Dezember 2019

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1. Dezember

Erster Advent

Du grüner Kranz mit roten Kerzen,
Lichterschein wärm unsere Herzen!

Weiße Flocken schweben sacht,
vom Himmel in der Nacht,
decken alle Blümlein zu,
träumen in der Winterruh.

Rehe treten aus dem Wald,
der Schnee ist nass, der Schnee ist kalt.
Sie heben witternd ihre Nasen,
suchend scharren sie im Rasen.

Ein Hase rennt in großen Sprüngen,
während im Haus die Kinder singen.
Sie sitzen um den grünen Kranz,
die Lotte, der Peter und der Hans.

Heißer Tee dampft in den Tassen,
an den Händen sie sich fassen.
Vater zündet die erste Kerze an,
Mutter liest vom Weihnachtsmann.

In die Herzen strömet Friede,
übergroß das Gefühl der Liebe.
Kinderherzen fromm und rein,
öffnen sich beim Kerzenschein.

Glücklich strahlen Kinderaugen,
in vertrauensvollem Glauben,
an Christkindleins Geburt im Stall,
heißt es doch: Ihr Kinderlein kommet all!

2. Dezember

Die Christrose

Um die Weihnachtszeit wird sie oft auch in wunderschönen Gestecken angeboten, an denen man lange Freude hat, so wie ich letztes Jahr, als ich solch eines von meiner Selbsthilfegruppe geschenkt bekam. Nun wächst die Christrose im Garten und ich hoffe, dass sie uns, wenn es Zeit ist, mit Blüten erfreuen wird.

In Europa heimisch, gedeiht sie problemlos, wenn einige ihrer Wünsche erfüllt werden. Als Waldpflanze steht sie im Garten gerne leicht schattig, am liebsten unter Ziergehölzen. Auch darf der Boden dort nicht zu trocken sein, vor allem humus- und kalkhaltig. Saure Böden mag sie nicht und unter schlechten Bedingungen lebt sie nicht lange. An einem guten Platz kann sie sehr alt werden, wenn man sie ungestört wachsen lässt.

In Deutschland heißt die Christrose auch Nieswurz. Diesen Namen hat sie bekommen, da sie als Nies- und Schnupfpulver bis heute Verwendung findet. Das aber sollte man nicht versuchen, denn alle Teile der Pflanze sind sehr giftig. lm 19. Jahrhundert kam es sogar zu tödlichen Vergiftungen, weil die Nieswurz oft als Wurmmittel eingesetzt wurde. Auch sagt man der Christrose Heilwirkung nach, aber nur die Wurzeln betreffend.

Im Herbst ist die günstigste Pflanzzeit. Setzt man kräftige Stauden, entdeckt man oft schon im folgenden Frühjahr die ersten Blüten. Als Winterblüher zeigt die Christrose ihre Blüten von November bis April, aber es sind keine Blütenblätter. Es handelt sich um die Kelchblätter, die man nicht auszupfen kann. Auch im Verblühen fallen sie nicht ab, sondern werden grün und umgeben später die Fruchtstände.

3. Dezember

Wunderschön:

Das Lied der Christrose lässt einen erschauern.

Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
draußen in Eis und Schnee.
Und wenn's in der Winternacht friert und schneit,
das tut der Rose nicht weh.

Es grünt eine Hoffnung zur Weihnachtszeit,
drinnen im Herzen still:
Dass immer und ewig so schön wie heut'
Frieden werden will.

Christrose, Christrose, Christrose, Christrose,
Blume der Heiligen Nacht!
Christrose, Christrose, Christrose, Christrose,
hast mir die Hoffnung gebracht!

Die Liebe vertreibt meine Einsamkeit,
mir tut das Herz nicht mehr weh,
es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
draußen in Eis und Schnee.

Kurt Hertha

4. Dezember

Weihnachtstreiberei

Ende November/Anfang Dezember werden Hyazinthen, die für die Weihnachtstreiberei aufgesetzt wurden, wieder ins Warme geholt, damit sie rechtzeitig blühen. Das gelingt aber nur, wenn die Zwiebeln in der Zwischenzeit ein kräftiges und gesundes Wurzelwerk gebildet haben. Eine Überprüfung zeigt: die weißen Wurzeln müssen um diese Zeit das Innere des Glases durchwachsen haben. Ist das so, können die Zwiebeln allmählich in einen geheizten Raum. Die Hütchen bleiben jedoch noch so lange auf den Zwiebeln, bis sie von der nun austreibenden Knospe von selbst angehoben werden. Entfernt man sie zu früh, bleibt die Knospe stecken. Das geschieht auch, wenn man die Zwiebeln zu früh ins Warme bringt, vor einem ausreichend kräftigen Wurzelwerk.

5. Dezember

Ein bisschen Freude und weniger Streit,
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,
ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass,
ein bisschen mehr Wahrheit, das wär' doch was!

Statt soviel Unrast ein bisschen Ruh',
statt nur immer ich ein bisschen mehr du,
statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

Kein Trübsal und Dunkel, ein bisschen mehr Licht,
kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht,
und viel mehr Blumen, solange es geht,
nicht erst auf Gräbern, denn da blüh'n sie zu spät.

Peter Rosegger

6. Dezember

  

Pelzmärtel

Am Fenster rauscht die schwarze Nacht,
was poltert draußen am Gartentor?
Ihr Buben und Mädchen, lauschet sacht:
Der Pelzmärtel steht davor.
Er schlappert mit den Füßen,
er klappert mit den Nüssen,
wer wird wohl mit ihm müssen?
Klingling! Jetzt reißt er an der Glock’,
Bumbum! Jetzt klopft er mit dem Stock.
Herein! Da steht er wie ein Russ’
Im Pelz von Kopfe bis zum Fuß.
“Wo sind die Kinder? Sind sie brav?
Und brauchen sie nicht Schelt’ und Straf’?
Ist einer bös’, nur mit ihm her,
mein Sack ist groß, mein Sack ist leer.

Da hilft kein Schlegeln und kein Schrein,
der böse Bub’, er muss hinein.
Doch wo die Kinder folgen gern,
da bring ich Nüss’ und Mandelkern.“
Nun rüttelt und schüttelt er seinen Sack,
da rumpelt und pumpelt herunter ein Pack.
Es purzeln und kugeln die Äpfel und Nüsse
Den staunenden Kindern durch Finger und Füße
Und eh’ noch die Kinder kommen zu Wort,
der zottige Märtel ist schon lange fort.
Von Haus zu Haus noch muss er gehen
und nach gar vielen Kindern sehn. –

Nun seid recht brav und legt euch nieder,
dann kommt er alle Winter wieder.

Friedrich Güll

7. Dezember

Nikolaus von Myra

In der heutigen Türkei soll im 3. Jahrhundert nach Christus ein Nikolaus geboren worden sein, als Sohn reicher Eltern. Er hielt er sich an die Gebote Gottes, verteilte sein Erbe an arme Menschen, ging in ein Kloster und widmete sein Leben Menschen, denen es nicht gut ging. Nach einer Reise ins heutige Israel wurde er zum Bischof von Myra geweiht. Nun hatte Nikolaus noch mehr Möglichkeiten, zu helfen. Aber zu dieser Zeit wurden Menschen, die an Gott glaubten, verfolgt und auch Nikolaus wurde 310 gefangen genommen und gefoltert. Trotzdem hielt er bis zu seinem Tod an seiner Nächstenliebe fest.

Obwohl dieser Mann sich um seine Mitmenschen sorgte, geriet er selbst in Vergessenheit. In Erinnerung blieben die Geschichten, in denen Nikolaus anderen half: Zum Beispiel gab er heimlich drei Frauen Geld, damit sie heiraten konnten, um nicht mehr auf der Straße arbeiten zu müssen. Sogar ein Schiff rettete Nikolaus aus Seenet und bewahrte die Stadt Myra vor einer Hungersnot.

8. Dezember

2. Advent

Advent

Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
perlmuttergrau ans Scheibenglas.
Da blühn bis an die Fensterritzen
Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.

Kristalle schaukeln von den Bäumen,
die letzen Vögel sind entflohn.
Leis fällt der Schnee ... In unsern Träumen
weihnachtet es seit gestern schon.

Mascha Kaléko

9. Dezember

Katze im Schnee

Kätzchen, wie hebst du die Pfötchen auf, siehst sogar zu ängstlich drauf, sinkst in den Schnee bis zum Halse bald; nicht wahr, da geht's sich gar zu kalt?
Besser wäre es wohl getan, hättest du gute Stiefel an.
Freilich an Stiefeln war sie nicht reich, half sich doch, wie sie’s konnte gleich, lief durch den Schnee in die Scheuer hinein, schüttelte, leckte die Pfötchen rein, hatte dann wieder gar frohen Lauf, stieg zu dem höchsten Balken hinauf.

Wilhelm Hey

10. Dezember

Katzennatur

's war mal 'ne Katzenkönigin,
ja, ja!
die hegte edlen Katzensinn,
ja, ja!
verstand gar wohl zu mausen,
liebt' königlich zu schmausen,
ja, ja! - Katzennatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Die hatt 'nen schneeweißen Leib,
ja, ja!
So schlank, so zart, die Hände so weich.
ja, ja!
Die Augen wie Karfunkeln,
sie leuchteten im Dunkeln,
ja, ja! - Katzennatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Ein Edelmausjüngling lebte zur Zeit,
ja, ja!
Der sah die Königin wohl von weit,
ja, ja!
'ne ehrliche Haut von Mäuschen,
der kroch aus seinem Häuschen,
ja, ja! - Mäusenatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Der sprach: In meinem Leben nicht,
ja, ja!
Hab ich gesehen so süßes Gesicht,
ja, ja!
Die muss mich Mäuschen meinen,
sie tut so fromm erscheinen,
ja, ja! - Mäusenatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Der Maus: willst du mein Schätzchen sein?
Ja,ja!
Die Katz: ich will dich sprechen allein.
Ja, ja!
Heut will ich bei dir schlafen -
Heut sollst du bei mir schlafen -
Ja, ja! - Katzennatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Der Maus, der fehlte nicht die Stund,
ja, ja!
Die Katz, die lachte den Bauch sich rund,
ja, ja!
Dem Schatz, den ich erkoren,
dem zieh ich's Fell über die Ohren,
ja, ja! - Katzennatur!
Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!

Adelbert von Chamisso

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