September 2018

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1. September

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

2. September

Noch sieht man sie fliegen, sie sammeln sich und werden immer mehr, um dann gemeinsam wärmere Gefilde aufzusuchen. Nur leider sahen wir sie vorher überhaupt nicht und - es sind auch nicht mehr so viele wie wir es gewohnt sind. Schade!

Die Schwalbe

Frau Schwalbe ist 'ne Schwätzerin,
Sie schwatzt den ganzen Tag,
Sie plaudert mit der Nachbarin,
So lang sie plaudern mag.
Das zwitschert, das zwatschert
Den lieben langen Tag!
Das zwitschert, das zwatschert
Den lieben langen Tag!

Sie schwatzt von ihren Eltern viel,
Von ihren Kindern klein,
Und wenn sie niemand hören will
Schwatzt sie für sich allein,
Das zwitschert, das zwatschert
Und kann nicht stille sein!
Das zwitschert, das zwatschert
Und kann nicht stille sein!

Hat sie im Herbst Gesellschaft gar
Auf jedem Dache dort,
So schwatzen die Frau Schwalben all'
Erst recht in einem fort!
Das zwitschert, das zwatschert
Und man versteht kein Wort!
Das zwitschert, das zwatschert
Und man versteht kein Wort!

Kinderlied

3. September

Etwas über die Schwalben

Die Mehlschwalbe hat einen weißen Bürzel und eine weiße Unterseite, als Unterschied zur Rauchschwalbe. Beide Arten suchen ihre Nahrung bei Flüssen, Seen und Bauernhöfen. Im Flug wird die Beute - kleine Insekten - vor allem Mücken und Fliegen gefangen, kann man gut beobachten, wenn sie unterwegs sind. Die Mehlschwalbe zieht im Herbst in wärmere Gefilde, überwintert in der Regel in Afrika, weil sie bei uns keine Nahrung findet. Gebrütet wird aber hier, bis in den Norden Skandinaviens, südlich bis Kleinasien, Nordwestindien, Südostindien und Südostchina. Oft brütet die Mehlschwalbe im gleichen Gebiet wie die Rauchschwalbe, dringt in felsigen und bergigen Gebieten bis in 4 500 m Höhe vor, also weit über die Baumgrenze. In Gruppen zu Hunderten kann man die halbkugeligen Nester aus Lehm und Speichel dicht nebeneinander an überhängenden Fels- oder Hauswänden entdecken. Das Einflugsloch ist oben und die Höhe ist innen mit trockenen Grashalmen, Pflanzenteilen und Federn ausgepolstert.

Im Süden wird Mitte Mai, im Norden bis Ende Juni mit dem Brüten begonnen und bis in den Herbst hinein werden 2 oder 3 Jahresbruten aufgezogen. Die 4-5 Eier werden von Männchen und Weibchen abwechselnd bebrütet und nach dem Schlüpfen in etwa zwei Wochen werden auch die winzigen Nesthocker von den "Eltern" versorgt. Selbst wenn die Jungen nach 19-30 Tagen das Nest verlassen haben, müssen sie noch weiter versorgt werden. 

4. September

Kater und Sperling

Ein Sperling flog auf den Bauernhof. Da kam der Kater, erwischte den Sperling, trug ihn fort und wollte ihn verspeisen.
Der Sperling aber sagte: „Kein Herr hält sein Frühstück, wenn er sich nicht vorher den Mund gewaschen hat.“
Der Kater nahm sich das zu Herzen, setzte den Sperling auf die Erde und fing an, sich mit der Pfote den Mund zu waschen – da flog ihm der Sperling davon.
Das ärgerte den Kater, und er sagte: „Solange ich lebe, werde ich immer zuerst mein Frühstück halten und dann den Mund waschen.“
Und so macht er es bis auf den heutigen Tag.

Karl Plenzat

5. September

Muttergottesgläschen

Es hatte einmal ein Fuhrmann seinen Karren, der mit Wein schwer beladen war, so festgefahren, dass er ihn trotz aller Mühe nicht wieder losbringen konnte. Nun kam gerade die Mutter Gottes des Weges daher, und als sie die Not des armen Mannes sah, sprach sie zu ihm: "Ich bin müd und durstig, gib mir ein Glas Wein, und ich will dir deinen Wagen frei machen."
"Gerne", antwortete der Fuhrmann, "aber ich habe kein Glas, worin ich dir den Wein geben könnte." Da brach die Mutter Gottes ein weißes Blümchen mit roten Streifen ab, das Feldwinde heißt und einem Glase sehr ähnlich sieht, und reichte es dem Fuhrmann. Er füllte es mit Wein, und die Mutter Gottes trank ihn, und in dem Augenblick ward der Wagen frei, und der Fuhrmann konnte weiterfahren. Das Blümchen heißt noch immer Muttergottesgläschen.

Brüder Grimm

6. September

Rainer Maria Rilke

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt -
und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

7. September

Glaube, Liebe, Hoffnung

Wir reden darüber in einer kleinen Runde, unterhalten uns. Da die Liebe nicht eben sehr stark ist, müssen wir auf die Hoffnung setzen, finden wir. Aus dem Epheserbrief fällt uns ein Wort ein, dass man sich mit hellen Augen begegnen sollte. Wir stellen fest, dass wir das alle doch ziemlich verlernt haben oder besser, neu erlernen müssten und quälen uns weiter damit, herauszufinden was: Glaube, Liebe, Hoffnung bedeuten.

Schließlich lässt jemand ein Tonbandgerät laufen und wir denken, dass nun ja mindestens das Wort eines großen Propheten zu hören sein wird.

Erstaunt stellen wir fest, dass auf diesem Tonband  nur ein Baby seine erste Meinung über die Welt hinaus singt, es kräht und jauchzt.

Unsere Stirnen werden heller und die Augen klarer, denn die Stimme des Kindes lässt uns wieder hoffen.

8. September

Das größte Geheimnis
und das größte Geschenk des Lebens
besteht darin,
dass sich zwei ‚gleichartige' Menschen begegnen.
Das ist das höchste Gut,
die Beziehung zwischen Freunden.
Da gibt es nichts Knechtisches,
kein Gefälle von oben nach unten,
kein Bessersein wollen als der andere.
Freunde ergänzen sich, kennen einander,
bis in die geheimsten Regungen hinein.
Freunde haben keine Angst vor -,
sondern Vertrauen zueinander.
Der eine steht für den anderen ein.

Sandor Marai, Ungarn

9. September

LEBENSWEISHEIT

Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen.

Als der Unterricht begann, nahm er ein großes, leeres Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei. Sie stimmten ihm zu.
Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen, schüttete die Steine ins Glas und schüttelte es. Die Kieselsteine rollten in die Zwischenräume der größeren Steine.

Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas voll sei. Sie stimmten wieder zu und lachten. Nun nahm der Professor eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn ins Glas. Natürlich füllte der Sand auch noch die letzten Zwischenräume aus.

Nun, sagte der Professor zu seinen Studenten, ich möchte, dass Sie erkennen, dass dieses Glas wie Ihr Leben ist: Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben - Ihre Familie, Ihr Partner, Ihre Gesundheit, Ihre Kinder - Dinge, die, wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben, Ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z. B. Ihre Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben.

Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine. So ist es auch in Ihrem Leben: Wenn Sie all Ihre Energie für die kleinen Dinge Ihres Lebens aufwenden, haben Sie für die großen keine mehr. Achten Sie auf die wichtigen Dinge; nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, achten Sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit für Arbeit, Haushalt, Partys usw. geben. Achten Sie zuerst auf die großen Steine - sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand.

Nach dem Unterricht nahm einer der Studenten das Glas mit den großen Steinen, den Kieseln und dem Sand (bei dem mittlerweile sogar der Professor zustimmte, dass es voll war) und schüttete eine Flasche Wasser hinein. Das Wasser füllte den noch verbliebenen Raum im Glas aus; erst jetzt war es wirklich voll.

Verfasser unbekannt

10. September

Zum Schulanfang: Die Schultüte

Die Schultüte gehört seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland traditionell zum ersten Schultag.
Gefüllt sind sie meistens mit Süßigkeiten, aber auch Kleinigkeiten für die Schule, wie Mäppchen, Buntstifte, Radiergummis, Spitzer, Lineale. Aber auch Gutscheine, Bücher, Stempel, Seifenblasen und noch viel mehr kann man darin finden. Vor allem Obst wäre wichtig.

11. September

Das   A B C

A B C D, wenn ich dich seh',
dich meine süße Lust,
klopft die bewegte Brust,
wird mir so wohl,
so wohl, wenn ich dich seh'.

E F G H, wärst du doch da!
Drückte mein treuer Arm,
Holde, dich, liebewarm!
Schätzchen, ach wärst du da,
wärst du mir nah'!

I K und L, Äuglein so hell
glänzen in Liebespracht
mir aus der Wimpern Nacht,
trafen mich blitzesschnell,
Äuglein so hell!

M N O P, gleich einer Fee
fesselst du Herz und Sinn,
Grübchen in Wang' und Kinn,
Rosenglut, Liebenschnee,
reizende Fee!

Q R S T, scheiden tut weh;
halte mein Herz und Mund
treu an dem Liebesbund!
Sag' du mir nie Ade!
Scheiden tut weh!

U V W X, mach' einen Knix,
drückt dir ein junger Fant
zärtlich die Schwanenhand;
aber nur ernsten Blicks
Mach einen Knix!

Ypsilon Z, nun geh zu Bett.
Bricht doch die Nacht schon ein,
kann ja nicht bei dir sein,
wenn ich auch Flügel hätt'.
Nun geh zu Bett!

Im Jahre 1820 entstanden
Text: Wilhelm Gerhard
Melodie: August Pohlenz

12. September

Pisa-Studie

Ein Journalist kommt in eine Schule und besucht eine Klasse. Er fragt einen Schüler: "Was weißt Du über den zerbrochenen Krug?"

Der Bub fängt an zu weinen und antwortet unter Schluchzen: "Ich war's nicht!"

Der Journalist wendet sich betroffen an den Lehrer und dieser erwidert: "Der Junge kommt aus einer anständigen und ehrlichen Familie, und wenn er sagt dass er es nicht gewesen ist, dann war er es auch nicht."

Der Journalist denkt, wenn schon der Schüler nichts vom "Zerbrochenen Krug" weiß, der Lehrer müsste es doch wissen und begibt sich daraufhin zum Rektor der Schule.

Nachdem er diesem den Vorgang geschildert hat, ist der Rektor sehr empört und erklärt sich letztendlich bereit für den Schaden aufzukommen, also den Krug zu bezahlen.

Der Journalist ist entsetzt und entschließt sich zu einem Besuch des Unterrichtsministeriums. Nachdem er dem Unterrichtsminister den Fall vorgetragen hat, entgegnet dieser: "Das ist ja entsetzlich, ausgerechnet in meiner Amtsperiode muss so etwas Peinliches passieren."

Er läuft im Zimmer hin und her und überlegt was zu tun sei. Plötzlich hellt sich sein Gesicht auf, er hat eine Lösung gefunden. "Wenn der Rektor sagt, er bezahle den Krug, dann hat er ihn auch zerbrochen! Und mit der Bezahlung des Kruges wäre die peinliche Angelegenheit somit erledigt!", äußert er sich mit zufriedener Miene.

13. September

Wer lernt wird schlau,
ob Mann, ob Frau,
ob groß, ob klein,
lernen muss sein.

Wer faul ist, bleibt dumm,
steht immer dumm rum,
versteht kein Wort,
und kennt keinen Ort.

Drum lerne, mein Kind,
wer schlau ist gewinnt,
und wird nichts vermissen,
schon gar nicht das Wissen.

???

14. September

Geborgenheit ...

Das Leben erfüllt Dir Deine Sehnsucht nach absolutem Halt.
Wenn Du still wirst und in Dich hineinlauschst, dann hörst Du eine Stimme.
Das ist die Stimme des Lebens und des Vertrauens.
Diese Stimme wird Dich zu Deiner eigenen Mitte führen, da wo Du zuhause bist.
Und sie wird Dich zu Deiner Sehnsucht der absoluten Geborgenheit führen.
Lass Dich einfach fallen.

Diese Zeilen erhielt ich von einiger Zeit von einer lieben Freundin.

15. September

Topinambur

Diese Knolle nennt man auch die Kartoffel der Zuckerkranken, weil sie eine vorzügliche Ergänzung der Diät ist. Ein Zuckerkranker darf die doppelte Menge dieser Knollen essen. Der Gehalt an Fruchtzucker und Inulin, nicht Insulin, wie fälschlich vermutet wird, macht die Knolle besonders gut.

Die Topinambur ist keineswegs mit der Kartoffel verwandt. Sie ist ein Korbblütler und eine nahe Verwandte der Sonnenblume, ausdauernd und winterhart.

Der Anbau von Topinambur war - bevor die Kartoffel im 18. Jahrhundert hierzulande eingeführt wurde - weit verbreitet. Die ersten Pflanzen kamen vor 300 Jahren über Frankreich zu uns und stammen aus Nordamerika. Ich kannte sie auch aus unserem Garten. Die leuchtenden Blüten erinnern an kleine Sonnenblumen.

Die Erträge sind nicht so hoch wie bei Kartoffeln, und die Knollen lassen sich nicht wie diese lagern, aber man kann die Frosthärte nutzen und nur nach Bedarf ernten. Deshalb sollte man die Beete rechtzeitig mit Laub oder Stroh abdecken.

Topinambur kann man roh, aber auch gekocht verwenden. Wer die Knollen kocht, sollte sie auf keinen Fall vorher schälen.

16. September

Loblied auf die Kartoffel (zehn Strophen gibt es von diesem Lied, hier ein paar)

Herbei, herbei zu meinem Sang, Hans-Jörgel, Michel, Stoffel
und singt mir das frohe Lied dem Stifter der Kartoffel.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika,
heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.

Franz Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jahren,
von England nach Amerika als Kapitän ist gefahren.

Salat davon, gut angemacht, mit Feldsalat durchschossen,
der wird mit großem Appetit von jedermann genossen.

Gebraten schmecken sie recht gut, gesotten nicht viel minder,
Kartoffelklöße essen gern die Eltern und auch die Kinder.

Von Straßburg bis nach Amsterdam, von Stockholm bis nach Brüssel
kommt Johann zu der Abendsupp mit der Kartoffelschüssel.

Friedrich Sauter - 1766-1846
Weise in der schwäbischen Fassung

17. September

Kartoffelpuffer

Je nach Region heißen sie Datschele, Reiberdatschi, Rievekochle oder schlicht Kartoffelpuffer. Goldgelb gebraten schmecken sie immer gut, ob traditionell mit Apfelmus, bayerisch mit Sauerkraut oder edel mit Lachs und Dillcreme. Mit mehlig kochenden Sorten gelingen diese kleinen Fladen immer gut.

Für vier Portionen braucht man etwa 800 Gramm Kartoffeln, die man schält und fein reibt, entweder per Hand oder mit der Küchenmaschine mit Reibeeinsatz - ich nehme auch gerne den Mixer.
Ein Esslöffel Zitronensaft verhindert, dass sich die zerkleinerten Kartoffeln verfärben.
Nun lässt man die Kartoffeln kurz stehen, tut sie dann in ein Sieb, das mit einem Küchentuch ausgelegt ist, um den Saft herauszupressen. Dadurch werden die Puffer später in der Pfanne schön kross. Anschließend drei Eier, ein Esslöffel Mehl, zwei Esslöffel Rapsöl, eine Prise Salz und eine fein gehackte Zwiebel zufügen und zu einer streichfähigen Masse verrühren. Wenn man mag, kann man auch etwas Eischnee zugeben – das macht den Teig luftig locker.
Einen besonderen Pep bekommen die Puffer durch Gewürze wie Muskat, Kümmel, feine Speckstreifen oder frische Kräuter. Eine pikante Note liefern Senfkörner, die zuvor in einer trockenen Pfanne so lange erhitzt werden, bis sie zu springen beginnen. Etwas ungewöhnlich: Klein gehackte Haselnüsse oder Walnüsse im Pufferteig sorgen für besonderes Aroma und knackigen Biss.

18. September

Der Großstadtbaum

Ein Baum steht in der großen Stadt,
wo er nur wenig Sonne hat,
verlassen und alleine.
Von Osten her ein schmaler Gang,
von Westen her ein Schienenstrang,
von Süd und Nord nur Steine.

Ich blieb oft vor dem Baume stehn.
Er hat mich schweigend angesehn,
als wollte er mich grüßen.
Die Wurzeln unter dem Asphalt,
sie sehnten sich nach einem Wald,
wie ich mit müden Füßen.

Der Baum schaut mir in das Gesicht,
als wollte er mit seinem Licht
mir einen Trost bereiten.
Er muss hier Jahr um Jahre stehn
und hatte nie ein Reh gesehn
und all die Herrlichkeiten.

Bist du auf einen Platz gestellt,
der dir nicht sonderlich gefällt,
dann denk an die Akazie.
Wenn dich das Schicksal nicht verpflanzt,
dann halte aus, so gut du kannst,
und dulde still, mit Grazie.

Fred Endrikat

19. September

Sonnenblume

Obwohl die Sonnenblume keineswegs aus Europa stammt, gilt sie als urdeutsche Bauernblume. Bereits im 16. Jahrhundert aus Mittelamerika nach Europa gekommen, galt sie hier lange ausschließlich als Zierpflanze. Man bewunderte nicht nur die herrlichen Blüten, sondern auch die Eigenart, sich immer der Sonne zuzuwenden.

Den Wert der Kerne entdeckte man im 19. Jahrhundert. Aufgrund ihres hohen Kohlehydrat-, Öl- und Proteingehaltes wurden diese zu einem wichtigen, nahrhaften Lebensmittel. Vor allem aber entdeckte man die Kerne als Öllieferanten. Mittlerweile weiß man, dass Sonnenblumenöl bei schonender Herstellung einen hohen gesundheitlichen Wert besitzt, weil es reich an ungesättigten Fettsäuren ist.

In Osteuropa und Russland sind die größten Anbaugebiete, aber auch hierzulande sieht man immer mehr Sonnenblumenfelder.

Als Zierpflanze im Garten gibt es viele Arten: hohe und niedrige, groß- und kleinblumige, mit gefüllten und ungefüllten Blüten. Selbst rot blühende Sorten und pollenfreie Züchtungen für Allergiker.

Die Kerne sät man im April an Ort und Stelle aus. Die Pflanzen gedeihen in jeder Erde an einem sonnigen Fleck und sind auch als Gründüngung einzusetzen: Mit ihren tief reichenden Wurzeln lockern sie den Boden auf und durchbrechen außerdem verdichtete Bodenschichten.

Wir ziehen sie immer vor, setzen sie dann erst ins Freie, rundherum durch einen aufgeschnitten, bodenlosen Blumentopf vor Schnecken geschützt, die das Grün sehr mögen.

20. September

Die eigentlichen Geschenke des Lebens
werden zumeist in der Stille überreicht

Freundschaft und Liebe,
Geburt und Tod,
Freude und Schmerz,
Blumen und Sonnenaufgänge
und das Schweigen
als eine tiefe Dimension des Verstehens!

21. September

Das Würfelspiel

Wenn ich´s mir recht so überlege
ist´s Leben wie ein Würfelspiel,
manchmal wirft Augen man nur wenige,
ein andres Mal trifft man auch viel.

Es lässt sich nichts vorausberechnen,
das Glück ist halt ein leichtes Kind
und was du heute noch besessen,
nimmt es dir morgen fort geschwind.

Wenn wir uns heute Sorgen machen
gibt´s morgen wieder Sonnenschein,
´drum lasst uns heute lieben, lachen
und trinken unseren besten Wein.

Lasst uns heut mit Freunden reden
ein ernstes oder heitres Wort;
morgen ziehen wir auf anderen Wegen,
oder die Freunde bleiben fort.

Wer das begreift, genießt die Stunden,
die uns das Leben heute schenkt,
wie oft ist oft das Glück entschwunden -
es ist meist später, als man denkt.

Katarina Reich

22. September

Wir würden ihn uns wünschen, den Regen. Hat schon seit April nicht mehr richtig geregnet und alles sieht steppenmäßig aus. Die Bauern können ihre Äcker nicht bestellen und der Boden ist steinhart und nicht zu bearbeiten. Wir haben noch Regenwasser in Speichern zum Gießen, aber viele müssen es aus der Wasserleitung nehmen. Dem Wald tut das auch nicht gut, nächstes Jahr wird deshalb nicht so gut werden.

Sommers Ende

Gleichtönig, leis und klagend rinnt
den lauen Abend lang der Regen,
hinweinend wie ein müdes Kind,
der nahen Mitternacht entgegen.

Der Sommer, seiner Feste müd,
hält seinen Kranz in welken Händen
und wirft ihn weg – er ist verblüht –
und neigt sich bang und will verenden.

Auch unsre Liebe war ein Kranz
auflodernd heißer Sommerfeste,
nun löst sich sacht der letzte Tanz,
der Regen stürzt, es fliehn die Gäste.

Und eh’ wir der verwelkten Pracht
und der erloschenen Glut uns schämen,
lass uns in dieser ernsten Nacht
von unserer Liebe Abschied nehmen.

Hermann Hesse

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