöpfer rechten,
der wusste, was er tat!

Gehst du am End zu Grunde,
so trag’s mit starkem Mut:
Die eine Schöpferstunde
macht alle Tode gut.

Carl Zuckmayer

17. Oktober

Eine Lehre für's Leben

August Strindberg

Ich war dreißig. Ich besaß ein Heim Frau und Kinder. Ich war mein eigener Herr. Und nachdem ich viel gearbeitet hatte, begann ich abends auch mal Freunde zu mir einzuladen. Wir taten nichts Böses; wir spielten wie Kinder mit Worten, verkleideten uns, um uns schöner zu machen - schwangen große Reden ... Ich glaube, man gönnte mir diese Stunden. Aber bald wurde ich ein bisschen übermütig. Und eines Nachts, gegen Morgen, da übertrieb ich's. Und ich sprach ein Wort aus, das ein verheirateter Mann nicht in den Mund nehmen sollte. Und - schon erhielt ich eine kräftige Ohrfeige! Ich fand das so selbstverständlich, dass ich wieder redete, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Allerdings nun in einer gebührenden Tonart. Keiner nahm groß Notiz von dem Geschehen, alles ging weiter wie bisher. Wir trennten uns alle als Freunde. Derjenige, der mir da die Ohrfeige versetzt hatte, war ein Junggeselle. Er galt nicht eben als sehr pingeliger Mensch. Und wenn er meinen Standpunkt so sehr missbilligt hatte, dann muss ich allerdings außerordentlich grob gewesen sein. Mehrere Tage trug ich das blaue Zeichen auf meiner Wange. Meine Frau sagte kein Wort - nur einer der Freunde sagte zu mir: "Wie konntest du dir das nur gefallen lassen?" - "Nun, ich muss wohl gefunden haben, dass ich sie verdiente. Was gibt es da mehr zu sagen?" 

Heute, da ich sechzig bin, wünschte ich, man hätte mir öfter solche Ohrfeigen im rechten Moment gegeben. Denn die erste hat nichts genützt. Wenn ich das alles jetzt bekenne, empfinde ich es als großes Glück, dass ich dies alles zugeben kann. Und nun möchte ich am liebsten noch zwanzig Jahre länger leben, um die Lehren, die ich erhalten habe, beherzigen zu können ...

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