November 2020

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1. November
November
Solchen Monat muss man loben,
keiner kann wie dieser toben
keiner so verdrießlich sein
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ne wahre Pracht!
Seht das schöne Schlackerwetter!
und die armen welken Blätter
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und sie durcheinander wirbelt
und sie hetzt ohn' Unterlass;
Ja das ist Novemberspaß!
Heinrich Seidel

2. November

Allerseelen

Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,
die letzten roten Astern trag herbei
und lass uns wieder von der Liebe reden
wie einst im Mai.

Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke,
und wenn man's sieht, mir ist es einerlei,
gib mir nur einen deiner süßen Blicke
wie einst im Mai.

Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe,
ein Tag im Jahre ist den Toten frei;
komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
wie einst im Mai.

Hermann von Gilm

3. November

Das Kältegefühl

Die „gefühlte Temperatur“ ist oft anders, denn oft empfindet man leichte Plusgrade kälter als Minusgrade. Wenn die Luft sehr feucht ist, kühlt das den Körper schneller aus als trockene, kalte Luft. Der Wind kommt noch hinzu und weniger Sonnenschein.

Diese gefühlte Temperatur lässt sich nicht mit einem Thermometer messen. Sie wird an einem Beispielmenschen berechnet. Dazu haben die Meteorologen den Klima-Michel erfunden, eine Computerfigur, die stellvertretend für 81 Millionen Deutsche das Wetter vorfühlt. Es werden Lufttemperatur, Windstärke, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung mit der durchschnittlichen Körperwärme eines Menschen verrechnet. Das Ergebnis kann bis zu zehn Grad von der tatsächlichen Außentemperatur abweichen.

Doch trotz aller Bemühungen, die Werte exakt zu berechnen, fühlt doch jeder Mensch anders. Wer mehr Körperfett hat, fühlt die Kälte weniger. Auch neigen Frauen grundsätzlich eher zum Frösteln als Männer.

4. November

Reiner Novembertag

Einmal noch ein Tag voll Milde
ganz enthoben des Gewichts.
Und die Sonn mit breitem Schilde
stand im Glanz des leichten Lichts.

Aber bald auf schwarzen Rosten
musste lodernd sie verglühn,
und der Mond stand hoch im Osten
unreif, wie ein Apfel grün.

Und im grellen Spiel der Farben
mischte Schwärze sich und Glast,
langsam nur die Lichter starben
eingekrallt im kahlen Ast.

Weinrot über Turm und Zinnen
hing der Abend groß und hell,
und im schmerzlichen Verrinnen
wuchs das zärtliche Pastell.

Bis der letzte Tag vergangen,
alle Röte abgestreift,
blieb der Mond am Himmel hangen,
gelb, zur süßen Frucht gereift.

Eugen Roth

Hatten uns am Montag über einen milden Tag mit Sonnenschein gefreut und im Garten vieles erledigen können.

5. November

Strümpfe und Socken

In dieser Jahreszeit sind sie besonders wertvoll und handgestrickte haben gegenüber gekauften Socken Vorteile, denn sie sind haltbarer, lassen sich anstricken und umändern und können nach persönlichen Wünschen angefertigt werden.

Hat man's raus, ist es überhaupt nicht schwierig, denn Socken, Kniestrümpfe, Hütten- oder Baudenschuhe werden im Wesentlichen nach der gleichen Methode gestrickt. Alle Strümpfe haben ein mehr oder weniger langes Beinteil mit Wade, aus Ferse und Fersenkeil, Fußteil und Fußspitze. Passen sollte er, deshalb sollte man die individuellen Maße berücksichtigen, auch wenn man nach einer Vorlage arbeitet. Bereits mit einer Maschenprobe wird kontrolliert, ob die vorgeschlagene Zahl der Anschlagmaschen passt oder ob man sie verändern muss. Auch verstrickt sich jede Wolle, jedes Garn anders und auch in der Nadelstärke gibt es Unterschiede.

6. November

Pustewind

Blase nur, Herr Pustemeier!
Dafür geb ich keinen Dreier.
Meinst du, so was könnt mich rühren?
Grade geh ich nun spazieren,
und ich pfeif auf deine Wut.
Hui -! Da pfeift er---
Wui -! Da greift er...
Donnerwetter!
Halt ihn, Vetter!
Himmel, hilf! Mein neuer Hut!

Adolf Holst

7. November

Die Sterntaler

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem waren Vater und Mutter gestorben. Und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen. Und endlich hatte es gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand. Das hatten ihm gute Menschen geschenkt. Das Mädchen war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: „Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig!“ Das Mädchen reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: „Gott segne dir’s!“ und ging weiter.
Da kam ein Kind, das jammerte uns sprach: „Es friert mich so an meinem Kopfe; schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann!“ Da tat das Mädchen seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror. Da gab es ihm seins und ging noch weiter.
Da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden. Da kam noch ein Kind und bat um ein Hemdlein. Und das fromme Mädchen dachte: Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand. Du kannst wohl dein Hemd weggeben. Es zog sein Hemdchen aus und gab es auch noch hin. Und wie es stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter harte, blanke Taler. Und ob es gleich sein Hemdlein wegegeben, so hatte es ein neues an; das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Grimm

8. November

Die Sterne

Ich sehe oft um Mitternacht,
wenn ich mein Werk getan
und niemand mehr im Hause wacht,
die Stern am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her, zerstreut
als Lämmer auf der Flur;
in Rudeln auch, und aufgereiht
wie Perlen an der Schnur;

und funkeln alle weit und breit,
und funkeln rein und schön;
ich seh die große Herrlichkeit,
und kann nicht satt mich sehn....

Dann saget unterm Himmelszelt
mein Herz mir in der Brust:
Es gibt was Bessers in der Welt
als all ihr Schmerz und Lust.

Matthias Claudius

9. November

Florence Nightingale - Die Dame mit der Lampe

Sie wurde am 12. Mai 1820 in Florenz geboren und bekam von dieser Stadt ihren Namen, obwohl ihre Eltern eigentlich aus England stammten, nur Urlaub hier machten.
Weil die Eltern reich waren, hatte Florence eine schöne Kindheit. Da aber sonst viele Kinder in Armut lebten, beschloss die junge Florence, eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen, obwohl ihre Eltern es nicht wollten. Sie meinten, dass man mit 25 Jahren längst im heiratsfähig wäre. Doch Florence war sehr klug und willensstark und wollte nicht so leben wie es im 19. Jahrhundert üblich war.
Nach der Ausbildung arbeitete die junge Frau in mehreren Krankenhäusern.
Während des Krimkrieges, in dem das Osmanische Reich zusammen mit England und Frankreich Russland den Krieg erklärte, gab es viele Tote und Verletzte, aber vor allem zu wenige Ärzte, um helfen zu können. Der damalige Kriegsminister hatte eine Idee: Er schickte Florence und 38 weitere Krankenschwestern zu den verletzten englischen Soldaten. Unermüdlich sah Florence dort auch nachts mit einer Lampe nach ihren Patienten und rettete viele Menschenleben. Sie bekam deshalb den Spitznamen „die Dame mit der Lampe“.
1859 kehrte sie aus dem Krieg zurück und schrieb ihre Erfahrungen in einem Buch nieder. Weil sie neue Methoden verwendet hatte, um den Kranken zu helfen, wurde das Buch bald ein erfolgreiches Lehrbuch für andere Krankenschwestern. Kurz darauf richtete sie mit Hilfe von Spendengeldern, die sie von früheren Soldaten bekam, die erste Schwesternschule in England ein.
 wurde auch zu einem Vorbild für Henri Dunant, der im Jahr 1864 das Rote Kreuz gründete.
Auch nach dem Tod dieser bemerkenswerten Frau im Jahr 1910 sorgte ihre Geschichte dafür, dass der Beruf der Krankenschwester an Ansehen gewann.

10. November

Frauen schauen in den Spiegel

Mit 5 Jahren:
Sie schaut sich im Spiegel an und sieht eine Prinzessin.

Mit 10 Jahren:
Sie schaut sich an und sieht das Aschenputtel.

Mit 15 Jahren:
Sie schaut sich an und sieht die hässliche Stiefschwester des Aschenputtels:
"Mutter, so kann ich unmöglich zur Schule gehen!"

Mit 30 Jahren:
Sie schaut sich an und sieht sich "zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, die Haare sind zu kraus oder zu glatt, aber sie findet, sie habe jetzt keine Zeit, sich darum zu kümmern und sie geht trotzdem aus.

Mit 40 Jahren:
Sie schaut sich an und sieht sich "zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, die Haare sind zu kraus oder zu glatt, aber sie sagt, sie sei zumindest "sauber" und sie geht trotzdem aus.

Mit 50 Jahren:
Sie schaut sich an und sagt: "Ich bin ich", und geht überall hin, wo sie hingehen will.

Mit 60 Jahren:
Sie schaut sich an und erinnert sich an alle Menschen, die sich nicht mehr im Spiegel betrachten können.
Sie geht hinaus in die Welt und erobert sie.

Mit 70 Jahren:
Sie schaut sich an und sieht Weisheit, Lachen und Fähigkeiten.
Sie geht aus und genießt das Leben.

Mit 80 Jahren:
Kümmert sie sich nicht mehr darum, in den Spiegel zu schauen.
Sie setzt sich ganz einfach einen lila Hut auf und geht aus, um sich mit der Welt zu vergnügen.

Die Moral der Geschichte:
Vielleicht sollten wir alle jenen lila Hut schon viel früher aufsetzen.

Bekam ich vor vielen Jahren als Präsentation – schön bebildert.
 

11. November

Sankt Martin

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und gut.

Im Schnee da saß ein armer Mann,
hatt Kleider nicht, hatt Lumpen an.
„O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein Tod!“

Sankt Martin zieht die Zügel an,
das Ross steht still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt
den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin gibt den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil
Hinweg mit seinem Mantelteil.

Aus dem Rheinland

12. November

Die wohlschmeckende Suppe

"Die Mittagssuppe ist doch gar zu wenig geschmalzen ich kann sie nicht essen!", sagte die kleine Gertrud und legte den Löffel weg.
"Nun wohl", sagte die Mutter, "ich will dir dafür eine bessere Abendsuppe vorsetzen."

Die Mutter ging hierauf in den Krautgarten, grub Erdäpfel heraus, und Gertrud musste, bis die Sonne unterging, die Erdäpfel auflesen und in Säcke sammeln.

Nachdem beide nach Hause gekommen waren, brachte die Mutter endlich die Abendsuppe. Gertrud kostete sie und sagte: "Das ist freilich eine andere Suppe, die schmeckt besser."
Sie aß das ganze Schüsselchen voll aus.

Die Mutter aber lächelte und sprach: "Es ist die gleiche Suppe, die du heute Mittag stehen ließest. Jetzt schmeckt sie dir aber besser, weil du den Nachmittag hindurch fleißig gearbeitet hast."

Christoph von Schmid

13. November

Der Hase im Kohl

An dem Dach viel blanke Zapfen,
in dem Schnee viel kleine Tapfen,
alle laufen nach dem Kohl.
Häschen, das gefällt dir wohl?

Nächtlich bei des Mondes Schimmer
sitzt es dort, zu schmausen immer.
Knusperknäuschen, gar nicht faul,
ei, du kleines Leckermaul!

Häschen ist es schlecht bekommen.
Vater hat`s Gewehr genommen,
eines abends ging es „bum!“
Bauz! Da fiel das Häschen um.

Kannst du wohl das Ende raten?
Morgen gibt es Hasenbraten,
Apfelmus mit Zimt dazu. –
Ach, du armes Häschen du!

Heinrich Seidel

14. November

Kohl

Im Herbst wird Kohl geerntet und bringt Abwechslung auf den Tisch. In mehr als 3.000 Jahren haben sich aus Wildkohl durch Zucht und Kreuzung zahlreiche Gemüsearten entwickelt. Zu den Nachfahren gehören Weiß-, Rot- und Spitzkohl, Wirsing, Chinakohl, aber auch Blumenkohl und Brokkoli. Außerdem noch Rosenkohl, Grünkohl und Kohlrabi. Und sogar Radieschen und Rettiche sind entfernte Verwandte.
Abwechslungsreich ist das Kochen mit Kohl. Ob als Rohkost, in Suppen und Eintöpfen, als Fleischbeilage oder einfach nur als Roulade. Kann ich nur bestätigen.
Außerdem ist der Kohl nicht nur lecker, sondern auch äußerst gesund. Alle Kohlsorten enthalten wertvolle Vitamine, Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium und die für die Verdauung wichtigen Ballaststoffe. Der Gehalt im Kohl an sekundären Pflanzenstoffen ist unübertroffen. Das Gemüse stärkt das Immunsystem und beugt Infektionen vor.

Die vielerei Arten von Kohlgemüse lassen sich wegen ihrer essbaren Pflanzenteile unterteilen in Kopfkohl (Weiß- oder Rotkohl), Blätterkohl (Grün- oder Chinakohl), Blütenstandkohl (Blumenkohl oder Brokkoli) und Stammkohl (Kohlrabi).

Ich habe gestern auch Wirsing gekocht und in mehrere Portionen aufgeteilt, wandert er dann in den Gefrierschrank. Wie schön, immer wieder eine Portion holen zu können.  

15. November

Das Volk ist dumm,
das macht der Kohl,
er bläht nur unterm Schurze;
den Kopf hingegen lässt er hohl.
So herrscht im Reich,
ich sag: "Zum Wohl"!
– politisches Gefurze.

Unbekannt

16. November

Schwere Wissenschaft

Regen prasselt an die Scheiben,
durch die Gassen heult der Wind,
und daheim im Trocknen bleiben
muss den ganzen Tag das Kind.

„Will mir’s recht behaglich machen“,
denkt’s, „und bau’ mir drum ein Haus,
kram’ drin meine Siebensachen
für die Puppenwirtschaft aus!

Solch ein Haus braucht starke Wände,
dass es fest und haltbar sei,
aus dem Bücherschrank am Ende
hol’ ich’s Mauerwerk herbei.“

Aber, oh! Wie schwer zu tragen!
Kleinchen keucht mit seiner Last.
Musst, Baumeisterlein, dich plagen,
bis du alle Mauern hast!

Weißt du auch, warum sie drücken,
dass du schwankst bei jedem Tritt?
In den Büchern, in den dicken,
schleppst du zu viel Weisheit mit.

Wirst noch mehr dich plagen müssen,
und es wird kein Spiel mehr sein,
soll erst all das Bücherwissen
in den kleinen Kopf hinein.

Hermann Kaulbach

17. November

Morgengebet

Vom Schlaf bin ich gesund erwacht;
Dir, lieber Gott, sei Dank gebracht!
Nimm mich auch heut in deine Hut
und mache mich recht fromm und gut,
dass ich, o Gott, den ganzen Tag
dein liebes Kindlein bleiben mag.

Christian Dieffenbach

18. November

Zum Buß- und Bettag:

Nicht immer

Nicht immer, wo wir gehen
reicht uns ein warmes Glück die Hand.
Oft raue Stürme wehen
und machen uns dem Leid verwandt.

Lass nie den Mut dir rauben
und nimmer deine Zuversicht,
bewahre stets den Glauben
an das Glück und an das Licht.

Denn immer werden wieder
die dunklen Wolken auch vergeh’n
und neue Lebenslieder
in deinem Herzen auferstehn.

Franz Cingia

19. November

20. November

Überlistet

Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben - so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür !

Ich lass ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür …
und friert

Heinz Erhardt

21. November

Ende des Herbstes

Ich sehe seit einer Zeit
wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt
und tötet und tut Leid.

Von Mal zu Mal sind all
die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben
langsamem Verfall:
wie war der Weg mir weit.

Jetzt bin ich schon bei den leeren
und schau durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernen Meeren
kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn.

Rainer Maria Rilke

22. November

zum heutigen Totensonntag:

Offenbarung

Auf deinem Grabe saß ich stumm
in lauer Sommernacht;
Die Blumen blühten rings umher,
die schon dein Grab gebracht.
Und still und märchenhaft umfing
ihr Duft mich, süß und warm.
Bis ich in sanftem Weh verging,
wie einst in deinem Arm.

Und meine Augen schlossen sich,
vom Schlummer leicht begrüßt;
mir war, als würden sie durch dich
mir leise zugeküsst,
still auf den Rasen sink ich hin,
der deinen Staub bedeckt,
doch ward zugleich der inn’re Sinn
mir wunderbar geweckt.

Was ich geträumt, ich weiß es nicht,
ich ahn es nur noch kaum,
dass du, ein himmlisches Gesicht,
mir nahe warst im Traum.

Doch war dies flücht’ge Wiedersehn
in meiner Brust geschafft,
das kann die Seele wohl verstehn,
die glüht in neuer Kraft.

Du hast der Dinge Zeil und Grund
an Gottes Thron durchschaut,
und tatest kühn mir wieder kund,
was dir der Tod vertraut.
Und wenn das große Lösungswort
auch mit dem Traum entschwand,
so wirkt es doch im Tiefsten fort,
gewaltig, unerkannt!

Friedrich Hebbel

23. November

Alpenveilchen

Richtig gepflegt, kann man viele Wochen Freude daran haben. Manchmal kann man sie jahrelang zum Blühen zu bringen.
Viele Sorten gibt es, mit Blüten, die stark duften, sehr groß oder gefranst sind. Auch gefüllte sind dabei. Attraktiv sind die kleinblumigen, anspruchslosen Alpenveilchen

Alpenveilchen möchten es zwar hell, aber nicht sonnig und vor allem nicht allzu warm. Gießwasser darf nicht in die Knospenansätze gelangen, weil diese dann schnell zu faulen beginnen. Ebenso können auch die Wurzeln faulen, wenn man nicht darauf achtet, dass kein Gießwasser im Übertopf oder Untersetzer stehen bleibt. Trotzdem muss regelmäßig gegossen werden, da sie auch Trockenheit nicht vertragen, sonst erblühen einige Knospen unter den Blättern.

Pate bei der Namensgebung stand bei den Botanikern die mal kugelige, mal scheibenförmige Knolle, denn Cyclamen heißt zu Deutsch nichts anderes als Kreis oder Scheibe. Die Pflanzen aus der Familie der Primelgewächse, haben bereits ein bisschen Erdgeschichte erlebt, denn die Gattung gab es vermutlich schon im Tertiär. Ihre Heimat sind vermutlich alpine Zonen: In den Bergen Mitteleuropas, im Mittelmeergebiet, im Kaukasus, in Griechenland und Kleinasien. Dort wachsen sie heute noch wild.

Ich hatte sie auch schon in unserem Steingarten und sie haben sogar einige Winter überlebt.

24. November

Sieben Rosen

Sieben Rosen hat der Strauch
Sechs gehör'n dem Wind
Aber eine bleibt, dass auch
Ich noch eine find.

Sieben Male ruf ich dich
Sechsmal bleibe fort
Doch beim siebten Mal, versprich
Komme auf ein Wort.

 Berthold Brecht

25. November

Grau in Grau

zeigt sich im November das Wetter und man lechzt nach bunt gemischtem Obst und Gemüse. Es schmeckt appetitlich aussehend viel besser und ist zusätzlich noch sehr gesund. Farben sind grundsätzlich wichtig: rot, orange oder gelb leuchten, aber auch grün ist schön, es kommt auf die Mischung an.

Farbstoffe in Obst und Gemüse zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und nützen als Schutzwirkung gegen alle möglichen Krankheiten. Nachgereiftes Obst enthält weniger dieser Stoffe.

Carotinoide sind die roten und gelben Farbstoffe in Pflanzen. Am bekanntesten ist das Beta-Carotin, das in fast allen orangefarbenen Obst- und Gemüsesorten vorkommt. Lutein kommt dagegen in grünblättrigem Gemüse vor. Lycopin färbt Tomaten rot und erhöht den körpereigenen UV-Schutz.

Flavonoide: gelborange Färbung. Anthozyane: rote, blaue und violette Färbung von Kirschen und Pflaumen, gelten als schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Es ist erwiesen, dass warme Farben den Appetit steigern, also Vorsicht. Deshalb sind viele Räume von Schnellimbissen rot, gelb und orange.

26. November

Was tut wohl die Rose zur Winterszeit?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum.
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt ...
Ein Traum, und der Winter ist um!

Und was tut die Rose zur Osterzeit?
Sie räkelt sich, bis zum April.
Am Morgen, da weckt sie die Sonne im Blau,
und am Abend besucht sie der Frühlingstau. 

Und ein Engel behütet sie still -
der weiß ganz genau, was Gott will! -
Und dann über Nacht, wie ein Wölkchen, ein Hauch,
erblüht sie zu Pfingsten am Rosenstrauch.

 Mascha Kaléko

27. November

Bereits im November beginnt die Weihnachtsbäckerei. Alle Rezepte werden geortet, es wird eingekauft und dann geht's los. Jedes Jahr dieselben Erinnerungen an das Backen mit meiner Mutti, als ich noch klein war: Damals gab es ja nicht viel. Es wurde aus Mehl, Milch, einem Ei und  Zucker, wenn vorhanden etwas Fett - oft Schweineschmalz -  ein Teig hergestellt. Vati hatte aus Zinkblech Ausstechformen erstellt. Kreise, Dreiecke und Vierecke, in verschiedenen Größen. Für die runden Formen bastelte er sogar einen Griff in Art eines Henkels. Dieser wurde, wie die Formen selbst, zusammengeschweißt. Dann hat er diese Stellen abgeschliffen, damit sie schön glatt waren. Wenn ich meine Ausstechformen der "Neuzeit" aus der Dose nehme, fallen mir die aus der damaligen Zeit in die Hände. Ich besitze sie noch immer. Warum weiß ich nicht. Kann sie einfach nicht wegwerfen, hatte er sich damals doch so viel Mühe gegeben. Mit diesem "Werkzeug" stachen wir unsere Plätzchen aus, die dann auf ein, auch selbst hergestelltes Backblech gelegt wurden. Dieses wurde vorher mit einer Speckschwarte gefettet. Dann kamen diese Köstlichkeiten in den mit Holz geheizten kleinen Ofen.

Heute ist das viel einfacher. Und so werde ich auch dieses Jahr wieder anfangen und weitere Erinnerungen werden mich berühren. Nach vielen Lebensjahren habe ich mein System entwickelt, in welcher Reihenfolge bestimmte Plätzchensorten erstellt werden. Fange ich mit den Kokos- und Haselnussmakronen an, muss ich an die Schule denken. Wir hatten damals auch "Kochen und Backen" als Unterrichtsfach. Eben diese Sorten lernte ich dort kennen. Die Kokosmakronen erinnern mich an meinen Vati und den Schwiegervater, waren deren Lieblingsplätzchen. Erstelle ich dann den Teig der "Ausstecherle" und bin dabei, Sterne, Herzen und noch viel mehr Formen auszustechen, muss ich an meine Kinder denken. Dabei halfen sie immer gerne. Diese Plätzchen wurden, bevor sie in den Ofen kamen, mit Eigelb oder -weiß bestrichen. Bestreut haben die Kinder sie mit Hagel- oder buntem Zucker. Mein Lebkuchenrezept hat mir meine Schwiegermutter "geschenkt". Wenn es nun wieder ans Backen geht, werden wir oft davon reden, denn sie lebt leider nicht mehr.

So ist fast jede Plätzchensorte für mich mit einer Erinnerung verbunden. Wie herrlich duftete das Gebäck, wenn es aus dem Ofen kam. Oft war die Enttäuschung groß, wurden manche der Plätzchen hinterher doch sehr fest. Ins Schlafzimmer stellen, bekam ich von meiner Schwiegermutter den Rat. Aber viel Platz war da nicht. Nun hatten wir einen etwas absurden Einfall. Die Plätzchen wurden wie eine Reliquie in eines unserer Gewächshäuschen getragen und dort, mit Tüchern abgedeckt auf die Regale gestellt. Oft schon nach ein paar Tagen hatten sie die gewünschte "Bissfeste". Natürlich musste Otto, mein Mann, jeden Tag danach sehen. War sehr wichtig. Nur wunderte ich mich, warum das Nachschauen so lange dauerte. Als wir die Köstlichkeiten dann ins Haus holten, um sie in Dosen zu verstauen, war ich sehr erstaunt. Hatte ich so wenig gebacken? Das Geheimnis lüftete sich bald: Es war die Weihnachtsmaus! Aber eine mit zwei Beinen! 

28. November

Die Weihnachtsmaus

Aus dem Ofen zart und weich,
muss probieren ich sogleich.
Eine Weile später, o Schreck,
sind sie nicht mehr zart,
sondern richtig hart!
Enttäuscht bring ich sie weg!

Tage später, die Weihnachtsmaus
ist neugierig unterwegs im Haus!
Sie hat geknabbert hier,
hat gekostet dort,
schmunzelnd bringt sie mir,
ohne ein einzig Wort',
Plätzchen weich und zart
und mit Lob nicht spart!

Diese Maus ist wohlbekannt,
in jedem Haus man sie fand!
Zum Kosten ist sie stets bereit,
immer um die Weihnachtszeit!
Bleib bei mir, in meinem Haus,
ich liebe dich, du zweibeinige Maus!

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